Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Bandmaschinenforum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

  • »Bandomatic1« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 299

Registrierungsdatum: 12. März 2016

Wohnort: Hagen

  • Nachricht senden

1

Freitag, 10. August 2018, 02:19

? Arbeitspunkte LGR40 vs LPR35

Hallo,

bei den Bändern aus dem Archiv der Blindenbücherei Münster waren zu meiner Überraschung auch einige LGR40 Bänder der BASF dabei, wie immer auf 13er Spulen.
Ein Test auf der B77, eingemessen auf LPR35, ergab leider, dass Hinterband bei 9,5 erheblich dumpfer klang. Bei 19 nur ein geringer Unterschied.

Frage: was ist das für ein Band? Ist es dem LPR35 eher unähnlich und eigentlich nicht für 9,5 gedacht?

Thomas

Beiträge: 1 601

Registrierungsdatum: 19. Dezember 2014

Wohnort: Krefeld

Beruf: Tonmeister

  • Nachricht senden

2

Freitag, 10. August 2018, 02:45

Frage: was ist das für ein Band? Ist es dem LPR35 eher unähnlich und eigentlich nicht für 9,5 gedacht?

So ist es.
LGR 40 war ein Rundfunk-Reportageband, optimiert für 19 cm/s.
In praktisch allen ELA-Daten ist es der Agfa-Konkurrenz [PER 368] und LPR 35 unterlegen.
Dass es bei 19 cm/s gegenüber LGR 35 nicht deutlich anders klingt, verdankt es seinem höheren VM-Bedarf (ca. 1,5 dB mehr). Deswegen werden beim LGR im Arbeitspunkt des LPR die Höhen nicht so stark bedämpft.
In seinem eigenen Arbeitspunkt ist LGR 40 um 2 dB unempfindlicher, mit einem Höhenabfall von 3,5 dB bei 16 kHz.
Sein Modulationsrauschen ist ebenfalls nicht konkurrenzfähig.
Bei Bedarf kann ich gerne Datenblätter mit AP-Kurven einstellen.

Grüße, Peter

  • »Bandomatic1« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 299

Registrierungsdatum: 12. März 2016

Wohnort: Hagen

  • Nachricht senden

3

Freitag, 10. August 2018, 09:41

Hallo Peter,

danke für die Info. Dann bestätigt sich mein Verdacht und ich werde es bei 19, 1/4, durchjagen.
Da du das PER 368 angesprochen hast: ich habe viele neue Offenwickel PER 528 hier liegen, letzte Emtec Produktion von ca 2003. Das klingt selbst bei 9,5 durchaus gut.

Nachfrage: beim LGR40 ist der Klang nicht nur etwas dumpf, ich hatte vergessen zu erwähnen, dass das Hinterbandsignal auch etwas geringer ist. Treten nun solche Pegelverluste auf, darf man dann zur Aussteuerung einfach den Hinterbandwert nehmen oder wird immer Vorband ausgesteuert, wobei in diesem Fall, sofern man die Maschine nicht immensen will, ein Pegelverlust in Kauf zu nehmen ist?
Versuchsweise Aussteuerung, sodass Hinterband ca 0dB laut VU Meter erschien, brachte für mein Gehör bei 9,5 eine verwaschene Bass-Wiedergabe, aber ich kann mich auch täuschen.

Was beim LGR super ist, ist die helle Rückseitenbeschichtung. Sieht gut aus (subjektiv) und lässt sich beschreiben.

Thomas

Beiträge: 3 121

Registrierungsdatum: 20. Dezember 2015

Wohnort: bei Hamburg

Beruf: Rentner

  • Nachricht senden

4

Freitag, 10. August 2018, 10:45

Die Aussteuerung bezieht sich immer auf "vor Band" bzw präziser auf den "Aufsprechstom".
Was hinten rauskommt :D , steht auf einem anderen Blatt.
Wenn du den HinterBandPegel hochziehst, übersteuerst du das Band, was sich erst in erhöhten Verzerrungen und bei noch höherem Pegel in Kompression , Kreuzmodulation bzw "matschigem" Klangeindruck âußert.

@Peter: Gibt es LIteratur zu dem "Optimierungsprozess" oder war das nur eine beschönigende Formulierung dafür, daß das Band für 9,5 nicht geeignet ist ?
Gibt es Literatur über die physikalischen und chemischen Hintergründe der Frequenzabhängigkeit von Empfindlichkeit und Aussteuerbarkeit ?
Wie groß ist die Spanne der nötigen VM heute noch gebräuchlicher Bänder (ohne EE) in dB ?

