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Saturday, February 6th 2016, 4:24pm

nur mal ein Beispiel - ich habe 1972 mein erstes Tonbandgerät zu Weihnachten bekommen. Zu dieser Zeit gab es keine Spulengeräte unter 300 DM, selbst bei Quelle und Neckermann nicht. Ein 15cm Band mit der Spieldauer einer C90 bei 9,5cm/sek kostete je nach Modell zwischen 15 und 25 DM - jeder kann sich selber ausrechnen, welchem Realbetrag das heute entsprechen würde.

Cassettenrecorder der Einstiegsklasse gab es 1972 als Kaufhausmodell aus Fernost schon für unter 100 DM, die bunte Agfa Standardcassette kostete als C90 etwa 5 DM. Gemessen an heute ist das immer noch furchtbar teuer, nur gemessen am Spulentonbandgerät war es spottbillig, und eigentlich bestreitet auch kaum jemand die Tatsache, dass der Preis die Cassette so beliebt gemacht hat. Weiterhin ist es eine Tatsache, dass der Cassettenrecorder die erste massentaugliche Geräteart war, die in Deutschland von Anfang an zu großen Teilen aus Fernost kam, und made in Japan in Deutschland salonfähig machte. Bis auf Grundig und Philips stiegen eigentlich fast alle Hersteller schnell darauf um, die Cassettenrecorder in Fernost fertigen zu lassen.

Ausserdem war das Ganze ein Generationending. Als das TK5 auf den Markt kam, kamen die potentiellen Kunden aus der Vorkriegs- und Kriegsgeneration, und für die war das Tonbandgerät ungefähr so, wie für uns heute das Smartphone - nur technisch besonders Interessierte gaben einen ganzen Monatslohn für so ein Gerät aus, an den Verkaufszahlen kann man aber erkennen, dass man an so eine "Randgruppe" trotzdem eine Menge Geräte verkaufen kann, für eine Massenbewegung reichte das aber nicht aus. Gemessen am Reallohn kosteten die ersten Cassettenrecorder nur noch einen Bruchteil des TK5, und rutschten in die Geräteklasse, die man sich auch "mal so" kaufte. Ich möchte nicht wissen, wie viele Leute sich für die Küche einen Radiorecorder gekauft und die Cassette nie benutzt haben.

Die Mobilität der Cassette wurde erst viel später relevant - als hochwertige Cassettenradios fürs Auto bezahlbar wurden, und der Walkman aufkam. Da war die Cassette aber schon hifi-tauglich.

Beim Wunsch nach gutem Klang ist die Frage, was für einen Massstab Ihr anlegt. Der Klang früher Mono-Tonbandgeräte war sicher nicht genug, genau wie der Klang der frühen Cassettenrecorder. Woran man gut erkennen kann, dass brauchbare Klangqualität sehr wohl wichtig war, ist die Angriffsstrategie der Japaner in den siebzigern. Die rollten den deutschen Unterhaltungselektronik Markt fast alleine damit auf, dass sie hochwertige Musikgeräte an diejenigen verkauften, die mit dem Cassettenrecorder angefangen haben und jetzt vom Lehrlingslohn die erste HiFi Anlage anschafften. HiFi-Studios schossen wie Pilze aus dem Boden, und verdienten bis in die späten achtziger Jahre recht gut - Ihr könnt nicht sagen, dass das nur ein Geschäft für eine Hand voll Spinner war.

Gruß Frank

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Sunday, February 7th 2016, 10:42am

Das kann ein UHER Report auch. Oder warum waren diese fast unverwüstlichen Geräte bei Expeditionen
aller Art ständiger Begleiter?
Weil sie eine ungleich bessere Aufnahmequalität abliefern, als ein tragbarer Cassettenrecorder! 8)
Und genau an diesem Punkt waren wir ja schon: Die Klangqualität war nicht das Entscheidende, sondern die praktische Anwendbarkeit. Ein Uher Report in allen Ehren. Aber wir vergleichen Äpfel mit Birnen. Der Radiorecorder mit Cassette ist für den Baggersee ungleich einfacher und unkomplizierter zu bedienen, als ein Uher Report.

