You are not logged in.

Dear visitor, welcome to Bandmaschinenforum. If this is your first visit here, please read the Help. It explains in detail how this page works. To use all features of this page, you should consider registering. Please use the registration form, to register here or read more information about the registration process. If you are already registered, please login here.

  • "Peter Ruhrberg" started this thread

Posts: 2,798

Date of registration: Dec 19th 2014

Location: Krefeld

Occupation: Tonmeister

  • Send private message

61

Tuesday, December 18th 2018, 9:15am

Bei Videorecordern rotiert fast jede Bandführung und da geht es um Spurbreiten im µm-Bereich. Da müssen die Toleranzen kleiner sein und damit steigt die Präzision, wenn ich das nicht falsch sehe.

Soweit ich mich erinnern kann – du kennst dich da sicherlich besser aus – wurde bei Videorecordern das Band nicht alleine durch die Umlenkrollen in der Höhe geführt, sondern es sorgten weitere Bandführungselemente dafür, dass das Band mit geringer Kraft an eine Bezugskante der Kopftrommel gelegt wurde (soweit ich mich erinnern kann lag diese jeweils unten). Dieses Prinzip wurde zwischenzeitlich auch bei Telefunken realisiert (konische Führungen), jedoch mit den schon beschriebenen Nebeneffekten bei relativ dickem Bandmaterial.

Wenn – wie bei den meisten Bandmaschinen – ein Magnetband ausschließlich über Umlenkbolzen oder -rollen geführt wird, müssen deren Führungsnuten geringfügig breiter sein als das Band (meist 6,35 statt 6,3 mm), weil es sonst bei jeder Gelegenheit (Schnitttoleranz) in den Führungen klemmen bzw. an ihnen schaben würde, was sofort zu einem nicht zu tolerierenden Abrieb führen würde, da die Schnittkanten die empfindlichste Region jedes Magnetbands sind.

Unter ungünstigen kinematischen Bedingungen kann diese notwendige Toleranz zu einer ständigen Höhenwanderung des Bandes führen, die auf dem Oszilloskop, Goniometer oder Phasenmessgerät einwandfrei nachweisbar ist. Bei manchen Konstruktionen ist es vor allem der Höhenschlag des Vorratswickels, der zu diesen Schwankungen beiträgt.

Dies ist einer der Gründe, weswegen ich meine Trennspuraufzeichnungen nicht auf einer A77 herstelle, weil wegen des unvermeidlichen Höhenspiels die Schwankungen so stark werden, dass die Einstellgenauigkeit der Trennspuraufzeichnungen inakzeptabel verringert ist.

Grüße, Peter

Posts: 1,660

Date of registration: Jun 6th 2010

Location: Berlin

Occupation: Radio-FS Techniker i.R.

  • Send private message

62

Tuesday, December 18th 2018, 2:08pm

Hallo Peter,

vielen Dank für deine Erklärungen, wieder etwas gelernt. Die Bezugskante an der Koftrommel, auch Kopftrommellineal genannt, hatte ich bei meinen Überlegungen nicht berücksichtigt. Die rotierenden Bandführungen bei Videorecordern werden so eingestellt, dass immer abwechselnd eine Führung an der Bandunterkante führt und die nächste an der Oberkante. Ausnahme: die beiden Bandführungen direkt vor und hinter der Kopftrommel, die führen beide oben, um das Band gegen die Referenzkante der Kopftrommel zu drücken.

MfG, Tobias
Es gibt 2 Dinge, die unendlich sind, die menschliche Dummheit und das Universum. Aber beim Universum bin ich mir noch nicht 100% sicher (Albert Einstein)

  • "Peter Ruhrberg" started this thread

Posts: 2,798

Date of registration: Dec 19th 2014

Location: Krefeld

Occupation: Tonmeister

  • Send private message

63

Tuesday, December 18th 2018, 2:32pm

Die rotierenden Bandführungen bei Videorecordern werden so eingestellt, dass immer abwechselnd eine Führung an der Bandunterkante führt und die nächste an der Oberkante.

