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Friday, August 3rd 2012, 2:32pm

Hier der erste Test eines UHER Report:
HIFI-STEREO- PRAXIS testet das UHER 4000 Report (1962)
Als eines der ersten Fachblätter ist wohl die Zeitschrift Hifi-Stereo-Praxis, der Vorgänger der Hifi-Stereophonie, zu nennen, die das Gerät kurz nach Markteinführung einem ausführlichen Test unterzog:

“Was bei diesem Gerät sogleich als recht praktisch auffällt, sind seine geringen Abmessungen. Von Tonbandgeräten oberhalb einer bestimmten Güteklasse sind wir gewohnt, dass sie verhältnismäßig groß sind, wenn es sich nicht um sehr teure kommerzielle Reportagegeräte handelt. UHER ist hier eine Konstruktion geglückt, die hohe Präzision mit äußerst kompakter Bauweise vereint. Die Abmessungen des Kästchens betragen nicht mehr als 270 x 215 x 85 mm. Der Preis von DM 598.- reiht das Gerät in die Mittelklasse ein, die es leistungsmäßig aber eigentlich schon überragt.”

Der Aufbau
Bedenkt man, dass selbst bei geschlossenem Deckel 13 cm Spulen in dem Gerät verwendet werden können, dann sind die Abmessungen wirklich frappierend. Dies ist der Transistorisierung und der Aufteilung des elektrischen Teiles in drei gedruckte Schaltungseinheiten und einer völligen Neukonstruktion der Mechanik zu verdanken, die zusammen mit der verhältnismäßig großen Batterie bzw. dem gleich großen Netzteil in einem Druckgussgehäuse untergebracht sind.
Das grau spritzlackierte Gehäuse gibt dem UHER 4000 Report ein mehr “technisches” Aussehen, ermöglicht aber zugleich eine moderne Formgestaltung, die wir als recht glücklich bezeichnen möchten. Wenn dabei die Bedienungsknöpfe des Geschwindigkeitswählers und der Regler bzw. Umschalter etwas klein geraten sind, so bedeutet dies einen gewissen Nachteil, an den man sich jedoch rasch gewöhnt. Im Übrigen wird die Bedienung des Gerätes wesentlich erleichtert, wenn es so auf den heruntergeklappten Tragbügel gestützt wird, dass die Bedienungsfront schräg nach oben weist. Der griffige Kunststoffbezug des Bügels gibt ihm einen festen Halt auf seiner Unterlage. Der unverlierbar befestigte Deckel über den Tonbandspulen kann dabei je nach Belieben auf- oder zugeklappt werden. Die Anordnung der Bedienungstasten mit den auf zwei Seiten angebrachten Bezeichnungen ist in jeder Lage, ob aufgestellt oder umgehängt, überaus günstig. Bandführung und Tonköpfe sind nach dem Lösen weniger Schrauben frei zugänglich.

Die Mechanik
Von allen Batteriegeräten, die wir bis jetzt prüfen konnten, macht das UHER 4000 Report die geringsten Laufgeräusche, eine für die als dämpfungsschwach bekannte Metallrahmenkonstruktion bemerkenswerte Tatsache.
Schon äußerlich macht der Antrieb der Tonbandspulen den besten Eindruck. Auch bei schnellem Lauf der Spulen sieht man bei deren Halterungen keinen Schlag, was sogar bei völlig rund laufenden Achsen selbst der teuren Geräte zumindest als Schönheitsfehler meist zu beanstanden ist. Die Bandwickel werden in beiden Laufrichtungen auch beim schnellen Umspulen sehr sauber und dicht, was wiederum selbst bei teuren Geräten selten der Fall ist.
Für die Aufnahme- und Wiedergabequalität ist die Laufkonstanz des Bandes eine entscheidende Eigenschaft. Die hier verwendete Konstruktion mit bei jeder Bandgeschwindigkeit gleich bleibender Drehzahl der Schwungmasse, hinter der erst das Antriebsrad mit seiner Tonwelle auf die verschiedenen Bandgeschwindigkeiten geschaltet wird, lässt einen vorzüglichen Gleichlauf bei allen Stufen erwarten. Der sonst bei niedriger Bandgeschwindigkeit auftretende unruhigere Lauf ist ja zum großen Teil die Folge der gleichzeitig verminderten Umdrehungszahl der stabilisierenden Schwungmasse.

Wir haben den Gleichlauf unter scharfen Bedingungen geprüft. Das dabei angewandte Verfahren arbeitet mit der Aufnahme eines Sinus Tones von
a) 1000 Hz +/- 0,01%
b) 100 Hz +/- 0,01%

Dieser bei einer Geschwindigkeit von 19 cm/sec auf das Band gegebene sehr konstante Ton wurde dann wiedergegeben
a) auf einen Tonfrequenzanalysator mit 6 Hz Bandbreite bei einer Verstimmung des Filters um 3 Hz, so dass auf der steilen, linearen Flanke des Ouarzfilters (Steilheit im Mittel 1,5 dB/ Hz) gearbeitet wurde. Damit wurde ein hoher Ausschlag bei geringen Abweichungen gesichert.
Die Anzeige erfolgte über ein Zeigerinstrument und einem Oszillographen.
b) auf einen elektronischen Zähler mit Quarzgesteuerter Zeitbasis. Die mittlere wiedergegebene Frequenz wurde über einen Zeitraum von jeweils 0,1, 1 und 10 Sekunden bestimmt.

Der nach diesem Verfahren ermittelte Gleichlauf betrug bei 19 cm/s +/-0,3 %.

Dies ist nach allen Erfahrungen mit anderen Geräten ein sehr günstiger Wert. Der in den technischen Daten des Herstellers angegebene Wert von +/- 0,15 % ist mit der Einschränkung “gehörrichtig'' versehen und erscheint deshalb als glaubhaft.
Wir möchten aber bei dieser Gelegenheit darauf hinweisen, dass der heute üblich gewordene Wettlauf der Hersteller um die günstigsten Katalogangaben oft eine Fehleinschätzung des Käufers voraussetzt. Dabei werden ihm Daten genannt, die jede sinnvolle Qualitätserwartung übersteigen. Wir werden darauf bei der Behandlung der Angaben über den Frequenzumfang noch zurückkommen.
Für ein Reportergerät ist der Gleichlauf in allen Lagen wichtig. Man kann ihn auf einfache Weise prüfen, indem man die Wiedergabe einer Aufnahme bei verschiedener Haltung des Gerätes beobachtet. Das UHER 4000 Report ließ Schwankungen der Tonhöhe erst bei heftigem Hin- und Herschwenken des Gerätes erkennen.

Der elektrische Teil
Von den batteriebestückten Transistorgeräten besitzt das UHER 4000 Report mit 1 Watt die höchste Ausgangsleistung. In Verbindung mit dem 12 x 6 cm messenden Oval-Lautsprecher ergibt dies eine ausgezeichnete Wiedergabe, wenn man die Voraussetzungen solcher Geräte mit bedenkt. Jede bessere Qualität kann natürlich dadurch erreicht werden, dass man das Gerät als “Steuergerät" für eine große Wiedergabeanlage benutzt.
Für die normalerweise vorkommenden Verwendungszwecke reicht das Gerät aber zur Wiedergabe allein schon aus.
Selbstverständlich haben wir den Frequenzgang des UHER 4000 Report mit der gleichen Sorgfalt nachgemessen. Für die Prüfung wurde der Bandtyp LGS 45 der BASF verwendet. Der Prüfvorgang umfasste

a) die Aufnahme diskreter Frequenzen im Bereich von 30 Hz bis 20 kHz mit einer konstanten Spannung von 0,39 mV, was einen Abstand von 26 dB unter der Vollaussteuerung bedeutet. Dabei wurde der Eingang “Radio” verwendet. Zur Spannungskontrolle diente ein Röhrenvoltmeter mit einer Fehlerbegrenzung von +/- 0,1 dB.
b) die Wiedergabe über den Ausgang “Phono” auf ein Röhrenvoltmeter der gleichen Messgenauigkeit von 0,1 dB.

Für die verschiedenen Bandgeschwindigkeiten wurden dabei folgende Frequenzwerte gemessen, denen wir noch die Katalogangaben des Herstellers beifügen.

2,4 cm/sec: 60 bis 4000 Hz UHER-Angabe: 70 bis 5000 Hz
4,75 cm/sec: 50 bis 8000 Hz UHER-Angabe: 50 bis 11000 Hz
9,53 cm/sec: 50 bis 14000 Hz UHER-Angabe: 50 bis 18000 Hz
19,05 cm/sec: 60 bis 17000 Hz UHER-Angabe: 50 bis 22000 Hz

Wie üblich wurde der Frequenzgang innerhalb einer Pegelabweichung von +/- 3 dB angegeben. Die von unseren Messergebnissen abweichenden Herstellerangaben resultieren, abgesehen von den zu berücksichtigen Messtoleranzen und den möglicherweise unterschiedlichen Messverfahren und eventuell unterschiedlich zugelassenen Pegelabweichungen, hauptsächlich aus den wohl unterschiedlichen Aussteuerungen des Bandes, mit denen gearbeitet wurde. Hier hätte unser Messergebnis vielleicht noch etwas günstiger gemacht werden können.
Wir möchten aber nicht versäumen, darauf hinzuweisen, dass gerade bei der Angabe der Frequenzgänge von Geräten für den Amateurgebrauch fast durchweg zu viel des Guten getan wird. Wer einmal Gelegenheit hatte, die Qualität eines Übertragungsbereiches von 50 bis 140000 Hz zu beurteilen, wird Frequenzangaben bis 22000 Hz nicht mehr so bewerten, wie dies der vom Zahlenwunder beeindruckte Laie tun mag. Ein sonst so vorzügliches Gerät wie das UHER 4000 REPORT hat auch die äußerste Ausnutzung der Messchancen gar nicht nötig.
Wir haben mit dem Gerät Sprachsendungen im UKW-Bereich bei einer Bandgeschwindigkeit von 2,4 cm/sec. aufgenommen. Dabei war bei der Wiedergabe über den eingebauten Lautsprecher gegenüber dem Original kein hörbarer Qualitätsunterschied festzustellen (!). Bei derselben Bandgeschwindigkeit erreichte die Musikwiedergabe fast die gleiche Qualität, wie sie heute 17 cm-Schallplatten aufweisen. Was dies in Bezug auf die Qualität der höheren Bandgeschwindigkeiten bedeutet, brauchen wir hier nicht mehr besonders zu betonen. Die von uns ermittelten überraschend guten Frequenzwerte sprechen für sich selbst.
Dem Besitzer möchten wir in jedem Fall die Verwendung der “dryfit”-Batterie und des Netzgerätes empfehlen. Die für Monozellen angegebene Betriebszeit von 5 Stunden im Dauerbetrieb (bei unterbrochenem Betrieb 12 Stunden) ist erstaunlich schnell vorüber, vor allem, wenn man einmal Geschmack an der vielseitigen Verwendungsmöglichkeit des Gerätes bekommen hat. Es besteht also die Gefahr, dass das Gerät immer wieder einmal nicht betriebsbereit ist, wenn man sich nicht ständig einen Batteriesatz auf Vorrat legen will. Bei Verwendung der oben genannten Stromversorgung hat man nichts weiter zu tun, als das Ladegerät über Nacht mit seinem Ladekabel anzuschließen. Die eingebaute Ladeautomatik arbeitet prächtig. Es kann gar nichts schief gehen.
Ebenso vorteilhaft erweist sich das Messinstrument sowohl zur Batteriekontrolle wie auch zur Bestimmung der korrekten Aussteuerung. Hier ist es viel genauer als jede Anzeige über magisches Auge, Fächer oder “Ausrufezeichen”, weil man eindeutig sieht, wo man sich mit der Aussteuerung überhaupt befindet.
Überall dort, wo man auf Tricktechnik verzichtet, also bei Überspielungen, Tonaufzeichnungen, verschobenen Rundfunksendungen, Archivaufnahmen, Reportagen, Tonjagd oder Telefonaufzeichnungen, erweisen sich die Vorteile des UHER 4000 REPORT. In den meisten Fällen ersetzt es also ein großes Gerät und gibt dazu noch den Vorteil des kleinen, leichten, transportablen und netzunabhängigen Batteriegerätes. Dabei kann es mit dem speziell dafür entwickelten Fernschalter des dynamischen Stabmikrophons UHER 606 auch als Diktiergerät hoher Aufnahmekapazität verwendet werden. Seine sofortige Startbereitschaft ohne Anheizverzögerung macht es für alle Gelegenheitsaufnahmen schnell schussbereit, was übrigens auch bei der Aufnahme von Telefongesprächen ein entscheidender Vorteil ist.”

Soweit der Testbericht, der mit E. P. signiert war und sicherlich dem Verkauf einige zusätzliche Impulse verschafft hat.

Es bleibt noch anzumerken, dass die Fachzeitschriften um 1960 noch keine eigenen Testlabore hatten. Frequenzgänge und Laufkonstanz wurden daher gemessen von Dr.-Ing. W. Westphal an der Technischen Hochschule Karlsruhe.

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Friday, August 3rd 2012, 2:49pm

Sind ausländische Tonbandgeräte besser?
Unter dem Einfluss aggressiver Werbung begannen einige potenzielle Neukäufer nach japanischen Geräten Ausschau zu halten, boten sie doch scheinbar bessere technische Daten als die deutschen Geräte, was natürlich Unsinn war.
UHER stellte dies in einem Informationsblatt klar.Da es auch die Report´S betraf hier ein Bericht:

Stellungnahme der Uher Werke München zu international unterschiedlichen Messverfahren:
“Nahezu alle namhaften deutschen Hersteller beziehen sich bei der Angabe von technischen Daten in Prospekten und sonstigen Unterlagen auf die in den deutschen Normen festgelegten Messverfahren. Nur dann ist eine Gewähr dafür gegeben, dass für den Käufer ein wirklicher Qualitätsvergleich möglich wird. Das zunehmend stärkere Eindringen ausländischer Geräte in den deutschen Markt schafft jedoch für die Interessenten eine sehr unsichere Situation. Im Ausland, besonders USA und Japan, werden nämlich andere Messverfahren angewandt, die - da sie weniger streng als die DIN-Messmethoden sind - zu wesentlich besseren technischen Daten führen. Der Interessent wird beim Vergleich von Prospektangaben dadurch verwirrt und hält unter Umständen ausländische Geräte für wesentlich besser als deutsche Erzeugnisse. Eine objektive Klärung des Sachverhaltes ist daher im allgemeinen Interesse erforderlich.
Im Einzelnen handelt es sich hauptsächlich um die nachfolgend aufgezählten Daten:
Frequenzbereich
Für die obere Grenze des Frequenzbereiches lässt die DIN nur eine bestimmte maximale Abweichung zu. Bei den oft fantastisch großen Frequenzbereichen ausländischer Erzeugnisse wird nur selten, meist überhaupt keine Abweichungstoleranz genannt. Es besteht damit weder die Möglichkeit eines Vergleiches noch einer exakten Nachprüfung.
Besonders stechen hierbei Geräte hervor, die mit der so genannten Cross-Field oder X-Field-Technik arbeiten; einem Verfahren, das seit 20 Jahren bekannt ist, jedoch nachweislich nur in der Theorie und bei Anwendung veralteter Bandtypen eine gewisse Verbesserung des Frequenzbereiches bringen kann.
Mit den sich heutzutage auf dem Markt befindlichen, stark verbesserten Magnetbändern bringt das Cross-Field-Verfahren jedoch keine Vorteile mehr, sondern ist mit dem entscheidenden Nachteil der erheblichen Störanfälligkeit behaftet.

