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Monday, April 15th 2019, 10:26pm

Datenblätter BASF LP 35 und LP 35 LH

Hallo,

hat vielleicht jemand Datenblätter von diesen Bändern und könnte diese in den Download-Bereich hochladen? Ich habe dort keine gefunden.

Danke und Gruß

Nelson

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Monday, April 15th 2019, 10:34pm

Ich stelle sie mal hier als Anhang rein, kann gerne jemand anders in den DL-Bereich verfrachten :whistling:

Grüß, Peter
Peter Ruhrberg has attached the following files:

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Monday, April 15th 2019, 10:44pm

Danke, Peter! Ich habe die Datenblätter in den Download-Bereich hochgeladen. Nach Freigabe sollten sie sichtbar sein.

Gruß

Nelson

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Wednesday, April 17th 2019, 10:51am

Sehr interessant, danke! Damit wird deutlich, daß es bei den Bändern "ohne LH" aus dieser Zeit sich um einen völlig anderen Bandtyp handelt als bei den LH-Bändern. Vielmehr sind die Eigenschaften sehr ähnlich zu den Vorgängertypen LGS 35 und PES 35. In dieser Aufstellung konnte ich nur eine um 10 Oerstedt abweichende Koerzitivität ausmachen.

Interessant auch die Aussagen in den Datenblättern zum Trägermaterial: Während es LP 35 LH nur auf Polyesterbasis gab, steht beim LP 35 "Polyester/PVC". Also wurde wohl zumindest bis 1970 noch Luvitherm produziert, und ob man dann in einer mit LP 35 beschrifteten Verpackung sozusagen ein LGS 35 oder ein PES 35 bekam, war reiner Zufall. Das deckt sich auch mit meinen Beobachtungen, daß einige der LP- und DP-Bänder ohne LH aus dieser Zeit doch sehr nach LGS aussehen, was ich mir bisher nie so richtig erklären konnte.

Das LP 35 fehlt in der AES-Liste; ein gleichartiges DP 26 ist aber vorhanden und wird mit Produktionszeitraum 1966-70 angegeben. ich denke, das ist auch so auf LP 35 übertragbar.

Viele Grüße,
Martin

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Wednesday, April 17th 2019, 11:40am

Das LP 35 fehlt in der AES-Liste; ein gleichartiges DP 26 ist aber vorhanden und wird mit Produktionszeitraum 1966-70 angegeben. ich denke, das ist auch so auf LP 35 übertragbar.

Laut einer Übersicht von BASF Unterlagen, die ich von Friedrich Engel habe, wird das LP 35 zum letzten Mal 1984 in einer BASF-Preisliste aufgeführt.

Grüße, Peter

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6

Wednesday, April 17th 2019, 1:18pm

Das war dann aber eher die Niedrigpreis-Variante im schwarz-grünen Karton. Bei denen vermute ich daß es sich größtenteils um LH-Bänder handelt, bei denen aber nicht alle Parameter unbedingt innerhalb der Spezifikationen waren. Oder auch mal andere Bandsorten aus Überbeständen. Sozusagen die Shamrock-Variante von BASF. Diese grün-schwarzen Kartons gab es ab Ende der 70er Jahre (deren erstes Verpackungsdesign stammt aus dem Zeitraum 1978-82). Zwischen 1970 und 1978 gab es irgendwann, womöglich nur kurzzeitig, ein Band namens DP 26 LN (!), dem wir dann auch mal näher auf den Zahn fühlen müssen, wenn Andreas mal seinen Meßplatz mit automatisierter Datenblatt-Erstellung fertig programmiert hat...

Auch wenn mir das große Hintergrundwissen fehlt, so denke ich zumindest, daß wir bei LP 35 und DP 26 aus unterschiedlichen Epochen auch mit unterschiedlichem Bandmaterial rechnen können.

Viele Grüße,
Martin

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7

Wednesday, April 17th 2019, 2:44pm

Bei denen vermute ich daß es sich größtenteils um LH-Bänder handelt, bei denen aber nicht alle Parameter unbedingt innerhalb der Spezifikationen waren. Oder auch mal andere Bandsorten aus Überbeständen.

