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Donnerstag, 22. Februar 2018, 21:18

Neues Messband zur Tonkopf-Höhenjustage

Hallo Jungs, namentlich die Einmess-Spezialisten unter euch,

nach nicht einmal vierzig Jahren habe ich es ein zweites Mal geschafft, mir ein nützliches Arbeitsmittel zur präzisen Höhenjustage von Zweispur-Stereoköpfen selber zu drechseln: eine Trennspuraufzeichnung mit rund 2 mm Breite.

Früher gab es hierfür teure Spezialköpfe, doch wo soll man die heutzutage hernehmen? Also habe ich mich meiner Methode aus grauer Vorzeit besonnen: Man löscht eine Vollspuraufzeichnung nachträglich in den benötigten (Nutz)spurbreiten. Da man sich allerdings schwer tut, einen Zweispurlöschkopf mit 2 mm Trennspurbreite zu finden, bleibt eigentlich nur eine Methode übrig: Man lässt das Band zum Löschen zweimal durchlaufen – erst vorwärts, dann rückwärts – und löscht so jeweils mit demselben Kopfsystem beide Nutzspuren. Auf diese Weise verbleibt bei genügend genauer Bandführung (d.h. mit nur einer Bezugskante und möglichst ohne Höhenspiel) eine Trennspur, die nach Adam Riese exakt mittig zu den Bandkanten verlaufen sollte.

Zu diesem Zweck leistete mir in seligen Analogzeiten eine Telefunken M28 gute Dienste, weil sie einen stufenlos höhenverstellbaren Löschkopf besitzt (die einzige mir bekannte Studiomaschine mit dieser Ausstattung). Wenn auch die M28 Bandführungen nicht ganz so ausgefeilt sind wie man es für höchste Präzision bräuchte, die Ergebnisse waren immerhin genügend brauchbar. Leider war das einzig erhaltene Bandexemplar mittlerweile so verknittert, dass sich damit immer schlechter arbeiten ließ.

Nun besitze ich auch diese Maschine längst nicht mehr. Statt aber noch länger auf das magische Auftauchen eines zweiten Exemplars zu warten, probierte ich das Verfahren zunächst mit einer A77. Leider bewahrheitete sich dabei schmerzlich, was ich im Grunde schon ahnte, nämlich dass deren Bandführung aus diversen Gründen nicht annähernd genau genug sein würde für diesen Zweck. (Unter anderem hat die linke Bandführung am Kugellager viel zu viel Höhenspiel, sodass jedes Bandmaterial, das nicht äußerst sauber gewickelt ist, in der A77-Führung sichtbar wackelt wie ein Lämmerschwanz. Die tatsächliche Laufhöhe des Bandes ist zudem abhängig vom ungeregelten Bandzug … kurzum: so wollte es einfach nicht funktionieren :wacko:

Endlich entschloss ich mich, eine anfangs umständlichere, doch immerhin aussichtsreicher erscheinende Methode anzuwenden, indem ich in den Vollspur-Messkopfträger meiner M15A einen Halbspurlöschkopf (mit überlappenden Spuren) montierte, den ich mit Beilagscheiben passend nach oben versetzte. Hierdurch wird die obere Spur in reduzierter Breite gelöscht. Dann das Band umdrehen und die zweite Spur kommt dran. So könnte es funktionieren, dachte ich …

Hier mein Messkopfträger im aktuellen Zustand (volle Bildauflösung durch Rechtsklick aufs Foto => „Grafik anzeigen“):



Vor dem Löschkopf (ganz rechts im Foto) montierte ich vorübergehend eine vierte „federnde“ Bandführung, um die Höhentoleranz und damit das unerwünschte „Wandern“ des Magnetbands möglichst komplett zu unterbinden.

Bis dahin war ich mir nicht sicher, ob der Halbspurlöschkopf möglicherweise überhitzt werden könnte – immerhin ist die Löschendstufe für die doppelte Spurbreite ausgelegt – doch statt weiter zu zögern wagte ich es einfach mal, befestigte darauf zur Sicherheit ein Miniatur-Thermoelement, das nach fünf Minuten Betrieb eine Temperaturerhöhung von gerade mal 4 Grad anzeigte. Da war ich beruhigt :thumbup:

So sieht das Ergebnis im Magnetspurenbild aus:



Unter optimalen Bedingungen beträgt mit dieser Aufzeichnung die Genauigkeit der Höheneinstellung des Wiedergabekopfs etwa 3µm, womit sich eine Pegeländerung zwischen den Stereokanälen von rund 1dB ergibt. Nicht wenige Bandmaschinen zeigen bereits von sich aus in der Höhenführung größere Lauftoleranzen, trotzdem lässt sich auch mit solchen Maschinen die korrekte Höhenjustage des Wiedergabekopfs „auf Mitte“ leicht und präzise justieren, so dass die seitliche Einstreuung der Trennspur in die beiden Nutzspurkanäle minimal und gleich groß wird.

