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  • "Huubat" started this thread

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1

Wednesday, October 13th 2010, 3:49pm

Ich erlaube mir mal, einen Link, den ein Kollege aus dem SABA-Nachbarforum eingesetzt hat, hier zu verlinken.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/grundig-insolvenz-der-fernseher-bleibt-fuer-immer-aus-1.1011268
Bert

~Jogi

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2

Wednesday, October 13th 2010, 6:22pm

Ich sag´s ja ungerne, aber Grundig in der Ist-Form (nicht in der war-Form) ist für mich schon eine Weile erledigt.
Unwürdig was da mit einer altehrwürdigen Firma so getrieben wurde.
Der alte Max würde sich eine Rotationsmaschine in seinen Sarg bauen lassen, eine mit Papst-Motor und unzerbröselbaren Zwichenrädern.

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3

Wednesday, October 13th 2010, 7:59pm

Quoted

Jogi postete
Ich sag´s ja ungerne, aber Grundig in der Ist-Form (nicht in der war-Form) ist für mich schon eine Weile erledigt.
Unwürdig was da mit einer altehrwürdigen Firma so getrieben wurde....
Moin, moin,

eine Stellungnahme, die ich nicht verstehe.

Grundig war erfolgreich, solange die Kunden seine Produkte gekauft hatten. Dann fand man Geiz geil und hat mit HiFi und TV aus Asien lieber hierzulande Arbeitsplätze vernichtet und begonnen sein Geld anstatt für "Made aus Fürth" für gestiegene Abgaben auszugeben.

Natürlich haben die Grundigs nie auf MacIntosh-Niveau gebaut, was ihnen ja gerne vorgeworfen wurde und wird, aber gekauft hätten wir Kunden solch Zeugs ja auch nicht in ausreichender Menge. Und von MacIntosh haben wir's auch nicht gekauft.

Und Videorecorder haben wir lieber billig und aus Asien gekauft. "unwürdig was da mit einer altehrwürdigen Firma so getrieben wurde." Weil VHS besser war als Video 2000? Oder weil es billiger war?
War es billiger? An die dreißigtausend Arbeitslose kosten auch Geld. Jeden Monat. Jedes Jahr. Aber zum Glück kennen wir die ja nicht persönlich und können uns vormachen, die ehemaligen Grundig-Werker haben inzwischen wieder einen Job, oder Rente. Naürlich nehmen sie damit einem Anderen den Job weg, oder die Rente, denn sinkende Arbeitslosenzahlen kennen wir ja nicht mehr, nur Umbenennungen, von "Arbeitsloser" in "Transferempfänger" und "in Maßnahme Befindlicher". Und kaufen kräftig weiter Made in Sonstwo.

Die Familie Koc hat einen Namen gekauft und beschäftigt immerhin hierzulande noch 140 Leute, dazu in der Türkei knapp über hundert für die Produktion der Geräte der Marke. Tut also mehr für den Erhalt von Marke und Arbeitsplätzen hierzulande als all jene Hatschibutschi (etc.)-Käufer, die über die aktuelle Grundig meckern und die schon seit Jahren über Grundig gemeckert haben.

Die Marktwirtschaft bedeutet für die Käuferseite nicht "versorgt werden", sondern "lenken", "Einfluß nehmen", "regulieren". Das haben wir gemacht: Grundig ist weg. Telefunken, Saba, Nordmende, Dual, Wega, Kuba, Imperial, Schneider, und andere ebenso. Arbeitslose haben wir geschaffen, Know Hiow exportiert, schmeißen jedes Jahr Milliarden Euro aus dem Fenster um Verbrauchsgüter in Asien zu rodern, Musik und Filme aus den USA zu importieren ...

Also, wer hat's mit der altehrwürdigen Firma getrieben?

Nur so ein Gedanke.

Tschüß, Matthias
Stapelbüttel von einem ganzen Haufen Quatsch

~Jogi

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4

Thursday, October 14th 2010, 10:59am

Matthias, ich war immer ein Freund und Verfechter der "traditionellen" Grundig-Linie. Das wird man vielen meiner Beiträge auch ansehen.

Aber davon sprach ich jetzt oben in #001 nicht.
Es ist einfach gegen Ende kein Flair mehr vorhanden gewesen, so wie bei anderen meiner traditionellen Vorzugsmarken - SABA bspw. - auch.
Flimmerkisten aus der Türkei funktionieren auch, man kann sie sogar reparieren wenn sie kaputt gehen, aber das Flair ist weg, der Vorteil diese Geräte anderen vorzuziehen besteht nicht mehr.
Auch Stereoanlagen die wie notgelandete UFO´s aussehen, vollgestopft sind mit Sony-Chips (Sony ist nicht der schlechteste Fernost-Chip-Produzent, eher einer der besten) treffen nicht mehr auf meine heiße Liebe.
Einzig die Autoradios aus Portugal konnten noch eine lange Zait den Ton angeben, boten die grundigtypischen Mehrwerte und das Flair.

Wer genau die Schuld trägt, darüber kann man sich lange streiten, brauchen wir aber nicht, es gab ja die These die auch ich nicht von der Hand weise, das es ein absehbar destruktiver Wahnsinn ist bei Grundig, Telefunken, SABA usw. seine Brötchen zu verdienen und sich trotzdem blind für die Folgen für zu Hause Technics, Sanyo und Toshiba Apparate zu kaufen weil die ein bisschen billiger sind.

Nichtsdestotrotz.
Markenflair weg = Kaufgründe weg

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5

Thursday, October 14th 2010, 12:08pm

Quoted

Jogi postete
das es ein absehbar destruktiver Wahnsinn ist bei Grundig, Telefunken, SABA usw. seine Brötchen zu verdienen und sich trotzdem blind für die Folgen für zu Hause Technics, Sanyo und Toshiba Apparate zu kaufen weil die ein bisschen billiger sind.
Von dem "destruktiven Wahnsinn" lebt aber auch die deutsche Wirtschaft. Wenn auf der Welt plötzlich jeder sein Auto und seine Maschinen bei Herstellern im Inland kaufen würde, hätte das für den hiesigen Arbeitsmarkt sicher weitaus tragischere Folgen als die Grundig-Pleite.

Nebenbei glaube ich nicht, daß die günstigeren Preise der Japaner wirklich der entscheidende Grund für den Niedergang des Unternehmens waren, eher Ignoranz gegenüber Kundenwünschen und technischen Entwicklungen. Der Niedergang des Marktes für Röhrenfernseher, auf dem Grundig noch konkurrenzfähig war und eine treue Käuferschaft hatte, war dann der Todesstoß.

