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Dienstag, 24. Mai 2016, 12:01

10. Juni 1941: Musik vor dem Abgrund - Die Vorstellung des HF-Magnetophons

Es ist schon ungewöhnlich, wenn eine Firmenpräsentation „vor kleinem Kreis“, nämlich gut 2000 „Vertretern von Partei, Wehrmacht, Tonfilmindustrie, Rundfunk“ und mehr als 80 Journalisten, im größten Kino des Landes stattfindet, aber der Vorhang vor der Leinwand geschlossen bleibt: Deutschlands zweitgrößter Elektrokonzern AEG hatte zu einer Matinee am 10. Juni 1941 in den Berliner UFA-Palast am Zoo eingeladen. Worum es ging – ein neues Verfahren „für besonders störgeräuscharme und hochqualitative Tonaufnahme und Wiedergabe“ –, machte in Andeutungen seit Monaten bei Schallplattenfirmen und Filmstudios die Runde. Mit der Einladung, die auch das ambitionierte Programm der Veranstaltung enthielt, hatte die AEG nicht zu viel versprochen: die Demonstration galt als wichtigste derartige Vorführung der letzten Jahre. Das Schlüsselwort las sich freilich ebenso sperrig wie undurchschaubar: dank Hochfrequenzvormagnetisierung sollte sich das bisher zwar vielversprechende, aber qualitativ nicht eben überragende Magnetophon-Verfahren zum besten verfügbaren Tonspeicherungsverfahren gemausert haben – vor 75 Jahren feierte es seine offizielle Premiere.

Die AEG hatte seit 1932 entschlossen in das neue System „Magnetophon“ investiert, für das sie Geräte und Verstärker baute; gleichzeitig entwickelte I.G. Farben in Ludwigshafen den Tonträger „Magnetophonband“ aus einem Geistesblitz Fritz Pfleumers zu einem verkaufsfähigen Produkt. 1938 orderte die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (RRG) zwanzig tragbare Geräte für Reportagen und Außenaufnahmen sowie weitere zwanzig Exemplare einer stationären Bauart für den Studiobereich; alle wurden 1939 in Dienst gestellt. Für das Handelsgeschäft bestimmt war das erste wirklich erfolgreiche Modell Magnetophon K 4, angeboten seit Herbst 1939.Allerdings haperte es, bei allen Vorteilen, noch an der Aufzeichnungsqualität: vor allem ein Hintergrundgeräusch, „als liefe hinter geschlossener Tür Wasser in eine Badewanne“, schloss das Magnetophon von der anspruchsvollen Hörspiel- und Musik-Produktion des Rundfunks aus – und daran rieb sich der Ehrgeiz der RRG-Techniker.

Im April 1940 zog Walter Weber aus der scharfsichtig analysierten Fehlfunktion eines Versuchsaufbaus den richtigen Schluss: die „Hauptarbeit“, das Tonband zu magnetisieren, sollte nicht dem eigentlichen Tonsignal, sondern einem hochfrequenten Wechselstrom aufgebürdet werden. Diese Hilfsschwingung bleibt unhörbar, verringert aber das Rauschen auf ein Drittel (10 dB). Geschickte Ausnutzung der Amplitudenstatistik erlaubte eine zusätzliche Ausweitung des Dynamikbereichs um weitere 10 dB sowie, gewissermaßen als Bonus, eine Ausweitung auch des Tonhöhen-Bereichs um eine volle Oktave. Mit einer Dynamik von 60 dB und einem Übertragungsbereich von 30 Hz bis 10 kHz war das Hochfrequenz-Magnetofon der RRG allen Schallplatten-Verfahren und, kommerziell besonders vielversprechend, dem immer rauschenden Lichtton der
Spielfilmproduktion eindeutig überlegen.

Walter Weber und sein kollegialer Vorgesetzter Hans Joachim von Braunmühl, wissenschaftlich-technischer Leiter der RRG-Labors, übertrugen ihre (als DRP 743 411 patentierte) Entdeckung an die AEG und sorgten dafür, dass auch ihre weiteren Patentanmeldungen in Fachkreisen bekannt wurden. Verwickelte Aktivitäten und Interessen weckten bei der AEG die Besorgnis, ihre bisherige Arbeit könne unterbewertet werden. So wurde eine groß aufgezogene öffentliche Veranstaltung propagiert, und zwar in – keineswegs reibungsloser – Zusammenarbeit zwischen der AEG, der RRG und der Filmtechnischen Zentralstelle (FTZ), die sich um die Vereinheitlichung der in deutschen Filmstudios benutzten Produktionstechnik kümmern sollte. Wie weit der Bandlieferant I.G. Farben eingebunden war, ist nicht mehr festzustellen.

