You are not logged in.

Posts: 67

Date of registration: Dec 8th 2017

Location: Oberbayern,

Occupation: Physiker

  • Send private message

91

Tuesday, January 9th 2018, 10:35am

Mit Technikern sind solche Diskussionen relativ schnell erledigt. Speziell mit Richtern ist das wesentlich schwieriger. Dort ist praktisch null Fachkenntnis vorhanden. Mit technischen Argumenten zu überzeugen oder wenigstens Zweifel anzuregen, geht nicht. Viele logische Argumente gehen nach hinten los. Beispiel: Dafür braucht man kein TK 248, das geht mit jedem beliebigen Bandgerät. Antwort: Wenn es mit jedem geht, dann auch mit dem TK 248. Das Strafgericht hat auch niemals die Argumentation akzeptiert, dass es damals mehrere TK 248 mit vergleichbaren Eigenschaften gegeben hätte. Bei Mazurek wurde eben genau das eine gefunden.

Wegen der fehlenden Sachkenntnis verlassen sich Richter auf Gutachter. In diesem Fall handelt es sich um eine hochkarätige Gutachterin, deren Meinung schwer zu erschüttern ist. Auch wenn die spezielle Fachkenntnis im Bereich Elektronik oder Elektroakustik zu wünschen übrig lässt. Das kann kein Richter erkennen.

Die beste Chance besteht darin, zu beweisen, dass sich genau mit dem besagten Bandgerät die Tätertonfolge nicht herstellen lässt. Damit sind wir bei der Tonhöhe der Verkehrsfunk-Jingles. Mit den Tonhöhen der Tonträgervorlage des BR funktioniert es, weil die Fehlstellung des Aufnahmekopfes einen passenden akustischen Frequenzgang bewirkt. Mit den Tonhöhen der Tätertonfolge funktioniert es genau wegen dieses Frequenzgangs nicht. Der eleganteste Gegenbeweis wäre deshalb, eine gesendete Tonfolge zu präsentieren, deren Tonhöhen der Tätertonfolge entspricht. Es lässt sich zwar herleiten, dass die Tonträgervorlage aus mehreren Gründen nicht der Ursprung der Tätertonfolge sein kann. Dieser Gegenbeweis alleine ist aber etwas dünn. Der Täter hatte schließlich eine Urversion aus dem Radio, wie immer die auch ausgesehen haben mag.

Gruß RoBernd
Bitte um Hilfe, Suche Radio-Aufnahmen von Bayerischen Verkehrsmeldungen. Siehe "Alles andere"

Posts: 67

Date of registration: Dec 8th 2017

Location: Oberbayern,

Occupation: Physiker

  • Send private message

92

Friday, February 9th 2018, 8:31pm

Aktueller Gerichttermin 08.02.2018

Gestern war endlich die erwartete Verkündigung des Landgerichts Augsburg zum Zivilverfahren Michael H. gegen Werner M.

Ursprünglich hatte das Gericht angekündigt, das Gutachten des Bayerischen Landeskriminalamts (LKA) über das Tonbandgerät Grundig TK 248 zu übernehmen und an diesem Tag die Entscheidung über Michael H.s Schadenersatzklage zu verkünden. Das haben die Anwälte des Verteidigers und des Klägers verhindert. Es gibt nämlich ein Recht darauf, Gutachter ihre Ausführungen erläutern zu lassen.
Die Verkündigung der Kammer, zu der mehrere Interessierte extra angereist waren, dauerte gerade einmal eine Minute:

- Das Gericht ordnet die Anhörung der Gutachterin zur Erläuterung der Gutachten und Stellungnahmen (der Jahre 2008 und 2009) aus dem Strafverfahren an.
- Die Parteien müssen die an die Sachverständige zu richtenden Fragen bis zum 09.03.2018 einreichen.
- Der Termin zur Beweisaufnahme und Fortsetzung der mündlichen Verhandlung ist der
21.06.2018, 9:00 Uhr im Saal 106 des Landgerichts Augsburg.

