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61

Montag, 25. Februar 2019, 13:39

Der Zahn der Zeit nagt nicht nur an unseren Tonköpfen.

Angesichts der Vergänglichkeit alles Irdischen tut man vielleicht gut daran, den jahrtausendealten Rat zu beherzigen, nicht allzusehr dem Materiellen anzuhaften. Wenn ich mir in diesem Zusmammenhang ein Zitat aus Psalm 39,5-6 erlauben dürfte:

[offtopic]

Herr, lehre doch mich, dass ein Ende mit mir haben muss,
und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muss.
Siehe, meine Tage sind einer Hand breit vor dir,
und mein Leben ist wie nichts vor dir.
Ach, wie gar nichts sind alle Menschen,
die doch so sicher leben.
Sie gehen daher wie ein Schemen,
und machen ihnen viel vergebliche Unruhe;
sie sammeln und wissen nicht wer es kriegen wird.

[/offtopic]

Womit ich niemandem zu nahe getreten haben möchte, einschließlich mir selber :whistling:

Grüße, Peter

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62

Montag, 25. Februar 2019, 13:53

Ich fotografiere auch nicht mehr "alles", denn ich schaue nur selten alte Fotos an. Zuviel will man bewahren. Bereits heute lebt vieles nur noch in meinen Erinnerungen. Die frühere Zeit ist einfach vorbei und in manchen Belangen ist das auch gut so. Der Mensch entwickelt sich weiter. Ich bin technischen Neuerungen durchaus aufgeschlossen und wenn sie in Form ihrer Weiterentwicklung mich überzeugen können, nutze ich sie auch entsprechend. Ich trauere auch nicht mehr dem Analogfilm in der Fotografie nach, obwohl es mir damals Spaß machte, Farbfilme selbst zu entwickeln, schneiden und im Projektor zu betrachten oder auf Papier zu vergrößern. Die Digitaltechnik erlaubt da doch deutlich mehr. So ist es auch bei der Tontechnik. Werden die Rechenknechte schneller und die Software leistungsfähiger, wird man irgendwann über die Analogtechnik nur noch lächeln. Ach guck mal, wie die sich damals noch mit sowas abmühen mußten...und die Schallplattentechnik mit Microrille bewundern, wie wir heute ein altes Grammophon zum aufziehen. ;)
Gruß
André

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63

Montag, 25. Februar 2019, 22:58

Analoger Klang ist für mich Klirr. Schön zu hören am Klavier, wenn man das Dämpferpedal tritt. Die Anregung der harmonischen Obertöne verstärkt die „Räumlichkeit“. Das gleiche machen Röhren, daher höre ich lieber mit Röhrenendstufen als mit Transistoren. Die „Schärfe“ der CD kommt m. E. von der schlechten DA Wandlung früherer Wandler. Mathematisch ist die Rückwandlung ja nicht eindeutig. Ein DA Wandler erzeugt „Treppenstufen“, ab da kamen schnöde analoge Tiefpassfilter zum Einsatz. Das „klangbestimmende“ Element der alten Digitaltechnik war und ist analog. Moderne DA Wandler, die ich besitze, erzeugen in beide Richtungen Ergebnisse, die sich mit menschlicher Physiologie nicht mehr vom Original unterscheiden lassen. Da kann man analoge Technik dann fürs Sounding einsetzen. So nehme ich gerne HiRes Files hochwertiger Aufnahmen analog mit der Nagra IVs auf und bilde mir ein, dass die Wiedergabe besser klingt, als das analog gewandelte digitale „Original“. Das hat aber nichts mit Esoterik zu tun, nur mit Neurophysiologie. Harmonische Obertöne werden eher von Menschen mit rechts dominantem Hörkortex bevorzugt, Grundtöne von links Dominanten. Da die Menschen sich aber als absolut betrachten und die eigene physiologische Ausstattung nicht kennen, haben wir die bekannten Diskussionen. Dabei streiten sich hier perkussiv und spektral Begabte in etwa wie Blinde über Farben ... Kurzum, es gibt Unterschiede und im Wesentlichen zwei Gruppen von Menschen, die diese höchst unterschiedlich wahrnehmen. Die Philosophen unter uns mag das an das Höhlengleichnis des Platon erinnern.
Gerhard

  • »kaimex« ist der Autor dieses Themas

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64

Dienstag, 26. Februar 2019, 12:05

Mathematisch ist die Rückwandlung ja nicht eindeutig.

