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Sunday, September 8th 2019, 9:52pm

Dual TG 12 A

Daß die Firma Dual nicht nur Plattenspieler, sondern auch Tonbandgeräte hergestellt hat, dürfte sich im Forum bereits herumgesprochen haben. Allzu viel ist hier allerdings über dieses Thema noch nicht berichtet worden. Unser Forumsmitglied Roland hat vor vielen Jahren das Modell TG 28 vorgestellt: Ein Herz für die einmotorigen Kleinspuler DUAL TG28
Das ist schon alles, was ich hier über Dual gefunden habe. Höchste Zeit also, die große Lücke ein wenig zu schließen.

Darum jetzt also ein paar Worte über das Dual TG 12 A, einen Stereo-Röhrenkoffer aus der ersten Hälfte der sechziger Jahre.

Der Koffer besteht aus drei Teilen, gefertigt aus Holz mit Kunststoffüberzug.



Der dunkelgraue Teil enthält das Chassis mit Laufwerk und kompletter Elektronik. Die beiden hellen Teile enthalten je einen Lautsprecher. Die Abmessungen des Koffers betragen – so, wie er hier zu sehen ist – 34 cm (Höhe) x 39,5 cm (Breite) x 27 cm (Tiefe). Das Gesamtgewicht beträgt 14,5 kg.

Zur Inbetriebnahme empfiehlt die BDA, zunächst den unteren Lautsprecher abzunehmen, das ist derjenige, welcher kein Dual-Emblem trägt. Dieser bildet die rechte Lautsprecherbox.



Dank zweier Gummifüße vorn sowie zweier Metallscharniere hinten, mit denen die Box am Chassis eingehakt wird, kann die Box allein aufrecht abgestellt werden. Der Chassiskoffer verfügt an der Unterseite über vier Gummifüße und kann somit jetzt in die Waagrechte gebracht werden. Nach Abnahme des Oberteils und richtiger Verkabelung hat man das Gerät jetzt betriebsbereit vor sich.



Der linke Lautsprecher wird mittels dreipoligem DIN-Stecker an die SPKR-Buchse des Chassis angeschlossen, die rechte Box ebenfalls mittels DIN-Stecker an eine entsprechende Buchse des linken Lautsprechers.
Hier ein Blick auf die Rückseite der linken Box mit dem erwähnten Anschluß für den rechten Lautsprecher:



Noch tiefere Einblicke gefällig? Bitte sehr:





Ein Knoten im Kabel muß als Zugentlastung genügen:



Soweit der erste äußere Rundgang. Nun ein paar Worte zur Technik.
Es handelt sich beim TG 12 A um ein Ein-Motoren-Laufwerk mit drei Bandgeschwindigkeiten (4,75 – 9,5 – 19 cm/s) bei maximal 18-cm-Spulen. Das Gerät verfügt über zwei Köpfe für wahlweise Viertelspur-Mono- oder -Stereo-Betrieb. Dafür sind zwei komplette fünfstufige Verstärker vorhanden, bestehend jeweils aus den Röhren EF 86, ECC 81, einer Triode einer ECC 83 sowie einer EL 95. Zusätzlich verfügt jeder Kanal über eine eigene Aussteuerungsanzeige in Gestalt eines Magischen Auges EAM 86. Eine weitere EL 95 dient als Hf-Generator. Macht insgesamt 10 Röhren.

Hier die Angaben der BDA zu Frequenzgang, Signal-/Rauschverhältnis und Gleichlaufschwankungen:
4,75 cm/s: 40 – 9000 Hz; >/= 49 dB; </= 0,3 %,
9,5 cm/s: 40 – 16000 Hz, >/= 50 dB; </= 0,25 %,
19 cm/s: 40 – 20000 Hz; >/= 52 dB; </= 0,15 %.
Zeitkonstanten der Entzerrung: 1600 + 100 µs bei 4,75 und 9,5 cm/s, 1600 + 50 µs bei 19 cm/s.