Dieses Prinzip wurde eine Zeit lang auch von Telefunken für Studiobandmaschinen verwendet, siehe Abb. 10 in Fritz Winckel "Technik der Magnetspeicher" (1978, S. 80):



Eine ähnliche Abbildung findet sich auch in Horst Völz "Grundlagen der magnetischen Signalspeicherung 2: Magnetbänder, Transportwerke" (1970, S. 33).

Die M36 verwendete als letztes mir bekannte professionelle Telefunken-Bandmaschine die Dreipunktführung, an der M15A wiederum wurden die meisten Varianten ausprobiert, darunter die von Abb. 10 bis 12.

Ein Nachteil einer Bandführung ohne eindeutige Bezugskante ist ihr Verhalten bei voller Ausnutzung der Bandbreitentoleranzen (zuletzt +0/-0,06 mm), bei überstehenden Klebestellen, oder auch bei "säbelförmigem" Verzug durch schwiefwinkliges Zusammenkleben der Bandenden an einer Schnittstelle.

Meine Erfahrung mit Senkelband zeigt, dass auf TFK-Maschinen der konsequente Einsatz federnder Bandführungen die bislang präzisesten Ergebnisse liefert, die mir je begegnet sind. Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Die Azimutlage ändert sich auch dann nicht, wenn der Bandzug links der Tonwelle zwischen 20-300p (0,2…3N) variiert wird.

Grüße, Peter

  • "Peter Ruhrberg" started this thread

Posts: 2,798

Date of registration: Dec 19th 2014

Location: Krefeld

Occupation: Tonmeister

  • Send private message

64

Thursday, December 27th 2018, 2:36am

Wieder ein wenig Präzisionsarbeit aus dem Magnetbandlabor ...

Nachdem sich gezeigt hat, dass die Azimutgenauigkeit meiner M15A, die ich zur Messbandproduktion verwende, mit normalen Mitteln kaum noch zu ermitteln ist, habe ich einen kleinen Trick angewendet, den ich seit Monaten in die Praxis umsetzen wollte. Heute war endlich Zeit dazu.

Für maximale Messgenauigkeit wählt man zweckmäßigerweise die kleinste Wellenlänge, die der Wiedergabekopf noch zuverlässig abtasten kann. Das sind unter den hier vorhandenen Gegebenheiten 20 kHz bei 9,5 cm/s (wofür die Tonmotorregelung der M15A ein wenig überlistet werden muss, da sie regulär nur minimal 19 cm/s "kann").

Das größte Problem dabei ist die geringe Aussteuerbarkeit des Magnetbands. Diese führt zu einem relativ hohen Rauschanteil, der die Phasenmessung instabiler macht (inkohärentes Rauschen aus zwei Spuren erhöht die Streuung der Anzeige).

Der "Trick" (wenn es denn einer ist) besteht aus einer schmalbandigen Filterung des Testsignals, wodurch die Anzeige erheblich ruhiger wird.

Das nächste Bild zeigt die überlagerte Filterkurve, die Pegel- und Goniometeranzeige bei laufender Wiedergabe:



Aus den beiden folgenden Diagammen ist die erreichte Azimutgenauigkeit mit zwei verschiedenen Emtec-Langspielbändern zu erkennen (LPR 35 & PER 368, ca. 2001 hergestellt).

LPR 35



PER 368



Die blauen Kurven zeigen die Pegeldifferenzen zwischen den beiden 2-mm-Stereospuren, die roten Kurven die Phasendifferenzen. Die Schreiberdämpfung liegt bei 2 Hz, die Messdauer beträgt zwei Minuten.

Es zeigt sich, dass beim PER 368 die Pegeldifferenzen geringfügig größer sind als bei LPR 35. Dabei muss aber auch angemerkt werden, dass ±0,1 dB Abweichung bei einer Wellenlänge von 4,75 µm über jeden Zweifel erhaben ist: Das IRT beispielsweise gab in seinen technischen Richtlinien für Rundfunkbänder als Toleranzgrenze ±0,5 dB bis 14 kHz an (was bei 19 cm/s ca. 13 µm entspricht).

