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Thursday, November 15th 2012, 9:39pm

Hallo,

ja, die Sony ist natürlich erheblich größer und schwerer als ein Report. Sie wiegt um die 6 Kilo (Report ca. 3,5) und hat die Maße 33 x 30 x 13 cm (mit Plexi-Deckel).

Der "Reporter", der die herumschleppt, sollte nicht allzu zierlich gebaut sein!

Ich bin es nicht, aber ich kann sie aus den früher erwähnten Gründen leider nicht zu Reportagezwecken herumtragen. Außer, ich hätte eine ausreichend dicke Kabeltrommel dabei...

Mittlerweile habe ich die Maschine repariert, eingemessen und wieder zusammengeschraubt. Es hat mich etliche Stunden und Schweißtropfen gekostet. Und es hat sich dabei auch herausgestellt, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Und dass eine professionelle Bandmaschine wohl doch etwas besser "durch"-konstruiert werden sollte.

Das defekte Teil, bestehend aus zwei kleinen weißen Fragmenten, war mir bei der ersten Eröffnung der Bauchhöhle entgegengekommen.



Es handelte sich dabei um eine Sperre, die das Eindrücken des Knebelschalters beim Schalten der Record-Funktion erzwingen soll. Das Teil sitzt am Ende der Welle und hat ein Gegenstück, das ihm als Anschlag und Maske oder Schablone dient.
Um das zu verdeutlichen, muss ich etwas vorgreifen und zeige das provisorisch zusammengesetzte Polyamid-Teil an seinem Einbauort:



So steht der Knebelschalter auf STOP. Wenn man auf PLAY schaltet, gleitet der kleine Nocken in die Stellung, die grün markiert ist, unter den oberen Teil der Maske.
Will man aufnehmen, muss der Knebelschalter gedrückt und im Uhrmachersinn gedreht werden.
Dann kommt er in diese Stellung, oberhalb des festen Kunststoffteils:



Ohne dieses Polyamid-Nockenteil kann man den Laufwerkschalter ohne ihn zu drücken auf Record drehen, was aber zur Folge hat, dass der Aufnahme-/Wiedergabeumschalter nicht gedrückt wird, der durch das Wellenende, auf dem der Nocken sitzt, betätigt wird. Wenn man so aufnehmen wollte, müsste man den Knebel die ganze Zeit gedrückt HALTEN! Das konnte natürlich so nicht bleiben.

Also frisch ans Werk. Es war für mich zunächst nicht zu erkennen, welche Teile man in welcher Reihenfolge demontieren muss, um diese Schaltwelle ausbauen zu können. Eine weitgehende Demontage des Gerätes war die Folge. Nach einer Stunde sah es etwa so aus:



Ich hatte das Foto ja schon weiter oben gezeigt.
Ich recherchierte im zunächst mal im weltweiten Netz, womit man Polyamid (Nylon) am besten und haltbarsten kleben kann. Mehrere Quellen empfahlen Zweikomponentenkleber auf Kunstharzbasis oder Cyanacrylatkleber.
Beides hatte ich da. Der Zweikompontenkleister schien mir das Solideste, also frisch ans Werk, den Kleber angerührt, die Teile mit Aceton entfettet und den Nocken auf die Welle geklebt. Gerät nach einer Stunde Wartezeit wieder zusammengebaut und nach zwei Stunden, die eigentlich als Abbindezeit ausreichend sein sollten, der erste Funktionstest. "Klick" machte es, und das frisch geklebte Teil verteilte sich erneut im Gehäuseinneren.
Offenbar war dieses Uhu Plus doch nicht so gut geeignet... X(

Das erneute Zerlegen ging nun wesentlich schneller, denn nun wusste ich, was ich abbauen musste und welche Teile angebaut bleiben konnten! In einer Viertelstunde war der Ausbau der "play-rec-selector unit" erledigt und ich trug die Einheit in den Keller. Das ist diese Einheit. Rechts gehört der Knebel hin, links das Nockerlteil.



Ich musste nun Nägel mit Köppen machen.
Zunächst testete ich die Tauglichkeit von Cyanacrylatkleber, im Volksmund auch Sekundenkleber genannt. Ich gab ein winziges Tröpfchen davon auf die eine Bruchfläche und fügte die beiden Teile dort zusammen. Ich musste schon wenige Sekunden später geradezu Gewalt anwenden, um sie wieder zu trennen! Das war also der richtige Kleber. Zusätzlich zum Kleben wollte ich die beiden Bruchstücke und den flachen Teil der Welle durchbohren, in das hintere Teil ein Gewinde schneiden und dann eine M2-Schraube hinein drehen. Das sollte halten!

So geschah es dann auch.





Sodann wurden winzige Mengen Sekundenkleber auf die Welle und auf die seitlichen Bruchkanten des Nockenteils aufgebracht, nicht jedoch, ohne alles noch einmal mit Bremsenreiniger zu entfetten (Aceton hatte ich im Keller nicht zur Hand; Bremsenreiniger geht ebenso gut!).

Dann die beiden Bruchstücke schnell auf Position und ruckzuck, die M2-Schraube durchgezogen. Fertig!!



Das kleine, unscheinbare, aber doch so wichtige Teil war wieder an seiner vom Konstrukteur vorgesehenen Stelle und erfüllte augenscheinlich wieder seinen Zweck. Und so konnte es an den Zusammenbau der Bandmaschine gehen.
Nach wenigen Minuten war die erwähnte "unit" wieder angeschraubt und die kleine Platine mit den Vormagnetisierungstrimmern ebenso befestigt wie die beiden LED's.



Beim Einbau muss man tunlichst darauf achten, dass diese beiden durch grüne Pfeile gekennzeichneten Hebel korrekt an ihrem Gegenpart angreifen, sonst funktioniert hinterher die Bremsenmimik und das Umspulen nicht und man kann wieder zum Schraubenzieher greifen und erneut alles abbauen!



Ihr könnt euch denken, dass ich diese Tatsache auch nicht vorher wusste ;)

Nun wird noch der kleine Riemen zum Zählwerk aufgelegt (der Antrieb desselben ist zweigeteilt, um die Chassisplatte gewissermaßen zu durchdringen):



Nachdem die Aluguss-Front wieder aufgelegt ist (Filzscheiben auf den Hebelschaltern nicht verjassen!), kann sie mit insgesamt 5 Schrauben befestigt werden.



Ein Test mit angeschlossenem Netzteil ergibt volle Funktion der LED's bei Stellung Aufnahme, und daher kann davon ausgegangen werden, dass meine Reparatur gelungen ist und Aufnahmen künftig ohne Festhalten des Knopfes gefahren werden können!



Knöpfe drauf, obere Abdeckung drauf, dann sieht es schon so aus:



Nun fehlen nur noch die Rollen der Bandzugfühlhebel. Die sind etwas tricky und zu Anfang wusste ich überhaupt nicht, wie ich die runter bekomme. Das Geheimnis sind die oberen Kappen, die sind nämlich geschraubt! Man muss das Unterteil festhalten und die konisch geformte Kappe mit kräftigem Dreh abschrauben. Darunter sitzt je ein Sicherungsring und eine Kunststoffscheibe.



Beim Zusammenbau geht es also "sinngemäß in umgekehrter Reihenfolge". Scheibchen, Ringlein und die Schraubkappe. Diese dient als oberes Lager für die ballig abgerundeten Achsen der Rollen (sie bestimmt damit auch die Laufhöhe der Rollen) und ist daher mit einer kleinen Menge Wälzlager- oder Universalfett zu versehen.



So, das war der zweite und umfangreichste Teil meines Berichts, der euch hoffentlich bis hierher nicht allzu sehr gelangweilt hat. Wenn ich in den nächsten Tagen noch mal etwas Zeit finde, werde ich euch noch über die Praxis der Einmessung und den Betrieb der TC-510-2, nebst einigen kritischen Anmerkungen anöden.

