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31

Sunday, March 26th 2006, 11:27pm

Laut Schaltbild in dem, schon weiter vorn erwähnten, Buch ist die Bezeichnung des Motors MSM 130-30. Um nun festzustellen, welcher Motor in meiner Maschine steckt. müßte ich sie nochmal aus dem Koffer ausbauen. Vor der Form her ist es aber ein "BG19"-Motor.

W.Klein

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32

Thursday, May 11th 2006, 10:20pm

Hallo Freunde,

ich habe verschiedene Leute besucht die noch in Radebeul bei der Fa. Brause gearbeitet haben und bei Conrac-Elektron bis zur Rente dabei waren.
Herr Kurt Berger (Jahrgang 1926) war bei Mende (später Nordmende) in Dresden beschäftigt. Wurde von der Stasi 1951 verhaftet und ging 3 Jahre in russische Haft.
Zurück in Dresden wollte Ihn kein staatlicher Betrieb mehr einstellen.
Brause als Unternehmer durfte 10 Mitarbeiter und 10 Lehrlinge haben (hatte er auch). Mit einem Mann mehr wurden Unternehmen verstaatlicht.
Herr Berger arbeitete bei Brause wurde aber offizell bei einer anderen Firma untergebracht.

Herr Berger baute von 1954 bis 1956 in Radebeul die Verstärkerkoffer zum Band-Laufwerk LBD4 zusammen.
Bei meinem Besuch hat er mir gleich ein Bild von diesem Verstärkerkoffer gezeigt.
Ich glaube er hat auch noch ein Schaltbild oder kann es noch zeichnen.

Brause hatte sich 1946 von Zeiss Ikon getrennt. Er war Fernseh- und Rundfunkmeister und hatte noch den Ing. gemacht.
Im Alter von 26 hatte Brause sich selbständig gemacht. Mit Ihm ging der Elektroniking. Wosch und der Feinmechanikermeister Noack von Zeiss-Icon.
Es wurden Tonstudios für den Rundfunk in Berlin geliefert.
Die dt. Reichsbahn wurde mit Zugfunkanlagen beliefert.
Rundfunkempfänger wurden vor 1952 hergestellt.
Ob Kontakte zu Mende/Dresden vorhanden waren ist nicht bekannt.
Es gabe viele Kleinbetriebe in/um Dresden als Zulieferer.

Man baute von 1946 bis 1956 das LBA, LBB, LBC, LBD1 bis LBD6.
Vom LBD4 mit Verstärkerkoffer (1954-1956) wurden 160 Einheiten gebaut.
Die Einheiten wurden in die Volksrepublik (Rot) China exportiert.

Meinen Recherchen ergaben, dass Herr Brause im Prinzip ein hochbegabter
Erfinder war. So war z.B. Manfred von Ardenne ein Kunde von Ihm, den Brause
Gerätschaften für seine Forschungen produzierte.

Seine Geräte für den Semi- und Profibereich hatten von Anfang an 3 Motore.
Im www konnte ich lesen, dass AEG am Anfang Probleme mit dem Bandlauf hatte. Diese Probleme wurden von einem Berliner Schwesterwerk von AEG die Kinoprojektoren herstellten gelöst.
Da Zeiss Ikon auch im Kinoprojektorenbereich tätig war, muß angenommen werden dass auch kowhow über diese Antriebstechnik bei Zeiss-Ikon bzw. Brause vorhanden war.

Vermutlich war Brause nicht im Krieg, sondern im Rüstungsbereich während des Kriegs unabkömmlich (???).

In Weikersheim hatte er zum Beispiel einen Rauchkanal (für Flugzeugsimulation) und ein elektronischen Flugnavigationssstem mit Höhenmesser, Kreiselkompass und künstlichen Horizont für die Schulung von Bundewehrpiloten entwickelt.
Die System wurde aber nicht verkauft.
Zeiss-Ikon hatte Kontakte zu Anschütz (Erfinder des Kreiselkompass) in Kiel.

Zum Neckermann Tonbandegrät 1958 wurde das Quellegerät 1959 mit Drehschalter statt Drucktastensteuerung produziert. In die Neckermann Musiktruhen wurden in Weikersheim zu den Elektron-Bandgeräten auch Körting (frühr Leipzig) Rundfunk-Fernsehgeräte eingebaut.