Die Veranstaltung am 10. Juni 1941 war ein voller Erfolg, sie gehört zu den bedeutenden Wegmarken der Tonaufzeichnungstechnik. Wie noch heute anhand der Tonbeispiele nachvollziehbar – „Les Préludes“ von Franz Liszt, Gesangsaufnahmen mit Erna Sack, Klaviersoli sowie der Variationensatz aus Schuberts Forellenquintett mit Ferdinand Leitner und dem renommierten Fehse-Quartett –, war der Sprung auf ein bisher unerreichtes Qualitätsniveau gelungen. Die Musterstücke, wohl im Frühjahr 1941 aufgenommen, hatten Studios der Telefunkenplatte (die wenig später von Siemens zur AEG kam) beigesteuert. Am stärksten beeindruckt scheint das Auditorium zunächst von einer wahrhaft „vollplastischen“ Heinrich George-Rezitation der Kleist’schen „Anekdote aus dem letzten preußischen Krieg“ gewesen zu sein, besonders passend nach dem erst kurz zurückliegenden Frankreich-Feldzug.





Einladungskarte der AEG und Beilageblatt der RRG (rechts unten) zur Veranstaltung am 10. Juni1941


Furtwänglers erste Magnetbandaufnahme als Glanznummer

Die weitreichendsten Zukunftsaussichten eröffnete allerdings die abschließende Darbietung: der knapp 17 Minuten lange Vierte Satz aus Brahms’ Erster Sinfonie c-moll op. 68, gespielt von den Berliner Philharmonikern unter Wilhelm Furtwängler, aufgenommen in der alten Philharmonie. Und zwar, anders als bis dahin technisch notwendig, „ohne dynamische Regelung“, also Einengung. Selbstverständlich lief die Aufzeichnung ohne Unterbrechung, für damalige Schallplattenhörer keineswegs selbstverständlich: die nur viereinhalb Minuten Spielzeit der Schellackplatte hätten drei Unterbrechungen für Seiten- und Plattenwechsel (dazu meist noch den Tausch der Abspielnadel) erzwungen. Unvermeidlich störend, aber vor allem ein deutlicher Fingerzeig auf die künstlerischen Bedingungen beim Plattenschnitt, hieß das doch für Dirigenten wie Musiker, etwa alle 270 Sekunden eine Zäsur zu finden, abzusetzen, zu warten, bis die Platten-Schneidmaschinen wieder aufnahmebereit waren, und dann auf Kommando unverzüglich und exakt in Tempo und Tonhöhe wieder einzusetzen. Kein Wunder also, dass Furtwängler bis dahin kaum größere Werke für Schallplatte eingespielt hatte.

Die Erste Brahms-Sinfonie hatte Furtwängler für drei Konzerte am 15., 16. und 17. Dezember 1940 aufs Programm gesetzt, zusammen mit der Erstaufführung des „Rondino giocoso“ von Theodor Berger (1905 - 1992) und Bachs Fünftem Brandenburgischem Konzert, bei dem er den Klavierpart übernahm. Die RRG übertrug die erste Wiederholung vom 16. Dezember 1940, technisch betreut von Furtwänglers bald lebenslangem Freund, dem Tonmeister Friedrich Schnapp, und hatte sie im Funkhaus an der Masurenallee mit einem Vorserien-Hochfrequenz-Magnetophon aufgezeichnet. Hans Schießer, damals Laborleiter bei der AEG, erinnerte sich:

Furtwängler war von der Aufnahmequalität begeistert, er ließ sich die Aufnahmen immer und immer wieder vorführen. Er hatte noch nie erlebt, dass man während oder kurz
nach der Aufnahme, und mit einer solchen Qualität, abhören kann.


Schießer spricht damit eine weitere leidige Schwachstelle der damaligen Schallplatten-Auf­nahmetechnik an: die zentimeterdicken Wachsplatten konnten zum Abhören allenfalls zwei Mal abgespielt werden, sonst waren sie für die Produktion der „Schwarzplatten“ nicht mehr zu gebrauchen. An Korrekturen kleiner Fehler war nicht zu denken, im Zweifelsfall musste ein Vier-Minuten-Abschnitt eben wiederholt werden.