Gleichlauf
Der Messwert für den Gleichlauffehler (auch Tonhöhenschwankung, kurzzeitige Abweichung der Bandgeschwindigkeit bzw. im Englischen “wow and flutter" genannt) erscheint bei ausländischen Fabrikaten oft ebenfalls sehr günstig; tatsächlich sind die Geräte jedoch nach DIN gemessen, meist wesentlich schlechter als unsere Erzeugnisse.
Als ungefährer Anhaltspunkt kann gelten, dass die nach DIN ermittelte Fehlerwerte ca. um die Hälfte reduziert werden können. So ist z.B. der nach DIN ermittelte Fehlerwert +/- 0,2% im Vergleich mit ausländischen Daten auf +/- 0,09% zu reduzieren.
Sehr häufig findet man in ausländischen Prospekten, hinter dem entsprechenden Messwert, den Zusatz: “RMS", d. h. es werden, nicht wie in DIN festgelegt, Spitzenwerte, sondern nur die geringeren Effektivwerte des Gleichlauffehlers gemessen.

Geräuschspannung
Als ein weiteres Qualitätsmerkmal ist der Messwert für den Geräuschspannungsabstand (auch Ruhegeräuschspannungsabstand oder Dynamik genannt) anzusehen. Die entsprechende deutsche Norm sagt aus, dass der Spitzenwert des Störgeräusches und auch dessen frequenzmäßige Zusammensetzung zu ermitteln ist, d.h. die Störfrequenzen, welche vom Ohr als besonders lästig empfunden werden, erfasst das Messinstrument mit dreifach höherer Empfindlichkeit. Auch hier wieder ein Zahlenbeispiel: Ein nach DIN ermittelter Wert für den Geräuschspannungsabstand von 52 dB entspricht dem wesentlich besser erscheinenden Wert von mehr als 62 dB eines ausländischen Gerätes. Meist sind die Angaben auch deshalb besonders unklar, weil sehr häufig nur von “signal to noise" (abgekürzt: S/N) gesprochen wird. Für eine Ermittlung dieses Messwertes können dann die verschiedensten Messverfahren herangezogen werden, so dass ausnahmslos gegenüber DIN weitaus günstigere Werte propagiert werden.
Um dem Interessenten eine echte Information und vor allem auch Vergleichsmöglichkeiten bieten zu können, werden in Zukunft in unseren Prospekten und technischen Unterlagen die Messwerte nach DIN als auch nach den im Ausland üblichen Messverfahren ermittelt, einander gegenübergestellt.

Anmerkung
Im April 1975 beugte sich der Deutsche Normenausschuss und schloss sich den internationalen Normen mit den dort praktizierten Messverfahren weitestgehend an. (DIN 45500 Blatt 4) April 1975. U. a. wurde bei der Ermittlung des Fremd- und Geräuschspannungsabstandes nur der Effektivwert der Störspannung mit einem Gerät der Bandbreite 20 Hz bis 22 kHz (entsprechend IEC-Publikation 268-1) gemessen.
Die dynamischen Eigenschaften des Messgerätes “schnell” mussten DIN 45633 Blatt 1, Ausgabe März 1970, Abschnitt 3.3.6 entsprechen. Der Ruhegeräuschspannungsabstand musste zusätzlich mit der Bewertung nach Kurve A nach DIN 45633 Blatt 1, Ausgabe März 1970, gemessen werden. Diese Norm wurde ausgearbeitet vom Komitee 742 Aufzeichnungstechnik der Deutschen Elektrotechnischen Kommission im DANN und VDE.

Sie beinhaltete u.a.folgende tonbandrelevante Eigenschaften:

Aspekte der HiFi-Norm DIN 45500 für Tonbandgeräte
Nach den Punkten 2.1 (Geschwindigkeitskonstanz) und 2.2 (Gleichlaufschwankungen) behandelte „Blatt 4" der HiFi-Norm DIN 45 500 den Frequenzumfang, den ein Bandgerät in Spulen- oder Cassettentechnik bei Aufnahme und Wiedergabe erzielen musste. An Zahlenwerten enthielt der Punkt 2.3 ganze zwei - die untere Grenzfrequenz und die obere Grenzfrequenz. Die eine war 40 Hz, die andere 12 500 Hz. Mit anderen Worten: Das Gerät musste den gesamten Bereich zwischen diesen Grenzfrequenzen verarbeiten können. Im Übrigen enthielt der Punkt nur noch die Bemerkung „siehe Bild". Bei dem Bild handelt es sich um eine schematische Darstellung des Toleranzfeldes für den Frequenzgang, der sich bei Verwendung einer bestimmten Leercharge des DIN- Bezugsbands – ergab.
Aus der Darstellung konnte man sehen, dass der ermittelte Pegel bei jeder beliebigen Messfrequenz im Bereich zwischen 250 und 6300 Hz um bis zu 5 dB schwächer sein durfte als ein bestimmter, als Bezugsgröße angenommener Maximalpegel. 5 dB entsprechen 1:1,78. Der ermittelte Pegel durfte also höchstens etwa 1,8-mal schwächer sein als der Bezugspegel. Vom Standpunkt des Hi-Fi- Puristen aus betrachtet, war die Norm hier aber doch recht großzügig. Denn theoretisch hätte die Frequenzwiedergabekurve des Geräts wie eine völlig unregelmäßige Wellenlinie verlaufen können.
Wenn die Schlangenlinie noch in das 5-dB-Toleranzfeld zwischen 250 und 6300 Hz hineinpasst hätte, wäre das Gerät immerhin noch DIN- konform gewesen. Selbstverständlich nutzten die UHER- Geräte die angegebene Toleranz nicht aus, zumal es keine unüberwindlichen Schwierigkeiten bereitete, den Frequenzgang zwischen 250 Hz und 6,3 kHz recht „glatt" zu machen. Toleranzen von höchstens 3 dB, bei Spulengeräten noch erheblich weniger (oft nur 1 dB), waren daher durchaus normal. Nehmen wir an, die Abweichung sei 1.5 dB. Dieser Wert würde einem Zahlenverhältnis von etwa 1:1,19 entsprechen. Einen derartigen Unterschied nimmt das Ohr noch nicht (oder nicht mehr) wahr. Auch bei 2 dB geht es noch an. 2 dB entsprechen etwa 1:1,26.
Noch großzügiger als mit dem genannten Frequenzbereich von 250 Hz bis 6,3 kHz war die Norm mit den Bereichen zu den Frequenzenden hin. Die Toleranz zwischen 250 Hz und der unteren Grenzfrequenz sowie zwischen 6,3 kHz und der oberen Grenzfrequenz durfte von 5 dB auf 7 dB zunehmen. 7 dB entsprechen schon einem Verhältnis von etwa 1:2,24 oder (,,anders herum") 0,446. Der Pegel der vom Gerät noch „geschafften" unteren oder oberen Grenzfrequenz brauchte also nur noch knapp halb so stark zu sein wie der Bezugspegel, und die Normforderung wäre noch erfüllt worden. Dabei durfte allerdings -Wie schon erwähnt- die untere Grenzfrequenz nicht höher liegen als bei 40 Hz, während die obere Grenzfrequenz mindestens 12,5 kHz betragen musste. Je tiefer nun die untere Grenzfrequenz und je höher die obere Grenzfrequenz lag, desto größer war der vom Gerät verarbeitete Frequenzumfang. Bei guten Spulengeräten, und da gehörte UHER zweifellos zu, waren untere Grenzfrequenzen von weniger als 30 Hz und obere Grenzfrequenzen von mehr als 20 kHz keine Seltenheit, wobei die 7-dB-Toleranz noch nicht einmal voll ausgeschöpft werden musste. Brachte es ein Cassettengerät mit einer hochwertigen FeCr- Cassette auf einen Frequenzumfang von 30 Hz bis 16 kHz, so war das schon wirklich sehr gut. Wenn also schon die geringe Bandgeschwindigkeit und die geringere Breite des Cassettenbandes der Technik hier eine Grenze setzten, dann sollte man das, was wenigstens mit dem Bandmaterial noch herauszuholen war, eben mit Hilfe der Bandsorte herausholen. Falsche Sparsamkeit zahlte sich gerade hier nicht aus. Natürlich musste das Gerät dann auch für hochwertige Bandtypen ausgelegt sein und sich auf diese umschalten lassen.
Ein gutes Band - und dies galt jetzt auch wieder für Spulengeräte - zahlte sich ebenfalls aus, wenn es galt, bei einem weiteren Punkt der Norm möglichst gut abzuschneiden, einen gewährten Spielraum also nicht auszuschöpfen. Der Punkt betraf die Aussteuerung des Bandes - die Stärke des Signals, mit dem das Band bespielt (d.h. magnetisiert) wurde. Bei Cassettengeräten war die richtige Aussteuerung bekanntlich eine Art Gratwanderung: War die Aussteuerung zu schwach, so übertönt das Nutzsignal das Grundrauschen des Bandes nicht in dem erforderlichen Maße. Wurde die Aussteuerung zu stark, so wurde sehr schnell der Punkt erreicht, an dem das aufgezeichnete Signal keine wesentlich höhere Lautstärke mehr lieferte, dafür aber der Klirrgrad rapide anstieg.

Unerwünschte Verzerrungen:
Dazu wieder einmal ein wenig Theorie: Jede verstärkende Schaltung hat die Neigung, den Frequenzen, die sie verarbeiten soll, von ihr selbst produzierte Oberschwingungen (Oberwellen) dieser Frequenzen hinzuzufügen, die - wenn ihr Anteil zu stark wird – den Klang hörbar verzerren (verklirren) können. Der Anteil unerwünschter Oberwellen - man nennt sie auch ,,Harmonische" - ist der Klirrgrad oder (weniger glücklich formuliert) der Klirrfaktor. Er wird in Prozent ausgedruckt und darf ein bestimmtes Maß nicht überschreiten. Bei Verstärkern darf er nicht größer als 1 Prozent sein. In diesem Prozentsatz sind alle Harmonischen (Oberschwingungen) enthalten. Im Zusammenhang mit Bandgeräten spricht die Norm dagegen nur vom ,,Klirrfaktor K 3", auch „kubischer Klirrgrad" genannt. Gemeint ist also nur eine bestimmte Oberschwingung, nämlich die 3. Harmonische. Erreicht deren Anteil 3 Prozent, so ist laut Definition in „Blatt 4" der HiFi-Norm die Vollaussteurung des Bandes (gemessen bei 333 Hz) erreicht.
3 Prozent Verzerrungen - ist das nicht reichlich viel? Auf den ersten Blick mag es so scheinen. Auch ist zu bedenken, dass sich die Klirrgrade des Aufnahme- und des Wiedergabeverstärkers (im Bandgerät) im ungünstigsten Fall addieren können und dass an der ,,Nahtstelle" Tonkopf/ Band (bei Aufnahme) bzw. Band/Tonkopf (bei Wiedergabe) weitere physikalisch bedingte Verzerrungen auftreten. Insofern ist der genannte Normwert von 3 Prozent mit dem für Vollverstärker zutreffenden Klirrgradwert nicht zu vergleichen.

Den Spielraum möglichst nicht ausnutzen:
Auch objektiv gesehen ist er ja kein Höchstwert, der nicht überschritten werden darf, sondern vielmehr eine Art „Markierung“: Wenn bei einer Messfrequenz von 333 Hz der kubische Klirrgrad k3 den Wert von 3 Prozent erreicht hat, dann ist das Band voll ausgesteuert. Das Entscheidende ist nun aber, wie weit das Gerät - im Zusammenwirken mit der Bandsorte - unter der Vollaussteuerung bleiben kann, um ein Nutzsignal einer bestimmten Mindeststärke auf das Band zu bringen. Bei den rauscharmen und hoch aussteuerbaren Fe LH-Bändern z. B. kann der Nutzpegel gegenüber dem Grundrauschen recht hoch gemacht werden, ehe die Vollaussteuerung des Bandes auch nur annähernd erreicht ist. Misst man bei 333 Hz und dem gegebenen Pegel jetzt k3, so liegt dessen Wert vielleicht erst bei knapp 2 Prozent, eventuell sogar noch unter 1,5 Prozent.
Anders dagegen bei einem billigen Spulen- oder Cassettenband: Will man bei ihm P/N um dasselbe Verhältnis stärker machen als das Grundrauschen, so muss man den Aufsprechpegel höher wählen. Und das bedeutet automatisch, dass das Band näher an die Vollaussteuerung herankommt als das LH-Band im vorhergehenden Beispiel. Mit anderen Worten: Um ein gleich günstiges Verhältnis zwischen Nutzsignal und Rauschen zu erzielen, muss das billige Band einen k3-Wert von - sagen wir - 2,6 Prozent und damit einen höheren Verzerrungsanteil in Kauf nehmen. Also noch einmal: Es bringt nichts ein, am Bandmaterial zu sparen, wenn es um die klangliche Qualität geht.

Was ist eine gute Höhenaussteuerbarkeit?
Ein billiges Band kann auch der Anlass dafür sein, dass HiFi-Qualität nicht erzielt wird, obwohl das verwendete Spulen- oder Cassettengerät von seinem Laufwerk oder von seiner Elektronik her hierzu in der Lage wäre: Das betreffende Band hat eine zu schlechte Höhenaussteuerbarkeit. Was ist das nun wieder? Zitieren wir zunächst den in Frage kommenden Punkt der Norm, nach dem -bezogen auf 333 Hz- die Abnahme der Aussteuerbarkeit bei 10 kHz höchstens15 dB betragen darf. Noch nicht sehr viel schlauer, rufen wir uns jetzt in Erinnerung, dass jedes Tonband z. B. auf eine hohe Frequenz wie 10 kHz schwächer reagiert als auf eine ,,mitteltiefe“ Frequenz wie 333 Hz. Dieser „Mangel“ wird durch eine entsprechende Höhenanhebung im Aufnahmeverstärker des Bandgeräts kompensiert.

