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Sunday, June 13th 2004, 1:44pm

In den Bert-Kaempfert-Thread, dem Auslöser für dieses Posting, wollte ich nicht zu viele andere Namen 'reinbringen. Deswegen mache ich ein neues Thema auf. Dabei möchte ich nicht nur für James Last sondern für viele andere Musiker, die wir oft und gerne etwas belächeln, eine Lanze brechen. Dies mehr aus Respekt vor der Leistung, nicht so sehr, weil ich Fan bin.

Nicht jeder wurde so dumm geboren wie er sich gibt und nicht jeder wird auch so dumm sterben. Daß sich viele Musiker in künstlerischer Hinsicht für dumm verkauft haben (oder sich vekaufen ließen) hat damit zu tun, daß früher, wo doch alles vieeeel viel besser war, die gleichen Probleme bestanden, über die wir heute auch klagen: Mit Niveau ist es schwer, Geld zu verdienen. In der Folge sinkt das Niveau. Manchmal singt das sinkende Niveau auch noch.

Mir fallen spontan folgende Musiker ein:
Bill Ramsey, Paul Kuhn, Knut Kiesewetter, Gitte, Catherina Valente, Nana Mouskouri, Kurt Edelhagen, Hugo Strasser, Max Greger, Ernst Mosch und und und...

Diese Liste könnte jeder von uns beliebig verlängern. Was diese Musiker verbindet: Alle sind / waren sie honorige Musiker, Könner ihres Fachs, gediegene Handwerker, die eben nicht das Glück hatten, mit einer überbordenden Kreativität ausgestattet zu sein, die sich zwangsweise von selber den Weg sucht. Es ist nicht jeder ein Miles Davis, der sich musikalisch und aussermusikalisch erlauben kann was er will und dabei nicht nur sein Publikum, seine Kritiker sondern auch noch seine Vermögensberater entzückt.

Die genannten Musiker haben alle gemerkt, daß sie mit ihrer Musik nur schwer überleben konnten, und damals wie heute wollte das Publikum weniger anspruchsvolle Kunst sondern mehr Unterhaltung. Jedes Publikum bekommt die Künstler, die es verdient und wurde entsprechend bedient. Kaempfert ging nach America. Ob wegen der künstlerischen Herausforderung oder wegen der Aussicht, gut zu verdienen, weiß ich nicht. Er hat sich, aus welchen Gründen auch immer, für den schwersten Weg entschieden. Für Musiker war und ist die Konkurrenz in Amiland immens. Das sich Kaempfert dort etablieren konnte spricht für seine Klasse.

Last ist in Deutschland geblieben und hatte den größten Erfolg. Er stand hier auch unter ständiger Beobachtung und war, anders als Kaempfert, auf eine geradezu aufdringliche Weise permanent präsent. Hat jemals ein Musiker derart gnadenlos eine Masche bis zum Erbrechen durchgezogen? Er wurde zum Party-König. Wenn in den siebzigern eine solche gegeben wurde, so besorgte man 'was zum trinken, 'was zum knabbern und die neueste Scheibe von James Last, die damals, so schien es mir, mit der gleichen Regelmäßigkeit erschienen wie Spiegel und Stern. Heute ist er Flohmarktkönig. Wenn mich etwas an ihm besonders stört, dann das, daß meine seine Platten stapelweise beiseite räumen muss, wenn man auf Flohmärkten nach schwarzen Scheiben gräbt.

Greift man in die Masse dieser Veröffentlichungen und holt sich ohne zu wählen eine heraus, so findet man äusserst selten etwas richtig Schlechtes. Was diese Musik disqualifiziert ist die schiere Menge an ewig gleichem, die fehlende Abwechslung. Wer sich die Mühe macht, die Party-Platten auszusortieren findet brillante Live-Mitschnitte, Filmmusiken und auch heute noch gültige Eigenkompositionen neben bestechenden Arrangements. Dieser Teil seines Gesamtwerks ist zwar der kleinere, aber immer noch groß genug, um ein beachtliches Lebenswerk abzugeben. Daß das Handwerk auch bei den liedrigesten Produktionen immer gestimmt hat - heute ganz bestimmt keine Selbsverständlichkeit mehr - braucht nicht weiter erwähnt zu werden.