Das Magnetophon hatte im Juni 1941 mit einem Schlag öffentlich bewiesen, dass es frei von den ärgerlichsten Schwachstellen der Plattentechnik war: es bot merklich höhere Dynamik, deutlich weniger Rauschen, eine Laufzeit von gut 21 Minuten pro Band (1000 m bei der Bandgeschwindigkeit 77 cm/s), es kannte keine Knackser, die Aufzeichnung konnte schon Zehntelsekunden nach dem Aufnehmen und dann beliebig oft ohne Klangeinbußen abgehört werden und, nicht zuletzt: Korrekturen mittels Band-Schnitt und –Montage eröffneten völlig neue Produktionsbedingungen.

Dass sich die Presse über die Veranstaltung detailliert und durchweg begeistert äußerte, liegt keineswegs nur an der „Gleichschaltung“. Rund vier Dutzend Berichte sind nachweisbar, vom „Völkischen Beobachter“ über die Hauptstadtpresse bis zu Provinzzeitungen. Die Magnetophon-Technik war also keineswegs ein Staatsgeheimnis, wie nach 1945 verbreitet wurde – etwa in der Art, Hitler habe die Erfindung befohlen, damit die Alliierten seinen Aufenthaltsort während seiner Rundfunkreden nicht ermitteln könnten, doch viel mehr als erste Ansätze hätten die Nazis nicht zustande gebracht.

Furtwängler erkannte bei seiner ersten Begegnung mit dem Magnetophon spontan dessen Vorteile. Mit dem Einverständnis, die Brahms-Aufnahme im UFA-Palast vorzuführen, hat er dem neuen Verfahren gewissermaßen die Praxisreife bestätigt, was bei der künstlerischen Potenz und dem Renomee der Interpreten umso schwerer wog. Leider ist die Brahms-Auf­nahme selbst verschollen. Dass Furtwänglers Magnetband-Konzertmitschnitte erst ab 1942 einsetzen, liegt an seinem Skiunfall im Frühjahr 1941, dessen Folgen ihn monatelang an Auftritten hinderten. RRG ihrerseits wartete bezeichnenderweise bis ins Spätjahr 1941 auf die ersten vier serienmäßigen HF-Magnetophon-Geräte für ihre Studios, weil die Produktionslinie der AEG weitgehend von Wehrmachtsaufträgen („Tonschreiber“) blockiert war. So galt allem Anschein nach als Sprachregelung, eine breite Nutzung der neuen Möglichkeiten sei erst nach Kriegsende zu erwarten – was denn auch stimmte: die Schellackplatte dominierte
bis Anfang der 1950er Jahre, die Langspielplatte löste sie Schritt für Schritt ab – aber ohne Magnetophon auch keine Langspielplatte!

Trotzdem konnte ein (nicht genau umrissener) kleiner Kreis schon während der Kriegsjahre Musik vom eigenen Magnetbandgerät hören. Die AEG hatte das Magnetophon zu einem Nur-Wiedergabe­gerät vereinfacht, das Prominenten zur Verfügung gestellt wurde, und wie sich versteht, Hitler an erster Stelle. Der amerikanische Nachkriegsbericht eines zuverlässigen Autors meldet, eines dieser Geräte sei im Sommer 1942 ins Führerhauptquartier bei Winniza gekommen; der Führer sei so begeistert gewesen, dass
er sofort mit dem täglichen Kurierflugzeug weitere Aufnahmen einfliegen ließ. Ein nicht eindeutig belegter Bericht behauptet, das Gerät sei ihm zum Geburtstag 1942 geschenkt worden, und zwar, so unwahrscheinlich das auch klingen mag, von Wilhelm Furtwängler. Dieses Magnetophon schaffte vermutlich auch noch den Rückweg nach Obersalzberg: Goebbels notierte im Tagebucheintrag vom 21. April 1944, er habe Hitler zu seinem Geburtstag eine Furtwängler-Magnetbandaufnahme der Vierten Sinfonie von Anton Bruckner geschenkt, über die er sich sehr gefreut habe. Wahrscheinlich handelt es sich allerdings um Bruckners Fünfte Sinfonie B-dur, die am 25., 26., 27. und 28. Oktober 1942 auf dem Konzertprogramm der Alten Philharmonie stand. Die 69 Minuten lange Aufnahme, basierend auf der Überspielung von den vier Originalbändern (!), ist als CD zugänglich (Testament SBT 1466).