Bis dahin: Munter bleiben!!!! 8o



Viele Grüße
Holgi

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Friday, November 16th 2012, 2:00pm

Hallo Holgi ,

mit großer Begeisterung habe ich deinen gut bebilderten ( und beschriebenen Bericht ) gelesen. Man hat wirklich das Gefühl mit dabei zu sein , und Dir über die Schulter zu schauen.

Ich bewundere immer wieder die Leute die solches " Vermögen " in sich vereinen.

Frage : hätte man das zerbrochene Kunststoffteil auch in irgend
einer anderen Form nachbilden können ? Es gibt ja einige be-
gnadete User , die eine sehr gute Fräsmaschine ihr
eigen nennen.

Gruss
Wolfgang
Revox A76 , A78 , B285 , B739 , B750 , B760 , B790 , C36 , C115 , C221 , D88 , E36 , G36 MKI , Lautsprecher Agora B , STUDER A 68 , A 81R , A 721 , 1 x A 730 , 1 x A 62 ( 9,5 / 19,0 cm/ sec ) , 1 x B 62 , ..... C37.... meine absolute Lieblingsmaschine ..... Telefunken 1 x M 5 A mono ...... 2 x M 5 B stereo ..... Grundig TK- 6 L .. TK - 42 ...2 mal TK 46...Telefunken Musikus 504 V ........ S.A.B.A. M.E.E.R.S.B.U.R.G --- S.T.E.R.E.O. - G .

Plattenspieler E M T 9 4 8

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33

Friday, November 16th 2012, 5:00pm

Nein, Wolfgang. Oder es wäre zumindest sehr schwierig.

Das Problem ist, dass das Teil auf einem flachen Stück der Welle sitzt, und da kann man es natürlich nicht von vorn "draufschieben". Ich dachte erst, es sei direkt auf die Welle aufgespritzt worden, später habe ich aber gesehen, dass das Wellenende, der letzte Zentimeter, aus Alu besteht und in die Stahlwelle eingepresst ist. Und zwar mitsamt dem weißen Kunststoffteil. Und auf diesen Aluminiumstumpf muss das Polyamidteil wohl tatsächlich aufgespritzt sein, denn auch auf der anderen Seite ist ja ein Bund, über den man es nicht drüberschieben kann!

Auf diesem Foto sieht man gut die Nahtstelle zwischen den beiden Metallen (Pfeil). Beim Bohren habe ich auch gemerkt, dass es sich um Aluminium handelt, der 2mm-Bohrer war in drei Sekunden durch.



Ich wüsste nicht, wie man die beiden verpressten Teile trennen sollte. Man könnte dann ja auch nur ein komplettes Wellenende mit Nockenring auf der Fräsmaschine herstellen. Das ist m.E. übertriebener Aufwand.
Es scheint ja auch mit meiner Klebe-/Schraubmethode zu funktionieren!

Holgi

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Friday, November 16th 2012, 6:44pm

Hallo Holgi !

Danke für den schönen Bericht. Zu Dir würde ich gerne in die Lehre gehen.

Gruß Gerhard

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Friday, November 16th 2012, 7:09pm

Mein Gott, Gerhard, du machst mich ja ganz verlegen... Ich bin doch auch nur ein Hobbybastler und bilde gar keine Lehrlinge aus :)

Übrigens habe ich gerade gesehen, dass in der Katalogseite (Posting 024) ein Fehler ist: Chrome-Band kann man mit der Kiste nun wirklich nicht bespielen. Es war ja auch eher selten auf dem Senkelsektor.
Richtig muss es heißen: Dreistufige Entzerrung für Normal-, Low Noise- und FeCr-Band!

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Saturday, November 17th 2012, 12:07am

Quoted

hannoholgi postete... und im Uhrmachersinn ...

eine schöne Formulierung (muß ich mir merken) und ein sehr schöner Bericht.

Grüße

Peter

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Sunday, January 6th 2013, 11:59pm

Es ist ja nun schon Wochen her... Die anstrengenden Feiertage liegen hinter uns und ich raffe mich endlich mal auf, meine Vorstellung der TC-510-2 abzuschließen.
Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat! :whistling:

Vorbemerkung: die Fotos können durch anklicken vergrößert werden.

Nachdem die Kiste wieder zusammengeschroben war, musste ich mich ja noch etwas mit der elektroakustischen Seite beschäftigen, denn ich hätte sie gern auf BASF/Agfa PER 368 eingemessen, wovon ich ca. 25 Stück auf 13er Spulen besitze. Da es ja jeweils 3 Stellungen der Wahlschalter für Bias und Entzerrung gibt, hatte ich die Hoffnung, auch eine zweite Bandsorte, Agfa PE 39, noch hinzu nehmen zu können. Die FeCr-Einstellung konnte ich von vornherein unberücksichtigt lassen.

Ich öffnete den Bodendeckel, legte mir die Serviceanleitung zurecht und legte los. Der Wiedergabepegel sollte sich, so meinte ich, leicht einstellen lassen. Leider zeigte sich, dass der Entzerrungsumschalter sowohl auf den Aufnahme- als auch den Wiedergabezweig wirkt. Das war jetzt blöd. In den technischen Daten ist "NAB" als Entzerrungsnorm angegeben, aber in welcher Schalterstellung? Es gibt normal, special und FeCr. Im Vorgeplänkel für die Einmessung kann man dann aber lesen, dass der EQ-Schalter bei der Wiedergabeeinmessung auf "normal" stehen sollte.

Der Hersteller hatte damals folgende Tabelle für die Einstellung der Schalter bei verschiedenen Bandsorten veröffentlicht:



Wie man sieht, sind die meisten Bänder unter "special/normal" eingeordnet. Natürlich sind meine Bandsorten nicht dabei :( ...

Ich entschied mich also zunächst für "normal" und stellte fest, dass bei einem 1 kHz-Signal praktisch kein Unterschied zu "special" vorhanden ist.

Der Azimut wurde zuerst einjustiert; er stimmte bis auf eine winzige Drehung mit dem Bezugsband überein. Die Mühe mit der Phasenmethode per Oszi machte ich mir allerdings nicht; ich stellte bei parallelgeschalteten Ausgängen auf Maximum am Millivoltmeter bei 10 kHz ein. Die anderen Kopfeinstellungen ließ ich unangetastet; nach Augenmaß bestand hier kein Handlungsbedarf. Da ich das vorgeschriebene Sony-Justierband natürlich nicht besitze, arbeitete ich mit einem BASF IEC 2/19H-Bezugsband für den Azimut und einem Pegeltestband 257 nWb/m von Herrn Bluthard.

Das Maschinchen kann ohne Weiteres auf den Revox-Pegel von 257 nWb bei 0 dB eingestellt werden; vermutlich hat Sony 250 nWb auf dem Testband. Ich hatte zunächst Bedenken wegen der Ferritköpfe. Diese hier (vor allem der Aufnahmekopf) können aber jede Menge Pegel verarbeiten! Schon die erste Wiedergabe des 257 nWb-Testbandes vor der Einmessprozedur ergab einen Ausschlag auf ±0 dB bei den VU-Metern. Die werksseitige Einstellung war demnach wohl auch auf diesen Pegel (bzw. 250 nWb) vorgenommen worden! Also beschloss ich, es auch so zu lassen. Die Abweichung beider Kanäle war nur gering. Links musste der Wiedergabepegel um knapp 1 dB angehoben werden. Bei dieser Einstellung justierte ich die Schätzeisen auf 0 dB und die Ausgangsspannung betrug nun, wie im Manual angegeben, ca. 0,44 V eff, ein Wert, der -5 dB entspricht. Wenn man den Vorlauf der VU-Meter berücksichtigt, der mit 5 dB angenommen wird, ist man dann bei 514 nWb/m bei 0 dB -> 0,775 V.

