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31

Thursday, September 15th 2016, 3:04am

Hallo Volkmar,

vielleicht hat den Verantwortlichen ja auch etwas Phantasie gefehlt, wie man verborgene Werte aus den scheinbar wertloses alten Fotos bergen kann: Beim HVV (Hamburger Verkehrs Verbund für alle Nichthamburger) gab es in der jüngeren Vergangenheit eine Imagekampagne, die hervorragend zusammenmontierte Straßenszenen aus vermutlich dem Ende des 19.ten Jahrhunderts mit aktuellen und darin den neuesten Fahrzeugen des HVV in großformatigen Bildern zeigte. Das waren richtige Blickfänger und damit sicher Geld wert im Rahmen der Kunden-Aquise.

Das hier hauptsächlich Bänder erwähnt werden, liegt sicher daran, daß die Verfechter der Analogtechnik mit der digitalen "wenig am Hut haben" und vielleicht garnicht mitgekriegt haben, daß Bänder bei den meisten Computern garnicht verwendet werden und ein diesbezüglicher Vergleich völlig an der Praxis vorbeigeht. Von den In Rechnern angewandten Maßnahmen zur Daten-Integrität wissen sie idR auch nichts.

Die Qualität der digitalen Speicherung ist eigentlich bereits gut genug, da muß nichts mehr optimiert werden. Wenn man sich das Reproduktionsergebnis analoger Speicherung meßtechnisch anschaut, sieht man sehr viele Schwächen/Nachteile/Probleme, die bei der digitalen Speicherung nicht mehr vorhanden sind.
Wenn du die Aufnahmeseite ansprichst, sollte man sicher unterscheiden zwischen klassischer Musik & Jazz einerseits und Pop/ Rockmusik andererseits. In letzterer gibt es viele Produktionen, die in der technischen Qualität weit unter dem Niveau der digitalen Speicherung bleiben. Das ist dort aber vielfach auch weder das Ziel der Produzenten/ Musiker noch das Interesse der Kunden.
Manchmal liegt es vielleicht auch an mangelndem technischen Knowhow derjenigen, die das Mastering gemacht haben. Ich habe schon CDs gehört, die klangen wie mit einem übersteuerten Cassettenrekorder aufgenommen, also matschig komprimiert mit Bass-modulierten Höhen. Bei Betrachtung mit Audacity zeigte sich, daß zur Lautheitsmaximierung einfach nur das Audiosignal kräftig hochgedreht und an der + - 32767 Grenze von 16 Bit geclippt worden war.
Da gilt auch, was Rudy van Gelder schon in den 90er Jahren in einem Interview u.a. zum Verschwinden der LPs sagte: die LP ist der größte Verzerrer überhaupt, die CD ist das bessere Medium. Wenn eine CD nicht gut klingt, liegt es nicht am Medium, sondern am Aufnahme-Ton-Ingenieur oder an dem, der den Mix gemacht hat oder an dem Masteringhaus...

MfG Kai
PS: Daß es auch an den Musikern liegen könnte, kam ihm nicht in den Sinn, weil er es nur mit ganz hervorragenden Jazzmusikern zu tun hatte.

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Monday, September 19th 2016, 11:34am

Bestechend an Digitaldaten ist auf den ersten Blick, dass man beliebig verlustfreie Kopien anfertigen kann, und zwar oft mit sehr geringem zeitlichem Aufwand und daher die Haltbarkeit der physischen Datenträger keine so große Rolle spielen sollte. Praktisch fehlt oft die Motivation zur Herstellung solcher Kopien und dazu kommen noch regelmäßige Formatwechsel, die dann Konvertierungen und bei unterschiedlichen physischen Datenträgerformaten und Schnittstellen auch noch kreative Zwischenlösungen erfordern - schon mal versucht, den gesamten Festplatteninhalt (20 MB) eines 286ers mit RLL-Festplatte und 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerk funktionsfähig auf einen Pentium mit IDE-Festplatte und 3,5"-Diskettenlaufwerk zu kopieren? Da gibt es genau drei Möglichkeiten - ein passendes Diskettenlaufwerk in einen der beiden Rechner bauen und mühsam DJ spielen, einen zweiten Rechner mit passenden Diskettenlaufwerken dazwischenzuschalten und die Daten nochmals umzukopieren und drittens (die von mir in der Praxis gewählte Lösung) den 286er mit einer SCSI-Karte und passender Platte nachzurüsten, die Daten zu kopieren und anschließend die Platte in den Pentium zu bauen - SCSI kollidiert nämlich dank völlig eigener Architektur nicht mit anderen Schnittstellen wie IDE/ATA oder ST-506.

