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Samstag, 20. August 2005, 18:41

Gibt es unter Euch sehr viele ehemalige oder "Noch DAT-Nutzer", die ähnliche Erfahrungen wie der Kollege Dr. W. Näser, Marburg gemacht haben

Kann man seine Probleme die er teilweise mit älteren DAT-Kassetten hatte verallgemeinern und DAT als nicht langzeitstabil und langzeitzugänglich einordnen? Ich war zwar mal im Besitz mehrerer DAT, habe diese aber bereits 1998 wieder abgestossen und bin auf CD-R umgestiegen.

Zitat

*) Wird in solchen Fällen ein lang nicht benutztes DAT-Band vor der Überspielung mindestens einmal rück- und vorgespult, kann ein partielles "Spratzen" reduziert oder gar eliminiert werden. Ein schlimmeren Fällen muß das Abspielen auf anderen Geräten versucht werden. Eine 60 Minuten fassende DAT-Archivcassette mit wertvollen Dialekt-Aufnahmen produzierte teilweises Spratzen auf dem Sony DTC-690; ein wenig besser war es mit dem alten TCD-D10, während mein umgebautes TCD-D3 mit nunmehr zur Justage zugänglicher Bandführung (Bild rechts) das Band einwandfrei abspielte. In einem anderen Fall (26.7.2k4) produzierte ein nach Service-Angaben "frisch gereinigtes" DTC-690 ausschließlich Spratzen; mit dem D-10 konnten durch (u.U. wiederholtes) Review + Replay gelegentliche Fehler beseitigt werden, das D-3 produzierte fast keine Fehler, allerdings mußte zuvor eine locker gewordene hintere Bandführung wieder "eingeklinkt" und hernach an beiden hinteren Schwenkführungen re-justiert werden; deren Gewinde sitzen sehr locker und dejustieren sich möglicherweise im laufenden Betrieb.

Ältere DAT-Cassetten, die in bestimmten Geräten Schwierigkeiten machen, sollten mit entsprechend alten, robusten und spurtreuen DAT-Recordern abgetastet werden, so dem im Foto unten gezeigten, Anfang der 90er Jahre gebauten "Boliden" AIWA XD-S1100, der (im November 2k4) 14 Jahre alte Live-Aufnahmen problemlos reproduzierte; das Signal durchlief dann eine Kette aus ROTEL-Zwischenverstärker, Klangfeld-Prozessor YAMAHA DSP100 und 2x 12fach-Equalizer Monacor, bevor es zum Mastering in den 6 Jahre alten autonomen CD-Recorder PIONEER PDR-555RW gelangte
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2

Samstag, 20. August 2005, 18:58

Meine DAT-Erfahrung habe ich noch vor mir, kann also nur wiedergeben, was ich mir im Zuge deren Vorbereitung angelesen habe.

DAT hat, ähnlich wie die analoge Magnetbandtechnik auch, ein Spurlagenproblem, was weniger am Band selber sondern mehr an den Geräten liegt. Meines Wissens kann man die Spurlage an die Cassette anpassen, so daß die Bänder bzw. die Aufnahmen darauf nicht verloren sind. Anders als die Analogtechnik, die mit schleichendem, oft unbemerktem Qualitätsverlust reagiert, ist in diesem Fall digital = brutal: Es gibt sofort diese Aussetzer.

Im Forum1 hat Ralf (kreiserdiver) darüber berichtet, wie es ihm mit seinem ersten DAT ergangen ist. Das könnte auf den oben geschilderten Fall zutreffen.
Michael(F)

3

Samstag, 20. August 2005, 20:59

Ich begann im November 1987 mit DAT-Aufnahmen (damals ein heute noch vorhandener PCM2500 von SONY), ab Jahresbeginn 1988 folgten erste CD-Produktionen mit dem genannten Gerät, das einen Lesefehlerzähler besitzt. Man 'sieht' also regelrecht, wenn es zu brennen anhebt.

Das damalige Bandmaterial (zunächst von SONY vertriebenes und entsprechend gelabeltes) existiert heute noch im nicht neu überspielten (und damit nicht re-korrigierten) Originalzustand. Vor einigen Tagen habe ich im Zuge einer DAT-Diskussion hier im Forum diese Methusalems hervorgeholt und auf einem SONY R700 -also nicht auf dem im Moment etwas problematischen 2500- mit bestem Erfolg wiedergegeben. Und weil's mir so gut gefiel, hörte ich den Takes dieser Produktion etwa eine Stunde ohne jeden hörbaren Lesefehler zu, denn es klang frisch wie gestern. Ich erkannte meine Arbeit sofort wieder, erinnerte mich an zum Teil kuriose Details bei der Aufnahme, hatte die Mikrofonierung im imaginären Blickfeld, fühlte die spätsommerliche Hitze, und in einer weiteren Aufnahme die winterliche Kälte, die mich in den Kirchen umgeben hatte. Das tat also noch immer genauestens so wie damals.