Die Einstellung der Wiedergabeentzerrung sollte nun dadurch vorgenommen werden, dass man das Sony-Testband einlegte und dessen Frequenzen 400 Hz und 10 kHz wiedergibt. Dabei soll man je einen Trimmer pro Kanal so einstellen, dass die Pegel bei beiden Frequenzen gleich sind.
Da ich dieses Band wie gesagt nicht habe, benutzte ich dazu den Frequenzgangteil des Bezugsbandes, mit dem mir diese Einstellung auch ganz gut gelang.

Während der Wiedergabe des 1 kHz-Testtones schloss ich noch eben den Frequenzmesser an stellte erfreut fest, dass die Bandgeschwindigkeiten keiner Korrektur bedurften. Bei 19 wurden 1003 Hz und bei 9,5 499 Hz gemessen. Ansonsten wäre die Einstellung mittels zweier Trimmpotis auch kein Problem gewesen.

Die Justage der Entzerrung sowie der Vormagnetisierung stellten mich dann auf eine harte Geduldsprobe.

Laut Service Manual sollte die Bias-Justage so laufen: man speist einen Sinus von 1 kHz (!) bei einem Pegel von -10 dB (0,25 V) ein, schließt ausgangsseitig das Millivoltmeter an und schaltet auf Hinterband. Dann soll man den jeweiligen Trimmkondensator im Gegenzeigersinn drehen, bis das Maximum der Ausgangsspannung erreicht ist, um ihn dann vorsichtig in der gleichen Richtung weiter zu drehen, bis der Hinterbandpegel wieder um ~ 0,5 dB abgefallen ist.
Gut. Nur leider funktionierte das nicht. Der Pegel stieg schnell und fiel dann wieder langsam, wenn man drehte... Ich muss dazu bemerken, dass sich das Bias-Einstellplatinchen hinter der Frontplatte befindet und die Trimmer so angeordnet sind, dass ihre Oberseite und ihr Betätigungsschlitz von vorn aus zu erreichen sind—wenn man die Frontplatte abgenommen hat! Das hatte ich aber nicht, und so musste ich ziemlich mit der Spitzzange friemeln, um die Dinger drehen zu können.
Es funktionierte nicht, und die hohen Frequenzen waren übermäßig stark vertreten, wenn man den Generator mal hochdrehte. Nachdem ich fast schon geneigt war, an der Wiedergabeentzerrung herumzudrehen (was aber eigentlich nicht richtig sein konnte, denn ich hatte sie ja vorher nach Anweisung eingestellt!), kam ich auf die Idee, dass der Verfasser des SM womöglich davon ausgegangen war, dass man diese Trimmer von unten, also von der Hauptplatinenseite aus, dreht. Dann wäre die Drehrichtung also genau umgekehrt! Gegenzeigersinn von unten ist Uhrzeigersinn von oben. Wenn man von unten hätte drehen wollen, hätte man allerdings irgend ein Spezialwerkzeug gebraucht, um anzukommen. Ich drehte also wiederum von oben und kehrte nun die Drehrichtung um. Und siehe da: auf einmal konnte man einen langsamen Anstieg und einen nach dem Maximum einsetzenden, schnellen Abfall der Ausgangsspannung messen! Und die Höhenaufzeichnung ging um mindestens 10 dB zurück.

Damit hatte ich wohl endlich die richtige Biaseinstellung gefunden. Natürlich war dies eine Quasi-Delta-S10-Justierung bei einer niedrigeren Frequenz (1 kHz), bei der sich die Änderung der HF nicht so gravierund auswirkt wie bei 10 kHz. Ich überprüfte das aber trotzdem nochmal bei 10 kHz und brachte beide Kanäle dann auf einen genauen Delta-S10-Wert von -6 dB bei einem Pegel von -20 dB. Elende Fummelei! :(
Natürlich ist das noch nicht alles gewesen, denn ich musste ja auch noch die Aufnahmeentzerrung einjustieren, und zwar so, dass meine bevorzugten Bandsorten frequenzgangmäßig keine allzu großen Kapriolen schlagen.

Zunächst musste aber noch der Aufnahmepegel auf den richtigen Wert gebracht werden, indem ich beide Kanäle mit dem zuständigen Trimmer bei 1 kHz auf einen Hinterbandpegel von -5 dB (0,44 V) einstellte, wenn vorne -10 dB (0,25 V) eingespeist wurden.

Ich gebe zu, dass ich mich um die Bias-Trap-Justage nicht scherte, die eigentlich zwischendurch fällig geworden wäre, aber ich hatte jetzt schon fast zwei Stunden über der Sony geschwitzt. Und da noch keiner vor mir daran herumgefummelt hatte und noch alles auf Werkseinstellung war, ließ ich die HF-Fallen so wie sie waren.

Nun kam der schwierigste Teil der Prozedur. Die Aufnahmeentzerrung. Einstellbar ist sie nur für 19 cm/s, die kleinere Geschwindigkeit soll sich dann durch fest verdrahtete Entzerrungsglieder ergeben. Diese Tatsache gefiel mir nicht sonderlich, weil bereits die Vormagnetisierung nur für die höhere Geschwindigkeit einstellbar war. Hier macht sich dann wieder mal bemerkbar, dass es eben doch keine Nagra ist!
Die Entzerrungsjustage soll so laufen: man legt ein Band der gewünschten Sorte ein und nimmt bei -30 dB die Frequenzen 1 kHz und 25 kHz wechselweise auf (Monitorschalter natürlich auf "Tape"). Den Entzerrungsschalter stellt man laut Tabelle auf die jeweilige Bandsorte ein.

Das ging schon mal nicht ohne weiters, weil mein PER 368 ebenso wenig in der Tabelle stand, wie das Agfa PE 39. Ich ging aber mal davon aus, dass "special" die richtige Schalterstellung ist, denn die ist ja in der Tabelle für die meisten modernen Bänder ("other low-noise/high-output tapes") angegeben. "Normal" ist demnach nur bei einem Band namens Sony PR die Entzerrung der Wahl, wobei auch nur dieses Band eine Einstellung des Biasschalters auf "low" erfordert. Die "high"-Stellung ist ja nur für zwei Scotch-Typen vorgeschrieben...
Gut. Also special EQ und normal bias.

Die Entzerrung ist für jede der drei Stellungen des Entzerrungsschalters an jeweils einem Trimmpoti pro Kanal einstellbar. Es gibt also 6 Trimmer, die man betätigen kann. Und das sollte man nun so tun, dass beide Kanäle möglichst identische Frequenzgänge bekommen und selbige bei 25 kHz den gleichen Pegel ausweisen wie bei 1 kHz. Nach gut einer Stunde Gefluche war es geschafft. Ich stellte hauptsächlich auf das PER 368 ein, und überprüfte hinterher den Frequenzgang mit einigen anderen Bändern, wie auch dem Agfa und einem BASF DP 26 LH. Es ging ganz gut. Bei 19 cm/s bringt die Sony gut 27 kHz innerhalb der -3 dB-Grenze aufs Band, bei 9,5 braucht man natürlich mit dem Rundfunkband gar nicht erst anzufangen, da es nur für höhere Bandgeschwindigkeiten ausgelegt ist und schon bei 10 kHz mächtig in den Keller geht. Die Doppelspielbänder gehen auch bei 9,5, wobei ich nun natürlich hinnehmen musste, dass ich den Höhenabfall nicht 100%ig ausbügeln konnte. Wie gesagt gibt es dafür leider keine Einstellmöglichkeit. Bis 12 oder 13 kHz ist der Frequenzgang aber auch dort recht gerade, danach fällt er recht schnell ab.
Man geht wohl davon aus, dass die 9,5 cm/s eher selten genutzt werden.

