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  • »capstan« ist der Autor dieses Themas

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1

Sonntag, 16. April 2006, 20:08

Was ist ein Spreiz-Bobbie?

Wie und wozu wird er verwendet?

Bernd

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2

Sonntag, 16. April 2006, 21:02

Ich denke mal, es handelt sich hier um "Notfall-Bobbys", die dazu gut sind, vom Kern geplumpste Wickel doch noch auf die Maschine zu bekommen. Wurde auch, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, auch schonmal hier erwähnt, weiß nur nicht mehr wo, ist auch schon ne Weile her.
Ich bin alleinstehend. Aber nicht nachts - da leg ich mich hin. :D
---
Aufnahmen bestätigen die Pegel :D

3

Sonntag, 16. April 2006, 21:18

Bei dir, lieber Bernd, nehme ich an, dass die Frage 'akademisch' gestellt ist, du also nur zu genau weißt, worum es geht. Nachdem das in Frage stehende Werkzeug aber oft genug eine große Hilfe ist, steige ich doch in den Ring....

Wenn der Kern aus einem Band fällt, wird es ernst und unerfreulich. 1000 m Band füllen schnell eine Wohnung an, wenn man diskret 'entwirren' will. Und ohne Schnitte geht es dann oft auch in stundenlanger Arbeit nicht ab. Dabei spreche ich aus Erfahrung.

Inzwischen aber besitze ich einen der Prototypen (!) der AGFA-Katastrophenbobbys und auch einen der nummerierten Serienprodukte, die man einmal für viel, sehr viel Geld kaufen konnte.

Ihre Aufgabe besteht im provisorischen Ersatz eines ausgefallenen 10-cm-Wickelkernes. Kerne fallen zwar nicht häufig aus dem Bandkuchen, gelegentlich aber eben doch. Bei den Spreiz- oder Katastrophenbobbys wird nun ein Bobby einstellbaren Durchmessers in den noch zusammenhaltenden Bandwickel eingespreizt, so dass das Band neu gewickelt werden kann.

Dies besorgte man hierzulande (AGFA lieferte so ein Ding) konstruktiv derart, dass man an einem "kleinen Untermann", dem RRG-7-cm-Kern, drei Schienen mit fixierbaren Reitern anbrachte, durch die der Durchmesser eines virtuellen Kernes frei einstellbar wurde, man also einen herausgefallenen Kern durch Aufspannen der drei Reiter von innen her zumindest provisorisch ersetzen konnte, so dass das Band umspulbar wurde.

Der geringste einstellbare Durchmesser diese Hilfsgerätes beträgt 9,8 cm, weshalb ein ausgefallener 10-cm-Kern in jedem Falle 'aufzufangen' sein sollte. Bei historischen Bändern auf 7-cm-Kern jedoch (ich hatte neulich das Glück mit einem entsprechenden Band Genoton EN von etwa 1949...) ist natürlich auch mit diesem Gerät nichts zu retten.... 7-cm-Kerne jedoch sind heute ja aus den verschiedensten Gründen selten; gottlob.

In der Frühzeit des Magnetbandes wurden die Bänder ab IG Farben, Ludigshafen (oder Gendorf) auf Pappringen geliefert, die grundsätzlich gegen einen kleinen Untermann 'händisch' zu tauschen waren, ehe man das Band auf der Maschine verwenden konnte. Da sollte doch eigentlich häufiger 'etwas' passiert sein.
Vielleicht weiß Friedrich, wie sich die Damen und Herren um Braunmühl & Weber dabei aus der Affäre zogen.

Hans-Joachim

4

Sonntag, 16. April 2006, 22:02

Empfehle zusätzlich, hier nach dem Stichwort "Konstantin Danner Technische Werkstätte GmbH" zu suchen, diese Berliner Firma hat ausgesprochen vornehme "Katastrophen-Bobbies" gebaut, ist aber mittlerweile leider erloschen.

F.E.

5

Montag, 17. April 2006, 13:52

Damit die Zensur nicht überhand nimmt, hier drei kleine Bildbeispiele, die soeben an der frischen Luft angefertigt wurden und hoffentlich jedem Betrachter einen Grund zum 'Hochspringen vor Freude' , Post #015 bieten:

ein dreibeiniger Prototyp:


das Serienmodell:



Simulation:




P.N.

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6

Montag, 17. April 2006, 15:02

Was man doch zu Ostern nicht alles finden kann?

Man muß nur lange genug suchen.

Danke Pit, für Deine schönen demonstrativen "Osterbilder".

Bernd

7

Montag, 17. April 2006, 15:17

Zitat

capstan postete
Was man doch zu Ostern nicht alles finden kann?

Man muß nur lange genug suchen.

Danke Pit, für Deine schönen demonstrativen "Osterbilder".

Bernd
Bitte bitte!

Da wir ja hier prinzipiell in einer 'besonders gefährlichen Einrichtung' herumkommunizieren, muß der 'alte Hase' doch ab und zu wenigstens was zur Illustration beitragen, odrr? Illusionen haben manche ja noch genug...