Es wäre übrigens interessant, was ihr für Fragen einreichen würdet. Denkt doch einmal darüber nach. Und nicht vergessen: Die Richter besitzen keine Sachkenntnis.
Bitte um Hilfe, Suche Radio-Aufnahmen von Bayerischen Verkehrsmeldungen. Siehe "Alles andere"

Posts: 67

Date of registration: Dec 8th 2017

Location: Oberbayern,

Occupation: Physiker

  • Send private message

93

Monday, June 25th 2018, 7:29am

Am 21.Juni 2018 gab es nach einer Übersicht durch die Gutachterin endlich die erwartete Frage-und-Antwort Stunde. Dabei durfte nur über die Antworten der Gutachterin auf Fragen der Parteien diskutiert werden. Ausführungen zu bestimmten Fakten waren nicht erlaubt.

Obwohl die Gutachterin weiterhin ihre bisherige Überzeugung energisch vertrat, hat sich ihre Meinung zu den Umständen etwas verändert. Laut Gutachten haben die Täter die Übertragungsvorlage für ihre Telefonanrufe mit dem beschlagnahmten Tonbandgerät Grundig TK 248 und akustischer Überspielung auf ein mobiles Bandgerät mit eingebautem Mikrofon erzeugt. Von weiteren Schritten war niemals die Rede. Nachdem die Verteidigung nachgewiesen hat, dass dieses Vorgehen rein mechanisch nicht möglich ist, wurde sie mit einer veränderten Darstellungsweise konfrontiert:

Die Täter hätten ihr wahres Vorgehen bewusst dadurch verschleiert, dass sie Geräusche beliebiger Herkunft und auch des TK 248 auf unbekannte Weise mit dem Verkehrsfunksignal vermischt hätten. Es klingt schon unwahrscheinlich, dass die Täter ohne Zwang neben Phantasiegeräuschen auch einige Schaltgeräusche des TK 248 in unlogischer Reihenfolge eingebaut haben sollen. Beliebig aufwändige, unbekannte Verfahren lassen sich natürlich kaum widerlegen.
Aus unserer Sicht erscheint es wahrscheinlicher, dass zum Abspielen statt des TK 248 ein besser geeignetes Kassettengerät mit automatischer Wiederholung eines Bereichs A->B für diesen Zweck verwendet wurde. Das bestritt die Gutachterin, weil, dann das Rückspulgeräusch hörbar wäre. Allerdings wäre die wiederholte Tonfolge mit 1,5 sec so kurz, dass das Rückspulen nur 0,1 bis 0,2 sec dauern würden. Das wäre dann auch nur als Knackgeräusch erkennbar.

Darüber hinaus ist bemerkenswert, dass wir dieses Mal lange über die Bedeutung von Obertönen palavert haben. Die Gutachterin beharrt auf ihrer Meinung, dass eine Magnetbandaufzeichnung auch geradzahlige Harmonische, also Obertöne mit 2-, 4-, 6-fache Grundtonfrequenz hinzufügt. Von denen fehlen in der vom Bayerischen Rundfunk gelieferten Tonträgervorlage die meisten. In der Tätertonfolge (Mitschnitt der Telefonanrufe durch die Polizei) sind sie alle vorhanden. Etabliert dagegen ist die Tatsache, dass Systeme mit symmetrischer Übertragungskennlinie wie das analoge Magnettonverfahren genau das nicht machen. Sie begründet das mit ihren eigenen experimentellen Untersuchungen. Bei einem schlechte Diktiergerät wäre vielleicht auch das möglich. Vor 10 Jahren im Strafprozess hatte sie noch die Meinung vertreten, dass es sich bei diesen Verkehrsfunksignalen um reine Sinustöne handelt.

Ausführlichere Ausführungen dazu findet ihr auf meiner Internetseite

Jetzt will das Gericht am 2. August das Urteil verkündigen. Vorher werden die Parteien schriftliche Stellungnahmen zu den Antworten der Gutachterin einreichen. Wahrscheinlich wird sich das Gericht der Meinung der Gutachterin anschließen. Der begegnet es mit großer Ehrfurcht. Das verhindert zwar keine Wiederaufnahme des Strafprozesses, erschwert diese aber.

