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  • »nertsch« ist der Autor dieses Themas

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Sonntag, 11. November 2018, 22:29

Woher weiss die Revox B77 MK2, wie schnell sie die Bandwickel drehen muss ?

Hallo,
Ich habe hier mal eine Anfängerfrage:

Abhängig davon wie viel Band auf einem Wickel ist, muss dieser ja schneller oder langsamer gedreht werden.
Aus dem Schaltplan glaube ich rauslesen zu können, dass die Wickelmotoren Wechselstrommaschinen sind. Da es keinen Frequenzumrichter gibt können es nur Asynchronmaschinen sein, oder?

Wenn es wirklich eine Asynchronmaschine ist, dann müsste es doch so sein, dass die Nenngeschwindigkeit die maximal erforderliche Geschwindigkeit ist und der Motor durch die Bandspannung gebremst wird und dann einfach der Schlupf grösser wird. Aber wäre das nicht ungünstig, da dann das Drehmoemnt abhängig vom "Bandwickelfüllstand" ist und somit das Band unterschiedlich stark gedehnt bzw aufgewickelt wird ? Ausserdem lässt sich die Drehgeschwindigkeit durch Belastung nur in einem kleinen Bereich "runterbremsen" und irgendwann bleibt der Motor komplett stehen, oder?


Es wäre sehr hilfreich für mich, wenn mir jemand erklären könnte wie das wirklich funktioniert :)
BTW: Ich habe zwar Elektro-Grundkenntnisse, aber von Motoren habe ich nicht wirklich eine Ahnung.

Danke im Voraus
Gerhard

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Sonntag, 11. November 2018, 23:34

Die Bandgeschwindigkeit wird nicht durch die Wickelmotore sondern durch den Tonwellen-Motor (Capstan) bestimmt.
Die Wickelmotore müssen davon nichts wissen.
Sie bekommen "ein bischen" Spannung, der rechte genug zum Aufwickeln, der linke zum Band stramm halten durch etwas versuchtes Ziehen in Gegenrichtung.
Die Drehmomente variieren tatsächlich mit dem Wickeldurchmesser. Das ist natürlich suboptimal, aber da haben wohl die Kaufleute über die Ingenieure bei den Design-Entscheidungen gesiegt.

MfG Kai

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3

Sonntag, 11. November 2018, 23:47

Hallo Gerhard,

es ist so, wie du es im dritten Absatz deines Postings geschrieben hast: der rechte, aufwickelnde Motor wird mit etwas weniger als der halben nominellen Spannung betrieben (bei Einstellung auf große Spulen 55 V, auf kleine 42 V), wodurch sein Drehmonent begrenzt ist. Der Motor auf der Abwickelseite wird entgegen seinem Drehfeld gezogen, wodurch er bremst.
Es gibt also keine Bandzugregelung, so dass der Aufwickelzug gegen Bandende immer geringer, der Abwickelzug dagegen größer wird. Bei abgenutzter Andruckrolle oder blanker Tonwelle (die zuvor mal sandgestrahlt war) gibt es darum gelegentlich Probleme mit Gleichlaufschwankungen gegen Bandende.

Beim Umspulen bekommt der aufwickelnde Motor eine Spannung von rund 100 V (bei Vorlauf 105, bei Rücklauf 99 V) und der auf der Abwickelseite eine sehr kleine Spannung (bei Vorlauf 21 und bei Rücklauf 15 V).

Komplett stehen bleiben die Motoren nie (auch nicht, wenn du sie festhältst und wieder loslässt), weil durch einen Betriebskondensator eine dritte Hilfsphase erzeugt wird, die ein gleichmäßiges Drehfeld aufbaut.

Ich hoffe, dir geholfen zu haben! :rolleyes:

Gruß
Holgi

Edit: Kai war schneller, aber ich eventuell etwas ausführlicher! ;)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »hannoholgi« (12. November 2018, 10:31)


  • »nertsch« ist der Autor dieses Themas

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Sonntag, 11. November 2018, 23:51

Hallo,
Danke für die Antworten, das hilft mir sehr weiter in die für mich neue Materie einzutauchen :)
Die Bandgeschwindigkeit wird nicht durch die Wickelmotore sondern durch den Tonwellen-Motor (Capstan) bestimmt.
Das war mir klar, meine Frage bezog sich ja nur auf die Geschwindigkeit der Wickelmotore.

aber da haben wohl die Kaufleute über die Ingenieure bei den Design-Entscheidungen gesiegt.
Verwenden dann professionelle Maschinen, welche die Bandspannung durch die Motoransteuerung konstant halten, Gleichstromotoren die mit varibaler Spannung angesteuert werden, oder haben die Wechselstrommotoren und einen Frequenzumrichter ?

