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Donnerstag, 17. Februar 2005, 23:06

Hallo Leute,

als mein Beitrag zu den Kinks poste ich hier mal einen/meinen Text zu einem Kinks-Special,das ich in grauer Vorzeit im Rahmen eines "Rundbandes" der Spulentonbandfreunde gemacht habe:


Heute kam ein Paket mit 6 Rundbändern an(nur so nebenbei:hat jemand schon einmal eckige Bänder gesehen?Na ja: Cassetten halt)


Mich hat fast der Schlag getroffen:
Da schreibt doch einer,er habe Chrissie Hynde auf irgendeinem Konzert mit einem“rothaarigen Grinsgesicht“ „red ,red wine“ trinken gesehen!(oder gehört??)
Wen hat er da gemeint mit“rothaarigem Grinsgesicht??Doch nicht den ehemaligen Lebensabschnittgefährten
der lieben Chrissie??Doch nicht Ray Davies???Oder war es der Nachfolger???oder der Vorgänger???
„Wollen Sie meine erste Frau werden“????
Aber Ray Davies ist nicht rothaarig.Oder doch?

Für diejenigen unter Euch,die die letzten 50 Jahre auf einem fernen Planeten verlebt haben und gerade zur Erde zurückgekehrt sind,oder frisch aufgetaut nach ein paar Millionen Jahren aus dem Eis irgendeines Gletschers ins Leben zurückkehren:Ray Davies war und ist der Komponist und Frontman der KINKS!!!

Nun ist nicht jeder ein Freúnd des Brit-Pops,aber Leute,an den Kinks kommt man nicht vorbei,wenn man einfach nur gradlinigen britischen Rock mag.Ich weiß nicht,wieviele Platten die Kinks aufgenommen haben,ich weiß aber ,daß da viel Schrott dabei war,aber die Lichtblicke sind so unglaublich gut,für mich repräsentieren sie einfach ,hochgestochen formuliert,Authentizität,sie sind einfach“far out“.

Zu Ray Davies und den Kinks fallen Euch vielleicht die Anfänge ein:Sunny Afternoon,Waterloo Sunset,und natürlich Death of a Clown(das sein Buder Dave Davies gesungen hat).Nicht zuletzt das unsägliche Lola(das ist sowas wie“Take an walk on the wild side“für Zu-kurz-gekommene.)
Aber die wirklich guten Songs haben Euch Euere DJs und Moderatoren nie gespielt.
Und dann erinnert Ihr Euch noch an ein paar Dinge aus dem Spätwerk.Aber Picasso ist auch nicht besser geworden,auch wenn Euch das die Kunsthistoriker immer erzählen.
Und auch nicht Yehudi Menuhin,und viele andere,höchstens vielleicht Chet Baker,bis er aus dem Fenster sprang.
Unter den Platten des Ray Davies jedenfalls gibt es ein paar,die das Wort „Meilenstein“mehr verdienen,als irgendein drittklassiges Album irgendeiner Band,dem dieses Wort angehängt wurde.

Und deshalb gibt es jetzt ein „Special“über die KINKS!!!
(das geplante Frühlingsband gibt’s damit erst nächstes Jahr)

Und ich fange nicht mit den Anfängen an(Andreas wird´s mir wahrscheinlich danken).


In 1975 gabs ein Konzeptalbum.Das hieß damals dann gleich „Oper“:in diesem Fall allerdings „Soap Opera“
Irgendwann kam das rüber:Bayrischer Rundfunk,2.(!)Programm,Club 16,Michael Hutter.Ich habe noch so eben die Kanäle 1 und 2 auf meinem Sony auf „Record“geschaltet und mit Zeige- und Mittelfinger die Aufnahme gestartet:

Ihr müßt den Lautstärkeregler ganz nach rechts drehen,am besten die Bässe etwas verstärken,so um die 4 dB,
und dann....(Rush Hour Blues)

....Bomm,Bommm,Bomm,Bommm,
....he gets up early about 7 o` clock,
the alarm goes off and then the house starts to rock.
In and out the bathromm by seven -o-three,
By seven-ten he´s downstairs drinking his tea
…….
…”Read the papers later,
you´ll get caught in the queues”
…”don´t rush me baby while I´m reading the news”
…”Darling get a move on,you´re cutting it fine”
Und jetzt kommt meine Lieblingsantwort auf diese Feststellung:
Cool it,baby,I´ve got plenty of time!!!!!
…….