Wer gewohnheitsmäßig mehrere Bandtypen verwendet, sollte wohl erwägen, sein Gerät auf eine "Umschaltbatterie" für paar benötigte Biaseinstellungen umzurüsten.

MfG Kai

Beiträge: 1 601

Registrierungsdatum: 19. Dezember 2014

Wohnort: Krefeld

Beruf: Tonmeister

  • Nachricht senden

5

Freitag, 10. August 2018, 10:48

Hallo Thomas,

ich habe viele neue Offenwickel PER 528 hier liegen, letzte Emtec Produktion von ca 2003. Das klingt selbst bei 9,5 durchaus gut.

Da kannst du froh sein über deinen Fundus. Nach meiner Erfahrung sind das mit die besten Güsse, die von PER 528 überhaupt existieren. Man muss nur berücksichtigen, dass wegen der großen Schichtdicke das Verhältnis zwischen Tiefen- und Höhenaussteuerbarkeit prinzipiell ungünstig ist, auch beim PER 528.

Die Schichtkonstanz ist allerdings vorbildlich, da kommt kaum ein anderes Studioband mit. Hier ein Pegelschrieb der Charge B3092 für 1 und 16 kHz bei 19 cm/s:




darf man dann zur Aussteuerung einfach den Hinterbandwert nehmen oder wird immer Vorband ausgesteuert, wobei in diesem Fall, sofern man die Maschine nicht immensen will, ein Pegelverlust in Kauf zu nehmen ist?

Da entscheidend ist, was vom Band kommt, steuere ich grundsätzlich Hinterband aus, sobald die grundsätzlichen Pegelverhältnisse der Signalquelle bekannt sind. Letztlich kann nur das eigene Gehörsempfinden entscheiden, ob Rauschen oder Verzerrungen subjektiv mehr störend sind.

Versuchsweise Aussteuerung, sodass Hinterband ca 0dB laut VU Meter erschien, brachte für mein Gehör bei 9,5 eine verwaschene Bass-Wiedergabe, aber ich kann mich auch täuschen.

Bei NAB-Entzerrung (Tiefenanhebung bei Aufnahme!) kann so etwas durchaus vorkommen, vor allem wenn der Arbeitspunkt nicht korrekt eingestellt wurde.

PER 528 benötigt immerhin rund 3 dB mehr VM, eine Fehleinstellung vergrößert bei diesem Bandtyp stark das Modulationsrauschen (subjektiv als Rauhigkeit empfunden). Der Effekt ist bei 9,5 nicht annähernd so stark wie bei 19/38, bei so starker Abweichung aber doch deutlich wahrnehmbar.


die helle Rückseitenbeschichtung. Sieht gut aus (subjektiv) und lässt sich beschreiben.

Genau der Zweck der Übung bei Reportageband.

Grüße, Peter

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Peter Ruhrberg« (10. August 2018, 22:02)


Beiträge: 1 601

Registrierungsdatum: 19. Dezember 2014

Wohnort: Krefeld

Beruf: Tonmeister

  • Nachricht senden

6

Freitag, 10. August 2018, 11:16

Hallo Kai,

Gibt es LIteratur zu dem "Optimierungsprozess" oder war das nur eine beschönigende Formulierung dafür, daß das Band für 9,5 nicht geeignet ist?

Jetzt weiß ich leider nicht, was du mit "Optimierungsprozess" meinst. Was möchtest du genau wissen?


Gibt es Literatur über die physikalischen und chemischen Hintergründe der Frequenzabhängigkeit von Empfindlichkeit und Aussteuerbarkeit?

Zumindest über die physikalischen bzw. geometrischen, unter dem Stichwort "Schichtdickendämpfung", die ja einen Sonderfall der Abstandsdämpfung bildet.
Literaturbeispiele:
Friedrich Engel - Schallspeicherung auf Magnetband S. 94f
Peter van Bommel - Die Entzerrung in der magnetischen Schallaufzeichnung S. 10


Wie groß ist die Spanne der nötigen VM heute noch gebräuchlicher Bänder (ohne EE) in dB ?

Kommt drauf an, wie weit man bei den Bändern historisch zurückgehen möchte. Manche Bandtypen der frühen 1960er Jahre sind heute noch tadellos verwendbar. Von dort ausgehend würde ich sagen 6…7 dB. (Den Vogel bislang schoss ein Zonal 830 ab, mit nochmal 2 dB mehr…)


Wer gewohnheitsmäßig mehrere Bandtypen verwendet, sollte wohl erwägen, sein Gerät auf eine "Umschaltbatterie" für paar benötigte Biaseinstellungen umzurüsten.

