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31

Thursday, April 18th 2019, 7:42pm

Mach Dir da keine Hoffnungen, die Studer-Preise fallen erst, wenn brauchbare Köpfe Mangelware werden. Dann brauch ich so eine Maschine auch nicht mehr.

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32

Thursday, April 18th 2019, 9:28pm

Ja, ist wohl zu befürchten. Andererseits muss man ja auch Träume haben... ;-))

Grüße
Erhard
Hinfallen ist kein Fehler - wohl aber das Liegenbleiben (Th. Heuss)

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33

Sunday, April 21st 2019, 12:32pm

Na ja, wenn in 10 Jahren die Preise nachgegeben haben ;-)) und mir eine bezahlbare STUDER A 807 VU über den Weg laufen würde... Mit Notwendigkeit hat das wohl eher nichts, mit einem sehr starken "Haben-wollen-Reflex" aber viel zu tun.
Als "Prestige" würde ich das aber auch nicht einordnen, wer interessiert sich schon für meine Bandgeräte???

Ich vermute mal ins Blaue, dass es Martin eher um das Prestige der Geräte-Modelle unter Sammlern geht als um das Prestige der Besitzer in der Welt. Da gibt es vermutlich schon Geräte, um die ein absoluter Hype gemacht wird, obwohl sie technisch - in welcher Hinsicht auch immer - gar nicht soooo toll sind. Zum Beispiel wo ein großer Name drauf steht und die Klangqualität theoretisch super wäre, die aber bescheiden zu warten und zu reparieren sind. Da kann man dann schon überlegen, ein vom Klang fast ebenbürtiges, aber weniger gehyptes Gerät zu kaufen, mit dem man letzten Endes mehr Freude hat.
Definitiv bemerkt habe ich einen Preisanstieg bei oberen Mittelklasse-Amateurgeräten wie den Dreimotorern von Philips in den letzten 15 Jahren. Die waren gegen Ende meiner Schulzeit kaum teurer als die diversen Einmotoren-Koffer, für mein N4504 hab ich 35 Euro bezahlt. Und jetzt sieht man die kaum je unter 150 Euro. Revox, Akai und Co. hingegen waren einfach immer teuer, weit jenseits meiner Schmerzgrenze.

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34

Sunday, April 21st 2019, 5:33pm

Da gibt es vermutlich schon Geräte, um die ein absoluter Hype gemacht wird, obwohl sie technisch - in welcher Hinsicht auch immer - gar nicht soooo toll sind. Zum Beispiel wo ein großer Name drauf steht und die Klangqualität theoretisch super wäre, die aber bescheiden zu warten und zu reparieren sind.

Man schaue sich die blingbling Japaner der letzten Serien an - ob das nun im Kleinspulerbereich eine Akai GX-77 oder eine Teac X-2000(R/M) bei den Großspulern ist.
Toll anzusehen, aber teilweise so grauenhaft konstruiert, daß man sich nicht wundern muß wenn diese Kisten nie vernünftig laufen.
Diese Geräte gehen preislich total durch die Decke, während man eine B77 z.B noch zu relativ moderaten Preisen bekommen kann.
Optisch vermisse ich die Teac noch immer, aber im Gegensatz dazu macht meine B77 halt einfach das was ich mir vorstelle :D
Viele Grüße
Jörg

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35

Sunday, April 21st 2019, 10:22pm

...oder eine Teac X-2000(R/M) bei den Großspulern ist.
Toll anzusehen, aber teilweise so grauenhaft konstruiert, daß man sich nicht wundern muß wenn diese Kisten nie vernünftig laufen.
Diese Geräte gehen preislich total durch die Decke, während man eine B77 z.B noch zu relativ moderaten Preisen bekommen kann.
Optisch vermisse ich die Teac noch immer, aber im Gegensatz dazu macht meine B77 halt einfach das was ich mir vorstelle :D

Ja, da ist was dran, aber wenn die richtig eingestellt sind, sind die klanglich ein Träumchen...vermutlich sind das aber die meisten der angeboten Maschinen tatsächlich nicht. Da brauchts halt erstklassige Forianer-Kollegen, die das richten.
Die sog. Fachbetriebe kann man vermutlich außen vor lassen.

