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181

Tuesday, October 30th 2018, 7:07am

Vielen Dank an Peter!
Die Jugoslawien-Methode ist eine sehr interessante Geschichte und sehr hilfreich um mal eben schnell die Vormagnetisierung ohne Messtechnik einzustellen. Ich habe das mit LPR35 gestern mal ausprobiert. Bei 9,5cm/s und 19cm/s habe ich den messtechnisch ermittelten Wert fast genau getroffen, wenn ich das nach Gehör einstelle (das ist auf der A807 leicht an den DAC-Einstellwerten abzulesen). Bei 38cm/s bin ich nach Gehör etwas unter den messtechnischen Werten. Hier hatte ich -4dB unter Maximum bei 10kHz eingestellt, kann aber gut sein dass das zu viel ist, der Wert war nicht aus dem Datenblatt sondern mehr oder weniger geraten ;)
Bei LGR30 kann ich einen zu niedrigen BIAS leicht erkennen, bei zu hohen Werten höre ich das eher weniger raus, das Optimum ist hier nicht so ausgeprägt wie beim LPR35.
Was mir bei den Tests noch aufgefallen ist: Bei optimalem BIAS ist auch der Wiedergabepegel (getestet mit 2Hz...30Hz) maximal - ist das jetzt Zufall oder gibt es da einen erklärbaren Zusammenhang?

Viele Grüße
Volker

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182

Tuesday, October 30th 2018, 3:46pm

Hallo Volker,

Bei 9,5cm/s und 19cm/s habe ich den messtechnisch ermittelten Wert fast genau getroffen, wenn ich das nach Gehör einstelle (das ist auf der A807 leicht an den DAC-Einstellwerten abzulesen).

Die Einstellung bei 9,5 ist bei vielen Bandtypen nicht so leicht zu finden, weil das Minimum meist niedriger liegt und außerdem nicht so scharf ausgeprägt ist, was in den Arbeitspunktkurven der Hersteller an einem relativ flachen Kurvenverlauf zu erkennen ist. Meist werden die MR-Kurven für 9,5 gar nicht erst eingezeichnet, Hinweis darauf, dass die Bandhersteller für niedrige Geschwindigkeiten andere Einstellmethoden empfehlen.


Bei 38cm/s … hatte ich -4dB unter Maximum bei 10kHz eingestellt, kann aber gut sein dass das zu viel ist, der Wert war nicht aus dem Datenblatt sondern mehr oder weniger geraten ;)

Klarheit verschafft hier die Einstellung nach dem Klirrfaktorminimum. Die in Datenblättern spezifizierte Delta-S-Werte gelten strenggenommen nur für die dort angegebene AK-Spaltbreite.


Bei LGR30 kann ich einen zu niedrigen BIAS leicht erkennen, bei zu hohen Werten höre ich das eher weniger raus, das Optimum ist hier nicht so ausgeprägt wie beim LPR35.

Unterschiedliche Bandtypen zeigen hier manchmal sehr unterschiedliches Verhalten, was aus den Arbeitspunktkurven der Hersteller zu entnehmen ist. Generell wird das MR relativ lauter, wenn der AP zu niedrig statt zu hoch eingestellt ist. Auch die Klangfarbe des MR bei korrekter und bei Fehljustage ist für fast jeden Bandtyp verschieden, sie besitzen charakteristische Signaturen.


: Bei optimalem BIAS ist auch der Wiedergabepegel (getestet mit 2Hz...30Hz) maximal - ist das jetzt Zufall oder gibt es da einen erklärbaren Zusammenhang?

Das war schlicht der Zweck der Pigmentherstellung: maximale Empfindlichkeit bei möglichst minimalen Klirrfaktor- und MR-Werten. Eine Erklärung nach dem Remanenzkurvenmodell wäre, dass in der Mitte der Remanenzkurve deren Steigung am größten ist.

Grüße, Peter

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183

Thursday, November 1st 2018, 10:13pm

Die Begeisterung für Capture und MDS36 in den USA gründete sich maßgeblich darauf, dass die Inlandsversandkosten dezent niedriger waren als der Überseeversand für RMGI/RTM-Bänder. Allerdings habe ich abgesehen von den erwähnten Breitenproblemen eigentlich nur Positives über die Bänder gelesen.

