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  • »The_Wayne« ist der Autor dieses Themas

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Sonntag, 21. Januar 2018, 19:47

Einmessanleitung am Beispiel einer Revox A77

Hallo zusammen!

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich bisher noch nie eine Bandmaschine selbst eingemessen habe. Das soll sich ändern! Da ich bei meiner Halbspur-A77 sowieso die "Knallfrosch"-Kondensatoren prophylaktisch wechseln wollte und auch die Andruckrolle und sie dazu eh geöffnet werden muss, dachte ich, die könnte ich gleich mal einmessen. Es gibt zwar im Forum schon ein paar Informationen zum Einmessen, die sind aber alle recht theoretisch. Eine Anleitung wäre somit ganz gut. Weil ich es aber bisher noch nicht gemacht habe, brauche ich dazu eure Hilfestellung.

Was benötige ich dazu alles?

Ich habe folgendes:
  • ein digitales Speicheroszi
  • ein Multimeter
  • einen Funktionsgenerator
  • eine Entmagnetisierdrossel
  • ein Pegelmessband
  • ein Spaltmessband
  • ein EQ-Messband
  • ein RTM LPR35, auf das eingemessen werden soll

Was ich nicht habe, ist ein Klirr-Messgerät. Ich habe aber den Audiotester auf einem Notebook und diese externe Soundkarte. Taugt das was?

Zur Maschine:
Es handelt sich um eine Revox A77 Mk4 in Halbspur-Ausführung mit den Geschwindigkeiten 9,5 cm/s und 19 cm/s sowie eingebauten Endstufen. Laut dem Deckel unten wurde sie zuletzt am 18.01.1979 auf Revox 601 eingemessen.



Wie weit ich bisher gekommen bin:
Ich habe die Rifa-Kondensatoren ausgetauscht. Da war es auch höchste Zeit, bei einem war das Gehäuse schon eingerissen. Dann wurde noch eine neue Andruckrolle verbaut.
Danach habe ich den kompletten Bandpfad entmagnetisiert und gereinigt.



Damit nun die nachfolgenden Messungen auch korrekt sind, muss man ein paar Voreinstellungen an der Maschine machen, damit die Pegel auch auf beiden Kanälen gleich sind. Ich habe das so gemacht, wie es im SM beschrieben ist. Man muss den Output-Regler voll aufdrehen, den Balance-Regler in Mittelstellung bringen und bei Eingangspegelsteller ebenfalls voll aufdrehen. Als Eingang wird an beiden Kanälen "AUX" gewählt, der Monitor ist auf "INPUT" und "STEREO" zu schalten. Nun habe ich mit dem Funktionsgenerator einen 1 kHz Sinus mit etwa 30 mV angelegt. Am Ausgang sollte das laut SM ca. 2 V ergeben (ich denke, hier ist immer der Effektivwert gemeint). Dann stellt man den Balance-Regler so ein, dass beide Kanäle den gleichen Pegel haben.
Das sieht dann bei mir so aus:


Ch1 ist links, Ch2 rechts.

Das sollte soweit passen.

Als nächtes wollte ich die Spalteinstellung des Wiedergabekopfes prüfen. Dazu habe ich meine Spalt-Justage-Messband aufgelegt und abgespielt (10 kHz-Signal) und das Oszi in den X/Y-Betrieb geschaltet. Es zeigte sich, dass die Einstellung nicht ganz passte. Um die Spalt-Justage durchzuführen, muss man an der im folgenden Bild mittig zu sehenden Schraube gefühlvoll drehen:



Danach sah das Oszi-Bild so aus:



Das sollte so auch passen, im laufenden Betrieb zittert die Anzeige natürlich etwas.
Die Schraube wurde dann wieder mit Sicherungslack gesichert.

Im nächsten Schritt wollte ich den Wiedergabepegel einstellen. Das Oszi wurde wieder in den Y/T-Betrieb geschalten und das Pegelmessband eingelegt. Das sah dann so aus:



Laut SM sollen die Ausgangpegel auf 2 V eingestellt werden (ich denke hier ist wieder der Effektivwert gemeint). Die Abweichung erschien mir aber etwas groß. Mein Pegelmessband hat ein 1 kHz-Signal mit einem Pegel von 250 nWb/m bei 19 cm/s. Wie hoch ist der Bezugspegel bei der A77 definiert, 320 nWb/m? D.h. ich müsste bei Verwendung meines 250 nWb/m-Bandes den Pegel auf 1,56 Veff einstellen, wenn ich die Maschine auf einen Bezugspegel von 320 nWb/m einmessen will. Ist das richtig?