Im Internet ist zu lesen, daß das TG 12 A von 1963 bis 1965 gebaut wurde. Die Datumsangaben in meinem Gerät stammen aus dem Zeitraum 06/61 bis 11/63. Das TG 12 A ist offenbar eine verbesserte Version des Vorgängers TG 12 SK, von dem es sich nur geringfügig unterscheidet. Auffälligste Unterscheidungsmerkmale sind beim älteren Modell der geschwungene Dual-Schriftzug und eine gemeinsame Aussteuerungsanzeige für beide Kanäle in Form einer Röhre EM 84. Für das TG 12 A gibt Dual etwas bessere Werte hinsichtlich S/N-Verhältnis und Gleichlaufschwankungen an als für den Vorgänger.

So, nach diesem ersten Kennenlernen können wir das Gerät ja mal einschalten. Das geschieht mit dem kleineren der beiden Drehregler rechts vorn.



Dieser bildet gleichzeitig den Aussteuerungsregler für den linken Kanal. Dazu gehört die rote Markierung auf der Skala von 0 bis 8. Der untere, größere Knopf steuert den rechten Kanal aus (gelbe Markierung). Nach dem Einschalten startet der Motor und die beiden Anzeigeröhren leuchten auf. Sie sind ständig in Betrieb, zucken aber nur bei Aufnahme. Neben den beiden Anzeigeröhren befindet sich die Tricktaste.

Mit dem Drehregler links vorne wird die Bandgeschwindigkeit gewählt.



Es empfiehlt sich, diesen Knopf nur bei laufendem Motor zu betätigen.

Der Spurwahlschalter befindet sich oben zwischen den beiden Spulen.



Die gewünschte Laufwerksfunktion wählt man durch Drücken einer der großen Tasten.



Die beiden äußersten rechten Tasten dienen der Aufnahme von Mikro oder Radio. Die dritte Taste von rechts dient der Wiedergabe. Hat man seine Wahl getroffen, drückt man auf Start und los geht's. Eine Pausentaste gibt es nicht.
Beim schnellen Vor- oder Rücklauf wird zwar das Band etwas von den Köpfen abgehoben, dennoch hatten die Dual-Ingenieure die Befürchtung, daß dabei ein Band versehentlich angelöscht werden kann. Deswegen wird beim Drücken der Vor- bzw. Rücklauftaste grundsätzlich die Wiedergabetaste mitbetätigt, eine eventuell gedrückte Aufnahmetaste (Mikro oder Radio) springt dabei heraus. So ist der Löschgenerator auf jeden Fall abgeschaltet.

Unterhalb dieses großen Tastensatzes finden sich zwei weitere Drehregler und vier Tasten.



Diese gehören zur Endstufe und stellen Lautstärke- und Balanceregler sowie die Klangregelung dar. Die jeweils mit I bezeichneten Tasten senken Höhen bzw. Tiefen etwas ab, die Tasten II heben sie etwas an. Mir persönlich wären Potis zur kontinuierlichen Verstellung lieber gewesen als diese drei fest vorgegebenen Klangfarben, aber nach einigen Stunden Probehören muß ich sagen, daß man auch damit einen sehr akzeptablen Klang hinbekommt. Im Gegensatz zu vielen anderen Röhrenkoffern sind die Boxen des Dual weit mehr als nur eine Notlösung. Wer nicht gerade einen großen Partykeller beschallen muß, kommt mit den 2 x 2,5 Watt der Endstufe und diesen Boxen ganz gut aus.

Ansonsten besteht natürlich die Möglichkeit, das Dual an einen externen Verstärker anzuschließen. A propos Anschlüsse: die befinden sich an der Rückseite des Chassis, versteckt im Kabelfach.



Links oben die bereits erwähnte SPKR-Buchse für den Anschluß der Lautsprecher, die auch als Anschluß für Kopfhörer gedacht ist.
Darunter befinden sich die beiden Mikrophon-Eingänge, Empfindlichkeit 2 mV an 10 MOhm.
Unten rechts sitzt die Radiobuchse mit einer Eingangsempfindlichkeit von 2 mV an 22 kOhm. Als Ausgang liefert sie ca. 1,5 V an 18 kOhm.
Die Phono/Aux-Buchse oben rechts ist als Eingang für Plattenspieler und Tonbandgeräte gedacht. Empfindlichkeit 100 mV an 1 MOhm.