Dazu kommt, dass durchaus Kopierfehler vorkommen können - ein merklicher Teil meiner 1999 begründeten MP3-Sammlung hat seit einem der diversen Kopiervorgänge auf neue Rechner erhebliche Aussetzer, absolut unerträglich! Zum Glück sind MP3s einerseits wiederbeschaffbar, andererseits habe ich letzten Sommer eine Originalfestplatte Stand 2003 gefunden (Wechsel von 4 GB auf 10 GB), auf der die Dateien noch intakt sind und die sofort kopiert, diesmal fehlerfrei.

Insofern: keine Technik ist unfehlbar und für die Ewigkeit.

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33

Monday, September 19th 2016, 12:16pm

Hallo Ragnar,

ich habe mal eine 4te Möglichkeit benutzt, um zwischen zwei sehr verschiedenen Rechnern Daten zu kopieren, als es noch kein Netzwerk gab, bzw. es für den älteren Rechner sowas nicht gab. Dafür gab es ein Programm-Paar, das auf beiden Rechner vorhanden sein mußte, und die dann einen Link per V24-Schnittstelle hergestellt haben. Gleiches war auch möglich über die damalige Druckerschnittstelle mit 4Bit oder 8Bit Parallel. Zugriff auf den alten Rechner erfolgte dann wie auf eine weitere Harddisk. Auf die Weise konnte man sogar Daten von einem Apple II zu einem IBM-PC rüberziehen.
Wenn die Hardware nicht richtig funktioniert, können überall Fehler passieren. Das ist kein Unterscheidungsmerkmal zwischen Analog- und Digital-Technik. Nur, wenn die Digital-Technik funktioniert, sind die Ergebnisse eben immer präzise reproduzierbar, anders als bei der Analog-Technik.
Einen sehr merkwürdigen Fehler hatte ich mal in einem ehemaligen Büro-Rechner von Dell, den ich als Tonband-Geräte-Ersatz benutzte. Das funktionierte wunderbar, bis ich eines Tages eine PCI-Karte einbaute, die größere Hardisks bedienen konnte. Von da an hatte ich in allen Musik-Aufnahmen merkwürdige Spikes. Ich hab als alter Analog-Mann zunächst natürliche Analog-mäßige Ursachen vermutet und entsprechend alle Versorgungsleitungen im PCI-Extender-Board mit Elkos gepflastert, aber es trat keine Verbesserung ein. Dann im Web nach Berichten über solche Effekte gesucht und fand schließlich einen Hinweis, sogar in der Doku von IBM oder Intel über die Chips ??xyz-Bridge?, die den PCI-Bus mit dem Rechner-Bus verbinden: da gab es einen bekannten Bug (der aber nie beseitigt wurde), der zur Folge hatte, daß bei jedem Datenblock das erste und letzte Byte vertauscht wurden (ein klassischer Adressierungsfehler). Wenn da in der Musik an der einen Stelle gerade hohes Signal war und an der anderen Stelle kleines Signal, dann gab es dadurch einen 1-Sample kurzen aber eventuell recht hohen Spike.
Das Problem ließ sich dadurch beseitigen, daß ich die Erweiterung rückgängig machte, die PCI-Karte in eine dunkle Ecke legte und mir eine NAS-Platte kaufte.

Ach so, ein paar CDs (von um die 1000), die beim letzten Abspielversuch auf dem CD-Player merkwürdige Knirschgeräusche machten, hab ich auch schon. Aber dafür knistert und knackt es af allen LPs und nicht nur einigen wenigen.

MfG Kai

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Tuesday, September 20th 2016, 1:11pm

Bei den schadhaften MP3s waren eigentlich nur intakte Geräte beteiligt, zumindest nie sonst erkennbare Fehler! Auch andere beschädigte Dateien habe ich keine gefunden, nur die MP3s waren betroffen!