Die eigentliche Sensation aber liegt in der Phasenmessung, besonders beim PER 368, die eine Maximalabweichung von ca. ±0,4° ergibt. Bei der vorhandenen Spurgeometrie entspricht dies einer Maximalabweichung von der idealen Senkrechtstellung von max. ±0,3 Winkelsekunden (!)

Laut letztgültiger DIN-IEC Norm lag die Fehlergrenze für industriell hergestellte Bezugsbänder bei 2 Winkelminuten. Die Messungen zeigen also eine 400x höhere Genauigkeit bei der Spaltsenkrechtstellung als die Toleranzgrenze damals handelsüblicher Bezugsbänder.

Ich muss gestehen, dass mich dieses Ergebnis selber völlig überrascht hat, doch die Messwerte lügen einfach nicht.

Das LPR 35 zeigt eine auffällige Periodizität der elektrischen Phasenschwankungen von etwa 3,5 Sekunden, die eventuell durch Schnitttoleranzen oder Formveränderungen bei der Lagerung verursacht wurden, sich aber bei einer entsprechenden Azimutabweichung von ca 6 Winkelsekunden immer noch weit jenseits von Gut und Böse befinden. Das Diagramm für das PER 368 beweist, dass die Bandmaschine jedenfalls nicht Ursache dieser Schwankungen ist.

Lange Rede kurzer Sinn: Mit solchem Equipment macht die Messbandherstellung einfach Spaß :thumbup:

Grüße, Peter

This post has been edited 3 times, last edit by "Peter Ruhrberg" (Dec 27th 2018, 9:35am)


Posts: 1,660

Date of registration: Jun 6th 2010

Location: Berlin

Occupation: Radio-FS Techniker i.R.

  • Send private message

65

Thursday, December 27th 2018, 11:28am

Hallo Peter,

du bist wirklich ein selbstkrtischer Wissenschaftler. Bevor nicht sämtliche Zweifel ausgeräumt sind, kannst du dich nicht über das Ergebnis freuen. Ich finde das schon fast eine Fügung des Schicksals, dass ausgerechnet du diese unschätzbaren Messnormale in die Hände bekommen hast. Es gibt sicherlich nur wenige Menschen, die erkannt hätten, was für ein Schatz diese Bänder sind. Du benutzt diesen Schatz aber nicht für dich allein, sondern du stellst für die Forenmitglieder Messbänder her, die an Präzision nicht zu überbieten sind. Grosse Verbeugung und Chapeau! vor deiner Arbeit.

MfG, Tobias
Es gibt 2 Dinge, die unendlich sind, die menschliche Dummheit und das Universum. Aber beim Universum bin ich mir noch nicht 100% sicher (Albert Einstein)

Posts: 1,426

Date of registration: Apr 17th 2009

  • Send private message

66

Thursday, December 27th 2018, 12:08pm

Es ist vor allem sehr beruhigend zu wissen, das man sich auf Peters Bänder wirklich verlassen kann. Damit sollte eine optimale Justage einer Maschine schnell wie effizient von der Hand gehen. Natürlich ist es stets eine Herausforderung, die Grenzen des Machbaren auszuloten. Das macht so akribisch wohl sonst keiner. :thumbup:

  • "Peter Ruhrberg" started this thread

Posts: 2,798

Date of registration: Dec 19th 2014

Location: Krefeld

Occupation: Tonmeister

  • Send private message

67

Thursday, December 27th 2018, 9:16pm

du bist wirklich ein selbstkritischer Wissenschaftler. Bevor nicht sämtliche Zweifel ausgeräumt sind, kannst du dich nicht über das Ergebnis freuen.