Weiter bin ich bisher noch nicht gekommen. Wenn der Wiedergabepegel richtig eingestellt ist, möchte ich den Spalt des Aufnahmekopfes überprüfen und ggf. justieren. Wie gehe ich da richtig vor?

Thema wird fortgesetzt...
Grüße

Wayne

2

Sonntag, 21. Januar 2018, 21:10



Davon abgesehen, der Wiedergabepegel im Zusammenhang mit einer bestimmten Ausgangsspannung ist nur in einer genormten Umgebung bzw. mit Rauschreduzierung wichtig. Ansonsten sollte man halt nur irgendwo zwischen dem Rauschen und der Aussteuerungsgrenze der Verstärker bleiben. 2 Volt bei 257nWb/m wären bei der Standard A77 schon etwas zu hoch (2V = 0VU bei 6dB Vorlauf schafft die A77 nicht), ob man nun 1,55V (wird auch noch eng) oder 1,228V oder auch nur 0,775V einstellt ist relativ unbedeutend (Kopfhörer bleiben unberücksichtigt :)).

Gruß Ulrich

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3

Montag, 22. Januar 2018, 19:53

Hallo!

Danke für den Hinweis Ulrich!

Ich habe heute nach der Arbeit weitergemacht. Zuerst habe ich den Wiedergabepegel auf die 1,55 Veff eingestellt:



Düfte so passen.

Als nächstes habe ich die Wiedergabeentzerrung überprüft. Das sah alles ganz gut aus. Nachfolgend ein paar Oszi-Bilder von 16 kHz, 8 kHz, 2 kHz, 500 Hz und 63 Hz. Bitte nicht von der Phasenverschiebung irritieren lassen, das EQ-Messband ist da anscheinend nicht ganz sauber. Ich habe danach nochmal das Spaltmessband eingelegt und die Spalteinstellung passte hervorragend. Es geht hier jetzt nur um die Pegel:











Die Pegel sind alle recht gleich, nur im Tieftonbereich merkt man eine Erhöhung. Das ist aber OK, denke ich.

Nun wurde ein RTM LPR35 eingelegt, auf das eingemessen werden soll:



Dann wollte ich die HF-Sperren überprüfen. Bei den Aufnahmeverstärkern ging das noch ganz gut. Das Signal soll laut SM <300 mV sein, das Pegelminimum war bei mir etwa bei 230 mV. Hier exemplarisch ein Kanal, es wurde laut SM am Messpunkt C515 gemessen:



Wiedergabeseitig muss der HF-Pegel dann auf <30 mV an den Ausgangsbuchsen eingestellt werden. Das ging aber nur bei einem Kanal:



Der rechte Kanal ließ sich nur auf minimal ca. 110 mV einstellen. Wo liegt der Fehler?
Grüße

Wayne

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Montag, 22. Januar 2018, 20:46

War das ein Minimum (mitten)drin im Abgleichbereich von L801 bzw L80x oder hattest du dabei einen der Anschläge erreicht ?

In letzterem Fall würde das daraufhin deuten, daß der Spulen-Induktivitäts-Abgleichbereich oder der parallele Kondensator (C808 bei CH I) zu sehr vom Sollwert abweicht.

MfG Kai
Nachtrag: Wenn C809 und sein Kompagnon nicht ihre Pflicht tun, fällt die HF-Unterdrückung auch schlechter aus.

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5

Montag, 22. Januar 2018, 20:50

Bau mal das untere Blech ein und messe nochmal
Meiner Erfahrung nach kann man die A77 ohne dieses Blech nicht einmessen, weil zuviel HF einstrahlt
Viele Grüße
Jörg

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6

Montag, 22. Januar 2018, 20:55

Würde sich das auf die beiden Kanäle unterschiedlich auswirken ?

HF, die hinter der Sperre eingekoppelt wird, kriegt man mit selbiger natürlich nicht weg...