~Jogi

Unregistered

6

Thursday, October 14th 2010, 1:22pm

Der Wahnsinn ist globalisiert. Einer ist des anderen Deubel.
Fein haben wir das hingekriegt.

gogosch

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7

Sunday, October 24th 2010, 11:32pm

Das Ende von Grundig hat auch der Konsument zu verantworten.
Weiße Ohrenstöpsel, mp3 und PC-Brüllwürfel ersetzten zusehends die traditionelle hochwertige Stereoanlage!
Die Abstumpfung des Gehörs feiert fröhliche Urständ, wie es der Bayer sagen würde.
Heut kriegt man beim "Geiz ist geil" oder "Blödmarkt" keine wirklich hochwertige Anlage mehr!
Das ist der Preis für die allseits hochgepriesene Globalisierung!
Echt cool sind heute nur Eier-Fones und Eier-Pods und überhaupt das ganze weiße Eier-Glumperts aus Cupertino!!
LG
H.

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8

Sunday, October 24th 2010, 11:43pm

Quoted

gogosch postete
Heut kriegt man beim "Geiz ist geil" oder "Blödmarkt" keine wirklich hochwertige Anlage mehr!
Das ist eine Definitionsfrage. Bei den besagten Märkten kriegt man im Regelfall das HiFi-Standardprogramm von harman/kardon, Yamaha oder Onkyo, was sicher in der Summe der Eigenschaften nicht schlechter ist als die meisten ehemaligen HiFi-Geräte von Grundig.

Natürlich sind das quantitativ gegenüber iPod & Co. nur noch Nebenkriegsschauplätze.

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9

Monday, October 25th 2010, 12:53am

Quoted

timo postete
...Natürlich sind das quantitativ gegenüber iPod & Co. nur noch Nebenkriegsschauplätze.
...sind es, wenn wir ehrlich sind, immer gewesen.

Die FONO FORUM hat Deutschland einmal als "HiFi-Entwicklungsland" bezeichnet. Daran hat sich nie etwas geändert, auch wenn sich zwischenzeitlich ein paar mMillionen Leute HiFi-Anlagen hingestellt hatten. Denn sie haben es mehrheitlich eigentlch nur einmal getan.

Das Problem war, die haben sich solche Geräte hingestellt, weil die Werbung, weil die Händler, weil die Nachbarn gesagt hatten, man müsse das tun. Und ein paar Jahre später haben die Händler, die Nachbarn und hat die Werbung gesagt, man müsse Walkman kaufen, dann MP3-Player, Handys oder einen Ei-Pott.
Abgesehen von einer kleinen Elite im Bandmaschinenforum - und das "HiFi-Forum" zeigt, wir sind wirklich diese Elite ;) - hatte kaum jemand begriffen, was HiFi eigentlich ist. Und wenn man sich die Mühe macht, einmal rumzufragen (vielleicht nicht unbedingt in Audio-Foren), ob jemand etwas mit High Fidelity anfangen kann, dann wird schnell klar, daß nicht, zumindest nicht wirklich.
Kein Wunder, daß nicht nur Grundig keinen nachhaltigen Erfolg mit HiFi gehabt hatte.

Grundig, wie die anderen einheimische Marken auch, hatten durchaus produziert, was Kunden wünschten. Nur hatten verschiedene Kundengruppen gegenteilige Wünsche und die hiesigen Hersteller befriedigten halt nur die Wünsche der Massen. Und für die war - und ist - HiFi nicht wirklich relevant. Für die reicht(e) Radio- und Platten-Hören.

Aber Grundig hat ja auch nicht von HiFi gelebt, sondern von Fernsehen. Und da hat Grundig sehr wohl die Kundenwünsche befriedigt. Und war Marktführer.

Natürlich hat auch das Grundig Management-Fehler begangen: Der Video-Flop! Man hatte zusammen mit Philips mit Sony verhandelt, den Weltmarkt Mitte der Siebziger aufzuteilen: Philips/Grundig - mit VCR technisch vorn - behielten sich Europa vor und überließen Sony mit Beta Asien und die USA. Wie dumm kann man sein. Als dann JVC mit VHS kam, war der technische Vorsprung futsch und der große US-Markt verloren. Als dann Video2000 kam, waren die Anbieter von Sex-Filmen längst auf die japanischen Formate eingeschworen, außerdem kamen da schon die transportablen Recorder auf den Markt und die waren kleiner, als die für 2000. Das dürfte ein Sargnagel für Grundig gewesen sein, denn mit Video - nicht mit HiFi - wurde Geld verdient, und das verdienten andere in WEIIIIIIIIIT höherem Maße. Weil die in den Achtzigern bauten und nicht nur verkauften.
Ein anderer Sargnagel? Wenig Innovationsffreundlichkeit. Auch Grundig hat geforscht. Aber PAL kam von Telefunken, die Compact Cassette und die CD von Philips (etc.), die DVD, MP3 etc.? Wo hat Grundig gleich noch die Bildröhren her bekommen?

Aber HiFi? Bis in die Neunziger Jahre war Grundig zumindest ein Europa ein bedeutender TV-Hersteller, der HiFi-Marktanteil lag allerdings Ende der Achtziger Jahre bei knapp 1%. Nicht relevant.

Man darf eines nicht vergessen: Bis auf ein Jahr war der HiFi-Markt in den Achtzigern rückläufig und seit den Neunzigern kaum noch vorhanden.
Heute hat HiFi hierzulande wieder die Bedeutung und das relative Preisniveau wie in den frühen Sechzigern. Firmen wie T+A oder Restek haben Positionen (und Marktanteile?) wie damals Kirksaeter, Braun und Klein+üHummel. Für eine Grundig in guten Zeiten zu wenig.
Was Bedeutung hat, ist wie damals, mobiles Audio und, neu, Raumklang zur TV-Untermalung. Das aber auf einem Preisniveau, das auch Harman-Kardon, Yamaha und Onyko nicht mehr mit japanischer Produktion halten können.

Das Handelsblatt berichtet schon 2006, der "Preisverfall bei TV-Geräten" sei "enorm: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren Farbfernseher im Juli dieses Jahres 14,1 Prozent billiger als 2005". Und das hat sich fortgesetzt.
Seien wir ehrlich: Könnte unser Lohnniveau da mithalten? Egal welcher Name auf den Geräten steht? Und bei einer vollautomatischen Produktion wäre mir sowieso egal, wo es herkommt. Und Platz für Kundenwünsche ist übrigens auch nicht mehr: Die Masse kauft über den Preis, die Nischen, in denen Kundenwünsche befriedigt werden, werden immer enger.
In den USA hat übrigens schon vor Jahren der letzte einheimischer Hersteller von TV-Geräten (mit OEM-Röhren von Thomson) dicht gemacht. Denn auch die Asiaten können inzwsichen in die Nischen, wie die Röhren-Verstärker aus China belegen.

Tschüß, Matthias
Stapelbüttel von einem ganzen Haufen Quatsch

10

Monday, October 25th 2010, 1:13am

Das der Konsument als Schuldiger herhalten muss kommt leider viel zu oft vor.
Der Markt gibt nun mal den Bedarf an Produkten vor, auch das Marketing (die Abteilung mehr Schein als Sein) steuerte diesen Bedarf.