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Sunday, February 7th 2016, 1:07pm

Das kann ein UHER Report auch. Oder warum waren diese fast unverwüstlichen Geräte bei Expeditionen
aller Art ständiger Begleiter?
Weil sie eine ungleich bessere Aufnahmequalität abliefern, als ein tragbarer Cassettenrecorder! 8)
Und genau an diesem Punkt waren wir ja schon: Die Klangqualität war nicht das Entscheidende, sondern die praktische Anwendbarkeit. Ein Uher Report in allen Ehren. Aber wir vergleichen Äpfel mit Birnen. Der Radiorecorder mit Cassette ist für den Baggersee ungleich einfacher und unkomplizierter zu bedienen, als ein Uher Report.

Außerdem leichter (zumindest spätere Modelle) und preislich bei Verlust/Defekt erheblich leichter verschmerzbar. Preise aus den 70ern kenne ich zu wenig, aber aus der Spätzeit habe ich Preise von 3000 DM für ein Report in Erinnerung und billigste CC-Geräte gab es wie schon erwähnt für einen Zehner (Tchibo & Co.).

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Sunday, February 7th 2016, 6:43pm

also doch der Preis :P . Ich glaube, kaum jemand hätte den Radiorecorder mit zum Baggersee genommen, wenn er auch nur die Hälfte eines Uher Report gekostet hätte, egal wie mobil er auch gewesen ist.

Gruß Frank

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Sunday, February 7th 2016, 6:59pm

Also zu meiner "Baggerseezeit" hat man an anderen Geräten geschraubt, als an Radiorekordern :thumbsup:

Gruß Bernd


  • "Matthias M" started this thread

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Sunday, February 7th 2016, 9:17pm

Hallo Frank & alle,

eigentlich will ich hier nicht als der Oberlehrer auftreten. Auf der anderen Seite möchte ich auch nicht persönliche Erinnerungen als allgemeingültige Fakten zementiert sehen.

Natürlich hat es auch anno 1973 Bandgeräte unter 300 DM gegeben. Einfach mal bei Wegavision z.B. in die Nackermann-Seiten schauen und prüfen. Das 2-Spur Tonbandgerät 823/600 für 18cm Spulen war für 199 DM zu haben. Das nächst-bessere kostete 379 DM. Im gleichen Katalog findet man diverse Cassetten-Geräte, natürlich mit Henkel und auch für Batteriebetrieb geeignet, ab 75 DM. Auto-Cassettengeräte hatte es ab 329 DM gegeben.
Die BASF C60-Cassette gab es für 3,50 DM angeboten, die Chrom-Cassette für 6,50 DM. Das dürfte in etwa der Preis gewesen sein, den man für ein 18cm-Handelsmarken-Band auszugeben hatte. Zumindest habe ich diverse Shamrock-Kartons mit Preisaufklebern von 5,90 bis 6,50 DM.

Im Katalog von 1971 waren die gleichen Recorder ab 89 DM zu haben, Heim-Tonbandgeräte für die 18cm Spule für 179 DM. Das kleinste Batterie-Tonbandgerät hatte es für 49,50 DM gegeben.

Das Problem ist wohl, aus heutiger Sicht interessiert es in der Rückbetrachtung niemanden, dass die genannten billigen Cassettengeräte aus Japan (oder Österreich - da kamen nämlich viele Kaufhaus-Geräte her) Meilen von "Hi-Fi"-Qualität weg gewesen waren. Die preiswerten Bandgeräte "ohne HiFi" werden hingegen als nicht akzeptabel abgelehnt, nicht einmal zur Kenntnis genommen.

In diesem Zusammenhang lohnt auch ein Blick in den Philips-Katalog von 1964, in dem auf einer Seite ein Batterie-Tonbandgerät und das erste Cassettengerät präsentiert worden waren - natürlich beide mobil ausgelegt - und zu Preisen, die sehr nahe beieinander liegen. Das 8cm-Band für 4x 22,5 min Laufzeit war etwa halb so teuer gewesen, wie die C60-Cassette.