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36

Monday, April 22nd 2019, 6:49am

Da könnte man viele Beispiele nennen. Fest steht das die Geldbeutel der 50+ heute gut gefüllt sind. Zeit haben sie auch iangsam wieder mehr Zeit und kaufen sich heute die Geräte die in den 70er bei den Eltern gestanden sind oder die sie in den 80er gern besessen hätten aber die Kohle nicht ganz gereicht hat. In der Regel halt die dicken Schiffe wie man so schön sagt. Das ganze Vinyl Revival baut darauf auf. Das ist heute ein ganz anderer Markt als der aus 2009 wo ich mir nach langer Zeit wieder einen Dual 510 zugelegt habe. Selbst was eine B77 betrifft. Wenn man sich da als Sachkundiger etwas bescheidet und sagt gut eine B77 macht das was ich will, das Tonband xy aber auch zu 90 % dann kommt man zu dem Ergebnis das momentan kein schlechter Zeitpunkt ist auch mal Geräte wieder abzugeben und seinen Gerätepark, sagen wir zu straffen. Und sei es nur um sich zu beweisen das es keine Sucht ist...

Ich erinnere dabei immer an den inzwischen verstorbenen Stiefvater eines guten Freudes, zeitlebens Technikermeister beim bayr. Rundfunk, der privat nur eine schön gepflegte Uher 704L gehalten hat. Also keine Revox, kein Nagra, Akai, Tascam oder Teak. Ne simple kleine Uher die aber wie ein Uhrwerk lief. Der hatte auch ein Ferienhaus am Chiemsee. Am mangelnden Geld ist das also nicht gelegen. Der hat einfach gewusst das in dem Markt auch ziemlich viel heiße Luft mit drin ist.

Schön verpackte heiße Luft natürlich... :D

P.S. Naja, bis zur Uher 704 wirds bei mir nicht gehen...realistisch betrachtet - die bräuchte heute sicher frische Reibräder - ...aber nicht mehr soviel rumstehen lassen habe ich mir vorgenommmen.... :rolleyes: ^^


VG Martin

This post has been edited 5 times, last edit by "leserpost" (Apr 22nd 2019, 7:34am)


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37

Monday, April 22nd 2019, 12:57pm

Mein Gerätepark steht hauptsächlich aus nostalgischer Anhänglichkeit, weil ich zu jedem der Dinger Geschichten habe. Die waren zwar teilweise für mich als Schüler teuer (gekauft Anfang der 90er, und so richtig in den Keller gerasselt sind die Preise erst um die Jahrtausendwende, da gab es dann Röhrenkoffer-Teileträger für einen Euro) aber wirklich Luxus war keines davon. Ich würde sagen die beiden Kronen technisch gesehen sind Grundig TK 46 und Philips N4504, wobei das Grundig eine neue Andruckrolle braucht und mir wegen den kaum verfügbaren Endröhren zu schade zum ernsthaften Einsatz ist.

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38

Tuesday, April 23rd 2019, 12:11pm

Ach du liebe Güte, Ragnar! Die ELL 80 ist doch nicht heilig! Wer mit Röhrengeräten nicht so vertraut ist, meint immer, Röhren sind im Nullkommanichts verbraucht. Soviel Tonbänder kannst du mit deinem TK 46, obwohl es ein solides Gerät ist, gar nicht hören, dass du die ELL 80 verschleisst. Die war einst in Radios berbaut, die den ganzen Tag über dudelten, über viele, viele Jahre! So eine Röhre hält ein paar Tausend Stunden. Bis die in deinem TK 46 runter ist, sind's die Köpfe dreimal!

VG Stefan
Edit: "wegen den kaum verfügbaren Endröhren" - es ist bloß eine! :D

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39

Tuesday, April 23rd 2019, 3:39pm

Wir vergessen hier aber auch noch andere Nutzerkreise und nicht-Nutzerkreise.