Nun, ich freue mich durchaus über jedes Ergebnis, das mich irgendwie weiterbringt, sonst hätte ich viele lange unglückliche Tage. Es dauert aber meist seine Zeit, bis ich über etwas berichte, weil ich lieber die Fakten vorher hundertmal überprüfe. Vermutlich habe ich das von meinem Vater, der das Gegenteil "gackern über ungelegte Eier" nannte.


Es gibt sicherlich nur wenige Menschen, die erkannt hätten, was für ein Schatz diese Bänder sind.

Meinen Schülern sage ich gerne: Was nützt die beste Idee demjenigen, der sie mangels Grundlagenverständnis nicht begreifen kann? Und selber entwickeln könnte man sie auch nicht, weil sie einem buchstäblich nichts sagen würde. Und fiele sie einem durch irgendeine Eingebung quasi vor die Füße (was unwahrscheinlich genug ist), hätte man kaum Chancen, ihre Bedeutung zu erkennen.

Von Seneca ist der Ausspruch überliefert: "Glück ist, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft." Ich denke nach diesem Grundsatz bin ich auch zu meinen Messnormalen und anderen Hilfsmitteln gekommen :whistling:

Mit dem Fortgang meiner Experimente hat sich aber auch ergeben, dass selbst die besten Messnormale der Vergangenheit nicht die Genauigkeit erreichen, die mir inzwischen mit doch relativ simpel erscheinenden Methoden zugänglich geworden ist, was natürlich daran liegt, dass vor 30 Jahren diese Aufzeichnungen nicht präziser hergestellt bzw. gemessen werden konnten.

Ich musste also andere Wege finden, um meine eigenen Messnormale zu überprüfen, und hier kommt mir die Digitaltechnik wie gerufen, oder wie Ernst Schmid (aka pievox) es formuliert: "eine sinnvolle Symbiose zwischen ausgereifter Tonbandtechnik und leistungsfähiger Computertechnik." Messungen mit solcher Genauigkeit waren zu reinen Analogzeiten jedenfalls unbezahlbar.

Eine einfache aber wirkungsvolle Methode, eine hochpräzise Spalteinstellung und Azimutaufzeichnung zu erzeugen, besteht in der Wiedergabe einer vorhandenen Aufzeichnung von der Rückseite des Magnetbands aus, da sich so eine Spaltschiefstellung spiegelbildlich umkehrt. Hierdurch wird jede Abweichung von der exakten Spaltsenkrechtstellung unweigerlich aufgedeckt und kann entsprechend beseitigt werden, vorausgesetzt die ablaufende Spaltkante des AK ist geradlinig (siehe v. Bommel, "Die Entzerrung in der magnetischen Schallaufzeichnung" 1973, S. 36f.)

Aufgrund der Abstandsdämpfung ist die Genauigkeit dieses Verfahrens allerdings begrenzt durch die Banddicke. Zur Veranschaulichung: Bei einem 35 µm Band mit 11 µm Schichtdicke und 19 cm/s liegt die höchste verwertbare Frequenz bei etwa 4 kHz. Bei Abtastung "durch die Rückseite" liegt die Bandflussdämpfung bei 35 dB. (Dies war einer der Gründe, weswegen ich ursprünglich auf die Idee mit dem Bandpassfilter kam.)

In meinen Experimenten zeigt sich obendrein klar der grundlegende Unterschied zwischen Präzision und Genauigkeit. Anders gesagt, man kann hochpräzise arbeiten und trotzdem ziemlich daneben liegen :wacko:

By the way, hier noch das Demovideo eines selbstgefertigten "Fischgrätenbands", das in ähnlicher Form vor 50 Jahren auch von der BASF angeboten wurde, siehe Anleitung als pdf im Anhang. Hier sind die entsprechenden Patente des HR und der BASF zum Herunterladen.