Wie bedenklich es wäre, die Matinee vom 10. Juni 1941 für eine unpolitische Veranstaltung zu halten, beweist, dass als Ouvertüre Franz Liszts "Les Préludes" benutzt wurde. Niemand anderes als Goebbels persönlich hatte gerade in diesen Tagen das Hauptthema zur „Siegesfanfare“ zusammenstreichen lassen, die bald wieder und wieder als martialisches Leitmotiv Sondermeldungen des Großdeutschen Rundfunks und der Wochenschauberichte einleiten sollte. Als „Russland-Fanfare“ gehörte sie zum Propaganda-Arsenal des von langer Hand geplanten Kriegs gegen Russland, der kaum vierzehn Tage später beginnen sollte.


Die um Quellenachweise erweiterte Fassung dieses Beitrags ist im Download-Bereich zu finden.


Notwendige Nachbemerkung: Als Verfasser lege ich Wert darauf, hier
keiner Verharmlosung oder Banalisierung der Zeitgeschichte Vorschub zu leisten.
Es geht nicht zuletzt um den zeittypischen Kontrast und Widerspruch zwischen
künstlerisch-technischen Höchstleistungen und bis zum Verbrechen
verantwortungsloser Politik mit Akten beschämendster Unmenschlichkeit. Ein
beträchtlicher Teil unseres jüngeren kulturellen Erbes ist auf Trägern
festgehalten, deren entscheidende Entwicklungsphase in diese Zeit fällt.


Aller Voraussicht nach ist dies mein letzter offizieller Beitrag zur Magnetbandgeschichte – es sei denn, die technischen Akten der RRG oder der große Restbestand der RRG-Musikaufnahmen tauchen wieder auf. Kurz nach dem Fund des Bernsteinzimmers …

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Friedrich Engel« (29. Mai 2016, 18:45)


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Dienstag, 24. Mai 2016, 22:30

Servus Friedrich,

das liest sich alles wie Öl auf die Seele. Ich darf ja auch Aufnahmen zwei und drei Jahre später mein eigen nennen. Ich Danke noch heut dem Forianer dafür, weil damit aufgezeigt wurde was damals schon möglich war.
Vielen Dank für Deine Ausführungen. *Staubsauger Modus noch eine Weile an.*

Gruss Andre

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Mittwoch, 25. Mai 2016, 06:44

Hallo Friedrich,

Chapeau!

Gruß, Anselm

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Donnerstag, 26. Mai 2016, 03:43

Hallo Friedrich,

vielen Dank für die Erweiterung des eigenen Wissens.

Gruß
Volkmar

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Donnerstag, 26. Mai 2016, 12:14

Hallo Friedrich,

ganz vielen Dank für diesen einmaligen Beitrag zur Tonbandgeschichte. Es ist nicht nur historisch besonders wertvoll. Denn es ist wohl bisher nirgendwo in den Medien so ausführlich dargestellt worden.

Die Begeisterung Wilhelm Furtwänglers erinnert mich an die Begeisterung von Herbert v. Karajan, als er Ende der 70'er die erste digitale Tonaufnahme seines Orchesters abhörte.

Heribert

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6

Donnerstag, 26. Mai 2016, 12:50

Auch von meiner Seite herzlichen Dank!

Ich nehme an, dass solch ein Beitrag auch anderenorts veröffentlicht wird? In Zeitschriften z.B.? Allein die Mühe der Recherche allein wäre es doch wert.
Das Drumherum:
Liebe(r) ...
(Beitragstext s.o.)
LG, Jochen

7

Donnerstag, 26. Mai 2016, 17:45

Und meinerseits wieder besten Dank für die Anerkennung.

In der Tat war der Text auch für die Veröffentlichung in der Presse gedacht. Aber eine große Tageszeitung (Anselm: genau die!), ein bekanntes Nachrichtenmagazin weiter nördlich sowie eine Fachzeitschrift, die auch "forum" im Namen führt, haben mir nicht einmal eine Empfangsbestätigung zukommen lassen. Ich benutze Umschreibungen, weil im Fall eines Falles eine Nicht-Reaktion logischerweise nicht nachweisbar ist.

Kein Interesse? Medium Magnetband mausetot? Zwei unliebsame Herrschaften (H + G) erwähnt?