Die Variante Nullmodemkabel habe ich in der Tat vergessen, sie wäre allerdings viel langsamer gewesen als die SCSI-Platte. Ich wollte mit der Geschichte hauptsächlich illustrieren, dass inkompatible Hardware bei der Migration von Daten einige Klimmzüge erfordern kann. In dem konkreten Fall kam vorher noch dazu, dass ich den 286er erst wieder zum Laufen bringen musste (nach Batterie-Ausfall die ganzen Einstellungen im Setup wieder herstellen wobei bei diesem Modell das Setup noch dazu nicht im ROM oder EEPROM gespeichert war, sondern auf einer längst verschollenen Diskette), aber das hat schon nur mehr am Rande mit der Sicherung digitaler Daten zu tun. Andererseits, es ist ein durchaus reales Problem das bei schon länger archivierten Daten und nicht regelmäßig genützter/gewarteter Hardware durchaus auftreten kann.

Kurz und gut, keine Technik ist fehlerfrei, für die Ewigkeit und völlig ohne Probleme. Man muss einfach die Vor- und Nachteile abwägen und die Nachteile vorbeugend berücksichtigen.

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Saturday, September 24th 2016, 3:50pm

Ach so, ein paar CDs (von um die 1000), die beim letzten Abspielversuch auf dem CD-Player merkwürdige Knirschgeräusche machten, hab ich auch schon. Aber dafür knistert und knackt es af allen LPs und nicht nur einigen wenigen.

Mit dem Problem der CD-Haltbarkeit balgen sich die Profis vom Deutschen Musikarchiv auch schon seit einigen Jahren herum. Was die so rausgefunden haben, klingt nicht gerade ermutigend... :S


Heutzutage sind unsere Kiddy's schon ohne App's & Schmierphone aufgeschmissen und überlebensunfähig und fragen mich bei Konzertmitschnitten völlig erstaunt, was das da (Telefunken M15A) sei.

Erfahrungen dieser Art hab ich sogar schon mit einem DAT (Tascam DA-P1) gemacht ;).

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36

Saturday, September 24th 2016, 4:35pm

Das zweite Zitat stammt nicht von mir.
Da ist wohl das Zitier-Tool durcheinander gekommen.

MfG Kai

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Wednesday, September 28th 2016, 3:53pm

ich finde, man muss unterscheiden zwischen Vereinen, die die Archivierung professionell betreiben und Privatleuten / Hobbyisten.

Eine 4TB Qualitäts-Festplatte ist heute billiger und kleiner als ein Archivband aus der guten alten Zeit. Auf so eine Platte passen knapp 6000 voll bespielte Kauf-CD-s, oder knapp 450 Dual-Layer-Kauf DVD-s. Das Kopieren von so einer Platte inkl. Dateiüberprüfung dauert großzügig geschätzt eine halbe Nacht, es ist also kein Problem, wertvolle Dateien redundant auf mehrere Platten zu speichern, die an unterschiedlichen Orten stehen wg. Gefahr der physikalischen Zerstörung, und sich regelmäßig über ein Netzwerk untereinander auf Plausibilität prüfen. Fällt eine der Platten aus, bleiben immer noch die anderen beiden, und man kann eine neue leere Platte einsetzen, auf die dann die Daten von einer der anderen beiden kopiert wird. So einen Verbund kann man sogar mit USB-Sticks oder SD-Karten für kleines Geld zusammenbauen, er ermöglicht, die Speichermedien bis ans Ende ihrer Lebenszeit zu betreiben, ohne dass die Gefahr des Datenverlustes oder der Datenverstümmelung besteht. Und wenn sich die Technik komplett ändert, bleibt immer eine breite Übergangsphase, in der die alte Technik noch verfügbar ist, und in der man die Daten von alt nach neu übertragen kann. Die Angst vor dem Verlust digitaler Daten stammt aus der Anfangszeit der digitalen Massenspeicherung, wo es noch viele zueinander inkompatible Systeme gab, die schon nach wenigen Jahren vom Markt verschwunden waren. Seit etwa der Jahrtausendwende sind die Standards zueinander abwärtskompatibel, und so weit verbreitet, dass es immer eine Möglichkeit geben wird, sie auch mit neueren Systemen weiterzuverarbeiten.