Es gibt nicht nur entweder die die sich es einst nicht leisten konnten und nun aus romantischen Gründen es tun oder andere die den hier so oft beschriebenen angeblichen Hype aufsitzen. Ich halte das für etwas übertrieben.

Es gibt auch die Nutzer , die nicht aus Jugendzeiten diese Geräte kannten sondern die in ihrem Leben kaum bis keine Berührung hatten und dann durch Zufall oder Partner oder oder oder darauf stossen und schlichtweg begeistert sind. Der Geräte wegen und - deren Klang.

Der nicht-Nutzerkreis hat eventuell aufgrund von sehr jungem Alter, noch nichts oder kaum etwas davon gehört und deren Interessen ist deswegen nicht geweckt. So ein Beispiel haben wir kürzlich erlebt.

Der Neffe meiner Frau ( 14J) war kürzlich zu Besuch. Meine Frau hatte ihre grosse Nordmende Truhe an mit integrierten TM 700 Tonband und drehte vor sich hin. Der Neffe sagte in der Küche " Wo kommt denn der fette Sound her? Die weichen Bässe?) Ich sagte " Im Wohnzimmer läuft die Ara. Er ging hin, riss sich seinen kleinen digitalen Player von Hals und sagte " Wow was ein Sound. Spielt die auch moderne Songs? " Ich sagte ja, wir stöpseln deinen Player mal hinten an. ( Ich hatte schon Buchsen gebaut und ergänzt an der Truhe). Dann spielte seine Musik. Er saß 1 Stunde auf dem Boden vor der Truhe, kam zurück und sagte meinem Schwager " Ich will auch so ein Ding. " . Dann meinte er dass seine Lieder irgendwie sich anders anhören würden, voller, weicher, er war begeistert. Nun ist eine kleine Truhe mit Tonband in Arbeit :-)

Er wollte alles wissen über Tonbandmaschinen, Tonbänder, wie das funktioniert usw... Ich gab ihm einige Ordner mit Infomaterial mit.
Ein Teil unserer Geräte: 2 x Grundig TK47, Grundig TK 830, Grundig TM 700, UHER 5000 Universalgerät, Telefunken Magnetophon M300, AKAI X-201D, 2 x Dimafon Universa inkl. Platten von 1952 und 1959, TK830, Arabella Musiktruhe 55 mit TM700 integriert, Magnetophon 300 und 302TS, Tefifon M540 und Tefifon M541, TK6L, Tannhäuser 55 & 56, Othello 55, Dual Plattenspieler 1004, 1004S und 1002, Sonolor Röhrenradio, Tefifon B52, Dual Party 295 und noch einige mehr......

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40

Thursday, April 25th 2019, 12:29pm

Ja, das liegt aber rein am Sounding, muss man mögen.

Wenn ich zu lange mit meinem Freiburg höre nervts irgendwann. Der Sound ist einfach nicht sonderlich präzise und ein neutrales Klangbild ist nicht möglich damit. Kann man natürlich Alles schön reden und auch irgendwie subjektiv schöner finden, als lineare Wiedergabe, aber verglichen mit einer guten HiFi Anlage klingts am Ende doch eher muffelig und schwammig.

Und irgendwie sind das auch so typische Begriffe, die Leute ohne Gefühl für guten Klang benutzen, weil sie zum ersten Mal was besseres hören, als ihre Plastik PC Systeme oder BT Lautsprecher für unter 100 Euro.

Ein Kumpel von mir redet auch immer von warmem Klang und weichen Bässen, wenn er den stinknormalen Einsteiger Technics Amp mit irgendwelchen Kompaktanlagen Hitachi Boxen seines Vaters aus den 80ern beschreibt und hebt das über Alles was es sonst so gibt, was natürlich Quatsch ist.