Gruß RoBernd
Bitte um Hilfe, Suche Radio-Aufnahmen von Bayerischen Verkehrsmeldungen. Siehe "Alles andere"

Posts: 2,502

Date of registration: Dec 19th 2014

Location: Krefeld

Occupation: Tonmeister

  • Send private message

94

Monday, June 25th 2018, 8:26am

Hallo RoBernd,

Die Gutachterin beharrt auf ihrer Meinung, dass eine Magnetbandaufzeichnung auch geradzahlige Harmonische, also Obertöne mit 2-, 4-, 6-fache Grundtonfrequenz hinzufügt. … Etabliert dagegen ist die Tatsache, dass Systeme mit symmetrischer Übertragungskennlinie wie das analoge Magnettonverfahren genau das nicht machen. … Bei einem schlechte Diktiergerät wäre vielleicht auch das möglich.

Grundsätzlich ist dies bei allen Magnetbandgeräten möglich, z.B. wenn die HF geradzahlige Harmonische enthält (bei Eintakt- oder dejustierten Gegentaktoszillatoren), die im Aufnahmekopf und damit auf dem Magnetband eine Remanenz erzeugen.

Auch eine Magnetisierung des Aufnahmekopfs z.B. durch Ein- oder Ausschaltspitzen führt zu geradzahligen Klirranteilen. Sogar eine ursprünglich einwandfrei symmetrierte HF kann bereits durch Fehleinstellung des Arbeitspunkts – und niemand scheint wirklich zu wissen, weswegen – zu geradzahligen Komponenten führen, wie bei dieser professionellen Bandmaschine:





Wegen der im Grunde symmetrischen HF sind hier die Klirranteile ungleich geringer als bei der Tätertonfolge, jedoch zweifelsfrei feststellbar.
Bei geringerer Arbeitspunktverschiebung ergibt sich ein anderes Bild:




Diagramme mit kontrolliert stufenweise desymmetrierter HF (dafür haben einige professionelle Bandmaschinen einen Einstelltrimmer) habe ich zwar nicht, lassen sich aber – sofern gewünscht – ohne großen Aufwand anfertigen. Mehr als wahrscheinlich erscheint mir allerdings, dass die geradzahligen Komponenten vorwiegend durch die übrigen zahlreichen Übertragungsglieder entstanden sind.

Grüße, Peter

Posts: 67

Date of registration: Dec 8th 2017

Location: Oberbayern,

Occupation: Physiker

  • Send private message

95

Monday, June 25th 2018, 1:37pm

Hallo Peter,
schönen Dank für deine überzeugende Darstellung. Die Gutachterin neigte in ihren Ausführungen dazu, systematisch Behauptungen in den Raum zu stellen, die sich nicht nachprüfen lassen. Ich weiß nicht, mit welchen Geräten sie im konkreten Fall die Obertöne produziert hat. Fakt ist, dass das TK 248, das mir zur Verfügung steht, keine nennenswerten geradzahligen Harmonischen erzeugt. In der Kette Aufnahme vom CD-Player - Wiedergabe über eingebaute Lautsprecher - akustische Aufnahme mit einem Digitalrecorder ändert sich die Obertonstruktur praktisch nicht. Das ist natürlich nicht der Weg, den die reale Übertragung genommen hat.

Die reale Übertragung sieht angeblich ungefähr so aus: Im Jahr 1981 Aufnahme eines B3-Verkehrsfunksignals durch die Täter vom Radio auf ein unbekanntes Gerät. Die Gutachterin behauptet, dieses unbekannte Gerät sei (in 1981) ein inzwischen bei ihr konkret vorhandenes, erst im Jahre 2007 aufgefundenes und beschlagnahmtes TK 248 gewesen.
Akustische Überspielung von den Lautsprechern des TK 248 auf einen unbekannten Kassettenrecorder mit Mikrofon (oder ein Diktiergerät). Tausch der entsprechenden Bandkassette in ein weiteres Gerät mit anderer Geschwindigkeit. Mit dem zweiten unbekannten Kassettengerät Abspielen der Aufzeichnung in einer Telefonzelle.
Aufnahme der Polizei im Hause der Opfer mit einem Uher Report 4000 (ebenfalls 1981). Dieses konkrete Gerät ist natürlich auch nicht mehr verfügbar. Der Anschluss an das Telefon erfolgte mit einem passiven Uher Adapter an die Zuleitungen der Hörkapsel im Telefon. Digitalisierung des alten Polizeimitschnitts um 2007.