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184

Thursday, November 1st 2018, 10:25pm

Allerdings habe ich ... eigentlich nur Positives über die Bänder gelesen.

Ich war aufgrund der Vorschusslorbeeren auch überrascht, doch leider lügen die Messgeräte nicht :S

Grüße, Peter

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185

Friday, November 2nd 2018, 10:30am

Die Begeisterung für Capture und MDS36 in den USA gründete sich maßgeblich darauf, dass die Inlandsversandkosten dezent niedriger waren als der Überseeversand für RMGI/RTM-Bänder. Allerdings habe ich abgesehen von den erwähnten Breitenproblemen eigentlich nur Positives über die Bänder gelesen.

Das ist genau umgekehrt wie bei uns. Wenn man sich das ATR Master Tape bei Thomann ansieht, da kostet der Rohwickel satte 59,00 EUR, auf Aluspule gar 99,00 EUR. Das ist im Vergleich zu SM900, 37,00 EUR der Rohwickel bzw 64,00 EUR auf Aluspule schon saftig. Das MDS-36 gibts bei uns gar nicht zu kaufen.

Im ATR-Onlineshop hingegen kostet der Rohwickel Master Tape 41,00 USD. Das wären bei aktuellem Dollarkurs knapp 36 EUR, wobei man die Steuer noch draufrechnen muss.

Diese Preise haben mich immer abgeschreckt die ATR-Bänder mal auszuprobieren. Wobei ich sagen muss, ich sehe auch gar keinen Grund mehr die ATR-Bänder zu kaufen. Ich unterstütze da lieber Mulann, die m.M. gute Arbeit leisten. Wobei ich auch davon ausgehe, dass die bei ATR ihr Handwerk verstehen.
Grüße

Wayne

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186

Friday, November 2nd 2018, 12:02pm

Hallo!

In den letzten Tagen habe ich Bänder von TDK (Txp LX35)
auf meiner AS6004S abgehört (19cm/s).



Beanstandungen gab es keine.

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187

Saturday, November 3rd 2018, 4:24pm

Allerdings habe ich ... eigentlich nur Positives über die Bänder gelesen.

Ich war aufgrund der Vorschusslorbeeren auch überrascht, doch leider lügen die Messgeräte nicht :S

Ich frage mich jetzt eher, ob die auf Tapeheads eigentlich irgendwelche Messungen durchgeführt oder nur nach einem subjektiven Höreindruck entschieden haben, eventuell noch auf einer gar nicht für den Bandtyp eingemessenen Maschine. Es gibt dort durchaus Leute mit Wissen und Mess-Equipment, aber ich habe den Eindruck viele sind Enthusiasten, denen ein subjektives "klingt gut!" völlig ausreicht.

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188

Sunday, November 4th 2018, 5:11pm

Hallo!

In den letzten Tagen habe ich Bänder von TDK (Txp LX35)
auf meiner AS6004S abgehört (19cm/s).

index.php?page=Attachment&attachmentID=22428

Beanstandungen gab es keine.
Ich habe zwei davon im Bestand von etwa 1984. Beide völlig unbrauchbar, weil schmierend.
Schöne Grüße

Rainer

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189

Sunday, November 4th 2018, 5:39pm

Hallo,
hat jemand schon mal schmierende Kassetten gehabt? Rein Interessehalber.
Gruß, Jürgen

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190

Sunday, November 4th 2018, 5:53pm

Hallo!
In den letzten Tagen habe ich Bänder von TDK (Txp LX35)
auf meiner AS6004S abgehört (19cm/s).
index.php?page=Attachment&attachmentID=22428
Beanstandungen gab es keine.
Ich habe zwei davon im Bestand von etwa 1984. Beide völlig unbrauchbar, weil schmierend.

Das Thema passt besser hier rein. Gibts von euch dazu auch Chargennummern? :)


Hallo,
hat jemand schon mal schmierende Kassetten gehabt? Rein Interessehalber.

Ja, ich meine mich zu erinnern, dass es sich dabei um diesen Typ gehandelt hat.
Grüße

Wayne

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191

Sunday, November 4th 2018, 7:30pm

Nein, ich hatte noch keine schmierenden Cassetten, auch und gerade von TDK nicht.