Doch irgendwo muss ein solcher Ausgleich seine Grenze haben: Wenn beim Arbeiten mit einem Spulen- oder Cassettenband eine Frequenz von 10 kHz um mehr als das 5,62fache angehoben werden muss, um noch mit demselben Pegel auf das Band zu kommen wie eine Frequenz von 333 Hz, dann ist die HiFi Norm nicht mehr erfüllt. Das Verhältnis von 1:5,62 ist nämlich der „normale Ausdruck" für jene 15 dB, um die das Band noch schwächer auf die 10 kHz reagieren darf als auf die 333 Hz. Ein gutes Band ist also auch durch eine gute Höhenaussteuerbarkeit gekennzeichnet; es braucht mithin die zugestandenen 15 dB Spielraum nicht auszunutzen.

Erst die Summe macht es:
Dieser Punkt wurde nicht nur deswegen mit erwähnt, weil eine Analyse der HiFi-Norm keine Normforderung auslassen darf, die für die Aufnahme- und Wiedergabequalität mitbestimmend ist. Er wurde auch mitbehandelt, um einmal mehr aufzuzeigen, wie bei einem Forderungskatalog (und ein solcher ist ja diese Norm) gleichsam ein Rädchen ins andere greift. Erst die Summe erfüllter Kriterien, auf einen Nenner gebracht, führt schließlich zur HiFi-Qualität. Ein weiteres in „Blatt 4" der DIN 45500 aufgeführtes Kriterium ist das Verhältnis zwischen Nutzsignal und Bandrauschen, von dem vorher schon die Rede.

Die Firma REVOX konnte sich ins Fäustchen lachen: Ihre seit Jahren angegebenen nichtkonformen Daten des Geräuschspannungsabstandes nach ASAA wurden nun Norm.

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Friday, August 3rd 2012, 2:57pm

Warum konnte sich UHER auch beim Report nicht für das Crossfield-Verfahren erwärmen?
Hier eine Stellungnahme:
Was hielt UHER vom viel propagierten Crossfield-System?
Das Crossfield-Verfahren, ein neuer Fortschritt in der Magnettontechnik?

In der Werbung einiger ausländischer Hersteller von Amateur-Tonbandgeräten (Akai und Tandberg) wurde um 1970 ein scheinbar verbessertes Aufnahmeverfahren, das “Crossfield-System", propagiert. Es wurde der Eindruck hervorgerufen, dass es sich um einen neuen Fortschritt in der Magnettontechnik handelte. Dies stellte nach der Meinung von UHER eine bewusste oder unbewusste Irreführung dar. Die folgenden Erklärungen sollten dazu dienen, den technischen Sachverhalt und die Möglichkeiten des Crossfield-Verfahrens klarzustellen.

Das Crossfield- Verfahren ist nicht neu
Im Januar 1952 erschien im Journal SMPTE eine Arbeit von Marvin Camras unter dem Titel ,,A new magnetic recording heat”. Camras beschreibt ein Aufnahmeverfahren, bei dem der sonst übliche HF-Vormagnetisierungsstrom nicht zusammen mit der Tonfrequenz durch den Aufnahmekopf geschickt wird, sondern das erforderliche Hochfrequenzfeld durch ein besonderes Magnetkopfsystem auf die Bandschicht einwirkt. Da sich das Tonfrequenz- und das Hochfrequenzfeld gewissermaßen kreuzen, nannte man das Verfahren Crossfield- bzw. X-Field-Svstem.

Welche Vorteile soll das Crossfield- Verfahren bringen?
Zur damaligen Zeit verfügten die Magnetbänder noch über eine ziemlich begrenzte Qualität. Man versuchte daher, Verbesserungen von Seiten der Aufnahmetechnik her zu erreichen. Besonders bei Tonbandgeräten für den Heimgebrauch, die im Interesse sparsamen Bandverbrauchs mit geringen Bandgeschwindigkeiten (9,5 cm/s und darunter) arbeiten, versuchte man die Aufzeichnung hoher Frequenzen, die bei diesen kleinen Bandgeschwindigkeiten naturgemäß begrenzt ist, zu verbessern. Man stellte sich grundsätzlich die folgenden Aufgaben:

1. Erweiterung des Übertragungsbereiches in Richtung auf die hohen Frequenzen durch Verringerung der Aufzeichnungsverluste

2. Herabsetzung der Höhenanhebung im Wiedergabeverstärker im Interesse geringen Rauschens.

Einen der vielen Versuche, die angestrebten Ziele zu erreichen, stellte das Crossfield-Verfahren dar. Camras wies jedoch schon seinerzeit in seiner Veröffentlichung ausdrücklich darauf hin, dass eine mögliche Verbesserung des Aufsprechverfahrens allein nur die Lösung eine der vielen weiteren Probleme, die sich beim Betrieb von Magnetbandgeräten mit niedrigen Bandgeschwindigkeiten ergeben, sein kann. Ein wirklicher Fortschritt würde nur dann erreicht, wenn auch die übrigen wichtigen Qualitätsmerkmale, wie z. B. Verringerung des Gleichlauffehlers, verbessert werden können.

Wie funktioniert Crossfield?
Es würde zu weit führen, im Einzelnen die physikalischen Vorgänge des Aufsprechvorganges zu beschreiben. Dies ist auch deshalb nicht erforderlich, weil sich die Schwierigkeiten und Probleme hauptsächlich in der Mechanik des Crossfield- Verfahrens ergeben. Wie schon vorher erwähnt, ist es notwendig, das Hochfrequenzfeld durch ein getrenntes Kopfmagnetsystem auf die Bandschicht einwirken zu lassen. Es gibt hierfür drei hauptsächliche Anordnungsmöglichkeiten:

1. Der Vormagnetisierungskopf steht dem Aufsprechkopf gegenüber.
2. Der Vormagnetisierungskopf bildet mit seinem Kern ein Kreuz mit dem Kern des Aufnahmekopfes. Beide Köpfe sind miteinander verbunden.
3. Vormagnetisierungs- und Aufnahmekopf stellen wiederum eine Einheit dar und sind, in Bandlaufrichtung gesehen, hintereinander angeordnet.

Bei den heutzutage sich auf dem Markt befindlichen Geräten mit Crossfield-Technik
wird ausschließlich die unter Punkt 1 beschriebene Anordnung des Vormagnetisierungskopfes angewandt. Um wirklich einwandfreie Ergebnisse erzielen zu können, muss die Lage der beiden Magnetköpfe zueinander mit sehr großer Präzision eingehalten werden. Da andererseits während des Wiedergabe- oder Umspulvorganges der Vormagnetisierungskopf nicht erforderlich, sein Anliegen an dem Tonband auch unerwünscht ist, muss er bei diesen Betriebsarten weggeschwenkt werden. Ausnahmslos ist dies bei allen Geräten der Fall.
Es dürfte klar sein, dass der Schwenkmechanismus des Vormagnetisierungskopfes auf die Dauer nicht mit der notwendigen hohen Präzision funktioniert und somit das Wirkungsprinzip des Crossfield-Verfahrens unter Umständen schon nach relativ kurzer Betriebszeit entscheidend gestört ist. Weitere Unzulänglichkeiten, z.B. Längsschwingungen des Bandes durch die erhöhte Reibung und damit Erhöhung des Modulationsrauschens, Verschlechterung der Gleichlaufeigenschaften, seien nur am Rande erwähnt. Ausnahmslos zeigten alle von uns getesteten Geräte entsprechende Fehler. Die erzielten Aufnahme- und Wiedergabeergebnisse waren auch bei fabrikneuen Geräten nicht besser und höchstens so gut wie bei anderen der konventionellen Technik. Hieraus ergibt sich, dass bereits bei der Herstellung von Geräten mit Crossfield-Technik die notwendige Präzision offenbar nicht erreicht werden kann und in der Praxis auch nicht erreicht wird.

In diesem Zusammenhang stellt UHER die Frage:

Hat das Crossfield-Verfahren heutzutage noch eine Bedeutung?
Diese Frage kann grundsätzlich und objektiv mit “Nein” beantwortet werden. Hierzu die folgenden Begründungen:

1. Das Crossfield- Verfahren ist nicht neu und seit 18 Jahren bekannt. Wäre es ein echter Fortschritt in der magnetischen Aufzeichnungstechnik, würden es sicher schon längst alle Hersteller anwenden.

2. Das Crossfield-Verfahren bringt keine verbesserte Aufzeichnungsqualität, da die erforderliche hohe Präzision der Kopfjustage in der Praxis nicht einzuhalten ist.

3. Bei den in letzter Zeit erheblich verbesserten Magnetbändern, mit ihren dünnen, hochleistungsfähigen Schichten, kommt dieser Verfahren nicht mehr zur Wirkung. Die Anwendung dieser komplizierten und störanfälligen Aufzeichnungstechnik ist damit überholt und überflüssig.

Testbericht von Geräten mit Crossfield-Technik
Als Hersteller von Geräten mit Crossfield-Technik hatten damals eigentlich nur die Firmen Tandberg aus Norwegen und Akai aus Japan Bedeutung.
Die folgenden Auszüge aus Testberichten von zwei neutralen Fachzeitschriften sollten beweisen, dass die Justage des Crossfield-Kopfes in beiden getesteten Maschinen nicht exakt waren. Dies wurde durch eine starke Überhöhung in Bereich der hohen Frequenzen bewiesen. Der Tester der Zeitschrift HiFi-Stereophonie hielt dies für einen Exemplarfehler und beanstandete deutlich wahrnehmbares Zunehmen des Rauschens.
Nach Ansicht von UHER ließ diese Erscheinung klar erkennen, dass der Crossfield-Kopf in allen Fällen ein zu schwaches Vormagnetisierungsfeld lieferte. Ausnahmslos zeigten mehrere von UHER getestete Geräte beider Hersteller ähnliche Erscheinungen. In einigen Fällen konnte auch das Gegenteil, nämlich ein zu starker Pegelverlust durch zu starke Vormagnetisierung beobachtet werden.”
UHER zog daraus den Schluss, dass sich “entweder bereits bei der Fertigung die notwendige exakte (und auch sehr kritische) Position des Crossfield-Kopfes nicht genau genug einstellen ließ oder sich die Geräte schon nach kurzem Gebrauch dejustieren.”
“Die der Crossfield-Technik zugeschriebenen großen Frequenzbereiche waren daher wertlos, weil die zulässigen Toleranzen bei weitem überschritten wurden. Dadurch wurde in keinem Fall die Mindestanforderungen für den Übertragungsbereich von 40-12500 Hz nach DIN 45500 erfüllt.”

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Friday, August 3rd 2012, 3:05pm

Hier folgt ein interessanter Bericht. Herr Schöler befragt den Leiter des Meßlabors und Normungsfragen Herrn Müller ( der heute noch mit seiner SG 631 Kirchenkonzerte aufnimmt):
Magnettbandtechnik-Fragen an den Fachmann
Die besten Tonbandgeräte für den Hobby- Amateur (u.a. UHER-Royal de Luxe, SG 630/631 Logic, REVOX A 77 , REVOX A 700 u.v.a.) unterschieden sich von mehrere hunderttausend Mark teuren Bandmaschinen für Tonstudios weniger in der Klangqualität der Aufzeichnung als in der Lebensdauer und in der aufwendigeren Konstruktion, also der Möglichkeit, 16, 24, 32 oder gar 64 Kanäle zu mischen. Darüber hinaus konnte man dort beliebige Frequenzgang-Entzerrungen bzw. Verzerrungen mit den im Mischpult eingebauten Apparaturen vornehmen. Selbstverständlich mussten die Maschinen in Tonstudios noch strenger gefasste Normen für Frequenzgang, Rauschabstand, Gleichlauf und Einhaltung der Geschwindigkeit beurteilt werden. Gute Heim-Geräte aber erreichten bei optimaler Einmessung auf eine bestimmte hochwertige Bandsorte, gründlicher Kenntnis und Anwendung der Aussteuerungsinstrumente sowie Halbspurbetrieb auch eine so gut wie perfekte Aufzeichnung, die sich bestenfalls noch messtechnisch, aber nicht mehr gehörmäßig vom Originalsignal unterscheiden ließ.

Auf der anderen Seite hatte sich der Cassetten-Recorder fest etabliert. Von der Qualität des zu erzielenden Klangbildes her, hielt man Verbesserungen für kaum mehr möglich und meinte die Grenze des technisch Realisierbaren erreicht zu haben. Dass es doch noch möglich war, zeigten u.a. REVOX mit der B 215 oder Nakamichi mit dem Dragon, um nur zwei zu nennen. Seine immer noch zunehmende Beliebtheit ließ insofern auch auf die Qualitätsansprüche der breiteren Konsumentenschicht schließen. Dass der Absatz von Spulentobandgeräten seit einiger Zeit stagnierte, war ein offenes Geheimnis.

Trotz der ständig verbesserten Qualität und der gewiss problemlosen Bedienbarkeit von Cassetten und Recordern hatten diese oft nicht einmal so kleinen Kisten das Tonbandgerät genauso wenig überflüssig gemacht, wie seinerzeit der Film das Theater. Einige Vorteile des Spulentonbandgerätes konnte man einfach nicht wegleugnen, nämlich:
die längere Spieldauer und damit die ununterbrochene Aufnahme auch längerer Stücke;
den höheren Rauschabstand, d.h. die größere Dynamik;
die bessere Höhenaussteuerbarkeit (Höhendynamik);
die Möglichkeiten der Bandmontage;
die damals noch geringeren Gleichlaufschwankungen;
geringere Abweichungen von der Sollgeschwindigkeit und damit verbunden die bessere Abspielmöglichkeit von Fremdaufnahmen;
in der Regel ein transparenteres Klangbild wegen der geringeren “Flutter”-Erscheinungen;
die bessere Azimutjustage wegen der größer dimensionierten Bauteile des Spulengerätes;
die geringeren Fertigungstoleranzen von Exemplar zu Exemplar, die ebenfalls mit der Größe der verwendeten Bauteile zu tun hatten.