Und dann kommt man nach Hause:
By the way dear,how´d you get on in the office????
Antwort:
I mustn´t stay in this job too long,
I gotta get out before the hold is too strong,
I gotta get out before my ambition is gone,
Cause it´s braking me up,bringing me down.
But when I get home you make it all worthwhile,
You make me laugh and you make me smile,
And after a hard day sorting out the files,
You make it all worthwhile…

Also,wenn ihr das nächste Mal hundemüde von der Arbeit nach Hause kommt und Euer halbwüchsige(r) Sohn/Tochter noch nicht einmal den Kopf hebt und Ihr ihr/ihm keine Erwiderung des Grußes wert seid,oder Eure Frau nur meckert,warum Ihr so spät nach Hause kommt,wo Ihr doch ganz genau wißt.....
Dann singt ganz laut:
And when I get home you make it all worthwhile....



Irgendwann Ende der 70-iger/Anfang der 80-iger waren die Kinks dann im Rockpalast.Wir haben damals in der schönsten Stadt Deutschlands gewohnt,in Freiburg,mit Blick auf´s Schwabentor.Glücklicherweise hat der damals noch existierende Südwestdeutsche Rundfunk(der ja inzwischen von den Schwaben gekapert ist,und jetzt wird der Musikgeschmack dieses Senders von einem Herrn Holtmann bestimmt!)das Konzert im Radio gesendet.Deswegen war eine einigermaßen gute Aufnahme möglich.

Am Anfang stand der erste Titel der „Give the people what they want“-LP:
Around the Dial
Ich habe da die CD-Fassung genommen,von der CD“Give the People what they want“(Für die technisch Interessierten:von einem Sony-Discman!!über eine Mini-Klinke/Kopfhörerausgang nach Cinch,damit in das Tape-in eines Mackie 1202 VLZ Pro.Ob da nicht irgendwo die Kanäle vertauscht wurden ,dafür kann ich nicht garantieren.Dem Guido dreht sich wahrscheinlich der Magen um)

Ich habe das schon einmal beschrieben,bei meinem Bericht über das Sony TC 640:Mitte der 60-iger konnte man „seine“Musik nur aus dem Radio hören.Ich bin jeden Tag von einem kleinen Kaff aus nach Bayreuth in die Schule gefahren.Da gab´s nur 2Geschäfte, die nicht nur Musik von Wagner führten:das war der Hertie und der Radio-Schwankl.Und wißt ihr,die ihr den Saturn und andere große Läden kennt,wie groß die Schallplatten-Abteilung für neuere Musik, war,vom deutschen Schlager und dem Ernst Mosch mit seinen Orginal Kinderschändern einmal abgesehen??Das war ein Stapel,der war viellecht so 50-70 cm tief.Der Rest war Schrott.Deswegen brauchte man ein Tonbandgerät,aber dann brauchte man immer noch einen Sender und eine Sendung,die die Musik spieltet,die einem gefiel.
„I´ve been around the dial so many times
but you´re not there.
Somebody tells me that you´ve been taken off the air
Well,you were my favorite DJ,
Since Ican´t remember when.
You always plaýed the best records…..