P.N.

8

Montag, 17. April 2006, 18:27

Wenn man eine Maschine mit stufenlosem Vor-Rückspulen hat, kommt man auch ohne Katastrophenbobby aus (z.B. weil man so ein feines Ding einfach nicht zur Hand hat). Normalen Bobby rein, Bandwickel mit der Hand weit innen festhalten und langsame Fahrt voraus. Dabei zieht es dann den Wickel auf dem neuen Bobby fest.

Ist aber nur eine Notlösung, man sollte das Band dann noch mal hin- und herspulen.

MfG

DB

9

Montag, 17. April 2006, 18:55

Hi
wenn du so einen Profi-Chaos Rettungsbobby brauchst...

Frag mal persönlich in einer ARD Hörfunk Redaktion an.
Wenn du Glück hast, weil vorhanden, gibt es das Teil umsonst
da es nicht verkauft werden darf... und ehrlich gesagt keine
"Sau" interressiert wenn der Oldiekram endlich weg ist.

Die "Dinger" werden nie mehr gebraucht, und liegen in vielen
Ecken und Schränken nutzlos herum.
Die Teile gibt es in verschiedenen Größen und haben mal
so um die 190 DM minimal gekostet.
Wenn ich meinen wiederfinde mail ich mail ich noch ein Foto.

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10

Dienstag, 11. Mai 2010, 21:40

Zitat

maal postete
Frag mal persönlich in einer ARD Hörfunk Redaktion an.
Wenn du Glück hast, weil vorhanden, gibt es das Teil umsonst
da es nicht verkauft werden darf... und ehrlich gesagt keine
"Sau" interressiert wenn der Oldiekram endlich weg ist.
Stand 2010: etwas trauriger. :| In vielen Sendern gibt es offenbar allenfalls noch Spezialstudios, in dem die Rettungs-Bobbies vorhanden sind. Das dann allerdings in allen Größen und Formen. Dafür werden die natürlich wie ein Staatsschatz gehütet. Der, den ich letztens netterweise über Nacht für zwei Notfallpatienten geliehen bekam, besaß ein ausgewachsenes Zahnradgetriebe (Messing?), mit dem die "Arme" rund um den 10-cm-Bobby ausgefahren wurden. :respekt: Außerdem eine Acrylglasplatte oben drauf, damit nichts nach oben wegflutschen konnte. Das Getriebe sah ganz schön nach Präzision aus, würde mich nicht wundern, wenn man weiland dafür einen halben Tausender hätte hinlegen müssen... :oah:

Michael

11

Mittwoch, 24. Oktober 2018, 14:09

Die "Dinger" werden nie mehr gebraucht, und liegen in vielen
Ecken und Schränken nutzlos herum.

Falsch! Gerade heute (welch ein Zufall – siehe den anderen Thread) habe ich einen solchen benutzt und war froh darum, ihn zu haben.


Gerettete Grüße

TSD

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12

Mittwoch, 7. November 2018, 18:40

Mein Notbobbie kam von "Escho" (Erich Scholtz) aus Leipzig:
»Magnetophonliebhaber« hat folgende Bilder angehängt:
  • Not Bobbie1.jpg
  • Not_Bobbie2.jpg

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13

Donnerstag, 8. November 2018, 16:24

Interessant finde ich die völlig andere Art der Ausführung und der Bedienung von RFZ (oder auch ESCHO)- Bobby und AGFA- Gaevert Bobby.

Nehmt es mir bitte nicht übel, aber den Escho finde ich vom Erscheinungsbild her, deutlich professioneller angelegt. Die AGFA- Apparatur wirkt auf mich dagegen, als hätte sie ein Bastler im Keller zusammengeschraubt. ;)

Grüße, Rainer

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14

Donnerstag, 8. November 2018, 17:34

Die AGFA-Apparatur wirkt auf mich dagegen, als hätte sie ein Bastler im Keller zusammengeschraubt. ;)

Sie wäre zumindest für einen Bastler erheblich einfacher herzustellen.

So einen Selbstbau gibt's gerade auch in der Bucht:
https://www.ebay.de/itm/Notfall-Spule-fu…-w/264011442864



Die Scholte-Konstruktion hat demgegenüber den enormen praktischen Vorzug, selbstzentrierend zu sein, was sich besonders beim Umspulen auf den Ersatzbobby angenehm bemerkbar macht. Und der Restwickel ist mit genau zwei Handgriffen fixiert.

Beides konnte zwar auch Konstantin Danners Ausführung, nur war diese wegen ihrer relativ kurzen "Stummel" nicht so universell verwendbar, dafür kostete sie ein halbes Vermögen:


(aus "Zeitschichten III" S. 410)

Die RFZ-Konstruktion lässt sich bis auf 21 cm Durchmesser ausfahren:




Grüße, Peter

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Peter Ruhrberg« (8. November 2018, 17:56)