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  • "Matthias M" started this thread

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Friday, April 6th 2007, 4:07pm

Moin, moin,

beim Lesen älterer Büchlein bin ich auf den folgenden Artikel gestoßen, mit dem im Test-Jahrbuch 1973 der HiFi-Stereophonie die Bandgeräte-Tests eingeleitet werden.

Für die meisten von uns, dürften die frühen Siebziger eine prägende Bandgeräte-Zeit gewesen sein. Entweder sind wir dort etwas größer geworden (als vorher. körperlich oder geistig. oder kleiner). Oder unsere bevorzugten Bandgeräte stammen aus dieser Zeit.
Für mich habe ich festgestellt, daß sich meine Sichtweise im Gegensatz zu früher (nicht ganz so früh) doch leicht verändert hat. Insofern finde ich zeitgenössische Berichte und Bewertungen immer ganz interessant, weil sie mir doch die eine oder andere Entscheidung der Hersteller wieder etwas klarer machen. Ein kleines "Reset" sozusagen.

Also viel Spaß beim Lesen. Vielleicht habt ihr ja auch ein kleines Aha.

Tonbandgeräte.
Neben dem Plattenspieler und dem Rundfunk-Empfangsteil ist das Magnettongerät, einfacher auch Tonbandgerät genannt, die dritte mögliche Programmquelle einer HiFi-Anlage. Die Ergänzung einer HiFi-Anlage durch ein Tonbandgerät bedeutet deren Ausbau zu einem Heim-Studio. Denn das Tonbandgerät bietet folgende Möglichkeiten:

1.Die Wiedergabe bespielter Bänder, wie sie von der Industrie angeboten werden.
2.Das Überspielen von Schallplatten auf Band und das Mitschneiden von Rundfunksendungen.
3.Das direkte Aufnehmen von Schallereignissen beliebiger Art, z.B. von Hausmusikdarbietungen oder von selbstproduzierten Hörspielen, die Vertonung von Diavorführungen oder Schmalfilmen, usw. Mit dem Tonbandgerät steht dem HiFi-Freund und Tonbandamateur dasjenige Schallaufzeichnungsgerät auch für seine privaten Zwecke zur Verfügung, das auf professioneller Ebene die heutige Perfektion der Schallaufzeichnung überhaupt erst möglich gemacht hat.

Alle Schallplatten und Rundfunkaufnahmen werden mittels professioneller Tonbandmaschinen auf Magnetband aufgezeichnet. Dies bietet den unschätzbaren Vorteil, daß man es Schneidern (Cutten) und mit Hilfe von Klebeband wieder zusammenfügen oder, wie man in der Fachsprache sagt, montieren kann. Dadurch ist es möglich, die Gesamtaufnahme in geeignete Teilstücke, sogenannte „Takes“ zu unterteilen, diese zu Schnitte von Fehlern zu „säubern“, d.h. mißlungene Partien durch gelungene Wiederholungen der Stelle zu ersetzen und die Takes zur Gesamtaufnahme zu montieren. Dieser Möglichkeit verdanken Schallplatten- und Rundfunkaufnahmen ihre interpretatorische Perfektion, zumindest soweit es das Fehlen falsch gespielter Stellen betrifft und sie verdanken ihr die heutige Ökonomie der Musikproduktion.

Über dies Möglichkeit des Schneidens und der Bandmontage verfügt auch der Besitzer eines Heimtonbandgerätes. Dabei ist das exakte Schneiden um so einfacher, je größer die Bandgeschwindigkeit bei der Aufzeichnung war. Was de HiFi-Freund am Tonbandgerät am meisten interessiert, sofern er sich nicht gleichzeitig als Tonband-Amateur betätigt, ist die unter Punkt 2 angeführte Möglichkeit, Programme von Schallplatte und vom Rundfunk auf Tonband zu überspielen. Seit die Rundfunkanstalten ihre Stereosendungen so stark ausgebaut haben, ist dies besonders attraktiv geworden.

Das für den Heimgebrauch bestimmte Angebot an Tonbandgeräten erstreckt sich vom sogenannten Cassetten-Recorder bis zur halbprofessionellen Tonbandmaschine. Cassetten-Recorder dienen hauptsächlich zum Abspielen bespielter Musikkasetten. Sie sind außerordentlich einfach zu handhaben. Seit der Einführung von Rauschunterdrückungsschaltungen, wie z.B. Dolby-B und denk der Entwicklung von Chromdioxyd-Bändern, konnte die Klangqualität und die Dynamik von Cassetten-Tonbandgeräten soweit verbessert werden, da man sie als hifi-verdächtig betrachten muß. Kritisch sind bei diesen Geräten trotz Verbesserungen immer noch die Gleichlaufeigenschaften.