Ich glaube nicht, dass Anfang der siebziger Jahre auf all zu vielen hierzulande verkauften Cassetten- oder Radiorecordern japanische Markennamen geprangt hatten, die dem Image der Firmen zuträglich gewesen waren. Das kam später!
In der ersten Hälfte der siebziger Jahre war hierzulande kaum ein japanischer Anbieter mit den eigenen Marken präsent gewesen. Selbst Nakamichi hatten noch "Elac" geheißen. Eine Firma wie Matsushita war als National unterwegs und hatte "Technics" noch nicht erfunden. Sanyo hatte den eigenen Markennamen sogar um 1974 eingemottet und tauchte nur noch unter fremden Marken und als Fisher auf. Warum wohl?
Natürlich hatte es eine Menge asiatischer Transistor-Radios, s/w-Fernsehgeräte und Cassettengeräte gegeben. Die aber zum großen Teil unter irgendwelchen Phantasie-Namen oder unter den Marken der hierzulande eingeführten Firmen. Und das hatte für das positive Image der japanischen Hersteller wenig getan.

Zur Zielgruppe der Cassette nochmal zwei Aspekte:
Carl Breh berichtete Ende der sechziger Jahre in der HiFi-Stereophonie von einem USA-Besuch. Insbesondere die Plattenfirmen hatten das Ziel geäußert, verstärkt junge Kundschaft zu erschließen, wozu es preiswerte Abspielgeräte bräuchte. im Gegensatz zum tonband kamen schon Ende der Sechziger auch hierzulande industriell vorbespielte Cassetten auf den Markt.
Außerdem hilft ein Blick in die zeitgenössische Werbung. Einfach mal schauen, wie die Firmen, z.B. in ihren Prospekten frühe Cassettengeräte beworben hatten: "Blaupunkt Cassetten-Tonbandgeärte werden immer tragbarer. Im Gewicht, im Preis ..." dazu Bilder von hübschen Mädchen in der Natur mit Cassettengerät. Und auf der nächsten Seite, das Blaupunkt Auto-Cassettengerät ( (Prospekt von 1970). Das Jahr davor? "Das preisgünstige Reporter-Tonbandgerät für alle Tonjäger ..." Auch die Grundig Cassetten-Tonbandgeräte von 1968 hatten natürlich alle einen Henkel gehabt. Und im Katalog von 1972 wird der Grundig C401 gezeigt, wie ihn ein hübsches Mädchen am Henkel trägt. In der folgenden Grundig-Revue ist so ein Gerät NUR draußen zu sehen: meist in der Hand von jungen Leuten.

Das "Aufrollen" des Unterhaltungselektronik-Marktes war in den USA durch die Europäer, vor allem durch die Deutschen, im Mittelklasse-Sektor durch bessere Verarbeitung und guten Sound bei günstigen Preisen erfolgt. Das Aufrollen des amerikanischen HiFi-Marktes war durch die Japaner durch hohe Verarbeitungsqualität und technischen Vorsprung bei gleichzeitig günstigem Preis erfolgt. Das Aufrollen des US-Fernsehmarktes war von den Japanern durch bessere Qualität bei kleinerem Preis, das Aufrollen des "Transistor"-Marktes schon in den fünfziger Jahren durch die Japaner vor allem durch die Schlafmützigkeit der amerikanischen Hersteller erfolgt, die ihren technologischen Vorsprung verpennt und dann verloren hatten.
In Deutschland hatte es, abgesehen von Dual und Braun, in der ersten Hälfte der siebziger Jahre keine deutsche Firma gegeben, die den HiFi-Markt ernsthaft zu besetzen versucht hatte. Da hatte es nichts "aufzurollen" gegeben. Es hatte keine relevante Nachfrage gegeben. Und das Standard-Wirrwarr hatte dafür gesorgt, dass niemand Interesse gehabt hatte, zu investieren.
Die "Japaner" haben den Markt nicht mit "besserer" Technik "aufgerollt"; sie haben Geräte geliefert, die sie in den USA, nicht mehr los wurden und sie haben das zu Preisen getan, zu denen der hier einheimische Käufer solche Geräte nicht produzieren hatte wollen.