In meiner Version sind die Bedingungen ein wenig verschärft: Die aufgezeichnete Wellenlänge ist 19 statt 30 µm und der rhythmische Phasensprung beträgt 90 statt 45°, was die Empfindlichkeit gegen Fehljustagen entsprechend erhöht. Außerdem wird nicht der Pegelsprung der Monosumme gemessen, sondern die Phasenlage kann direkt optisch beurteilt werden, weil die Lissajousfigur bei 90° einen Kreis ergibt, der sich beim Phasensprung idealerweise nicht verändern sollte.

Beim Phasensprungsignal ist der Pegel um 3 dB erhöht, sodass in der Monosummierung alle drei Pegel idealerweise gleich groß bleiben und bei Umschaltung auf +/-90° nicht rhythmisch schwanken sollten (wie auch in der BASF-Anleitung beschrieben, leider ist die dort erwähnte Grafik offenbar verloren gegangen).

Zur Demonstration habe ich bei 0:25 für einige Sekunden relativ sanft auf die linke Seite des WK gedrückt, die Wirkung ist unübersehbar 8)

https://youtu.be/-X0OfHdrWOA

Grüße, Peter
Peter Ruhrberg has attached the following file:

This post has been edited 1 times, last edit by "Peter Ruhrberg" (Dec 28th 2018, 3:29am)


  • "Peter Ruhrberg" started this thread

Posts: 2,798

Date of registration: Dec 19th 2014

Location: Krefeld

Occupation: Tonmeister

  • Send private message

68

Friday, November 8th 2019, 10:32pm

Hallo zusammen,

nach langer Zeit mal wieder eine kleine Neuigkeit zur Optimierung der Messbandproduktion.

Früher fand ich es ziemlich lästig, bei der M15A quasi alle fünf Minuten den Wiedergabepegel neu zu justieren, da Wiedergabeköpfe tatsächlich auch einen Temperaturgang haben: ihr Übertragungsfaktor steigt mit steigender Temperatur ebenfalls. Die Abweichungen durch Temperaturschwankungen können durchaus mehr als 0,6 dB betragen und sind am höchsten im Umspulbetrieb bei blockierten Wickelmotoren, weil dann die Erwärmung von Chassis und Kopfträger maximal wird.

Die naheliegende Lösung besteht in einer ständigen Luftkühlung des gesamten Kopfträgers, was die Pegelschwankungen auf ca. 1/20 reduziert.

Unten das Resultat meiner Experimente im direkten Vergleich. Links im Umspulbetrieb, in der Mitte bei Aufnahme, und rechts bei Aufnahme mit ausgeschalteter Kopfträgerkühlung. (Bei diesem Beispiel war der Bezugskopf WC 30a-3 aus Vacodur im Einsatz, bei Ferritköpfen sind die Abweichungen noch höher.)



Die drei kleinen "Höcker" beim Wechsel der Betriebszustände entstanden dadurch, dass ich jeweils kurz im Raum war, so empfindlich ist die Versuchsanordnung. Dies spielt aber für die Messbandproduktion keine Rolle, da bereits die Empfindlichkeitsschwankungen selbst der besten Magnetschichten für mittlere Wellenlängen bei >0,1 dB liegen.

Erwähnt sei noch, dass auch die Wiedergabeverstärker einen Temperaturgang zeigen, der aber dadurch zu umgehen ist, dass ich beide Karten auf Verlängerungsprints montiert habe und sie damit außerhalb der Wärmestrahlung des Chassis betrieben werden. Der Aufnahmekopf wiederum ist gegenüber Temperaturschwankungen praktisch unempfindlich, hier betragen die Abweichungen maximal 0,003 dB.

Grüße, Peter

Posts: 5,960

Date of registration: Dec 20th 2015

Location: bei Hamburg

Occupation: Rentner

  • Send private message

69

Friday, November 8th 2019, 11:17pm

Hallo Peter,

gibt es Erklärungen zu dieser Temperatur-Empfindlichkeit des Wiedergabekopfes ?