Lichtblick: der Chefredakteur der "Funkgeschichte" (GFGF) hat sich, eine halbe Stunde nach Zusendung per E-mail, spontan entschlossen, den Text in der nächsterreichbaren Ausgabe abzudrucken. Es besteht noch Hoffnung.

F.E.

8

Freitag, 27. Mai 2016, 07:57

Hallo Friedrich!

Ich könnte mir gut vorstellen, daß die Redaktion des analog-Magazin Deinen
informativen und spannenden Bericht in einem der nächsten Ausgaben ab-
drucken würde.
Auch wenn die analog "vinyllastig" ist, so tauchen dort immer wieder Berichte
über das Thema Tonband auf.
Also, einfach Kontakt aufnehmen...

Danke für Deinen tollen Bericht.

Gruß
Wolfgang

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Sonntag, 29. Mai 2016, 14:38

Hallo Friedrich,

Dank auch von mir für diesen Einblick in die Technikgeschichte samt politischer Rahmenbedingungen.

Ist die Episode der Erfindung der Hochfrequenz-Vormagnetisierung durch Walter Weber aus der Fehlfunktion eines Testaufbaus irgendwo im Detail nachzulesen ?

In deiner Nachbemerkung ist dir ein kleiner Lapsus unterlaufen: Da steht "Als Verfasser ich lege..." statt "...lege ich..".

MfG Kai

10

Sonntag, 29. Mai 2016, 18:39

(leereditiert)

11

Sonntag, 29. Mai 2016, 18:41

Kai,

mit besonderem Vergnügen hier die "passende Antwort":

http://www.beam-ebooks.de/ebook/40085

und zwar ab Seite 167.

Danke für den Lapsus-Vermerk!

F.E.

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Mittwoch, 1. Juni 2016, 07:23

Guten Tag Friedrich,

nachträglich auch von mir ganz herzlichen Dank für diesen Artikel. Ich werde ihn bei den "Zeitschichten" ablegen, dort ist das Ereignis ja nicht ganz so ausführlich beschrieben. Ein bemerkenswertes Jubiläum, und wenn auch heute, NACH 75 Jahren, die Magnettontechnik keine wesentliche Rolle mehr spielt, so wurden doch IN diesem Dreivierteljahrhundert so gut wie alle Töne und die meisten bewegten Bilder in aller Welt auf Magnetband konserviert. Und der eigentliche Startpunkt war eben der 10.6. 41. Klasse!

Gruß
Stefan

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Mittwoch, 1. Juni 2016, 09:20

Hallo Stefan,

Ich werde ihn bei den "Zeitschichten" ablegen, dort ist das Ereignis ja nicht ganz so ausführlich beschrieben.

Wo bitte? Hab ich etwas versäumt oder vergessen? Das Buch kenne ich natürlich.

Zitat

... so wurden doch IN diesem Dreivierteljahrhundert so gut wie alle Töne und die meisten bewegten Bilder in aller Welt auf Magnetband konserviert.

Ging mir die Tage durch den Kopf: Und das absolut viren-, wurm- und trojanerfrei!

Gruß, Anselm

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Mittwoch, 1. Juni 2016, 10:08

Die Formulierung "auf Magnetband konserviert" reizt aber zur lästerhaften Anmerkungen:

Steht auf dem Bodenblech der Konserven die Haltbarkeitsdauer oder ein Verfallsdatum drauf ?

Die Konserven werden sicher nicht so lange Bestand haben, wie das, was in Stein gemeißelt oder in auch nur Schellack gepreßt wurde,
mal abgesehen davon, daß die Abspielgerätschaften ja auch am Aussterben sind, wie man hier im Forum täglich an den "Symptomen des Todeskampfes" nachlesen kann.

Nix für ungut,
mfG Kai

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Mittwoch, 1. Juni 2016, 17:23

Hallo Anselm,

ab Seite 172 unten wirst du fündig.

Hai Kai,

ich höre gerade ein 1962 aufgenommenes Band BASF LGS 35. Qualität wie gestern aufgenommen. Solange sich Tonband so gebärdet, will ich nichts von Verfallsdaten hören. :P Ja, ich kenne die ganzen Probleme mit SSS und anderen Ekligkeiten. Habe gerade dieser Tage ein eigentlich neuwertiges, aber klebendes Agfa PEM 268 entsorgt. Dennoch, das fieseste Klebe-Band hat seine Musik immerhin wenigstens 20 Jahre gespeichert. Das ist länger als die Halbwertszeit von so manchem halbgaren Digi-Medium. ABER ich wollte diesen Thread keinesfalls mit klebrigen Band-Problemen zerreden.