Das wird leider kaum genügen, weil die benötigten Aufnahmeentzerrungen ebenfalls stark streuen. Zudem gibt es bei Bandtypen, die nicht für den Rundfunk bestimmt waren und damit den Anforderungen des IRT Pflichtenhefts 3-4 nicht unterlagen, immer wieder Unterschiede zwischen den einzelnen Chargen, die nicht ohne Weiteres zu vernachlässigen sind.

Grüße, Peter

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Peter Ruhrberg« (10. August 2018, 14:11)


7

Freitag, 10. August 2018, 13:20

Jetzt weiß ich leider nicht, was du mit "Optimierungsprozess" meinst. Was möchtest du genau wissen?
Ich nehme an er bezieht sich auf deine Bemerkung, dass das LGR für 19 cm/s optimiert war und möchte wissen wie diese Optimierung aussah.

Beiträge: 3 121

Registrierungsdatum: 20. Dezember 2015

Wohnort: bei Hamburg

Beruf: Rentner

  • Nachricht senden

8

Freitag, 10. August 2018, 13:37

Ragnar: Genauso isses...

Wer sein Bandgerät mit unterschiedlichen Bandtypen benutzen möchte, braucht also eigentlich ein Gerät, bei dem der Bias-Pegel in einem Bereich von 6-8 dB mit vielleicht 0,1 dB Auflösung einstellbar/abrufbar ist und bei dem zusätzlich die Aufnahme-Entzerrung programmierbar/konfigurierbar ist (und mindestens die Wiedergabe-Verstârkung).
Andreas(42) hatte mal einen Anlauf in die Richtung gemacht.
Ist das eigentlich bei den neu angekündigten Geräten vorgesehen oder bleibt es da beim Einmessen auf einen Typ ?

MfG Kai

Beiträge: 1 601

Registrierungsdatum: 19. Dezember 2014

Wohnort: Krefeld

Beruf: Tonmeister

  • Nachricht senden

9

Freitag, 10. August 2018, 14:36

Ragnar: Genauso isses...

Danke für die Klärung!

Tja, über den chemischen Teil, also die Zusammensetzung des Magnetpigments gibt es wenig Detailinformationen, das meiste war und blieb Firmengeheimnis. Grundsätzlich geht es vor allem um ein ausgewogenes Zusammenwirken von remanentem Sättigungsfluss und Koerzitivfeldstärke bei den unterschiedlichen Wellenlängen und Schichtdicken. Doch existieren zahllose Patente, die sich mir als Nichtchemiker nur sehr partiell erschließen. Hier ein für mich gerade noch nachvollziehbares Beispielprozedere:

6412 g nadelförmiges γ-Fe2O3 einer Koerzitivkraft von 325 Oe und einer mittleren Teilchenlänge kleiner 0,4 µ werden mit einer Lösung aus folgenden Komponenten vermischt: 2140 g eines Mischpolymerisats aus Vinylidenchlorid und Acrylnitril, 445 ml des Triglyceridis der Ölsäure, 23 g 4-tert.-Butylbrenzkatechin, 23 g Hydrochinon, 236 g eines Dispergierhilfsmittels aus primären und sekundären organischen Estern der Phosphorsäure und 15 l Methyläthylketon. Die Mischung wird in einer Sandmühle mit Hilfe von Glaskugeln dispergiert. Nach einem üblichen Verfahren z. B. mit Hilfe einer Tauchschale wird die Dispersion auf einen Schichtträger aus Polyäthylenterephthalat aufgetragen und kurz vor dem Trocknen einem Magnetfeld von etwa 800 Oe zur Richtung der magnetischen Teilchen ausgesetzt. Danach werden die Gußbahnen einem üblichen mechanischen Oberflächenvergütungsverfahren unterzogen, z. B. einer Kalanderung zwischen einer Hartguß- und einer Papierwalze bei einer Temperatur von etwa 100°C.


Ist das eigentlich bei den neu angekündigten Geräten vorgesehen oder bleibt es da beim Einmessen auf einen Typ ?

Darüber bin ich nicht informiert, eines kann ich aber sicher sagen: Sobald jemand die inneren Zusammenhänge und das Handwerk der Einmess-Schritte erlernt, versteht und praktiziert (statt sie von angeblich intelligenter Technik sich aus der Hand nehmen zu lassen), erhält er die Chance, dass ihm der Vorgang zur zweiten Natur wird und für eine Geschwindigkeit kaum länger als drei bis vier Minuten in Anspruch nimmt.