Eine mögliche Abhilfe dagegen wäre, den Wiedergabekopf ständig geregelt auf eine erhöhte Temperatur aufzuheizen (solange es nicht für das Band "brenzlig" wird), zumal ja gegen erhöhte Empfindlichkeit nix einzuwenden ist, wenn es keine anderen unerfreulichen Nebeneffekte hat.

MfG Kai

  • "Peter Ruhrberg" started this thread

Posts: 2,798

Date of registration: Dec 19th 2014

Location: Krefeld

Occupation: Tonmeister

  • Send private message

70

Friday, November 8th 2019, 11:30pm

gibt es Erklärungen zu dieser Temperatur-Empfindlichkeit des Wiedergabekopfes ?

Die mir bekannte Literatur gibt dazu leider nichts her. Die Temperaturempfindlichkeit wurde übrigens durch Wechselstromspeisung des den WK ermittelt, gilt aber genauso für Wiedergabe vom Band.

Eine mögliche Abhilfe dagegen wäre, den Wiedergabekopf ständig geregelt auf eine erhöhte Temperatur aufzuheizen (solange es nicht für das Band "brenzlig" wird), zumal ja gegen erhöhte Empfindlichkeit nix einzuwenden ist, wenn es keine anderen unerfreulichen Nebeneffekte hat.

Wäre vielleicht auch eine Möglichkeit. Allerdings wäre dann damit zu rechnen, dass bei größerer Temperaturdifferenz der Kopf besonders bei höheren Geschwindigkeiten und Standardband durch das vorbeilaufende Magnetband wieder abgekühlt würde, was die Empfindlichkeitsschwankungen wieder in die Höhe treiben könnte.

Im Moment bin ich mit meiner relativ simplen Lösung recht zufrieden.

Grüße, Peter

Posts: 5,960

Date of registration: Dec 20th 2015

Location: bei Hamburg

Occupation: Rentner

  • Send private message

71

Saturday, November 9th 2019, 10:23am

Ich hab mal geguckt, was man über die Temperatur-Koeffizienten der Permeabilitäten von Ferritten und MuMetall finden kann.
Bei Ferroxcube gibt es diverse Datenblätter über ihre Ferritte, zwei Beispiele:

zeigen der Verlauf der Anfangs-Permeabilität über der Temperatur.
Von Raumtemperatur bis etwa 100°C nimmt sie deutlich zu.
Es gibt allerdings auch andere Ferritte mit noch höherer Permeabilität, bei denen die Kurven ein erstes Maximum bei Raumtemperatur haben, darüber erstmal abnehmen, bis die Kurven bei hohen Temperaturen zu einem zweiten noch höheren Maximum ansteigen.
Für MuMetall habe ich keine derartigen Kurven gefunden.

MfG Kai

  • "Peter Ruhrberg" started this thread

Posts: 2,798

Date of registration: Dec 19th 2014

Location: Krefeld

Occupation: Tonmeister

  • Send private message

72

Saturday, November 9th 2019, 11:16am

Danke für die Kurven, denn in meinen Unterlagen habe ich auch nach intensivem Suchen absolut nichts gefunden. Vermutlich wären diese bei der Hanauer Vacuumschmelze erhältlich gewesen, nur haben diese die Produktion von Blechen für die Tonkopffertigung aus Vacodur 16 bereits 1981 aufgegeben.

Inzwischen habe ich auch herausgefunden, dass der Temperaturgang noch deutlich geringer wird, wenn die M15A praktisch frei steht, damit kein unnötiger Wärmestau mehr auftreten kann. Eigentlich naheliegend, doch ist der Effekt verblüffend, wie sich hier an den verschiedenen Betriebszuständen zeigt. Hier z.B. habe ich etwa 15 Minuten nach Einschalten der Maschine und der Kühlung bunt durcheinander dargestellt: Stop, Umspulen, Wiedergabe, Aufnahme (jeweils ca. 10 Minuten, Gesamtdauer der Darstellung etwa 1 Std).