Das vermag ich nicht zu sagen, allerdings bemerke ich gerade, dass ich mich bei dem Eintrag verlesen hatte, weil dort stand: "BASF [LP 35 / DP 26 / TP 18] ferro LH HIFI". Mea Culpa.

Die tatsächlich letzte Erwähnung findet sich am 31.12.1979 in einer Grafik über Eisenoxide und ihren Einsatzbereich / Produktstammbaum für die Heimton- und Studioprodukte.

so denke ich zumindest, daß wir bei LP 35 und DP 26 aus unterschiedlichen Epochen auch mit unterschiedlichem Bandmaterial rechnen können.

Am LPR 35, das als LH-Typ zuerst 1971 hergestellt wurde und dann ab 1996 wiedererstand, ist die technische Entwicklung im Laufe der Jahre jedenfalls nicht vorbeigegangen.

Grüße, Peter

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8

Wednesday, April 17th 2019, 3:59pm

Grafik über Eisenoxide und ihren Einsatzbereich / Produktstammbaum für die Heimton- und Studioprodukte


Die fände ich hochinteressant - falls Du bei Gelegenheit dazu kommst, und falls Du das Material hier veröffentlichen darfst...

Viele Grüße,
Martin

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9

Wednesday, April 17th 2019, 4:06pm

Die fände ich hochinteressant - falls Du bei Gelegenheit dazu kommst, und falls Du das Material hier veröffentlichen darfst...

Da muss ich dich enttäuschen: Ich habe nur einen Katalog des Archivs "Magnetbandgeschichte", wo diese Grafik aufgeführt wird.

In der mir vorliegenden Fassung umfasst dieser Katalog auf knapp 1350 Seiten Dokumente von 1859...2000 mit kurzer Inhaltsangabe. Wenn er veröffentlicht werden dürfte, hätte Friedrich Engel ihn vermutlich schon ins Archiv gestellt.

Grüße, Peter

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Wednesday, April 17th 2019, 4:14pm

Kein Problem, trotzdem vielen Dank!

Viele Grüße,
Martin

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Thursday, April 18th 2019, 10:31am

Ich möchte nochmal etwas Klarheit durch Unterscheidung schaffen:
LP 35 und DP 26 (beide Nicht-LH) waren von 1968 (Einführung der neuen Nomenklatur) bis in die Saison 1972/73 im Handel (wenn man die VDRG-Großhandelskataloge als Basis nimmt).
Sie waren die preiswerte Alternative zum parallel verkauften LH-Band (LP35LH und DP26LH). Auf diese Bandtypen beziehen sich die Datenblätter am Anfang dieses Threads.
LP 35 und DP 26 (Nicht-LH) sind noch heute von den LH-Typen sofort unterscheidbar: Sie rauschen mehr (natürlich) und zeigen keinerlei Abrieb und Stauben.

Nach einer Pause von 5, 6 Jahren gab es ab etwa 1978 wieder Bänder namens LP 35 und DP 26, also ohne "LH": die im schwarz-grünen Karton. Martin hat diese oben m.E. richtig beschrieben, ich zitiere ihn mal:
"Das war dann aber eher die Niedrigpreis-Variante im schwarz-grünen
Karton. Bei denen vermute ich daß es sich größtenteils um LH-Bänder
handelt, bei denen aber nicht alle Parameter unbedingt innerhalb der
Spezifikationen waren. Oder auch mal andere Bandsorten aus
Überbeständen. Sozusagen die Shamrock-Variante von BASF. Diese
grün-schwarzen Kartons gab es ab Ende der 70er Jahre (deren erstes
Verpackungsdesign stammt aus dem Zeitraum 1978-82)."
Ich sehe in ihnen auch billig verkaufte LH-Bänder. (Sie zeigen auch den gleichen starken staubigen Abrieb wie ihre "echten" LH-Brüder.) Diese schwarz-grünen Typen verschwanden 1984/85 aus den Regalen.
VG Stefan

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12

Thursday, April 18th 2019, 11:44am

Danke für die Klärung!

Über eine mehrjärige Pause beim LP 35 / DP 26 geben meine Unterlagen leider keine Auskunft, aber ein ähnlicher Verdacht schwelte auch in meinem Kopf herum. Woher stammt denn diese Information?