Für den HiFi-Freund als Ergänzung seiner Anlage kommen nur hochwertige Heimtonbandgeräte oder halbprofessionelle Tonbandmaschinen in Frage, wenn er bei der Überspielung auf Magnetband keine Qualitätsverluste in Kauf nehmen will,. Die meisten Heim-Stereobandgeräte sind mit Endstufen und einem oder zwei Lautsprechern ausgestattet. Die Qualität dieser eingebauten Lautsprecher genügt nur für Kontrollzwecke. Alle diese Tonbandgeräte können n den Verstärker der HiFi-Anlage angeschlossen werden, wobei die Endstufen des Tonbandgerätes umgangen werden. Die erforderliche Verstärkung besorgt der HiFi-Verstärker der Anlage. Für die Kombination mit einer HiFi-Anlage eignen sich daher besonders Tonbandgeräte, bei denen gar keine Endstufen eingebaut sind, weil sie ohnehin an einen HiFi-Verstärker angeschlossen werden. Man nennt solche Tonbandgeräte „Tape-decks“. Wichtig für das Gelingen einer Überspielung ist die richtige Aussteuerung des Magnetbandes. Dazu dienen Aussteuerungsinstrumente. Eine unmittelbare Qualitätskontrolle ist bei Geräten möglich, die über getrennte Aufnahme- und Wiedergabeköpfe verfügen.
Bei solchen Geräten kann man während der Aufnahme das Ergebnis der Überspielung schon „über“ oder „hinter“ Band abhören und durch Umschalten mit dem Signal vor Band vergleichen. Das ist allerdings nur mit Verstärkern möglich, die mit einem Band-Monitor-Eingang (Hinterband-Kontrolle) versehen sind. Bei Geräten, in denen der Aufnahme- und Wiedergabekopf in einem sogenannten Kombikopf zusammengefaßt ist, kann während der Aufnahme nicht hinter Band abgehört werden. Ein Kombikopf dienst während der Aufnahme als Aufsprechkopf und während der Wiedergabe als Wiedergabekopf, de die aufgezeichnete Magnetisierung des Bandes wieder in elektrische Schwingungen zurückverwandelt. Es kann diese beiden Funktionen selbstverständlich nicht gleichzeitig ausführen. Die meisten Tonbandgeräte bieten mehrere Bandgeschwindigkeiten. Gebräuchlich sind 2,4, 4,75, 9,5, 19 und 39cm/s. Der Bandverbrauch steigt proportional mit der Bandgeschwindigkeit. Für HiFi-Zwecke kommen die beiden kleinsten Geschwindigkeiten gar nicht und die mittlere von 9,5cm/s nur in Betracht, wenn man bereit ist, wenn auch geringfügige, Qualitätseinbußen in Kauf zu nehmen. Die für HiFi-Ansprüche geeignete Bandgeschwindigkeit ist 19cm/s. Für höchste Ansprüche in Verbindung mit HiFi-Anlagen der obersten Qualitätsklasse gibt es auch halbprofessionelle Heim-Tonbandgeräte, die neben der Bandgeschwindigkeit 19cm/s auch noch die von 38cm/s bieten, die heute für professionelle Zwecke verwendet wird. Für eine Stereo-Halbspuraufzeichnung von einer Stunde Dauer, benötigt man bei dieser Bandgeschwindigkeit eine Bandlänge von 1368m. Auf einer großen Spule von 26,5cm Durchmesser befinden sich aber nur 1080m Langspielband. Eine andere sehr vorteilhafte Optimierung von Qualität und Bandökonomie ist die Ausstattung halbprofessioneller Tonbandmaschinen mit Dolby-B. Man kommt dann für HiFi-Zwecke auch schon mit 9,5cm/s Bandgeschwindigkeit aus.