Der letzte Punkt hatte so manchen Liebhaber von Cassetten-Recordern Anlass zu Ärger gegeben, sobald er merkte, dass nicht nur zwischen verschiedenen Recordern, sondern auch zwischen Modellen derselben Bauserie letztendlich bei der Wiedergabe über gute Verstärker und Lautsprecher ziemliche Klangunterschiede hörbar waren. Die Behauptung von HiFiisten: “Dieser Cassetten-Recorder klingt aber ganz anders als jener!” war kein willkürlich aus der Luft gegriffenen Argument oder eine Spinnerei, sie beruhte auf tatsächlichen Hörerfahrungen und Vergleichen.
Die untere Preisgrenze für Tonbandgeräte gehobener Qualität lag bei rund 600 DM.
Billigere Geräte arbeiteten zunächst vielleicht einwandfrei, hatten aber keine so hohe Lebensdauer .Außerdem empfahl sich, wenn man weniger ausgeben wollte,
eher Cassetten-Recorder vergleichbarer Qualität. Die Fertigungstoleranzen waren bei Markengeräten bekannter Hersteller nicht mehr sehr groß, da diese namhaften Firmen strenge Endkontrollen durchführten. Was nicht zuletzt ein positives Ergebnis des Konkurrenzdrucks durch den Cassetten-Recorder war.
Für Bandaufzeichnungsgeräte gab es zwei DIN-Normen von allgemeinen Interesse, einmal die DIN 45511, die definierte, was ein Bandgerät war und wie seine technischen Daten ermittelt werden mussten, und zweitens die DIN-Norm 45500 Blatt 4, die Mindestwerte für die HiFi-Qualität des Gerätes festgelegt hatte. Blatt 1 von DIN 45511 enthielt z.B. die Studionorm für professionelle Bandmaschinen, die um einiges schärfer gefasst waren als die Anforderungen an Heimgeräte. Ziel war auch die Vereinheitlichung der Messvorschriften, nach denen Prospektdaten der Hersteller angegeben wurden. Hier herrschte noch ein regelrechter Wirrwarr in den Prospekten. Ein typisches Beispiel war etwa die Angabe für Frequenzlinearität- sagen wir einmal - 20 Hz bis 25 kHz +/- 3 dB. Diese Angabe war nach DIN 45 500 überhaupt nicht zulässig. Denn in diesem Fall müsste der Hersteller zumindest noch zusätzlich die Abweichungen vom Gesamtfrequenzgang im Bereich von 250 Hz bis 6300 Hz angeben, die nach DIN nicht mehr als 5 dB betragen durfte. Abweichungen in diesem für den Höreindruck wesentlichsten Bereich machten sich in einem jeweils anderen Klangbild des betreffenden Bandgeräts bemerkbar.

Im Juni 1977, pikanterweise gerade zu jener Zeit, als das UHER-Werk Asch-Leeder schließen musste, befragte der bekannte Journalist und HiFi-Kenner Franz Schöller, damals 33 Jahre alt, in einem ausführlichen Interview den Diplom Pysiker Rudolf Müller, der bei den UHER-Werken inzwischen die Normenstelle leitete und auch als Mitglied im Fach-Normenausschuss Magnetton-Technik der Deutschen Elektrotechnischen Kommission fungierte, über allgemeine Probleme, die der “Tonbandler” beachten sollte. Die folgenden Auszüge aus diesem Gespräch spiegeln den damaligen Stand der Technik (1977) sehr genau wieder und beleuchten sowohl technische wie auch praktische Aspekte der Bandaufnahme.

Schöler: Herr Müller; die Hersteller von Tonbandgeräten geben in ihren Prospekten neuerdings einen Gesamtfrequenzgang von 20 Hz bis über 30 und manchmal sogar bis zu 40 kHz an. Ist die Ausdehnung des Frequenzbereiches über 20 kHz sinnvoll? Meines Wissens beschneiden die Tontechniker in Aufnahmestudios den Frequenzgang bei 18 KHz, nachdem die Schallplatte sowieso kaum Frequenzen darüber hinaus festhalten muss und der darüber hinausgehende Frequenzgang für das menschliche Ohr keinerlei Bedeutung hat.

Müller: Die Ausdehnung des Frequenzgangs zu hohen Frequenzen hin bedeutet, dass bei der Aufzeichnung das Tonfrequenzgemisch stärker angehoben werden muss. Nachdem bei der Tonbandaufzeichnung und der Aussteuerung mit Spitzenspannungsmessern diese Höhenanhebung mitangezeigt wird, lassen die Signale im Hochtonbereich die Zeiger so stark ausschlagen, wie der dort aufgezeichnete Impuls ist. Das Band wird zwar nicht übersteuert, aber die Mittellagen zwischen 200 Hz und 5 kHz werden zu schwach aufgenommen. Bei der Wiedergabe rauscht dann eine solche Aufzeichnung etwas stärker, als wenn man sich auf eine Übertragungsbandbreite bis 18 kHz beschränkt hätte. Die Ausdehnung des Frequenzgangs bis 30 KHz und mehr ist also nicht nur nicht sinnvoll, sondern in der Praxis auch äußerst problematisch.

Schöler: Wie groß sind die Frequenzgangabweichungen heute bei guten Geräten?

Müller: Die Welligkeit wird kaum mehr als +/- 1,5 dB betragen. Das hängt allerdings sehr vom verwendeten band ab, denn die Geräte werden auf ein bestimmtes Band eingemessen (in Europa das so genannte DIN- Bezugsband), mit dem auch die vom Gerätehersteller angegebenen Werte erreicht werden. Bei Verwendung Verwenddung irgendwelcher anderer Bänder, vor allem irgendwelcher ,,Exoten", kann für diesen Frequenzgang nicht mehr garantiert werden.

Schöler: Niederfrequente Tonhöhenschwankungen spielen bei guten Bandgeräten kaum noch eine Rolle, aber höherfrequente Oszillationen, so genanntes ,,flutter", verdecken das Klangbild, und da unterscheiden sich selbst hochwertige Bandmaschinen wegen der Antriebskonstruktionen manchmal nicht unbeträchtlich, oder?

Müller: Das ist richtig. Die niederfrequenten Schwankungen, allgemein als "Wow” bezeichnet, werden von langsam unrund laufenden Antriebsteilen der Mechanik verursacht. Diesen Fehler kann man heute weitgehend vergessen, weil die Mechanik sehr gut beherrscht wird, nachdem man hier sehr hohe Präzision erzielt hat. Die höherfreguenten Schwingungen, also solche über 1000 Hz, die das Klangbild rau machen, entstehen hauptsächlich durch Längsschwingungen des Bandes.
Das Band reibt ja an verschiedenen Teilen. Als solche sind zu nennen: alle Bandführungen und die Spiegel der Magnetköpfe. Die hochfrequenten Störungen können aber auch durch den Antrieb verursacht werden, beispielsweise durch Bandzugrelungen, die hochfrequente Schwingungen erzeugen, oder durch schnell laufende Teile, die nicht eine so große Laufruhe aufweisen. Ein Gerät, das eine dünne Tonwelle benutzt ist gegen hochfreguente Störungen anfälliger als ein Gerät mit einer dicken, langsam laufenden Tonwelle. Direktgetriebene Geräte haben meist eine dünne Tonwelle, weil man den Capstan-Motor nicht beliebig langsam laufen lassen kann, da sonst wieder niederfrequente Störungen, also “wow” auftreten würden. Aber hier kommt es wie überall auf die präzise Abstimmung der Mechanik an. Um dies Rauschen zu unterdrücken, verwenden hochwertige Geräte so genannte Beruhigungsrollen zwischen Aufnahme- und Wiedergabe-Tonkopf. Sie wirken als lose Einspannstelle für das Band und dämpfen die Längsschwingungen. Die Ursache für “Flutter”-Erscheinungen kann aber auch ausschließlich im verwendeten Bandmaterial zu suchen sein. Bänder mit sehr glatter Oberfläche haften nämlich an den Reibstellen und verursachen beim Abreißen Bandlängsschwingungen. Andererseits darf die Bandoberfläche aber auch nicht zu rau sein, weil sonst, ähnlich wie bei Geigenbogen und Saite, das Band an den verschiedenen Reibstellen ebenfalls zu unkontrollierten Schwingungen angeregt wird. Da die beschriebene Art des “Flutter” nur während vorhandener Modulation als Rauschen hörbar wird, bezeichnet man es auch mit dem Sammelbegriff “Modulationsrauschen”.

Schöler: Wie soll man einem ,,Laien" technische Daten in Prospekten interpretieren?

Müller: Man muss immer beachten, nach welchen Messvorschriften die Daten ermittelt sind und ob auch Angaben bezüglich der Toleranzabweichungen gemacht werden. Wenn auf dem Prospekt vermerkt ist, dass die Daten nach DIN 45 500 ermittelt wurden, sind die Zahlenwerte untereinander vergleichbar. Fehlt eine solche Angabe, ist ein Vergleich unmöglich, denn je nach der Messmethode kann man mit den Daten den Konsumenten in irgendeiner Richtung manipulieren. In Zukunft wird das Problem entfallen, weil man an einer international verbindlichen Norm arbeitet, die übrigens weitgehend der DIN-Norm entspricht. Aufgrund dieser IEC-Norm (International Electrotechnic Commission), die in den nächsten zwei bis drei Jahren vorliegen wird, kann man alle Geräte aus Amerika, Japan und Europa den Daten nach untereinander vergleichen.

Schöler: Was bedeutet, nun einmal konkret gesprochen, die Prospektangabe:
Frequenzgang nach DIN 45500 beträgt 20 Hz bis 25kHz?

Müller: Das heißt, der Hersteller garantiert, dass der Frequenzgang auch jenseits der von der Norm festgelegten Mindest- Bandbreite (40 Hz bis 12,5 kHz) im Bereich von 20Hz bis 40 Hz und von 12,5 kHz bis 25 kHz keine größeren Abweichungen als 7 dB an den Bereichsenden aufweist.
Hörbar werden Welligkeiten der Übertragungskurve ab ca. 3 dB im mittleren Bereich. Ab 16 kHz sind die Abweichungen für die meisten Ohren nicht mehr hörbar, ab 20 kHz für niemand. Die Erweiterung des Frequenzbereiches über 20 kHz hinaus ergibt sich manchmal automatisch, wenn man versucht, auch bei der Geschwindigkeit von 4,75 cm/sec noch den DIN-Anforderungen gerecht zu werden. Dann muss man einen sehr schmalen Kopfspalt verwenden, woraus sich bei 19 cm/sec ein sehr breiter Frequenzbereich ergibt. Über die Nützlichkeit dieses großen Frequenzbereiches kann man natürlich streiten. Profi- Maschinen haben nicht diesen großen Frequenzumfang im Hochtonbereich, weil dort zugunsten eines besseren Geräuschspannungsabstandes Köpfe mit breiterem Wiedergabespalt und die Geschwindigkeiten 38 cm/sec oder 76 cm/sec verwendet werden.

Schöler: Wo liegen heute die erzielbaren Werte für Tonhöhenschwankungen bei Tonbandgeräten?

Müller: Bei 9,5 cm/sec etwa bei +/- 0,1 % nach DIN bewertet, bei 19 cm/sec ungefähr bei +/- 0,05 %. Zum Hörtest geeignet ist in diesem Fall Klaviermusik.
Unterhalb von +/- 0,08 % Gleichlaufschwankungen wird auch das geschulte Ohr keinerlei “Jaulen” bei einem Klavierton mehr wahrnehmen.

Schöler: Was bedeutet ,,maximale Abweichung von der mittleren Bandgeschwindigkeit"?

Müller: Bei Spulentonbandgeräten, die keine Bandzugregelung haben, wächst der Kraftbedarf von einer leeren Aufwickelspule zu einer vollen im Verhältnis 1:3 infolge des sich ändernden Wickeldurchmessers. Diese Kraftänderung bedingt einen gewissen Schlupf an der Tonwelle, die im wesentlichen beim herkömmlichen Capstan-Antrieb das Band transportiert. Bei Geräten mit gewichtsabhängigen Kupplungen lässt sich die Bandzugänderung auf ein Verhältnis von etwa 1:2 reduzieren. Erst bei Geräten mit Bandzugregelung lässt sich der Schlupf an der Tonwelle praktisch über die gesamte Bandlänge konstant halten. Veränderlicher Schlupf tritt aber auch bei anderen Übertragungsgliedern auf, wie Reibräder oder Riemen. Verantwortlich hierfür ist der unterschiedliche Kraftbedarf, der von den jeweiligen Wickeldurchmessern abhängt. Zum Beispiel wird für die Aufwickelspule das größte Drehmoment verlangt, wenn die Spule voll ist. Auch ist bei manchen Antriebsmotoren ihre Drehzahl lastabhängig (Spaltpolmotore). Mit Änderung der Last ändert sich also der Schlupf. Darum kann man nicht erreichen, dass die Bandgeschwindigkeit vom Anfang bis zum Ende des Bandes absolut gleich ist, auch bei Studiomaschinen ist eine Abweichung zulässig. Sie muss aber so klein bleiben, dass man bei Montagen diverser Stücke des Bandes keine Sprünge in der Tonhöhe wahrnimmt. Die Geschwindigkeitsabweichung darf bei Heimtonbandgeräten nach DIN 45500 vom größten zum kleinsten Wickel nicht mehr als 1,5% betragen, bei Studiomaschinen sind maximal 0,15 % zulässig. Das Problem des Schlupfs ist jedoch für denjenigen bedeutungslos, der sein Band immer auf demselben Gerät abspielt. Nur wenn man von einem Dritten aufgenommene Bänder auf seinem eigenen Tonbandgerät bespielt oder Bandmontagen vornimmt, kann sich dies Problem stellen.

Schöler: Was bedeuten die Werte für den Geräuschspannungsabstand im praktischen Betrieb für den Tonbandler?

Müller: Geräusch ist zunächst das, was man hört, wenn man ein nicht bespieltes Band über eine Anlage wiedergibt. Dieses Grundrauschen ist einmal durch Oberflächeneffekte des Bandes bedingt und zum anderen durch die endliche Größe der magnetischen Teilchen. Je feiner und dichter diese Teilchen sind, umso geringer das Grundrauschen. Im Übrigen kann man nicht Aufzeichnungen mit beliebiger Lautstärke vornehmen, weil es für die Magnetteilchen einen Sättigungs-grad gibt. Der für die Aufzeichnung nutzbare Bereich liegt zwischen dem Grundrauschen und der Sättigungsgrenze, die durch hohen Klirrfaktor gekennzeichnet ist. Für die Ermittlung des Geräuschspannungsabstandes zeichnet man einen tiefen Sinuston (315 Hz oder 1000 Hz) mit so hohem Pegel auf ein Band auf, bis ein kubischer Klirrfaktor von 3% gemessen wird. Die Pegeldifferenz zwischen Nutz- und Störpegel, mittels Geräuschspannungskurve A bewertet und als Effektivwert gemessen, ist der Geräuschspannungsabstand nach DIN. Für HiFi-Geräte muss er mindestens 56 dB betragen, gute Geräte erreichen bei 19 cm/sec Werte von besser als 65 dB. Bei höherer Geschwindigkeit erreicht man prinzipiell einen besseren Geräuschspannungsabstand, ebenso mit größer werdenden Spurbreite. Halbspurgeräte haben gegenüber Vierspurgeräten bei gleicher Bandgeschwindigkeit einen um rund 3 dB besseren Geräuschspannungsabstand. Als Konsument sollte man eher den Geräusch- als den Fremdspannungsabstand beachten, weil der erstere Wert mehr über die Lästigkeit von irgendwelchen Störspannungen aussagt.