Grüße, Peter

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13

Friday, April 19th 2019, 3:54am

Hallo,
Aufgabe zu Ostern:

Herstellerentscheidung unter welchem Namen ich die mangelhaften Bänder rausgebe:

Gute Bänder = Ampex
Schlechte Bänder = Shamrock

Gute Bänder = BASF
Schlechte Bänder = BASF

Wo liegt der Fehler?

Glaubt ihr ernsthaft was ihr da schreibt?

Viele Grüße
Volkmar

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14

Friday, April 19th 2019, 12:54pm

Ich glaube garnichts. Ich bin nicht in der Kirche. Oder auch: Etwas weniger despektierlich bitte, wenn du anderer Meinung bist.
BASF hat wie jeder Hersteller untschiedliche Qualitäten angeboten. 1968-72 waren das eben die LH-Typen und die Nicht-LH-Typen (also die alte Rezeptur). Letztere waren etwa 15 Prozent billiger im VK.
Ab 1972/73 gab es LP und DP-LH sowie die neuen LPR und DPR , jeweils -LH. Dafür fielen die Nicht-LH-Typen weg.
So. Ab 1978 gab es LP 35 und DP 26 im schwarz-grünen Pappkarton. Ohne den Zusatz "LH" und erheblich billiger als die LH-Typen. Üblich war DM 14,95 für das DP 26 (schwarz-grün) und 27.95 für das DP 26LH (schwarz-rot, inklusive Kunststoff-Archivbox). Langspiel: 10,95 DM vs. 21,95. Die schwarz-grüne Verpackung enthielt übrigens keinerlei Produktbeschreibung und -lobpreisung außer "Langspielband" (bzw. Doppelsp.) in drei Sprachen.

Ich WEISS nicht ob es eine andere Rezeptur hatte ODER ob das gleiche Band zur Besetzung einer weiteren Preisklasse billig verkauft wurde ODER ob es LH-Band mit weiter gefasstem Toleranzbereich der Spezifikationen war. Ich GLAUBE nichts. Klanglich war es jedenfalls dem LH +/- gleichwertig. Ich VERMUTE dasselbe wie Martin, den ich zitierte. Volkmar, von "mangelhaften" Bändern war weder bei Martin noch bei mir die Rede.
Dass Shamrock die Verramschungsmarke von Ampex war ist allgmein bekannt und stand hier nicht zur Diskussion.
@ Peter: Welche Information meinst du, die Pause von 5,6 Jahren? Da kannst du schauen wo du willst: Die Händlerkataloge jener Jahre, die BASF-Prospekte... oder die Erinnerungen der Foristen.
VG Stefan

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Friday, April 19th 2019, 3:09pm

@ Peter: Welche Information meinst du, die Pause von 5,6 Jahren? Da kannst du schauen wo du willst: Die Händlerkataloge jener Jahre, die BASF-Prospekte... oder die Erinnerungen der Foristen.

Ja, ich meinte die Pause.

Die Händlerkataloge und Prospekte habe ich leider nicht. Falls du die hast (oder einen Link dorthin), könnten sie nicht zuletzt auch für das im Übrigen enzyklopädische Magnetbandarchiv von Friedrich Engel wertvoll sein. In seinem Katalog jedenfalls habe ich sie bislang nicht finden können.

Grüße, Peter

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16

Friday, April 19th 2019, 5:26pm

Gerne. Bin gerade über Ostern unterwegs, werfe nächste Woche mal den Scanner an.

Übrigens, Friedrich müsste doch am besten wissen, was es mit den schwarz-grünen Bändern auf sich hatte!?


VG Stefan

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17

Friday, April 19th 2019, 6:48pm

Friedrich müsste doch am besten wissen, was es mit den schwarz-grünen Bändern auf sich hatte!?


Denke ich auch, aber es findet sich nun mal nicht im Archivverzeichnis.
Und dem Historiker (ebenso wie mir) ist das physisch Nachweisbare allemal lieber als seine bloße Erinnerung.