Wie Matthias schrieb, die Fernsehabteilung war das Standbein von Grundig.
Eine Möglichkeit wäre hier eine kleine hochqualitative Nische zu bedienen wie es auch Loewe eigentlich viel zu späht getan hat.
Stattdessen wurde der Billigmarkt/Massenmarkt bedient, das war Aufgrund der Konkurrenz zum Scheitern verurteilt.

Gruß Ulrich

gogosch

Unregistered

11

Monday, October 25th 2010, 9:55am

Da gab's doch das Sprichwort "Außen Grundig - innen hundig"!
... duck und weg!
LG
H.

~Jogi

Unregistered

12

Monday, October 25th 2010, 10:28am

Nanana ;-)
Grundig war mit Sicherheit alles andere als schundig oder hundig.
WAR.
Das ist mein Kritikpunkt gewesen, dieses "war", ein Grundig-Radio hatte immer eine wunderbare große Flutlichtskale mit millimeterbruchteil genauer Zeigereinstell-Möglichkeit, ein Grundig-Fernseher hatte immer ein über jeden Zweifel erhabenes Bild bei immer zumindest nach am Optimum vorbeischrammenden, wenn nicht gar dieses erreichenden guten Ton. Nicht umsonst konnte man zu Ende der Siebziger und Anfang der Achziger einige Fernseher in die Betriebsart "HIFI-Endgerät für Tonträger" umschalten.
All das hat man vor einigen Jahren aufgegeben, man baute dann plötzlich billige Radios mit Sony-One-Chip Inhalt und popelig schwergängigem Gummiwackelzeiger, man baute 08/15 Fernseher mit Plattglotz-Röhre und Mini-Oval-Lautsprechern, man baute statt Stereo-Anlagen merkwürdige ufo-ähnliche Gebilde aus ABS-Kunststoff (Billigplaste).
So wie alle anderen Hersteller auch.

Das war das Ende der Marke mit jahrelanger Vorankündigung.
Einen Grundig-Fernseher neu aufgelegt und hochwertig produziert, sprich so wie man ihn vor diese Endphase jahrzehntelang von Grundig gewohnt war und erwartete, den würde ich heute noch kaufen, genau wie das Radio mit der großen Flutlichtskala in Neuentwicklung.
Und das würden wohl auch viele andere so halten.

Zu zanken wer daran Schuld trägt ist völlig obsolet, wurde auch schon zur Genüge getan. Es ist auch egal ob Sachzwänge, die verblödete Geiz-Kundschaft oder unternehmerische Entscheidungen der Grund waren, egal, es war so und der Untergang folgte und ich weine "diesem jenem späten" Krempel keine Träne nach, die Marke Grundig die ich bis heute ihn hohen Ehren halte, die gibt es schon lange nicht mehr, von einzelnem positiven Aufflackern mal abgesehen, ist diese zeitlich einigermaßen analog zum Max selber - auch wenn er da schon das Zepter nicht mehr hielt - in die Grube gegangen.

gogosch

Unregistered

13

Monday, October 25th 2010, 10:53am

Was ich persönlich Grundig am meisten ankreide, ist, dass sie nicht mit Schaltbildern rausrückten und es auch, zumindest in Wien, keinen Ersatzteilverkauf an Endverbraucher, so wie bei Philips, gab.
Hatte von Grundig mal einen Wettersatellitenempfänger, der Mucken machte.
Musste eigentlich nur neu abgeglichen werden.
Lapidare Antwort des Grundig-Service-Mannes: "Bringen Sie das Gerät vorbei, wir reparieren es"!
Diese Vorgehensweise veranlasste mich zukünftig um Grundig einen hohen Bogen zu machen!
LG
H.
Grundig-Wien wurde in der Folge an eine Heuschrecke (Türke!) verkauft, der den Betrieb, entgegen der vertraglichen Vereinbarung, sofort zusperrte und filettierte.

gogosch

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14

Monday, October 25th 2010, 11:03am

Grundig kam in der Vergangenheit (80er) auch immer wieder in die Schlagzeilen, durch die mangelnd Fertigungsqualität und Reparaturanfälligkeit des Video-Rekorder-Topmodells. Aus jener Zeit stammt auch obiges Sprichwort!
LG
H.

dualband

Unregistered

15

Monday, October 25th 2010, 11:10am

In diesem Tagesschau Bericht vom 6.2.1984 http://www.youtube.com/watch?v=haX2rvJJ73A bekommt man weitere Hintergrundinfos.

Lg
Frank

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16

Monday, October 25th 2010, 11:59am

Quoted

Jogi postete
...Zu zanken wer daran Schuld trägt ist völlig obsolet, wurde auch schon zur Genüge getan. Es ist auch egal ob Sachzwänge, die verblödete Geiz-Kundschaft oder unternehmerische Entscheidungen der Grund waren, egal ...
Eben, egal, lange her. Unwichtig?

Nicht ganz...

Quoted

uk64 postete
Das der Konsument als Schuldiger herhalten muss kommt leider viel zu oft vor.
Der Markt gibt nun mal den Bedarf an Produkten vor, auch das Marketing (die Abteilung mehr Schein als Sein) steuerte diesen Bedarf...
... denn das ist nicht richtig und wird leider viel zu oft erzählt.

In den Siebzigern bin ich selber mit auf den Demos am 1.Mai gewesen. Wir haben zweistellige Lohnerhöhungen gefordert, Arbeitszeitverkürzung, und waren - und sind bis heute - nicht bereit, die Waren, die wir zu den teuren Bedingungen produzieren, selber zu bezahlen. Die Konsequenz: Arbeitslose und Grundig (& Co.) weg. Und Zeiss-Ikon, und Handy-Werk Bochum und noch viel mehr.
Unserer Entscheidung, nicht die von Marketing-Strategen.

In der Schule habe ich gelernt, Marktwirtschaft funktioniert mit ZWEI Korrektiven: Angebot und Nachfrage.
Wenn die Nachfrage einen auf dumm macht - ich habe damit nichts zu tun - dann funktioniert das System nicht. Und das ist das, was wir haben, ein System, das nicht funktioniert, weil eine Marktkraft freiwillig ausfällt: Wir erwarten, andere treffen für uns Entscheidungen, sagen uns, was richtig ist, und setzen uns vor, was wir wollen. Reicht nicht.

Als ich meinen ersten neuen Recorder kaufen wollte, sollte es ein Grundig sein. Der Handel erzählte mir, Grundig sei prinzipiell Mist, ich solle Hatschibuschi kaufen. Das Argument war, Grundig sei "nicht in".
Wenn mir noch heute ein ehemaliger Großhändler, hier aus dem Forum, immer wieder erzählt, alle hiesigen Hersteller hätten "nur Schrott" produziert, dann ärgert mich das. Denn auch Hatschibuschi hat nicht nur tolle Sachen gemacht und auch einheimische Hersteller nicht nur Mist. Sabas 9241 hat qualitativ die meisten Receiver am internationalen Markt hinter sich gelassen - so meinte die HiFi-Stereophonie. Einschließlich Hatschibuschi. Warum haben wir nicht genug Sabas gekauft?

