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Mittwoch, 18. Februar 2009, 23:18

Hallo Hans-Joachim,

ja, ähm, ich mußte Deinen Beitrag jetzt erst 2 oder 3 Mal durchlesen.

Dies trägt sicherlich zu den von mir "gehörten" Klangbildern bei. Aber ich glaube, ich muß doch noch ein wenig besser erläutern, was ich meine, ich weiß, daß es schwierig ist, es so zu formulieren, daß jemand anders außer mir das auch versteht.

Vielleicht kann man es gut mit einem Beispiel erklären.
Nehmen wir ein altes Lied, das allgemein gut bekannt ist, sagen wir mal, "Weiße Rosen aus Athen" von Nana Mouskouri aus dem Jahr 1961. Mir liegen sowohl Rundfunkmitschnitte, als auch Schallplattenkopien auf Tonband vor, die relativ zeitnah (zwischen 1962 und 1965) mit irgendwelchen Tonbandgeräten erstellt wurden.

Exakt dieses Lied, ein und dieselbe Studioaufnahme, kann man ja auch heute noch manchmal im Radio hören (wobei heutiges Radio schlecht als Vergleich dienen kann), aber viel wichtiger: es ist als CD erhältlich. Ich spreche nicht von irgendwelchen Neufassungen, wo der Gesang zwar identisch ist, aber mit neuer musikalischer Begleitung! Genau so wenig meine ich irgendwelche digital remasterte CDs. Ich meine schon das original von 1961 und es handelt sich zweifelsfrei um diese Erstfassung, aber wenn ich diese original CD mit einem alten Röhrentonbandgerät auf ebenso altes BASF LGS 35 überspiele, dann ist der Klang fast so, wie die CD. Ein wenig Bandrauschen kommt hinzu, wenn ich die Lautstärke hoch aufdrehe und vielleicht schleicht sich hin und wieder ein kleiner Drop-Out ein, aber der "Klang" ist trotzdem 1:1 so, wie von CD.

Das heißt also, daß das uralte Röhrentonbandgerät nicht die Ursache für den "altertümlichen Klang" sein kann und das antike Bandmaterial auch nicht. Warum klingen nun alte Aufnahmen mit identischer Musik, die vor mehr als 40 Jahren mit exakt den gleichen Geräten/Bandmaterial erstellt wurden, so anders?

Wie soll ich nun aber den von mir gehörten Unterschied beschreiben? Das ist das Schwierigste daran. In der deutschen Sprache haben wir das wunderbare Wort "Gemütlichkeit", das gibt´s z.B. im Englischen nicht. Also ich würde sagen, die alten Aufnahmen klingen "gemütlich", sie klingen irgendwie anders, wie als wenn man bei einem Schwarzweiß-Fernsehgerät den Kontrast zu stark aufdreht und man einige Grau-Abstufungen dabei "verschluckt". Eine Schwarzweiß-Bildröhre erzeugt aber kein richtig weißes Licht, sondern das sieht mehr so bläulich aus. Damit fängt´s ja schon an. Genau so klingt für mich so eine alte Aufnahme. Es klingt nicht blütenweiß, nicht neutral und auch nicht porentief rein, sondern blaustichig mit zu starkem Kontrast.

Ich muß auf diese bildlichen Vergleiche ausweichen, weil mir keine anderen passenden Begrifflichkeiten einfallen.

Und ich vermute stark, daß dies der "Klang" ist, der im Volksmund als der "warme Röhrenklang" bezeichnet wird, obwohl m.M. nach das überhaupt nichts mit der Röhrentechnik zu tun hat und erst recht nicht mit irgendeiner "Wärme" analoger Tonspeichertechniken, das ist Quatsch. Ein Tonband klingt genau so kalt und neutral, wie eine CD, vorausgesetzt, Gerät und Bandmaterial sind okay und passen zueinander.

Nun besitze ich ebenfalls einige alte Schallplatten aus dieser Zeit aus den Sechziger Jahren, jedoch gibt es beim Abspielen auf ebenso alten Plattenspielern auch hier nicht diesen seltsamen "Klang". Es liegt also auch nicht an der Platte. (Die 45er-Single von Mouskouri ist mono.)

Ich habe keine Ahnung, warum alte Tonbandaufnahmen so eine seltsame Eigencharakteristik haben. Mir kam schon der Gedanke, daß sich die Magnetisierung im Laufe der Jahrzehnte irgendwie ändert, oder sich selbst kopiert, daß sich die Remanenzen irgendwie auf dem Band "durchdrücken" oder "breitmachen". Damit meine ich aber nicht Vor- oder Nachechos im klassischen Sinn, sondern Eigenverstärkung - hervorgerufen durch jahrzehntelanges unverändertes Verharren der Magnetpartikel in ihrer Position.

Diese "Eigenverstärkung" ist nicht linear, daher werden gewisse Frequenzspektren bevorzugt, andere bleiben unverändert. Dies ergibt dann im Endresultat diesen von mir gehörten "Klang".

Also ich kann es leider nicht besser erklären, vielleicht liege ich mit meinen Überlegungen auch völlig daneben. :D
War das überhaupt verständlich, was ich geschrieben habe?

Falls ja, dann würde mich interessieren, ob Du diesen typischen "Klang des Alters" auch schon beobachten konntest. Es würde natürlich voraussetzen, daß Du hin und wieder alte Tonbandaufnahmen heute im Jahr 2009 anhörst, weil ich nicht weiß, ob der Klang schon immer vom ersten Tag an so war, oder ob sich der Klang erst im Nachhinein im Laufe der Jahre verändert hat, ähnlich wie ein guter Wein im Faß reift.

Aah, endlich mal ein guter Vergleich. Warum fiel mir das nicht schon viel früher ein? Genau, das ist es! Alte Bandaufnahmen klingen wie im Holzfaß gereifter Wein! Aber dieser Vergleich ist andererseits wieder so nichtssagend.

Es tut mir leid, mir fallen immer noch keine richtigen Wörter ein für das, was ich höre. :undnun:

Viele Grüße,
Manuel