In den Tiefen gibt es im Über-Alles-Frequenzgang eine ziemlich kräftige Anhebung, die nach gehörmäßiger Schätzung bei 3-5 dB liegen muss. Das ist manchmal, je nach Aufnahme, etwas störend, kommt aber wahrscheinlich durch Kopfspiegelresonanzen zustande. Die Köpfe sind hyperbolisch mit sehr kleinem Radius, also gewissermaßen sehr "spitz" geformt, so dass die Bandkontaktzone nur sehr schmal ist:



Wenn ich mal nichts anderes zu tun habe, fertige ich vielleicht noch mal Frequenzgangschriebe mit dem Computer und Audiotester-Software an.

Nach den gemessenen Frequenzgängen druckte ich mir noch einen Aufkleber für den Klarsichtdeckel der Maschine, auf dem ich vermerkte, welche Schalterstellungen bei welcher Bandsorte die besten Ergebnisse bringt. Schön ist ja, dass man Hinterband hört, was passiert, wenn man die beiden Drehschalter betätigt. So findet man auch bei fremden Bandsorten eigentlich immer einen Modus, bei dem das Hinterbandsignal dem Vorbandklang sehr ähnlich ist.



Nachdem ich mit der Einmessung nach vielen Stunden endlich fertig war, behob ich noch einen kleinen mechanischen Defekt. Beim Umspulen hatte sich stets nach einigen Sekunden ein kreischender Pfeifton eingestellt, der irgendwie von der Mechanik kam. Manchmal quietschte es auch leise im Play/Rec-Betrieb. Außerdem lief das Bandzählwerk nur gelegentlich.
Es stellte sich heraus, dass die Zwischenwelle, die den Zählwerkantrieb praktisch durch das Chassis nach unten leitet, festgefressen war und völlig trocken lief. Dadurch blockierte der obere Treibriemen und machte dieses Pfeifgeräusch. Im Foto zeigt der grüne Pfeil auf die Welle und deren untere Riemenscheibe. Ein Tropfen Öl an die Welle wirkte Wunder!



Nun ist alles erledigt. Die TC-510-2 spielt gut und spult übrigens unglaublich schnell. Ein 13er Langspielband (270 m) ist in etwa 100 Sekunden umgespult! Das ist gut doppelt so schnell wie ein Uher Report.
Bei der Bedienung fällt der Hebel für die Umspulfunktion unangenehm auf; er ist zu kurz und zu versenkt. Bei häufiger Benutzung kerbt man sich die Fingernägel ein, besonders bei der Rückspulfunktion! Weiterhin vergesse ich öfters, die Aufnahme-Vorwahlschalter zu drücken. Dann erzähle ich was, interviewe jemanden, um dann festzustellen, dass nichts davon auf dem Band ist. Eigentlich sollte mir das als langjährigem Revox-User nicht passieren, zumal auch bei der Sony rote Aufnahme-LED's vorhanden sind, aber ich werde wohl doch langsam alt... :S

Leider arbeitet (nur bei meinem Exemplar?) die Pausenfunktion unbefriedigend. Beim Druck auf die ein sehr präzises Feeling vermittelnde orange Taste wird nur die Andruckrolle einen Millimeter von der Tonwelle abgehoben, die Rutschkupplung rechts läuft aber weiter und es wird auch keine Bremse am linken Teller aktiviert. Das soll auch so sein und ist bei anderen Geräten (Uher Report) auch so, aber hier hat das oftmals zur Folge, dass das Band nur langsam zum Stillstand kommt oder gar noch 2 bis 3 Sekunden weiterläuft. Das ist eigentlich inakzeptabel. Ich weiß aber nicht, wie ich es ändern könnte. Ich werde wohl nochmals den Bandzug am linken Teller messen müssen, der 24-28 g betragen soll, und sehen, ob da was nicht stimmt. Drückt man nämlich die zuständige Bandzugfühlrolle nur eine Winzigkeit nach links, wird die Abwickelspule sofort gebremst und das Band steht wie eine 1.

An alles andere gewöhnt man sich schnell. Praktisch ist, dass man den Knebelschalter auf Record schalten kann, und so lange kein Aufnahmewahlschalter gedrückt wird, läuft die Maschine trotzdem auf Wiedergabe! Fliegende Starts in misslungene Aufnahmen hinein sind also damit leicht möglich. Man fährt die gewünschte Stelle an und drückt dann während des Bandlaufs oder nach dem Betätigen der Pausetaste den oder die Aufnahmewahltaste(n). Allerdings ist beim Abschalten des Löschgenerators ein leiser Knacks zu hören.
In der Praxis zeigt sich, dass die Eingänge gut ausgelegt sind, der Mikrofoneingang ist rauscharm und empfindlich genug. Mit einem Sennheiser MD 421 (200 Ohm) muss man den Pegelsteller etwa auf 6,5 von 10 drehen, wenn man es aus 30 cm Entfernung bespricht. Es ist genug Übersteuerungsreserve vorhanden, zudem gibt es einen Eingangsabschwächer, der den Eingang 20 dB unempfindlicher macht. Auch ein Tiefenfilter gegen Wind- und Handhabungsgeräusche ist vorhanden.
Der schaltbare Limiter arbeitet unauffällig und zufriedenstellend, so lange man den Pegelsteller nicht so weit aufdreht, dass aus dem Limiter ein Kompressor wird, aber das ist ja immer so. Der Limiter könnte aber ruhig zwei oder drei dB eher einsetzen; der Zeiger der "Schätzeisen" gerät damit oft weit in den roten Bereich, wobei dann auch schon leichte nichtlineare Verzerrungen hörbar werden. Einstellen auf der Platine lässt sich da nichts, man müsste wohl die Dimensionierung von Bauteilen ändern, was ich mir aber noch nicht näher angesehen habe.

Der Kopfhörerausgang ist auch für hochohmigere Hörer laut genug und kann wahlweise auf Spur 1, 2 oder Stereo geschaltet werden. Die "Stereo"-Stellung bewirkt beim Mithören über den eingebauten Kontrolllautsprecher ein Zusammenschalten beider Kanäle auf Mono.
Ich hatte früher schon mal darauf hingewiesen, dass eine Mono-Wiedergabe über einen externen Verstärker nur möglich ist, wenn man das Gerät auch monophon anschließt, da immer beide Ausgänge "scharf" sind. Wenn man also nicht die Gegenspur rückwärts auf dem rechten Lautsprecher haben will, sollte man den Cinchstecker für rechts rausziehen und den Verstärker, wenn möglich, auf Mono schalten.

So. Nun habe ich aber genug getippt. Ich hoffe, dass irgend jemand von euch dieses Geschreibsel zumindest einigermaßen interessant fand und sich nicht alle gelangweilt haben. Ich denke, eine so tolle und seltene Maschine wie die Sony TC-510-2 hat eine ausführliche Berichterstattung verdient.

Vielleicht bekomme ich ja eines Tages noch ein Akku- oder Batteriepack dafür, damit sie wenigstens theoretisch auch mal ohne Stromnetz benutzt werden kann, denn dafür ist sie ja gebaut. Wenn jemand so etwas auf dem Flohmarkt findet oder auf dem Dachboden oder im Keller ;) , bitte per PN bei mir melden!!!!

Tschüs
Holgi

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38

Monday, January 7th 2013, 8:58pm

Hallo Holgi,

nix da "gelangweilt"...ganz toller (Abschluss-) Bericht! :thumbup:

Insbesondere die Einmess-Vorgehensweise mit "Bordmitteln", sprich: nicht vorhandenen Original-Messbändern (offenbar stehen bei der Angabe der Sony-Bänder im SM schändlicherweise keine Bezugswerte dabei) durch Annäherung / Annahme des Wiedergabe-Bezugspegels etc. finde ich sehr anschaulich und interessant.

Was mich etwas verwundert, ist die Aufnahmepegeljustage mit Hinterband -5dB zu Vorband -10dB. Das ergibt doch einen starken Pegelsprung? Aber wahrscheinlich denke ich zu dilettantisch...

Desweiteren erstaunt die Aufnahmeentzerrungsjustage mit 25 (!) kHz...das ist für 19cm/s schon 'ne Menge Holz...