Eine Stärke von Ray Davies ist seine tolle Beschreibung des Alltags.Eine Kostprobe habt ihr oben schon gehört.
In einem der ersten Alben der Kinks gab es ein Lied,in dem es hieß(Im Original bekomme ich das nicht mehr zusammen):
„Die schaust in meine Augen als ob du in das Bullauge einer Waschmaschine schaust...“
Jetzt kommt aber eines meiner Lieblingsstücke,eben aus diesem Konzert:
Like a Yo-Yo:
His wife is in the kitchen fixin´ her old man´s tea
And she´s thinking to herself:”he´s not the man that married me.jajajajajaj”
They used to laugh together,now he´s never at home.
Now she´s fighting back the tears,she can´t even laugh alone!!!!
She´s just sitting by the telephone,like a yo-yo…
You needed me when you were crying,
But now you´re laughing I´m the last thing on your mind…….


Ray Davies macht das,was in der populären Musik der USA gang und gäbe ist,und bis BAP in Deutschland nur vereinzelt vorkam:er erzählt kleine Geschichten.(ja,Lindenberg auch,aber....)Aber über diese Geschichten werden Zustandbeschreibungen transportiert:bei mir erscheint dabei immer das Bild eines typischen englischen Backsteinreihenhauses in London,schmutzig,heruntergekommen,in den Menschen wohnen,die in den Jahren des Thatcherismus nur verloren haben.Und keine Power,keine Möglichkeit,keine Perspektive ...
Deswegen kommt jetzt ein Lied aus der Frühzeit der Band:
Dead End Street:Sackgasse
There´s a crack up in the ceiling,
And the kitchen sink is leaking.
Out of work and got no money,
A Sunday joint of bread and honey.
What are we living for?(Die Gitarre spielt die Melodie-Linie)
Two-roomed apartment on the second floor.
No money coming in,
The rent collector´s knocking,trying to get in..
Und jetzt kommt ein Satz,der fast prophetisch auf die Kinks zutrifft,sicher nicht wirtschaftlich,aber was den Erfolg betrifft:
We are strictly second class.....

Das nächste Lied,Add it up,
Ist weniger textlastig,es führt eher hin zu einem härteren,gitarredominierten Stil.
Der Gesang/Text wird perkussiv eingesetzt:
Gucci,Gucci,Gucci,
Cartier,Cartier,
Gucci,Gucci,Gucci

Low Budget
Ist dann wieder ein Programm:ich denke,daß alle Alben der Kinks inklusive der bootlegs low-budget Produktionen waren(der Dave Enlen zählt 128 LP!!!!!)
Cheap is small and not too steep
But best of all cheap is cheap:
Das Gute am Billigen ist,daß es wenigstens billig ist!
Circumstance has forced my hand
To be a cut price person in a low budget land.
Zu dieser Zeit waren die Kinks bzw.Ray Davies wirklich am Boden.O.k.,síe haben auf der Insel einen harten Kern von Fans,der in alle Konzerte geht,siehe auch die verschiedenen sites.Aber sie hatten damals Probleme,ihre Alben zu produzieren.Sie waren einfach „mega-out“.
I look like a tramp,but don´t write me off,
I´ll have you all know,I was once taugh
At least my hair is all mine(kann ich leider nicht mehr behaupten:es gehört zwar mir,ist aber nicht mehr so
viel...),my teeth are my own.
But everything else is a permanent loan..

Aber wie hatte Ray Davies schon früher gereimt(Rock ´n Roll Fantasy)?
The King(Elvis!) is dead,
Rock is done,
You might be through
But I´ve just begun!!!!
(das Lied hat leider hier nicht mehr drauf gepaßt)

