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Mittwoch, 7. September 2011, 01:16

Es gibt mal wieder Gelegenheit, einen Röhrenkoffer aus französischer Produktion vorzustellen, und zwar ein Seravox Evolution aus dem Jahr 1961.

Von der einstmals in Paris ansässigen Firma SERAM gab es neben den Seravox-Tonbandgeräten auch Seradict-Diktiergeräte. Ein großer Hersteller war es offenbar nicht, denn beides, Seravox und Seradict, findet man selbst in Frankreich heute nicht allzu oft.
Über das Schicksal der Firma konnte ich bisher nichts in Erfahrung bringen.

An anderer Stelle im Forum ist ein älteres Seravox-Modell aus den fünfziger Jahren zu sehen: http://forum2.magnetofon.de/f2/showtopic.php?threadid=5969.
Und genau wie dieses ältere Modell ist auch das Seravox Evolution ein eher simples Gerät mit sehr einfach gestrickter, aber zuverlässiger Mechanik, jedoch sorgfältig aufgebaut und verpackt in einem schönen Holzkoffer. Überhaupt scheint man im Hause SERAM eine gewisse Meisterschaft in der Vereinfachung aller Dinge entwickelt zu haben.





Einige technische Daten:
Ein-Motoren-Laufwerk.
Zwei Bandgeschwindigkeiten 9,5 und 4,75 cm/s.
Maximaler Spulendurchmesser 13 cm.
Zwei Köpfe für Halbspur-Mono-Betrieb.
Dreistufiger Röhrenverstärker mit EF86, EF86, EL84.
Aussteuerungsanzeige mit Röhre DM70.
Abmessungen B x H x T in cm: 39 x 21 x 34.
Gewicht ca. 8,5 kg.

Ein recht großer Koffer also, aber dennoch ein Leichtgewicht aufgrund der einfachen Bauweise. Verglichen mit den Produkten mancher teutonischer Geräteschmiede ist das Holz des Koffers recht dünn und auch Metall wurde eher sparsam verwendet.

Schauen wir uns das mal etwas näher an.



Zwischen den beiden Spulen gibt es einen kleinen weißen Knopf, mit dem man die Geschwindigkeit wählt. Knopf herausgezogen gibt 9,5 cm/s, hineingedrückt gibt 4,75 cm/s. Dabei wird ein Reibrad auf unterschiedliche Stufen der Motorachse gesetzt, welches dann die Drehung direkt auf die Schwungmasse der Tonwelle überträgt. Gleichzeitig wird ein Kontakt betätigt, mit dem der Frequenzgang des Verstärkers an die Geschwindigkeit angepaßt wird. Das ist bei den Geräten der kleineren französischen Hersteller durchaus keine Selbstverständlichkeit. Bei dem erwähnten älteren Seravox-Modell wird die Geschwindigkeit mit einer Aufsteckhülse auf der Tonwelle verändert, ohne den Verstärker anzupassen. Und selbst das Magnétic France Fidélité (ebenfalls hier im Forum beschrieben http://forum2.magnetofon.de/f2/showtopic.php?threadid=5343 ), das von seinen Schöpfern immerhin als „semi-professionell“ angepriesen wurde, beschränkt sich auf die Umschaltung per Aufsteckhülse und läßt den Verstärker, wie er ist.

Die Abdeckplatte besitzt seitlich zwei Löcher. Das eine dient dem Anschluß eines externen Lautsprechers per Klinkenstecker, wobei der interne Lautsprecher abgeschaltet wird. Das andere stellt den Mikrophonanschluß dar. Auch auf der linken Seite gibt es zwei solcher Löcher für den Anschluß eines Plattenspielers mittels zweier Bananenstecker.

Oberhalb des Laufwerks verfügt der Koffer über ein nach oben offenes Kabelfach, das von den elektrischen Teilen des Laufwerks durch einen gelochten Karton getrennt ist, wie man ihn von den Rückwänden alter Radios kennt. Der Karton wird einfach von oben in zwei entsprechende Schlitze links und rechts im Koffer eingeschoben und kann nur nach Ausbau des Laufwerks entfernt werden. Auf diesem Karton findet man das Typenschild, einen einfachen Aufkleber mit der aufgestempelten Typenbezeichnung und der von Hand eingetragenen Seriennummer. Extrem simpel und doch ein Fortschritt im Vergleich zu dem von Hand bekritzelten Stück Leukoplast im älteren Modell.