Bei der Fernsehentwicklung in Deutschland war soviel ich weiss, AEG, Bosch, Loewe und Zeiss-Ikon beteiligt. Ich denke auch hier ist Brause an das notwendige knowhow gekommen.

Viele Zeiss-Ikon Leute waren nach dem Krieg bei Zeiss Oberkochen gelandet. Dort hatte Brause auch die ersten Lohnaufträge erhalten. Der Vorsitzende der Zeiss-Stiftung ist der Ministerpräsident von Badem-Württemberg.
Stuttgart bot H.Brause als Niederlassungsort Fellbach an.
Dies war für H.Brause ungeeignet (zu teuer?) und er entschied sich für das strukturarme Nordwürttemberg.

Im Februar 1956 hatte man noch auf der Leipziger Messe ausgestellt
und sich willig gegenüber dem Arbeiter- und Bauernstaat gezeigt (ein dickes Ablenkungsmanöver!).
Manfred von Ardenne hat das Monitor-Kamerasystem sofort noch auf der Messe für Forschungszwecke gekauft und einen Monat später war die Fa. Brause im Westen.

Herr Brause war ein hochgeachteter Mann, dem 12 seiner Mitarbeiter und 11 weitere Mitarbeiter von 4 Zulieferbetrieben (2-3 Mann Betrieben) samt deren Familien in den Westen folgten. Diese wurden alle in die Fa. Elektron integriert.

Ich denke ich werde auch noch Herrn Brause (86) in Würzburg besuchen.
Da ich nicht der super Tonbandspezialist bin, würde ich mich sehr freuen wenn mir Mitglieder dieser Gemeinde einen entsprechenden Fragenkatalog mailen könnten.

Soweit für heute. Ich könnte noch einige Seiten über das Thema Ing. Herbert Brause schreiben, möchte aber das Thema nicht überstrapazieren.


Wolfgang Klein


Zeitungsbericht Februar 1956:


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33

Thursday, May 11th 2006, 10:38pm

Habe neunich bei "1-2-3, meins" dieses Conrac-Gerät erstanden:

http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=7610079854&rd=1&sspagename=STRK%3AMEAFB%3AIT&rd=1

Da waren auch noch einige Unterlagen dabei. Denke mal, das der guter Herr Brause mit diesem Ding wohl nichts mehr zu tun hatte.

Was mir noch etwas kurios erscheint: Das Logo, welches auf dem Rückendeckel der Begleitpapiere ist, hat irgendwie etwas Ähnlichkeit mit dem Symbol für den Internet-Explorer.

Der Schaltplan für den Verstärkerkoffer ist auch in dem, hier schon genannten Buch enthalten. Wenn ich mich recht erinnere, enthält dieser eine Menge Röhren des Typ EF12.

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34

Friday, May 12th 2006, 11:50am

Nun dann will auch ich nochwas beisteuern.

Bei der im Posting 015 gezeigten BRAUSE kann ich die Wickelmotore als solche aus dem Elektromotorenwerk Grünhain/Sachsen erkennen. Vermutlich handelt es sich um den Typ MTM 731, ein 10 Watt Synchronmotor mit 1500 Upm und 6,0mm Wellendurchmesser. Der Capstanmotor ist ein aus dem Elektromotorenwerk Hartha stammender MSM130/30 dessen 10mm Welle oberseits mit einem Einsatzstück versehen ist. Dieses ist am aktiven Teil auf 5mm geschliffen und dreht mit 750 Upm. Die Motorleistung beträgt 6 Watt.

Das äußerlich fast identische Pendant, der Motor WKM130-30 wurde im Elektrogerätebau Leisnig gefertigt und war elektrisch nahezu identisch. Äußerlich unterscheiden sich diese beiden Motore am unterschiedlichen Schmierrohr. Bei den Harthaern ist es ein Messingrohr mit oberer Flachkopfschraube verschlossen, die Leisniger sind mit einem dünnen Aluröhrchen, das mit einer Madenschraube dicht gemacht wird ausgerüstet.

Das obere Lagerschild der Harthaer Tonmotoren ist, im Gegensatz zu den baugleichen Leisnigern, stets spanend bearbeitet.