Irgendwie waren die Kinks immer zu früh,oder zu spät oder was was ich.
Sie spielten den Punk,als der noch gar nicht erfunden war.Aber dann,nach den Sex Pistols,Clash und Konsorten, haben solche alten Fürze wie Dave Edmonds oder Nick Lowe nochmal Kasse gemacht,aber die Kinks nicht.
Und dann als der Punk in den USA als Grunge angeblich neu erfunden wurde und die kids hier nochmal darauf abfuhren,waren die Kinks wieder nicht dabei; zu alt,zu englisch, oder sonst etwas.Sie waren halt immer zur falschen Zeit am falschen Ort.Trotzdem sind sie für mich:
Prince Of The Punks
Und wieder ist es das alte Thema:
A well known groover,rock´n`roll user,
Wanted to be a star.
But he failed the blues,and he´s back to loser,
Playing folk in a country bar.
Ray Davies erzählt seine eigene Geschichte,oder besser,eine Geschichte,die auf ihn zutreffen könnte,aber leider nie zugetroffen hat:
Der Typ kann nichts mit Raggae anfangen,nichts mit Jazz:`Cause they play in different keys!!!
Und deshalb spielt er Punk.
Aber anders als Ray Davies he´s finally made it......
Thinks he looks cool but his act is dated…
He tried to be gay,but it didn´t pay!!!….
He´s much too old for twenty-eight,
But he thinks he´s seventeen,
He thinks he´s a stud,
But I think he looks more like a queen !!!

Celluloid Heroes
Everybody´s a dreamer and everybody´s a star,
And everybody´s in movies,it doesn´t matter who you are.
There are stars in every city,
In every house and on every street,
And if you walk down Hollywood Boulevard
Their names are written in concrete.

Einige von Euch werden vielleicht bemerkt haben,daß ich oben:Ducks on the wall ausgelassen habe:
Nun.da geht es eben darum:der Star ist in seiner Wohnung als Norman,und seine Frau sagt ihm,er sei:
Just a plain ordinary little bloke ..
Und er haßt dieses Haus,er haßt die Frau,aber am meisten haßt er die Enten an der Wand/bei uns vielleicht mit dem röhrenden Hirsch vergleichbar,oder hier in Schwaben mit der Mutter Gottes über dem Ehebett….


Zu guter Letzt kommt jetzt wieder ein Stück von der “Give The People What They Want”LP:
Better Things
Das ist einfach der Wunsch an Euch,daß es in Eurem Leben noch etwas geben möge jenseits Zweifel,Trauer,
I know that better things are on the way….
I know tomorrow you´ll find better things…
Vielleicht die Frau oder den Mann Eures Lebens,oder das große Geld,beruflichen Erfolg,oder einfach die größte Bandmaschine aller Zeiten oder das endgültige Rock-Riff…


Viele Grüße
Frank

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Freitag, 18. Februar 2005, 15:22

Also das Band, das kam, nachdem es die Runde gemacht hatte, bei mir vorbei... und da blieb es dann.....wenn mal jemand reinhören möchte und Frank nix dagegen hat, schicke ich es gegen Portokostenerstattung auf die Reise.
Michael(F)

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Freitag, 18. Februar 2005, 16:54

Es ist vom Frontmann der UB40 die Rede, der sich jahrelang mit Frau Hynde vergnügen durfte. Das ganze begann bei irgendeinem XY-Aid-Konzert bei einem spontanem Duett. Nee, bäh, fand ich damals gar nicht schön ;) Habe irgendwo das Video auf CD... mal schauen...

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Freitag, 18. Februar 2005, 22:01

Es ist schon verblüffend, welch unterschiedliche Sichtweisen auf das Schaffen einer über einen längeren Zeitraum aktiven Band möglich sind. Die Kinks zählen für mich zu den besten Gruppen, aber das, was für Frank die "Frühphase" ist, okay, rein chronologisch gesehen stimmt das schon, in meinen Augen/Ohren ist das die (einzige) geniale Phase der Band, die absoluten Höhepunkte waren die Alben "Face To Face" und "Something Else".

Was ab etwa 1970 kam, mag vielleicht von den Texten her ebenbürtig sein, aber musikalisch? Auf keinen Fall schlecht, doch bei weitem nicht an die Sachen aus den 60ern heranreichend.

"Lola" hat darunter gelitten, daß es jahrzehntelang viel zu oft im Radio gespielt wurde. Ich halte den Song für die vorletzte wirklich gute Single der Kinks. Später kam noch "Supersonic Rocket Ship", aber die Fähigkeit, perfekte Singles aus dem Ärmel zu schütteln, hatten die Kinks verloren.

Gruß, Wolfgang