MfG Kai

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Montag, 22. Januar 2018, 21:04

Wie hoch ist der Bezugspegel bei der A77 definiert, 320 nWb/m? D.h. ich müsste bei Verwendung meines 250 nWb/m-Bandes den Pegel auf 1,56 Veff einstellen, wenn ich die Maschine auf einen Bezugspegel von 320 nWb/m einmessen will. Ist das richtig?

Weiter bin ich bisher noch nicht gekommen. Wenn der Wiedergabepegel richtig eingestellt ist, möchte ich den Spalt des Aufnahmekopfes überprüfen und ggf. justieren. Wie gehe ich da richtig vor?


Zu deiner ersten Frage: Revox schreibt als Bezugspegel 257 nWb/m für 0 VU vor. Die VU-Meter sollen 6 dB Vorlauf bekommen, daher entspricht 0 dB Peak (+6 dB VU) einem Bandfluss von 514 nWb/m. Da man 0 dB Peak nicht ablesen kann (die Zeiger liegen dabei ja schon länger am rechten Anschlag) hat man zu diesem 257 nWb-Trick gegriffen.
Wenn du ein Pegelmessband mit 250 nWb/m hast, kannst du das ohne Weiteres und ohne Umrechnung verwenden. Die Differenz beträgt nur -0,25 dB und ist damit in der Praxis bedeutungslos (weniger als eine Zeigerbreite).

Um den Aufnahmekopf zu überprüfen, gehst du genauso vor wie beim Wiedergabekopf, nur, dass du ein Leerband benutzt und in der Betriebsart "Aufnahme/Hinterband" arbeitest. Die geringe Verzögerung zwischen den Köpfen muss beim Drehen der Azimutschraube beachtet werden.

LG Holgi

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Montag, 22. Januar 2018, 21:29

Guten Abend und danke für Eure Antworten!

Also einen Anschlag bei den Induktivitäten habe ich nicht erreicht. Der linke Kanal ist richtig eingestellt und recht mittig, beim rechten Kanal ist es auch recht mittig, nur dass das Minimum eben viel höher liegt. Auf das mit dem Blech wäre ich jetzt gar nicht gekommen, das kann schon sein. Schließlich ist der linke Wiedergabeverstärker viel weiter abseits und wird daher möglicherweise nicht so beeinflusst. Ich werde das morgen mal ausprobieren, ob das Blech was ändert.
Ansonsten muss ich mir mal die Schaltung genau zu Gemüte führen, heute hatte ich dazu keine Zeit mehr.

@Holgi:

Ja, ich hatte das mittlerweile auch herausgefunden. Den Azimuth hätte ich auch so eingestellt wie Du das geschrieben hast. Die HF-Sperren wollte ich mir ursprünglich gar nicht ansehen, bis ich zur Spalteinstellung das Hinterbandsignal am Oszi sah. Da merkte ich erst, dass da was nicht stimmt.
Grüße

Wayne

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Montag, 22. Januar 2018, 21:36

bezüglich HF-Pegel Wiedergabe, der Einwand mit dem unteren Schirmblech scheint mir zutreffend; hatte das gleiche Problem, habe dann probeweise die Verstärker gegeneinander gewechselt, "Fehler" blieb auf gleichem Kanal, also habe ich den nicht weiter beachtet

Den Wiedergabepegel habe ich auf 1,55V bei 257 nWb/m eingestellt, ist aber sowieso auch mit Messband nur annähernd zu bewältigen, da du genau wie beim Azimuth immer ein leichtes Flattern der Anzeige hast, Pegelgleichheit auf Oszi und ok, an der Anlage angeschlossen lasse ich das Lautstärkepoti auf 5 - 6, sonst bekomme ich mit meinem Verstärker die Lautstärke nicht mehr sauber geregelt, da wäre ich im Bereich 4 von 32 schon bei "guter" Zimmerlautstärke, habe den Pegel schlichtweg auf die anderen Quellen abgestimmt.

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Montag, 22. Januar 2018, 22:24

en Wiedergabepegel habe ich auf 1,55V bei 257 nWb/m eingestellt

Das ist völlig korrekt. Ulrich hatte das oben auch schon mit dem Ausschnitt aus dem SM dokumentiert, aber man kann ja noch mal darauf hinweisen... :)

Man tauscht auch routinemäßig den 10 kOhm-Widerstand R818 in den Wiedergabeverstärkern gegen einen solchen von 14-15 kOhm, um das zu frühe unsymmetrische Clippen der Ausgangsstufe zu verhindern.