Wenn Motore dieser Bauart als Capstanmotor Verwendet wurden, dann (fast!) immer nur Harthaer! Die baugleichen Leisniger wurden dagegen als Wickelmotor benutzt. Offenbar war die Güte der Harthaer höher.

Zu Zeiten von Brauses Maschine hatten die Harthaer Motore aber längst keine Schnellbremseinrichtung mehr.

@ Gerald
Wenn im SB MSM130-30 angegeben ist, so ist das nicht korrekt. Die Schreibweise mit Bindestrich gab es nur bei den Leisniger Motoren, also den WKM-Typen.

Bilder zu den verschiedenen Motoren nur wenn es gewünscht wird.

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35

Friday, May 12th 2006, 12:59pm

Lieber Wolfgang,

zum von dir oben angeschnittenen Sachverhalt ("Fragen an Brause") ging dir ein persönliches Mail zu. Ich würde mich freuen, wenn du in der Sache etwas deichseln könntest.

Ich beteilige mich nicht ungerne, zumal auch mein DAP1-DAT mit zwei Schoepsen mal wieder das laufen lernen sollte. Dafür setze ich mich auch gerne in den Zug nach WÜ.

Hans-Joachim

W.Klein

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36

Friday, May 12th 2006, 3:31pm

Lieber Hans-Joachim,


wo kann ich deine mail finden?


Wolfgang

TB-Dani

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37

Friday, May 12th 2006, 4:18pm

Hallo Wolfgang,

PN´s gibts hier:



Schöne Grüße
Dani

W.Klein

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38

Friday, May 12th 2006, 4:32pm

Hallo nzgl,


ich habe mich auch gewundert, als ich das Windows Explorer Logo zum ersten mal sah. Das Elektron Logo wurde bereits 1967 eingeführt. Erste Ende der 70er wurde es durch das Conrac Logo ersetzt.





Also wo MS draufsteht ist nicht immer MS drin!

Brause hatte nichts mehr mit dem SLG C3 zu tun.
Bei dem Verkauf von Elektron wurde die neue SLA 440 als fertig entwickelt verkauft. Das System war komplet elektronisch gesteuert und mit einer Unzahl von Möglichkeiten ausgestattet.
Die neue Elektronik mit 120 Transistoren und einigen Flip-Flops (DTL-Technik) machte anfangs technische Probleme. Die Lieferverzögerungen und Folgekosten wurde dem Entwicklungsleiter Ing. Wosch angelastet. Er mußte die Firma verlassen.
Sein Nachfolger wurde Kurt Berger. Er war Entwicklungsleiter von 1970 bis ca. 1986. Unter seiner Verantwortung wurde das C3 entwickelt.
Er war auch maßgeblich bei der Entwicklung der hochauflösenden CRT Monitore (bis 28") bei Conrac beteiligt.

Herr Berger war auch der Mann, der die Videokamera zur 1956er Leipziger Messe
baute und auf der Messe mit M. v. Ardenne sprach.

Meine Aussage dass Herr Brause in der Schweiz Bildaufnahmeröhren beschaffte ist nicht richtig.
Bei den genehmigten Dienstreisen in die kapitalistische BRD besuchte H.Brause regelmässig u.a. die Fa. Dr. W.Heimann in Wiesbaden.
Dort hatte man sich die Resistron Bildaufnahmeröhren beschafft.

Nach der Leipziger Messe zeigte man in der DDR großes Interesse and dem Kameraüberwachungssytem. Um die angeblichen technischen Probleme zu Lösen wurde eine Dienstreise für den Entwicklungsleiter Ing. Wosch beim MAI in Berlin beantragt.
Nach der Genehmigung wurde ein Kleintransporter mit wichtigen Meßgeräten und Equipment beladen. Ziel war es Messungen bei der Fa. Heimann in Wiesbaden durchzuführen.
Ing. Wosch kam natürlich nicht mehr zurück nach Dresden, sondern fuhr nach Weikersheim.

Wie H.Brause zu Dr.W.Heimann kam ist mir nicht bekannt. Es könnte aber mit der Fernsehentwicklung ab 1936 (mit Zeiss-Ikon) zu tun haben.