So hat James Last immer hohen Respekt von anderen Musikern genossen und auch von solchen Leuten, die selber mehr begeistert denn talentiert mit einem Instrument kämpften. Dieses "easy listening" war anscheinend oft genug ein "easy playing". Die harte Arbeit, die dahinter steckte, sah man oft nicht. Bei vielen jungen Musikern geniesst Last heute noch hohe Anerkennung, seine Konzerte werden 12 Monate vorher plakatiert und sind oft kurz danach ausverkauft. Eine James-Last-Tournee ist ein Großereignis ohne Spektakel. Ähnlich wie bei Udo Jürgens und ähnlich auch, wenn auch in viel kleinerem Rahmen, bei Reinhard Mey.

Und die anderen? Ramsey huldigte der Zuckerpuppe von der Bauchtanztruppe und kann es ich dank dem damit verdienten Geld leisten, immer wieder eine gute Jazz-Platte für Kenner abseits der Großkonsumenten zu besingen. Paul Kuhn, der Mann am Klavier, forderte im gleichnamigen Schlager für diesen mehr Bier, bekam dieses und noch einen Haufen Geld dazu, versteckte gekonnt den excellenten Arrangeur und Jazzpianisten, bis er sich vor ein paar Jahren wieder seinen Wurzeln zuwandte. Zusammen mit Greger, dem verhinderten Egerländer und Hugo Strasser, dem Tanlehrer der Nation, tourt er unter dem Motte "Swinglegenden" zusammen mit der SWR-Big-Band, dem ehemaligen "Südfunk-Tanzorchester Erwin Lehn". Kuhn hat auch in jüngster Zeit eine ganze Latte excellenter Platten eingepielt. Edelhagen war der wildeste der deutschen Nachkriegs-Jazzer. Mit softig-weichgespültem Sound ließ er den Marsch der Nationen zur Olympiade in München einflutschen. Das war dann auch der Höhepunkt seiner Karriere.

Catherine Valente hat Jazz gesungen, Gitte Hänning tut es heute noch, Nana Mouskouri hat vor kurzem eine Jazz-Tournee absolviert, Knut Kiesewetter konnte nie richtig aus seiner Haut und war auch als Schlagerfuzzi noch zu gut, um dauerhaft Erfolg haben zu können. Eine tragische Figur ist Ernst Mosch: Der Posaunist von Erwin Lehn blieb bei seinem erfolgreichen Dauerbrenner "Egerländer" hängen. Er verwurstete bömisches Liedgut derart großangelegt, langatmig und vor allem erfolgreich, daß es ihm nicht mehr vergönnt war, den Absprung für ein vernünftiges Spätwerk zu schaffen. Da ihn niemand erschiessen wollte, musste er auf natürliche Weise zu Tode kommen. Was Erfolg und Penetranz anbelangt war er schlimmer als Last zu seinen schlimmsten Zeiten.

Letztlich haben diese Musiker Gebrauchsmusik gemacht. Musik, die auch gebraucht wurde, sonst hätte sie sich nicht so fantastisch verkauft. Ich mag das meiste nicht, was da produziert wurde, aber meinen Respekt haben diese Musiker immer gehabt, und manches, was sie ganz zu Anfang oder auch am Ende ihrer Karriere gemacht haben, machmal auch eingestreut zwischendrin, finde ich richtig dufte.

Im Übrigen freue ich mich auf den Tag, an dem Stefan Raab mit seinem von ihm so titulierten "Humor" keinen Erfolg mehr hat. Vielleicht tut er dann das. was er wirklich gut kann: Arrangements für Big-Bands schreiben. Aber zuvor will er anscheinend Ralph Siegel beerben. Immerhin: Es gibt schlimmere wie Max. Und wenn Helge Schneider nicht gerade Geld mit einem Katzenklo verdient, spielt er excellent Jazz-Gitarre. Vielleicht kommt da mal aus ungeahnten Ecken Erfreuliches auf uns zu, hofft jedenfalls

Michael

by the way, Roy Black soll sehr darunter gelitten haben, daß er mit Schlagern Geld verdienen musste. Sein Herz hing, so sagt man, am Rock ' Roll.
Michael(F)

wz1950

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2

Sunday, June 13th 2004, 3:27pm

Danke, Michael, das war fällig und tat richtig gut.

Wolfgang

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Sunday, June 13th 2004, 8:54pm

Hier mal ein paar Infos über James Last aus wikipedia. Man beachte vor allem seine frühen Auszeichnungen aus der Zeit vor 1970.


