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  • »Dr.Gunilla« ist der Autor dieses Themas

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1

Dienstag, 23. Oktober 2018, 17:55

Degausser / Studiotonband - Löscher EMT 204

Hallo zusammen,

meine kleine Entmagnetisier-Drossel hat am Wochenende ein Brüderchen bekommen.
Das Brüderchen hört auf den Namen EMT 204, wiegt an die 50 kg und ist, soweit mir bisher bekannt, eines der wenigen aus einer kleinen Serie von Studio Bandlöschern der Firma Elektromesstechnik W. Franz KG.
Zum Herstellungsdatum oder den technischen Details kann ich noch nichts sagen weil ich bisher keine Unterlagen dazu habe.


Bei nächster Gelegenheit werde ich dem Brüderchen mal unter die Haube schauen aber bis dahin schon mal ein Foto vorab.


Gruß aus Köln,

Gunther
»Dr.Gunilla« hat folgendes Bild angehängt:
  • Loeschdrossel und Bruederchen.jpg

2

Dienstag, 23. Oktober 2018, 19:44

Am besten ohne Herzschrittmacher ;) und mit Stromanlauf-Vorschalteinheit (falls sonst die Haussicherungen fliegen).
Mit besten Grüßen

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3

Dienstag, 23. Oktober 2018, 20:12

Hallo Gunther,

bei diesem Bandlöschgerät werden die Löschspulen über einen Kondensator entladen, mit dem sie einen Schwingkreis bilden, wodurch eine gedämpfte Schwingung erzeugt wird.

Mich würde dabei interessieren, wie groß die verbauten Kondensatoren sind, in Beschreibungen ähnlicher Geräte habe ich Werte von 4...5 µF für 5...6 kV gefunden. Die Löschung dauert Sekundenbruchteile, zur vollständigen Löschung muss das Band ein zweites Mal um 90°versetzt eingelegt werden, sofern kein automatischer Mechanismus dafür vorgesehen ist.

Das EMT 204 wird im "EMT Kurier 12" von 1967 kurz vorgestellt.
Hier die englische Fassung:



Zum Löschprinzip ein Ausschnitt aus "Grundlagen der magnetischen Signalspeicherung Band 1 - Grundlagen, Magnetköpfe" von Horst Völz [Verlag Technik 1968]:





Grüße, Peter

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4

Mittwoch, 24. Oktober 2018, 21:17

Hallo Tonkopfträger, hallo Peter,

danke für eure Antworten. Zum Glück fliegt die Sicherung nicht raus aber mit einem Herzschrittmacher würde ich nicht mal in die Nähe von diesem Monster kommen.

Vielen Dank auch für die technischen Informationen und die Schaltpläne. Sollte es davon noch mehr geben, bin ich ein dankbarer Empfänger. Die Werte der Kondensatoren und Fotos vom Innenleben stelle ich hier rein, sobald ich mir die Innnereien genauer ansehe, das wird aber leider noch ein paar Tage dauern.

Die ersten Tests sind auf jeden Fall sehr vielversprechend. Das Grundrauschen auf einem im EMT gelöschten Band ist hörbar weniger als auf einem mit meiner A77 gelöschten Band.

Gruß aus Köln,
Gunther

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5

Mittwoch, 24. Oktober 2018, 21:24

Das Grundrauschen auf einem im EMT gelöschten Band ist hörbar weniger als auf einem mit meiner A77 gelöschten Band.

So soll es sein, dass das Band den Degausser idealerweise im jungfräulichen (Werks-)Zustand verlässt.

Leider ist die Rauscharmut dahin, sobald wieder etwas aufs Band aufgezeichnet wird.

Grüße, Peter

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6

Donnerstag, 25. Oktober 2018, 12:23

Kann man eigentlich davon ausgehen das durch diese Löschtechnik die Lagereigenschaften des Bandes verbessert werden?

Gruß
holger

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7

Donnerstag, 25. Oktober 2018, 12:40

Kann man eigentlich davon ausgehen das durch diese Löschtechnik die Lagereigenschaften des Bandes verbessert werden?