Vier Tasten dienen der Wahl der Funktionsart, und zwar von links nach rechts Stop – Wiedergabe – Aufnahme Platte – Aufnahme Mikro. Der kleine weiße Hebel rechts von den Tasten löst die Aufnahmesperre, der kleine Hebel links tut dies ebenfalls, rastet jedoch ein, wenn man ihn nach vorne kippt und betätigt dabei einen Kontakt, über den der Löschkopf abgeschaltet wird. Es gibt also sogar eine Trickfunktion.



Vor den Tasten sitzt die kleine Anzeigeröhre DM70. In den Stellungen Stop und Wiedergabe ist das Ausrufezeichen stets voll sichtbar. Da sie als direkt geheizte Röhre nach dem Einschalten praktisch sofort betriebsbereit ist, dient sie gleichzeitig als Betriebsanzeige. In Stellung Aufnahme ist sie zunächst völlig dunkel und leuchtet umso stärker auf, je weiter man die Aussteuerungsregler aufdreht. Dabei werden zuerst der Punkt und ein kleiner Teil des Strichs sichtbar. Mit zunehmender Amplitude wird der Strich länger. Berührt er den Punkt, ist das Limit erreicht.



Der Regler rechts von den Tasten dient im Wiedergabebetrieb als Lautstärkeregler, im Aufnahmebetrieb der Aussteuerung des Mikrophonsignals, dessen Eingang sich ja rechts daneben an der Seite der Abdeckplatte befindet. Oberhalb dieses Drehknopfes gibt es einen Schieberegler für den schnellen Vor- und Rücklauf.



Der Drehknopf links von den Tasten dient im Wiedergabebetrieb als Klangregler, im Aufnahmebetrieb erlaubt er die Aussteuerung des Plattenspielersignals, dessen Eingang sich links daneben an der Außenseite befindet. Der Drehknopf ist mit dem Netzschalter kombiniert. Oberhalb des Reglers befindet sich das Zählwerk in Gestalt einer von 0 bis 100 geteilten Scheibe. Links am Rand ragt sie zum Zweck der Nullstellung etwas aus der Abdeckplatte heraus.

Ein Blick auf das ausgebaute Chassis von oben...



...zeigt den Antrieb der beiden Wickelteller. Ein langer Riemen, in Form einer Acht um die Motorachse gelegt, treibt sie beide gegensinnig an. Der Riemen hat sich im Lauf der Zeit stark ausgedehnt. Für Wiedergabebetrieb reicht es noch. Schneller Vor- und Rücklauf sind kaum noch möglich. Dafür muß Ersatz her. Leider besitzt das Gerät keine Bremsen. Nach dem Einschalten beginnen die Wickelteller sofort, sich zu drehen. Man fädelt das Band besser schon vorher ein.

Ein Blick von unten aufs Chassis:



Da ist wahrlich nicht viel drin. Grundlage des Ganzen sind zwei an den Rändern zur Versteifung abgekantete Bleche, die im rechten Winkel aufeinandergeschweißt wurden. Zur weiteren Versteifung sind sie zusätzlich über den Motor verbunden. Man sieht zwischen den beiden Elkos eine nach unten führende Stütze. Hinter den Röhren erkennt man die Schwungmasse. Das Reibrad ist hinter dem Motor versteckt.

Bei der folgenden Aufnahme habe ich’s mit dem Zoom wohl etwas übertrieben, die Kamera konnte das Bild nicht mehr scharf stellen. Ich hoffe, man erkennt trotzdem, wie die Zählwerkscheibe angetrieben wird.



Vom linken Wickelteller wird die Drehung über einen kleinen Riemen auf eine Welle übertragen, die per Schneckengetriebe die Achse der Zählwerkscheibe antreibt.

Schließlich noch ein Bild des Chassis von vorn, also von der Lautsprecherseite aus gesehen:



A propos Lautsprecher: Da hat man mal nicht gekleckert sondern...



... ein ordentliches Teil mit 17 cm Durchmesser spendiert.



Er stammt von der altehrwürdigen französischen Firma Audax. Über diesen Typ T 17 PRA 12 findet man im Internet sogar noch ein paar Daten:
http://www.pascalchour.fr/ressources/audax/audax984.htm

Nach diesem Rundgang rund um das Chassis nochmal zurück zur Oberseite, diesmal ohne Riemen und Zählwerkscheibe.