Grüße, Peter

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18

Saturday, April 20th 2019, 1:00am

Hallo Stefan,

ich habe nur das in kurzform wiedergegeben was Martin geschrieben hat und was Du selber als Zitat angegeben hast und ich weiß nicht was das mit mangelnden Respekt zu tun hat.
Du solltest Dir mal lieber selbst in den Spiegel schauen ob Deine Reaktion in [14] angemessen war. Ihr habt nichts anderes dem Leser suggeriert das die BASF LH Bänder herstellen wollte, und die Bänder die nicht die erforderlichen Spezifikationen erreicht haben dann in der schwarz-grünen Verpackung verkauft haben, das ist dann für mich mangelhaft. Noch schlimmer: "Oder auch mal andere Bandsorten aus Überbeständen."
Bin glücklicherweise nur ausgebildeter Industriekaufmann, also nicht vom Fach.

Dein Zitat in [11]:

Quoted

"Das war dann aber eher die Niedrigpreis-Variante im schwarz-grünen
Karton. Bei denen vermute ich daß es sich größtenteils um LH-Bänder
handelt, bei denen aber nicht alle Parameter unbedingt innerhalb der
Spezifikationen waren. Oder auch mal andere Bandsorten aus
Überbeständen. Sozusagen die Shamrock-Variante von BASF. Diese
grün-schwarzen Kartons gab es ab Ende der 70er Jahre (deren erstes
Verpackungsdesign stammt aus dem Zeitraum 1978-82)."


Shamrock stand hier nicht zur Diskussion, da hast Du Recht, stand aber zum Vergleich, und da liegt m.E. der Fehler:
Ampex hatte Shamrock als Marke für Bänder eingeführt um die Bänder zu verkaufen, die nicht den eigenen Spezifikationen entsprachen und den eigentlichen Marke schaden würden.
Die BASF soll soetwas nicht getan und der eigenen Marke geschadet haben?
Es gab doch damals genügend Handelsmarken mit "Made in Western Germany" wo sich die ausserhalb einer Spezifikation befindliche Bänder noch verkaufen liessen.

Volkmar

This post has been edited 1 times, last edit by "Wickinger" (Apr 20th 2019, 1:28am)


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19

Sunday, April 21st 2019, 12:55pm

Es geht aber nicht um irgendwelche allgemeinen Spezifikationen, sondern - hypothetisch - um zwei Bandsorten mit vom Hersteller unterschiedlich gewählten Toleranzen. Wenn das Band zwar die Toleranzgrenzen der "Premiumsorte" nicht einhält, die der "Standardsorte" aber locker, was soll dann dem Ruf des Herstellers schaden?
Nehmen wir mal als Beispiel elektronische Bauteile, Widerstände. Da kann ich prinzipiell als Hersteller welche mit 1% Toleranz und 5% Toleranz anbieten. Alles was nicht die 1% einhält wird als 5% verkauft, weil es z.B. nur 2 oder 3% vom Sollwert abweicht. Wo ist da das Problem?
Beim Tonband Überproduktion mit völlig anderen elektroakustischen Daten unter dem selben Namen anzubieten wäre natürlich problematischer, sofern die klanglich auch dem weniger anspruchslosen Amateur (der anspruchsvolle oder gar der Profi war sicher nicht die Zielgruppe der untersten Sortimentsklasse) auffallen.
Bei Schämrock scheint die Lage ja recht heftig gewesen zu sein, das wirkt rückblickend, als ob nach Zufallsprinzip dort jeglicher Schrott verramscht worden wäre, der nicht nur Toleranzen nicht einhielt, sondern fast unbrauchbar war, jedenfalls für den angestrebten Verwendungszweck (Gerüchte über auf Spulen gewickeltes 8-Track-Band usw.). Andererseits ist rückblickend ebenso bekannt, dass Ampex generell ziemliches Pech mit der Haltbarkeit hatte, das berüchtigte Bindemittel.

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Sunday, April 21st 2019, 1:39pm

Jungs, Gemach! Es ist Ostern :-)

Stefan, vielen Dank für die weiteren Puzzlestückchen.

Ragnar, genau so hatte ich das gemeint. Für ein preiswertes Amateur-Band waren die grün/schwarz verpackten Versionen allemal brauchbar und meist auch besser als so manches Noname-Band. Auch Shamrock waren ja im Neuzustand meistens brauchbar, das können bestimmt einige Forianer bestätigen, die früher darauf Aufnahmen gemacht haben.