Vielleicht kann ich einen Eindruck von der Empfindlichkeit des Verfahrens vermitteln: Mit dem M15A-Messkopfträger, bei dem die Tonköpfe auf dicken, präzisionsgeschliffenen Metallplatten montiert sind, reicht schon ein relativ leichter Druck auf die Vorderseite des Wiedergabekopfes, um die Kanalbalance reproduzierbar um 1 dB zu verändern 8)

Bei der Dimensionierung der Trennspur ging ich von einer Nutzspurbreite von etwa 2,15 mm aus. Leider verhielten sich manche Hersteller in ihrer Auslegung der geltenden Spurnormen eher kreativ. Für den Anfang habe ich daher einen guten Kompromiss ausgewählt (wie er auch auf BASF Bezugsbändern vorhanden war), den ich anschließend auf einer Halbspur A77 testete, was perfekt funktionierte. Vom Prinzip her lässt sich das Trennspurband aber auch für jede Nutzspurbreite exakt bemessen.

Ob die Aufzeichnung selber tatsächlich exakt in der Mitte liegt, lässt sich übrigens auf jedem Laufwerk mit genügend stabiler Höhenführung leicht feststellen, selbst wenn der Wiedergabekopf nicht 100%ig justiert sein sollte: Einfach das Band in die Gegenrichtung einlegen. Bleiben die Pegelverhältnisse in beiden Kanälen dieselben wie vorher, liegt die Aufzeichnung genau symmetrisch zu den Bandkanten.

Verglichen mit meiner Herstellung einer schmalen Trennspur (0,75mm) vor einem halben Jahr (siehe dazu hier), oder meinem Viertelspur-Justageband vor einigen Wochen (siehe hier) war die Herstellung diesmal kein wirklich schwieriger Akt. Hauptsächlich entscheidend ist dabei, die Beilagscheiben für den Löschkopf auf 1/100 mm genau auszumessen. Allerdings zogen sich die dafür nötigen Vorüberlegungen Wochen und Monate hin, und immer wieder kam was dazwischen … ;(

Nach dieser Aktion war ich jedenfalls so begeistert, dass ich hinterher eine 0,75 mm Trennspuraufzeichnung mit gleicher Genauigkeit herstellte. Nun weiß ich, wie’s geht :thumbsup:

Falls sich jemand für dieses kleine praktische Messmittel interessiert, PN genügt!

Grüße, Peter

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Peter Ruhrberg« (23. Februar 2018, 16:37)


2

Freitag, 23. Februar 2018, 15:26

Wenn’s sonst keiner macht: Hut ab und riesiger Respekt vor Deinen scheinbar so einfach aussehenden, nichtsdestoweniger überaus genialen, ähem, Basteleien (*wegduck*), die nur deswegen gelingen können, weil Du genauestens weißt, was Du tust und das System Magnetofon bis ins allerletzte verstehst.


Allergrößte Anerkennung aussprechende Grüße

TSD

3

Freitag, 23. Februar 2018, 16:02

Trennspuraufzeichnung

´

Peter, das hättest Du auch einfacher haben können: Ein Band nach ARD- Spezifikation mit Trennspuraufzeichung könnte ich Dir leihweise zu Verfügug stellen.
Frank


Wer aus dem Rahmen fällt, muß vorher nicht unbedingt im Bilde gewesen sein.

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4

Freitag, 23. Februar 2018, 16:32

@ Tondose: Herzlichen Dank für die Blumen! Da weiß ich gar nicht recht, was ich darauf sagen soll ...


Peter, das hättest Du auch einfacher haben können: Ein Band nach ARD- Spezifikation mit Trennspuraufzeichung könnte ich Dir leihweise zu Verfügug stellen.

Danke, das ist nett von dir, doch solche Bänder habe ich längst, sogar mehrfach (Betriebsbezugsband 38, ARD-Stereobezugsband etc.) .... nur sind es halt allesamt nicht mehr die jüngsten (das älteste wird bald 50 Jahre ...).