Das gute Image haben die Japaner in Deutschland, weil sie in dieser Zeit etwas zu bezahlbaren Preisen angeboten hatten, dass es nicht gegeben hatte, das die einheimischen Firmen nicht angeboten hatten. Hätten sie es gekonnt? Natürlich hätte sie. Nur war man der Meinung gewesen, es hat nicht gelohnt.
War das eine Fehl-Einschätzung gewesen? Nein, war es nicht.
Das gute Image haben die auswärtigen Hersteller aber auch, weil der Käufer hierzulande ein dummer ist. Denn die Methoden, mit denen die "tollen2 hierzulande in den Markt gedrückt worden sind, sind eigentlich nicht geeignet gewesen, ein gutes Image zur rechtfertigen. Was nicht heißen soll, dass andere besser gewesen wären. Aber, dass ein Arbeiter bei beispielsweise AEG (willkürlich gewählt) ein Produkt "Made in Ausland" kauft, anstatt das eigene, ist schon grenzenlos dumm, oder?

HiFi-Studios als Pilz-Ersatz hatte es nur wenige und für kurze Zeit gegeben. Die meisten von denen haben von Beginn an oder irgendwann angefangen, auch andere Dinge zu machen: Fernsehen, Auto-HiFi usw. Oder sie sind verschwunden. Leben von HiFi konnten die, die teure Systeme verkauft haben.
Insbesondere in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre hat auch im Handel ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb eingesetzt, befeuert von eben den asiatischen Herstellern, mit immer neu und immer billiger. Die Margen schrumpften und der Großhandel, der bisher den Einzelhandel finanziert gehabt hatte, ging kaputt.
Insbesondere die sogenannten HiFi-Händler sind dadurch aufgefallen, dass sie sich neuer Beschaffungs-Konzepte bedient haben: Man hat selber importiert oder direkt bei den Distributoren gekauft. Die Folge war, man musste verkaufen, was da war, und man konnte nicht (mehr) für den Kunden beschaffen, was der hatte haben wollen.
Es gibt ein nettes Interview mit Herrn Hansen, der erklärt warum er bei Schauland ausgestiegen ist und Phonosophie gegründet hat. Man kann aber auch mal schauen, wer von den großen HiFi-Händlern übrig geblieben ist (nicht die drei oder vier aufzählen, die bundesweit überlebt haben).

Am Ende reicht ein Blick in die Statistiken, die zum Beispiel regelmäßig in der Funkschau veröffentlicht worden sind. Im gesamten UE-Bereich ist HiFi immer eine Nische gewesen.

Für eine Grundig TK5 ist das aber aber ohne Bedeutung.

@ "Baggersee"
Ihr lasst den Komfort außer Acht. Wer nicht wirklich auf die Qualität achtet, der ist auch nicht notwendig bereit, ein Band einzufädeln, wenn er einfach eine Cassette einlegen könnte. Auch darauf hob die Werbung, insbesondere der späten Sechziger, massiv ab.

Tschüß, Matthias
Stapelbüttel von einem ganzen Haufen Quatsch

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Monday, February 8th 2016, 6:44pm

hallo Matthias und die Moderatoren,

vielleicht sollten wir diese Diskussion von dem Thema "Vorstellung TK5" abhängen und in den OT-Bereich verschieben. Ich fänd es einerseits schaden, die Diskussion zu beenden, andererseits finde ich es auch nicht ok, wenn die tolle TK5-Vorstellung von Matthias kaputtgemacht wird.

Gruß Frank

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Tuesday, September 6th 2016, 8:31am

Super Vorstellung und Super Diskussion.

Nur kurz zu AEG Mitarbeitern. Bin selber Bj. 1964. Mein Onkel stand sein (Arbeits)leben lang an der Werkbank von AEG der andere beim Fahradhersteller Hercules. Die gingen in den 60ern einmal die Woche bei Quelle vorbei um die neuesten Singles zu stöbern. Waren also genau die Nachkriegsgeneration für die ausgehenden TK5 u.ä. gebaut wurden. Bei denen hast du nichts Japanisches gefunden. Maximal wurde Neckermann und Quelle akzeptiert. Für mich begann die Musikberieselung Mitte 70er mit CC von Universum. Also Zeug von dem man heute weiss das es großteils in der DDR produziert wurde.