James Last
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

James Last wurde mit dem bürgerlichen Namen Hans Last am 17. April 1929 in Bremen geboren und lebt heute in Florida. Nach seiner Ausbildung an der Heeresmusikschule in Bückeburg spielt er ab 1946 als Bassist mit seinen Brüdern Werner und Robert im Tanz- und Unterhaltungsorchester von Radio Bremen. Sein Bruder Werner machte später selbst Karriere unter dem Namen Kai Warner, und sein Bruder Robert spielte in der Erstbesetzung der James-Last-Band Schlagzeug.

1964 erhält er von Polydor einen eigenen Plattenvertrag und es beginnt mit dem Album "Non Stop Dancing" eine beispiellose Karriere. Sein Repertoire reicht vom Swing über Pop und Volkslied bis zur Klassik. Bis heute hat der Bandleader, Komponist, Arrangeur und Musikproduzent weltweit über 80 Millionen Tonträger mit seinem Orchester - bestehend aus Big Band, Streicher und Chor - verkauft. Darüber hinaus arbeitete er mit vielen Künstlern zusammen, wie Wencke Myhre, Freddy Quinn, Richard Clayderman, René Kollo, Fettes Brot und andere.

Zu seinen erfolgreichsten Eigenkompositionen gehören "Games That Lovers Play", "Happy Luxembourg" oder auch Titelmelodien deutscher Fernsehserien wie "Der Landarzt" oder "Das Traumschiff", sowie die Erkennungsmelodien zu den erfolgreichen Musiksendungen "ZDF-Hitparade"' mit Dieter Thomas Heck und "Starparade" mit Rainer Holbe (beide ZDF), aber auch die Filmmusik deutscher Spielfilme wie "Der Kapitän" (1971) mit Heinz Rühmann oder "Morgens um Sieben ist die Welt noch in Ordnung" (1968) und "Wenn süß das Mondlicht auf die Hügel fällt" nach den Erfolgs-Romanen von Eric Malpass.

James Last gab zahlreiche Tourneen auf allen Kontinenten und steht auch heute noch im Konzertsaal auf der Bühne ("Andere geh´n in Kur, ich geh´auf Tour").

1997 starb seine Frau Waltraud, mit der er 42 Jahre lang verheiratet war, an Krebs. Aus der Depression führten ihn, wie er sagt, der Glaube, seine Musik und seine heutige (30 Jahre jüngere) Frau Christine.
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Besondere Ereignisse

* 1965 - Erste LP-Produktion "Non Stop Dancing"
* 1967 - Vier LP’s zur gleichen Zeit auf den ersten Plätzen der englischen Hitparade
* 1974 - Wohltätigkeits-Konzert in Berlin vor dem Schöneberger Rathaus mit 60.000 Besuchern
* 1977 - Konzert in Danzig
* 1977 - Konzert im Palast der Republik in Ostberlin
* 1978 - große Russland-Tournee im Auftrag des Goethe-Institutes
* 1989 - Zwei Konzerte in der Dresdner Semperoper mit René Kollo
* 1999 - James Last feiert im Rahmen einer großen Europatournee (mit 150.000 verkaufte Tickets die erfolgreichste Tourneeproduktion des Jahres) in London im Anschluß an ein Konzert in der Royal-Albert-Hall seinen 70. Geburtstag
* 2002 - Große China-Tournee
* 2004 - Der 75. Geburtstag und das gleichzeitg in diesem Jahr anstehende 40jährige Jubiläum werden mit drei Konzerten in der Royal-Albert-Hall in London gefeiert
* 2004 - Am 17. April anläßlich des 75. Geburtstages "James-Last-Kultnacht" im ZDF

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Edelmetall

* 17 Platin Schallplatten
* 206 Goldene Schallplatten
* 6 Goldene MusicCassetten
* 11 Silberne Schallplatten