Bei Aufnahme und Wiedergabe wird der nötige Bandzug dadurch erzielt, daß das Band links von den Köpfen gegen ein Stück Filz gedrückt wird.
Vor dem Kombikopf ist ein merkwürdiges Etwas zu sehen, ein Metallplättchen, das nicht ganz senkrecht zum Band steht und das mit Wachs übergossen ist. Auf dem folgenden Bild sieht man es nochmal:



Dieses Teil ist fix montiert und von einer Spule umgeben. Im Aufnahmebetrieb fließt durch diese Spule ebenfalls Hf-Strom, und zwar auch dann, wenn der Löschkopf abgeschaltet ist. So etwas habe ich bei noch keinem anderen Gerät gesehen. Keine Ahnung, was man mit einem Wechselfeld erreichen will, das in einigem Abstand vom Band auf dessen Rückseite erzeugt wird. Der Aufnahmekopf wird jedenfalls auch von Hf-Strom durchflossen.

Da wir gerade bei den Köpfen sind: auf beiden steht zu lesen „Tête magnétique PMF“. Ich nehme an, daß PMF der Hersteller ist. Köpfe mit solchen Aufklebern sind auch im älteren Seravox-Modell und im Diktiergerät GBG 156 zu finden (ebenfalls hier im Forum beschrieben http://forum2.magnetofon.de/f2/showtopic.php?threadid=5368 ), allerdings in einer älteren Bauform.

Auf diesem Löschkopf hier lese ich „Type TM 312 EF“, wobei das EF wohl für „effacement“ steht. Jedenfalls trägt auch der Löschkopf des GBG 156 diesen Zusatz EF (genaue Typenbezeichnung: TB 302 EF). Das ältere Seravox-Gerät hat nur einen Dauermagneten als Löschkopf. Der A/W-Kopf hier trägt die Typenbezeichnung TM 286, während der im älteren Seravox-Modell ein TB 286 ist, jeweils ohne diesen Zusatz EF. Die Aufschrift des Kopfes im Diktiergerät ist nicht leserlich.

Das ist im Augenblick alles, was ich zum „Evolution“ sagen kann. Irgendwelche Unterlagen besitze ich nicht. Sollte sich das ändern, trage ich neue Informationen natürlich nach.

Fazit: Ein recht einfach aufgebautes Gerät, das aber dank seines großen Lautsprechers einen recht ordentlichen Klang bietet. Auch im Baßbereich kommt noch ordentlich was raus, der große Koffer stellt offenbar ein ausreichendes Resonanzvolumen dar. Da kann man schon mal ein komplettes Musikband durchlaufen lassen, ohne gleich einen externen Verstärker zu vermissen.

Gruß
TSF

2

Mittwoch, 7. September 2011, 04:01

Hallo,

wieder einmal eine sehr schöne Gerätevorstellung! :respekt: Diese Spule in der Nähe des Kombikopfs ist eigentlich allen Eigentümern eines RFT Smaragd bekannt. Sie dient dazu, um etwaige Brummeinstreuungen durch den Motor o.ä. zu verringern (gegenphasig angeschlossen). Durch Verbiegen dieser Spule (beim Smaragd sind es zwei Spulen) wird ein Brummminimum eingestellt (schreibt man "Brummminimum" wirklich mit drei "m"? :D ). Hier ein Bild davon.



Gruß Jens

3

Mittwoch, 7. September 2011, 05:46

Ein wunderschoener Koffer, aber ich bin mal ehrlich, ich wuerd da ein anderes geraet reinhaengen, was schnuckliges von Grundig oder Uher . Der Lautsprecher darf aber bleiben :-) Mir sacht die ganze Mechanik nicht zu.
Ich putze hier nur...

4

Mittwoch, 7. September 2011, 06:14

Wat bist Du aber wählerisch. ;) Mich wundert nur etwas, dass die Umschlingungslänge des Bandtellerantriebs an der von unten kommenden Achse für einen problemlosen Antrieb beim Umspulen reichen soll.