Eine Chargennummer hätte ich noch (und ich sehe gerade: das war bei mir GX35): A1YC325
Schöne Grüße

Rainer

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192

Monday, November 5th 2018, 11:30am

(und ich sehe gerade: das war bei mir GX35): A1YC325

...und genau das ist auch das Problem: Die Akai GX sind für Probleme (schmieren, stauben) bekannt. Die LX-Bänder hingegen sind Problemlos, auch bei mir. Chargennummer für beide Typen liefere ich nach.

Grüße, Rainer

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193

Monday, November 5th 2018, 2:51pm

Hallo Wayne!

Du hast ja so recht ("anderer Beitrag wäre sinnvoller").

Da sollten mein Zeilen eigentlich auch hin.
Sorry...

Gruß
Wolfgang

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194

Monday, November 5th 2018, 3:06pm

Hallo,
hat jemand schon mal schmierende Kassetten gehabt? Rein Interessehalber.
Gruß, Jürgen
Ja, eine "Exclusiv" C60. Später auf anderen Köpfen schmierte sie aber nicht mehr. Kann sie wieder normal spielen. Ist auch schon +40 Jahre alt.

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195

Tuesday, November 6th 2018, 12:31pm

hat jemand schon mal schmierende Kassetten gehabt? Rein Interessehalber.

Ich habe noch eine Tokaido Super Chrom C60 aus dem Jahr 1985. Diese schmiert und quietscht in meinem AIWA AD-F800 mit Dual-Capstan fürchterlich und produziert jede Menge Abrieb. Auf meinem Ghettoblaster von Sharp (GF-500) läuft sie dagegen ohne Probleme.

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196

Friday, November 30th 2018, 10:14pm

Immer wieder aufs Neue stoße ich auf Bandsorten, die zumindest nach meiner bisweilen lückenhaften Erinnerung hier noch nicht erwähnt wurden. Heute:

BASF LGR 41

Also mal schnell in der einschlägigen Bänder-Tabelle bei der AES geblättert - und auch dort wird ein LGR 41 nicht erwähnt.

Wenn wir nun davon ausgehen, daß LGR 40 eine Art Fast-Langspiel-Version des LGR 50 ist, können wir dann auch annehmen, daß es sich bei LGR 41 ebenso um eine dünnere Variante des LGR 51 handelt? Oder was hat es damit auf sich?

Besteht Interesse, daß wir das Angebot gemeinsam kaufen und aufteilen? Ich wäre mit 2-4 Stück dabei, halt aus reiner Neugier, brauche aber den ganzen Batzen von 20 Stück wirklich nicht.

Viele Grüße,
Martin

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197

Friday, November 30th 2018, 10:51pm

Hallo Martin,

vom LGR 41 habe ich nur ein Labormessprotokoll, das mit einer AK-Spaltbreite von 18 µm ermittelt wurde, was in Verbindung mit der Geschwindigkeit 19 cm/s dieses Material als typisches Rundfunkreportageband ausweist. In der Tabelle sind zum Vergleich die ELA-Werte des LGR 40 eingetragen.

Mich verwundert, dass die 13er Bandspulen mit 250m gut gefüllt sind, was eigentlich für die 50µm Klasse spricht. Im Datenblatt des LGR 40 sind jedoch tatsächlich 40µm Gesamtdicke angegeben.

Beim Vergleich mit BASF/EMTEC LPR 35 und PER 368 fällt auf, dass das LGR 41 im gesamten Frequenzbereich ähnlich hoch aussteuerbar ist wie diese.
Sein Klirrfaktor bei 320 nWb/m ist zwar um 4 dB geringer, sein Grundrauschen jedoch um 10,5 bzw. 12,5 dB höher (!) als seine "Mitbewerber".
Ein Gleichfeldrauschspannungsabstand ist für das LGR 41 überhaupt nicht angegeben, welcher gerade beim PER 368 erfreulich hoch liegt (57 dB gegenüber Bezugspegel).

Insgesamt empfinde ich den Preis von 150 Euro für 20 Spulen als deutlich zu hoch taxiert.