Fairerweise muss man darauf hinweisen, dass diese Modifikation zu einem etwas früheren Verzerren am Kopfhörerausgang führt, wenn niederohmige Hörer benutzt werden. Aber der Revox'sche Kopfhörerausgang ist sowieso ein Schwachpunkt.
In meine A77 MK IV hatte ich damals einen Kopfhörerverstärker nach der Schaltung der B77 nachgerüstet.

LG Holgi

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Montag, 22. Januar 2018, 23:58

Beim Azimut für den Aufnahmekopf bitte unbedingt beachten, bei niedriger Frequenz anzufangen und den Generator langsam noch oben durchdrehen! Sonst hast Du ganz schnell nen Phasendreher drin!

LG Martin
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Dienstag, 23. Januar 2018, 08:20

Hallo Martin!

Danke für den Hinweis, ist mir aber bekannt. Mein Spaltjustierband für den Wiedergabekopf hat auch mehrere Frequenzen aufgezeichnet, so dass man da ebenfalls nicht versehentlich auf ein Nebenmaximum stellt.
Grüße

Wayne

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Dienstag, 23. Januar 2018, 08:44

Man tauscht auch routinemäßig den 10 kOhm-Widerstand R818 in den Wiedergabeverstärkern gegen einen solchen von 14-15 kOhm, um das zu frühe unsymmetrische Clippen der Ausgangsstufe zu verhindern.


Dazu habe ich eine recht interessante Lektüre gefunden (Hier ganz nach unten scrollen)
Dem entgegen stehen auch zigtausend A77, die problemlos ohne diese Modifikation laufen.
Viele Grüße
Jörg

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Dienstag, 23. Januar 2018, 16:37

Mit dem Phasendreher ists mir selber passiert. Hatte bei Niels 2000er einen wunderschön geraden Strich bei 10 kHz, bis ich den Generator runterdrehte....
Leute, bleibt schön glatt gewickelt!

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Dienstag, 23. Januar 2018, 18:52

Mit dem Phasendreher ists mir selber passiert. Hatte bei Niels 2000er einen wunderschön geraden Strich bei 10 kHz, bis ich den Generator runterdrehte....

Lässt sich auch ohne Oszilloskop feststellen:
Bei kleiner Geschwindigkeit Rauschen aufzeichnen (rosa, weiß ...), dabei die Wiedergabeausgänge auf Mono zusammen schalten. Auch hier gibt es exakt eine Einstellung, wo das Rauschen am schärfsten ist.

Grüße, Peter

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Dienstag, 23. Januar 2018, 20:00

Man hat mit der Wippe mit zwei Azimutschrauben, die gegeneinander verspannt werden, so viele Justageprobleme, daß das mit dem Rauschen schwieriger wird, als mit der Lissajousfigur. Du mußt Dich mit dem Azimut der besten Stellung mit leicht angezogenen Schrauben nähern, um dann mit der richtigen Schraube den Kopf festzuspannen. Und dabei mußt Du die Idealeinstellung des Azimut treffen. Und nach dem Festziehen federt das ganze noch zurück.

LG Martin
Leute, bleibt schön glatt gewickelt!

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Dienstag, 23. Januar 2018, 20:13

Hallo!

Ich hab' heute weitergemacht. Es lag tatsächlich an dem Blech unten. Nachdem ich das wieder festgeschraubt hatte, ließen sich die HF-Sperren richtig einstellen:



Allerdings habe ich noch was komisches festgestellt:
Ich wollte auch noch die Spannung am Löschkopf überprüfen. Laut SM soll man ja da direkt an der VU-Meter-Platine messen, da man da aber so blöd rankommt, hab' ich direkt am Kopf gemessen. Kanal 1 sollte die blaue Leitung sein und Kanal zwei die orangene. Je Kanal soll die Spannung bei einer Halbspur-A77 ca. 21V betragen.
Gemessen an der orangenen Leitung kam aber das raus:



Ca. die doppelte Spannung. An der braunen Leitung in der Mitte hatte ich dann 22V:



An der blauen Leitung (Kanal 1) gar nichts! Es sieht so aus, als wären die beiden Systeme im Kopf in Reihe geschaltet. Das kann doch nicht sein, übersehe ich da etwas? Die Verdrahtung habe ich kontrolliert, die ist richtig und stimmt mit dem Schaltplan überein. Es waren beide Kanäle auf Aufnahme geschaltet.