Die Gutachterin verwendetet für ihre Untersuchungen eine Tonträgervorlage auf einer analogen Audiokassette, die sie 1990 als Kopie aus dem Archiv des Bayerischen Rundfunks erhalten hat. Für meine Vergleiche habe ich eine Digitalkopie die ebenfalls vom BR stammt und erst wenige Jahre alt ist. Beiden ist gemeinsam, dass im Vergleich zum Polizeimitschnitt unterschiedliche Obertöne vorhanden sind. Das Verkehrsfunksignal besteht aus vier Tönen unterschiedlicher Frequenz, die jeweils eine unterschiedliche Zusammensetzung von geradzahligen und ungeradzahligen Harmonischen haben. In allen Fällen sind die geradzahligen schwächer.

Nach diesem nervigen Anlauf kannst du mir vielleicht weiterhelfen.
Ich behaupte, dass die Tonträgervorlage des BR niemals als Vorlage für die Täter gedient haben kann. Geradzahlige Harmonische kommen hinzu, wenn das Signal während der Übertragung eine Kennlinie mit quadratischem Anteil durchläuft. Um bei einem der vier Töne zusätzlich so viele geradzahlige Harmonische hinzuzufügen, dass das Verhältnis zu den ungeradzahligen ungefähr das gleiche ist wie beim entsprechenden Ton des Polizeimitschnitts, ist eine bestimmte Krümmung der Kennlinie erforderlich. Diese Kennlinie funktioniert aber nur bei einem der vier Töne. Bei einem anderen Ton ist eine andere quadratische Kennlinie erforderlich. Fazit: Weil ein Übertragungssystem nur eine Kennlinie hat, ist es nicht möglich, bei einer Übertragung für alle vier Töne der BR-Vorlage gleichzeitig die Obertonverhältnisse so anzugleichen, dass sie zum Polizeimitschnitt passen. Meine Behauptung, dass das Magnetbandverfahlen keine geradzahligen Harmonischen erzeugt, ist also nur ein kleinerer Teil des gesamten Problems.
Sind meine Ausführungen einigermaßen verständlich? Würdest du sie bestätigen oder eher für Unsinn halten?
Eine ausführlichere Darstellung findest im Abschnitt 4.2.1.4.3 (Seite 16) in meiner Gegendarstellung zum LKA-Gutachten.

Hinzu kommt noch, dass ich bei allen im Internet und privaten Archiven enthaltenen B3-Jingles niemals einen entdeckt habe, bei denen ein Teil der geradzahligen Harmonischen fehlt (bezogen auf abnehmenden Anteil bei zunehmender Frequenz). Das Verkehrsfunksignal wurde damals von einem sog. Kennungsgeber gesendet. Der auf Knopfdruck die Bayern3-Melodie aus einer Hardware abgespielt hat. Deshalb wurde diese Kennung nie systematisch archiviert. Wie die verwendete Vorlage jemals ins Archiv gelangte ist unklar.

Vielen Dank für die Mühe.
Gruß RoBernd
Bitte um Hilfe, Suche Radio-Aufnahmen von Bayerischen Verkehrsmeldungen. Siehe "Alles andere"

Posts: 4,645

Date of registration: Dec 20th 2015

Location: bei Hamburg

Occupation: Rentner

  • Send private message

96

Monday, June 25th 2018, 2:21pm

Bei den obigen Überlegungen ist nicht berücksichtigt, daß jede nicht zum Nullpunkt anti-symmetrische Kennlinie zu geraden Harmonischen führt. Eine Diskussion, die nur quadratische Kennlinienanteile brücksichtigt, ist unvollständig.
Die magnetische Tonaufzeichnung besteht nicht nur aus der im Idealfall anti-symmetrischen Kennlinie mit ungeraden Harmonischen (und geraden bei zB Nullpunktsverschiebung, wie Peter's Beispiele) sondern kommt nicht ohne Verstärker aus. Schlichte ("Nicht-Gegentakt")-Verstärker ohne viel Gegenkopplung haben meist quadratische Anteile (oder gar exponentielle bei Transistoren). Letzteres ist insbesondere bei billigen Kleingeräten mit wenigen Transistoren der Fall.
Eine Diskussion, die das Auftreten von geraden Harmonischen in Abrede stellt, ist unrealistisch.