Klar kann eine alte Truhe ganz gut klingen, aber der Junge sollte sich vielleicht auch mal eine neutral spielende HiFi Anlage mit guten Boxen anhören. Deutlich teurer ist das auch nicht, wenn man es gebraucht kauft...

LG Tobi

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41

Thursday, April 25th 2019, 12:53pm

Hallo Tobi :)

Er hat ja eine recht gute Anlage bei sich Zuhause. Also den Unterschied kennt er wohl. Ich mag ihm da gar nicht reinreden, wenn es ihm gefällt...
Ich denke ja dass die Musik von heute auch eher nicht geeignet ist für diese wunderschönen Geräte. Sondern eben zu Musik der Zeit in der sie gebaut wurden.
Also auch orchesterbetonte Musikstücke - und da klingen sie halt fantastisch. besser als heutige Anlagen, noch dazu mit teilweise fürchterlich abgemischten Neuauflagen alter Aufnahmen.....
Wenn wir so ab und zu mal durch das integrierte Radio der Truhe "surfen" , finden wir es auch eine Vergewaltigung da Klangerzeugnisse Wie HipHop Rap oder sonstiger Kram kurz anzuhören. Das hat nichts damit zu tun dass wir diese Klangerzeugnisse sowieso nicht mögen als mehr dass diese Geräte (meiner Meinung nach) nicht für elektronische Klangerzeugnisse aus digitalen Geräten wie z.B. Synthesizer usw ausgelegt sind.

Wir hören ja viel Orchestermusik von 1940- 1960 , mal mit mal ohne Gesang und da kann (unserer Meinung nach) eben keine noch so gute heutige Anlage mithalten. Alleine die Nordmende Truhe mit ihren 5 Lautsprechern (zwei Hochtonelektrostaten wurden zuzüglich intern von mir hinzugefügt) mit ihrem Tieftöner und Mitteltöner , bringt da einen unwiederstehlichen satten und nuancierten Klang.

Aber auch unser Othello 55 3D sowie Tannhäuser sind da absolut hervorragend in ihrer Güte.

:)
Ein Teil unserer Geräte: 2 x Grundig TK47, Grundig TK 830, Grundig TM 700, UHER 5000 Universalgerät, Telefunken Magnetophon M300, AKAI X-201D, 2 x Dimafon Universa inkl. Platten von 1952 und 1959, TK830, Arabella Musiktruhe 55 mit TM700 integriert, Magnetophon 300 und 302TS, Tefifon M540 und Tefifon M541, TK6L, Tannhäuser 55 & 56, Othello 55, Dual Plattenspieler 1004, 1004S und 1002, Sonolor Röhrenradio, Tefifon B52, Dual Party 295 und noch einige mehr......

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42

Thursday, April 25th 2019, 2:19pm

Hallo Tobi,

dein Beitrag brint es dermaßen genau auf den Punkt, das gehört ausgedruckt und eingerahmt.
Hallo Alex,
was ein Fünfziger-Jahre-Konzertschrank an Klang hervorbringt, ist objektiv dermaßen gefärbt, subjektiv, unpräzise, verklirrt und schwammig - dass es uns gefällt. Hohle Bässe, klirrende Höhen (nichts kann ein statischer Billighochtöner wie du sie nachgerüstet hast besser als klirren!) - manche von uns mögen das. Ich gebe zu, ich auch. Aber nicht lange und nicht ständig. Und dass eine Schallplatte von 1954 auf der alten Truhe subjektiv besser klingt als über eine hochwertige Hifi-Anlage, liegt daran, dass sie viele klangliche Fiesigkeiten enthält, die der alte Schrank gnädig zudeckt (Rauschen z.B.). Die 54er PLatte enthält auch keine Frequenzen über 10 kHz, was auf der Hifi-Anlage negativ auffällt, auf der alten Truhe aber nicht. Die kann oft eh nicht mehr.
Unterm Strich: subjektiv klingts nett, objektiv nicht.
VG Stefan

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43

Thursday, April 25th 2019, 2:26pm

Aber auch unser Othello 55 3D sowie Tannhäuser sind da absolut hervorragend in ihrer Güte.