Der Playback-Anschluß steht in Zusammenhang mit den Trickfunktionen des Geräts.
Da wäre zum einen das Multiplayback. Man macht eine erste Aufnahme in Mono z. B. auf Spur 1 und fügt dann eine zweite Aufnahme auf Spur 2 hinzu, wobei die vorige von Spur 1 hinzugemischt wird. Dazu gibt es in der Elektronik eine schaltbare Querverbindung zwischen den beiden Verstärkerzügen. Die Pegel von alter und neuer Aufnahme werden separat mit den beiden Aussteuerpotis eingestellt. Zum Mithören können entweder die Lautsprecher oder ein Kopfhörer verwendet werden, der dann aber in die SPKR-Buchse gesteckt werden muß. Diese Trickmöglichkeit gab es beim Vorgänger TG 12 SK noch nicht.
Bei Duoplay macht man eine zweite Aufnahme auf Spur 2, ohne den Inhalt von Spur 1 hinzuzumischen. Hier kann nur per Kopfhörer mitgehört werden, der unbedingt in die Playback-Buchse gesteckt werden muß, weil dadurch die Querverbindung zwischen beiden Verstärkerzügen unterbrochen wird. Der große Aussteuerungsregler dient dabei als Lautstärkeregler der alten Aufnahme. In beiden Fällen ist die Tricktaste zu betätigen.

Zeit für einen Blick ins Innere.



Das Chassis besteht aus zwei Teilen. Der größere Teil umfaßt das gesamte Laufwerk, das Netzteil, den Hf-Generator und den Vorverstärker, der kleinere Teil bildet die Endstufe.

Hier ist diese Endstufe mitsamt Verbindungskabel zu sehen.



Dieser Teil enthält Lautstärke- und Balanceregler sowie die Klangregeltasten. Über das Verbindungskabel erhält die Endstufe Anoden- und Heizspannung. Über zwei abgeschirmte Tonleitungen werden die Nf-Signale zugeführt. Außerdem werden die Lautsprechersignale an das Hauptchassis zur SPKR-Buchse zurückgeführt.
Eine der beiden Tonleitungen war unterbrochen. Ich hatte keine Lust, den Kabelbaum aufzudröseln und habe einfach eine zusätzliche abgeschirmte Leitung um den Kabelstrang herum verlegt.

Das Hauptchassis kann auch ohne diese Endstufe betrieben werden.



Schneller Vor- und Rücklauf werden mit Reibrädern bewerkstelligt, der Antrieb der Tonwelle erfolgt mittels Riemen.



Für den schnellen Vor- und Rücklauf wird der Motor leicht nach rechts bzw. links gekippt, bis über die Reibräder Kraftschluß mit den Bandtellern besteht. Nach Abnahme von Reibrädern und linkem Bandteller wird links oben das Hebelwerk sichtbar, welches - von den Drucktasten ausgehend – den Motor leicht kippt.
Der untere Teil des rechten Bandteller wird vom Motor durch einen Riemen angetrieben, der obere Teil liegt mit einem Filzring auf. Bei diesem Riemen handelt es sich nicht um einen Flach- oder Rundriemen, sondern um einen mit T-Profil.



Der Antrieb der Tonwelle ist zweigeteilt. Der Motor treibt zunächst ein Stufenrad links unten im Eck an. Dieser Riemen hat ein Doppel-T-Profil.



Von diesem Stufenrad führt ein weiterer Riemen – diesmal ein Rundriemen – weiter zur Schwungscheibe.