Schöler: Was heißt ,,Löschdämpfung"?

Müller: Wenn man eine vorhandene Aufzeichnung unhörbar machen will, setzt man das Band einem hochfrequenten Magnetfeld aus. Die alte Aufzeichnung verschwindet aber nicht vollkommen, ein kleiner Rest bleibt immer übrig. Dieser rührt daher, dass die ursprüngliche Aufzeichnung während des Vorbeilaufes am Löschkopf dessen Magnetfeld moduliert und eine schwache Wiederaufzeichnung hervorruft. Hundertprozentiges Löschen ist also nicht möglich. Der Abstand zum Nutzsignal, das man neu aufzeichnet, ist allerdings sehr groß, er beträgt je nach Löschkopfkonstruktion 60 bis 80 dB, das bedeutet ein Verhältnis der neuen, vollausgesteuerten Aufnahme zur gelöschten Aufzeichnung von 1:1000 bis 1: 10000. Dieser Abstand bzw. dieses Verhältnis nennt man Löschdämpfung. Durch die Hintereinanderschaltung zweier Löschspalte (Doppelspaltlöschkopf) erhält man eine höhere Löschdämpfung als mit einem Einspaltlöschkopf. Die Löschfrequenz ist für die Löschdämpfung ohne Bedeutung. Bei der Wahl der Löschfrequenz achtet man als Hersteller u.a. darauf, dass sie möglichst weit von der Pilotton-Frequenz eines Tuners bzw. deren Mehrfachem entfernt ist, damit durch den Pilotton eines Rundfunkempfangsteils keine Differenztöne gebildet und mitaufgezeichnet werden.

Schöler: Bei Cassetten- Recordern werden Rauschunterdrückungsverfahren wie das Dolby- B verwendet. Wie sinnvoll sind sie bei Spulentonbandgeräten?

Müller: Der Spielraum zwischen Übersteuerungsgrenze und Grundrauschen auf einem Tonband ist für eine naturgetreue Aufzeichnung zu gering; wenn man berücksichtigt, dass natürliche Schallereignisse einen Lautstärkepegel von mehr als 100dB haben können ( das entspricht einem Dynamikumfang von rund 80 dB), auf einem Band aber bestenfalls 60 dB Dynamikumfang unterzubringen sind, ist verständlich, dass man hier etwas tun sollte, um naturgetreuer aufzeichnen und wiedergeben zu können. Dazu wurden mehrere Rauschunterdrückungsverfahren entwickelt. Das am weitesten verbreitete ist das Dolby- Verfahren, Dolby- A für Studio- und Dolby- B für Heimtechnik. Mit Dolbv-B hebt man schwächere Signale im Hochtonbereich bei der Aufnahme an und senkt sie bei der Wiedergabe entsprechend ab. Das Band wird bei hohen Frequenzen stärker ausgesteuert wodurch ein besserer Abstand zwischen Nutzmodulation und Rauschen erzielt wird. Bei Cassettengeräten ist die Anwendung eines solchen Geräts sicherlich sinnvoll, denn die Mindestforderung laut DIN 45500 von 56 dB Geräuschspannungsabstand, den die Recorder erreichen, entspricht nicht dem, was man sich wünscht. Bei Spulengeräten, die Werte von besser als 65 dB oder 70 dB erzielen, bringt das Dolby- B- Verfahren nur geringe Vorteile für den Rauschabstand.

Schöler: Haben Tipptasten gegenüber Kippschaltern Vorteile?

Müller: Von einem modernen Tonbandgerät erwartet man, dass es leicht bedient werden kann. Geeignete Bedienungselemente sind Kurzhubtasten. Sensortasten haben sich bei Bandgeräten nicht durchsetzen können, weil sie durch äußere Störsignale ausgelöst werden können, mithin unter Umständen die Bandaufnahme unfreiwillig unterbrochen wird. Zusätzlich besteht die große Gefahr einer Fehlbedienung, da keinerlei Sicherung zu überwinden ist. Darum ist man meist bei Kurzhubtasten mit mechanischer oder elektronischer Rastung geblieben. Gegen Relais ist so lange nichts einzuwenden, wie sie keine störenden Geräusche erzeugen. Fernsteuerung ist im Übrigen nur bedingt sinnvoll, bei der Aufnahme wird man doch immer die Aussteuerungsanzeigen im Auge behalten wollen.

Schöler: Welche Bandgeschwindigkeiten sind - bei welchem Qualitätsanspruch - für den Tonband- Amateur sinnvoll?

Müller: Eine möglichst hohe Bandgeschwindigkeit, damit Frequenzumfang und Dynamik entsprechend gut sind. Ich möchte zur Erläuterung einige praktische Beispiele anführen. Die Höhenaussteuerbarkeit beträgt bei 10kHz und 19 cm/sec rund -2 dB bis -3 dB, man zeichnet also bei 10 kHz fast noch den gleichen Pegel auf wie bei einer Frequenz von 300 Hz. Bei der Bandgeschwindigkeit von 9,5 cm/sec beträgt die Aussteuerbarkeit der Höhen nur noch -10 dB bis -12 dB, das entspricht der Cassette bei 4,75 cm/sec. Deshalb eignet sich 9,5 cm/sec weniger für Aufzeichnungen von Musikmaterial mit vielen Höhen, es sei denn, man steuert das Band nicht voll aus und verzichtet damit gleichzeitig auf den hohen Geräuschspannungsabstand. Bei 38 cm/sec Geschwindigkeit hat man mit etwaigen Aussetzern des Bandes (Drop outs) keinerlei Probleme mehr und erreicht auch eine merkbar bessere Dynamik. und zwar über den gesamten Frequenzbereich. Aufzeichnungen bei 38 cm/sec lassen sich auch besser schneiden. Viertelspur-Betrieb hat zwei Nachteile, nämlich die etwas geringre Spurbreite der Aufzeichnung, die die Gefahr des Auftretens von Aussetzern erhöht, und der um 3 dB geringere Geräuschspannungsabstand. gegenüber Halbspur. Wer mit Bandmontagen arbeiten will, kann Vierspurgeräte sowieso nicht gebrauchen. Aber ich muss sagen, dass Aufnahmen in Viertelspurtechnik bei einer Bandgeschwindigkeit von 19 cm/sec. auch sehr gut sind.

Schöler: Sind Cinch- und DIN- Anschlussvorrichtungen bei Überspielen oder Wiedergabe problemlos kombinierbar?

Müller: Hier ist im Einzelfall immer zu prüfen, ob die Anschlüsse in lmpedanz und Pegel zueinander passen. An der DIN-Ausgangsbuchse eines Tonbandgerätes muss der Pegel mindestens 500 Millivolt und darf maximal 2 Volt betragen. Die Impedanz beträgt maximal 47 KOhm. Bei Cinchausgängen sind Pegel und Impedanz undefiniert. Der Pegel kann weniger als 500 Millivolt und mehr als 2 Volt betragen, und letzteres ist für die meisten DIN-Eingänge zu viel, die wären dann übersteuert. Man müsste einen Spannungsteiler zwischenschalten. Bei der Aufnahme über Empfangsgeräte oder über Verstärker stellt sich ein ähnliches Problem. Bei Verstärkern, die keinen DIN-Ausgang, sondern nur Cinch-Ausgänge besitzen, kann der Pegel am Tape- Ausgang so hoch sein, dass ein nur mit DIN-Eingängen ausgerüstetes Bandgerät hoffnungslos übersteuert wird. Da muss im Einzelfall der Fachhändler bzw. der betreffende Hersteller Abhilfe schaffen.

Schöler: Hinterbandkontrolle wird heute auch bei guten Cassetten- Recordem üblich. Was sind die Vorteile?

Müller: Das sind gleich mehrere. Man kann sofort die Aufzeichnung akustisch überprüfen, wenn man Wiedergabe- und Aufnahmepegel einander angleicht und damit ideale Vergleichsmöglichkeiten schafft. Diese Kontrolle erfasst alle möglichen Fehler, einschließlich zu hoher oder zu niedriger Aussteuerung. Die Hinterbandkontrolle ermöglicht zusätzlich eine Überprüfung des Bandmaterials auf seine Tauglichkeit für das betreffen Gerät. Zwischenstationsrauschen des UKW-Bereichs eines Rundfunkempfangsteils eignet sich dafür sehr gut. Wenn sich bei Vorband/ Hinterband- Vergleich im Klangbild des Rauschens kein Unterschied zeigt, ist das Band im Allgemeinen für das Gerät geeignet. Es sollte auch kein Lautstärkesprung auftreten. Diesen Test sollte man allerdings bei einer Aussteuerung von -20 dB durchführen, da sonst bei hohen Frequenzen das Band gesättigt würde und der Frequenzgangabfall hörbar würde.

Schöler: Dass man die Tonköpfe und die das Band führenden Teile des Öfteren reinigen sollte, hat sich herumgesprochen, weniger aber, dass man die Köpfe auch hin und wieder entmagnetisieren sollte. Haben Sie da eine praktische Empfehlung?

Müller: Tonköpfe können sich im Lauf der Zeit aufmagnetisieren. Speziell gefährdet sind Kombiköpfe. Das äußert sich durch verstärktes Rauschen. Neue und alte Aufzeichnungen rauschen dann mehr. Wenn man so etwas bemerkt, sollte man die Köpfe schleunigst entmagnetisieren, es gibt für diesen Zweck eine ganze Reihe von Entmagnetisierungsdrosseln. Bei guten Geräten tritt eine Magnetisierung durch das Gerät selbst praktisch nicht auf, aber durch äußere magnetische Felder (Lautsprecher, TV-. Bildröhren usw.) kann der Kopf magnetisiert werden. Bei mehrfachem Abspielen eines Bandes, wie es ja meist der Fall ist, kann auch ein Höhenabfall eintreten, wenn Teile des Geräts magnetisch sind oder das Band über scharfe Kanten gezogen wird, beispielsweise wenn das Gerät Umschlingungsbolzen mit sehr kleinem Radius hat. Beim gut konstruierten Gerät sind die Umlenk- Durchmesser so groß, dass durch mechanische Beanspruchung kein Höhenabfall eintritt.

Schöler: Was ist vorzuziehen: VU- Meter oder Spitzenspannungs- Messer?

Müller: Das ist eine sehr heikle Frage. In der europäischen Tonstudio- Technik wird generell mit Spitzenspannungsanzeige gearbeitet, weil man Rücksicht nimmt auf die Übersteuerungsgrenze der Anlagen und HiFi-Geräte. Übersteuerung würde höheren Klirrfaktor zur Folge haben. Peak- Meter zeigen den maximalen Pegel an, das VU- Meter einen Quasi- Effektivwert. Da aber Musik nicht aus Sinussignalen besteht, sondern ein tonfrequentes Gemisch von impulsartigen Signalen ist, ist der Effektivwert wesentlich niedriger als der Spitzenwert, stark programmabhängig und damit kein Kriterium zum sicheren Überwachen der Aussteuerungsgrenze. Bei VU- Metern muss man einen gewissen Abstand zur Vollaussteuerung wahren, bei hochtonreichem Material etwa 6 bis 8 db (so genannter Vorlauf, auch Headroom genannt), bei Material mit wenig Höhen ca.4 dB. Weil VU- Meter- Anzeige in der Praxis größere Probleme für die optimale Aussteuerung mit sich bringt, wird sie bei Geräten mit solcher Anzeige meist ausführlich in der Bedienungsanleitung beschrieben. Das VU- Meter ist andererseits ein recht gutes Maß für die tatsächliche Lautstärke, nicht so das Peak-Volume-Meter.

Schöler: Was ist davon zu halten, wenn behauptet wird, man könne auch ruhigen Gewissens mit + 3 dB in den roten Bereich des Anzeigeinstruments aussteuern?

Müller: Nach DIN sollte die Anzeige so sein, dass bei 0 dB der kubische Klirrfaktor den Wert von 3% erreicht und damit die Aufnahme optimal ausgesteuert ist. Manche Hersteller halten sich nicht daran und stellen die Anzeige so ein, dass bei 0 dB ein kleinerer Klirrfaktor erreicht ist, aber nicht die volle Sättigung, die definiert ist durch K 3 = 3 %, sodass man um 3 dB übersteuern darf. Das ist also nur eine Frage der Eichung des Anzeigeinstruments. Es gibt aber heute auch Bänder, die bei gleichem Bandfluss und gleicher Aussteuerung einen niedrigeren Klirrfaktor haben als das DIN-Bezugsbandes, so genannte ,,low noise- high output" -Bänder. Die können höher ausgesteuert werden, vielleicht um 2, maximal um 3 dB. Normalerweise aber steigt der Klirrfaktor steil an, wenn man über die 0 dB der Anzeige hinausgeht. Darum ist auch die Hinterbandkontrolle so praktisch, denn man hört sofort den höheren Klirr bei der Aufzeichnung.

Schöler: Wie sollten Tonbandgeräte im HiFi-Studio des Händlers vorgeführt werden, um Qualitätsunterschiede zwischen einzelnen Geräten deutlich zu machen?

Müller: Man sollte ein hochtonreiches Musikstück aufnehmen, nicht allzu hoch aussteuern, damit das Band bei der Aufnahme in den Höhen nicht übersteuert ist, und einen Vergleich a) zur Wiedergabe via Platte und b) zwischen den in Frage stehenden Tonbandgeräten machen. Identischer Pegel und synchrones Abspielen sind Vorbedingung. Achten soll er dabei auf Frequenzgang, Modulations- und Gesamtrauschen der Aufnahme. Selbstverständlich müssen Aufnahme und Wiedergabe über denselben Verstärker und dasselbe Lautsprecherpaar erfolgen. Plattenspieler, Tonabnehmer, Abhör-Entfernung von den Boxen usw. müssen ebenfalls gleich sein.

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Friday, August 3rd 2012, 3:06pm

Ein Blick in die damalige Fertigungsstruktur der Report- Geräte in München-1972
Ähnlich wie bei den anderen Gerätetypen wurde zunächst der mechanische Teil des Gerätes einschließlich des elektrischen Antriebsteiles montiert und justiert. Bereits in diesem Zustand des Geräts wurde an Prüffeldplätzen die korrekte Montage und Justage kontrolliert. In der Lötgruppe wurden sodann die weiteren elektrischen Bauteile eingebaut und verdrahtet. An den nun folgenden Prüffeldplätzen wurden in der Hauptsache die elektrischen Prüf- und Abgleicharbeiten vorgenommen. Nach äußerlicher Kompettierung der Geräte durch Bestückung mit Deckel, Bodenplatte, Frontplatte, Bedienungsknöpfen usw. wurden schließlich in der Endkontrolle praxisgerechte Prüfungen (Aufnahme mit Mikrofon und Rundfunkempfänger, Wiedergabe über Kopfhörer und Zusatzlautsprecher, Betrieb mit Zusatzgeräten vorgenommen. Während des gesamten Prüfverlaufs wurden fehlerhafte Geräte in Reparatur gegeben. Die mechanischen Reparaturplätze unterstanden der Abteilung Montage/Justage, die elektrischen dem Prüffeld. Anschließend wurden diese Geräte vom jeweiligen Prüfer nochmals auf einwandfreie Funktion überprüft.