Ja aber die Tatsache bleibt: Alle diese Geräte haben Röhrenendstufen und Ausgangsübertrager. Damit ist eine lineare Ausgangskennlinie nun mal nicht wirklich möglich, wenn man es rein technisch und ohne Emotionen betrachtet.

Nicht falsch verstehen, ich habe ebenfalls zwei aktive Studiosysteme in Gebrauch, die pro Kanal mit je 2 Endröhren im Gegentackt- sowie einem Ausgangsübertrager (in Ultra- Linearschaltung) arbeiten. Die klingen natürlich genauso typisch "nach Röhre" und ich mag diesen Klang total. Es ist nur so, daß diese Kombination Verzerrungen in einer Art hinzufügt, die dem Ohr schmeicheln. Es klingt einfach angenehm.

Wenn ich dagegen die Geithainer Studio- Monitore anwerfe, dann ist das ein ganz anderer Eindruck. Dort "sounded" nichts. Die Dinger lassen nichts weg, fügen aber auch nichts hinzu, was nicht von vorn herein vorhanden ist. Nicht jeder mag das aber, dies ist auch klar.


Grüße, Rainer

Edit: Stefan war schneller... ;)

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44

Thursday, April 25th 2019, 4:12pm

Das liegt aber auch einfach daran,

Dass es in den 50ern in der Form noch kein Sounddesign gab. Da hat man die Leute je nach Lautstärke des Instruments näher oder weiter weg vom Mikro gestellt, je nachdem wie laut das Instrument war und dann klang das halt irgendwie - oft tatsäschlich erstaunlich gut, aber sowohl unten rum als auch obenrum ist nicht besonders viel los, weshalb auch die Radios und Truhen eine heftige Klangverbiegung drin haben um das zu kompensieren. In der Anleitung meines SABA (das übrigens auch seitlich „echte Hochtöner“ hat, die schon auch obere Höhen darstellen können), steht sogar, der Klang sei optimal für UKW wenn beide Regler (also Bass und Diskant) voll aufgedreht sind.

Man muss sich einfach mal überlegen, um wie viel dB (es müssen in dem Bereich dann ja wirklich 20 und mehr sein) dort Bässe - speziell im Oberbass - und Höhen angehoben werden und dass das mit Verändern der Lautstärke abgesenkt bzw angehoben wird.

Dann muss man aber auch sehen, dass damals der Schwerpunkt noch auf AM und Schellack lag.

Und klar die alten Schlager und Swing und so das klingt wie von SABA empfohlen hervorragend, aber die Güte der Aufnahmen ist eben nicht besonders hoch. Das hat Alles Charme und mir gefallen die meisten Remakes von sowas auch nicht und erst recht nicht besser, aber man muss fairerweise sagen, dass moderne Aufnahmen, wenn sie nicht gerade totkomprimiert sind viel viel besser sind.

Und dass sich Sounddesign nicht nur durch Instrumente und Musikstil an sich definiert entwickelt sich ja eigentlich erst so ab den 70er Jahren ganz stark und da wird auch die Güte der Aufnahmen deutlich besser, bei Pop vor Allem ab der Disco Phase wo das laute Schlagzeug und perkussive Instrumente richtig wichtig sind.

Mein liebstes Sounddesign kommt dann aber doch aus den 80ern, ich liebe Synthesizer und elektronische Sounds und diese durchgestylten Echo Drums und Hallstimmen.

Und diese alten Orchesteraufnahmen sind doch nur so gut, weil die Arrangeure wussten, wie sie Dinge instrumentieren müssen und die Studiomusiker verstanden ihr Handwerk.

Sowas wie Sub Bass gabs da noch nicht. Heutige Musik ist soundtechnisch viel anspruchsvoller und gute Boxen können jede Aufnahme so wiedergeben wie sie sein soll.

Das Radio oder der Lautsprecher ist „für diese Musik Nicht gedacht“ ist eigentlich nur ein Indiz dafür, dass es kein guter Lautsprecher ist.