Die Unterschiede durch das Umschalten der Betriebszustände sind etwa so groß wie die Schwankungen durch die Temperatureinflüsse. Ich denke damit kann man leben …

Grüße, Peter

Posts: 5,960

Date of registration: Dec 20th 2015

Location: bei Hamburg

Occupation: Rentner

  • Send private message

73

Saturday, November 9th 2019, 11:32am

In der aktuellen Broschüre
"Weichmagnetische Werkstoffe und Halbzeuge", (Pb-pht-0.pdf) der Vacuumschmelze wird (immer noch ) gelistet:

"Werkstoffe mit höherer Härte
RECOVAC BS
Erläuterungen:
Ein hochpermeabler Werkstoff, der durch besondere Zusätze eine wesentlich höhere Härte und Verschleißfestigkeit aufweist.
RECOVAC BS hat eine relativ hohe Sättigungspolarisation (ca. 0,8 T).
Anwendungen:
Magnetköpfe für Tonbandgeräte und Magnetspeicher mit hoher Lebensdauer, Magnetkopfabschirmung, Relaisteile."
(von mir fett hervorgehoben).

MfG Kai

Posts: 1,426

Date of registration: Apr 17th 2009

  • Send private message

74

Saturday, November 9th 2019, 11:48am

Sehr gut :thumbup: Ein Meßband kann nicht genau genug sein, dennoch, die meisten damit eingemessenen Maschinen haben im praktischen Betrieb deutlich höhere Schwankungen durch den Temperaturgang. Eigentlich kann man nur für einen ähnlich definierten Zustand eine andere Maschine mit den Bändern einmessen und dürfte dann auch nur mit Eigenaufnahmen ebenso betrieben werden. Schon mit einer fremden Aufnahme abgespielt laufen alle Parameter wieder aus dem Ruder. Aber unser Ohr ist in Sachen Pegel weit gnädiger, so das wir das in der Regel nicht mehr wahrnehmen.

Meine Revöxe werde ich bis auf Ausnahmen nur im Stand betreiben, die A77 nur in ihren Einbaukörben, die ich zu einem "Gehäuse" umgestalten werde. Da kann die Luft weit besser zirkulieren als in der Holzhütte und somit sollten die Temperaturbedingungen weit konstanter sein, läuft sie erstmal gut 20min. Schon mit der Hand spürt man die nach oben austretende Abwärme. Im Liegendbetrieb habe ich dagegen feststellen müssen, das der Tonmotor auch den gesamten rechten Kopfträgerbereich aufwärmt und auch die Tonwelle wärmer wird. Damit sind die Maschinen für Liegendbetrieb eigentlich weniger geeignet, es sei denn, da installiere ich dann auch eine Bank mit drei Lüftern auf die Oberseite des Korbes, so das wieder ein Luftstrom wie im Standbetrieb nachgebildet wird. Experimente werden später damit folgen.

Posts: 5,960

Date of registration: Dec 20th 2015

Location: bei Hamburg

Occupation: Rentner

  • Send private message

75

Saturday, November 9th 2019, 12:08pm

Standard-Gegenmaßnahme in der industriellen Meßtechnik ist das Aufheizen des Temperatur-empfindlichen Elementes auf einen Wert, der normalerweise nicht von der Umgebungstemperatur erreicht wird. Beispiele: Quarz-Thermostate, Normale für thermisches Rauschen ...
Abkühlen ist teuerer und erfordert höhere Ströme, wenn es durch Peltier-Elemente erfolgen soll.
Aufheizen kann man mit einem oder mehr misbrauchten Leistungstransistoren, einem elektronischen Temperaturfühler und einem Regler. Die Leitungsführung muß natürlich so erfolgen, daß kein nennenswertes Gleichfeld im Kopf erzeugt wird.

MfG Kai

Posts: 1,426

Date of registration: Apr 17th 2009

  • Send private message

76

Saturday, November 9th 2019, 12:15pm

Da müßtest Du dann aber überall kleine Heizelemente anbringen, samt rückkoppelnder Meßsonden, das würde aus einem technischen Aufbau wie bei Peter einen wissenschatlichen Laboraufbau machen. Ich denke, das würde dann zu kompliziert. Als nächstes müßte dann noch der Raum klimatisiert werden, damit es keine zu hohe Allgemeintemperatur gibt.