Hier die Daten bzw. Arbeitspunktkurven zum direkten Vergleich:







Grüße, Peter

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198

Friday, November 30th 2018, 11:46pm

Hallo Peter!

Vielen Dank für die prompte Antwort, und dann auch gleich mit ausführlichen Daten.

Deiner Bemerkung zum relativ hohen Grundrauschen kann ich bei Betrachtung der Kurvenscharen leider nicht ganz folgen - bei LPR 35 liegt das Vormagnetisierungsrauschen demnach unter Anwendung der IEC-Entzerrung im Bereich von -60...61 dB, bei PER 368 bei -62...63 dB, und bei LGR 41 bei -63...64 dB. Habe ich hier eine Verschiebung im Koordinatensystem übersehen, oder mache ich einen anderen Denkfehler?

250 m "dickeres Langspielband" auf 13-cm-Spule sollte eigentlich passen. Bei normalem 35-µm-Langspielband wären es üblicherweise 270 m, bei Standardband nur um die 180 m.

Klar, der Preis ist nicht gerade niedrig, aber wenn die Angabe "neu/unbenutzt" stimmt, dann fände ich jetzt 7,50 pro Band auch nicht zu sehr abgehoben. Immerhin hat der Anbieter die "Willst Du nicht mit mir feilschen?"-Funktion aktiviert. Da würde ich durchaus mit ein paar Preisvorschlägen ausloten, wieviel Luft noch nach unten ist.

Viele Grüße,
Martin

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199

Saturday, December 1st 2018, 12:03am

Hallo Martin,

ich merke es ist doch schon sehr spät für mich ?(
Mit deinen Korrekturen hast du gleich zweimal recht, Danke!

Allerdings irritieren mich nach wie vor die fehlenden Angaben zum Gleichfeldrauschen, die auch Rückschlüsse auf die Gleichmäßigkeit (Pegelkonstanz) zulassen würden.

Gerade in diesem Punkt gehört das von der Agfa übernommene und bis zum (un)seligen Ende der Emtec weiterentwickelte PER 368 zum Besten, was aus deutscher Fabrikation jemals auf den Markt gelangte.

Hier ein schneller Pegelschrieb eines gebrauchten PER 368 über etwa 2 Minuten für 1 und 16 kHz bei 19 cm/s - notabene den Ordinatenmaßstab :




Grüße, Peter

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200

Saturday, December 1st 2018, 12:04am

Ich muss gestehen, dass meine Neugier geweckt ist.

Ich wäre also dabei. Zwei Bänder würde ich nehmen, falls die Aktion stattfinden sollte.

Gruß
Thomas
Manche Tonträger werden mit jedem Ton träger.

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201

Saturday, December 1st 2018, 11:32am

@ Peter: Aus Deinem Pegelschrieb kann man ja schon fast die Magnetpartikel einzeln herauslesen. Weniger als 0,5 dB Variation bei 16 kHz und 19 cm/s klingt für mich spontan nach einem sehr guten Wert, auch ohne hier ein routiniertes Gespür dafür zu haben, was "normal" ist.

@ Thomas: Ich werde das Angebot nochmal unter "Interessante Auktionen" verlinken, und dann schauen wir mal, ob ein paar Interessenten zusammenkommen.

Viele Grüße,
Martin

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202

Saturday, December 1st 2018, 12:03pm

Aus Deinem Pegelschrieb kann man ja schon fast die Magnetpartikel einzeln herauslesen.

Schön formuliert. Es erinnert nicht zuletzt daran, dass die analoge Magnetbandaufzeichnung in Wahrheit digital stattfindet, Stichwort Blochwände, Weiß'sche Bezirke und magnetische Barkhausensprünge.


Weniger als 0,5 dB Variation bei 16 kHz und 19 cm/s klingt für mich spontan nach einem sehr guten Wert, auch ohne hier ein routiniertes Gespür dafür zu haben, was "normal" ist.

Die zugehörige Bedingung im "ARD Pflichtenheft Nr. 3/4: Studio-Magnettonbänder" (später "Technische Richtlinie" genannt) lautet: Die Schwankungen der Empfindlichkeit (Δ E) dürfen bei allen Frequenzen bis 14 kHz weder hörbar noch größer als ± 0,5 dB sein. Zu messen ist gemäß DIN 45 512 mit einem Messgerät mit 1…2 Hz Grenzfrequenz.