Ich habe derzeit Linn Nexus Boxen aus den späten 80ern, die sind wirklich gut, wenn ich mal zu Geld käme würde ich mir aber wahrscheinlich die großen Nubert NuPro kaufen, weil ich Aktivboxen für die Perfektion halte, weil da bei modernen Boxen alles mit DSP eingemessen ist und jeder Lautsprecher seine eigene Endstufe hat...

Meiner Ansicht nach soundet aber nicht die Röhre, sondern die Lautsprecher, die Konstruktion und eben der Vorverstärker. Solange die Röhre nicht an ihre Grenzen kommt ist sie mit der richtigen Schaltung auf genau so eine Linearität, wie ein Transistor, nur Leistung ist halt aufwändiger und weniger ökonomisch.

Und natürlich sei es deinem Neffen erlaubt von sowas fasziniert zu sein, nur als „Hauptanlage“ würde ich das halt nicht nutzen.

LG Tobi

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45

Thursday, April 25th 2019, 4:18pm

Hallo Tobi,

dein Beitrag brint es dermaßen genau auf den Punkt, das gehört ausgedruckt und eingerahmt.
Hallo Alex,
was ein Fünfziger-Jahre-Konzertschrank an Klang hervorbringt, ist objektiv dermaßen gefärbt, subjektiv, unpräzise, verklirrt und schwammig - dass es uns gefällt. Hohle Bässe, klirrende Höhen (nichts kann ein statischer Billighochtöner wie du sie nachgerüstet hast besser als klirren!) - manche von uns mögen das. Ich gebe zu, ich auch. Aber nicht lange und nicht ständig. Und dass eine Schallplatte von 1954 auf der alten Truhe subjektiv besser klingt als über eine hochwertige Hifi-Anlage, liegt daran, dass sie viele klangliche Fiesigkeiten enthält, die der alte Schrank gnädig zudeckt (Rauschen z.B.). Die 54er PLatte enthält auch keine Frequenzen über 10 kHz, was auf der Hifi-Anlage negativ auffällt, auf der alten Truhe aber nicht. Die kann oft eh nicht mehr.
Unterm Strich: subjektiv klingts nett, objektiv nicht.
VG Stefan



Hallo Stefan,

tut mir leid, da hast Du entweder noch keine objektiv elektronisch restaurierte Musiktruhe wie unsere Nordmende gehört oder Du hast nur welche gehört die nicht komplett elektronisch aufgearbeitet wurde. Was Du beschreibst entspricht leider nicht der Wahrheit. Zumindest nicht was unsere Geräte betrifft.

Sorry aber ist so.

Das mit dem "gnädig zudecken" ist ebenso nicht richtig. Die Höheneinstellung und insbsondere die von uns getätigten Überspielaufnahmen durchlaufen vormals einen Höhenvorverstärker bevor sie aufs Band gebannt werden. Das da vielleicht mal der eine oder andere Knackser zu hören ist, ist belanglos. Das Gesamtergebnis zählt und dies ist überzeugend.

Elektrostaten waren nie besondere Lautsprecher, eher Nuancengeber die am Rande für zarte Höhen dienen und die bei sachgerechter Benutzung eines Musikmöbels keineswegs klirren. Dann sind sie kaputt wenn sie klirren. Ich merke schon dass Du eventuell nicht so viel Erfahrung mit der Materie der Elektrostaten vertraut bist aber probiere es einfach mal aus und vertiefe Dich mal in die Gesamtklangumgebung von Hoch-Mittel-Tief plus Extrahöhengeber wie intakte Zusatzelektrostaten. Es lohnt sich... ;)

Superschön klar und "trockene" Aufnahmen. Nicht dieser verwaschene Digitalkram der klingt manchmal als wäre der Ton durch eine Waschmaschine gelaufen.


lg

Alex
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Thursday, April 25th 2019, 4:53pm

Verwaschener Digitalkram?