Ich habe nichts dagegen, wenn jemand heute, zwanzig, dreißig Jahre später, seine frühere Konditionierung auslebt, und gebrautche Hatschibuschi kauft.
Aber wir erzählen unseren Kindern immer noch, Hatschibuschi sei prinzipiell toll und Einheimisches prinzipiell Mist. Und damit sollten wir aufhören. Denn sonst geht auch noch Metz pleite.
Und jetzt Hand hoch, wer benutzt aktuell Fernseher oder Monitore. HiFi- oder Surround-Anlagen, die nicht von Hatschibuchi stammen? Der Rest schäm sich! ;)

Tschüß, Matthias
Stapelbüttel von einem ganzen Haufen Quatsch

~Jogi

Unregistered

17

Monday, October 25th 2010, 1:21pm

Das ist ja alles garnicht falsch, was du im zweiten Teil schreibst, Matthias.

Dieses künstliche Hochloben fernöstlicher Reisschleudern passiert in aller Regel auch nicht von Fachleuten sondern von Leuten die wirtschaftliche Interessen daran haben und von kindlichen Gemütern die allen Reklamemist den sie je unter die Weste gejubelt bekamen blödlinks nachblubbern.
Vom Innenleben wissen viele Käufer überhaupt nichts und wollen auch nichts wissen, dumm lebt sich´s bequemer und hauptsache die Plattglotze ist riesengroß und das Bier am Couchtisch geht nicht aus.
Das sie mit ihrem eigenen Arbeitsplatz bezahlen könnten für die falsche Wahl im Laden, das juckt sie nicht, sind sie doch eh technisch unbeleckt, arbeiten also entweder garnicht oder nicht in den vom zugedrehten Geldhahn betroffenen Firmen. Nur Gesamtwirtschaftlich kommt ihnen das Problem irgendwann in die Hacken geflogen, aber soweit zu denken reicht es eben nicht, Kurzsichtigkeit und Protzsucht sind Programm und nicht wohlabgewogener Kauf.

Damit wiederhole ich mich zum x-ten Mal über die Zeit.


Was ich meinte war aber nicht diese Schiene, was ich meinte war das sich Firmen wie Grundig im Überlebenskampf auf ein ähnlich minderwertiges Niveau herabließen und damit auch ihre treuesten Anhänger vergraulten.

Ich selber hätte gerne wie früher auch 2500DM für einen vernünftigen Grundig-Fernseher bezahlt anstatt 299 Euro für einen Beko-Müll und 1200DM für einen Grundig Satelliten anstelle von 29,95 für ein Sonyradio mit Blinke-Zappel-Tüt-tüt.
Nur gab es das alles irgendwann nicht mehr, man hat sich angepaßt, aber nach unten hin. Nu sind sie wech und das auch noch mit einem Müllimage aus ihren letzten Jahren, während diejenigen die sich nach oben hin orientierten (Loewe, Metz) noch leben.

Zur Aufforderung "Hand hoch" heb ich sie doch mal:
- nur die irgendwann neu angeschafften Alltags-Gebrauchsgeräte, nicht die sehr umfangreiche Sammlung -

Erstes Tonbandgerät - Grundig TK5, zweites und x-tes auch Grundig.
Erster Kassettenrekorder - Grundig C10 (kennt heute kein Mensch mehr), die nächsten auch Grundig, einige Philips, Graetz, SABA.
Erster Fernseher - Philips, dann noch ein Philips und parallel Grundig und ab dann nur noch Grundig.
Heutiger Bestand: CRT´s von Grundig, Loewe, Schneider, Beko, Vestel, Philips-Flachglotz.
Stereoanlagen - zu 80...90% deutsche Geräte, Grundig, SABA, Telefunken, Uher, einige wenige Japs (Sony CD, AIWA-Tape, Pioneer-Tape u.e.p.a.) aus der Zeit als es von Grundig nur noch "UFO´s" gab.

dualband

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18

Monday, October 25th 2010, 2:40pm

Geräte von Firmen wie Akai , Fisher ,Pioneer ,Sansui , Teac ,Technics, Yamaha waren in den 70`er Jahren keine Billigheimer und haben eher den amb. / semiprof. Hifi Fan angesprochen der Wert auf Klang und Qualität legte. Im Consumer ( Otto Normal) Bereich wurde das Geld verdient und dort haben Geräte von " CEC , Crown , NEC , Nikko, Orion, Sankyo den deutschen herstellern immens zugesetzt. Schaut euch mal die alten Kataloge der Billigheimer an , vieleicht kommen euch diese " Kisten " bekannt : http://wegavision.pytalhost.com/ .

lg
Frank

Araso

Unregistered

19

Monday, October 25th 2010, 2:45pm

Moin, moin.

Eines vergesst ihr noch dabei.
Zu der Zeit hat Kandesbunzler Kohl seine Politik der Wende eingezwungen.
Hinterfragt bedeutete es (ganz kurz) Auf Steuerzahlerkosten Betriebe für Heuschrecken attraktiv zu machen und auf der anderen Seite den Blödkonsumenten zu schaffen, der alles frißt.

Ersteres geht nur bei Betrieben, die überhaupt Aktien ausgeben und das war ja so geil, weil man dann Kapital generiert, mit dem man selbst zum Globalplayer werden kann. Leider waren wir blutige Anfänger und haben uns mal wieder für besonders schlau gehalten.
Kohl egal. International war er wohl der angesehendste bundesdeutsche Staatschef. Jemand, der sein persönliches Ehrenwort höher wertet, als seinen Amtseid.

Zweiteres drückte sich in drastischen Sparmaßnahmen bei der Bildung aus. So sehr, daß viele Hochschulen von der Wirtschaft stark mitfinanziert wurden, damit überhaupt noch was geht. Von diesen Leuten sind anteilig die meisten heute im Ausland.

In den 80ern habe ich nebenbei viel in einer R&F Werkstatt gejobbt. Die meisten dort wußten, was HiFi ist. Die Leute betrieben es auch als Hobby. Zuhause standen jede Menge Geräte, die privat instandgesetz wurden. Ein wahrlich großer Querschnitt.
Bei der Arbeit waren natürlich Neuheiten und aktuelle Modelle ständig Thema.
Ich habe mal wegen einem Grundig Gerät gefragt. Wie aus einem Munde kam: Und darf es denn auch schundig sein, kann es auch mal Grundig sein.
Neene. Bauteile, die es nur bei Grundig gab und selbst die Fehlerquelle darstellten. Dreimal aufgeschraubt, einmal abgebrochen. Ich hab damals genug Grundigs miterlebt (von innen und danach). Die Firma hatte sich für mich erledigt.
Da war nichts übertrieben. Man hat´s ja selbst gesehen.
Heute, als Hobby, habe ich auch hin und wieder Grundigs aus der Zeit hier.
Wenn sie nicht gerade geschenkt sind, laß ich das auch bei allem Idealismus links liegen. Ob´s überhaupt reparabel ist, ist oft fraglich.