Gruß Jens

5

Mittwoch, 7. September 2011, 08:01

Zitat

esla postete
Hallo,
...(schreibt man "Brummminimum" wirklich mit drei "m"? :D ). ...
Neuerdings ja, ebenso wie in Schifffahrt mit drei "f".
Frank


Wer aus dem Rahmen fällt, muß vorher nicht unbedingt im Bilde gewesen sein.

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6

Mittwoch, 7. September 2011, 10:46

Nicht schlecht, um die Dropouts durch Bandabrieb gering zu halten, hat man hier einen Reinigungsfilz gleich fest eingebaut.
Die frühe Crossfield- Technik ist ebenfalls beachtenswert.
Der sparsame Riementrieb, fast ohne Umschlingungswinkel an der Antriebwelle, macht keinen dauerhaft zuverlässigen Eindruck oder waren früher zwei Riemen dort beteiligt?

Gruß

Bernd

7

Mittwoch, 7. September 2011, 14:30

Danke für Eure Tips zu dieser Hf-Spule. Das Entbrummen wäre eine Erklärung. Bei der Crossfieldtechnik dachte ich bisher, der zweite Kopf, der die Hf von der Rückseite her liefert, muß dazu ganz dicht am Band anliegen.

Betreffend Riemenantrieb: nein, es ist nur ein Riemen vorhanden. Man sieht auf dem Bild, das die Chassisoberseite ohne Riemen zeigt, daß die Motorachse zwei Nute für die Riemenführung hat. Hier nochmal etwas größer.



Auf dem Hinweg zum linken Wickelteller läuft der Riemen in der unteren, auf dem Rückweg in der oberen Nut. So vermeidet man ein Berühren und Reiben am Kreuzungspunkt.

Was auf den Bildern leider nicht erkennbar ist, ist die Tatsache, daß die Oberfläche dieser Nute nicht glatt, sondern geriffelt ist. Wenn der Riemen nur stramm genug anliegt, rutscht er hier nicht durch. Besitzer älterer Tandberg-Modelle kennen dieses Antriebsprinzip. Dort ist es in vielen einmotorigen Modellen der fünfziger und sechziger Jahre verwendet worden.

Zum Thema Umspulen: Wie auf den Bildern oben zu erkennen, bestehen die Wickelteller aus zwei Teilen, nämlich der unteren Riemenscheibe und dem aufliegenden hellen Plastikteil mit dem Dreizack. Auf diesem hellen Teil ist unten ein Filzring aufgeklebt, der die Rutschkupplung darstellt. Bei Wiedergabe und Aufnahme genügt das Gewicht der aufliegenden Spule, um für die nötige Reibung zu sorgen. Für das Umspulen wird das obere Plastikteil einfach fest auf die Riemenscheibe gedrückt. Wie oben zu sehen, betätigt der Schieberegler für schnellen Vor- und Rücklauf eine Wippe, die in der Mitte zwischen den beiden Wickeltellern gelagert ist und die unter beide Wickelteller führt.
An dieser Wippe ist unter beiden Wickeltellern ein Dorn angebracht, der durch eine Öffnung in der Metallplatte ragt und auf der Rückseite eine Metallzunge nach unten drückt, die die Achse des Dreizack-Plastikteils mitzieht, so daß es fest auf die schnell drehende Riemenscheibe gepreßt wird. Das folgende Bild zeigt das Ganze in Stellung Wiedergab/Aufnahme.





Das schafft mein Riemen nicht mehr, da rutscht er durch. Wenn ich ihn etwas nach innen drücke, um ihn zu spannen, geht es besser. Das sollte also schon zuverlässig funktionieren. Bei max. 13-cm-Spulen sind ja keine so großen Kräfte nötig. Und für einen Umspul-Geschwindigkeitsrekord scheint das Gerät eh nicht konzipiert zu sein. ;)

Gruß
TSF

8

Mittwoch, 7. September 2011, 17:16

Eine schicke Kiste, aber die Mechanik...erstaunlich einfach gestrickt.
In Frankreich sollen sie damals viel Mittel- und Langwelle gehört haben, für solche Aufnahmen war das Seravox sicher total ausreichend und dank des großen Lautsprechers bestimmt gut für ein Party-Tanzvergnügen.

Gute Vorstellung, vielen Dank!

Peter S.