Bei der Gelegenheit möchte ich daran erinnern, dass es den idealen Arbeitspunkt nicht gibt, da dieser zwischen den Parametern Klirrfaktor, Tiefen- bzw. Höhenaussteuerbarkeit und Modulationsrauschen immer einen Kompromiss darstellt, welcher idealerweise für verschiedene Signalarten unterschiedlich ausfällt.

Grüße, Peter

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Peter Ruhrberg« (10. August 2018, 15:17)


Beiträge: 3 121

Registrierungsdatum: 20. Dezember 2015

Wohnort: bei Hamburg

Beruf: Rentner

  • Nachricht senden

10

Freitag, 10. August 2018, 15:16

dass ihm der Vorgang zur zweiten Natur wird und für eine Geschwindigkeit kaum länger als drei bis vier Minuten in Anspruch nimmt.

dennoch glaube ich, daß viele Anwender sich freuen würden, wenn sie (nach dem sie diesen Einmessvorgang für die von ihnen benutzten Bandsorten mal durchgeführt haben) fortan nach jedem Wechsel nur noch den Bandtyp am Gerät auswählen bräuchten, und sofort ohne erneutes Einmessen eine (fast) optimale Aufname damit machen könnten.

Bei der Gelegenheit möchte ich daran erinnern, dass es den idealen Arbeitspunkt nicht gibt, da dieser zwischen den Parametern Klirrfaktor, Tiefen- bzw. Höhenaussteuerbarkeit und Modulationsrauschen immer einen Kompromiss darstellt, welcher idealerweise für verschiedene Signalarten unterschiedlich ausfällt.

Diesen Kompromiß kann jeder für sich selbst wählen indem er bewußt von der Standard-Einmess-Regel abweicht.
Ich habe nur an die Möglichkeit zum flinken Wechsel zwischen Bandtypen gedacht.
Das erschiene mir doch in einem Szenario, in dem der kostenbewußte Heim-Anwender öfter zwischen günstig erworbenen Bandchargen wechselt, eine große Benutzungs-Erleichterung zu sein.

MfG Kai

Beiträge: 1 601

Registrierungsdatum: 19. Dezember 2014

Wohnort: Krefeld

Beruf: Tonmeister

  • Nachricht senden

11

Freitag, 10. August 2018, 15:36

dennoch glaube ich, daß viele Anwender sich freuen würden, wenn sie (nach dem sie diesen Einmessvorgang für die von ihnen benutzten Bandsorten mal durchgeführt haben) fortan nach jedem Wechsel nur noch den Bandtyp am Gerät auswählen bräuchten, und sofort ohne erneutes Einmessen eine (fast) optimale Aufname damit machen könnten.

Einmesscomputer gehörten zu den Charakteristika mancher höherklassiger Cassettendecks, bei denen das automatisierte Einmessen oft nur wenige Sekunden dauerte. (Nicht selten wurde hierbei nur der Bias verändert, bis der Höhenfrequenzgang stimmte, und der Pegel VB/HB angeglichen.)

Ein Speichern und Aufrufen sämtlicher manuell eingestellter Parameter in mehreren Bänken pro Geschwindigkeit (für Aufnahme und Wiedergabe jeweils acht oder neun je Kanal) ist zum Beispiel bei der Telefunken M20 möglich und heutzutage erheblich preiswerter zu realisieren als damals. Trotzdem werden solche "Features" – falls überhaupt – wohl auch in Zukunft nur in der absoluten Königsklasse verbaut werden.


Das erschiene mir doch in einem Szenario, in dem der kostenbewußte Heim-Anwender öfter zwischen günstig erworbenen Bandchargen wechselt, eine große Benutzungs-Erleichterung zu sein.

Ich auch, sofern der Heimanwender bereit ist, für die Bandkostenersparnis und Benutzungserleichterung einen entsprechend höheren Gerätepreis in Kauf zu nehmen.