Anyway, über Frequenzgangschriebe würde (bestimmt nicht nur) ich mich freuen und wünsche Dir bei der Suche nach dem noch fehlenden Equipment Petri Heil!

Schöne Grüße
Frank


P.S.: OT-Frage: Du hast auf Deinem Aufkleberchen ja auch das Zonal-Tripleband abgebildet.

-wie nennt sich jenes denn genau?
-macht 3-fach-Spiel bei 19cm/s (vgl DP & LP bei 38) noch Sinn?
-geben sich Zonal Triple /BASF TP18 / Maxell UD18 die Klinke in die Hand oder gibt es größere Unterschiede? Ich habe es noch nicht umfangreich getestet, dache bislang jedoch, letzteres sei aufgrund des geringeren Entwicklungsalters zu bevorzugen....WENN es denn mal Triple sein muss...

This post has been edited 1 times, last edit by "kesselsweier" (Jan 7th 2013, 9:14pm) with the following reason: RS und OT-Frage


Ralf B

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39

Monday, January 7th 2013, 10:19pm

Holgi,

danke, daß Du das alles für uns aufgeschrieben hast, weiteren Kommentar spare ich mir...Deine Kenntnisse sprechen für sich!

Gruß von Ralf

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40

Tuesday, January 8th 2013, 10:26pm

Was mich etwas verwundert, ist die Aufnahmepegeljustage mit Hinterband -5dB zu Vorband -10dB. Das ergibt doch einen starken Pegelsprung? Aber wahrscheinlich denke ich zu dilettantisch...
Nein, oder vielmehr ja. Es ist keine Rede von einem Pegelsprung von 5 dB zwischen Vor- und Hinterband! Lediglich die Gesamtverstärkung des eingespeisten Signals liegt bei 5 dB. Also: ich lege am Eingang 100 mV an und am Ausgang kommen (egal, ob Vor- oder Hinterband!) dann 100 x 1,78=178 mV raus.
Ein Pegelsprung soll nicht vorhanden sein und wird mittels der Trimmer für den Aufsprechpegel minimiert.
P.S.: OT-Frage: Du hast auf Deinem Aufkleberchen ja auch das Zonal-Tripleband abgebildet.



-wie nennt sich jenes denn genau?

-macht 3-fach-Spiel bei 19cm/s (vgl DP & LP bei 38 ) noch Sinn?

-geben sich Zonal Triple /BASF TP18 / Maxell UD18 die Klinke in die Hand oder gibt es größere Unterschiede? Ich habe es noch nicht umfangreich getestet, dache bislang jedoch, letzteres sei aufgrund des geringeren Entwicklungsalters zu bevorzugen....WENN es denn mal Triple sein muss...

Das Zonal-Dreifachspielband ist unter dem Handelsnamen Uher wohl in den späten 80ern/frühen 90ern verkauft worden und hat keine andere Bezeichnung.
Die Bänder habe ich unbenutzt und ovp, lediglich mit leichten Schimmelpilzspuren, im Dutzend für extrem wenige Euros gekauft. Deshalb, weil ich so viele davon habe, stehen sie mit auf meinem Aufkleber.
Die Schimmelpilze sind inzwischen wech :D !
Sie (die Bänder) sehen so aus:



Die Eigenschaften des Bandes sind so, wie man sie von Triplebändern gewohnt ist: relativ unempfindlich (Pegeldiffernz Vor-/Hinterband: ca. 3 dB), nicht sehr viel Aussteuerungsreserve, relativ kräftiger Kopiereffekt bei hohen Pegeln. Aber man kann eben lange damit aufnehmen. Für qualitativ hochwertige Aufnahmen bevorzuge ich dann doch andere Bandsorten...
Eine gewisse Ähnlichkeit mit BASF TP 18 ist gegeben, das Maxell kenne ich nicht persönlich.

LG
Holgi

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41

Wednesday, January 9th 2013, 1:13am

Hallo Holgi,

merci un autrefois.

Ist verstanden...hoffentlich mache ich mal demnächst einen Dreifachspielband-Test..wobei ich bislang eben nur TP18 und DP18 habe...die bedingte Kompatibilität zu DP & LP-Eimessungen schreit "halt" ein wenig nach separat eingemessenem "Triple-Gerät" oder A810 (wg. automatrischer Einmessung, was ich nicht vorweisen kann) & Co.

Bonne Nuit
Franck

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42

Thursday, April 4th 2013, 10:01pm

Ich bin's noch mal...

Es ist ja schon ein paar Wochen her, aber mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Seit heute habe ich den Frequenzgang der Sony vorliegen. Und zwar nur den für 19 cm/s, weil der 9,5er nicht wirklich sehenswert ist. :(
Gemessen habe ich mit PER 368, auf das die Kiste auch eingemessen ist. Dabei stand der Biasschalter auf "normal" und der EQ-Schalter auf "special". Die Messung erfolgte mit einem neuen Band bei -20 dB.
So sieht das aus:



Die Welligkeiten im Tieftonbereich sind Kopfspiegelresonanzen, da die Köpfe ja einen recht kleinen Berührungsradius haben und die Umschlingung klein ist.
Der -3 dB-Punkt liegt am oberen Ende erst bei 28 kHz!

LG Holgi

43

Thursday, April 4th 2013, 10:23pm


Der -3 dB-Punkt liegt am oberen Ende erst bei 28 kHz!


Step Count im Setup des Audiotesters steht auf 50?
Falls ja, einfach mal deutlich erhöhen (150 bis 200).
Dann wird es mit den 28kHz höchstwahrscheinlich vorbei sein.

Gruß Ulrich

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44

Thursday, April 4th 2013, 10:37pm

Oh, äh, das weiß ich jetzt auch nicht mehr.... Ich habe eigentlich immer 120 eingestellt, hatte aber für eine schnelle Überprüfung mal auf 50 zurückgestellt. Ich weiß es nicht mehr, ob hier noch 50 Schritte gemacht wurden oder mehr. Jetzt baue ich aber nicht noch mal alles auf. :(

Die 28 kHz wurden aber auch bei der Messung mit dem Millivoltmeter beim Einmessen schon erreicht!
Letztlich ist das ja auch wurscht. Die Kleine klingt super, und darauf kommt es doch an.

LG Holgi

45

Thursday, April 4th 2013, 11:39pm

Ich habe mal dort noch was dazu geschrieben.

Gruß Ulrich

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Friday, April 5th 2013, 12:12pm

Ja, schon klar, Ulrich, ich weiß das. Ist ja auch logisch. Wenn ich einen Frequenzgang "per Hand" mit Millivoltmeter aufnehme, verbinde ich ja auch die Punkte auf dem Papier miteinander. Und wenn dazwischen kein Punkt mehr ist, wird das eben eine Gerade, die im ungünstigsten Fall verfälschte Kurventeile ergibt.

Wenn ich aus dem Urlaub wieder zurück bin, werde ich das noch mal wiederholen. Um auch den letzten User hier zufrieden zu stellen ;) !

LG Holgi

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Tuesday, April 9th 2013, 12:56am

Schönes Maschinchen, meinen Glückwunsch. Wegen der Bias Traps, dein Vertrauen in die Werkseinstellung in allen Ehren, aber die Dinger haben beim Nachmessen nie gestimmt. Wenn du beim Klirrfaktor das Minimum herausholen willst gleiche ab, wenn du mit dem aktuellen Wert zufrieden bist lass es so.

MfG, Tobias

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48

Wednesday, April 29th 2015, 2:39pm

Hallo,

nach Jahren (Kinder, wie die Zeit vergeht...) noch eine ergänzende Sache.
Ich habe festgestellt, dass der Bias-Arbeitspunkt nach einigen Benutzungen (ich erstelle darauf häufig "Briefbänder" im Austausch mit einem Forenfreund) sich verschoben hat und ein Kanal zu wenig Höhen aufwies. Und das bei beiden Bandgeschwindigkeiten, was demnach nicht auf eine verstellte Entzerrung, sondern eben die Vormagnetisierung hindeutete, die für beide Geschwindigkeiten gemeinsam eingestellt werden muss.