9

Mittwoch, 7. September 2011, 19:11

Zitat

PSMS postete
In Frankreich sollen sie damals viel Mittel- und Langwelle gehört haben...
Ja, das stimmt. Das ergab sich zwangsläufig aus der Tatsache, dass man den UKW-Rundfunk jenseits des Rheins anfangs arg stiefmütterlich behandelte.

Regelmässige Sendungen gab es ab 1954. 1958 wollte man den UKW-Rundfunk wieder einstellen, was heftige Hörerproteste aber verhinderten.

1961, zu Zeiten dieses Seravox, gab es im Land erst 16 UKW-Sender.

Auf Parties behalf man sich gerne mit Schallplatten. In vielen Haushalten hatte man einen Plattenspieler der Firma Teppaz aus Lyon. Teppaz wurde in Frankreich geradezu zu einem Synonym für Plattenspielerkoffer, so wie in Deutschland Tesa für Klebeband. Man konnte also hoffen, mit seinem Seravox bei den Bekannten ein paar Platten überspielen zu dürfen.

Diese Teppaz-Köfferchen waren übrigens auch oft sehr schön gestaltet. Einen davon habe ich zu Hause stehen. Mal sehen, vielleicht mach' ich demnächst mal ein paar Bilder davon, um zu zeigen, womit die Franzosen einst ihre heissen Johnny-Halliday-Scheiben abgespielt haben. :)

Gruss
TSF

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10

Mittwoch, 7. September 2011, 20:49

Pfeiffer würde sagen: Brummminimum schreibt man mit 5 m :)
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11

Mittwoch, 7. September 2011, 22:10

Zitat

TSF postete
Maximaler Spulendurchmesser 13 cm.
(...)
A propos Lautsprecher: Da hat man mal nicht gekleckert sondern...
... ein ordentliches Teil mit 17 cm Durchmesser spendiert.
Ob es wohl noch ein zweites Tonbandgerät gibt, bei dem der Lautsprecher einen größeren Durchmesser hat als die Spulen? ;-)

12

Mittwoch, 7. September 2011, 22:40

Da gab es doch so komische Philipsdinger, z.B. EL3586, mit einer maximalen Spulengröße von 10 cm.
Die Chancen das der LS dort größer als die Spulen war halte ich für hoch :)

Gruß Ulrich

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13

Donnerstag, 8. September 2011, 01:14

Moin, moin,

vielen Dank für die Vorstellung dieser exotischen Maschine.
Da scheinen mir so einige eher ungewöhnliche Detaillösungen drin zu stecken, die belegen, dass man in Paris eben mal nicht einfach nur nachgebaut hat, was andere im Programm hatten, nicht einfach nur zugekauft und eingebaut hat, was OEMs im Angebot gehabt hatten. Toll!

Tschüß, Matthias
Stapelbüttel von einem ganzen Haufen Quatsch

14

Donnerstag, 8. September 2011, 13:26

@ timo und uk64 :

Stimmt. Diese Philips-Gerätchen sind heiße Anwärter auf den Eintritt in diesen Club. Im Forum sind einige Versionen davon zu sehen. Wenn ich mal wieder dran komme, schraube ich meins mal auf, um den Lautsprecher nachzumessen.
http://forum2.magnetofon.de/f2/showtopic.php?threadid=6418

Generell könnte man bei Geräten für Spulen bis 7 oder 8 cm fündig werden. Von Geloso gab es einige solcher Winzlinge. Die haben zwar Ovallautsprecher, aber dennoch könnten die die Spulen überragen.


@Matthias M

Da sprichst Du eine interessante Frage an, die mich auch schon einige Zeit beschäftigt, nämlich die nach dem Urheber dieses Gerätes hier und noch einiger anderer, die unter der Marke Telectronic verkauft wurden.

Bei SERAM gehe ich bisher davon aus, daß die ihre Geräte selbst gebaut haben, wenngleich mir in letzter Zeit ein paar Zweifel kamen.

Dieses oben gezeigte Seravox-Laufwerk habe ich inzwischen auch in einem anderen Koffer erspäht. Auf dem stand allerdings nicht Seravox drauf, sondern Telectronic.

Diese Firma hatte ihren Sitz ebenfalls in Paris. Tonbandkoffer der Marke Telectronic aus den 50ern und 60ern findet man in Frankreich häufiger, jedenfalls häufiger als die Seravox-Geräte. Telectronic hat jedoch offenbar nicht alles selbst hergestellt, was Telectronic heißt. Ich bekam bisher mindestens ein Gerät zu sehen, das baugleich mit einem Geloso-Modell war, auf dem aber eben Telectronic stand.