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Auszeichnungen

* 1950 bester Jazzbassist des Jahres (Deutscher Jazzpoll)
* 1951 bester Jazzbassist des Jahres (Deutscher Jazzpoll)
* 1952 bester Jazzbassist des Jahres (Deutscher Jazzpoll)
* 1969 MIDEM-Trophäe (Cannes)
* 1969 Deutscher Schallplattenpreis für das Neuarrangement von Bertolt Brechts Dreigroschenoper
* 1969 Beliebtestes Orchester des Jahres (Deutscher Musikpoll)
* 1970 Beliebtestes Orchester des Jahres (Deutscher Musikpoll)
* 1971 Beliebtestes Orchester des Jahres (Deutscher Musikpoll)
* Goldene Europa (Europawelle Saar)
* 1971 Goldenes Grammophon
* 1971 Silbermöwe (Hamburger Abendblatt)
* Gold Leaf Award (Kanada) für "Super Non Stop Dancing"
* Gold Leaf Award (Kanada) für "James Does His Thing"
* Golden Award, Record World Top German Orchestra
* Country Music Award (ASCAO)
* ASCAP-Award Elvis Presley
* 1975 Goldene Westfalenhalle
* 1975 Goldener Notenschlüssel (Deutscher Musikverlag Sikorski)
* Ehrenlöwe (Radio Luxemburg)
* 1976 Star Of The Year-Trophäe (von den englischen Fachzeitschriften Musicweek und Billboard)
* 1977 Robert-Stolz-Preis der Robert-Stolz-Stiftung
* 1978 Bundesverdienstkreuz am Bande, verliehen von Bundespräsident Walter Scheel
* 1979 Goldene Kamera (Zeitschrift Hör Zu)
* 1980 Preis von Cashbox für "The Seduction" (beste Instrumentalproduktion)
* Special-Price für 52 Chart-Albums in Großbritannien
* 1991 Goldene Stimmgabel (ZDF)
* 1994 Goldene Eins
* 1994 Echo Life Award
* 1997 Goldene Europa
* 2000 Platin Stimmgabel (ZDF)
Michael(F)

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Sunday, June 13th 2004, 9:58pm

Ich kann es mir nicht verkneifen ;) Für mich zählen keine Zeugnisse oder Auszeichnungen, sondern die Leistungen der Personen. Last hat seine Seele verkauft, etwas dass ich nicht könnte, eine Haltung, die zwar modern, aber verabscheuungswürdig ist. Erfolg hat der, der keinen eigenen Penis in der Hose hat, macht, was man von ihm verlangt und sich der Lebensdiplomatie bedient (Ausnahmen bestätigen die Regel). Nachdem Last diese Auszeichnungen und die damit verbundenen Plattenverkaufserlöse eingeheimst hatte, hätte er etwas besseres machen können...und das tat er nicht!

Hier mal die herausragenden Auszeichnungen von Modern Talking / Dieter Bohlen:

Auszeichnungen bis 1998:
Goldener Sieger BRAVO-Otto-Wahl (2x)
Die Goldene Stimmgabel (2x)
Formel Eins (6x)
Goldener Löwe - Radio Luxemburg (2x)
R.S.H.-Gold (2x)
Presse Preis Grand Prix
Ein Lied für Lausanne (Grand Prix-Vorentscheidung '89)
Goldene Eins
Goldene Europa (2x)
Musik-Szene 91 (Die goldene Ehrennote)
und andere...
mehrere Hundert Gold-, Platin- und Doppelplatin-Schallplatten:
1982 erhielt Dieter seine erste Goldene Schallplatte für das Album "Happy Guitar Dancing" von Ricky King
1985 mussten 75 Gold- und Platin-Platten mit einem Gabelstapler auf die Bühne befördert werden, um diese an Modern Talking für ihre
weltweiten Erfolge übergeben zu können
1994 bekam Dieter von seiner Plattenfirma BMG eine Auszeichnung für 100.000.000 verkaufte Tonträger weltweit, mittlerweile sind es etwa 160.000.000 verkaufte Tonträger
mit Modern Talking gelang es Dieter als einzigem Act, in Deutschland 5 Nr. 1-Hits in Folge zu landen
Dieter produzierte den erfolgreichsten Soundtrack der deutschen Fernsehgeschichte: mit über 1.000.000 verkauften Platten zu der
Fernsehserie "Rivalen der Rennbahn"
Im November 1989 gab Dieter 13 Konzerte in der ehemaligen UdSSR vor insgesamt über 400.000 Fans.
Am Ende der Tournee wurde Dieter von der staatlichen sowjetischen Künstlervereinigung der Titel "Held der russischen Jugend" verliehen.
Charts-Erfolge:
110 Titel in den deutschen Musikmarkt-Charts
über 50 mal Nr. 1 auf der Welt
über 20 mal Top Ten-Hits in den Musikmarkt-Charts
12 mal Nr. 1 in Deutschland mit:


1985 Modern Talking "You're My Heart, ..."
1985 Modern Talking "Cheri Cheri Lady"
1985 Modern Talking "You Can Win If You Want"
1986 Modern Talking "Brother Louie"
1986 Modern Talking "Atlantis Is Calling"
1986 Chris Norman "Midnight Lady"
2003 Deutschland sucht ... "We Have A Dream"
2003 Alexander "Take Me Tonight"
2003 Daniel K. "You Drive Me Crazy"
2003 Yvonne Catterfeld "Für Dich"
2003 Alexander "Free Like The Wind"
2004 Yvonne Catterfeld "Du hast mein Herz gebrochen"
Fünf Mal schaffte Dieter es mit seinen Produktionen innerhalb nur eines Jahres von 0 auf Platz 1 der deutschen Single-Charts und stellte damit einen neuen Rekord auf!
Grand Prix-Erfolge:
1983 nahm Dieter erstmals als Produzent und Komponist am "Grand Prix Eurovision de la Chanson" teil:
Bernd Clüver sang den von Dieter komponierten Titel "Mit 17" und belegte damit bei der deutschen Vorausscheidung den 3. Platz.
1989 gewann Dieter mit seinen Titeln sowohl in Deutschland als auch in Österreich die Grand Prix-Vorausscheidung: in Deutschland
mit Nino de Angelo und dem Titel "Flieger", in Österreich mit Thomas Forstner und "Nur ein Lied". Nino de Angelo belegte
beim Grand Prix Platz 14, Thomas Forstner Platz 5.
1992 trat der Österreicher Tony Wegas mit dem von Dieter komponierten Song "Zusammen geh'n" beim Grand Prix an.
2002 nahm Dieter nach vielen Jahren Pause erstmals wieder am Grand Prix teil. Diesmal mit der 18-jährigen Isabel, die zuvor bei
einem Casting der "BILD"-Zeitung aus 5000 Bewerbern ausgewählt
worden war. Isabel belegte mit der von Dieter produzierten Ballade "Will my heart survive" den 6. Platz der deutschen
Vorausscheidung.
Auszeichnungen seit 1998:
1998:
Comet - Der Medienpreis (Lifetime Achievement Award)
Bambi
Goldene Europa
1999:
Die Goldene Kamera
unvergessen: bei "Wetten, dass...?" bekamen MT 200 Gold- und Platinauszeichnungen überreicht
Echo 1999
Radio Regenbogen Award
World Music Award
2001:
Top Of The Pops Awards 2001
2003:
Goldene Feder 2003
GQ - Man of the year
Bambi 2003
2004:
Echo 2004 (erfolgreichster nationaler Produzent)

wz1950

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5

Monday, June 14th 2004, 6:30am

James Last hat, nachdem er jahrelang kleine Brötchen backen mußte, mit genau der Musik das große Geld gemacht, die sein Publikum von ihm wollte. Und die hat er, im Rahmen des möglichen, gut gemacht. Auch in den 60ern war man nicht nur auf Feten, bei denen man LPs von Jefferson Airplane auflegen konnte. Wenn's denn wirklich Partymusik sein mußte, war man mit James Last gut bedient. Seine Platten waren, trotz aller Gleichförmigkeit, gut produziert. Vergleich doch mal unter dem Gesichtspunkt der klanglichen Transparenz die 1967er Non Stop Dancing mit beispielsweise der ersten LP von Procol Harum, die im selben Jahr, also bei gleichen technischen Möglichkeiten, erschien. Klar hat Procol Harum mehr Niveau, doch die Leute im Aufnahmestudio hätten mit lebenslangem Berufsverbot bestraft werden sollen. Und es gibt noch mehr solcher Fälle, "Fresh Cream" zum Beispiel. Einen solche Murks-Produktion wirst Du auf einer Last-Platte nicht finden. Er hatte sein Publikum, und das hat er gut bedient, Pfusch und Schludrigkeit kann man ihm nicht nachsagen, auch wenn man seine Musik nicht mag.