Bei den privaten Mediensammlungen sollte man sich darüberhinaus die Frage stellen, ob das mit der unbegrenzten Archiviermöglichkeit ein Segen oder eher ein Fluch ist. Jeder kann sich mal selber überlegen, was er von vor 20 Jahren wirklich noch hört, und ob das, was nicht mehr gehört wird, so wertvoll und unwiederbringlich ist, dass man sich die Schränke damit vollstapeln muss. Bei den digitalen Privatarchiven kommt noch hinzu, dass die größten Sammlungen keinen Platz mehr brauchen, Speicherplatz nichts kostet, und man schnell unfreiwillig zum "Medien-Messie" wird. Spätestens, wenn man ein Album zum zweiten Mal runterlädt, weil man nicht mehr weiß, dass man es schon hat, wird es kritisch. Die Verwaltung von riesigen Privatsammlungen frisst irgendwann das einzige auf, was wirklich unersetzlich ist - die eigene Lebenszeit.

Gruß Frank

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38

Monday, October 10th 2016, 5:44pm

Hallo,

in der Oktober-Ausgabe der Zeitschrift "Professional Audio" gibt es einen 5-seitigen Aufsatz zum Thema Tonbandgeräte-Pflege/Hege am Beispiel der Telefunken M15A. Da steht nix drin, was ein Forianer mit pflegebedürftigen Bandgeräten nicht schon wüßte. Ist aber anscheinend Teil einer Aufsatzreihe, mit der man die Tonband-Thematik beleben möchte.

MfG Kai

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39

Tuesday, March 21st 2017, 7:58am

Da ich dieses Thema gerade gefunden habe...
Es stimmt, ein Toning von Analogforum hatte mir in einem Gespräch auch bestätigt, das die Zeiten, wo die Rundfunkstudios einem die M15er nachgeworfen hatten, vorbei sind. Was sie an den Maschinen noch haben, rücken sie nicht mehr raus. Mehr noch, nach Rundfunkstandards professionell gewartete M15 werden von den Studios zeitweise sogar für Produktionen angemietet.

Daten wandern. Das ist so, seit sie es gibt. Datenträgerformate laufen auch aus. Schon aus Kompatiblitätsgründen ist man früher oder später zu Datenkopie gezwungen, diese auf ein aktuelles Datenträgerformat zu überspielen. Wer hat heute noch 5-1/4"-Disketten? Oder ein ZIP-Laufwerk mit serieller Schnittstelle. Auch wenn die heute noch funktionieren... NAS-Laufwerke haben sich aktuell wegen ihrer internen Redundanz bewährt, ist zwar Aufwand, dann noch mehrere NAS-Kopieen verteilt zu haben, aber derzeit am sichersten. Gepflegt müssen alle Datenträger werden, gleich ob nun Analog oder Digital. Wenn digitale Magentbandrekorder teils Jahre unbenutzt stehen, braucht man sich auch nicht wundern, wenn sie beim Eninschalten streiken, denn von ihrer Technik sind das auch "nur" Bandmaschinen. Ich empfehle auch meinen Kunden, wenigstens einmal im Monat was abzuspielen, wollen sie Standschäden vermeiden.

Die Schallplatte ist ein billiger Massentonträger, aber abgesehen von Wärmeeinwirkung in der Tat ein sehr beständiger Tonträger. Meine als Lehrling erste gekaufte Schallplatte von 1978 spielt heute genauso gut wie damals. Schon von Anfang an habe ich jegliche Beschädigungen vermieden, also Kratzer und Staub. Aber auch Kassettenaufnahmen aus dieser Zeit sind immer noch gut abspielbar, den teilweisen Höhenverlust schreibe ich der unterschiedlichen Einmessung zu, seltener dem Alter. Bei Tonbändern sehe ich für die Lebzeit eines Menschen weniger die Entmagnetisierung als Mangel, als die chemische Beständigkeit, die sich nachteilig in Stauben oder Schmieren zeigt. Bei bewährten Bandsorten ist das aber auch kein Problem, nur das man "nachher" oft schlauer ist...

Allgemein wird die Analogtechnik nicht mehr in dem Umfang zurückkehren wie sie einmal war, sie ist ein Nischenprodukt für Genießer geworden und verlängert sich dadurch etwas ihr Leben. Die weiterentwickelte Digitaltechnik im HD-Format (ab 96kHz/24bit und höher) macht der Analogtechnik schon mächtig Konkurrenz. Die fehlenden Magnetbandverzerrungen sind auch bereits auf einige modernen HD-Aufnahmen auf Schallplatte hörbar, die hier ähnlich einem Direktschnitt wirken. Ein Direktschnitt kann sich von einer HD-Aufnahme kaum noch absetzen. Um abschließend den oben schon zitierten Bob Ludwig zu erwähnen, man muß stets die Vorteile der jeweiligen Technik kennen, um die Technik optimal nutzen zu können, gleich ob nun analog oder digital.