Nun hat Sony als Bias-Einsteller leider zwei sogenannte "Quetscher" eingebaut, das sind Trimmer, die aus einem festen Unterteil und einem federnden Blech bestehen, das mit einer Schraube in seiner Entfernung zum festen Teil variiert werden kann. Dazwischen liegt zur Isolierung eine Folie. Diese Dinger hatten mich schon bei der ersten Einmessung genervt, denn ihre Einstellung ist nicht sehr erschütterungsfest und schon beim Einstellen reicht ein leichtes Klopfen mit dem Schraubendreher, und der Wert verstellt sich um einge Pikofarad.
Davon abgesehen, lag der Schlitz zum Einstellen so blöd, dass man eigentlich die komplette Gehäusefront hätte entfernen müssen, um sie erreichen zu können. Oder von unten mit Verrenkungen und Spitzzange, sehr unbefriedigend! Das wollte ich bei dieser Gelegenheit ändern. Ich besorgte mir zwei vernünftige, wie ein Drehkondensator aufgebaute Trimmer mit 10-90 pF der folgenden Bauform:



Die wurden auf eine kleine Adapterplatine gelötet und selbige rechtwinklig zum alten Trimmerplatinchen so angebracht (links geschraubt und oben geklebt), dass die Trimmer bequem bei geöffnetem Bodendeckel bedient werden können; ohne Zange und ohne Zerlegung des Gehäuses ^^ . Verstellen tun die sich nun auch nicht mehr!



Manchmal kann eine kleine Bastelei einem die Sache erheblich erleichtern und man fragt sich, wieso der Hersteller das nicht gleich so gemacht hat... ?(

LG Holgi

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49

Wednesday, April 29th 2015, 4:40pm

Hallo Holgi,

diese komischen Quetscher kenne ich noch von meiner Sony (TC-765).
Das hat mich beim Einmessen auch wahnsinnig gemacht - präzise geht anders...
Schöne Ersatzlösung die Du da vorgestellt hast - hier lernt man wirklich fast täglich dazu.
Auch den sehr schönen Bericht über das Maschinchen kannte ich bis dato noch nicht.

Viele Grüße
Jörg
Viele Grüße
Jörg

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50

Sunday, May 20th 2018, 9:13pm

Hallo Holgi,

ich weiss, man soll keine "Leichen" ausgraben, aber Du hast mir mit Deiner Vorstellung und Reparaturdetails der Bandmaschine Sony TC-510-2 enorm geholfen.
Das war damals, vor etwa fünfeinhalb Jahren. ;) Ich hoffe, Du hast das Teil noch.

Ich konnte nämlich kürzlich ein solches Gerät per Kleinanzeige (Quoka) ergattern für sage und schreibe 15 (fünfzehn) Euronen plus Versand, wobei die Verkäuferin, eine ältere Dame,
mir nur den optisch einwandfreien Zustand versichern konnte, aber nichts über die Funktionsfähigkeit wusste. Das Maschinchen stammte von ihrem verstorbenen Mann,
der das Teil aber mindestens die letzten zwanzig Jahre unbenutzt in Schrank stehen hatte.

Nun, was soll ich sagen? Es stellte sich heraus, dass der optische Zustand tatsächlich -wie sagt man so schön?- wie neu war. Zusätzlich fand ich noch acht Tonbänder
auf Metallspulen im Karton. Der Batteriekasten war nicht dabei, dafür aber das Einschubnetzteil.
Lange Rede kurzer Sinn, es gab einen technischen Defekt und zwar exakt das gebrochene Kunststoffteil wie in Deiner Beschreibung. Allerdings konnte ich im Gerät nur
ein Bruchteil finden, das andere Teil blieb verschwunden. Ich habe daher die Welle um das abgeflachte Ende (worin Du das 2mm Loch gebohrt hattest) gekürzt und
danach in das nun plane Wellenende stirnseitig ein 2mm Gewinde gebohrt. Mit einer M2 Schraube ist nun ein passend zurechtgeschliffenes Plexiglasteil (hatte
gerade nicht Besseres gefunden) im 90° Winkel an die plane Stirnseite der Welle angebracht. Dieses greift nun in das Gegenstück ein und übernimmt alle Funktionen
des zerbrochenen Übeltäters.

Würde es Deinen Bericht nicht gegeben haben, keine Ahnung, wie lange ich gebraucht hätte um das Schätzchen wieder instand zu setzen. So war dies in ein paar Stunden
erledigt und ich freue mich über dieses feine Teil und Zeugnis der damaligen Technik in diesem Superzustand.

Tschüss
Piefke

P.S. Ich überlege ebenso das originale, simple 400mA-Netzteil durch ein Schaltnetzteil zu ersetzen und dabei bliebe im NT-Gehäuse soviel Platz um hierin noch z.B.
vier 18650er LiIon-Zellen zu je 3000mAh parallel, einen Step-up Wandler (3,7 zu 12Volt) und eine Laderegelung einzubauen. Damit müsste die Machine theoretisch dann
über zwanzig Stunden im Akkubetrieb laufen. Alle dazu nötigen Teile hätte ich in meinem Fundus, aber dann wäre das Netzteil nicht mehr original, was wiederum schade wäre.
Na mal sehen.

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51

Sunday, May 20th 2018, 11:19pm

Hallo Piefke,

freut mich, das ich dir mit der Reparatur auf die Sprünge helfen konnte! Das nämliche Kunststoffteil ist bei 9 von 10 dieser Geräte gebrochen.

Natürlich habe ich die Kiste noch und habe sie erst letztes Jahr neu eingemessen, was immer ein echter Akt ist. Es musste auch der Motor-Microschalter für den Umspulbetrieb getauscht werden, der nur noch bei jedem dritten oder vierten Mal Kontakt geben wollte. Und ich habe die beiden "RECORD"-LEDs gegen hellere getauscht. Aber sonst erfreuet sie mich noch immer sehr.

Was mich wurmt ist, dass ich seinerzeit eine neue Andruckrolle gekauft hatte und es mir nicht gelungen ist, dieselbe auszutauschen, weil ich nicht weiß, wie! Man kann wohl nur den kompletten Rollenarm irgendwie demontieren und dann die Achse der Rolle rausschlagen oder -drücken, was ich aber nicht geschafft habe. Egal, welche Schraube ich da gelöst habe, es rührte sich nichts. Ich hatte das ja auch in dem Bericht angesprochen, wenn ich mich richtig erinnere. Den Verkäufer der Rolle, der die Dinger immer noch bei Ebay anbietet, hatte ich dann mal angemailt und gefragt, wie man die denn eigentlich ausbauen kann. Er wusste es nicht. Hauptsache, teure Teile verkaufen! X(
Vielleicht bekommst du es raus?!
Meine Rolle hat eine Stand-Delle, die man aber zum Glück nicht hört.

Die Idee mit den 18650er LiIon-Zellen ist gut :thumbsup: ! Wenn du das realisierst, dokumentiere es und lass es mich bitte wissen. Ich suche tatsächlich schon seit dem Erwerb der Maschine nach einem Batterie- oder Akku-Einschub. Vergeblich.