Und er hat ja auch andere, niveauvollere Platten gemacht. Nur verkauften die sich schlecht. SEIN Publikum wollte sie nicht, die meisten anderen möglichen Käufer machten sich nicht die Mühe, reinzuhören, weil man ihn mit dem Partysound identifizierte. Kann man ihm verübeln, daß er immer wieder zu der Musik zurückkehrte, die sein Publikum hören wollte?

Seine Seele verkauft? Diese Formulierung ist mir, mit Verlaub gesagt, suspekt. Den Vorwurf mußte sich schon Dylan gefallen lassen, als er 1965 von Folk und Protestsong zum elektrischen Rock wechselte. 1969 wieder, weil er mit dem damals als reaktionär verschrienen Johnny Cash gemeinsame Sache machte. Und die Yardbirds, als sie mit "For Your Love" begannen, Hit-Singles einzuspielen. Und Clapton und Winwood, weil sie bei dem ersten großen Hype der Rockmusik, der "Supergruppe" Blind Faith mitmachten. Jefferson Airplane haben ihre anerkannt gute Musik auch nur so lange gemacht, wie sich die Platten einigermaßen verkauften. Mit welchem Schrott hat sich später die einst so begnadete Grace Slick versucht, nur um wieder ins Geschäft zu kommen! So gesehen, ist James Last doch in bester Gesellschaft.

Ich bin wirklich kein Last-Fan, doch seine besseren Sachen höre ich mir gelegentlich gern an, ebenso gern wie eine Kaempfert-LP. Und die Party-Platten? Es gibt viele Menschen, die noch heute ihre Freude daran haben. Hätten die sich nicht übewiegend auf CD umgestellt, wären auch die Flohmartk-Stapel nicht so hoch.

Wolfgang

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6

Monday, June 14th 2004, 8:16am

Klanglich sind viele deutsche Produktionen ein Genuss, immerhin gab es früher 'Tonmeister' und offenbar haben die ihren Job sehr gut gemacht. Auch bei James Last. Und bei Procul Harum ist es wirklich schade, wie schlecht das aufgenommen wurde. Aber da weiss man ja nicht, wie es zustande kam. Kann sein, dass das musikereigene Equipment benutzt wurde und sich endweder die Musiker durchsetzen, dies zu verwenden oder es die preiswerteste Lösung für alle war. Oder man hatte nur ein winziges Label, die im 'Studio' (=Garage) nur eine TK 19 hatten... Oder die verantwortlichen Tontechniker

Quoted

hätten mit lebenslangem Berufsverbot bestraft werden müssen
:)

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Monday, June 14th 2004, 11:45am

Eine lange Liste von Trophäen sagt natürlich nichts über die künstlerische Leistung aus. Ich habe deswegen auch lange überlegt, ob ich den Artikel einstellen soll. Ausschlagebend dafür war der gute Hauptext und daß ich den Artikel nicht auseinanderreissen wollte.

Wenn man davon ausgeht, daß die Auszeichnugen für MT nicht seriöser und auch nicht weniger seriös vergeben worden sind wie die an James Last, so eignen sich die jeweiligen Listen ganz gut zum Vergleich.

Man erkennt, das James Last ca. drei mal so lange Musik gemacht hat wie MT, die so ca. 20 Jahre präsent waren und in dieser Zeit immer wieder große Erfolge feierten. 20 Jahre, das ist so ungefähr die Zeitdauer, die James Last zu Anfang seiner Karriere solide Musik mit der Hand am Arm gemacht hat. Seine ersten Auszeichnungen erhielt er nicht für Publikums- und Konsumentenreaktionen sondern für instrumentales Können. Haben Bohlen und Anders so etwas vorzuweisen? Die deutsche Jazzszene zeichnet sich übrigens durch große Ernsthaftigkeit aus, ich glaube nicht daß die derartige Auszeichnungen verschleudern.

Last hat dann, durchaus vergleichbar mit Bohlen, eine clevere Idee gehabt - Happy Sound for Party-People - und diese Idee solange reproduziert, wie das Publikum danach verlangt hat. Als es nicht mehr danach verlangt hat, hat er auf zurückhaltende Weise kürzer getreten und seine Musik in kleinerem Rahmen präsentiert, als er es gewohnt war.