Posts: 5,960

Date of registration: Dec 20th 2015

Location: bei Hamburg

Occupation: Rentner

  • Send private message

77

Saturday, November 9th 2019, 12:26pm

Da müßtest Du dann aber überall kleine Heizelemente anbringen, samt rückkoppelnder Meßsonden
Das geht ab einem Halbleiter-Temperaturfühler und einem am Kopf montierten Leistungstransistor als Heizelement, wenn der Kopf so montiert ist, daß nicht viel Wärme abfließt.

MfG Kai

  • "Peter Ruhrberg" started this thread

Posts: 2,798

Date of registration: Dec 19th 2014

Location: Krefeld

Occupation: Tonmeister

  • Send private message

78

Saturday, November 9th 2019, 2:51pm

wenn der Kopf so montiert ist, daß nicht viel Wärme abfließt.

Das wird bei der M15A und den meisten anderen Studiomaschinen leider chancenlos bleiben, da schon aus mechanischen Stabilitätsgründen die thermische Kopplung zwischen Köpfen und Kopfträger bzw. übrigem Chassis extrem eng ist. Will heißen, wird die Maschine warm, wird es auch der Kopfträger und mit ihm die Köpfe. Umgekehrt wird Wärme an den Köpfen effektiv und zügig an den Kopfträger weitergegeben.

Mein Produktionsraum ist tatsächlich ziemlich gleichmäßig temperiert, Schwankungen ergeben sich höchstens im Halbtagesrhythmus und wirken sich ebenfalls mit <0,1 dB aus, lassen sich also relativ leicht ausgleichen. Daher auch meine Idee mit dem Anpassen der Magnetköpfe an die Raumtemperatur.

Grüße, Peter

  • "Peter Ruhrberg" started this thread

Posts: 2,798

Date of registration: Dec 19th 2014

Location: Krefeld

Occupation: Tonmeister

  • Send private message

79

Monday, November 11th 2019, 7:08am

Kleiner Nachtrag: Mittlerweile habe ich herausgefunden, dass das Übertragungsmaß des Bezugs-Wiedergabekopfs sich mit etwa 0,1 dB pro Kelvin ändert.

Nachdem ich meine Kühlungsmethode noch einmal geringfügig optimiert habe, hier die neuesten Temperaturkurven, die unmittelbar aufeinander aufgezeichnet wurden, jede Kurve repräsentiert 30 Minuten. Es bedeuten:

1) punktiert: Einschalten und direkt auf Aufnahme, um die M15A auf Betriebstemperatur zu bringen
2) gestrichelt: Stop
3) durchgezogen: Umspulen



Daraus ergibt sich, dass die M15A bei spätestens 25 Minuten Aufnahmedauer in einem Betriebszustand ist und bleibt, der eine maximale Pegelabweichung des Wiedergabezuges von ca. 0,06 dB ergibt. Für meine Zwecke reicht's :thumbup:

Grüße, Peter

Posts: 1,426

Date of registration: Apr 17th 2009

  • Send private message

80

Monday, November 11th 2019, 12:42pm

Ich denke, das geht bei den Anwendern in den Toleranzen unter... ^^ Perfekt :thumbup:

  • "Peter Ruhrberg" started this thread

Posts: 2,798

Date of registration: Dec 19th 2014

Location: Krefeld

Occupation: Tonmeister

  • Send private message

81

Monday, November 11th 2019, 1:10pm

Ich denke, das geht bei den Anwendern in den Toleranzen unter... ^^ Perfekt :thumbup:

Nun ja, diese Toleranzen bekommt der Anwender sowieso nicht mit.
Die ganze Kühlungsarie sollte mir eher die engmaschige Korrektur der Wiedergabepegel ersparen :D

Grüße, Peter