Grüße, Peter

Beiträge: 3 121

Registrierungsdatum: 20. Dezember 2015

Wohnort: bei Hamburg

Beruf: Rentner

  • Nachricht senden

12

Freitag, 10. August 2018, 16:09

Wenn man vergleicht, was man heutzutage für neuwertige Bänder bezahlen muß und zu welchen Preisen man (noch) ältere gebrauchte Bänder bekommen kann, relativieren sich die Zusatzkosten für solche Features.
Die Bias-Einstellung ist nur eine Frage von 2 DA-Wandlern , die maximal 150 kHz vertragen, etwas Speicher und einem Controller o.ä.
Bei der konfigurierbaren Aufnahme-Entzerrung ist es eine Frage, ob ein "Aber gefälligst nur reine Analog-Technik !" Dogma zu beachten ist und des Implementierungsgeschicks. Zeitgemâß wäre natürlich eine Softeware-Lösung. Schaut man sich an, wieviel PC man schon für 30€ bekommt (Rhasperry pi u.ä), so erkennt man, daß das auch nicht mehr teuer sein muß. Kostspielig an den angekündigten neuen Tonbandgeräten ist jegliche (Präzisions)Mechanik und alles, was Handarbeit erfordert.

MfG Kai

Beiträge: 73

Registrierungsdatum: 26. Oktober 2017

Wohnort: Osnabrück

Beruf: Planungsingenieur

  • Nachricht senden

13

Freitag, 10. August 2018, 16:19


Ist das eigentlich bei den neu angekündigten Geräten vorgesehen oder bleibt es da beim Einmessen auf einen Typ ?

MfG Kai

Also in der Beschreibung der neuen Ballfinger-Geräte steht nur, dass die Regler zum Einmessen leicht zugänglich sind. Mehrere Einstellungen speichern kann man wohl nicht...

Zitat

Das Frontpaneel samt Audioeinheit lässt sich herausschwenken. So können Arbeiten, wie das Einmessen auf andere Bandsorten oder das Auswechseln einzelner Verstärkerkarten, von beiden Seiten ausgeführt werden. Zusätzlich sind die Einstellregler auf den Verstärkerkarten so angeordnet, dass sie sowohl von vorn, als auch von hinten erreichbar sind. Sollte die Maschine also fest in einem Rack oder in einer Konsole montiert sein, muss sie zum Einmessen nicht ausgebaut werden. Es reicht ein Entfernen der Frontplatte. Hierzu sind die Reglerknöpfe sind nicht von außen auf die Frontplatte aufgesetzt, sondern hindurchgeführt und können auf den Reglerachsen bleiben.


Gruß
Robert

Beiträge: 1 601

Registrierungsdatum: 19. Dezember 2014

Wohnort: Krefeld

Beruf: Tonmeister

  • Nachricht senden

14

Freitag, 10. August 2018, 17:39

Wenn man vergleicht, was man heutzutage für neuwertige Bänder bezahlen muß und zu welchen Preisen man (noch) ältere gebrauchte Bänder bekommen kann, relativieren sich die Zusatzkosten für solche Features.

Und da dies außer einigen wenigen Spezialisten kaum jemandem bewusst ist, könnte eine Bandmaschine mit solchen relativ preisgünstigen, jedoch als "edel" oder "Luxus" oder "besser als..." verkaufbaren Features sogar höhere Gewinnmargen abwerfen. Nur sehe ich nach wie vor wenig bis keine Bestrebungen in dieser Richtung, aus Gründen, die mir unbekannt sind. Und was die Zukunft bringt, werden wir sehen, wenn es soweit ist, selbst wenn ich es persönlich vielleicht nicht mehr erleben werde.

Grüße, Peter

Beiträge: 3 121

Registrierungsdatum: 20. Dezember 2015

Wohnort: bei Hamburg

Beruf: Rentner

  • Nachricht senden

15

Freitag, 10. August 2018, 18:20

sehe ich nach wie vor wenig bis keine Bestrebungen in dieser Richtung, aus Gründen, die mir unbekannt sind

Meine persönliche Vermutung:
Man traut den Leuten, die bereit sind, die geforderten Preise für die neuen Bandgeräte zu zahlen, auch das nötige "Kleingeld" zu, genügend Bänder aus aktueller Produktion zu kaufen. Da besteht dann nicht der Bedarf, für die nächste Aufnahme aus zB ein halbes Dutzend Sorten per Menü die nötigen Parameter zu wählen.
Eine kosten-minimierte Neu-Konstruktion wäre intern sicher anders aufgebaut als die bislang vorgestellten Geräte.
Der analoge Verstärker-Teil würde aufnahmeseitig reduziert auf allenfalls (Mikrofon-)Vorverstärker und die letzte Stufe des Aufsprechverstärkers, wiedergabeseitig auf die erste Verstärkerstufe nach dem Wiedergabekopf. Der "Rest" würde in Software in einem Rechner erledigt. Ebenso wohl auch die Motor-Regelung.
Man darf nur nicht die Sinn-Frage stellen. Es reicht, wenn ein Markt dafür da ist.