GesamtprüffeId
Jeder Fertigungsabteilung unterschiedlicher Gerätetypen war ein gesondertes Prüffeld zugeordnet, das jeweils von einem Gruppenführer geleitet wurde; dieses unterstand dem Prüffeldleiter des Gesamtprüffeldes.

Prüffeld Batteriegeräte
Je nach Ausführung der Batteriegeräte (mono bzw. stereo) und Tagesstückzahl arbeiteten im Prüffeld Batteriegeräte etwa acht bis zwölf Prüfer (meist angelernte Frauen), sowie vier bis sieben Reparateure (je nach Schwierigkeitsgrad Anlernlinge bzw. gelernte Elektroniker).
Die Anzahl der durchzuführenden Prüfungen und Einstellungen betrug, ebenfalls abhängig von der Geräteausführung, zwischen 150 bis 200.

Das 4000/4200/4400 Report IC in der Endprüfung
Vor der Endprüfung des Gerätes hatte es schon zahlreiche Zwischenprüfungen durchlaufen, so z.B. die Vorprüfung, die Gehäuseschluss- und Hochfrequenz- Prüfung, die Bandgeschwindigkeitsprüfung (24 Positionen), die Frequenzgang-prüfung (24 Positionen), die Endstufen- u. Ein- u. Ausgänge- Prüfung (27 Positionen), die Gleichlaufprüfung (30 Positionen), die Kopfjustageprüfung u.a.

Bei der Endprüfung des Report wurden in einer besonderen Kabine jedes einzelne Gerät unter die Lupe genommen. Dabei wurden insgesamt 46 Kontroll- und Prüfpunkte gecheckt. Reparaturen durften nur mit Zustimmung des Vorgesetzten durchgeführt werden. Jede Reparatur war auf der Reparaturkarte zu vermerken.

Um verfälschte Messergebnisse durch ungenaue Messgeräte zu vermeiden, bestand die Anweisung, die Driftanzeige des Gleichlaufmessgerätes mehrmals täglich zu eichen, die Oszillatorfrequenz und die Instrumente des Gleichlaufmessgerätes sowie die Röhrenvoltmeter einmal die Woche, und die Netzgeräte alle zwei Wochen zu kalibrieren.

Festgestellte Fehler wurden täglich protokolliert. In einer der Listen konnten dann folgende Positionen angekreuzt werden:

1. Laufgeräusche
2. Gleichlauf
3. Bandvibrationen
4. Mechanische Resonanzen
5. Kochen
6. Lautsprecher stumm
7. Keine Aufnahme bzw. keine Wiedergabe
8. Akustomat
9. Mikrofonie
10. Aufnahme- Wiedergabe schwingt
11. Aufnahme- Wiedergabe brummt
12. Aufnahme- Wiedergabe rauscht ungleich
13. Wiedergabeleistung
14. Pegeldifferenz
15. Kanäle vertauscht oder nicht getrennt
16. verzerrt
17. spricht verzerrt auf
18. Verstärker kracht/ Wackelkontakt
19. Regler kratzt oder unterbricht
20. keine Höhen
21. Rückspur
22. löscht schlecht
23. löschen rauscht
24. Übersprechen
25. Instrument fehlerhaft
26. steuert aus ohne Einspeisung
27. Anhebung
28. Eingangsempfindlichkeit/ Vollaussteuerung
29. „Rauscht zu leise“
30. Prasselt
31. Stummkontakt
32. Tonblende
33. Automatik
34. C- Mikrospannung

Die Summe der täglichen Ausfälle sowie die Ausfallquote in Prozent wurde ermittelt und floss sofort ein in die Abteilung Qualitätssicherung. Diese hätte die Möglichkeit gehabt, sogar eine ganze Baureihe für den Verkauf zu sperren, wenn Geräte von den angegebenen Leistungsdaten eklatant abwichen.

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Friday, August 3rd 2012, 3:31pm

Bei den UHER Report Geräten konnte man zwischen Vierspur- und Zweispur- Stereo- Varianten wählen. Welche Vor- und Nachteile boten diese. UHER erläuterte dies folgendermaßen:Zweispur- oder Vierspurtechnik?
Spätestens mit Einführung der HiFi-Stereophonie stellte sich ernsthafte Tonbandamateure die Frage, welche Ausführung ihren speziellen Bedürfnissen am ehesten entsprach. Mit der Einführung der Royal de Luxe war dies kein Thema mehr, weil UHER mit dieser Maschine später die auswechselbaren Tonkopfträger anbot, die es dem Anwender ermöglichten, mit beiden Spurtechniken zu arbeiten. Aber noch war es nicht so weit. Um dem ernsthaften Tonbandfreund eine Entscheidungshilfe zu geben, veröffentlichte UHER diese Mitteilung:

UHER- in Zweispur und Vierspur- Technik
Bekanntlich fertigen auch die UHER WERKE Heimtonbandgeräte in Zweispur- und Vierspur- Technik. Zahlreiche Anfragen besonders aus Amateur- Kreisen lassen es als notwendig erscheinen, zu diesem Thema Stellung zu nehmen, um ganz besonders Missverständnisse auszuräumen.
Technisch gesehen besteht zwischen Zweispur- und Vierspur- Tonbandgeräten so gut wie kein Unterschied) wenn man von einer um etwa 2—4 dB verbesserten Dynamik des Halbspur- Tonbandgerätes gegenüber der Vierspur- Variante desselben Tonbandgeräte- Typs absieht. Dieser geringfügige Unterschied liegt an der Grenze des Messwert- Bereiches und wird allenfalls bei Verwendung sehr teuerer und hochwertiger Wiedergabe- Anlagen hörbar.
Wenn sich in der Praxis dennoch vorwiegend im monophonen Betrieb bei Heimtonbandgeräten spürbare Unterschiede ergeben können, so hat dies ausschließlich seinen Grund in der Beschaffenheit des Tonbandes. Bei Verwendung eines einwandfreien, z. B. neuen Tonbandes, wird entsprechend des eingangs Erwähnten nur sehr schwer ein Unterschied feststellbar sein. Dieses Ergebnis kann sich auffällig verschlechtern, wenn verdehnte, verschmutzte, verstaubte oder beschädigte Tonbänder verwendet werden. Bekanntlich wird die Qualität einer Tonaufzeichnung unter anderem sehr stark bestimmt von dem optimalen Kontakt zwischen Bandoberfläche und Kopfspiegel. Je inniger dieser Kontakt, umso besser gestaltet sich das Aufzeichnungs- und Wiedergabe- Vermögen eines Tonbandgerätes, Berücksichtigt man, dass der Wiedergabe- Kopfspalt in den meisten Fällen nur eine Größe von 3000stel mm hat, so ist es einleuchtend, dass eine Verschmutzung von nur wenigen "1000stel mm ausreicht, um diesen Kontakt zu beeinflussen, sodass entsprechende Störungen unvermeidlich sind. Diese Störungen, die von der Lautstärke- Beeinträchtigung bis zum völligen kurzfristigen Aussetzen des Tones auf einem beschädigten Tonband reichen können, werden allgemein als „drop- outs" (Aussetzer) bezeichnet.
Es liegt auf der Hand, dass sich eine Verschmutzung oder Beschädigung des Tonbandes auf einer nur 1 mm breiten Tonspur, wie sie bei den Vierspur-Tonbandgeräten gegeben ist; stärker auswirken muss, als bei gleicher Größe auf einer mehr als doppelt so breiten Tonspur, wie es bei Zweispur- Tonbandgeräten der Fall ist.
Der Tonbandfreund, der aus wirtschaftlichen Überlegungen zu einem Vierspur-Tonbandgerät greift, sollte deshalb zweckmäßigerweise der Behandlung und Pflege seines Tonbandes eine größere Aufmerksamkeit widmen, als dies erfahrungsgemäß von dem Besitzer eines Halbspur- Tonbandgerätes geübt wird. Er wird dann mit seinen Aufnahme- Ergebnissen nicht hinter den Erfolgen eines Zweispur- Tonbandgeräte- Besitzers zurückstehen.
Alle anderen, meist von Laien vorgetragenen Argumente gegen Vierspur-Tonbandgeräte, wie z. B. die größere Gefahr eines Übersprechens oder das leichtere Ineinanderlaufen der Tonbandspuren bei Vierspur- Tonbandgeräten, entbehren jeder technischen Grundlage und stellen nichts weiter als aus der Luft gegriffene Vorurteile dar. Kurz gesagt, kann also die Feststellung getroffen werden, dass die größere Unanfälligkeit des Zweispur- Tonbandgerätes gegenüber Verschmutzungen des Tonbandes durch die größere Wirtschaftlichkeit des Vierspur- Tonbandgerätes ausgeglichen wird; die Verwendung eines Vierspur- Tonbandgerätes im monophonen Bereich erfordert lediglich eine pfleglichere Behandlung des Tonbandes, als es der Besitzer eines Zweispur- Tonbandgerätes gewöhnt ist.
Ein neuer Aspekt ergibt sich hinsichtlich dieser beiden Tonbandgeräte- Varianten im Hinblick auf die geplante Erweiterung der Stereo- Rundfunk- Programme. Bekanntlich erfolgt die Aufzeichnung solcher Sendungen auf zwei Tonband- Spuren gleichzeitig. Wahrend bei einer monophonen Tonaufzeichnung ein so genannter „drop out" im krassesten Falle zum völligen kurzfristigen Aussetzen des Tones im Lautsprecher führen konnte, so wird bei einer stereophonen Wiedergabe dieser Effekt um ein Vielfaches dadurch gemildert, dass der zweite Lautsprecher der Stereo- Anlage während dieser nur Bruchteile einer Sekunde auftretenden Störung des anderen Lautsprechers mit Voller Leistung weiter arbeitet. Da mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sich niemals zwei „drop outs " exakt übereinander in jeder Spur auf dem Tonband befinden werden, findet somit auch keine so starke Beeinträchtigung des Gesamtklangbildes statt; das Öhr wird praktisch „überlistet".

Dies war nicht zuletzt einer der Gründe, dass z. B. in den Vereinigten Staaten die im Handel befindlicher bespielten Stereo- Tonbänder grundsätzlich nur im Vierspur-Verfahren bespielt sind. Der zweite wichtige Gesichtspunkt ist gerade bei Stereo-Tonbändern die Wirtschaftlichkeit, besonders wenn man bedenkt, dass gute Musik überwiegend mit der Bandgeschwindigkeit 19 cm/sec. aufgenommen wird und somit eine 18 cm Tonbandspule mit Doppelspielband nach einer Stunde Aufnahmezeit in einer Laufrichtung bereits ausgenutzt ist, Das würde bedeuten, dass Sie beispielsweise bei Verwendung eines Zweispur- Gerätes nur eine Langspielschallplatte mit einer Spielzeit von 30 Minuten pro Plattenseite auf ein Tönband überspielen könnten.
Es darf also die Behauptung gewagt werden, dass bei zunehmender Verbreitung des Stereo- Rundfunks die Vierspur- Technik bei Stereo- Tonbandgeräten weitaus mehr an Bedeutung gewinnen wird, als es im Augenblick dar Fall ist, sodass wir bereits heute dazu neigen, Tonbandgeräte- Interessenten, die ihr Tonbandgerät vorwiegend für stereophone Aufnahmen verwenden wollen, ein Vierspur- Stereo- Tonbandgerät zu empfehlen.

Es sollten deshalb vor der Anschaffung eines Tonbandgerätes folgende Fragen geklärt werden:

1. Soll das Tonbandgerät vorwiegend zur Aufzeichnung monophoner oder stereophoner Aufnahmen verwendet werden? Das Vierspur- Tonbandgerät empfiehlt sich für den überwiegend stereophonen Gebrauch.
2. Ist der zukünftige Besitzer eines Tonbandgerätes bereit, der Bandpflege seine besondere Aufmerksamkeit und Sorgfalt zu widmen? Ein Vierspur- Tonbandgerät empfiehlt sich aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten.
3. Besitzt der Tonbandgeräte- Interessent bereits ein Zweispur- Tonbandgerät und will er das neu anzuschaffende Gerät vorwiegend für den monophonen Einsatz verwenden? Ein Zweispur- Tonbandgerät ertaubt ihm die Fortführung seines Tonband- Hobby in der ihm bereits gewohnten Art,
4. Sind wirtschaftliche Überlegungen von untergeordneter Bedeutung bzw. soll das Tonbandgerät für halbprofessionelle oder vollprofessionelle Aufgaben herangezogen werden? Ein Zweispur- Tonbandgerät würde auch unter extremen Bedingungen optimale Qualität im Rahmen der gegebenen Geräte Konzeption erbringen.

Wir sind davon überzeugt, dass eine klare Beantwortung dieser Fragen vor dem Kauf zu einer Entscheidung führen wird, die dem Besitzer des neuen Gerätes eine uneingeschränkte Freude auch auf längere Zeit sichern werden.