Es lebe die Tonbandaufzeichnung! Und am 10. werde ich einen großen Tonband-Aufnahme- und Wiedergabetag begehen!


Gruß
Stefan

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16

Mittwoch, 1. Juni 2016, 17:45

Hallo Stefan,

ab Seite 172 unten wirst du fündig.

Habe ich gefunden, danke. Aber was ist mit "bei den 'Zeitschichten' ablegen" gemeint?

Gruß, Anselm

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Mittwoch, 1. Juni 2016, 22:32

Ach so, ja, nun, wenn ich das gedruckte Buch hätte, würde ich obigen Text ausdrucken und ins Buch legen. So werde ich obigen Text als PDF in das Verzeichnis auf meiner Festplatte ablegen, in dem sich das Buch befindet. Ganz banal also.

Gruß
Stefan

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Mittwoch, 1. Juni 2016, 23:09

Ein großartiger Aufsatz von Friedrich ! Ich habe ihn ausgedruckt und ins soeben erschienene sehr empfehlenswerte Buch
"Magnetophon - AEG-Universalgerät für Tonaufnahme und -wiedergabe" von Roland Schellin / Mitarbeit Friedrich Engel
aus dem Funk Verlag Bernhard Hein, ISBN 978-3-939197-96-6,
gelegt. Darin ist die Vorführung am 10.06.1941 im Ufa-Palast am Zoo auf S. 162/163 kurz dargestellt.

Gruß aus Berlin
Hajo

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19

Mittwoch, 1. Juni 2016, 23:40

"Magnetophon - AEG-Universalgerät für Tonaufnahme und -wiedergabe" Roland Schellin / Mitarbeit Friedrich Engel

Dieser Buchempfehlung kann ich mich nur anschließen. Insbesondere die Qualität der historischen Fotos und Reproduktionen hat mich höchst angenehm überrascht, solche Bildauflösungen sieht man sonst eher selten.

Zur fachlichen Kompetenz der Autoren muss ich an dieser Stelle wohl kaum ein weiteres Wort verlieren.

Grüße, Peter

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20

Donnerstag, 2. Juni 2016, 00:04

Kai,

mit besonderem Vergnügen hier die "passende Antwort":

http://www.beam-ebooks.de/ebook/40085

und zwar ab Seite 167.

Danke für den Lapsus-Vermerk!

F.E.


Jammerschade daß es die gedruckte Version nicht mehr gibt :(
Ich kann mit eBooks so gar nix anfangen...
Viele Grüße
Jörg

21

Donnerstag, 2. Juni 2016, 13:11

Kai (und alle e-book-Nicht-Möger ...),

ein kleiner Tipp:

die
elektronischen ZEITSCHICHTEN sind DRM-frei, was u.a. heißt, dass jeder Copy shop die ca. 350 Blatt (beidseitig, ggfs. nur s/w) ausdrucken kann. So weit ich weiß, können größere Häuser das Ganze mit einer Klebebindung versehen (lumbecken). Es gibt auch attraktive Aktenordner, in denen das Ganze nicht büromäßig aussieht.

Preislich liegt alles zusammen deutlich unterhalb der Druckausgabe.

F.E.

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22

Donnerstag, 2. Juni 2016, 14:30

Hallo Friedrich und alle Mitleser,

bezüglich ebooks bin ich unschuldig,
habe nur insofern Schuld auf mich geladen, weil ich mir das Lästern in Sachen Haltbarkeit zeithistorischer Dokumente auf Magnetband nicht verkneifen konnte.
Ich betrachte es als großen Vorteil, nur einen Tablet-PC im Bett beim Lesen festhalten zu müssen und nicht einen Papierwälzer von ca. 800 Seiten. Ersterer, in weiche Hülle gepackt, rumst auch viel weniger, wenn er nach dem Einduseln aus dem Bett fällt.
Eselsohren gibt es im ebook auch nicht und kein Ausleier kann darin rumkritzeln. Das sind schon mal drei unbestreitbare Vorteile.

Mir fällt zum Thema noch "books on demand" ein. Wird wohl z.B. u.a. bei Dissertationen praktiziert. Das bedeutet, ein Exemplar wird nur bei Bestellung gedruckt. Ob man das bei einem 800-Seiten Werk allerdings für knapp 20 € Kosten-deckend machen könnte, weiß ich nicht.