Diese Bedingung gilt für Bänder in Standarddicke (50µm) bei 38 cm/s. Mein Pegelschrieb ist mit 16 kHz, der halben Geschwindigkeit und ohne die vorgeschriebene Schreiberdämpfung entstanden (tatsächlich mit etwa 10 Samples/s), also deutlich ungnädiger.

Die Bandflusschwankungen des (immerhin gebrauchten) PER 368 kHz liegen für 16 kHz bei etwa ± 0,2 dB und damit locker innerhalb der Toleranzgrenze (der konstante Anstieg des mittleren Ausgangspegels während zwei Minuten Messzeit ist der Temperaturdrift des Wiedergabeverstärkers geschuldet). Für 1 kHz ist der Kurvenschrieb schlichtweg sensationell, da kommt kein Bandtyp aus aktueller Produktion mit. Auch von diesen habe ich zahllose Pegelschriebe gesammelt (oder sollte ich besser "Beweismittel" sagen?).

Grüße, Peter

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203

Wednesday, March 6th 2019, 5:18pm

Agfa Magnetonband F

Hallo zusammen,

Voriges Wochenende lief mir via Friedrich Engel ein neues Angebinde aus dem Bestand von Götz Corinth zu (der dem einen oder anderen in unserem erlauchten Kreise vielleicht kein Unbekannter ist), und zwar ein Band Agfa Typ F aus der Leverkusener Fertigung, hergestellt vermutlich um 1950:









Der Kern ist original, mitsamt DRP- und DRGM-Prägung und grauem Schriftfeld, jedoch noch ohne rotes 38er Kennfeld:



Im Unterschied zu vielen Azetatbändern ist das F-Band nicht transluzent (welch wunderbares Wort, zu irgendwas muss dieses unsägliche Große Latinum ja mal nütze sein). Es ist auch weder fabrikneu noch zeitgenössisch bespielt, mit einem Ausschnitt aus "Figaro" in Stereo auf 38 cm/s, der allerdings mit max. -20 dB re. 514 nWb/m etwas übervorsichtig ausgesteuert war.

Nach Digitalisierung der (sowohl anonymen wie einigermaßen uninteressanten) Interpretation habe ich einige Experimente und Musikaufzeichnungen vorgenommen, ebenfalls in Stereo, aber mit 76 cm/s und mit 17,5 µs, was laut Braunbuch durchaus innerhalb der Einstellmöglichkeit des V 5 Verstärkers aus RRG-Zeiten liegt. Kurzum, ich wollte herausfinden, was sich aus dem Material maximal herausholen lässt.

Als erstes fiel mir auf, dass die alte Aufzeichnung trotz ihres geringen Bandflusses sich tatsächlich nicht vollständig löschen lässt, selbst nach zehnmaligem Drosseldurchlauf. Sie wird sogar stärker hörbar, sobald HF-Vormagnetisierung (mit ihrem unweigerlichen Rauschanteil) aufgezeichnet wird :huh:

Dieser sog. Memoryeffekt hat – wie ich schon argwöhnte – offenbar nicht nur etwas mit der chemischen Zusammensetzung des Pigments zu tun (diese Form magnetischer Instabilität war charakteristisch für die zweite Generation der C-Bänder der Ludwigshafener IG-Farben mit Fe3O4 als Pigment), sondern auch mit dessen Form (kubisch statt nadelförmig) – weswegen auch immer, das ist heute wohl nicht mehr zu klären. Bislang ist mir dergleichen nur bei einem CH der Agfa Wolfen von 1953 begegnet, das ebenfalls aus kubischem Fe2O3 besteht.