Daß der eine Hersteller seinen eigenen Namen für die Niedrigpreis-Sparte nutzt und der andere eine gesonderte Marke dafür aufmacht, mag mit unterschiedlichen Unternehmensphilosophien zusammenhängen. Meine Vermutungen bezüglich der Praxis bei den BASF-Typen basieren auch auf Erfahrungen mit deren Cassetten. Was da alles unter dem Standardprodukt "LH (SM)cassette" verkauft wurde, war ein ganz schön wildes Durcheinander. Die Zielgruppe wird es nicht gestört haben: Aufnehmen und wiedergeben auf einfachen Geräten in akzeptabler Qualität konnten die allesamt. Daß ein Teil davon ein paar Jahre später anfing, staubigen Abrieb zu produzieren, war bei der Produktion bestimmt nicht bekannt, denn dafür hätte man seinen guten Namen eher nicht hergegeben. Ab LH super und aufwärts im Sortiment wurde viel mehr auf Konsistenz zwischen den verschiedenen Chargen geachtet, weil es bei den angesprochenen Kundengruppen eben auch auffallen konnte.

Bei Agfa-Cassetten war dies übrigens genauso: Unter den Namen Low Noise, LNS und Ferrocolor wurde so allerhand Bandmaterial verkauft, was teilweise noch nicht mal selbst produziert wurde. Auf die Superferro-Modelle wurde aber genauer geachtet.

Nochmal zurück zu den LH-freien BASF-Tonbändern. Dieses LP 35 LN fällt vom Design her genau in die Lücke zwischen 1973 und 1978 (Bild aus einer Auktion, weil ich mein Exemplar DP 26 LN nicht greifbar habe):



Taucht dieser Typ in den Presilisten auf, und wenn ja, wann?

Viele Grüße,
Martin

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21

Sunday, April 21st 2019, 5:32pm

Es geht aber nicht um irgendwelche allgemeinen Spezifikationen, sondern - hypothetisch - um zwei Bandsorten mit vom Hersteller unterschiedlich gewählten Toleranzen. Wenn das Band zwar die Toleranzgrenzen der "Premiumsorte" nicht einhält, die der "Standardsorte" aber locker, was soll dann dem Ruf des Herstellers schaden?


Jungs, Gemach! Es ist Ostern :-)


Bei LP 35 und LP 35 LH geht es – zumindest was ich aus den mir vorliegenden dürren Informationen schließen kann – um unterschiedliche Dispersionen und Verarbeitungsstufen, die ihres Aufwands wegen auch den Preisunterschied rechtfertigen.

Beispielsweise finde ich in einem Dokument von 1979 folgende Angaben:

a) LLN ungetempert => LHV => Ferro LH, Economy, SP 54 R, Dokumentationsband LP 35, Dokumentations-Band DP 26 …

b) LLN getempert:
=> LHL: LGR 40, LGR 50, SPR 50 LHL
=> Studio 80: LPR 35, DPR 26, LP 35, DP 26
=> LHV: SPR 50 LH

c) Gamma 21:
=> LGR: LGR 30; Magnetfilm, LP 35 prof., DP 26 prof.

Ich bin nicht Chemiker genug um zu wissen, was LLN, LHV, LHL, Studio 80 oder γ 21 bedeuten.

Tempern ist das mehrstündige Erhitzen des Eisenoxidpulvers auf Temperaturen um 400 Grad, was unter bestimmten Bedingungen eine Erhöhung der Sättigungsremanenz und der Kopierdämpfung bewirken kann, ohne den Frequenzgang oder das Betriebsrauschen nachteilig zu beeinflussen (nachzulesen im DBP 2254810 der BASF von 1972).

Generell finde ich, dass schlichte naturwissenschaftliche oder technische Fakten auch angemessen sachlich, nüchtern und emotionslos diskutiert werden dürfen. So jedenfalls habe ich es von klein auf gelernt und bin zumindest bislang nicht schlecht damit gefahren.

Frohe Ostern,
Peter

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Sunday, April 21st 2019, 10:30pm

Auch dies sind wieder ein paar interessante Puzzleteile. Gleichwohl einem hier wieder vor Augen geführt wird, daß man Nadeln findet, nach denen man gar nicht gesucht hat, wobei gleichzeitig der Heuhaufen exponentiell anwächst: Ferro LH hatte also die gleiche Dispersion wie ein unbekanntes "Economy"-Band, die Typen LP 35 und DP 26 tauchen in drei Varianten auf (Dokumentation, Professional und ohne Zusatz)... ich glaube, ich sollte mich zumindest ein Weilchen mit den gewonnenen Informationen zufrieden geben und Euch nicht so sehr mit Fragen löchern. Stattdessen noch ein Band auflegen und damit den Abend ausklingen lassen.