Da bei dieser Aussage nicht klar ist, ob sie sich auf die unzulängliche DA-Wandlung der Anfangszeit bezieht, oder als allgemeine "Wahrheit" gemeint ist, ist eine Klarstellung erforderlich:
In den Original-Arbeiten von Shannon zum Abtast-Theorem ist dargelegt, unter welchen Bedingungen Abtastung und Rekonstruktion zu eindeutigen Ergebnissen führen.
Der anfängliche primitive DAC mit Ausgabe von Treppenstufen erfüllte diese Bedingungen nicht. Erforderlich ist Aufnahmeseitig eine Bandbegrenzung auf < Nyquist-Frequenz = halbe Abtast-Frequenz und Wiedergabe-seitig das Gleiche, im Idealfall realisiert durch einen sin(x)/x-Interpolator der Abtastwerte, was einer Filterung mit einem idealen Tiefpass mit Grenzfrequenz=Nyquist-Frequenz entspricht. Das wird heutzutage in "ordentlichen" Sound-Interfaces durch eine Kombination von Oversampling und digitaler Filterung mit analoger Nachfilterung approximiert. Es werden aber immer noch im Billig-Sektor Soundkarten verkauft, die weder Aufnahme-seitig noch Wiedergabe-seitig diese Bedingungen erfüllen. Von deren Eigenschaften kann man aber nicht auf die Eigenschaften des digitalen Verfahrens an sich bei Ausführung nach den Regeln der Kunst schließen.

MfG Kai

65

Dienstag, 26. Februar 2019, 12:25

Hallochen Andre :)
Die frühere Zeit ist einfach vorbei und in manchen Belangen ist das auch gut so.

...dafür in vielen anderen Belangen ist das nicht gut so. Ich würde sagen 50:50.

Zitat

Der Mensch entwickelt sich weiter.
Das bezweifle ich schwer, wenn ich mich so umsehe und insbesondere die jüngere Generation betrachte, also ca. 14-29 Jahre.

Zitat

Werden die Rechenknechte schneller und die Software leistungsfähiger,
wird man irgendwann über die Analogtechnik nur noch lächeln.
Glaub ich irgendwie nicht. Ich denke "irgendwann" wird die Analogtechnik immer noch faszinieren und neue Sammlergenerationen entstehen. Sie werden ebenso versuchen diese Technik zu aktivieren, vielleicht dann mit einfacheren Möglichkeiten die uns heute noch verborgen sind. Sie werden ebenso beginnen es zu lieben wieder aktiv beim Höhren der Musik mitzuwirken.

:)
Ein Teil unserer Geräte: 2 x Grundig TK47, Grundig TK 830, Grundig TM 700, UHER 5000 Universalgerät, Telefunken Magnetophon M300, AKAI X-201D, 2 x Dimafon Universa inkl. Platten von 1952 und 1959, TK830, Arabella Musiktruhe 55 mit TM700 integriert, Magnetophon 300 und 302TS, Tefifon M540 und Tefifon M541, TK6L, Tannhäuser 55 & 56, Othello 55, Dual Plattenspieler 1004, 1004S und 1002, Sonolor Röhrenradio, Tefifon B52, Dual Party 295 und noch einige mehr......

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66

Dienstag, 26. Februar 2019, 18:45

Zitat von »Sonicman«
Mathematisch ist die Rückwandlung ja nicht eindeutig.
Da bei dieser Aussage nicht klar ist, ob sie sich auf die unzulängliche DA-Wandlung der Anfangszeit bezieht, oder als allgemeine "Wahrheit" gemeint ist, ist eine Klarstellung erforderlich: ...
Das ist jetzt eindeutig aus dem Zusammenhang gerissen zitiert, gelle ;)
Trotzdem ist die Erklärung für die mathematisch weniger Bewanderten vielleicht hilfreich.