Rudolf Müller (seit 1980 tätig bei Agfa-Gevaert München in den Abteilungen Anwendungstechnik Magnetband und Produktentwicklung) verfasste für die 77. AES Convention in Hamburg 1985 eine Art Abriss über die Fortschritte der Magnetbandtechnik seit ihren frühen Anfängen. Hier eine Übersicht der ELA-Eigenschaften einiger charakteristischer Bandtypen:



Die Arbeitspunktkurven aus der 67seitigen Langfassung seines resümierenden Berichts bestätigen, dass die Parameter Aussteuerbarkeit, Klirrfaktor und Gleichfeldrauschen beim Bandtyp F nicht wirklich miteinander harmonieren. Möchte man das Material möglichst hoch aussteuern, handelt man sich höhere DCN-Werte ein und umgekehrt:



Bei moderneren Bandtypen fallen für die angestrebte Ziel-Bandgeschwindigkeit und AK-Spaltbreite im empfohlenen Arbeitspunkt die Minima für Klirrfaktor und Gleichfeld- bzw. Modulationsrauschen mehr oder weniger perfekt zusammen, wie durch die folgenden beiden Beispiele eindrucksvoll demonstriert wird (PER 525 stereo aus 1967 und PER 528 aus 1981, als k3B und MR bzw. THD und DCN bezeichnet; damalige Bezugsbandleerteile waren PER 525 #0756 bzw. #1544):





Da ich mit 17,5 µs Wiedergabeentzerrung arbeiten wollte, um herauszufinden, welcher Geräuschspannungsabstand maximal herauszukitzeln ist, habe ich bei meinen Musikbeispielen ausnahmsweise ein höheres Modulationsrauschen in Kauf genommen (was ich bei neueren Bandtypen meist umgekehrt handhabe).

Mit dieser Einstellung habe ich drei Klangbeispiele aufgezeichnet, die als mp3 Dateien (320 kbps) gesammelt hier zu finden sind:
https://we.tl/t-qotIg3KYej
(Link bleibt 7 Tage gültig)

L. v. Beethoven: Sinfonie 8-1 Ende - DKB Järvi (2006)
Lincoln Mayorga & Distinguished Colleagues: You Are The Sunshine Of My Life (1974)
Mark Knopfler: Working On It (für den Film "Wag the Dog", 1997)

Mit meiner HF-Justage – ca. -8 dB iv/ivB, wobei ivB für denjenigen Arbeitspunkt steht, der beim 1985 gültigen Referenzleerband der ARD (PER 528 #43211) minimalen Klirrfaktor ergibt – konnte ich ca. 320 nWb/m bei 1 kHz erreichen, d.h. ca. 4 dB mehr als Müller mit seiner um 5 dB höheren VM-Einstellung (blaue Linie im AP-Diagramm für den F Bandtyp, s.o.). Der Preis dafür ist ein Modulationsrauschen, das an die letzte Generation der C-Bänder erinnert. Dieses macht sich besonders bemerkbar in den beiden Beispielen Beethoven (bei 1'51") und Mark Knopfler (bei 0'30").

Für Orgelaufnahmen auf diesem Bandmaterial würde ich die HF eher beim DCN-Minimum justieren, da ihre wesentlich schwächer ausgeprägten Obertöne meist nicht so schnell in die Sättigung fahren, es sei denn man hat mit Zungenregistern zu tun, bei denen mir nichts anders übrig bliebe, als entweder die Wiedergabeentzerrung zu vergrößern (35 µs) oder die Gesamtaussteuerung zu reduzieren.

Falls Interesse besteht, kann ich dieselben Aufzeichnungen gerne mit Einstellung auf DCN-Minimum wiederholen, um einen direkten Hörvergleich zu ermöglichen.

Genau diese Art subjektiver Klangvergleiche hatte ich mir übrigens auch 1981 für meine Diplomarbeit vorgenommen, für die mir schließlich nach vielen freundlichen Bitten, gutem Zureden und Überzeugungsarbeit sowohl Agfa als auch BASF eine komplette Sammlung früher Magnetbandmuster zur Verfügung gestellt hatten.