Der Preis, den du dafür bezahlt hast, ist natürlich ein Superschnapper gewesen! Na, ich gönne es dir. Ich hab ein der Hinsicht fast nie Glück... :(

LG
Holgi

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52

Monday, May 21st 2018, 9:56am

Guten Morgen Holgi,

danke für Dein Feedback, aber auch ich weiss nicht wie die Andruckrolle zu wechseln ist.
Meine Rolle ist einwandfrei und ich möchte die Mimik nicht versuchen zu demontieren.
So, wie ich mich als recht ungeschickter Mechaniker üblicherweise anstelle, ist das
Teil danach hinüber oder zumindest hässlich verkratzt. X(

Den Netzteilumbau werde ich wohl doch nicht durchführen. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen
das Sony portabel zu nutzen. Ich werde es vermutlich überhaupt nicht nutzen, denn meine
Musiksammlung befindet sich auf einem Server im Dachboden und versorgt das ganze Haus per Wlan.
Aber es ist nice to have.... ^^ Und das Sony-Netzteil bleibt original. ;)

Solltest Du aber an dem Umbau interessiert zu sein, ich habe Dir mal eben einen Plan
erstellt, wie es funktionieren müsste. Das Netzkabel würde ich entfernen und an der
Stelle einen 2-poligen Einbaustecker (weiss jetzt die Bezeichnung nicht, meine die Dinger
wie sie oft in Rasierapparaten verbaut sind) einsetzen und mit dem Steckernetzteil 5V 2A verbinden.
Nach meinem Plan würden nach Anstecken eines Netzkabel die Akkus geladen werden, das
Lademodul schaltet bei erreichten 4,2V ab, somit kann das Kabel angesteckt bleiben. Zwei
LEDs signalisieren den Laden/Geladen-Status.
Das Modul verhindert übrigens auch das tödliche Tiefentladen von Li-Ion-Zellen.
Die Mikro-USB-Buchse würde ich entfernen und den 5V-Ausgang vom Steckernetzteil (ohne Gehäuse)
dort direkt anlöten. Der vorhandene 2-poligen Netzschalter bietet sich als Schalter (S1) für die Akkus
an, schliesslich verbraucht der folgende Step-up Wandler auch bei Nichtgebrauch im Leerlauf wertvollen
Akkustrom. Habe mal ein mies belichtetes Foto angehangen, wie gut vier (auch mehr) Akkus quer ins
Netzteilgehäuse passen würden und auch der andere Kram.

Ich hatte das Ganze mal im fliegenden Aufbau zusammengenagelt und es funktioniert so weit.
Übrigens hatte ich mich meinen über 20 Stunden Akkubetrieb gründlich vertan. Ich konnte bei 3.7V
einen Strom von ca. 1.8A bei Wiedergabe messen. Damit liessen sich mit 4x 3Ah-Zellen etwa 6 Stunden
erreichen. Erheblich mehr als mit dem originalen Akkueinschub.

Aber wie gesagt, ich werde es nicht nutzen wollen. Aber wenn mans macht, hat man dann ein
kombiniertes Netz-/Lade-/Akkuteil in einem Gehäuse.

Hier noch ein paar Links bzgl. Step-up und Lademodul:

https://www.ebay.de/itm/2-5-10Stks-MT360…s3xKo6hiciPDRvQ

10 Stück für 3.96 inkl. Versand, gibts auch von deutschen Anbietern, dafür reichlich teurer!

https://www.ebay.de/itm/TP4056-Lithium-L…twTsvcGt1IwXh7A

3 Stück für 3.17 inkl. Versand, gibs auch von chin. Anbietern, dafür reichlich billiger!

Hinweis: Bitte nicht blenden lassen von Li-Ion-Zellen meist chin. Anbieter. Die Lügen, was das Zeug hält. Hatte
kürzlich 18650er Zellen mit 12000mAh (!!!!) gesehen. Derzeit liegt m.W. das Maximum bei 3000mAh und meine
von LG erreichen diese Kapazität, selbst nachgemessen!

Na dann, ein schönes Restpfingsten wünsche ich,
Piefke

P.S. Es war leicht das Service-Manual für die TC-510-2 im Netz zu finden. Gerne hätte ich auch eine Bedienungsanleitung,
weil ich sowas gerne lese. Die einzige Quelle, die ich fand, wollte 25€ dafür, nee danke. Hast Du vielleicht einen Tipp?
Piefke has attached the following images:
  • Plan.JPG
  • Netzteil.JPG

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53

Monday, May 21st 2018, 10:36am

Moin!

Ja, das könnte so klappen, wie du es skizziert hast. Am Netz kann man das Gerät ja dank der Koaxbuchse und 12V-Netzteil weiterhin betreiben.

Step-up-Wandler habeich noch einige liegen, ein Lademodul müsste ich bestellen.

Die Problematik mt den tollen Kapazitäten von 18650er Akkus ist mir bekannt. Meine Bezugsquelle dafür ist Pollin. Da gibt es in letzter Zeit Dutzende von Typen und Kapazitäten. 6,95 € ist da der übliche Preis für 3-3,5 Ah.

Aber bei mir ist die ganze Sache nicht so vordringlich. Ich habe ja noch andere netzunabhängige Geräte, vom Telefunken M302 über diverse Uher Report und Grundig TK3200 bis hin zu Nagra 4.2 und E.... Bei dem Gewicht und den Abmessungen wäre die Sony ohnehin nicht die erste Wahl für portable Einsätze, etwa im Urlaub. Obwohl: die nagra 4.2 ist auch nicht leichter.

Schönen Feiertag noch! :thumbup:
Holgi

Ach so: eine Bedienungsanleitung habe ich auch nicht und habe auch noch nicht danach gesucht.

54

Saturday, June 9th 2018, 6:25pm

Ich habe gerade ein hübsches Filmchen mit dieser Maschine gefunden.
https://www.youtube.com/watch?v=mfUBOVhKlEo
Mag sein, dass er schonmal verlinkt wurde, ich habe den Thread nicht darauf untersucht.
niels
Ich halte die analoge Aufzeichnung einer qualitativ gut erzeugten digitalen Aufzeichnung für unterlegen.
Aber jene macht mir mehr Freude.

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55

Saturday, June 9th 2018, 9:47pm

Das kannte ich in der Tat noch nicht, danke für den Link, Niels! :thumbsup:

An einer Stelle irrt der gute Mann aber: man muss nicht mit einer Hand den Beleuchtungsknopf festhalten, damit die VU-Meter ständig beleuchtet sind. Wenn die 510er nämlich mit dem Netzteileinschub betrieben wird, wird über einen Kontakt im Batteriefach das Licht automatisch dauernd eingeschaltet.

Ansonsten sind mir die Ungereimtheiten im Film ebenso aufgefallen, wie ihm. Aber das ist wieder so ein Fall, wo das “normale“ Publikum natürlich keine Ahnung hat. Außer den 0,04%, die zufällig so einen tape recorder besitzen... :rolleyes:

Ich suche übrigens seit nunmehr 6 Jahren nach einem Batterie- oder Akkueinschub. Ich vermute, da wird mir eher der Sensenmann in die Quere kommen. :huh:

LG
Holgi

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56

Saturday, June 16th 2018, 6:23pm

TC 510-2 repariert

Hallo Holgi

Hatte das gleiche Problem mit dem abgebrochenen Kunststoffteil. Nach deiner Methode erfolgreich geflickt. Vielen Dank für alle deine Infos.

Umschalter gereinigt:



Mein Gerät war sehr staubig; die 4 Umschalter auf der Front links oben (Line/Mic, Source/Tape etc.) funktionierten nur noch sporadisch, oft gar nicht mehr.
Habe alle 4 Umschalter ausgelötet und zum Reinigen geöffnet.

4 Klammern des Metallgehäuses mit einem kleinen Schraubenzieher und Nylonhammer gerade gedrückt und Schalter zerlegt.

Vorsicht beim Öffnen (am besten in einer kleinen weissen Kartonschachtel): Ein Kunststoffzäpfchen wird von einer winzigen Druckfeder (leider nicht im Bild) herausgedrückt.

Der Schalter besteht aus 2 dreigeteilten Metallschienen auf der Grundplatte mit je 1 Lötstift. Auf beiden Schienen gleitet je ein 6-beiniger Reiter. Je nach Schalter-Stellung machen diese Kontakt mit dem mittleren Teil der Schiene und einem der beiden äusseren.