Das ist halt der Unterschied: Verwaschene Digitalaufnahmen sind verwaschen, weil der Produzent das so abgemischt hat und nicht, weil digitales Equipment nicht dazu in der Lage ist Musik vernünftig zu reproduzieren. Eine Platte und ein Band „verwaschen“ das Signal viel mehr, als „Digitalkram“, das ist bei MP3 übrigens genau so. MP3 ist oberhalb einer gewissen Bitrate sicher nicht für „verwaschenen Klang“ verantwortlich. Dass Loudness War seit den 90ern leider ziemlich in Mode ist, liegt an den Menschen hinterm Pult, nicht an den Möglichkeiten, die die hätten um es besser klingen zu lassen.

Ist wie mit AutoTune, viele denken, das macht die Musik besser. Für mich klingt sie dadurch einfach nur nach Plastik.

Aber es gab und gibt immer gute und schlechte Aufnahmen. Gerade im Orchester und Jazz Bereich solltest du neue Aufnahmen finden, die 100 mal besser klingen, als die aus den 50ern - das heißt nicht, dass mir deshalb die Musik besser gefällt, aber rein soundtechnisch gibt es hervorragende neue Aufnahmen.

Und zu Klirren: Das kann ich bestätigen. Die alten Aufnahmen klirren teilweise fürchterlich. Vor Allem so Aufnahmen, die im High End Bereich beliebt sind - Girl From Ipanema z.B., tolle Platte, aber wenn ich die anhöre, frage ich mich immer, was da klanglich alle so toll dran finden. Ich denke jedes Mal mein Tonabnehmer ist kaputt und wenn ich die selbe Aufnahme dann Digital höre, habe ich das Gefühl der Verstärker oder die Boxen ist kaputt. Das ist übrigens auch ganz schlimm bei so Ruby van Gelder Aufnahmen, die sind alle irgendwie permanent angezerrt und werden von den Fachblättern hochgelobt.

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47

Thursday, April 25th 2019, 5:54pm

"Ipanema" von Stan Getz bringt tatsächlich die Tonabnehmer an seine Grenzen - stimmt.
Die Aufnahme hat einen unglaublich konturierten Bass, der dem Lautsprecher einiges abverlangt. Im Gegensatz dazu ist die Stelle, an der Astrud Gilberto die Lippen spitzt und anhebt, zu singen, ein Eldorado für Mitteltöner und Hochtöner - man muss auf jeden Fall die Lippengeräusche vor dem ersten Wort hören können. Ich nehme die Platte immer zur Hand, um einen neu gebauten Röhrenverstärker auf seine Fähigkeiten hin zu testen (mittlerweile bin ich bei etwas über No. 50 in der Nummerierung meiner Geräte)
-
Was das Klangdesign und Aufnahmequalitäten angeht, sollte man sich klar machen, dass es (d.h. seine Möglichkeiten) ja immer auf die jeweilige Musik der Zeit abgestimmt war. Dazu gibt es mindestens zwei Dinge, die mir gerade einfallen:

1. An (fast) allen Ausgangsübertragern der Röhren-Radiogeräte bis in die 60ziger Jahre hinein sind 2000pf (o.a.) Kondensatoren parallel zum Ausgang geschaltet, um die hohen Frequenzen zu unterdrücken. Man hatte damals einfach keine hochwertigen, rauschfreien Zuspieler parat (Mittelwelle, Kohlemikros, etc.) und hat so um des Rauschens willen die hohen Frequenzen einfach abgeschnitten. Man kann heute durchaus mit Röhren und Übertragern aus den 30iger Jahren mehr als HiFi taugliche Geräte aufbauen, wenn man will. (Beweise gerne in meiner Küche anhören oder auf dem AAA, wo meine Amps auch schon liefen). Früher ging das auch, nur hat das eben keiner gemacht.