MfG Kai

Posts: 2,502

Date of registration: Dec 19th 2014

Location: Krefeld

Occupation: Tonmeister

  • Send private message

97

Monday, June 25th 2018, 2:26pm

Sind meine Ausführungen einigermaßen verständlich? Würdest du sie bestätigen oder eher für Unsinn halten?

Insoweit du relative Möglichkeiten bzw. Unmöglichkeiten beschreibst, würde ich dir zunächst zustimmen, wobei Kai einen bedenkenswerten Kritikpunkt einwirft, wie ich gerade sehe.

Der auf Knopfdruck die Bayern3-Melodie aus einer Hardware abgespielt hat. Deshalb wurde diese Kennung nie systematisch archiviert. Wie die verwendete Vorlage jemals ins Archiv gelangte ist unklar.

Wobei eine schlichte Erklärung nicht nur möglich, sondern durchaus wahrscheinlich wäre, dass ein Tontechniker die Bayern-3-Melodie ab Kennungsgeber (oder Sendemischpultausgang, je nachdem) auf Band aufgezeichnet hat. Was zur folgenden Überlegung beiträgt:

Angesichts a) der Vielzahl der zu berücksichtigenden Variablen als auch b) der Lückenhaftigkeit heute noch wiedergewinnbarer Informationen sehe ich die größte (womöglich unüberwindliche?) Schwierigkeit darin, aus den vorhandenen Indizien wirklich stichhaltige Schlussfolgerungen zu ziehen, ganz gleich in welcher Richtung. (Welche Vielfalt variierender Verzerrungen beispielsweise eine Fernsprech-Kohlekapsel bei unterschiedlichen Signalfrequenzen bereits durch seine Eigenresonanzen erzeugen könnte, ist meines Wissens niemals systematisch untersucht worden, obwohl gerade dies mit heutigen Mitteln problemlos möglich wäre.)

Am Ende des Tages wird (bzw. kann) es allenfalls um Grade von Wahrscheinlichkeiten gehen, oder nicht?

Grüße, Peter

Posts: 67

Date of registration: Dec 8th 2017

Location: Oberbayern,

Occupation: Physiker

  • Send private message

98

Monday, June 25th 2018, 9:33pm

Ich danke euch für eure Ausführungen.
Ja, die Wahrscheinlichkeit ist genau der Knackpunkt.

Bislang hatte die Gutachterin "wahrscheinlich" dafür angegeben, dass das TK 248 für den Zusammenschnitt der Erpresseranrufe verwendet wurde. Höhere Werte wie "sehr wahrscheinlich" standen nie zur Diskussion. Wahrscheinlich bedeutet ungefähr 75% Wahrscheinlichkeit.

Inzwischen hat die Gutachterin ihre Meinung auf den ersten Blick nur etwas geändert.
- Sie sagt nicht mehr, dass der Zusammenschnitt direkt mit dem TK 248 auf einen Kassettenrecorder geschehen ist. Sie spricht von unbekannten, beliebigen Verfahren, mit denen die Täter Verkehrsfunkkennung und beliebige Knackgeräusche zusammengerührt hätten. Zwei davon (Play und Pause) sollen nach wie vor vom TK 248 stammen.
- Früher hat sie erklärt, dass es sich bei den diskutierten Verkehrsfunksignalen (Vorlage und Polizeimitschnitt) um reine Sinustöne gehandelt hätte. Heute diskutiert sie mit, wie die Obertöne sich verändern.
- Früher hat sie festgestellt, dass Akustik in der Telefonzelle und die Übertragungsleitung das Klangbild verändern. Heute behauptet sie, dass beides kaum einen Einfluss habe. Grund dafür ist wahrscheinlich, dass wir erklärt haben, dass am anderen Ende der Übertragung niemals die Tätertonfolge herauskommt, wenn wir genau diese vorne hineinstecken.