Der Schalterknebel schiebt beim Umschalten den oberen (schwarzen Kunststoffteil) hin und her. Die einer Vertiefung dieses Teils eingelegten Reiter werden auf den Schienen mitgeschoben. Der von der Druckfeder angedrückte Stöpsel verläuft auf der blauen Kunststoffbahn und erzeugt einen kleinen Druckpunkt beim Umschalten.

Die «Laufbahn» der Reiter war mit einer schwarzen Schmiere bedeckt (Foto). Mit Glasfaserpinsel gereinigt und die Reiterchen einige male über einen dünnen Kartonstreifen gezogen. Vor dem Zusammenbau mit Zahnstocher wenig Kontaktpaste auf die Laufbahn aufgetragen.

Der Zusammenbau ist Uhrmacher-Feinarbeit und nichts für schwache Nerven! Kopflupe anziehen, Telefon ausschalten und Atem anhalten. Ober- und Unterteil waagrecht ineinanderschieben, sonst springt entweder der Stöpsel und die Feder heraus, oder die Reiter fallen von den Schienen. Die Reiter müssen in der richtigen Position aufgesetzt werden, damit sie von selbst und ohne Druck in die Aussparung des Oberteils gleiten. Wenn die Reiter verbogen oder gar zerdrückt würden, dann gute Nacht :(

Die Schalter sind sehr billig gebaut und wacklig, passen nicht zu einem semiprofessionellen Gerät. Die Schalterknebel aus Kunststoff haben seitwärts viel Spiel. Die dünne Metall-Achse habe ich vorsichtig mit einem kleinen Nietendrücker und Nylonhammer leicht zusammengedrückt.
Die 4 Klammern des Metallgehäuses wieder zurückgebogen und die Schalter eingelötet. Alle Schalter funktionieren wieder :)

Leider kann ich den inneren und äusseren Aufnahmepegelregler nicht mehr genau in Linie aufstecken. Ich habe vergeblich versucht, einen Teil des Doppelpotis etwas zu drehen.

Übrigens bin ich glücklicher Besitzer des Batterie- und des Akku-Einschubs sowie der Original-Bedienungsanleitung en/fr/de, die ich gescannt und auf «hifiengine» geladen habe. Der Akku war natürlich noch NiCad und zwar gem. Etikette:
Sanyo Nickel Cadmium Battery Pack BP-55, Typ 8, N-1650C, 9,6V 1650 mAh. Zum Laden musste man das Netzgerät und den Akku in ein Ladegerät stecken, der Ladestrom wurde also vom Tonband-Netzgerät geliefert, natürlich ohne Abschaltung oder Erhaltungsladung. Deshalb steht als Hinweis: Nicht länger, als eine Woche (170 h) am Stück laden.

LG
Kosi

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Saturday, June 16th 2018, 7:20pm

Hallo Kosi,

vielen Dank für diese Anleitung!
Ich hoffe, ich werde sie nie in die Praxis umsetzen müssen.

Aber die Qualität dieser Schalter bestätigt nur meinen weiter oben geschriebenen Satz mit dem “außen hui...“ :S

Es ist eben doch nur eine Amateurmaschine. Aber eine nette! :thumbup:

LG
Holgi

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Saturday, June 16th 2018, 8:25pm

Hallo Kosi,

toller Einstand, willkommen im Club. :)

Schöne Grüße
Frank

59

Saturday, August 4th 2018, 12:10pm

Hallo Allerseits,
ich möchte hier auch mal meine bescheidene Meinung zu diesen Gerät kundtun. Ich bin kein Fachmann, habe aber so einige Erfahrungen und seit wenigen Tagen auch Besitzer eines solch seltenen Gerätes. Optisch ist das Teil schon ein Hinkucker, welches sehr solide aufgebaut ist. Elektronisch - ich habe noch nicht mal reingekuckt - funktioniert es (scheinbar) und dann hört meine tiefergreifende Kenntnis auch schon fast auf.
Mechanisch ist das allerdings (in meinen Augen) eine sehr fragwürdige "Mechnik". Diese arbeitet mit zig Hebeln, Federn und vorgegebenen Maßen / Kräften und wenn dieser Aufwand nicht perfekt ineinander greift, dann läuft die Kiste nicht richtig. Okay, okay, sicherlich werden einige Bandgeräte so ähnlich arbeiten, es gibt aber auch andere Beispiele. Das UHER REPORT, etc., ist ja mechanisch auch nicht ganz trivial, aber das Sony sprengt zur Zeit sogar meine Funktionsvorstellungskraft.

Die Bandhebel, die wiederum den Schlupf / Bremswirkung der Wickelteller regeln, werden über Federn eingestellt und wehe die arbeiten nicht in den Vorgabeparametern = dann haut nichts mehr hin. Auch beeinflusst der rechte Bandhebel, das Aufwickeln des Bandes. Die Rutschkupplung arbeitet aber nur in engsten Vorgabeparametern, sowie da z. Bsp. der Andruckfilz dünner geworden ist, können die Teller nicht mehr ordentlich gegeneinander gedrückt werden, da die mechanische Form / Vorgabe dieser Teller, diesen "Betriebszustand" nicht berücksichtigt. Es gibt da Edelbastler, die dann versuchen, mit irgendwelchen "Kratzern", auf diesen Tellern, der Ruschkupplung - griffiger zu gestalten. Sicherlich für ein paar Minuten mag das gehen, aber die Teller sollen glatt sein (Vorgabe), auch damit sich der Bremsfilz auch nicht so schnell abnutzen kann. Der Anpressdruck ist durch eine definierte Feder vorgegeben und der "Weg" kann über eine definierte Feder eingestellt werden. Und die "3 Teller" der Rutschkupplung laufen aber beim Rückspulen sogar gegeneinander, das heißt, sie müssen 100% getrennt sein, sonst wird es nichts mit Rückwärtsspulen. Usw., usw..

Und die mechanischen Wege, um die jeweiligen Betriebszustände zu generieren, sind teilweise sehr gering und abhängig von den eiwandfreien Stellungen, der Bandhebel, die wiederum durch den Bandzug und deren mechanische Vorspannung (Federn) gesteuert werden. Das mag bei neuen Geräten einwandfrei und zuverlässig gearbeitet haben, aber nach 40 Jahren und entsprechenden Betriebsstunden, ist das ein ganz anderes Unterfangen.
Die vielen verschiedenen Federn, verlieren sicherlich im Laufe der Jahrzehnte ihre Spannkraft, daher sollte man diese eigentlich alle ersetzen. Das wäre einfacher, als das alles penibel nach dem SM einzustellen. Allerdings eine Federwaage, noch dazu eine die genau, in den verlangten Parametern arbeitet, hat kaum jemand - behaupte ich. Und einen originalen Federsatz hat auch niemand, daher wird das ein schwieriges Unterfangen. Und SM - da kann auch nicht jeder alles sofort begreifen.

Und dann gibt es noch ein Schmankerl, durch mehrmaligen Eingriff in diese Mechanik, erweitern sich die Ösen der Federn und schon entsprechen ihre Parameter wiederum nicht den Vorgaben. Oder eine Feder geht verloren und wurde ersetzt, durch ebenfalls ein Exemplar, wie es der Hersteller eben nicht vorgegeben hat. Und dann bekomme mal so eine Maschine auf den Tisch und wurstel Dich da mal durch.

Ich weiß noch nicht ob ich das schaffe, diese Maschine wieder dazu zu bringen, das sie weitere Jahre gut funktioniert - aber eins weiß ich genau, nicht noch einmal! Ich kann die Gegebenheiten und Zustände auch nicht so fachmännisch beschreiben / erklären, daher bitte nicht jede meiner Aussagen auseinandernehmen. Man muss es sehen, begreifen, dann ...! Eine Uher dagegen ist mechanisch Pillepalle!
MfG Frank

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Saturday, August 4th 2018, 6:14pm

konnteste Dich nicht beherrschen 8) :thumbsup: :thumbsup:

ist doch ein schnuckeliges Teil :thumbup:
Gruß Ulf