Nach Klang habe ich zumindest in meiner Jugendzeit nicht gefragt. Mir genügte das was da rauskam in den 70ern vollkommen. Kataloge habe ich auf der Suche nach meiner ersten selbstgekauften Anlage erst Mitte der 80er gewälzt. Da habe ich mich nach meiner Erinnerung schon sehr stark von div. Klangtestzeitschriften leiten lassen. Da gab es aber fast auch nur noch Japaner. Zumindest wurde denen die größere Klangkompetenz zugestanden. Ich denke Klang ist zu allererst eine Diskussion der Retro-HiFi Zeit besonders geführt von Leuten meiner Generation. Also im Sinne "Mein Gerät ist toller als Deines". Ich weiss gar nicht wie oft ich im den einschlägigen Foren schon gehört habe das man sich keine Meinung bilden könnte wenn man nicht schon mal dieses oder jenes meist sünhaft teure Teil besessen hätte. Gut, nun hab ich mir auch eine Nagra 4.2 zugelegt. Aber eigentlich nur weil zu klein ist und ich nicht soviel Platz habe.

Deshalb finde ich Gerätevorstellungen von solch alten Gerätes auch so wichtig. Damit eines nicht in Vergesenheit gerät. Klang ist eine Erfindung der ausgehenden 70er Jahre und beginnenden 80er Jahre als im Grunde bereits nicht mehr weiter entwickelt wurde sondern nur noch Kosteneffekte genutzt wurden. Dazu musste das Marketing optimiert werden. Ich bin mir sicher das ein TK5 eine Tonkonserve bereits so abspielt das man Spaß beim hören hat. Sonst wären die Dinger damals nicht gekauft worden. Ich kann mir nicht vorstellen das man die Musik der Elvis, Beatles, Stones, Kinks u.ä. nicht mehr gut findet den die Klänge einem TK5 und nicht einem Revox a 700 entstammen.

Mit Klang hat man besonders meine Generation verseucht. Und aus dieser Generation ist es direkt in die Retro HiFi Welle eingefloßen. Es hat sich jedoch alles wieder normaliesiert. Mein Töchter interessieren sich z.B. nicht die Bohne für Klang. Und wenn man ehrlich ist. So schlecht ist das was aus den heutigen Smartphones kommt ja auch nicht....

VG Martin



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39

Tuesday, September 6th 2016, 9:40am

Nunja, gut ist das was aus dem Smartphone kommt nun auch nicht. Kommt aber immer darauf an mit was man es vergleicht.

Ich habe auch ein TK 5. Klang nunja sagen wir mal der Zeit angemessen ( zumindest über den eingebauten Lautsprecher). Das TK 8 war da schon ein ganz anderer Kaliber. Aber egal ob TK5 oder TK8 diese haben beide die selben Laufwerke und das ist unkaputtbar. Vor allem, und das finde ich das wichtigste ,auch trotz des hohen Alters ist das Laufwerk noch Alttagstauglich was man von dem Laufwerk des TK 830 nun nicht behaupten kann.

Leider findet man heute das TK5 sowie das TK 8 meißtens nur mit abgebrochenem Spulhebel aufgrund Bedienfehlers bzw Unwissenheit. Ok wer es nicht weiß und kennt ist die Bedienung der Knöpfe und Hebel etwas gewöhnungsbedürftig.

Gruß

holger

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Tuesday, September 6th 2016, 12:29pm

die Vorgängergeneration des TK5, zu der das TK830 gehört, hatte eine Achillesferse, und zwar die Schlingfedern. Wenn man diese im Griff hat, ist das Laufwerk das solideste, was Grundig je gebaut hat.

Um den Betrieb in zwei Richtungen zu ermöglichen, haben diese Laufwerke zwei Kupplungen eingebaut, die in jeweils eine Richtung als Freilauf wirken und in die jeweils andere Richtung Kraftschluss haben. Dies wird mit einer längs aufgewickelten Feder erreicht, die sich in eine Richtung etwas abwickelt, und dadurch einen größeren Aussendurchmesser bekommt. In die andere Richtung wickelt sie sich auf, der Durchmesser wird kleiner. Um den ganzen Mechanismus befindet sich eine hohle Achse - wenn die Feder aufgeweitet ist, wird die Hohlachse mitgenommen, ist sie zusammengewickelt, läuft das innere Teil frei.