Viele Grüße,
Martin

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Tuesday, April 23rd 2019, 2:11pm

Danke an Ragnar und Martin, sie nehmen meine Antworten vorweg. @ Wickinger, war nicht beöse gemeint, sondern meine Angaben verteidigend!
So, dann will ich mal liefern. Eines vorweg, in allen Dokumenten sind natürlich auch Compact-Cassetten und Zubehör enthalten. Da es aber hier um Tonbänder ging, habe ich alles andere (mit Ausnahme des TB-Zubehörs im VDRG-Eintrag 1975) weggelassen.
Zunächst mal, optisch etwas spröde, die Einträge in den Handbüchern des VDRG (Verband des deutschen Rdfk- und Fs-Großhandels), in denen alles verzeichnet war was es damals im deutschen Einzelhandel gab. Und zwar die Jahrgänge 1972/73, das ist der letzte Jahrgang, in dem noch die Nicht-LH enthalten sind*, bis Saison 1975/76, wobei der Eintrag in der folgenden Saison 76/77 identisch ist und daher hier nicht extra dabei. Allerdings kamen die schwarz-grünen Einfachbänder erst 1978 heraus.

VG Stefan
* und zwar nur noch in der schangeligen Runddose; im Vorjahr waren sie noch in der Archivbox erhältlich.
Vollspurlöschkopf has attached the following images:
  • BASF VDRG 72-73.jpg
  • BASF VDRG 73-74.jpg
  • BASF VDRG 74-75.jpg
  • BASF in VDRG 75-76 Seite 46.jpg
  • BASF in VDRG 75-76 Seite 47.jpg

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Tuesday, April 23rd 2019, 2:22pm

Weiter geht's, jetzt gibt's auch was fürs Auge. Prospekte. Die Jahrgänge (siehe Dateinamen) sind von mir eroiert, da die Broschüren keine Hinweise enthalten.
Auch hier gilt: Ich zeige nur die Tonbänder enthaltenden Seiten (und die Titel).

VG Stefan
Vollspurlöschkopf has attached the following images:
  • BASF-Programm 1972 darin Tonbänder.jpg
  • BASF Prosp 1973 darin Tonbänder.jpg
  • BASF Prosp zwischen 1974 u 77, Seiten 1 u 2.jpg

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25

Tuesday, April 23rd 2019, 2:24pm

Und jetzt noch, so halb off-topic, eine Prise Zeiteist zur allgemeinen Erbauung. BASF 1971, aus Prospekt "LH-Band"

VG Stefan
Vollspurlöschkopf has attached the following image:
  • BASF Ambiente um 1971.jpg

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Tuesday, April 23rd 2019, 4:16pm

Spitze, vielen Dank! Schade, daß das ominöse LN-Band nirgends aufgelistet ist. Aufgrund der Gestaltung bei den Cassetten kann ich Deine Prospekte folgendermaßen datieren:

1. 1972 paßt
2. Frühestens 1974, spätestens 1975
3. Frühestens 1976, spätestens 1977

Die Lady auf Loriot-Sofa und mit TG 1000 ist auch nett :-)

Viele Grüße,
Martin

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Tuesday, April 23rd 2019, 4:37pm

Wie wurden die Einträge in solchen Bücher vorgenommen? Mussten die Firmen ihre Produkte dorthin melden? War das kontenpflichtig?

Gruß

Nelson

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Wednesday, April 24th 2019, 11:05am

@ Martin: Prima, danke!
@ Nelson: Selbstverständlich nicht. Die Bücher wurden vom Verband der Großhändler zusammengestellt und herausgegeben. Sie waren ja schließlich Handelspartner der Hersteller. Die Bücher waren als Service für die Einzelhändler gedacht und wurden nur an diese abgegeben. Auch die Einzelhändler waren ja Handelspartner der Großhändler.

VG Stefan