2. Mitte der 70ziger (meine Jugend) hat man die Gummisicken im Tieftonbereich verstärkt in den Boxen eingesetzt und "irgendjemand" hat den dazu passenden "Taunussound" mit überzogenen Bässen und Höhen erfunden und die Toningenieure haben beim Mischen immer auf die Loudness-Taste geschielt, oder sie sogar gedrückt. Das ist einer der Gründe, warum die Aufnahmen aus der Zeit allesamt so unglaublich flach klingen, wenn man sie heute ohne Equalizer abspielt. Mit schlechtem Equipment hat das rein gar nichts zu tun, sondern war eher eine Zeitströmung und an die damals neu erfundene Technik angepasst.

FRAGE: Was hat das mit der Verknappung von Bandgeräten zu tun? :-)

Beste Grüße
Jörg

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48

Thursday, April 25th 2019, 7:32pm

Also ich hab ne OM 40 die sollte damit klar kommen.

Und Digital ist es ja genau das gleiche: Der Bass klingt immer verzerrt und blechern, ich habe mehrere Versionen des Albums probiert und bei Allen ist das so.

Die Platte ist keine Originalausgabe, aber eine hochwertige 180 g Reissue.

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49

Friday, April 26th 2019, 12:35pm

Und ja zur Tonbandgeräteknappheit:

Ich beobachte die letzten Jahre immer mehr, dass gefragte Spitzengeräte in Klassen immer weniger werden, Preise teilweise konstant, teilweise aber auch wie eine Sinuswelle sind.

Das betrifft aber sowohl die großen Japaner als auch die „besonderen“ Heimtonbandgeräte. Grundig TK 600, da war es vor einigen Jahren so, dass bei eBay immer 1 oder 2 Geräte zu finden waren, heute findet sich so ein Gerät alle paar Monate mal. Ich habe schon lang keins mehr gesehen. Hätte gerne einen Spender, weil einige Teile bei meinem nicht mehr schön sind.

Als ich meine GX 747 gekauft habe waren da zeitgleich sicherlich 10 und mehr drin - durchgehend - jetzt sind das so 2 bis 3 Mondpreis Maschinen, die seit Jahren drin sind und immer mal wieder vereinzelt eine von privat, ansonsten eher Ersatzteile. Anders sieht es bei der Teac X2000 aus, auch wenn da Preise festgelegt wurden, die unmöglich sind, gibt es zumindest immer mehrere gleichzeitig.

Bis auf, dass einige Maschinen im Mittelsegment immer teurer werden (Beispiel wäre die Akai GX 260 D, die man früher regelmäßig für unter 100 Euro bekommen hat), hat sich da eigentlich wenig getan.

Ich denke auch, dass die gesuchten Maschinen eben immer die selben sind. Die, die wert auf Optik legen, wollen meistens einen großen Japaner (Akai, Teac, Technics, Pioneer, Sony), die bringen die Preise und dann noch vereinzelt 18 cm Geräte, die entweder selten sind oder nach was aussehen, was Sinn macht, wenn man von früher noch jede Menge Bänder hat, was auf nem Grossspuler aber nicht aussieht.

Und die Zeit wo die großen Akais und Teacs wie Sand am Meer zu finden waren sind vielleicht einfach vorbei, weil die Liebhaber jetzt alle eine haben und die, die Sie veräußern wollten das eben längst getan haben. Aus jetziger Sicht würde ich meine auch nicht mehr her geben, aber wenn’s irgendwann unwirtschaftlich wird, wer weiß...

Aber sowas wie eine Royal De Luxe oder eine größere Mid 70s Grundig bekommt man immer für 30 bis 40 Euro und die gibt’s auch wie Sand am Meer, Möglichkeiten an ein schon recht gutes Gerät günstig zu kommen gibt es also noch genug. Fehlt dann aber halt das Flair. Ich habe nicht das selbe Gefühl, wenn ich son Plastik Grundig an packe und dann die Akai, dazwischen sind Welten, klanglich ist der Unterschied zwischen so einer Grundig und der Akai nicht besonders groß. Ich kann also mit beidem Vorlieb nehmen.

LG Tobi