Jede Feder ist unten an der Achse mit einem Stellring und zwei Schrauben befestigt. Diese Schrauben sind nur mit etwas Lack gesichert, und fangen mit der Zeit an, sich zu lockern. Zuerst hat die Feder in Drehrichtung keinen Halt mehr, der Antrieb rutscht durch. Wenn sich die Schrauben weiter lockern, fällt der Stellring irgendwann nach unten, die Feder wickelt sich nach unten aus ihrem Gehäuse und reisst ab. Kein Mensch schaut nach diesen Verschraubungen, da aber niemand mehr diese speziellen Federn wickeln kann ( zumindest habe ich bisher niemanden gefunden ), ist bei einer gebrochenen Feder das Gerät Schrott. Leider sieht man den Angeboten bei Ebay auch nicht an, ob die Schlingfedern noch intakt sind.

Bis auf die Verschraubungen sind diese Kupplungen verschleiß- und wartungsfrei, und ersparen in Verbindung mit elektromagnetisch gesteuerten Rutschkupplungen in den Wickeltellern einen großen Teil der Hebelchen und Zwischenrollen, die bei späteren Grundigs so viel Freude gemacht haben. Ich bin ein Fan dieser Uralt-Grundigs, die noch die Handschrift des Konstrukteurs Kurt Bier tragen, mit dem sich Max Grundig leider so früh verkracht hat.

Ich finde, das TK5 darf man nicht an seinen technischen Qualitäten bewerten. Was das TK5 besonders macht, ist, dass es das erste "Volkstonbandgerät" war, das sich jeder leisten konnte, der wollte. Die Geräte davor waren technisch sicher reizvoller, aber auch so teuer, dass sie nur einem kleinen Kreis vorbehalten waren.

Gruß Frank

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41

Tuesday, September 6th 2016, 9:38pm

Hallo Frank
Sorry aber ich muss dir da wiedersprechen.
Das TK 16 sowie das TK 820 haben das von dir beschriebene Federlaufwerk. Das TK 830 nicht. Das ist etwas anders, hm schwer zu beschreiben. Das TK 830 hat für rechts und linkslauf so eine Art Klinkenlaufwerk. Dort sind Scheiben mit Rasterzahnräder auf desen Rand sich Klinken befinden. Je nach Laufrichtung klinken sich diese in das Zahnrad ein und drehen in Laufrichtung wobei dann das andere nicht einrastet , weil es dann entgegensetzt läuft und dreht frei.
Dieses Klinkenlaufwerk ist aber nicht minder empfindlich. Dieses muß penibel sauber und leichtgängig sein.
Noch ein Schwachpunkt des TK 830 sowie auch TK 16 und TK 820 waren die beiden Andruckrollen für die Tonköpfe. Diese waren in den meißten fällen hart oder unrund abgelaufen wodurch der Ton dumpf wurde.
Ich hatte mal das TK 16 sowie das TK 830 an dem Laufwerk war man ständig dran. Habe dann beide verkauft. Eines kann man aber nicht abstreiten, das TK 830 hat ein Hammer Klang für die damalige Zeit aufgrund der Gegentaktendstufe. Nah dran kam da nur das AEG,bzw Telefunken K85 was ebenfalls eine Gegentaktendstufe besaß.

Gruß
holger

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42

Wednesday, September 7th 2016, 12:49pm

Hallo ihr beiden,

das Tk 830 gab es mit BEIDEN Kupplungstypen, anfangs die Schlingfedern, später die Sperrklinken. Insofern habt ihr beide Recht.

Ich teile ansonsten Holgers Erfahrungen. Die Reversegeräte sind eine einzige Katastrophe. Die Schlingfederkupplungen sind ein Drama (waren sie damals zu Lebzeiten schon lt. alter Techniker) und auch heute Restaurators Grauen. Funktioniert immer nur eine Zeitlang. Und selbst wenn die Kupplungen Ruhe geben (auch die Klinkenkupplung sind problematisch, sie verlangen klinische Sauberkeit), hängt irgendein Relaiskontakt immer. Auch konstruktiv ist das Laufwerk Blödsinn, denn da der Motor beim Starten immer erst anlaufen muss, kann die Wiedergabe nur verzögert einsetzen. Und wenn eine Feder defekt ist, ist wie du sagst Feierabend.
Neenee, in meiner großen Sammlung sind nur ein TK 16 (habe ich überholt mit dem heiligen Schwur, nie wieder ein Reversegerät aufzuschrauben) und ein 830, eben deshalb unrestauriert und das bleibt es auch. Vielleicht verkaufe ich es auch mal. Welch ein Fortschritt war dann die 30er Serie und später die 40er Modelle! Das sind dann MEINE Lieblings-Grundigs.