Mit freundlichem Gruß!
Peter

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7

Friday, August 3rd 2012, 3:37pm

In diesem vorerst letzten Bericht möchte ich einige Bandprobleme ansprechen.
Herr Engel möge mir verzeihen, daß ich sie teilweise aus seinem Buch entnahm.
Im August 1967 wurde bekannt, dass auch Philips sein Heimtonband-Sortiment auf Low-Noise-Ausführung umstellen würde (wahrscheinlicher Produzent: 3M United Kingdom). Zur gleichen Zeit hatten BASF und AGFA, nicht zuletzt auf Drängen Grundigs, die Arbeit an einer neuen Generation von Magnetbändern aufgenommen, Zur Funkausstellung 1967 zeigte BASF erste Muster des Tonbandes PES 35 LH (ab 1968: LP 35 LH), das nicht nur im Rauschen mit den amerikanischen Vorbildern gleichzog (darauf deutet das „L", low noise), sondern auch eine um 3 dB erweiterte Aussteuerbarkeit besaß (das „H" für „high Output"), wenn auch bei etwas stärkerem, aber unkritischen Kopiereffekt. Auf einfachen Geräten kam zumindest der nach „oben" erweiterte Aufzeichnungsspielraum zur Geltung, High-Fidelity-Geräte mit rauscharmen Verstärkern konnten sogar einen Dynamikgewinn von 7 - 8 dB realisieren - vielleicht der größte Entwicklungssprung in der Heimtontechnik!
Die Produktionsumstellung der BASF-Langspiel-Heimtonbänder auf die LH-Ausführung war bereits im Mai 1968 im Gang, neue, entsprechend gekennzeichnete Verpackungen sollten aber erst ab Spätsommer in den Handel kommen. Mittlerweile hatte auch Agfa mit dem vollständigen Sortiment der „Hifi Low Noise"-Heimtonbän-der PE 36, PE 46 und PE 66 Triple Record (alle auf Polyester-Folie) wieder technisch gleichgezogen. Kaum waren die ersten PES 35 LH-Orders an professionelle Kunden wie Sprachlabors, Kopieranstalten und Blinden-Hörbüchereien ausgeliefert, hagelte es derartig viele Beschwerden wegen verschmierter Magnetköpfe, dass Mitte Juli 1968 die Auslieferung von der BASF gestoppt und die generelle Umstellung auf die LH-Rezeptur auf unbestimmte Zeit verschoben wurde, als auch interne Tests zeigten, dass die Reklamationen begründet waren. Agfa-Bänder liefen überwiegend problemlos (abgesehen von einer kurzen Periode, während der Grundig mit der Oberflächenglätte dieser Bänder nicht zurecht kam, so dass Leverkusen erheblich von der werblichen Vorarbeit der BASF profitierte. Nach und nach zeichnete sich ab, dass die LH-Krise zwei Ursachen zugleich hatte. Von Grundig vorgegebene, teils sehr zeitaufwendige Feuchte-Wärme-Tests erwiesen sich als mehrdeutig und hatten während der ohnehin beschleunigten Entwicklung keine Schwächen der Magnetschicht-Rezeptur signalisiert. Zudem führten die Magnetkopfhersteller Telefunken und Wolfgang Bogen, Berlin (Lieferant der stark betroffenen Firma UHER gerade zu dieser Zeit neue Modelle mit Zinkdruckguss- bzw. Aluminium-Laufflächen ein, die auf Bänder der ersten LH-Rezeptur mit bedenklichen Korrosionserscheinungen reagierten: „Bandstaub frisst sich ein bzw. verursacht pickelartige Erhebungen auf Tonköpfen, Bandführungen, Tonwellen und Tonkopfplatten. Klebrige, wie Rost aussehende Masse setzt sich ab." Daraufhin musste allein Telefunken deutlich über 1.000 Magnetköpfe austauschen und zu Sinterbronze übergehen. Zum Jahresende 1968 konnte Dr. Karl Wolfgang Daum die Feucht-Wärme-Probleme des LP 35 LH mit einer neuen Rezeptur aus der Welt schaffen, Mitte Januar 1969 zeigte sich sogar, dass der neue Ansatz Dauer-laufeigenschaften brachte, die denen der Agfa-Low-Noise-Bänder überlegen waren. Als auch die immer schwierige Übertragung aus dem Labor in die Produktion gelang, waren Schmieren und Korrosion überwunden. Dieser Erfolg war vor allem dem Vinylchlorid-Vinylacetat-Copolymer VAGH der Dow Chemical Company zu verdanken, mit dem sich „bei guten physikalischen Eigenschaften auch gute elektroakustische Werte erreichen lassen." Die hauseigene Rezeptur von Anfang 1968 war damit natürlich obsolet; zur klaren Unterscheidung bekamen aus der neuen LH-Rezeptur gefertigte Bänder (auf Polyesterträger!) den Namenszusatz „hifi". Diese Bandtypen - also LP 35 LH hifi, DP 26 LH hifi und TP 18 LH hifi- wurden endgültig im zweiten Halbjahr 1969 eingeführt.
So, nun ist erstmal gut.
Mit freundlichem Gruß!
Peter

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8

Friday, August 3rd 2012, 6:24pm

"Der Wahnsinn!", sagt man heute wohl. Das ist ja wirklich eine Fleißarbeit. Vielen Dank sozusagen im Namen der UHER-Werke, wiewohl ich mich natürlich in # 004 selbst zitiert sehe und damit indirekt mitgewirkt habe.

Die Liste mit den 34 Positionen habe ich auf die Schnelle nicht gefunden, aber dafür eine andere: Hinterhältigerweise haben wir Fehler in Maschine eingebaut und nach der Endkontrolle kontrolliert, ob diese erkannt wurden. Die Ergebnisse wurden protokolliert und ... verwendet. Wir haben weder Kosten noch Mühen gescheut, hochwertige Geräte zu bauen, nicht selten mit Erfolg. ;-)

Gruß, Anselm

P. S. Mit Lesen bin ich natürlich noch nicht fertig.

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9

Friday, August 3rd 2012, 8:54pm

Anmerkungen meinerseits zu den Bandsorten:

Philips sagt(e) damals wie heute, dass sie die Tonbänder ab 1967 höchststelbst produziert haben. Die größten Gemeinsamkeiten weisen Philips-Bänder mit den in England produzierten EMI-Tapes auf. Inwiefern "3M United Kingdom" mit EMI zu tun hatte und inwiefern Philips mit EMI-/3M United Kingdom zusammenarbeitete (wenn überhaupt), entzieht sich leider auch meiner Erkenntnis.

Grundig wechselte Mitte/Ende des Jahres 1968 von BASF LGS zu 3M/Scotch. Äußerlich wurde dies kenntlich gemacht durch den "HiFi"-Zusatz und das Kleeblatt-Wappen auf den Spulen mit blau-weißem Kernlabel. Nur wenige Monate später, ab Januar 1969, kamen völlig neue Grundig-Spulen heraus (schwarz-silbernes Kernlabel, eingeprägte Skalierung, kleinere Löcher). Bandmaterial war ebenfalls stets von 3M/Scotch.

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10

Friday, August 3rd 2012, 9:20pm

Hallo lieber Peter,

danke für die neuerlich bereichernden und umfassenden Zeit(ge)schichten.

Franz Schöler ist mir (von den frühen 80ern bis heute) eher als (herausragender) Musik- denn als Technik-Redakteur bekannt.
Anyway, alles sehr lesenswert und nach "meehr" rufend :-).

Gruß
Frank

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11

Saturday, August 4th 2012, 11:15am

Hallo Peter,

erst heute konnte ich alle Deine Berichte zumindest zu 80% verinnerlichen. Es ist eine Menge -nein alles- Neues und Interessantes dabei. Insbesondere die Erklärungen des Herrn Müller haben "Lämpchen bei mir aufleuchten" lassen. So einfach und effizient für einen Laien habe ich es an keiner anderen Stelle gelesen.

Nicht aufhören, da muß doch noch mehr sein.

Gruß
Frank
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Besser von vielem nichts zu wissen, als vorzugeben von allem was zu wissen.
Ich bin lernfähig aber nicht belehrbar.

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12

Saturday, August 4th 2012, 12:15pm

Hallo Peter!

Deine außerordentlich ausführlichen Berichte habe ich mit großer Freude
aufgenommen. Gelesen habe ich hier noch nicht gelesen. Ich druck´s
mir lieber aus und lese "HW". Da kann ich hin- und herblättern. Das be-
hagt mir mehr als die Scrollerei.

Mach" bitte gelegentlich weiter so. Die UHER-Fangemeinde ist japst
nach jeder neuen Information.

Tolle Berichte - RESPEKT!

Gruß
Wolfgang

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13

Saturday, August 4th 2012, 1:29pm

Hallo liebe UHER-Fans,
wie ihr aus dem Buch erfahren habt, baute Edmund Uher vor der Tonbandgerätezeit den berühmten Hobby- Roller. Hier nun ein kleiner Bericht über dessen Getriebeautomatik, die später so ähnlich auch in den DAF- Autos eingebaut wurde.
Im Jahr 1955 veröffentlichte der Ing. H. Trzebiatowsky in Zusammenarbeit mit Ing. Joachim Penz bereits einen Fachaufsatz über Uhers Erfindung:
“Ein ebenfalls automatisch und dabei stufenlos arbeitendes Getriebe ist neuerdings für einen Motorroller von Ing. Uher entwickelt worden. Es besitzt zwei kegelige Scheibenpaare, die in sich gegeneinander verschiebbar sind. Zwischen den Scheibenpaaren läuft ein Variflex- Zahn-Keilriemen zur Kraftübertragung.
Das auf der Motorwelle sitzende Scheibenpaar A1 und A2 ist bei stehendem oder im Leerlauf arbeitenden Motor durch Federkraft soweit auseinander gerückt, dass der Keilriemen seinen kleinsten wirksamen Durchmesser hat. Das zweite Scheibenpaar B1 und B2 wird gleichzeitig durch eine Feder zusammengepresst, so dass der Keilriemen hier mit dem größten Umdrehensdurchmesser läuft. In dieser Stellung ist also die größte Untersetzung des Getriebes erreicht, wie sie z.B. beim Anfahren notwendig ist. Mit zunehmender Drehzahl werden die Scheiben A1 und A2 durch rotierende Fliehgewichte zusammengepresst. Dadurch wird der Keilriemen gezwungen, weiter nach außen zu laufen, wobei der wirksame Durchmesser größer wird. Gleichzeitig zwingt er durch seine konstante Länge das Scheibenpaar B1 und B2 gegen den Federdruck auseinander zu gehen, wodurch der wirksame Durchmesser kleiner und aus der Untersetzung des Getriebes stufenlos eine Übersetzung wird. In der Endstellung ist die größte Übersetzung gegeben, wie sie bei Höchstgeschwindigkeit erreicht wird. Das Getriebe schaltet vollautomatisch und stufenlos einen Übersetzungsbereich von 8,33:1 bis 24,4:1 und meistert damit mühelos alle für den Rollerbetrieb erdenklichen Betriebsbedingungen. Der Fahrer braucht nicht mehr zu schalten, sondern regelt allein durch Gasgeben die Geschwindigkeit und das jeweils notwendige Drehmoment. Die Kupplung wird nur beim Anfahren und Anhalten betätigt.” Die Fahrgeschwindigkeit des Rollers passte sich dadurch automatisch den Fahrgegebenheiten an.
Mein schon ergrauter Fahrradhändler gab mir diesen Bericht, den er beim Aufräumen gefunden hat. Sein Name ist im Buch auch vermerkt.
Das fand ich besonders nett.

Freundliche Grüße!
Peter

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14

Saturday, August 4th 2012, 1:43pm

Und hier gehts gleich weiter. Alle diese Berichte wurden im Vorfeld auf die Eignung zur Veröffentlichung im UHER- Buch gesammelt, schließlich aber nicht veröffentlicht, weil es den vorgegebenen Rahmen gesprengt hätte.

Hier nun ein Bericht über die Compact-Cassette und wie UHER darüber dachte:
Die Erfindung des Kassettenrekorder durch PHILIPS


Die Kassette, ursprünglich als »Taschen- Kassette« lanciert, war eine PHILIPS-Erfindung. Hartong, der dieses Objekt im PHILIPS- Vorstand behandelte, sah voraus, daß die Kassette - mitsamt dem in der österreichischen Fabrik entwickelten dazugehörigen Rekorder - sich zu einem wichtigen Artikel entwickeln würde. Frits Philips stand vor der schwerwiegenden Frage: Sollten wir die Kassette für uns behalten oder nicht? Hartong riet zu letzterem, geleitet von folgender Erwägung: Wenn PHILIPS die Kassette in eigener Hand behielte, würden sie im günstigsten Fall nur einen Teil des Weltmarkts erobern. Keiner Firma gelingt es je, sich des gesamten Marktes zu bemächtigen. Wenn aber jeder Fabrikant Kassettenbänder und den dazugehörigen Rekorder herstellen kann, wird es ein Artikel für die ganze Welt. Das wird die Nachfrage derart stimulieren, daß PHILIPS , auch wenn sie nur einen Teil des Marktes bedienen, weitaus mehr Kassetten und Rekorder absetzen werden, als wenn sie diese Erfindung für sich selbst behalten.
Die Entscheidung fiel: PHILIPS gab die Kassette frei! Es war ein Schuß ins Schwarze. Sofort machten die Japaner es PHILIPS nach, in der ganzen Welt kam der kleine Apparat nach dem PHILIPS- System in Gang, und so wurde der Kassettenrekorder für PHILIPS zu einem großen Erfolg. Aber vorher passierte noch allerlei. In der österreichischen Fabrik wurde der Großteil der PHILIPS Recorder hergestellt. Im Sommer 1963 sollte der »Pocket-Rekorder« mit dem üblichen Tamtam in Wien lanciert werden. Hanneman, Direktor in Wien, hatte alles geregelt. Eine große Pressekonferenz sollte stattfinden, Einladungen waren versandt, PHILIPS war startbereit. Da kam plötzlich ein Telefonanruf von Max Grundig, mit der dringenden Bitte, die Vorführung zu verschieben, weil er selbst an einer ähnlichen Sache arbeite. Seine Cassette war aber größer. Nun war Grundig zwar ein großer Konkurrent von PHILIPS , aber auch ein bedeutender Abnehmer deren Röhren und anderen Zubehörs. Außerdem hoffte der PHILIPS- Vorstand, daß er schließlich auf ihr System übergehen werde. “Wir wollten ihn nicht vor den Kopf stoßen, und Frits Philips bat Hanneman, die Vorführung zu verschieben. Der wehrte sich heftig, wobei es ihm weniger um die finanziellen Folgen ging als um die Blamage vor der Presse. Auch fürchtete er, die Sache würde vorzeitig bekannt werden,- das ganze Werbematerial war bereits fertig. Die Lage bei PHILIPS war heikel und Frits Philips mußte entscheiden. Nachdem er mit Hartong alles nochmals besprochen hatte, rief er Hannemann in Wien an: “ Es tut mir wirklich leid, Herr Hannemann, und Sie dürfen stundenlang schimpfen, auf wen sie nur wollen...aber die Sache wird verschoben. Ich übernehme hier die volle Verantwortung, Sie übernehmen alle Unannehmlichkeiten in Wien. Es bleibt uns nichts anderes übrig. Max Grundig ist noch nicht fertig, und wenn wir jetzt starten, sind alle Chancen vertan, ihn für unser System zu gewinnen." Durch den Aufschub konnte PHILIPS mit GRUNDIG eine Regelung treffen, durch die auch er das Kassettensystem von PHILIPS übernahm. So ist schließlich alles in Ordnung gekommen.
Als PHILIPS den Cassettenrecordert einführte, war das Tonbandgerät schon lange auf dem Markt. Ehe PHILIPS anfing, Cassettenrecorder herzustellen, hatten sie Untersuchungen vorgenommen, um festzustellen, wieviel Recorder schätzungsweise zu verkaufen wären. Tatsächlich setzte PHILIPS dann das doppelte seiner Vorhersage ab.

UHER war zu dieser Zeit dem Cassettensytem von Grundig eher zugetan, war aber ebenso wie Willi Studer viel zu spät bereit in dieses Marktsegment einzusteigen. Studer belächeltes dieses “Spielzeug”. Dachte Hornstein auch so?