Grüße Gerhard

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67

Dienstag, 26. Februar 2019, 20:18

Harmonische Obertöne werden eher von Menschen mit rechts dominantem Hörkortex bevorzugt, Grundtöne von links Dominanten.
....dann bin ich wohl ersterer... ;)

@sonicman
Es stimmt, heute sind Wandler deutlich besser geworden. Eine Zeit lang waren ja die "Burr-Brown" sehr beliebt... Die schlimmsten meiner Vergleichsbeispiele sind die Analogdigitalisierungen der 80er, die einfach nur tot und muffig gegenüber der LP klingen. Neuere, gut gemachte Masterings, wo man wohl immer mit Kompression nachhelfen muß, klingen für eine 44kHz-CD schon recht gut. Und doch fehlt mir immer noch was. Wandlerfehler bleiben Wandlerfehler, wie beim Plattenspieler die Abtastfehler eben. Viele moderne Produktionen von Schallplatten haben ein HD-Master. Sie klingen damit transparenter als eine CD, auch wenn es oberflächlich gehört nur Geringfügigkeiten sind, die einem Laien von sich aus meist gar nicht auffallen. Mit der Schallplatte hat man bei modernen Produktionen oft nur hier die Möglichkeit, das HD-Master zu hören, während die CD "runtergerechnet" und "hochkomprimiert" wurde. Auch unter dem Stichwort "Loudnesswar" findet man viele Meßbeispeile, wo CDs teils schon kaputtkomprimiert sind. Auch bei vielen Downloads, selbst in HD ist es oft eher etwas bescheiden im Vergleich zur LP. Es ist schade, das so gerade das größte Potential der Digitaltechnik, die extrem hohe Dynamik nicht oder zu wenig zu nutzen, wenigstens einen Teil davon. Da hätte die Schallplatte mit ihren maximal 60dB keine Chance.

@Alex
Man fand schon in der Antike von den Griechen wie auch von den Römern Schriften, die ihre nachfolgenden Generationen als "hoffnungslos verloren" betrachteten. Zumindest 2000 Jahre danach gibt es uns aber immer noch... ;)
Gruß
André

68

Dienstag, 26. Februar 2019, 20:33

Man fand schon in der Antike von den Griechen wie auch von den Römern Schriften, die ihre nachfolgenden Generationen als "hoffnungslos verloren" betrachteten. Zumindest 2000 Jahre danach gibt es uns aber immer noch... ;)

Jahaaa, :D aber in welcher geistigen, moralischen und intellektuellen Verfassung ! :P
.
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Mittwoch, 27. Februar 2019, 11:27

Jahaaa, :D aber in welcher geistigen, moralischen und intellektuellen Verfassung !


Wenn auch "hart offtopic": wir nehmen "uns" als Gesellschaft viel zu ernst. Mag sein, dass die von uns in unmittelbarer Nähe wahrgenommene Verfassung unserer Gesellschaft streckenweise zu wünschen übrig lässt aber wen interessiert das schon am anderen Ende der Welt. Oder wen interessiert das in 50 Jahren (= einem Wimpernschlag in der Menschheitsgeschichte). Alles ist ständig im Wandel - das, was uns heute richtig und wichtig erscheint, ist woanders und zu einer aneren Zeit kaum von Interesse. OT-Ende

Gruß
P.
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Donnerstag, 28. Februar 2019, 07:48

Es ist die Mittelmäßigkeit und nicht die Einzigartigkeit de in der Geschichte schon immer das Rennen gemacht hat... ;)
VG Martin

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Donnerstag, 28. Februar 2019, 09:19

Es ist die Mittelmäßigkeit und nicht die Einzigartigkeit de in der Geschichte schon immer das Rennen gemacht hat... ;)

Das liegt vielleicht unter anderem daran, dass die Mittelmäßigen vor allem eines gründlicher gelernt haben als die Einzigartigen: ihre Posten, Pfründe und Privilegien erfolgreich zu sichern und zu verteidigen.

Grüße, Peter

  • »kaimex« ist der Autor dieses Themas

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Donnerstag, 28. Februar 2019, 19:06

Ich glaube eher, es liegt an der Definition und nicht an der besonderen Bosheit der Mittelmäßigen:
Die, die in der Mehrzahl da sind, definieren das Mittelmaß.
Aus der ?Gauss?verteilung ragen auf beiden Seiten welche raus.
Das sind die Einzigartigen im positive und negativen Sinne.
Das liegt in der Natur der Betrachtungsweise und nicht am fiesen Verhalten der Mittelmäßigen.

MfG Kai