Mit der Frage der Bandökonomie ist auch die Alternative Halbspur- oder Viertelspurtechnik verknüpft. In Halbspurtechnik findet auf dem Band nur eine Stereoaufzeichnung Platz. Die Viertelspurtechnik bietet den Vorteil, daß auf einem Band zwei gegenläufige Stereo-Aufzeichnungen untergebracht werden können Die mit der Viertelspurtechnik verbundene Qualitätseinbuße ist heute kaum mehr nennenswert. Sie betrifft hauptsächlich den Signal-Fremdspannungsabstand und die Dynamik. Beide Werte verbleiben bei 19cm/s um rund 2 dB. Auch die Gefahr von „drop-outs“, das sind Aussetzer infolge Staub zwischen Band und Kopf, ist bei Viertelspurtechnik größer als bei Halbspurtechnik. Bespielte Bänder liegen meist – wenn sie aus Amerika kommen, immer – in Viertelspur vor. Um als Tonbandgerät in dieser Hinsicht universell verwendbar zu machen, gibt es Modelle bei denen ein Kopfträger für Halbspur und ein weiterer für Viertelspur zum Lieferumfang gehören. Bei fast allen Fabrikaten kann man zwischen Halb- und Viertelspurtechnik wählen. Die Wiedergabe einer Halbspur-Aufzeichnung über ein Viertelspurgerät ist bei etwas verminderter Qualität möglich, das umgekehrte nicht.
Ähnlich wie beim Plattenspieler muß man auch beim Tonbandgerät zwischen mechanischen Eigenschaften des Laufwerks und den elektrischen des Aufzeichnungs- und Wiedergabeteils unterscheiden.

Wichtige mechanische Eigenschaften sind:
1.Bandtransport mit Sollgeschwindigkeit. Eine Abweichung von der Sollgeschwindigkeit macht sich beim Abspielen von Fremdbändern durch eine Erhöhung oder Absenkung der Tonlage bemerkbar. Die HiFi-Norm läßt eine Abweichung von maximal +/- 1% zu.
2.Möglichst kleiner Schlupf. Darunter versteht man Abweichungen der Bandgeschwindigkeit zwischen Bandanfang und Bandende.
3.Möglichst kleine Geschwindkeitsschwankungen des Bandtransports zur Vermeidung von langsamen und schnellen Tonhöhenschwankungen. Forderung der Norm: höchstens +/- 0,2%
4.Saubere Bandwickel, keine Schlaufenbildung, schneller Vor- und Rücklauf. Zuverlässigkeit der Mechanik.

Zu den wichtigsten Qualitätskriterien des elektrischen Teils gehören:
1.Der Übertragungsbereich: Die HiFi-Norm verlangt in diesem Punkt recht bescheiden 40 bis 12.500 Hz, wobei der Abfall der Frequenzgangkurve bei 40 und 12.500 Hz 5 dB betragen darf. Die Frequenzgangkurve muß innerhalb des Toleranzfeldes verlaufen. Neuerdings soll das Toleranzfeld mit Rücksicht auf die Cassettenrecorder 3 statt 5 dB im mittleren Bereich und 7 statt 5 dB an den Bereichsenden betragen, eine Änderung die mehr als anfechtbar ist.
2.Der kubische Klirrgrad, gemessen bei 333 Hz, darf für Vollaussteuerung 5%, neuerdings 3%, nicht überschreiten. Auch in dieser Beziehung sind Tonbandgeräte der Spitzenklasse wesentlich besser.
3.Die Ruhegeräuschspannung oder Dynamik muß, bezogen auf Vollaussteuerung mindestens 50 dB (neu 48 dB) betragen, was man als eine recht strenge Forderung betrachten darf.
4.Der Fremdspannungsabstand, bezogen auf Vollaussteuerung, darf nicht unter 45 dB (neu 43 dB) liegen.
5.Die Übersprechungsdämpfung muß bei Stereoaufzeichnung und 1 kHz mindestens 25 dB betragen, die von guten Geräten weit übertroffen wird.
6.Schließlich soll die Löschdämpfung, das heißt die Dämpfung des auf einem bespielten Band vorhandenen Signals, vor der Neubespielung des Bandes, durch den dem Aufsprechkopf vorgeschalteten Löschkopf mindestens 60 dB betragen, eine Forderung die leicht erfüllbar ist.


Tschüß, Matthias
Stapelbüttel von einem ganzen Haufen Quatsch

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Friday, April 6th 2007, 4:46pm

Danke! Ich hab ja Spaß an solchen "historischen Betrachtungen"! ;-)