Blick von der Seite auf dieses Stufenrad:



Man sieht, daß man nichts sieht. Einige Teile sind tief im Innern des Chassis verborgen und nicht eben leicht zugänglich. Man erkennt vielleicht im Vordergrund das Stufenrad mit dem Rundriemen. Er sitzt hier auf der untersten Stufe für 4,75 cm/s. Man erkennt ferner die Klauen zwischen den Stufen, mit denen der Riemen bei Geschwindigkeitswechseln umgesetzt wird. Im Hintergrund erahnt man die graue Schwungmasse. Auch sie verfügt über drei Stufen, die so gewählt sind, daß ein einziger Riemen ohne Spannrolle für alle drei Übersetzungen ausreicht.

Blick von der anderen Seite auf das Chassis:



Auch hier sind einige Bauteile tief im Inneren des Chassis versteckt und nicht leicht zugänglich. An die ECC 81 des einen Kanals kommt man leicht ran. Die des anderen Kanals sitzt tiefer im Inneren. Um sie zu tauschen muß man entweder erst die vordere Röhre entfernen oder oben den rechten Bandteller abmontieren. Ähnlich sieht es bei einem eventuellen Tausch der EF 86 aus.
Unten am Chassis sieht man übrigens die Anschlußbuchse für die Endstufe.

Blick von unten auf das Chassis, das Abschirmblech über der Elektronik wurde hier entfernt:



An die meisten Bauteile des Verstärkers kommt man problemlos ran. Oberhalb des Motors sitzt die EL 95 des Hf-Generators.

Fazit:
Einige Bauteile könnten leichter zugänglich sein und statt der Klangregistertasten hätte man besser Potis für Höhen- und Baßregelung verwendet. Sonst gibt es an diesem Gerät eigentlich nichts zu meckern.
Wer sich damals so einen Dual-Koffer zugelegt hat, bekam auf jeden Fall etwas Feines. Das TG 12 A hebt sich von anderen frühen Stereo-Geräten positiv ab durch die beiden kompletten und identischen Verstärkerzüge und zwei abnehmbare, identische Boxen, die sich in einigem Abstand von einander aufstellen lassen und so einen guten stereophonen Eindruck vermitteln. Heute ist das alles selbstverständlich, aber in den Anfangstagen der Stereophonie pappten einige Firmen das verkaufsfördernde Stereo-Logo auf alles drauf, was nur irgendwie zwei Kanäle wiedergeben konnte, und sei es auch nur über zwei verschiedene Lautsprecher oder zwei verschiedene Mono-Verstärker.
Die Elektronik ist mit fünf Stufen sehr aufwendig geraten und sorgfältig aufgebaut. Verstärker und Boxen liefern eine Klangqualität, die auch nach heutigen Maßstäben überzeugen kann. Die Farbkombination beige/dunkelgrau des Koffers war in den frühen Sechzigern vermutlich hochmodern und wirkt auch heute keineswegs altmodisch.
Zum damaligen Verkaufspreis habe ich leider keine Informationen. Wenn also jemand mehr über dieses Modell weiß, dann nur zu.

Gruß
TSF

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2

Sunday, September 8th 2019, 10:31pm

Danke für deine ausführliche Vorstellung dieses Gerätes.
Ich finde einfach es schön und die Technik macht einen soliden Eindruck.
Gruß
Wolfgang

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3

Tuesday, September 10th 2019, 9:43pm

die Technik macht einen soliden Eindruck.

Kann ich bestätigen.
An dem Gerät war nicht viel zu machen. Die meiste Arbeitszeit ging für die Kosmetik drauf, d. h. für das Säubern außen und innen und für die Versorgung der Mechanik mit frischen Schmierstoffen.
Die Riemen dürften noch original sein und sind noch brauchbar - zum Glück, denn Riemen dieser Form habe ich sonst noch nirgends gesehen.
Zwei gebrochene Kabel und ein inkontinenter Kondensator, mehr gab es nicht zu beheben um die Betriebsbereitschaft wieder herzustellen.
Die Mechanik des Tastensatzes ist leichtgängig, die Bandendabschaltung funktioniert problemlos.
Die Gummis der Reibräder sehen nicht mehr sehr gut aus und verursachen Rumpelgeräusche. Aber noch ist es erträglich

Gruß
TSF