So könnte Telectronic auch von SERAM Laufwerke übernommen, sie in eigene Koffer gesteckt und unter eigenem Namen verkauft haben.

Was mich etwas zweifeln läßt, ist folgendes: Die Mechanik dieses „Evolution“ unterscheidet sich deutlich von der des älteren Seravox-Modells aus den 50ern, das ich oben erwähnte. Da hat wirklich eine Evolution stattgefunden. Sowas soll’s ja geben. Eine Notwendigkeit dafür ist nicht ersichtlich. Die alte Mechanik war zwar ebenfalls sehr einfach gestrickt, hatte aber keine Schwächen, funktioniert eher besser als die neue.

Allerdings ähnelt die neue Mechanik auffallend jener, die in Telectronic-Geräten seit den fünfziger Jahren verbaut ist. Das Prinzip des in Form einer Acht umlaufenden Riemens und das Aufpressen des Wickeltellers auf die darunter rotierende Riemenscheibe zum Zweck des Umspulens gab es über etliche Jahre hinweg bei verschiedenen Telectronic-Modellen, und zwar schon vor den Zeiten des „Evolution“.

Wer hat also 1961 für wen produziert, wer hat bei wem abgeguckt und ging die Kooperation über den Zukauf kompletter Laufwerke hinaus?

Keine Ahnung.

Gruß
TSF

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15

Donnerstag, 8. September 2011, 23:15

http://www.radiomuseum.org/collection/christian_berthier~2.html

Dort gibt es einen französischen Sammler. Sehe aber nicht, wie man mit ihm in Kontakt treten kann.
Grau ist alle Theorie und grün des Lebens goldner Baum

16

Montag, 20. März 2017, 19:56

In Beitrag #14 hatte ich schon erwähnt, daß dieses Laufwerk auch in Geräten zu finden war, die unter dem Namen der Pariser Firma Telectronic vertrieben wurden.

Jetzt konnte ich so ein Gerät ergattern, leider in schlechtem Zustand und nur noch als Teileträger interessant. Dieses Telectronic scheint etwas jünger zu sein als das Seravox. Einige Bauteile tragen Datumsangaben von 1963.

Der Koffer ist anders gestaltet, aber das Laufwerk sieht auf den ersten Blick identisch aus.



Unter der Abdeckplatte kommt die vom Seravox bekannte Mechanik zum Vorschein. Der Riemen ist zwar zerbröselt, aber man erkennt wohl, daß er auch hier in Form einer Acht um den zentralen Motor und die beiden Bandteller lief, ein Antriebskonzept, das schon aus älteren Telectronic-Modellen bekannt ist. Auch die mit weißer Farbe aufs Chassis aufgestempelte Seriennummer kennt man aus älteren Telectronic-Modellen.



Bisher war ich davon ausgegangen, daß es sich bei Seravox- und Telectronic-Modellen um identische Geräte in lediglich unterschiedlichen Koffern handelt. Das war ein Irrtum.
Im elektrischen Teil gibt es nämlich Unterschiede. Hier stecken andere Köpfe drin, der Kombikopf stammt von Woelke, beim Löschkopf bin ich mir nicht sicher.



Diese rätselhafte Spule vor dem Kombikopf des Seravox fehlt hier. Auch die Trickfunktion gibt es hier nicht. Hat diese Spule etwas mit der Trickfunktion zu tun? Es fehlt auch die Umschaltung des Frequenzgangs des Verstärkers bei Umschaltung der Bandgeschwindigkeit.



Die Mechanik hat man zwar beibehalten, allerdings kommt ein anderer Motor zum Einsatz.



Auch in der Elektronik gibt es Unterschiede. Der Verstärker ist ebenfalls dreistufig, hier aber mit EF94 und ECL82. Die Verwendung der EF94 ist wieder typisch für Telectronic, sie kam schon in mehreren Modellen der fünfziger Jahre zum Einsatz.

Nach dem Blick in dieses Gerät neige ich jetzt zu der Annahme, daß das Laufwerk ursprünglich von Telectronic stammt und daß man bei SERAM darauf ein eigenständiges Modell gebaut hat.

Gruß
TSF