Außerdem brauche ich diese Aufzeichnungen laufend, nicht nur ab und an. Zudem reizte mich die Aussicht, ein Trennspurband an jede benötigte Nutzspurbreite anpassen zu können. Ganz nebenbei habe ich damit zugleich eine Lücke gefüllt, die mich zeitlebens störte: ein Justageband für Viertelspurlage. Nicht zuletzt habe ich in meinem Beitrag versucht, einige Hinweise zu geben, wie solche Messbänder - die ja mit der Zeit auch nicht zahlreicher werden - mit "Hausmitteln" und genügend Sorgfalt selber herstellbar sind.

Falls eine Maschine mal versehentlich ein Messband zu Bandsalat verarbeiten oder löschen sollte, werden meine Anmerkungen vielleicht dem einen oder anderen nützen können.

Was ich wiederum wirklich gut gebrauchen könnte - allerdings eher als Dauerleihgabe - wäre ein Viertelzoll-Sprossenband (Symmetrierband). Meines zeigt allmählich gewisse Auflösungserscheinungen - und soweit bin ich dann doch noch nicht, dass ich mir eines selber stricken könnte :whistling:

Grüße, Peter

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Peter Ruhrberg« (23. Februar 2018, 18:14)


5

Freitag, 23. Februar 2018, 17:49

Gibt es denn irgendwo eine technische Beschreibung für Sprossenband?


Interessierte Grüße

TSD

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Freitag, 23. Februar 2018, 18:14

Gibt es denn irgendwo eine technische Beschreibung für Sprossenband?

Hatte ich irgendwann hier mal reingestellt, weiß aber nicht mehr wo.
Vielleicht ist es auch im Forumsarchiv untergekommen :whistling:

Egal, das Ding sieht jedenfalls aus wie in meinem Avatar.
Zwei Anleitungen plus die ausführliche Abhandlung von Altmeister Krones gibt's eine Woche lang hier:
https://we.tl/lRZKB6dhaU

Grüße, Peter

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Peter Ruhrberg« (23. Februar 2018, 18:49)


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Freitag, 23. Februar 2018, 19:57

Fein gemacht Peter.
Da hast du wohl in deinem Fundus aus dem vollen geschöpft? :)

Gruß Dietmar
Fostex R8; REVOX B77; Uher 4200 Report IC, Uher 4000 L, Tesla B115; Tesla B90; Tesla B56; Tesla Start; Technics RS AZ7;

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8

Freitag, 23. Februar 2018, 20:11

Hallo Peter,
auch von mir hier herzlichen Dank!
Ich habe das Ergebnis heute schon ausprobieren dürfen, funktioniert perfekt!
Bei mir war es vor ein paar Tagen der Tausch einer Bandberuhigungsrolle an meiner A807 wo ein Trennspurband (hier die 0,75mm Ausführung) zum Einsatz kam. Ohne Peter Trennspurband hätte ich die Höhenführung wahrscheinlich nie wieder so exakt einstellen können. So war das in 5min. erledigt :)

Viele Grüße
Volker

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Freitag, 23. Februar 2018, 20:16

Da hast du wohl in deinem Fundus aus dem vollen geschöpft? :)

Falls du damit meinst, dass in solchen Experimenten die komplette Bandbreite der bisherigen Erfahrung im Metier zusammenfließt und kulminiert, ja.

Für mich bildete schon vor 40 Jahren die Herstellung von Messbändern quasi die Königsdisziplin der analogen Magnetaufzeichnung. Allerdings hätte ich nie gedacht, dass ich irgendwann die nötige Geduld, Zeit, und Ausdauer aufbringen würde, noch einmal so tief ins Thema einzutauchen, doch die heute mögliche Präzision von Werk- und Messzeug hat mich schließlich zu sehr fasziniert.

Dabei fällt mir ein, dass ich vor zwei Wochen ein seltsames Déjà-vu mit einem 35 Jahre alten Leserbrief von mir im "Studio Magazin" (der damals einzigen deutschsprachigen Zeitschrift für die Tonstudiobranche) erlebt habe -- natürlich zum Thema "Einmessen von Bandmaschinen" :D

Studio Magazin, Mai 1983



Grüße, Peter

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Freitag, 23. Februar 2018, 20:18

... funktioniert perfekt!

Das hört man gern, so soll es sein :thumbup:

Ach, für den Fall dass es von allgemeinem Interesse ist, die "kleine" Trennspur sieht so aus:




Grüße, Peter

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11

Mittwoch, 28. Februar 2018, 20:36

Prima Idee und wie auch schon bei dem Band zur Höheneinstellung eine beeindruckende Umsetzung!

Oli