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Mittwoch, 30. Juli 2014, 12:26

Wolfen oder Gorzów Wielkopolski?

Weil mir auch persönlich und aus unterschiedlichen Gründen an einer Klarstellung gelegen ist, muss ich die leidige Behauptung nochmals aufgreifen, nach der Agfa Leverkusen die Magnetbandtypen PER und / oder PER 525 bei ORWO in Wolfen habe fertigen lassen (Shamrock 044???, Beitrag 8, danach weitere von mir, insbesondere, sozusagen stellvertretend, http://forum.studerundrevox.de/viewtopic.php?f=24&t=2968, ab 14. Februar 2014).

Ich habe dieser Tage mit einem früheren Kollegen gesprochen, der bei Agfa Leverkusen/München lange Jahre u.a. für die Konfektionierung der Studiobänder zuständig war und demzufolge Augenzeuge der PER-Fertigung in München bzw. Leverkusen ist. Er versicherte mir nachdrücklich, die bewusste Behauptung sei, vornehm ausgedrückt, abwegig. (Was sich, wie zu lesen, selbstverständlich mit meinem Kenntnisstand deckt.)

Des Zusammenhangs wegen: ich habe schon "oben" das Folgende als wahrscheinliche Quelle des Gerüchts bezeichnet. Agfa Leverkusen hat Anfang der 1970er Jahre in Gorzów Wielkopolski, früher Landsberg an der Warthe, nahe der Westgrenze Polens, technische und personelle Hilfe beim Aufbau einer Magnetbandproduktion geleistet. Gefertigt wurden dort u.a. Studio-, Compact-Cassetten- und Computerbänder. Die Produktion dieses - seit langem nicht mehr existierenden - Werkes verblieb ausschließlich im COMECON- bzw. RGB-Bereich. Mein oben genannter Kollege war dort für den Aufbau der Konfektionierung, ein anderer meiner Agfa-Bekannten für den Aufbau der Meßtechnik zuständig.

Wem der fremde Klang "Gorzów Wielkopolski" nichts sagt, wird sich wohl daraus "Wolfen" zusammengereimt haben.

F.E.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Friedrich Engel« (30. Juli 2014, 13:45)


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Mittwoch, 30. Juli 2014, 17:40


Des Zusammenhangs wegen: ich habe schon "oben" das Folgende als wahrscheinliche Quelle des Gerüchts bezeichnet. Agfa Leverkusen hat Anfang der 1970er Jahre in Gorzów Wielkopolski, früher Landsberg an der Warthe, nahe der Westgrenze Polens, technische und personelle Hilfe beim Aufbau einer Magnetbandproduktion geleistet.


Das dürften dann die Stilon-Bänder gewesen sein, die ja auch teilweise auf der Verpackung auf die Agfa-Lizenz verweisen.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/co…Stilon_Agfa.jpg

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Freitag, 1. August 2014, 06:52

Timo, schönen Dank für den Link - wieder eine Lücke im Archiv gefüllt. Wie ich beim "Hinterher-Recherchieren" gesehen habe, war das Bild garnicht so leicht zu finden. Auch die offizielle website von Stilon - etwa http://www.stilon.com.pl/plikinewen/kalendarium.php - berichtet nur unscharf von dieser anscheinend längst vergessenen Episode der Firmengeschichte. WWW ist also immer noch nicht allwissend - auch ein Trost.

F.E.

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4

Samstag, 2. August 2014, 02:11

Hallo,

als Ergänzung zu Timo:
In der Schachtel wird sich das Band AN 25 DOUBLE PLAY HIFI LOW NOISE befunden haben.

Friedrich,
mir ist immer noch nicht klar, warum die AGFA den Technologie Transfer über den "Eisernen Vorhang" getan hat.
"Gutmenschen" waren die Geschäftsführer damals auch nicht.
Die haben sich doch diese Leistung in irgendeiner Form bezahlen lassen, in einem Wirtschaftgebiet das ständig Geld aus dem Westen brauchte.
Mir fällt sofort der Begriff: "Gestattungsproduktion" ein.
Wer glaubt denn ernsthaft, das die Bänder nicht in den Westen geliefert wurden?
Sei es unter einem anderen Namen.

Das Gleiche gilt auch für die MBF Dessau und dem Werk in Ungarn welches die BASF mit aufgebaut hat.

Natürlich ist es ja auch denkbar das die Regierung der Bundesrepublik Deutschland die Kosten übernommen hat, im Zuge der West-Ost Entspannung.

Es wäre sehr schön, wenn Du mal etwas mehr zu diesem Thema schreiben könntest.

Viele Grüße
Volkmar

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Samstag, 2. August 2014, 11:34

Volkmar,

Dein Engagement ist immer noch bemerkenswert.

Leider ist meine Antwort auf Deine berechtigte Frage ernüchternd kurz: ich weiß nichts über Gründe und Absprachen; da hätte ich wohl schon sehr weit oben in den entscheidenden Gremien von Agfa, Gevaert oder Bayer sitzen müssen. Wollte ich jetzt mit Spekulationen beginnen, wäre damit niemandem geholfen. Und um die Sache zu rekonstruieren, bräuchte man Zugang zu den Protokollen der Vorstandssitzungen - das gelingt vielleicht der nächsten Generation, falls sich da noch jemand für derlei Komplexe interessiert.

Interessieren täte es mich aber schon ...

F.E.

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Donnerstag, 3. Mai 2018, 20:57

Wenn es auch schon Jahre her ist, bin ich doch beim Stöbern auf dieses PDF zur Filmfabrik in Polen gestoßen.
Leider nur in polnisch, wenn man es autom. übersetzt, ist alles verschoben und durcheinander. Viell. hat aber jem. bessere techn. Möglichkeiten, das lesbar hinzubekommen, falls es überhaupt noch interessiert.
Es sind ein paar Infos zu Produkten und dem Ursprung des Werkes durch der AGFA zu entnehmen.

https://yadda.icm.edu.pl/.../Eckert_Mode…czny_3_2013.pdf

Jedenfalls klappt der Link, wenn man ihn ins Google kopiert.
Viele Grüße,

Matthias