Wie man im Conrac Horizont lesen kann, starb der Partner von H.Brause Erich Meinhardt bereits 1956 in Weikersheim. Meinhardt war Radio-und Fernsehmeister (wie Brause) mit einem eigenen Betrieb in Dresden.
Er kam mit seinen 5 Mitarbeitern ebenfalls zu Elektron. Meinhardt war ein guter Freund von Brause, vermutlich schon aus der Schulzeit.
In seiner Firma produzierte er Drehkondensatoren in hoher Stückzahl. Damit besteht die Vermutung, dass Meinhardt an die Fa. Mende bzw. an das VEB Funkwerk Dresden (Rundfunkempfänger) lieferte. Es könnte auch sein, dass er von dort kam.
Elektron hatte um 1960 auch Röhrenvoltmeter und Frequenzmesser hergestellt.
Dies könnte durch den Einfluß der Meinhardt Mitarbeiter gekommen sein.
Nordmende stieg ebenfalls 1962 in den Meßgerätemarkt ein.
Man stieg bei Elektron aber auch wieder schnell aus.
Das Ziel von Brause waren Audio-Visuelle System. Angeblich hatte er bei seiner Ditacta Anlage von 1968 bereits einen Videorecorder integriert.

Um dem Schicksal von Mende zu entgehen (1946 Enteignung u. Verstaatlichung)
arbeite man als Handwerksbetrieb. Ein weiteres wachsen seiner Firma ohne verstaatlicht zu werden war nicht mehr möglich. Dies war der Hauptgrund der Flucht.

Wolfgang

P.S. kann jemand meinen Zeitungsartikel etwas verkleinern, damit die Seite wieder anständig ausschaut?
Danke!

W.Klein

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39

Friday, May 12th 2006, 4:36pm

Doppelpost

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40

Friday, May 12th 2006, 4:38pm

Nein, lieber Dani, dort nicht, da ich kein sonderlicher Freund der foreninternenen Mailanlagen bin. Sie machen bei der Ablage -ich archiviere letztlich meinen kompletten Mailverkehr- mehr Umstand als der Betrieb einer regulären Box.

Dort, in deiner t-online-Box, lieber Wolfgang, hätte sich das Mail befinden sollen, denn "mögen täten wir schon wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut":
Ich hatte den Text vorhin nämlich nicht abgeschickt, was soeben aber definitiv erfolgreich erfolgt ist. Die Frage dürfte damit aus der Welt sein; nicht aber die Löchrigkeit meines Verstandes....

Hans-Joachim

TB-Dani

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41

Friday, May 12th 2006, 5:16pm

Sorry, ich hatte nur gelesen "private Mail" ;)

TB-Dani

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42

Friday, May 12th 2006, 5:21pm

Quoted

W.Klein postete
P.S. kann jemand meinen Zeitungsartikel etwas verkleinern, damit die Seite wieder anständig ausschaut?
Danke!
Ich habs mal in meine Galerie hochgeladen, für volle Größe bitte anklicken ;)

W.Klein

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43

Friday, May 12th 2006, 6:06pm

Danke Leute,


ihr seit wirklich nett.

Macht mir der freundliche Herr Jemand noch das Elektron Logo sichtbar.
Bei mir klemmts irgenwie wieder!

Ach ja das mit dem Video Recorder kann man unter dem Bild von 1968 lesen!





Wolfgang

TB-Dani

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44

Friday, May 12th 2006, 6:13pm

Mir san´fertsch´.
Schöne Grüße
Jemand ;)

W.Klein

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45

Friday, May 12th 2006, 6:59pm

Hallo TB-Dani,


danke für deinen Support!

Als dankeschön stelle ich nochmals eine Seite vom Conrac Horizontal (1969) in's net.

Unten ist das Firmengebäude, dass im Jahre 2000 abgerissen wurde und heute
ALDI und LIDL daraufgebaut hat. Die heutigen deutschen Marktführer!!!!

Das Zeichen auf dem Dach ist der Hubschrauberlandeplatz von Elektron.
Elektron hatte 1968 eine BELL UH-1.

Die Maschine war auf dem Bundeswehr Heeresflugplatz Niederstetten stationiert.
Eine Privatmaschine beim Militär?
Man kann sich vorstellen in welcher Klasse H.Brause spielte.