Die bloße Auflistung trockener elektroakustischer Kenndaten wäre mir als Abschluss eines Tonstudiums buchstäblich zu unmusikalisch erschienen, zumal mich primär die Rückwirkung des Mediums auf die zeitgenössische Aufnahmetechnik interessierte. Doch sollte mein Leben schon damals anders verlaufen als geplant ("… und zweitens, als man denkt", Wilhelm Busch) :whistling:

Im Unterschied zu 1981 stehen mir heute leider nicht mehr die originalen Bandmaschinen, Röhrenverstärker und Kopftypen zur Verfügung (T 8 und T 9 mit V 66/67 bzw. V 86/87), aber tut halt man was man kann – schließlich war Rudolf Müller um 1983 in keiner besseren Situation, wie sich aus seinen Messbedingungen entnehmen lässt. Immerhin benutze ich die gleichen Maschinen- und Kopftypen, dies macht zumindest unsere Ergebnisse vergleichbar :thumbup:

Grüße, Peter

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204

Wednesday, March 6th 2019, 8:21pm


Falls Interesse besteht, kann ich dieselben Aufzeichnungen gerne mit Einstellung auf DCN-Minimum wiederholen, um einen direkten Hörvergleich zu ermöglichen.

Natürlich besteht Interesse, aber ich möchte Dich auch nicht nur wegen mir beschäftigen. ;-)


Viele Grüße

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205

Wednesday, March 6th 2019, 11:56pm

Natürlich besteht Interesse, aber ich möchte Dich auch nicht nur wegen mir beschäftigen. ;-)

Kein Problem, ich fand das kleine Experiment ja auch ganz interessant:
https://we.tl/t-CaZjBTcIhQ
(Auch dieser Link verfällt nach 7 Tagen)

Noch ein kurzes Video meiner zweiten Kopieraktion mit HF-Justage auf minimiertes Modulationsrauschen des Agfa F. Die mäßige Kameraführung bitte ich zu entschuldigen :whistling:
https://youtu.be/nsFsXbQnp2M

Edit: Habe gestern komplett vergessen zu erwähnen, dass mit diesem Bandmaterial bei 76 cm/s die obere Grenzfrequenz etwa 34 kHz beträgt, der Sättigungspegel bei 16 kHz liegt etwa 6 dB über (!) der Vollaussteuerung bei 1 kHz.

Sobald ich die Zeit dazu finde, messe ich auch die übrigen Ela-Parameter durch, in der Literatur finde ich nämlich bislang für das Agfa F bei 76 cm/s nichts.

Grüße, Peter

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Friday, March 8th 2019, 9:55am

Hallo Peter,

nun ist das Grundrauschen ja in beiden Fällen sehr penetrant, wie hoch mag der Fremdspannungsabstand sein, vielleicht 35dB? Ist das jetzt der 38er Geschwindigkeit zuzurechnen, für die das Band ja nicht optimiert war? Ich kann mir nicht vorstellen dass das so (mies) im Jahr 1950 Stand der Dinge war. Da habe ich LGH-Band von ca 1952 bei 19cm/s schon rauschärmer in Erinnerung.
A propos, so ein LGH wäre auch mal messtechnisch interessant, im Vergleich zum späteren LGS (52).
VG Stefan

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207

Friday, March 8th 2019, 10:47am

wie hoch mag der Fremdspannungsabstand sein, vielleicht 35dB?

Ich habe das Rauschen am Anfang und Ende absichtlich nicht abgeschnitten, damit jeder selbst bei Bedarf nachmessen kann.


Ist das jetzt der 38er Geschwindigkeit zuzurechnen, für die das Band ja nicht optimiert war?

Das ist ein Missverständnis, die Aufzeichnung fand bei 76 cm/s und Entzerrung 17,5µs statt. Die Aussteuerung ist so hoch wie gerade noch vertretbar.

Die Tabellen am Ende von "Zeitschichten" zeigen, dass gerade das F-Band eine sehr geringe Sättigungsremanenz aufweist (um 500 nWb/m), seine Vollaussteuerung liegt damit etwa 2 dB unter 320 nWb/m. Das LGH hat demgegenüber eine Sättigungsremanenz von 800 nWb/m, damit sieht die Sache schon anders aus.


A propos, so ein LGH wäre auch mal messtechnisch interessant, im Vergleich zum späteren LGS (52).

Auch hierzu finden sich entsprechende Angaben sowohl in "Zeitschichten" als auch in der im Beitrag #203 gezeigten tabellarischen Übersichtvon Rudolf Müller.

Grüße, Peter

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208

Friday, March 8th 2019, 6:16pm

Ja, wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Steht alles in den Zeitschichten. Gerade nachgeschaut.
VG Stefan