MfG Kai

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23

Donnerstag, 2. Juni 2016, 22:33

Servus,

http://www.funkverlag.de/magnetophon.html

grad bestellt und Friedrichs Beitrag kommt auf die erste Seite oder auf das erste Blatt. Genauso wie er das geschrieben hat. Das hat noch immer was.

Gruss Andre

24

Freitag, 10. Juni 2016, 16:51

10. Juni. Der ist heute. Also nutzt eure HF-Magnetophone zu diesem Geburtstage.

niels
Ich halte die analoge Aufzeichnung einer qualitativ gut erzeugten digitalen Aufzeichnung für unterlegen.
Aber jene macht mir mehr Freude.

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Freitag, 10. Juni 2016, 22:02

Salve,

genau...denn wenn vor exakt 75 Jahren die allererste "HiFi-Vorführung" stattfand. ;)

Danke für den wieder mal furiosen Eingangsbeitrag und den Tipp bzgl. des neuen Magnetophon-Buches.

Schöne Grüße
Frank

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26

Dienstag, 12. Juli 2016, 14:49

Gibt es eigentlich Hörbeispiele dieser Aufnahmen aus der Zeit irgendwo?

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Dienstag, 12. Juli 2016, 20:29

Einen Teil der damals vorgeführten Aufahmen habe ich selber gehört - nur wo könnte ich die archiviert haben ...?

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Mittwoch, 13. Juli 2016, 02:38

Selbst gehört vom Originalband?

Wie kann man die Qualität beschreiben? So wie heute mit 4,75 cm aufgenommen?

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Mittwoch, 13. Juli 2016, 07:32

Selbst gehört vom Originalband?

Digitalisiert vom Originalband. Aus der Zeit zwischen 1941-45 gibt es eine stattliche Anzahl von Aufnahmen, oft Konzertmitschnitte, beispielsweise von Furtwängler und den Berliner Philharmonikern aus der alten Philharmonie, die notabene am 30.1.1944 zerbombt wurde.

Sogar einige wenige der damaligen zwei- bis dreihundert Aufzeichnungen in stereo sind erhalten geblieben - die meisten gelten mittlerweile als so unauffindbar wie das legendäre Bernsteinzimmer.

Wie kann man die Qualität beschreiben? So wie heute mit 4,75 cm aufgenommen?

Die klangliche Signatur dieser Aufnahmen ist für mich so nicht beschreibbar, nicht zuletzt weil die damals verwendete Mikrofonaufnahmetechnik (d.h. Mikrofontypen und Aufstellung) mit ihr untrennbar verknüpft ist. Allerdings kann ich Aufnahmen aus dieser Zeit zielsicher wiedererkennen, was mir bei mancher unter idealen Bedingungen aufgezeichneten & wiedergegebenen Cassette weniger leicht fallen würde.

Um nicht jetzt Schwierigkeiten mit irgendwelchen Paragraphen zu bekommen, verzichte ich auf das Einstellen von Archivaufnahmen und verweise lieber auf deren gelegentliche Ausstrahlungen beim "rbb kulturradio". Auf seiner Webseite gibt es drei Aufnahmebeispiele aus den Jahren 1943-44, plus eine kurze Darstellung der zum Teil abenteuerlichen Geschichte der endgültigen Rückführung der RRG-Originalbänder aus Moskau nach Berlin vor 25 Jahren. (Zahlreiche Klangbeispiele gibt es natürlich auch bei Youtube und einschlägigen Musikportalen.)

Zum Webseitentext über Beethovens Violinkonzert wäre allerdings eine beckmessersche Bemerkung anzubringen: Die alte Philharmonie befand sich nicht etwa in der Bernauer, sondern in der Bernburger Straße, in unmittelbarer Umgebung des Anhalter Bahnhofs und durchaus fußläufiger Entfernung von ihrem 1963 eröffneten Neubau.

Grüße, Peter

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Peter Ruhrberg« (13. Juli 2016, 08:19)


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Mittwoch, 13. Juli 2016, 14:18

Vielen Dank für die Ausführungen.

Die Qualität ist ja tatsächlich erstaunlich gut und übertrifft gefühlt das, was aus den 50er Jahren Grundig TKs erzeugt wurde.
Thomas