Ob Bohlen soviel Stil hat, wird sich erst 'rausstellen, wenn er 75 geworden ist, ich wage es zu bezweifeln. Seine Sucht, möglichst 7 Tage die Woche bei Bild präsent zu sein, und sei es mit einem gebrochenen Schwanz, sorgt dafür, daß man den Blick auf seine Musik verliert. Dies ist m. E. allerdings auch besser so :D

Harte Urteile werden durch pointierte Forumlierung nicht gerechter, wenn sie falsch sind. Ich reagiere ähnlich wie Wolfgang auf die Aussage "...hat seine Seele verkauft." Die Seele ist doch etwas sehr privates, mit der kann jeder machen was er will. Er kann sie behalten, verändern, verlieren, verkaufen. Vor allem entscheidet jeder selber, was seine Seele ist. Wichtig ist für mich: Wie verhält sich dieser Mensch nach aussen? Last's Musik hat keine Worte, transportiert keine Message, Last hat nie etwas versprochen und dann nicht gehalten. Wo Last draufstand, war Last drin. Und was Last war, wusste jeder.

Wenn Grace Slick besoffen zum Konzert erscheint und die Rest der Crew das großkotzig zum Starship hochstilisierte Airplane ohne sie crashen lassen muss, so hat sie vielleicht nicht ihre Seele verkauft, aber ganz gewiss ihr Publikum. Das tun auch jene Genies, die das Publikum einer ordentlichen Plattenproduktion nicht für würdig befinden.

Last mag langweilig gewesen sein, für viele ein Ärgernis. Eine aufgeblasene Mogelpackung ohne Substanz war er gewiss nicht. Kein Genie, sondern ein excellenter Handwerker. Und die haben immer meinen Respekt. Ganz im Gegensatz zu Dieter Bohlen, der ist ein Würstchen :D

=> Wolfgang
Wir ticken manchmal doch sehr gleich :) Als Beispiel, für jemanden "...der seine Seele verkauft hat..." ist mir spontan Dylan eingefallen, noch bevor ich Dein Posting gelesen habe. Allerdings finde ich das von Dir gewählte Beispiel unpassend. BD hatte keinen Lust mehr auf den Job, als Messias der Folk-Music das Elend der Welt durch die Kraft seiner Stimme zu vertreiben, so wie das seine selbsternannten - nicht von ihm selbst gesuchten! - Jünger von ihm erwarteten. "Don't follow leaders!" hat er propagiert und sich in der Konsequenz nie als Leader verstanden. Er hat den Job gewechselt. Gut so, finde ich. Der spätere Dylan ist mein musikalisches Mekka, der early Dylan - ich geb's zu - nervt mich mitunter sehr. Mit der "Rolling Thunder Revue" von '75 fange ich ungleich mehr an als mit dem Philharmonic-Hall-Akustik-Konzert von 1964. Dafür dürfen mich die Puristen prügeln.

In Newport, um auf Dein Beispiel zurück zu kommen, hat er lediglich den Job gewechselt. Nicht er war bescheuert, sondern die, die "Judas" gerufen haben. Immerhin hat er soviel Weitblick besessen und erkannt, das Johnny Cash mal Kult wird ;). Das sahen damals nicht alle so. Und dann, als jeder einen neuen Höhepunkt erwartete, einfach ein "Selfprotrait" einzupielen und sich dafür zerreissen zu lassen, daß er sich zu der Musik bekannte die ihn die ganzen Jahre begleitet hat - das war schon o.K. Ähnliches hat er später wiederholt.

Nein, wenn er seine Seele verkauft hat, dann war es als er "Masters of war" sang, seine Frau vermöbelte und sein Geld in Firmen anlegte, die Rüstungsgeschäfte machten. So kam das jedenfalls damals rüber. Was genau dran ist, weiß ich nicht.

Entweder man lebt oder man ist konsequent. Ich habe nichts gegen solche Brüche. Aber Bob bekommt vielleicht noch einen eigenen Thread. Andreas wird ihm dann ein eigenes Board spendieren müssen, wenn Du mitmachst. :)

- Michael -
Michael(F)

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Monday, June 14th 2004, 3:28pm

Hey Ihr (deutschen) Musikfans!

Der MICHAEL hat mir voll aus der Seele gesprochen...äh, geschrieben! Ein sehr guter Beitrag!

Erinnern möchte ich noch an CATERINA VALENTE, die kürzlich ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum feierte und von der heute leider kaum jemand spricht. Doch ihre gesanglichen Qualitäten/Leistungen können heutige Interpreten nicht aufweisen.

Gruß, Gunther
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