MfG Kai

Beiträge: 1 601

Registrierungsdatum: 19. Dezember 2014

Wohnort: Krefeld

Beruf: Tonmeister

  • Nachricht senden

16

Freitag, 10. August 2018, 18:33

Man traut den Leuten, die bereit sind, die geforderten Preise für die neuen Bandgeräte zu zahlen, auch das nötige "Kleingeld" zu, genügend Bänder aus aktueller Produktion zu kaufen. Da besteht dann nicht der Bedarf, für die nächste Aufnahme aus z.B. ein halbes Dutzend Sorten per Menü die nötigen Parameter zu wählen.

Möglicherweise existiert bei dieser Klientel nicht nur der Bedarf nicht, sondern auch die ihn begründenden Kenntnisse.


Eine kosten-minimierte Neu-Konstruktion wäre intern sicher anders aufgebaut als die bislang vorgestellten Geräte.

Allerdings.


Es reicht, wenn ein Markt dafür da ist.

Stimmt. Schaunwermal …


Grüße, Peter

Beiträge: 3 121

Registrierungsdatum: 20. Dezember 2015

Wohnort: bei Hamburg

Beruf: Rentner

  • Nachricht senden

17

Samstag, 11. August 2018, 11:04

@Peter:
Ich möchte nochmal zurückkommen auf deine Hinweise zu möglichen Ursachen der Frequenzabhängigkeit von Empfindlichkeit und Sättigungsmagnetisierung unterschiedlicher Bandtypen.
In Beitrag #6 hattest du auf Schichtdickendämpfung bzw. Abstandsdämpfung und erläuternde Texte von Friedrich Engel und Peter v. Bommel in den AGFA Publikationen verwiesen.
Diese Effekte können jedoch nicht erklären, wieso es Frequenzgang-Unterschiede von Bändern gleicher Dicke und Oberflächenbeschaffenheit gibt.
Es muß also noch mehr Physik davor geben, die dies bewirkt. Auf dem Gebiet würde ich gern mein Unwissen verringern.

MfG Kai

Beiträge: 1 601

Registrierungsdatum: 19. Dezember 2014

Wohnort: Krefeld

Beruf: Tonmeister

  • Nachricht senden

18

Samstag, 11. August 2018, 11:28

Es muß also noch mehr Physik davor geben, die dies bewirkt. Auf dem Gebiet würde ich gern mein Unwissen verringern.

Dafür ist weniger die Physik zuständig als die Chemie. Leider fühle ich mich auf letzterem Gebiet nicht ganz so firm; erschwerend kommt hinzu, dass die interessantesten Detailinformationen zur Pigmententwicklung nach wie vor größtenteils unter Verschluss liegen. (Hast du dazu meinen Beitrag #9 gesehen?)

Etwas eingehendere, wenn auch generalisierte Darstellungen finden sich beispielsweise hier:
Friedrich Krones, Herstellung und elektro-akustische Eigenschaften von Magnetbandspeichern für die Schallaufzeichnung (in Winckel, Technik der Magnetspeicher 1960 S. 474-540),
Ernst Altrichter, Das Magnetband 1958 S. 64ff,
Christian Scholz, Handbuch der Magnetbandspeichertechnik (Verlag Technik, 1979), S. 109ff (stark tabellarisch),
Horst Völz, Grundlagen der magnetischen Signalspeicherung Bd. 2: Magnetbänder, Transportwerke (Akademie Verlag 1970).

Bei Interesse an pdfs einfach PN an mich.

Grüße, Peter

Beiträge: 3 121

Registrierungsdatum: 20. Dezember 2015

Wohnort: bei Hamburg

Beruf: Rentner

  • Nachricht senden

19

Samstag, 11. August 2018, 11:36

Hallo Peter,
Hast du dazu meinen Beitrag #9 gesehen?

Gesehen schon, sogar diagonal gelesen, konnte vom Text aber keinen Bezug zum Frequenzgang herstellen ;(

Die Texte von Krones, Altrichter, Scholz und Völz habe ich möglicherweise irgendwo als pdf, nur noch nicht im nötigen Detail studiert.
Das werde ich dann demnächst mal angehen.
Danke für die neuen Tips.