Grundig Fernseher mögen gut gewesen sein. Jedenfalls hatten sie einen guten Ruf. Persönlich fand ich das Bild bei anderen deutschen Marken besser.
Interessant war aber was anderes. Wenn in Hochhäusern der Blitz in die Antenne einschlug, waren jedesmal genau alle und nur Grundigs kaputt. Teilweise mit implodierter Röhre. Kann passieren, Versicherung zahlt ja. Dann gibt´s den neuen Grundig......, der beim nächsten Blitzschlag wieder dahin war.
Weil es auffiel, haben mehrere Leute viel rumgefragt. Ja, man konnte es verallgemeinern.
Daß der dritte Fernseher dann natürlich kein Grundig mehr war (und niewieder) ist nachvollziehbar.

Für mich waren deren Geräte auch alle optisch eine Katastrophe. Sahen immer billig aus, oder wie bei Oma. Die durchdachten Designs der 70er fanden keine Nachfolge. Ausnahme Satellit 3400. den finde ich wirklich gelungen, aber auch ein Plastikbomber vor dem Herrn. Nur, daß nicht gleich alle Nasen abbrechen (wie z.B. beim Gegenstück RR 1040).

Wenn man dann in Hatschibutschi hineinsah, sah man die Zukunft. Für die Innovationen war vorher geworben worden, also sah so die Zukunft aus.
Bei Grundig (und auch anderen) hatte man auf einen Blick 5 Dinge, wo man sich fragte, warum die so einen Honk machen.

So habe ich selbst und auch im großen Bekanntenkreis das Image Grundig erlebt.
Das war nicht "nicht mehr in". Das war schlichtweg nicht mehr empfehlenswert.

Meine 80er war selbstverständlich eine Zündapp. Im Schrottzustand gekauft und mühselig aufgebaut. Für das Geld hätte ich auch eine fast ungefahrene Honda CB lustig mit 4-Takter bekommen. Da ging´s um die Qualität. Und zu der Zeit stimmte sie noch. Zum Schluß kam noch der Aufkleber "Unser oaner fährt koan Japaner" auf´s Schutzblech. In den 3 Jahren danach haben sie dann Moppeds gebracht, die wie die Japaner aussahen, besser waren, aber nicht danach aussahen. Wozu also das doppelte bezahlen? Die Japaner hatten sogar gezeigt, daß sie mindestens so viele Km halten, wie die alteingesessenen.

Manch Eltern von Freunden haben in dem Sinne bewußt wieder Grundig HiFi gekauft.
Ich erinnere mich an eine Stitzenanlage (7500er Serie) mit separatem Highcom, Aktivboxen und Pipapo. Hat richtig Holz gekostet. Wenn die Eltern auf dem Camping wwaren, haben wir das Wohnzimmer besetzt und es krachen lassen.

Als eigene Anlage aber indiskutabel. Allein für die popeligen Plastik-Chromknöpfe hätte man keine Entschuldigung gefunden.
Ein anderer in der gleichen Clique hatte von seinem HiFi-geilen Vater die fette Pioneer "Blaue Serie" mit CT 1250 mit Boxen und Glastür-Rack geerbt. Das war ´ne Anlage. Die mußte nicht mal spielen, um zu faszinieren.
Fairerweise muß man anmerken, daß der Vater sich die Revox B(?)-Serie ins Wohnzimmer gestellt hatte und die A-Serie ins Arbeitszimmer wanderte. Die technisch unterlegene Pioneer-Anlage war dann gut genug für den Sohn. Aber wehe, wenn da Kratzer reinkommen. Die Glastür nur aufmachen, wenn notwendig.

Aber ich schweife ab.

Persönlich bin ich froh, daß ich selbst kein Geld bei Grundig versenkt habe und was ich durch die ganzen Basteleien retrospektiv beurteilen kann, will ich auch nicht haben. Es gruselt jedesmal. Auch wenn es gute Qualität ist und toll klingt.

Ach. Eins hatte ich doch. Einen großen Fernseher in Monitor-Optik (der erste).
Man konnte unten rechts eine Fernbedienung ausrasten, bzw. unterbringen. Der war mein erster Stereo!!!
Ich habe die Bildröhre frisch entmagnetisiert und die anderen Ratschläge meines Meisters befolgt. Die Glotze hat mich aber nie begeistert. Seitdem bin ich davon ab, mir Fernseher immer nur schenken zu lassen. Mein Vater hat mir aber zwei Fehlkäufe noch zukommen lassen. 1 cm zu groß für den Schrank und ähnliches.

Wie es dann mal wieder soweit war - der Philips brauchte seinen 2ten neuen Tuner, aber es gab keine kompatiblen mehr, obwohl das Modell in Südamerika noch aktuell war - bin ich in den Laden gegangen und habe mir endlich meinen ersten neuen Loewe gekauft. Der läuft jetzt seit 9 Jahren und begeistert immer noch.

So, nu aber, Arnulf.

20

Monday, October 25th 2010, 2:57pm

Hallo Arnulf,
so schlecht wie du die Grundig Hifi Geräte beschreibst waren sie dann doch nicht.
Zum Beispiel den hervorragenden Tunern dieser Zeit wird das nicht gerecht.

PS: Die erhöhte Ausfallquote von einigen Grundig FFS nach Gewitter (durch Überspannung) hatte einen einfachen technischen Grund. Aber das ist eh nur am Rande ein Qualitätsmerkmal, falls überhaupt.

Gruß Ulrich

Araso

Unregistered

21

Monday, October 25th 2010, 4:00pm

Hi Ulrich.

Du magst recht haben.
Ich habe die Grundigs in meinem posting deshalb ja auch immer mal mit Qualität verbunden.

Ich war sie zwar auch von innen gewohnt, aber mein sonstiges Umfeld nicht.
Trotzdem wurde ja rumgefragt, wenn jemand sich was neues kaufen wollte. Und da wurde dann danach gegangen, ob man jemanden kennt, der es schon hat, oder Leute kennt, die es beurteilen können. Natürlich kamen auf dem Weg jede Menge Wertungen mit rein.

Aber genau das ist es. Das Auge isst mit. Wenn die Wertigkeit der Optik nicht der Wertigkeit Qualität entspricht und auch kein entsprechendes Image das ausgleicht, war es das. Die Marke wird nicht mehr genug wahrgenommen.

Bei der angespprochenen 7500er waren wir uns alle einig, daß die geil ist. Nur haben wollte sie von uns keiner. Und die gehört sogar zu den Serien, die vorbildlich aufgebaut sind und auch nicht in dem Ruf stehen, gerade wegen einiger Grundig-Teile kaputt zu gehen (Zählwerk vom Tape mal ausgenommen). Sie sah einfach zu popelig aus. Auch die Standard-LEDs, aus denen jede Anzeige bei deutschen Geräten zusammengepuzzelt war, wirkte als absolutes "nogo", nachdem man einmal im Laden die Fronten der Japaner erlebt hatte.
Teilweise haben die Japaner auch noch solche LEDs verwendet, aber dann geschickt verpackt.