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Tuesday, March 21st 2017, 5:15pm

Hallo Andre,

1. mich wundert, daß du Cassetten und Tonbänder unterschiedlich bewertest.
Für mich als Laien sind beides nur unterschiedlich breite und verpackte Bänder mit den gleichen potentiellen Problemen.

2. Ein wesentlicher Unterschied zwischen der analogen und der digitalen Speicherung ist, daß das analoge Speichermedium einer ständigen allmählichen Beschädigung (Kontamination und Verfall) ausgesetzt ist, die sich in der Wiedergabe sofort niederschlägt.
Bei der digitalen Speicherung merkt man davon solange nichts, bis die Beschädigung so stark ist, daß Bits umkippen. Das kommt eher auf zerkratzten CDs vor als auf nicht-optischen Medien (Festplatten, Halbleiterspeicher). Durch die Möglichkeit, rechtzeitig identische Kopien zu ziehen, kann dem (kleinen) Problem einfach vorgebeugt werden.

Eine Schallplatte wird durch einen mechanischen Abtaster allmählich "abgehobelt". Ein nicht-mechanischer Abtaster (Laserplattenspieler) reagiert sehr empfindlich auf Staubablagerungen in der Rille (bis auf neueste , noch nicht im Handel befindliche Systeme).
Insofern (ganz zu schweigen von Rillendurchmesser-abhängigen Abtastfehlern) ist das digitale HD-Signal da auch im Vorteil gegenüber einer Direktschnitt-Platte.

MfG Kai

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Tuesday, March 21st 2017, 8:53pm

Hallo Kai,

der hauptsächliche Unterschied zwischen Cassettenbändern und Tonbändern ist bei der angesprochenen Thematik der Haltbarkeit, das ich bei Cassetten bisher nur ein einziges Exemplar hatte ("Exclusiv C60") welche bei einem bestimmten Cassettendeck zu etwas schmieren neigte. Sonst habe ich keine einzige meiner über 250 Cassetten, welche staubt oder schmiert, was ich wiederum bei meinen aus der Bucht erstandenen Tonbändern mit teils vergleichbaren Alter feststellen mußte.

Die Zeitschrift Stereo hatte Anfang 90er festgestellt, das zu rauhe Löschköpfe die Cassettenbänder in den Höhen leicht anlöschen können, wobei die Bänder auf diese Köpfe je nach Herstellersorte unterschiedlich empfindlich darauf reagierten, diese Eigenschaft floß in die Tests ein. Inwieweit das auch auf Tonbänder zutrifft, weiß ich jetzt nicht, halte es aber auch für denkbar. Höhenverlust muß also nicht nur durch chemische Alterung begründet sein.

Wie auch immer, gibt es noch genügend gute Bänder, die ein Tonbandgerät erhaltenswert machen. Ich denke, wenn HD-Digitalaufnahmen ohne diesen ganzen DRM-Quatsch als einfacher Tonträger bzw. als Datei verfügbar wären, würden Plattenspieler und Bandgeräte weniger gefragt sein. Viele Musikfreunde wollen die Musik genießen und nicht konsumieren. Da haben analoge Geräte natürlich einen psychologisch unterstützenden Wert, weil sie durch ihre "Langsamkeit" (Bedienung) dem Musikhören wieder einen Kult zurückgeben. Dem kann ich mich auch nicht entziehen, auch wenn ich Digitalaufnahmen offen gegenüber stehe.

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Thursday, March 23rd 2017, 5:05pm

ich persönlich glaube, dass es weniger die Langsamkeit ist als vielmehr die Beschränkung auf das Wesentliche.

Ein Tonbandgerät schaltet man ein, legt ein Band auf, und dann macht man das, wofür ein Tonbandgerät gebaut wurde - aufnehmen oder wiedergeben. Man muss sich keine Gedanken darüber machen, ob das Netzwerk des Multiroomsystems gerade mal wieder spinnt, weil das örtliche E-Werk angefangen hat, "Smart-Zähler" zu testen, oder ob der Server sich mal wieder abgeschaltet hat, weil er nach einem ungefragten Update das Hochfahren verweigert. Man muss sich auch keine Gedanken darüber machen, ob man während des Musikhörens von irgendeinem Marketing durchleuchtet wird, oder ob irgendein kleiner Mann in Kalifornien die Aufnahmen mitschneidet und auf Legalität prüft.