MfG Kai

Beiträge: 1 601

Registrierungsdatum: 19. Dezember 2014

Wohnort: Krefeld

Beruf: Tonmeister

  • Nachricht senden

20

Samstag, 11. August 2018, 11:38

konnte vom Text aber keinen Bezug zum Frequenzgang herstellen ;(

Dann hast du ungefähr eine Vorstellung, wie es mir damit geht :whistling:

Grüße, Peter

Beiträge: 3 121

Registrierungsdatum: 20. Dezember 2015

Wohnort: bei Hamburg

Beruf: Rentner

  • Nachricht senden

21

Samstag, 11. August 2018, 11:46

Interessanter als so ein Herstellungs"Kochrezept" fände ich die Vorgeschichte:
Wie ist man gerade zu diesen Details unter den verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten gekommen ?
Wie würde sich eine Variation dieses oder jenes Parameters im Endergebnis (den üblicherweise veröffentlichten Arbeitspunktkurven) niederschlagen ?

MfG Kai

Beiträge: 1 601

Registrierungsdatum: 19. Dezember 2014

Wohnort: Krefeld

Beruf: Tonmeister

  • Nachricht senden

22

Samstag, 11. August 2018, 11:50

Wie ist man gerade zu diesen Details unter den verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten gekommen? Wie würde sich eine Variation dieses oder jenes Parameters im Endergebnis (den üblicherweise veröffentlichten Arbeitspunktkurven) niederschlagen?

Damit wärest du vor 60 Jahren in den Magnetbandlabors rund um die Welt an der richtigen Adresse gewesen.
Die meisten dieser Geheimnisse haben die damaligen Protagonisten längst mit ins Grab genommen, was bleibt sind die Rezepturen.

Grüße, Peter

Beiträge: 3 121

Registrierungsdatum: 20. Dezember 2015

Wohnort: bei Hamburg

Beruf: Rentner

  • Nachricht senden

23

Samstag, 11. August 2018, 11:57

Das ist nicht das erste Mal, daß mir jemand das Gefühl gibt, mit meinen Interessen zu spät geboren zu sein.
Damals war ich erst approximativ 12 und hab meinen ersten Verstärker mit einer ECL80 gebaut.

MfG Kai

Beiträge: 908

Registrierungsdatum: 17. April 2009

Wohnort: Am Remstal

  • Nachricht senden

24

Donnerstag, 16. August 2018, 08:52

In Patenten und Rezepten gibt man nur das notwendige an, was zur Produktion oder Produktschutz relevant ist. Doch neben der bekannten Rezeptur und den Produktionsanlagen steht das Know How, das umzusetzen. Das ist nirgends dokumentiert man kennt das auch unter "Betriebswissen". Wenn wir heute also die Anlage, die Zutaten und das Rezept hätten, wir würden immer noch meilenweit von einer erfolgreichen Produktion entfernt sein.

Wenn man es wirklich gewissenhaft machen will, braucht eigentlich jedes Band eine Neueinmessung zumindest aber eine Überprüfung, ob die Parameter passen. Selbst bei Cassetten durfte ich das schon erfahren, das eine SA nicht immer gleich eine SA ist. Einmal gab es sogar Unterschied in der Höhenauflösung aufnahmeseitig beim Umdrehen. Erst mit einer erneuten (Auto)Einmessung konnte dem abgeholfen werden. Vielleicht ein winziger Unterschied im Andruck/Spurlage, keine Ahnung.

Ich überlege schon länger nach Lösungswegen für meine B77. Ein Potiarray auf der Frontseite ließe sich an der Stelle unterbringen, wo bei der PR99 MkII-III der Locator plaziert ist. 10-Gang-Wendelpotis sind jedoch leider zu groß dafür. Mit Hilfe der Skalen würden sich Merkwerte ableiten lassen, so daß man bei Prüfeinmessung lediglich ein klein wenig nachdrehen müßte, das spart schon was an Zeit. Ein Array von radialen Spindeltrimmern wäre noch eine Möglichkeit, allerdings müssen die umgebaut werden, das man eine Skala angebaut bekommt und die winzige Schlitzschraube vorn durch ein Minidrehknopf ersetzt wird...nicht einfach, aber denkbar. Da muß ich noch etwas drüber brüten. Ferner müssen die VU-Zeiger angeglichen werden und eine Bypassbeschaltung angelegt werden, damit man diese zum Pegeln nehmen kann, der Zeiger sollte bei -5dB stehen, das ist etwas über die Mitte bei der höchsten Auflösung. Die Skala muß mit einer Waagemarkierung ergänzt werden, um eine Auflösung von 0,1dB zu erreichen (Redesign der Skala mit Neuausdruck auf Folie). Ferner ein eingebauter F-Generator für 315Hz, 1kHz, 10kHz, 16, 18 und 20kHz um auch die Verzerrung einstellen zu können. Da ist also einiges zu machen, möchte man den Komfort am Platz.
Sonst bliebe nur die Liegendbetrieb mit Ausschnitt zu den eingebauten Potis (wie ich es gemacht habe) und entweder Laptop mit Audio Tester ran, oder die 17kg (die B77 ist da noch "leicht") auf den Meßplatz wuchten. Die Laptopvariante ist die bisher noch am einfachsten durchzuführende Methode, zu einem brauchbaren FG (+/- 0,5dB bis 18kHz) zu gelangen. Allerdings brauchen die Potis für Pegel und Höhenverzerrung sehr viel Feingefühl um auf diese Genauigkeiten zu kommen. Daher später skalierte Wendelpotis...