Danke
Gerhard

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Montag, 12. November 2018, 00:00

(bei Einstellung auf große Spulen 55 V, auf kleine 42 V)

Danke, jetzt weiss ich auch wozu man da umschalten muss: nämlich damit die Maschine den ungefär richtigen Bandzug hinbekommt.
Heisst das, ich kann unterschiedlich grosse Spulen verwenden und muss den Schalter für die Ziehende (die Rechte) einstellen, da der linke Motor eh nur bremsen muss ?

(Ich habe nämlich auf ebay in paar Originalbänder auf 10cm Spulen gekauft, habe aber nur 26cm Leerspulen)

mfg
Gerhard

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Montag, 12. November 2018, 00:04

Das war mir klar, meine Frage bezog sich ja nur auf die Geschwindigkeit der Wickelmotore.
Ich hab angenommen, deine Frage bezieht sich auf den Wiedergabe-Betrieb und da bestimmt halt der Capstan, wie schnell sich die Wickelmotore drehen (sofern der rechte dafür genug Spannung bekommt).

Verwenden dann professionelle Maschinen, welche die Bandspannung durch die Motoransteuerung konstant halten, Gleichstromotoren die mit varibaler Spannung angesteuert werden, oder haben die Wechselstrommotoren und einen Frequenzumrichter ?
Das geht auch mit Asynchron-Motoren. Das Drehmoment kann mit dem Motorstrom eingestellt werden (über einen geeigneten Sensor und Regelkreis).

MfG Kai

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Montag, 12. November 2018, 01:00

Heisst das, ich kann unterschiedlich grosse Spulen verwenden und muss den Schalter für die Ziehende (die Rechte) einstellen, da der linke Motor eh nur bremsen muss ?

Der Bandzugumschalter wirkt auf beide Motoren.
Ist der Wickeldurchmesser links sehr klein, stellt man bei der B77 auch den Bandzug am besten auf "klein", weil sonst das Band am Ende immer langsamer transportiert wird und die Gleichlaufschwankungen stark zunehmen. Deswegen rät Revox auch von kleineren Wickelkerndurchmessern als 60 mm ab.

Grüße, Peter

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Peter Ruhrberg« (12. November 2018, 09:35)


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Montag, 12. November 2018, 08:48

Hallo!

Verwenden dann professionelle Maschinen, welche die Bandspannung durch die Motoransteuerung konstant halten, Gleichstromotoren die mit varibaler Spannung angesteuert werden, oder haben die Wechselstrommotoren und einen Frequenzumrichter ?

Das machen aber nicht nur professionelle Maschinen. Revox hatte sowas auch im Angebot, man musste dafür nur viel tiefer in die Tasche greifen wie für A/B77. Mit aktiver Bandzugregelung gab es da die A700 und später die C270, wobei die C270 schon ziemlich professionell ist.

Amateurgeräte mir Bandzugregelung gab es auch von anderen Herstellern, z.B. ASC AS 5000/AS 6000, Teac X-1000/X-2000, die letzteren nur mit Gleichstrommotoren. Eine Sonderstellung nehmen noch die Uher-Geräte mit mechanischer Bandzuregelung ("Bandzugkomparator") ein.
Allerdings regeln nicht alle Geräte mit Bandzugregelung auch beim Umspulen.
Grüße

Wayne

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Montag, 12. November 2018, 11:32

Es gab bei etwas jüngeren Profi- Maschinen auch Ausführungen, welche über eine Phasen- Anschnittsteuerung für die beiden Wickelmotoren verfügten. Damit kann man Variable Umspulgeschwindigkeiten für beide Richtungen realisieren (Stichwort Rangierbetrieb)

Grüße, Rainer

10

Samstag, 17. November 2018, 01:13

Am untersten Ende der Preisskala dürfte Philips mit elektronisch geregelten Gleichstrommotoren liegen.