Ich machte dann trotzdem einfach weiter.

Grundeinstellung für Aufnahmezweig-Einstellungen:
Der Pegel soll -20dB unter Bezugspegel sein. Ich konnte leider meinen Funktionsgenerator nicht tiefer stellen als das etwa 215 mV rauskamen:



So habe ich dann weitergemacht.

Spalteinstellung Aufnahmekopf bei 10 kHz über Band:



Vormagnetisierung einstellen:
Ebenfalls bei 10 kHz. Zuerst Pegelmaximum bei 19cm/s:



Laut Datenblatt LPR35 soll der Abfall bis zum Arbeitspunkt -4 dB betragen. Habe ich dann in etwa so eingestellt:



Das Gleiche bei 9,5 cm/s. Pegelmaximum:



Hier soll der Abfall -4,5 dB betragen, auch in etwa so eingestellt:



Aufnahmepegel einstellen:
Hier habe ich es mir etwas einfach gemacht. Ich habe jeweils pro Kanal das Vorbandsignal als Referenz gespeichert und eingeblendet. Dann die Signale so eingestellt, dass sie konvergent sind.

Linker Kanal:Rechter Kanal:

Aufnahmeentzerrung einstellen:
Hier habe ich es ähnlich gemacht. Das Hinterbandsignal bei 1 kHz jeweils als Referenz hinterlegt und dann die Entzerrung bei 12 kHz auf den gleichen Pegel eingestellt.

19 cm/s:

Linker Kanal:Rechter Kanal:

9,5 cm/s:

Linker Kanal:Rechter Kanal:

Frequenzgang über Band kontrollieren:
Der Referenzpegel sind hier die ca. 215 mV von oben. Ich habe bei 250 Hz, 500 Hz, 2 Khz, 4 kHz, 8 kHz und 12 kHz den Pegel kontrolliert. Hier exemplatisch nur 19 cm/s, muss natürlich bei beiden Geschwindigkeiten gemacht werden:







Wie man sieht, ist der Pegel überall in etwa gleich, das sollte also dann passen.

Als Nächstes wäre die Klirrfaktormessung über Band dran, um die VU-Meter einzustellen. Ein Klirrfaktormessgerät habe ich jetzt nicht. Wie gehe ich da am Besten vor?
Grüße

Wayne

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18

Dienstag, 23. Januar 2018, 20:46

Das mit deiner Messung der Löschspannung ist ok so, die beiden Kopfsysteme liegen tatsächlich in Reihe.
Kannst du am Schaltplan des Oszillators überprüfen.
Bei mir steht drin: brn-blu ca. 22 V, org-blu ca. 44 V (für Zweispur).

Ohne Messgerät einen Klirrfaktor von 3% einzustellen ist nicht möglich, behelfsweise hält man sich an die Aussteuerungsangaben im Banddatenblatt.
Mit Erfahrung geht die Einstellung der VU Meter auch nach Gehör, doch ist das kein vollwertiger Ersatz für eine Messung.

Grüße, Peter

19

Dienstag, 23. Januar 2018, 22:21

Dazu habe ich eine recht interessante Lektüre gefunden (Hier ganz nach unten scrollen)


Nun Ja, man kann den Arbeitspunkt verschieben oder man kann Ihn so lassen, wer die technischen Hintergründe versteht kann das Für und Wieder Abwegen.

Was ich nicht verstehe ist, warum ein kommerzieller Anbieter nur die eine Seite sieht und die Andere nicht, warum er derartig dagegen schießt.

Ich bereue nicht zum ersten male, es jemals mit der lächerlichen (und alles Andrem als geheimen) Änderung des R818 zu tun gehabt zu haben.