Und wenn die Masse an verfügbaren Medien ein überschaubares Maß verliert, was sie bei digitalen Medien fast immer tut, dann verliert die Sache auch ihren Wert. Ich sitze manchmal morgens mit dem Smartphone im Auto, auf dem über 1000 Alben direkt gespeichert sind und das Zugriff auf Amazon Music Unlimited hat, und habe trotzdem keine Idee, was ich mir auf der Fahrt ins Büro anhören soll. Und wenn ich einen Titel überspringen will, muss ich rechts ran fahren, weil man das Handy während der Fahrt nicht anfassen darf. Irgendwie ist heute alles wahr geworden, was wir Nerds uns früher vorgestellt haben, und trotzdem sind wir nicht wirklich glücklicher dabei.

Gruß Frank

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43

Thursday, March 23rd 2017, 6:11pm

Fein gesagt

Mich würde jetzt oben das mit den Laserfräsen, die noch nicht im Handel sind, mal interessieren ....
MfG Mario

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44

Thursday, March 23rd 2017, 6:26pm

Ohne dir nahe treten zu wollen , interessieren würde mich das auch , meinst du du kannst das bezahlen?
Ich nehme an du bist ein "normalstreblicher Mensch". :-)
Meine TOP - Wickler:
Akai GX 747
Sojuz 111
Revox A 77 1/4 Spur und HS

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45

Thursday, March 23rd 2017, 8:01pm

Oha, kommt das "noch nicht im Handel befindliche" von Burmester ? 8)
MfG Mario

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46

Thursday, March 23rd 2017, 11:12pm

Die psychologische Rückkehr:

Heute mußte ich einen neuen Kabelfernsehreceiver kaufen. Es ist einer von SAMAUNG mit eine Festplatte drin.
Der Menüpunkt "Aufzeichnung" wird mit einer schönen NAB-Tonbandspule :thumbsup: symbolisiert.
Bei seinem Vorgänger war das noch ein undefinierbares türkises Symbol.
Gruß, Jürgen

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Friday, March 24th 2017, 1:48am

Oder ein ZIP-Laufwerk mit serieller Schnittstelle.
Ist eigentlich ziemlich weit weg vom Thema, aber: die gab es mit Parallel, SCSI und USB. Die beiden ersteren besitze ich in funktionsfähigem Zustand. Ich glaube ein USB habe ich sogar auch, aber noch nicht ausprobiert (Flohmarktkauf). Zwei interne IDE-Laufwerke habe ich auch noch (verbaut).

Schon witzig, wie alle damit gerechnet haben, dass die Diskette erst von der ZIP und dann von weiteren Disketten-ähnlichen Formaten mit mehr Speicherplatz abgelöst wird, und stattdessen kamen USB-Sticks und SD-Karten. Die SD-Karte kann man eigentlich am ehesten noch mit Disketten vergleichen, bloß ist sie von den Außenabmessungen viel kleiner. Ein "Wegwerfmedium" ähnlich der Diskette allerdings ist nie mehr gekommen - Disketten waren ja ab den späten 90ern oder so Centartikel, die man beliebig nehmen und verschenken, verschicken oder sonstwas konnte.

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48

Friday, March 24th 2017, 1:10pm


Schon witzig, wie alle damit gerechnet haben, dass die Diskette erst von der ZIP und dann von weiteren Disketten-ähnlichen Formaten mit mehr Speicherplatz abgelöst wird, und stattdessen kamen USB-Sticks und SD-Karten. Die SD-Karte kann man eigentlich am ehesten noch mit Disketten vergleichen, bloß ist sie von den Außenabmessungen viel kleiner. Ein "Wegwerfmedium" ähnlich der Diskette allerdings ist nie mehr gekommen - Disketten waren ja ab den späten 90ern oder so Centartikel, die man beliebig nehmen und verschenken, verschicken oder sonstwas konnte.