Was mein ihr dazu?

Herzl.Grüße!
Peter

Ralf B

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15

Saturday, August 4th 2012, 1:50pm

Quoted


Alle anderen, meist von Laien vorgetragenen Argumente gegen Vierspur-Tonbandgeräte, wie z. B. die größere Gefahr eines Übersprechens oder das leichtere Ineinanderlaufen der Tonbandspuren bei Vierspur- Tonbandgeräten, entbehren jeder technischen Grundlage und stellen nichts weiter als aus der Luft gegriffene Vorurteile dar.
Nebenbei und etwas OT:
Dieser Passus aus 005 verunsichert mich doch sehr, zumal in anderen Threads hier im Forum sehr wohl von einem ganz "normalen Übersprechen" bei Viertelspurtechnik die Rede ist.
Oder soll ich das so lesen, daß das Übersprechen speziell bei Uher-Reports nicht stattfindet???
Laienfrage :)

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16

Saturday, August 4th 2012, 4:28pm

Hallo Ralf,
natürlich hat die Viertelspurtechnik nur einen Vorteil: nämlich die längere Laufzeit.
Ein Übersprechen habe ich allerdings bei den Reports nie bemerkt. Daher war ich arg enttäuscht, als ich mir damals die Revox A 77 anschaffte. Dort hörte man bei sehr lauten baßbetonten Musikpassagen deutlich ein Übersprechen. Die Köpfe wurden optisch mittels Meßlupe und Meßband vermessen. Deren Spurlage stimmte 100 %. REVOX kannte das Problem, konnte es aber nicht beseitigen. Grund war der extrem kräftige Aufnahmepegel, der ja auch dafür sorgte, daß deren Ruhe-Geräuschspannungsabstand einsame Klasse war.
Kurzum: Wer die beste Klanhqualität haben wollte mußte damals und auch heute noch auf die Stereo- Halbspur setzen, es geht nun mal nicht anders.

Gruß
Peter

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17

Saturday, August 4th 2012, 8:29pm

Vielen Dank für den Lesestoff. Man taucht sofort in die Materie ein und saugt genüsslich die Informationen auf. Wie entspannt ein Text zu lesen ist, dessen Verfasser auf die Rechtschreibung achtet!

Besten Gruß

Peter S.

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18

Saturday, August 4th 2012, 10:44pm

Quoted

Peter postete

Kurzum: Wer die beste Klangqualität haben wollte mußte damals und auch heute noch auf die Stereo- Halbspur setzen, es geht nun mal nicht anders.

Gruß
Peter
Und wer hier widerspricht, sollte bei seinen Compactcassetten bleiben.
In den Sechzigern gab es - ja, auch unter UHER-Nutzern - einen Spruch, den ich bis heute nicht vergessen habe:

"Wer Viertelspur fährt, ist Schläge wert".
Ja, da wurde das tonbandeln noch sehr ernst genommen.

Thomas
Manche Tonträger werden mit jedem Ton träger.

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19

Sunday, August 5th 2012, 10:00pm

Quoted

...Nebenbei und etwas OT:
Dieser Passus aus 005 verunsichert mich doch sehr, zumal in anderen Threads hier im Forum sehr wohl von einem ganz "normalen Übersprechen" bei Viertelspurtechnik die Rede ist.
Oder soll ich das so lesen, daß das Übersprechen speziell bei Uher-Reports nicht stattfindet???
Hallo Ralf,

um Deine OT-Frage auch OT zu beantworten, möchte ich zunächst noch den
von Dir befragten Textausschnitt etwas "weiträumiger" ausschneiden:

Quoted

....Alle anderen, meist von Laien vorgetragenen Argumente gegen Vierspur-Tonbandgeräte, wie z. B. die größere Gefahr eines Übersprechens oder das leichtere Ineinanderlaufen der Tonbandspuren bei Vierspur- Tonbandgeräten, entbehren jeder technischen Grundlage und stellen nichts weiter als aus der Luft gegriffene Vorurteile dar. Kurz gesagt, kann also die Feststellung getroffen werden, dass die größere Unanfälligkeit des Zweispur- Tonbandgerätes gegenüber Verschmutzungen des Tonbandes durch die größere Wirtschaftlichkeit des Vierspur- Tonbandgerätes ausgeglichen wird; die Verwendung eines Vierspur- Tonbandgerätes im monophonen Bereich erfordert lediglich eine pfleglichere Behandlung des Tonbandes, als es der Besitzer eines Zweispur- Tonbandgerätes gewöhnt ist...
So pauschal, wie der Verfasser das ausgedrückt hat, kann man nur sagen
"Autsch!". Das wäre gerade so, als würde man beim Auto behaupten, ein
fehlendes Ladevolumen könne durch mehr Motorleistung ausgeglichen werden.

Wirtschaftlichkeit und höhere Unanfälligkeit sind doch zwei völlig verschiedene
Paar Schuhe. Wer auf das eine Wert legt, wird das andere nicht unbedingt
im Fokus haben.

Zum Rest der Aussage und zu Deiner Frage:

Natürlich gibt es sehr wohl eine "technische Grundlage", die das Gegensprechen
beim Viertelspurverfahren verursacht.
1. ...je höher der "Dampf", mit dem das Signal auf das Band kommt, desto stärker
wird man die Gegenspur hören (oder zumindest messen) können.
2. ...bei unsauberer oder unkorrekter Bandführung sind die Kopfspuren
nun mal dichter an den Gegenspuren dran, als es dem Konstrukteur lieb
ist.
Fazit: 1) und 2) stören nun mal bei Halbspurverfahren nicht - es gibt keine Gegenspuren ;)

Es ist natürlich die Frage gestattet, in wie weit sich das Gegensprechen der
anderen Spuren in der Praxis hörbar auswirkt aber das hängt eben massgeblich
vom Bandfluß ab und davon, ob man zeitlich lange "Leise-Passagen" auf dem
Band hat.

Gruß

Peter
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Sunday, August 5th 2012, 10:18pm

Nachtrag zum Thema Crossfield: Man vergleiche damit die Schüller-Ringkopf-Patentschrift
http://depatisnet.dpma.de/DepatisNet/depatisnet?window=1&space=menu&content=treffer&action=pdf&docid=DE000000660377A&Cl=2&Bi=1&Ab=&De=1&Dr=3&Pts=&Pa=&We=&Sr=&Eam=&Cor=&Aa=&so=asc&sf=vn&firstdoc=1&NrFaxPages=5&pdfpage=3

und erkennt, dass die Sache noch älter ist als in den oben genannten Publikationen genannt. Dass bei dem Patent vom 24.12.1933 (!) noch Gleichfeld-(bzw. Gleichstrom-)Vormagnetisierung vorausgesetzt ist, dürfte Schüllers Prioritäts-Anspruch in Sachen Crossfield nicht gefährden.

Ohne Peters umfangreiche Texte "auf die Schnelle" gelesen haben zu können (meinen Respekt!): wie verhält sich Crossfield-Vormagnetisierung bei Klebestellen in Bändern, a) mechanisch ("Durchlass"), b) magnetisch (nicht mehr definierter Abstand von den beiden Kopfoberflächen?).

F.E.

Ralf B

Unregistered

21

Monday, August 6th 2012, 12:39pm

Hallo Peter & Peter,

danke für Eure Antworten!
Denn ich hatte auch "Autsch" gedacht, als ich das las....
Als läge es an der Laienhaftigkeit, wenn ich ein Übersprechen habe.

Um wieder den Bogen zum Thema zu kriegen:

Somit ist es ja eine tolle Leistung von UHER (!) , wenn bei denen das Übersprechen nicht zum Thema wurde. Alle Achtung!

Grüße von Ralf

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22

Monday, August 6th 2012, 6:52pm

Quoted

PeZett postete

Fazit: 1) und 2) stören nun mal bei Halbspurverfahren nicht - es gibt keine Gegenspuren ;)

Peter
Hallo Peter,

deine Statements kann ich leider nicht unkommentiert lassen, auch wenn hierdurch der OT-Faktor um einen weiteren Beitrag genährt wird.

Gegenspuren gibt es bei Halbspur natürlich auch, nämlich im Mono-Betrieb. Und natürlich ist auch hier ein Übersprechen möglich.

Ich kann die Aussage des Verfassers im Text sehr gut nachvollziehen und denke keineswegs, dass hier ein schiefer Vergleich gezogen wird. Wenn man nämlich nicht das Übersprechen der Gegenspur, sondern der Nachbarspur in Betracht zieht, also das obere und das untere Kopfstockwerk, ist auch und gerade im Halbspurverfahren ein Übersprechen möglich. Wie sonst wäre ansonsten zu erklären, dass es in den Anfangstagen der Tonband-Stereofonie leichter war, einen von der Kanaltrennung her guten Viertelspurkopf zu bauen als einen ebenso guten Stereo-Halbspurkopf ? Die Hersteller hatten damals ihre liebe Not mit diesem Unterfangen.

Dieses kann man in jeder damaligen Publikation über Tonband-Stereofonie ab etwa 1959 nachlesen. Übrigens auch vom weiter oben erwähnten E.P. Hinter diesen Initialen verbirgt sich kein Anderer als Ernst Pfau, eine Koryphäe in Sachen Tonbandtechnik.

Gruß
Thomas
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23

Monday, August 6th 2012, 9:16pm

Hallo Thomas,

natürlich beeinflussen sich auch die Nachbarspuren und 2-Spur-Mono hatte ich
dabei in der Tat nicht im Sinn. Bei Stereospuren ist das allerdings nicht ganz
so stöhrend (hörbar), da das stöhrende Signal nicht rückwärts zu hören ist.
(Wenn es denn überhaupt zu hören ist...).

Was mich aber am Artikel "wurmt" ist die Pauschal-Aussage, das
Gegensprechen wäre beim 1/4-Spur-Verfahren vernachlässigbar bzw. würde
durch höhere Wirtschaftlichkeit kompensiert.

Gruß

P.
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24

Monday, August 6th 2012, 9:24pm

Peter,

da hast du natürlich Recht. Sorry, wollte keine Erbsen zählen ;-)

Thomas
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25

Tuesday, August 7th 2012, 11:52am

Noch ein Löffelchen von meinem Senf dazu:

Das viertelspur-typische Gegenspur-Übersprechen ist natürlich auch wellenlängenabhängig, d.h., wer glaubte, sich etwas Gutes zu tun und (wumms-)bassbetonte Musik bei 19 cm/s aufnahm, sah bzw. hörte sich mit (gegenüber 9,5 cm/s) verstärktem Übersprechen bestraft.

(Bekanntlich sind die Wellenlängen bei 19 cm/s doppelt so lang wie bei 9,5 cm/s - umgekehrt liegt hier einer der Gründe, dass das CC-System bei 4,76 cm/s eine durchaus akzeptable Stereo-Kanaltrennung bot.)

Dem Vernehmen nach soll die Entwicklung der EE-Bänder nicht zuletzt den Zweck gehabt haben, bei 9,5 cm/s-Viertelspurgeräten einerseits das relativ niedrige Übersprechen, andererseits die - materialbedingt - leicht bessere Höhenaussteuerbarkeit bzw. das - entzerrungsbedingt - etwas geringere Rauschen zu gewinnen. Insofern wären Viertelspur bei 19 cm/s und EE-Band ein Widerspruch in sich gewesen.

F.E.

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26

Friday, August 24th 2012, 2:30pm













Dass die 1200 Report für professionellen Einsatz konzipiert wurde beweist dieser fast völlig linearer Frequenzgang.
Gruß!
Peter

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27

Friday, August 24th 2012, 3:01pm

Danke für die die Bestätigung, Peter. Für das 1200 Report Synchro war ich zum Schluss wohl auch noch zuständig. Trotzdem erhole ich mich gerade von einem Schock. ;-) Mit diesen Brüel & Kjaer-Schrieben in der einen und einem Report in der anderen Hand tauchte die Qualitätssicherung immer bei uns auf, wenn wir mal wieder den Ausspruch "Wer misst, misst meistens Mist" bestätigt hatten. Im Prüffeld hatten wir natürlich nur Tongenerator und Röhrenvoltmeter zur Verfügung ...

Gruß, Anselm

Edit: Ich muss mich vermutlich korrigieren: Tongenerator und Röhrenvoltmeter im 4000er-Prüffeld. Die Käufer der 1200 Report Synchro haben meiner Erinnerung nach alle einen "Schrieb" (wie heißen die noch offiziell?) erhalten. Auf diesem Wege wirst Du Deinen erhalten haben.

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28

Saturday, August 25th 2012, 10:49am

Hallo Anselm,

Frequenzgang-Protokoll?

Gruß
Frank
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Pink Floyd - One Of These Days

Besser von vielem nichts zu wissen, als vorzugeben von allem was zu wissen.
Ich bin lernfähig aber nicht belehrbar.

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29

Saturday, August 25th 2012, 11:16am

Hallo Frank,

sachlich ist das bestimmt korrekt, aber ich habe noch einen anderen Ausdruck in Erinnerung. Der kommt wahrscheinlich erst zum Vorschein, wenn ich nicht mehr daran denke.

Gruß, Anselm

30

Saturday, September 15th 2012, 4:50pm

Quoted

Friedrich Engel postete
Ohne Peters umfangreiche Texte "auf die Schnelle" gelesen haben zu können (meinen Respekt!): wie verhält sich Crossfield-Vormagnetisierung bei Klebestellen in Bändern, a) mechanisch ("Durchlass"), b) magnetisch (nicht mehr definierter Abstand von den beiden Kopfoberflächen?).
Ich habe eben einen Test "nach Gehör" gemacht, da ich mir immer noch kein Meßequipement zugelegt habe.
Ich habe auf ein LGS35 drei Klebebandstreifen von reichlich 10 cm Länge angebracht, zwischen den überklebten Bereichen waren ca 30-50 cm Abstand.
Dann habe ich auf einer Akai X-201D auf verschiedenen Geschwindigkeiten Probeaufnahmen von Rosa Rauschen und Sprachaufnahmen aus dem Radio gemacht.
Die "Klebestellen" waren deutlich zu hören. Meinem Höreindruck nach hatten die Verzerrungen zugenommen, wobei ich nicht das Gefühl hatte, dass die Höhen überbetont gewesen seien.
Da das Band durchaus Gebrauchsspuren hat, könnte es auch sein, dass Unförmigkeiten des Bandes durch die Versteifung verstärkt werden und sich so negativ auf den Kopfkontakt auswirken.
Daraufhin habe ich mit demselben Band Probeaufnahmen auf einer Akai GX-210D gemacht. Die Klebestellen konnte ich in diesem Fall nicht heraushören.

niels
Ich halte die analoge Aufzeichnung einer qualitativ gut erzeugten digitalen Aufzeichnung für unterlegen.
Aber jene macht mir mehr Freude.