Alternativ kann man sich noch die Schaltung der B-215 anschauen, ob sich die Einmesslogik übernehmen ließe, ich denke jedoch, das es sich hier um ein Eprom handelt, den man nicht mal eben nachbauen kann. Rasberry ist dagegen schon wieder ein sehr hoher Aufwand in die andere Richtung.

Zu guter Letzt: Das optimal eingemessene Band bringt nun mal die beste Wiedergabe. Das ist mir dann die Mühe wert.
Gruß
André

Beiträge: 441

Registrierungsdatum: 6. April 2010

Wohnort: Berlin

Beruf: Journalist

  • Nachricht senden

25

Freitag, 17. August 2018, 09:40

Hallo in die Runde,
ich habe eine meiner A 77 auf eine umschaltbare Vormag. umgerüstet. Da ich mit ihr sowohl LH- als auch alte LGS-Bänder bespiele, ist sie auf LPR 35 und auf 60er-Jahre-LGS 35 eingemessen. Die beiden Arbeitspunkte sind mit einem Schalter umschaltbar. Dazu habe ich den "Reel Motors Off"-Schalter zweckentfremdet, da ich den eh nie brauche.
Auf der Oszillatorkarte sind die 4 Trimmer 8 Spindeltrimmern gewichen, dazu kamen zwei kleine Printrelais, die durch den erwähnten Schalter aktiviert werden und zwischen den 4 Trimmern für LH und den vieren für "Normalband" umschalten. Habe leider keine Fotos gemacht, aber der Aufwand hielt sich in Grenzen und das Ergebnis ist sehr zufriedenstellend. Sicher, das Ganze ist einer kontinuierlichen Einstellung unterlegen, deckt aber meinen Bedarf an unterschiedlichen Bandsorten ab. Zur Nachahmung daher empfohlen.
Gruß
Stefan

Beiträge: 278

Registrierungsdatum: 1. März 2012

Wohnort: Radebeul

Beruf: Angestellter

  • Nachricht senden

26

Freitag, 17. August 2018, 22:26

Bei Studer gab es mal ein autom. Einmeßsystem namesn SAAP. Leider sind auf dem Studerserver keine Unterlagen aufrufbar, obwohl ein Verzeichnis angelegt ist.
Meine A807 kann pro Geschwindigkeit auf 2 Bandsorten eingemessen werden. Dies geht einfach von außen über digitale Werte. Man muß die Adjusttaste mit zB. einer Kulimine drücken, dann wechselt das Display des Zählwerks in den Einmeßmodus und man kann über up/down Tasten den BIAS, den Level und die Höhen einstellen, getrennt nach Kanal.
Ebenso den Wiedergabezug, natürlich da ohne BIAS.
Man könnte sich zB. auch die Mühe machen, div. Bänder einzumessen, sich die Werte zu notieren und so mehr als die 2 Sorten fahren zu können.
Natürlich wären dann im Laufe der Zeit kleinere Abweichungen unvermeidlich, aber ob das im Heimgebrauch relevant wäre?
Man bräuchte noch niemals jedesmal die Werte nach der Aufnahme wieder zu löschen, da es möglich ist, auch ohne Speichern die Werte zu nutzen, solange die Maschine eingeschalten bleibt. nach ausschalten sind halt wieder die originalen Werte im Speicher.
Viele Grüße,

Matthias

Zurzeit ist neben Ihnen 1 Benutzer in diesem Thema unterwegs:

1 Besucher