Dieser Erfahrungsbericht ist natürlich nicht objektivierbar und daher nicht sonderlich viel wert, weil ich keine Aufschreibungen darüber habe, wie sich die Lesefehlersituation 1987/88 darstellte. Genausowenig habe ich die Fehlersituation heute quantitativ nachvollziehbar erfasst. Jenes alte Band aber lief über eine Stunde ohne jedes Problem, wie denn innerhalb meiner Apparatur zwischen 1987 und heute lediglich zwei Male Lesefehler auftraten, die 'immanente' Gründe hatten.
Wenn beim Schnitt (ich ging von DAE1100/3000 mit Umatic direkt auf den Rechner über) Mängel auftraten, so hatten diese immer mit den im Kollegenbesitz befindlichen, revisionsbedürftigen DAT-Wiedergabegeräten zu tun, waren also nicht durch mein aufgenommenes Band verursacht.---

Die Kollegen vom damaligen SDR installierten sehr bald nach Nutzungsbeginn von DAT ein Qualitätsüberprüfungssystem (Aufsatz Sander-Hänsch im TMT-Jahresbericht 1994), mit dessen Hilfe man verallgemeinerbare Aussagen zur Lebensdsauer von DAT-Aufzeichnungen zu erhalten versuchte. Speziell die Unzuverlässigkeit von DAT hatte das IRT ja immer von einer dezidierten Nutzungsempfehlung zugunsten dieses Verfahrens für den Rundfunkbetrieb abgehalten.

Weiteres habe ich in der obigen Sache nicht mehr gehört, weil heute ja auch DAT obsolet geworden ist, an dessen Stelle die Festplatte bzw. die CD getreten ist. Nichtsdestoweniger hat auch Heinrich Pichler, TU Wien ebenfalls auf der Tonmeistertagung 1994 neben anderen in den Folgejahren einen hochinteressanten VOrtrag zur Frage der Degradation von Magnetaufzeichungen analoger und digitaler Technik gehalten. Das Problem ist also alles andere als neu, das wurde durchgekaut, bis es einem sonstwo heraushing, weil es eben den Rundfunk- und Tonträgerproduktionsleuten mit ihren Riesenarchiven auf den Nägeln brannte. Verständlich, denn man produziert ja nicht, um danach wegzuwerfen. Wenn einer Medienindustrie ein Gedanke zugrundeliegt, dann der einer in Generationen zu messenden Dauerhaftigkeit. Und da tut man etwas drum.

Relativ hohe Sicherheit war also erreichbar, oder: Glück gehabt.

Hans-Joachim

4

Samstag, 20. August 2005, 21:05

Danke für die bisherigen Beiträge, das spart mir etwas Zeit bei der Recherche hinsichtlich der Langzeitarchivierbarkeit verschiedener digitaler Medien.

5

Samstag, 20. August 2005, 21:13

Solltest du die genauen Bibliografien der genannten (und anderer) Aufsätze benötigen, kann ich damit dienen, denn das Thema ist immer noch aktuell, wie eine eigene Sitzung zum Thema Datensicherheit auf der letzten Tonmeistertagung zeigte.

Hans-Joachim

6

Samstag, 20. August 2005, 21:37

In dem Falle komme ich dann auf Dich zu, Danke.
Gruss

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7

Samstag, 20. August 2005, 22:31

Ich benutze seit ca. 1996 regelmäßig mehrere DAT-Geräte zur Aufzeichnung von Live-Konzerten oder Eigenkompositionen mit meiner Hobby-Band. Dabei habe ich nie Recorder aus dem professionellem Sektor verwendet, sondern stets Consumer- d.h. Heimgeräte von Sony oder Technics.

Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, daß gerade die Langzeitstabilität der Aufnahmen im hohen Maße von der Qualität der Recorder abhängt. So gab es zum Beispiel mit der Sony DTC 55 ES - Serie häufig Laufwerksprobleme, die sich besonders durch instabile Bandführung bemerkbar machten.
Speziell Aufnahmen, die mit einem Gerät dieser Serie gemacht wurden, hatten bzw. haben häufig drop-outs und Probleme in der Spurtreue, auch bei der Wiedergabe auf Fremdgeräten.
Seit Beginn meiner "DAT-Karriere" habe ich auch einen Technics SV-DA10 in Betrieb, der bis heute nach unzähligen Betriebsstunden immer noch tadellos seinen Dienst tut. Alle Aufnahmen, die auf diesem Gerät gemacht wurden, laufen auch nach fast 10 Jahren noch einwandfrei ohne Fehler und drop-outs, auch auch Fremdgeräten.
Nennenswerte Qualitätsunterschiede bei den einzelnen Cassetten je nach Hersteller konnte ich über die Jahre keine feststellen. Die einzigen Unterschiede wurden immer nur durch den aufzeichnenden Recorder bestimmt. Das "Sony Problem" hatte ich nach einiger Zeit auch bei dem Nachfolger meines ersten Sony DAT, nämlich beim Recorder DTC 57 ES. Um diesem Problem endgültig aus dem Wege zu gehen, hatte ich dann damals den Sony mehr oder weniger verschenkt und mir dafür einen zweiten SV-DA10 angeschafft und nutze seit dem problemlos das "nette Technics-Zwillingspaar" für alle meine Aufnahmesessions.
Das Problem mit dem SCMS-Kopierschutz, der dummerweise auch bei Eigenaufnahmen in Consumergeräten aktiv ist, habe ich mit einem Hucht-Kopierschutzdecoder gelöst, und kann so von meinen wertvollen Eigenaufnahmen ohne Verlust eine 1:1 Sicherheitskopie für den Fall der Fälle (Bandsalat, Bandriss, ect.) erstellen.

Diese Erfahrungen sind natürlich auch wieder rein subjektiv einzuordnen, jedoch habe ich schon von ähnlichen Erfahrungen anderer DAT-Nutzer gehört.

Viele Grüße,

Silvio

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8

Mittwoch, 24. August 2005, 18:01

Zitat

Lego postete
Gibt es unter Euch sehr viele ehemalige oder "Noch DAT-Nutzer", die ähnliche Erfahrungen wie der Kollege Dr. W. Näser, Marburg gemacht haben
Hallo,

mit meinem Grundig DAT-9009 (Sony?) habe ich bislang noch keine Probleme gehabt. Damals neu gekaufte BASF (nein, noch nicht Emtec) aus Japan spielen 'wie am ersten Tag'.

Allerdings ist das Gerät auch nie gequält worden, wurde also wenig benutzt.

Tschüß, Matthias M
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9

Mittwoch, 24. August 2005, 18:09

Zitat

Matthias M postete
Damals neu gekaufte BASF (nein, noch nicht Emtec) aus Japan
Kamen die BASF- und Emtec-DATs nicht von MBI aus Indien?

10

Mittwoch, 24. August 2005, 19:07

Es ist schon einige, also wohl gegen 8 Jahre her, dass in Profikreisen gesagt wurde, dass es -damals!- weltweit nurmehr drei Hersteller von DAT-Band gegeben habe, die sämtlich "in Japan" säßen. In Deutschland würde "kein DAT-Band mehr hergestellt".

Das BASF-Band "DAT-Master" war überaus hochwertig, gehörte zum besten, was ich je einsetzte, soll bis dürfte aber u. U. von KOHAP, Seoul, Südorea gekommen sein, was ich aber nicht definitiv bestätigen kann. Zu KOHAP gab es seitens der EMTEC so enge Beziehungen, dass zum einen diese Fertigung möglich erscheint, zum anderen es -auch- wegen KOHAPs zum Zusammenbruch der EMTEC kommen konnte:

Dem Vernehmen nach -das kam von EMTEC-Leuten der verschiedensten Ecken- wurde 1998 der EMTEC durch den neuen Investor (LGV, London) die Schuldenlast aus einem Verkauf der ins Schlingern geratenen KOHAP aufgebürdet. Viel durfte daraufhin also nicht mehr passieren, weil der Gegenwind über den Markt hin bereits deutlich aufgefrischt hatte. Doch es passierte mehr, da EMTEC den Zusammenbruch des Videobandmarktes nicht ausreichend abgesehen hatte. Die Folgen sind bekannt.

Zur EMTEC-KOHAP-Affäre fand ich eben eine Net-Seite, die in dieselbe Richtung weist, wie soeben dargelegt:

http://www.mmislueck.com/Archives/091798.htm

Vielleicht kann Friedrich ein wenig ins Dunkel der Vermutungen leuchten.

Hans-Joachim

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11

Mittwoch, 24. August 2005, 23:32

Zitat

timo postete
Kamen die BASF- und Emtec-DATs nicht von MBI aus Indien?
Drauf steht:
BASF DAT Master (BASF Magnetics GmbH) "Made in Japan"
BASF DAT "Made in Japan"
BASF DAT Maxima (Emtec Magnetics GmbH) "Made in Japan"

Mehr kann ich zu dem Thema nicht sagen...

Tschüß, Matthias M
Stapelbüttel von einem ganzen Haufen Quatsch