Unter diese Gesichtspunkten lässt sich die Bewertung "wahrscheinlich" objektiv gesehen kaum halten. Im Gegensatz zu einer Diskussion mit euch, reagiert allein ein Richter darauf, der Null Gefühl für Technik hat, dafür aber Ehrfurcht vor der Gutachterin.

Gruß RoBernd
Bitte um Hilfe, Suche Radio-Aufnahmen von Bayerischen Verkehrsmeldungen. Siehe "Alles andere"

Posts: 2,502

Date of registration: Dec 19th 2014

Location: Krefeld

Occupation: Tonmeister

  • Send private message

99

Monday, June 25th 2018, 9:56pm

Im Gegensatz zu einer Diskussion mit euch, reagiert allein ein Richter darauf, der Null Gefühl für Technik hat, dafür aber Ehrfurcht vor der Gutachterin.

Nicht grundlos heißt es "Judex non calculat" 8)

Grüße, Peter

Posts: 1,350

Date of registration: Jun 6th 2010

Location: Berlin

Occupation: Radio-FS Techniker i.R.

  • Send private message

100

Thursday, August 2nd 2018, 9:22am

Bei Spiegel Online ist ein langer Artikel zur heutigen Urteilsverkündung in dem Fall erschienen. Klick

MfG, Tobias
<<--- Sony BVH-2000PS, prof. 1 Zoll "C"-Standard Videorecorder Bj. 1983
bildgenauer Insert- und Assemble- Schnitt für Video und 3 Tonspuren
Video Zeitlupen-Wiedergabe, Hinterband-Wiedergabe für Video und Audio

Posts: 4,645

Date of registration: Dec 20th 2015

Location: bei Hamburg

Occupation: Rentner

  • Send private message

101

Thursday, August 2nd 2018, 2:07pm

Danke für den Link.
Lesen des Artikels hinterlies mich ratlos, wofür der Bruder des getöteten Mädchens von dem Verurteilten, den er selbst nicht für den Tâter hält, ein Schmerzensgeld verlangt.

MfG Kai

Posts: 2,502

Date of registration: Dec 19th 2014

Location: Krefeld

Occupation: Tonmeister

  • Send private message

102

Thursday, August 2nd 2018, 2:23pm

wofür der Bruder des getöteten Mädchens von dem Verurteilten, den er selbst nicht für den Tâter hält, ein Schmerzensgeld verlangt.

Um den Fall neu aufzurollen und seinen Prozess letztendlich zu verlieren, hatte ich vermutet.

Grüße, Peter

Posts: 4,645

Date of registration: Dec 20th 2015

Location: bei Hamburg

Occupation: Rentner

  • Send private message

103

Thursday, August 2nd 2018, 2:37pm

Das wäre ein taktisch begründetes Motiv,
dazu müßte aber erst mal ein Schmerzensgeld-Anspruch konstruiert werden.
Den sehe ich da aber nirgends beschrieben.

MfG Kai

Posts: 2,502

Date of registration: Dec 19th 2014

Location: Krefeld

Occupation: Tonmeister

  • Send private message

104

Thursday, August 2nd 2018, 2:47pm

Den sehe ich da aber nirgends beschrieben.

Offenbar wurde aber die Klage als zulässig und begründet angenommen.

https://www.augsburger-allgemeine.de/bay…id33130527.html
https://www.radonmaster.de/werner-mazure…la-herrmann.pdf

Im Falle des Unterliegens würde ich mich über eine funktionierende Rechtsschutzversicherung freuen.