Es war die Zeit, wo Marketing Profis auftauchten, die die Märkte nicht mehr bedienten, sondern zu kreieren anfingen. Das drückte sich auch in Lerninhalten aus. Ich gehöre zu der Generation, die deshalb vor allem neue Schulbücher bekamen.
Auch wurde aus Reklame Werbung. Es ging nicht mehr um Informationen, sondern darum, das Produkt mit einem Lebensgefühl zu verbinden.
Unser Lehrer fasste es so zusammen. Zuerst hat die Nachfrage das Angebot bestimmt. Nun bestimmt das Angebot die Nachfrage. Werbeetats wuchsen in gigantische Höhen (Privatfernsehen sei Dank). Gleichzeitig wurde das Geld in der Produktion eingespart, und teure Topmodelle gebracht, deren Glanz dann wieder über die Einsparungen in der Mittelklasse hinwegtäuschte.

Man sieht´s doch gerade bei unserem Hobby. In den 70ern unterschieden sich die Modelle einer Serie noch vor allem in der Ausstattung. In den 80ern sind dann schon Welten dazwischen. Die "fetten" Teile gibt´s nur im Topmodell und eins kleiner. Noch eins kleiner herrscht dann mit einem mal Billigbau und Sparzwang vor. Der Käufer hat trotzdem das Bewußtsein, daß er ja nur eine Nummer kleiner, als die umschwärmten Topmodelle hat. Dementsprechend werden diese Geräte dann auch heute noch beim Verkauf in der Bucht aufgewertet.

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Klar, gab es auch die Möglichkeit, die Grundig Fernseher Blitz-tauglich zu machen.
Aber sie haben nicht...In jeder Anleitung steht drin, daß bei Gewitter das Antennenkabel zu ziehen ist.
Nur, wer macht das freiwillig? Die einen Lesen keine BDAs und die anderen wollen die neue "Sendervielfalt" erleben. Da kann man doch nicht mitten drin ausschalten. Schon gar nicht, wenn alle Nachbarn das nicht müssen.
Bei den Japanern stand das mit dem Antennenkabel auch drin, aber es brauchte keiner machen. Wenn was passiert wäre, hätte der Reparateur darauf hinweisen können und die Rechnung würde akzeptiert. Aber wenn sie es aushalten, nur die Grundigs nicht, halten sich die Grundig Besitzer für die Blöden. Und wer wollte schon blöde sein. Es wurde halt kein Grundig mehr gekauft, obwohl in dem Moment kein Geiz geil war. Mit dem Japaner hatte man nichtmal den Anlaß, jetzt loszurennen und einen Fernseher zu kaufen. Bis die Versicherung zahlt, dauert es auch noch.
Nein, wer da mitdenkt, hat die Nase vorn. Und für die anderen bedeutet es: sie sind hinten.
Um einen verprellten Kunden aufzuwiegen, muß man 10 neue aquirieren. Es kauft nur einer von 10, die man anspricht. Alte Handelsweisheit.

Da wurden im großen Stil alle Zügel losgelassen.

Von der Politik, von der Geschäftsführung (Management ist geil, wir lachen über Fernost) und der Bürger hat zwischen Bild-nicht Zeitung, Arbeit, immer-kann -ich-fernsehen & Bier, Fußball & Gewalt keine Zeit mehr.
Damit´s dann ganz abreißt, muß man nur verhindern, daß die Kinder zu eigenständigem Denken erzogen werden. Höchstens noch der Teil, der die nächste Elite werden soll.

Wer Schuld ist, ist eh egal. Ist wie bei einem Autounfall mit Toten. Die Frage wäre: "Wie verhindere ich sowas".
Ist aber auch schon obsolet. Spätestens seit der Globalisierung ist der menschliche Lebensinhalt umgekippt.
Erst zukünftige Katastrophen hätten die Energie, daran was zu änderen.
Wir klassifizieren sowas wie Entwicklungsländer sogar danach, wieweit sie außengesteuerte Konsumzombies produzieren wollen.

Naja, schon etwas weit weg von Grundig, aber dieses Prinzip zieht sich seit der Zenit-Zeit durch fast alles, was den Bürgeralltag bestimmt. Genau dadurch läßt sich dieser Zenit auch bestimmen.

So dann, Arnulf.

~Jogi

Unregistered

22

Monday, October 25th 2010, 6:33pm

Grausam was mein Auge da so alles liest.
Und schade, eigentlich. In was für Kreisen hast du denn in deiner schweren Jugend verkehrt, Arnulf? ;-)

Da bin ich ja direkt mal froh ein Alteisen zu sein.
Zu meiner Zeit standen die guten Wohnstuben noch voller SABA´sen, Grundig´s, Nordmenden, Schaub-Lorenzen usw. Das sah noch aus wie in Deutschland und nicht wie in einem papierwändernen Abstellager Tokios.

In den 80ern war doch alles Gute eh schon gelaufen, vorbei, unrettbar verloren. Es sei denn man kaufte nichts Neues sondern was Bewährtes.

Araso

Unregistered

23

Monday, October 25th 2010, 7:11pm

Nee, nee.

In den 80ern kamen noch Entwicklungsstufen, die die Technik für mich heute noch brauchbar machten. Die Geräte der 70er waren es noch nicht. Die sind aber schön. Ich bin aber Nutzer und kein Sammler.

In den Wohnstuben standen schon noch Saba und Co. Eben als schlechtes Beispiel :-) .
Aber nun im Ernst. Wir waren ja die Kinder. Die Kinder, vor denen unsere Eltern uns immer gewarnt haben.

Ich bin aus Geldmangel ja zuerst Verwender der typischen 70er Jahre Geräte gewesen. Sperrmüll, defekt geschenkt. Ich hab´s dann versucht, zu reparieren. Oft klappte es auch. Der Beginn meines Lernens. Ich war dann wirklich froh, als ich diese Aera beenden konnte.

Zu den Papierwänden. Das war es ja gerade. Die Japaner waren da solider.

Aufgequollene Holzgehäuse (Unser SABA im Physik-Hörsaal), Dünnplastik und bezogene Preßpappe an der Front waren nicht mein Ding.
Bei den Japanern findet man Preßpappe nur an der Rückseite. Und dort macht das Material auch Sinn. Es erspart nämlich manche Verfärbung an der Tapete, wenn die Geräte zu nahe standen.

Das hatten übrigens auch vorher schon die heimischen Röhrenradio-Hersteller erkannt.

Die Kreise, in denen ich zu finden war, waren mannigfaltig. Das ganze Programm. Dazu kommt noch Stadt - Land, da ich einen Großteil auch auf Fehmarn verbracht habe (unter Einheimischen).
Schwer war die Jugend eher nicht. Es gab nie wieder einen so geballten Input. Und alles ging.