Übrigens sind die Reverse-Laufwerke eben nicht mehr das Werk Kurt Biers. Der hatte das Laufwerk konstruiert, auf dem Reporter 300, 500, 700 basierten.

Gruß
Stefan

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Thursday, September 8th 2016, 1:36pm

Wie ist eigentlich qualitativ das TK 25 einzuschätzen?
Von meinem Opa neu 1958 gekauft.

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Thursday, September 8th 2016, 9:18pm

Hallo Gemeinde
Na hoppla, das es das TK 830 mit beiden Laufwerken gab wußte ich auch noch nicht. Hatte in meinem Sammlerleben 3 Stück davon.Alle drei hatten bloß dieses Klinkenlaufwerk. ( Aber ich hab es mittlerweile aufgegeben diese Kisten zumindest einigermaßen Alltagstauglich zu bekommen )
@ Frank also wiederspreche ich Dir doch nicht :D :D , sorry

Hm, wobei die 40ziger Serie auch nicht unbedingt als unproblematisch einzustufen ist. Da war gerne mal der Zinkfrass zu Gange.
Besonders das Zwischenrad oben zwischen den beiden Wickeltellern, bzw eher die Halterung dessen.
Das TK 40 was auch als Schultonbandgerät galt ist gar nicht so verkehrt. Die Verstärkerleistung ist bei Anschluß eines externen Lautsprechers gar nicht mal zu verachten, dank Gegentaktendstufe ( wenn ich das so richtig in Erinnerung habe ). Gut auch das man bei dem Gerät schon nur den Verstärker dazu schalten konnte ohne das der Motor mit lief. Der einzige Bock den sie bei diesem Gerät geschossen haben ist ein TB zu bauen für 18ner Spulen aber sind diese drauf geht der Deckel nicht mehr zu, was sich die Konstrukteure sich dabei gedacht haben...... Dabei hätte das TB nicht wesentlich größer sein müssen damit es passt. Nunja, wir werden es wohl nicht mehr erfahren.

Gruß
holger

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45

Friday, September 9th 2016, 10:22pm

Hölger,

alles ziemlich richtig.

Nur eines muss berichtigt werden:
Das Gerät, welches du meinst, nannte sich TK 41. Das war die Kiste mit der 7-Watt-Endstufe, durch eine ELL 80 befeuert und abschaltbarem Laufwerk.
Ansonsten alles korrekt.

Und ja, über die Sache mit nicht aufsetzbarem Deckel bei Spule 18 ärgere ich mich heute noch. Was sollte das bloß ?

Kleiner Hinweis an den TE, wenn auch spät: Es heisst "der TK 5" nicht "die TK 5". Darauf lege ich Wert. Denn TK heißt "Tonbandkoffer". Und der wird mit "der" angesprochen.

Gruß
Thomas
Manche Tonträger werden mit jedem Ton träger.

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46

Friday, September 9th 2016, 10:47pm

Hallo,

die kleinen Geräte der 40er Serie, also 40, 41, 42, wurden auch nur mit 15er Leerspule ausgeliefert. Bei den großen Typen TK 45 bis 47 schließt der Deckel auch mit aufliegenden 18er Spulen. Ich vermute mal, das sollte den "Mehrwert" (und Mehrpreis) der großen Typen unterstützen. Das mit dem Zinkfraß stimmt, betrifft aber glücklicherweise nur die Exemplare bis Frühjahr 1963.

Jetzt sind wir aber schon verdammt weit vom TK 5 weg!

Gruß
Stefan

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47

Saturday, September 10th 2016, 12:28am

... Kleiner Hinweis an den TE ...