Nein, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.
Ein Degausser sorgt nur für die größtmögliche Beseitigung einer früheren Aufzeichnung.
Ob auf dem Band "was drauf" ist oder nicht, spielt für die Haltbarkeit keine Rolle.

Studiomaschinen der letzten Generation hatten eine Löschdämpfung von etwa 80...85 dB.
Mit Degausser habe ich Dämpfungen von deutlich über 100dB gemessen.

Grüße, Peter

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Donnerstag, 25. Oktober 2018, 14:36

In dem Zusammenhang eine Frage: Es gab vereinzelt Geräte, zumindest Cassettendecks, bei denen sich der Löschkopf für Aufzeichnungen auf jungfräuliche Bänder abschalten ließ. Ist diese Funktion überhaupt sinnvoll - und wenn ja, warum war sie nicht wesentlich weiter verbreitet? Oder kam die "eingesparte Portion" des Rauschens bei der Neuaufzeichung aufgrund der Vormagnetisierung sowieso wieder dazu?

Viele Grüße,
Martin

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Donnerstag, 25. Oktober 2018, 14:51

kam die "eingesparte Portion" des Rauschens bei der Neuaufzeichung aufgrund der Vormagnetisierung sowieso wieder dazu?

Genauso ist es.

Grüße, Peter

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10

Donnerstag, 25. Oktober 2018, 15:23

Danke! Genau so war auch mein Eindruck von Aufzeichungen auf einem Gerät, dessen Löschkopf aufgrund einer losen Drahtverbindung ohne Funktion war. Und es gibt tatsächlich einige Hig-End-Jünger, die schwören auf diese Funktion.

Viele Grüße,
Martin

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Donnerstag, 25. Oktober 2018, 16:45

es gibt tatsächlich einige Hig-End-Jünger, die schwören auf diese Funktion.

Vielleicht ist das ja was Feinstoffliches, doch davon verstehe ich leider nicht genug.

Wie fast alles in und um die Magnetbandtechnik sind auch diese Phänomene seit den 1950er Jahren wissenschaftlich und mit deutscher Gründlichkeit untersucht worden. Und zu meiner Studentenzeit habe ich aus Spaß und Interesse solche Experimente durchgeführt, doch blieb das Ergebnis immer dasselbe: Es spielt praktisch keine Rolle, ob der LK aktiv ist oder nicht, den größten Anteil hat immer das VM-Rauschen.

Heutzutage stehen verschärfte messtechnische Mittel und Methoden zur Verfügung, die relativ wenig Aufwand erfordern. Hier das Ergebnis der FFT-Analyse mit einer Telefunken M21 bei 38 CCIR, der AD Wandler ist ein RME Fireface UC.

Zunächst sämtliche im Versuch möglichen Spektren.
Von unten nach oben:

- RME mit offenem Eingang
- M21 Wiedergabeverstärker mute
- M21 "STOP" Wiedergabeverstärker offen ("Edit")
- M21 "PLAY", PER 528 mit Degausser (Werkszustand)
- M21 "RECORD", Aufnahmekopf abgedeckt
- M21 "RECORD", Löschkopf abgedeckt
- M21 "RECORD" AK und LK in Funktion



Um die Unterschiede bei laufendem Band besser zu erkennen, zoome ich in die y-Achse, dabei fallen die unteren drei Kurven weg:



Die gestrichelte Kurve stammt vom degausserbehandelten Band, die schwarze entspricht dem "betriebsmäßig gelöschten und vormagnetisierten Band" (wie es in rundfunktechnischer Literatur heißt), bei der roten ist nur der AK aktiv, bei der blauen nur der LK.


Grüße, Peter

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12

Donnerstag, 25. Oktober 2018, 21:41

Sehr eindrucksvoller Beweis durch Messung, danke! Und selbst wenn ein profanes Cassettengerät mit 4,76 cm/s nie die niedrigen Rauschpegel einer M 21 bei 38 cm/s erreichen wird, so leuchtet mir ein, daß das Prinzip genau das gleiche ist, man würde sich halt weiter oben auf der y-Achse wiedersehen. Und man gewinnt also quasi nichts durch das Abschalten des Löschkopfes.

Viele Grüße,
Martin