Trotzdem bin ich zu spät geboren, Arnulf.

24

Monday, October 25th 2010, 9:18pm

Quoted

gogosch postete
Was ich persönlich Grundig am meisten ankreide, ist, dass sie nicht mit Schaltbildern rausrückten und es auch, zumindest in Wien, keinen Ersatzteilverkauf an Endverbraucher,
Das Grundig, wie Andere auch, Ersatzteile nicht direkt an Endverbraucher verkauft hat ist normal.
Der Endverbraucher hatte aber die Möglichkeit über Fachwerkstätten Ersatzteile zu beziehen.
Aktuelle Schalbilder und technische Informationen wurden über externe Schaltbildverteiler an Fachwerkstätten verteilt.
Ältere Schaltbilder mussten über Schaltungsdienste bezogen werden, die standen auch dem Endkunden offen.

Zum “Wolkenkino”, das war ein extremes Nischenprodukt. Grundig hatte hier eine spezielle
Serviceabwicklung vorgesehen.

Quoted

Auszug aus dieser Serviceinfo

Meteosat-Receiver MST 100 - Serviceabwicklung

Es wird für dieses Gerät auf Grund der geringen Auflagenstückzahl und
der komplexen Schaltungstechnik eine besondere Serviceabwicklung
festgelegt.
Die Reparatur des MST 100 wird in der Grundig-Organisation durchgeführt.
Ihre zuständige Niederlassung nimmt das defekte Gerät entgegen. Die
Instandsetzung erfolgt als Einzelreparatur - es wird kein Tauschverfahren
durchgeführt.

Gruß Ulrich

gogosch

Unregistered

25

Monday, October 25th 2010, 9:31pm

Bei Philips, Panasonic oder Sony bekomme ich jede einzelne Schraube, wenn es sein muß, und auch die dazugehörenden Servicemanuals!
Wieviel die Grundig-Ersatzteile beim Bezug über sogenannte "Fachwerkstätten" dann kosteten, kann sich jeder ausrechnen. Spannen bis zu 200% waren da völlig normal! Da wurde für einen stinknormalen Treibriemen schon mal umgerechnet fast € 10,-- fällig.
LG
H.

26

Monday, October 25th 2010, 9:40pm

Weder Philips, Panasonic oder Sony haben Ersatzteile direkt an Endverbraucher geliefert, zumindest in Deutschland nicht. (Es mag Einzelfälle gegeben haben).
Heute haben alle drei Firmen den direkten Ersatzteilvertrieb selbst für Fachwerkstätten (und da gibt es nicht mehr viele) eingestellt, es geht nur noch über Distributoren.
Und Ersteilpreise, da ist Sony ein ganz schlechtes Beispiel.

Gruß Ulrich

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27

Monday, October 25th 2010, 9:45pm

Gut´n Amnd,

auch eine kleine Grundig-Anekdote von mir:

Herbst 1978, ich war dreizehn und mein heißgeliebtes Tonbandgerät Grundig TK 240 (Baujahr 1967) war defekt. Kein Ton mehr, nicht mal Anton.

Mein Vater (Erstbesitzer des Gerätes) und ich fuhren das Gerät im väterlichen Rekord-D zum freundlichen R&F-Händler im Nachbarort. Nach zwei Wochen (!) Wartezeit dann die telefonisch durchgegebene niederschmetternde Diagnose: Endstufe defekt, Reparatur möglich, jedoch unwirtschaftlich, Kostenpunkt etwa 250 Deutschmark. Mein Vater entschied sofort für mich, dass eine Reparatur keineswegs in Frage käme. Ich war traurig.
Mir wurde jedoch in Aussicht gestellt, ein neues Gerät (Weihnachten war nicht mehr weit) zu bekommen.

Wir also wieder hingefahren und uns über Ausweichmodelle informiert. Ich wollte unbedingt wieder ein Grundig-Tonbandgerät haben, leider war zu dieser Zeit das Einzige noch erhältliche in "unserer Preisklasse" (ca 500 DM) das TK 547. Und das war schon ein Ladenhüter. Der freundliche R&F-Meister versuchte meinen Vater (!) davon zu überzeugen, der Bube sollte sich doch lieber für ein Kassettendeck in dieser Preisklasse entscheiden. Natürlich für ein japanisches.

Meinen Vater hat er rumgekriegt, mich jedoch nicht. Ich wollte weder einen Kassetenwickler noch dazu einen aus Japan haben. Nein, ein Tonbandgerät sollte es sein und zwar genau dieses Grundig TK 547 ! Ich hatte damals den Eindruck, dass der Händler mir durch die Blume von dem Kauf des Grundig-Gerätes abraten wollte, es möglicherweise nur deshalb nicht mit Nachdruck durchsetzte, weil er auf diesem Wege seinen Ladenüter loswerden konnte.

Schliesslich stand am 24.12.78 tatsächlich ein Riesenkarton mit dem Grundig-Emblem unter dem Baum. Und darin war dann mein TK 547. Den Moment des Auspackens und ersten Inbetriebnehmens werde ich nie vergessen ! Selbst zehn Jahre später, als ich meine nagelneue Revox B77 auspackte, war der Freu-Faktor nicht so groß wie damals im Jahr 1978.

Leider, und das ist nun Wasser auf die Mühlen der Grundig-Gegner, taugte das Gerät nicht allzu viel und hielt meinen Beanspruchungen gerade mal zehn Jahre mit Ach und Krach stand. Das japanische Tapedeck hätte möglicherweise länger.....und würde vielleicht heute noch.....na, lassen wir das, sind ja nur Spekulationen.

Kleine Randbemerkung noch: An dem Tag, als mein alter Herr und ich uns zum Kauf des TK 547 entschieden und der Deal in "trockenen Tüchern" war, drückte mir der R&F-Meister ganz nebenbei mein "irreparables" TK 240 in die Hand und bemerkte ganz nebenbei, das Gerät würde nun wieder spielen, es wäre eine Röhre in der Vorstufe und ein Elko defekt gewesen, natürlich beides ausgetauscht und "nein, das geht ohne Berechnung, beehren Sie uns bald wieder..." Bis heute gab es nicht einen einzigen elektronischen Defekt an dem Gerät und es ist mittlerweile schwer alt.

Schlußbemerkung: Mit Grundig bin ich aufgewachsen, es war ein Teil meiner Kindheit und Jugend. Mit den Geräten ab den achtziger Jahren hatte ich nichts am Hut und kann mich über die Qualität dieser Produkte nicht auslassen. Auch war ich nie bezahlter "Reparateur", sondern nur Konsument. Und ich kann nichts neagtives über Grundig sagen, meine Geräte liefen und laufen prima. Sind halt alles Tonbandgeräte und Kassettendudler. Man sammelt ja auch ein wenig....