Rechts ist ein Bild des Baden-Württ. Wirtschaftsminister beim Elektronbesuch 1969.
Bei diesem Bild bin ich 3m daneben gesessen.
Leider hab ich als kleiner "Stift" nicht mehr auf das Bild gepaßt.

I'm very sad!

Wolfgang


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Monday, April 23rd 2007, 6:04pm

Da sich die Diskussion hier vom ursprünglichen Thema (Geralds Gerät) weg und in Richtung Firmengeschichte Brause/Elektron bewegt hat, ist es vielleicht gestattet, hier noch ein paar Bilder von einem Elektron-Gerät anzuhängen.

Es ist das Modell EMG94/2, Baujahr 1959, 9,5 und 4,75 cm/s, Halbspur mono, was wohl auch die Typenbezeichnung 94/2 aussagen soll.



Ein schön gestalteter Röhrenkoffer für Spulen bis 15 cm. Leider haben bei diesem Exemplar zwei der drei Knöpfe ihre verzierenden Messingplättchen verloren.





Robuste Mechanik und sorgfältiger, servicefreundlicher Innenaufbau. Antrieb durch Papst-Motor, wie von W.Klein in #021 beschrieben.



Der Ausgangsübertrager stammt offenbar von Elektron. W.Klein hatte ja erwähnt, daß auch Wickelarbeiten durchgeführt wurden. Auf dem Netztrafo konnte ich keine Herstellerangabe finden.



Die Köpfe sehen anders aus als die auf W.Kleins Gerät in #021, das ansonsten – soweit auf seinem Bild erkennbar – diesem hier recht ähnlich ist. Diese Köpfe hier stammen wohl von Telefunken. Der A/W-Kopf scheint mir identisch mit jenem, der im Telefunken Magnetophon KL65 verwendet wurde. Auch der komplette Röhrensatz stammt von Telefunken (EF86, ECC83, EL84, EM84, EC92).

Leider sind alle Plastikteile (Deckplatte und Knöpfe) sehr dünn. Die Deckplatte ist etwas verzogen, die abnembare Abdeckung über den Tasten hält nur noch gerade so, die kleinen Knöpfe sind inzwischen alle gesprungen. Das erweckt beim Benutzer den Eindruck eines Billiggeräts, der so gar nicht zum soliden und sorgfältigen Innenaufbau passen will.

Gruß
TSF

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Monday, April 23rd 2007, 6:41pm

Also auch von mir nochwas:

Das oben gezeigte Gerät wurde auch unter dem Label Neckermann vertrieben. Es ist völlig identisch mit dem hier gezeigten Teil. Bilder dazu in meiner Galerie.

Die hier wiedergegenenen Eindrückke kann ich so auch bestätigen, wenigstens bis ich mich darüber hermachte, das Gerät instandzusetzen.
Servicefreundlichkeit sieht anders aus!

ich war dem Irrglauben verfallen, man könne das Tastenaggregat ausbauen um die dahinter befindlichen Bauelemente besser erneuern zu können - weit gefehlt!

Es ist wirklich ein Graus, dort etwas löten zu müssen und dabei nichts anderes zu verkokeln.

Das zur Deckplatte gesagte muß wirklich dick unterstrichen werden. Sie schaut wirklich schön aus, von weitem. Als sie neu war wird es auch noch gut gegangen sein aber bald hatte sich das dünne Material derrt durch sein Eigengewicht verformt, daß die Andruckrolle stehenblieb. Darum hatte der Erstbesitzer mit dem Taschenmesser entsprechende Schnitzereien an der weichen Abdeckung vornehmen müssen.

Die Knöpfe schließlich kann man getrost vergessen. Billigstes Polystyrol in kleinstmöglicher Wandstärke - das kann nicht halten.

Das Vorgängermodell wurde noch mit einer Deckplatte aus lackiertem Blech ausgestattet und war insgesamt doch ein Stück primitiver - ohne das abwertend
zu sagen!