Hallo Wolfgang,

bin ich jetzt ein "TE"? Vorgestern war ich noch Mensch. So schnell kann das gehen.

Du meinst, es wäre "der TK5"? Aber es heißt doch "die 5" ... Oder kann jemandes Geschlecht durch eine Abkürzung eindeutig definiert werden?

Wie dem auch sei: Es steht so wie es steht und ist nicht änderbar. So will es das Forum.

Tschüß, Matthias
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48

Saturday, September 10th 2016, 6:14am

Moin Matthias,

sorry, das war keineswegs böse oder sonstwie gemeint. TE war halt gerade in den Fingern parat.....also bitte nichts hier hinein interpretoeren.

Abgesehen davon hieß ich gestern noch Thomas. Wolfgang ist aber auch ok.

Gruß
Thomas-Wolfgang
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49

Saturday, September 10th 2016, 6:16am

Aber am "der" Tonbandkoffer halte ich fest. Da bin ich genau so unbarmherzig wie Anselm mit seinen Reports ! Jawollja.

Gruß
Thomas
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Saturday, September 10th 2016, 2:46pm

und ich hatte das TK830 und schon mehrere andere dieser Bauart bisher nur mit den Schlingfedern auf dem Tisch stehen, und wusste nicht, dass es da noch was anderes gab. Wenn mal jemand so ein Gerät übrig hat, kann er sich gerne bei mir melden, ich würde mir das mal gerne anschauen.

Was die Zuverlässigkeit angeht, kann ich natürlich nur den Liebhaber-Betrieb bewerten, sprich, höchstens ein bis zwei Betriebsstunden pro Monat. Und da sind einmal nachgesehene Schlingfederkupplungen zumindest bei mir völig problemlos. Ausserdem muss man glaube ich auch den allgemeinen Entwicklungsstand des Heimtonbandgerätes in den frühen Fünfzigern berücksichtigen, und sich mal ansehen, was die Konkurrenz in der Zeit vor 1955 zu bieten hatte. In diesem Kontext waren die Grundig Geräte schon ganz weit vorne.

Das mit Kurt Bier stimmt und stimmt auch wieder nicht. Die einzigen Konstruktionen, die reine Bier Kreationen sind, sind das 300 und 500. Dann ging der Streit los, und schon das 700 soll lt. Max Grundig so weit abgewandelt worden sein, dass keine Bier Patente mehr betroffen waren. Der Rechtsstreit bezog dann aber sogar noch die Nachfolgemodelle mit ein, und das waren halt TK9 und folgende. Auch wenn der Betreiber des virtuellen Tonbandmuseums hier nicht den besten Ruf genießt, diese Geschichte hier ist wohl glaubwürdig:

http://www.tonbandmuseum.info/kurt-bier.html

Auch wenn hier nur die erste Seite der Patentschrift abgebildet ist, erkennt man schon beim Lesen die Parallelen zur TK9 Konstruktion. Die nachfolgenden Generationen verzichteten dann z.B. komplett auf elektromagnetische Kupplungen und Servomagneten, wodurch die Grundig Geräte zu diesen Hebelchengräbern wurden. Wieso Max Grundig so lange auf die Mehrmotorenlaufwerke verzichtet hat, das ist ein Rätsel, das wohl niemand mehr ergründen wird.

Gruß Frank

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Saturday, September 10th 2016, 3:58pm

Das angesprochene Bier-Patent ist zu finden unter

https://depatisnet.dpma.de/DepatisNet/de…DE000000971215B
(dann "Volldokument laden")

Alle per depatisnet auffindbaren Kurt-Bier-Patente, die Magnetbandtechnik betrefffen:

DE000000971215B
DE000000865070B
DE000000875842B
DE000000947493B
DE000000954793B
DE000000912760B
DE000001150869B
DE000001150869A
CH000000360897A
CH000000347710A

Siehe auch die Elf-Seiten-Story zu Max Grundig: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41760450.html

Übrigens: großes Kompliment an Matthias für diese Quellenforschung.

F.E.

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Monday, July 29th 2019, 6:40pm

Danke, Matthias - ich habe jetzt nicht nur ein TK 5, sondern auch, alles, was ich darüber wissen muß, an einer Stelle!
Viele Grüße
Nils