Gruß
Thomas
Manche Tonträger werden mit jedem Ton träger.

gogosch

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28

Monday, October 25th 2010, 9:48pm

Also ich habe erst vor 3 Monaten für meine DATs SONY DTC 2000ES 3 Treibriemen für den Kassettenlader gekauft. Hatten bei SONY nur 2 lagernd. Der 3. wurde portofrei zugeschickt.
Nema problema!
LG
H.

29

Monday, October 25th 2010, 10:18pm

Glaube mir, gerade bei Sony Deutschland kenne ich die internen Abläufe.
Es gibt die klare Richtlinie keine E-Teile an Privatleute zu verkaufen, selbst der direkte Verkauf ( über Zaventem
Belgien )an Fachhändler / Fachwerkstätten ist eingeschränkt.

Gruß Ulrich

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30

Monday, October 25th 2010, 10:33pm

Moin, moin,

lustig, wie sich sowas entwickelt.

In den Siebziger Jahren führten die deutschen Hersteller, allen voran Nordmende und Grundig, Modultechnik im TV-Gerätebau ein. HDP meint, die Japaner lachten darüber. Ich meine, in einer Service-Infrastruktur wie der deutschen eine geniale Idee für kurze Wartungszeiten.

Wir hatten ab den späten Siebzigern immer Grundig Fernsehgeräte und waren immer zufrieden. Und wenn einmal etwas kaputt war, kam der Techniker von RF-Laden an der Ecke, schaute rein, maß die Bauteile durch, fuhr zur Grundig-Niederlassung und war eine knappe Stunde später wieder da, steckte ein und der Fernseher ging wieder. Wo die Nioederlassung zu weit weg war, dauerte es trotzdem maximal einen Tag, einen Fernseher wieder zum laufen zu bringen.
Für Selberbauer war das Konzept nicht gemacht. Schließlich sollten die Händler ja auch Geld verdienen und hat kein Hersteller wirklich ein Interesse daran, daß der Kunder selber bastelt, sich wohlmöglich im Grundig-Fernsehgerät umbringt.

Hatschibuschi hingegen belieferte den Weltmarkt und der hatte nur zu einem verschwindend geringen Anteil eine Sevice-Infrastruktur. Also ist die Auslegung von Geräten Export-orientierter Hersteller eine andere, als die von denen, die sich auf ein Service-Netz stützen. Klar, wenn hier Ersatzteile direkt an den Kunden geliefert werden.
Ein Verwandter arbeitete neunzehn Jahre lang im kaufhof. Wenn dort ein Hatschibuschi zur Reparatur kam, dauerte es leicht mal drei Monate, bis das Gerät zur Auslieferung zurück war. Hatschibuschi baut halt nicht für die Werkstatt in Deutschland, sondern zum Verbrauchen und zum "mit einfachsten Mitteln zusammenflicken".

Wie schon gesagt, die forumsteilnehmer sind eine Elite mit ganz eigenen Anforderungen. Nicht die Masse, für die ein 48.000-Mann-Unternehmen baute. Mal ehrlich, wie viele der Grundig TV-Geräte-Käufer mag sich dafür interessiert haben, woher er Service Manuals bekommen hätte?

Und Grundig HiFi? Die gab es bis 1972 - und ich halte einen SV200 (auf dem technischen Stand der Sechziger) für international konkurrenzfähig - und die gab es ab Mitte der Siebziger Jahre in Form der Super-HiFi-Receiver. Und die waren auch konkurrenzfähig. In Ihrer Klasse.
Und auch die 5000er und 6000er Komponenten der frühen Achtziger waren konkurrenzfähig Bei den 7000ern wurde das schlechter: XV7500 (ein SXV6000) und T7500 (ein ST6500) waren richtig gut. Die Geräte mit Plastik-Front waren dann schon Philips-Spar-Modelle einer Grundig, die eigentlich pleite gewesen war, bereits über 200 Millionen Mark Schulden angesammelt hatte.

Was mich wundert, was verglichen wird. Ein Grundig V7500 war ein Mittelklasse Verstärker von 1985. Natürlich kann man ihn mit nobleren Geräten vergleichen. Vergleicht man ihn mit anderen Mittklasse-Geräten, dann schneidet er nicht wirklich schlecht ab.
Grundig hatte das Problem, mit Japanern konkurrieren zu müssen, die einen wesentlich höheren Integrationsgrad oder ein wesentlich niedrigeres Lohnniveau hatten. Um technisch mithalten zu können, mußte manches billiger gemacht werden, als in Japan. Ärgerlich. Aber hätte wir es bezahlt, hätten die Grundig HiFi-Geräte ein höherwertiges Ambiente gehabt?

Grundig hat es mit den Fine Arts (Classic) versucht, ist dafür hoch gelobt worden, und ist damit auf die Nase gefallen. Weil "wir" die 9000er und 9009er nicht in hinreichendem Maße gekauft hatten. Dafür lieber Hatschibuschis.
Und das trotz großem Werbeaufwand, und das trotz hervorragender Testberichte für die Fine Arts.

Wie gesagt, wenn jemand für sich entscheidet oder entschieden hat, einen Hatschibuschi zu kaufen, dann soll er das tun.
Doch wer verstehe ich nicht warum zum Beispiel Grundig Super-HiFi-Receiver immer prinzipiell an Hatschibuschi gemessen werden, anstatt am Kücke KS D12 oder Braun Regie 550, warum man Firmen wie Grundig an einem definierten Ideal Hatschibuschi mißt. Denn weiterhin bezweifle ich, daß Design, Materialauswahl oder technische Lösungen aus Asien prinzipiell die besseren gewesen waren. Wir haben nur gelernt, und HiFi-Interessierte hatten das offensichtlich schon in den Siebzigern, sie als Ideal anzusehen. Ziemlich selbstzerstörerisch, oder?

Übrigens ist die amerikanische TV- und HiFi-Industrie keinesfalls von Japanern kaputt gemacht worden, sondern von amerikanischen Händlern, die schon in den Sechziger Jahren den hohen Preis einheimsicher HiFi-Geräte und die Lieferengässe bei einheimsichen TV-Geräten nutzten, mit Importgeräten Marktanteile zu erobern. Vor allem die größeren Margen für den Handel waren es, die dann amerikanische Produkte verdrängt und Importen immer größere Anteile ermöglicht hatten.
Um mithalten zu können, kauften immer mehr Markenhersteller in Asien zu, verschenkten Know How und stärkten die Finanzkraft der Konkurrenten. Gleichzeitig organisierte vor allem das japanische Außenhandelsministerium den Angriff auf den US-Markt nahezu militärisch, ohne auf marktwirtschaftliche Regeln Rücksicht zu nehmen.
Deutschland hat man mehr nebenbei mit eingenommen. Wir haben ja nicht einmal versucht, uns zu verteidigen. Ziemlich selbstzerstörerisch, oder?

tschüß, Matthias
Stapelbüttel von einem ganzen Haufen Quatsch