Fazit: Dem Kostendruck wurde Metall geopfert um mit Kunststoff und einigen elektrischen Verbesserungen einen vom Markt akzeptierten Preis durchzusetzen, bei dem auch noch was drin blieb. Die kiste wird sicherlich für einige Jahre ihre Besitzer vollkommen zufrieden gestellt haben und wenn wir daran nach über 4 Jahrzehnten etwas reparieren müssen, dann sollten wir daran denken, daß dieses Teil nicht für die Ewigkeit konstruiert wurde aber dennoch eine kleine Ewigkeit ohne Beanstandungen treue Dienste geleistet hat. Seien wir froh, daß solche Geräte noch reparabel sind - heutiger Krempel geht nur noch zum Wegschmeißen.

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Monday, April 23rd 2007, 6:54pm

Und hier das Vorgängermodell, leider nicht mehr funktionstüchtig, dank der "liebevollen" Verpackung in einem Weinkarton für sechs Flaschen.




Zum Weinen war dann natürlich auch das Ergebnis, was man von außen vielleicht noch nicht einmal so sieht.

Trotzdem habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, das ich noch etwas zum meinem 24-24F erfahre oder irgendwann doch noch den fehlenden zweiten Koffer bekomme.

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Monday, April 23rd 2007, 7:30pm

Ich möchte noch eins nachlegen:

Hier erstmal ein Bild zum staunen :-)



Es handelt sich hier um den Phasenschieber des 94/2, einen ELKO! Jawohl, das ist ein richtiger Elektrolytkondensator, ein ziemliches Novum bei Netzbetriebenen Bandgeräten. Allerdings, ein normaler Elko geht nicht als Ersatz - er würde explodieren. Wir haben es hier mit einem ungepolten Elektrolytkondensator zu tun, wie er z.B. in der NF-Technik bei Frequenzweichen eingesetzt wird. Nur eben ist hier eine Spannungsfestigkeit von 100 Volt~ DB gefordert. Da kann man also nur schauen, ob man bei professioneller ELA-Technik fündig wird, sollte mal Ersatz nötig sein. Dieses Exemplar hier konnte ich glücklicherweise wieder reanimieren. Ein geringer Kapazitätsverlust muß halt hingenommen werden. Man hört dies recht genau am Motor-Laufgeräusch - wenigstens wenn man dafür ein Öhrchen hat.

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Monday, April 23rd 2007, 8:16pm

Für die simple Aufgabe einen Motor in Schwung zu halten, sollte es auch hier nicht allzu schwer sein Ersatz zu erhalten.
Z.B. hier: http://www.elektro-kahlhorn.de/index.php/cat/67

PS:
Damit hier jedoch der Schreck über den Preis einen nicht umhaut, lasst gesagt sein, dass es die Teile mit etwas Suchaufwand auch deutlich preiswerter zu erhalten sind. Ich halte hier 5Euro für unterschreitbar.
Mein Motto "Zitat" »Opa Deldok«: »Früher war alles schlechter. !!!!

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Monday, April 23rd 2007, 10:52pm

Das könnte ein Behelf sein, um das Gerät weiter zu betreiben - von daher muß das jeder Sammler selbst entscheiden. Mein Standpunkt wird niemanden verwundern: Es muß ein Elko sein, notfalls ein selbst gebauter. Anders würde ich das nur sehen, wenn das TB zur regulären Benutzung dienen soll - aber das wird sich wohl niemand antun wollen :-)

Allein schon deswegen, weil für einen KF-Kondensator der verfügbare Platz nicht ausreichend ist; und da ist der auf o.g. Seite geezeigte 50µ/450~ schon recht klein, aber eben noch immer mehr als doppelt so voluminös wie der Originalelyt. Gut, er braucht ja nicht so eine große Spannungsfestigkeit. Der Motor arbeitet mit, ich glaube 24 Volt. Kann aber auch etwas mehr sein, das hab ich nicht im Kopf. Von daher ist die Dimensionierung mit 100 Volt schon korrekt. Wie gesagt, bei mir steht das Problem nicht, wenn überhaupt, dann würde ich die Hilfsphase mit einem zweiten C abgleichen. Das ist ein legitimes und oft praktiziertes Mittel da die reale Kapazität bei so großen Kondensatoren doch recht erheblich vom aufgedruckten Wert abweichen kann. 20% Toleranz war dazumal eine übliche Größe und bei Elkos ist das auch heute noch nicht so viel besser. Da hat der KF-Kondensator freilich die Nase vorn; 5% sind kaum zu unterbieten wenn es bezahlbar bleiben soll.