Nicht zu vergessen: Die Magneto-Optischen Laufwerke als Alternative zum ZIP-Laufwerk. Ich habe mir um die Jahrtausendwende ein externes 3,5" 250MB MO-Laufwerk von Olympus gekauft. Dieses kann über SCSI oder den Parallelport angeschlossen werden. Ich nutze es gelegentlich immer noch mit einem Adaptec USB-SCSI Konverter. MO-Disks gelten als die langlebigsten und sichersten Speichermedien. Es gibt bzw. gab diese auch im 5,25" Format für Master-Recorder und als Medium zur Datenarchivierung. Mit ZIP-Disketten und Laufwerken habe ich bislang noch keine Erfahrungen.

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Friday, March 24th 2017, 1:36pm

moin moin,

wie war der threattitel nochmal ?

reginald
Das wahre Verbrechen verübt die volkstümliche Musik am Gehörgang der Menschheit.
( Benno Berghammer )

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Friday, March 24th 2017, 2:22pm

Zurück zum Thema: Die Rückkehr der Bandmaschine

Zu Beitrag 39
Es stimmt, ein Toning von Analogforum hatte mir in einem Gespräch auch bestätigt, das die Zeiten, wo die Rundfunkstudios einem die M15er nachgeworfen hatten, vorbei sind. Was sie an den Maschinen noch haben, rücken sie nicht mehr raus. Mehr noch, nach Rundfunkstandards professionell gewartete M15 werden von den Studios zeitweise sogar für Produktionen angemietet.

Die Maschinen in den Rundfunkanstalten werden nur noch für die Einspielung ins digitale Archiv gebraucht. Dabei dürfte das Problem bestehen, daß es kaum noch Personal gibt, was sich mit analogen Geräten auskennt. Wer übernimmt die Wartung der analogen Bandmaschinen? Habe heute einmal beiläufig Fotos im "Sender" von den Maschinen gemacht, die zur Archiv-Zuspielung genutzt werden. Hierfür stehen zwei Studios bereit mit jeweils zwei Bandgeräten. Der geneigte Leser kann sich selbst ein Bild machen:


Telefunken M15A im Studio 1. Diese Maschine wird kaum genutzt.


Telefunken M15A in Studio 1. Oft im Einsatz. Der Bandpfad sieht schon lange so aus. Fast täglich spielt sie Bandmaterial ins digitale Archiv.


Telefunken M15A in Studio 2. Weniger im Einsatz.


Studer A816 in Studio 2. Oft im Einsatz.

Wer weiß noch, wie die tägliche Pflege bei einer Bandmaschine aussieht? Gibt es noch eine Kontrolle bzgl. des Zustands des Equipments?

Schon vor 10 Jahren gab es die Probleme bei Zündfunk (Bayern 2) mit den Plattenspielern. Von Kollegen weiß ich, daß niemand mehr da ist, der sich mit Wissen um die Pflege kümmern kann. Auch in den hier gezeigten beiden Überspielstationen stehen Schallplattenspieler EMT 948. Der Zustand entspricht dem der Bandgeräte ...
Olaf, der eher passiv seit Jahren hier mitliest und sich an den fachlichen Beiträgen über Tonbandgeräte erfreut

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Friday, March 24th 2017, 2:58pm

Hi Olaf,
das ist wirklich traurig, die Maschinen vergammeln und werden analog immer schlechter, wie auch das Rundfunkprogramm. Ich höre z.B. morgens auf dem Weg zur Arbeit gerne noch das "ARD-Nachtkonzert" wo traditionell Klassik gespielt wird. Neuerdings wird das immer öfters mit Jazz und Hollywoodschnulzengedudel aufgeweicht. Auf Rundfunk vergeht mir zunehmend die Lust. Die M15 und 948er sind wohl bei Liebhabern besser aufgehoben... :S

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Saturday, March 25th 2017, 3:14pm

Hallo,

wenn ich das in #43-45 geäußerte Interesse richtig interpretiere als auf die kontaktlose Wiedergabe von Schallplatten (und anderen mechanischen Aufzeichnungen) bezogen, dann habe ich zwei Links, unter denen man weitere Informationen findet:

1. über den Laserplattenspieler:
http://elpj.com

2. ein System basierend auf optischem Scannen der Speicheroberfläche und anschließender "Image Analysis".
Uber das Vorhaben wurde erstmals 2003 publiziert. Das Projekt befindet sich immer noch im Forschungsstadium:
http://irene.lbl.gov

MfG Kai