Grüße, Peter

This post has been edited 1 times, last edit by "Peter Ruhrberg" (Aug 2nd 2018, 3:18pm)


Posts: 275

Date of registration: Jan 7th 2008

  • Send private message

105

Thursday, August 2nd 2018, 3:52pm

Dem Schmerzensgeldanspruch wurde stattgegeben, jedoch nicht in voller Höhe:

Quoted from "dpa"

Gewonnen und doch irgendwie auch verloren. So
empfindet es Michael Herrmann, der Bruder der vor 37 Jahren
verschleppten kleinen Ursula Herrmann. […] Am Donnerstag
entscheidet das Landgericht Augsburg, dass Michael Herrmann von dem
seit zehn Jahren im Gefängnis sitzenden Täter 7000 Euro
Schmerzensgeld bekommt. "Man gewinnt und ist nicht zufrieden",
kommentiert Herrmann das an seinem 55. Geburtstag verkündete Urteil.

Wenn es nach ihm gegangen wäre, dann hätte die Zivilkammer seine
Klage abweisen müssen. Mit der Begründung, dass der beklagte
Kidnapper vermutlich gar nicht der Täter ist. […]

Doch diesen Schritt der Klageabweisung ging das Gericht nicht. Am
Ende des mehrjährigen Verfahrens, in dem Zeugen aus dem früheren
Strafverfahren nochmals vernommen wurden, stärken im Gegenteil die
Richter ihren Kollegen der Strafkammer den Rücken. […]

Kläger Michael Herrmann kann das nicht überzeugen. Er geht davon aus,
dass die wahren Täter noch in Freiheit sind.[…]

Von dem Hauptindiz, einem bei dem 68-Jährigen sichergestellten
Tonbandgerät, das einst zur Verurteilung geführt hat, hält Herrmann
als Musiker und Studio-Experte überhaupt nichts mehr. Angeblich hatte
der Entführer das Gerät für seine Erpresseranrufe genutzt. Doch
selbst die Gutachterin des Bayerischen Landeskriminalamts ist nicht
ganz sicher, dass es sich um das Tatwerkzeug aus dem Jahr 1981
handelt.

[…]



Berichtende Grüße

TSD

  • "DOSORDIE" started this thread

Posts: 657

Date of registration: Jul 20th 2006

  • Send private message

106

Monday, August 6th 2018, 7:32pm

Tja, der Schuss ging ja dann wohl nach hinten los. Ganz schön traurig, hätte ich nicht gedacht. Klingt für mich so, als wären die alle einfach nur zu faul den Fall noch mal richtig aufzurollen.

Posts: 67

Date of registration: Dec 8th 2017

Location: Oberbayern,

Occupation: Physiker

  • Send private message

107

Wednesday, August 8th 2018, 3:31pm

Entschuldigt bitte, dass ich mich noch nicht früher gemeldet habe.
Nachdem ihr bereits fleißig in den Medien gelesen habt, möchte ich doch noch meine Darstellung nachreichen.

Die Verkündung des Urteils am 02.08.2018 hat 1 ½ Minuten gedauert (ich habe auf die Uhr gesehen):

- Der Beklagte wird verurteilt, an den Kläger 7000 EUR zuzüglich Zinsen in Höhe von 5 Prozent über dem Basiszinssatz seit 14.01.2014 zu zahlen.
(Inklusive der Zinsen ergibt sich so ein von Werner M. an Michael H. zu zahlender Gesamtbetrag von rund 8800 EUR.)

- Die Klage wird im Übrigen abgewiesen.
(Das Abweisen der Klage bedeutet, dass das ursprünglich eingeklagte Schmerzensgeld in Höhe von 20.000 EUR nicht gewährt wird.)

- Die Kosten des Rechtsstreits haben zu 65 % der Kläger und zu 35 % der Beklagte zu tragen.
(Bei Zivilprozessen ist es üblich, dass die Gerichtskosten entsprechend der verfügten Zahlungen aufgeteilt werden. 7000 EUR von 20.000 EUR sind gerade 35 %.)

Die angekündigte schriftliche Version habe ich noch nicht gesehen. Die Verteidigung wird wahrscheinlich Berufung einlegen. Nach meiner Kenntnis muss das beim Oberlandesgericht München erfolgen. Bisher waren wir beim Landgericht Augsburg.