Gruß Ulrich

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20

Dienstag, 23. Januar 2018, 23:36

Ich habe ja in meinem Posting # 10 auf die nachteiligen Auswirkungen auf den Kopfhörerausgang hingewiesen.
Wenn ich den gelegentlich mal benutze, habe ich allerdings noch nie so weit aufgedreht, dass ich einen zu geringen Pegel oder Verzerrungen bemerkt hätte. Es hängt natürlich auch von der Impedanz des Hörers ab.

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21

Mittwoch, 24. Januar 2018, 07:08

Hallo Wayne,
bei der A77 werden nach dem Anhang des Servicemanuals (Seite 44, bzw. im PDF S46) gar nicht mehr die VUs nach Klirrfaktor eingestellt, sondern auf einen festen Pegel wie bei der B77. Damit hat sich das erledigt ;) (da stehen auch noch ein paar geänderte Pegelwerte drin - schön dass das ganz am Ende ddes Manuals steht, wenn man schon fertig ist ;) )

Messen lässt sich der Klirr übrigend gut mit der Audiotester-SW und einer Soundkarte.

Gruß
Volker

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22

Mittwoch, 24. Januar 2018, 12:24

Hallo und danke für Eure Antworten!

Ich sehe schon, ich habe eine veraltete Version des Service Manuals, das mit dem Bezugspegel und jetzt die Klirrgradmessung zeigen das. Weiß jemand wo ich eine aktuellere Version herbekomme, in der die ganzen Ergänzungen mit drin sind oder die Ergänzungen alleine?
Grüße

Wayne

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23

Mittwoch, 24. Januar 2018, 12:35

Hab's mal hochgeladen, steht dort eine Woche zur Verfügung:

https://we.tl/Ell2dYa03i

Grüße, Peter

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24

Mittwoch, 24. Januar 2018, 14:58

Hallo Peter!

Vielen Dank!
Grüße

Wayne

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Mittwoch, 24. Januar 2018, 17:16

Das liegt doch auch alles auf dem Studer-Server! ftp://ftp.studer.ch/Public/Products/Revox/

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Mittwoch, 24. Januar 2018, 18:18

Das liegt doch auch alles auf dem Studer-Server! ftp://ftp.studer.ch/Public/Products/Revox/


Das 1984er SM mit dem besagtem Anhang habe ich dort nicht gefunden, vielleicht habe ich nicht gründlich genug nachgeschaut?

Grüße, Peter

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Mittwoch, 24. Januar 2018, 19:03

vielleicht habe ich nicht gründlich genug nachgeschaut?

Das halte ich für sehr wahrscheinlich! ;)
Das dort abgelegte SM ist von April 1984 und enthält alle erwähnten Korrekturen.
Kuck mal hier: ftp://ftp.studer.ch/Public/Products/Revox/Revox_A77/Manuals/
Die letzte Datei in der Liste!

Gruß Holgi

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28

Mittwoch, 24. Januar 2018, 20:50

Die letzte Datei in der Liste!

Ja, die hatte ich mir auch angesehen, aber die Änderungen sind mir beim ersten Mal nicht aufgefallen.
Das von mir hochgeladene SM ist aber auch nicht nutzlos, weil es komplett auf Deutsch ist.

Grüße, Peter

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29

Mittwoch, 24. Januar 2018, 22:13

Hallo,

nachdem ich nun das aktuelle SM habe, stellte ich noch die VU-Meter ein.

Dazu werden 500 Hz angelegt mit einem Pegel, dass man am Ausgang +6 dB hat (entspricht 3,1 Volt bei 0 VU = 1,55 V) und die Maschine auf Aufnahme geschaltet (alles Hinterband-Pegel):



Nun an den Eingangstellern den Pegel auf 0 VU eingestellt, entspricht 1,55V:



Und so mit den dementsprechenden Potis die VU-Meter auf 0VU eingestellt. Eine kleine Korrektur war notwendig.

Zum Schluss habe ich noch eine Frequenzgangsmessung bei 19 cm/s gemacht:



Sieht ganz vernünftig aus, wie ich finde.

Das sollte es dann gewesen sein oder sollte ich mir noch irgendwas ansehen? Wenn nicht, werde ich mal versuchen das ganze Prozedere in eine Anleitung zu schreiben.
Grüße

Wayne

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30

Donnerstag, 25. Januar 2018, 07:54

die Auflösung deines Messdiagramms vom audio Tester ist nicht besonders hoch
Gruß Ulf