Das Urteil hat die Beteiligten nicht wirklich überrascht. Nach der Befragung der Gutachterin hatte sich der Vorsitzende mit Handschlag von ihr (als einziger) verabschiedet. Außerdem wurde ein derart mangelhaftes Gerichtsprotokoll erstellt, dass es niemals das Haus hätte verlassen dürfen. Es wurden allein die Antworten der Gutachterin ohne die eingereichten Fragen protokolliert. Viele Fachausdrücke waren falsch geschrieben, obwohl die Gutachterin sie buchstabiert hatte. Und nicht zuletzt waren Antworten sinnentstellend protokolliert. Mit einem solchen Protokoll kann definitiv niemand etwas anfangen, auch kein Richter. Ich habe mir die Mühe gemacht und die Antworten in den Fragenkatalog der Verteidigung hinein geklebt. Die von mir hinzugefügten Stellungnahmen sind vor Gericht nicht zur Sprache gekommen.
Siehe: https://www.radonmaster.de/werner-mazure…_wortlaut-4.pdf
Fall sich jemand über das Wort "Einschwenkverhalten" wundert, gemeint ist "Einschwingverhalten" (von Tönen).

Nachdem die Urteilsverkündung vorüber war, hatten die Medienvertreter noch die Gelegenheit zu Fragen und Diskussionen. Die Anwälte haben bei der Gelegenheit auch die in Rechnung gestellten Kosten der Gutachterin genannt: Insgesamt 13.000 EUR, 8000 EUR für den Kläger, 5000 EUR für den Beklagten. Das ist unter den Medien-Leuten allgemein auf Unverständnis gestoßen. Die Gutachterin war vor Gericht vier Stunden vertreten. Jeder möge sich jeder selbst überlegen, wie lange sie vielleicht gebraucht hat, ihr eigenes, zehn Jahre altes Gutachten wieder zu verstehen. Neue Leistungen oder Arbeiten gab es keine.
In der Süddeutschen Zeitung steht ein durchaus lesenswerter Beitrag über die Verhandlung.

Ich möchte euch noch die neue Website des Bruders Michael Herrmann ans Herz legen:
https://www.ursulaherrmann.org/
Bislang ist sie dafür gemacht, seinen Offenen Brief in mehreren Sprachen zu veröffentlichen.
Am Schluss des Briefs tauchen die bemerkenswerten Sätze auf:
"Für mich mehren sich Hinweise auf einen anderen, bisher nur mangelhaft untersuchten Täterkreis. Durch neue Denkansätze und neue Untersuchungsmethoden hat sich ein neuer, sehr deutlicher Tatverdacht ergeben."
Natürlich haben die Journalisten Näheres darüber wissen wollen. Es gab aber keine Infos dazu, weil man niemanden öffentlich beschuldigen dürfe.

Gruß RoBernd
Bitte um Hilfe, Suche Radio-Aufnahmen von Bayerischen Verkehrsmeldungen. Siehe "Alles andere"

Posts: 13,761

Date of registration: Apr 4th 2004

Location: Meerbusch (bei Düsseldorf)

Occupation: Softwareentwickler

  • Send private message

108

Wednesday, September 5th 2018, 11:01pm

Der Fall ist gerade Thema bei "Stern TV" (RTL).

Posts: 67

Date of registration: Dec 8th 2017

Location: Oberbayern,

Occupation: Physiker

  • Send private message

109

Friday, September 14th 2018, 5:13pm

Die Sendung auf Stern-TV/RTL bestand aus zwei Teilen, einem Filmbeitrag und einem Studio-Interview (Diese Facebook-Seite ist auch für Nichtmitglieder sichtbar.)
Beides war kurz nach der Sendung noch auf der Internetseite von stern-TV zu sehen. Den Filmbeitrag kann ich inzwischen nicht mehr finden.
Bitte um Hilfe, Suche Radio-Aufnahmen von Bayerischen Verkehrsmeldungen. Siehe "Alles andere"

Posts: 13,761

Date of registration: Apr 4th 2004

Location: Meerbusch (bei Düsseldorf)

Occupation: Softwareentwickler

  • Send private message

110

Wednesday, April 10th 2019, 11:14pm

Der Entführungsfall ist gerade wieder Thema bei "Stern TV".