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91

Dienstag, 22. Mai 2018, 17:06

Dass es in den USA kaum Typ-II-Bänder gab würde ich so nicht unterschreiben, nur CrO2 hatte einen schlechten Ruf. Das liegt daran, dass BASF USA in den ersten Jahren selbst herumgebastelt hat und die Ergebnisse im Vergleich zur Ludwigshafener Produktion eine Katastrophe war. Damit hatte die ganze Type ihren Ruf weg, obwohl die Produktion nach einigen Jahren gewaltig verbessert wurde.

Aber Maxell XL-II(S), TDK SA(-X) und Co. sind absolut gängiges Material dort.

Zur Qualitätsdebatte möchte ich aus meiner eigenen Erinnerung aber schon eines anmerken: Otto Normalverbraucher hatte in den 80ern und 90ern eine billige Kompaktanlage, einen Radiorecorder oder Ghettoblaster. Und absolut keine Ahnung wie man Bänder passend auswählt. Da wurden ohne mit der Wimper zu zucken Chrombänder in Radiorecorder geschoben oder dann doch wieder ACME vom Wühltisch verwendet. Aufnahmen teilweise mit dem Mikrofon oder vom ebenso billigen Plattenspieler im Kompaktturm, mit ein paar abenteuerlichen Nadelsprüngen weil sich jemand im Raum bewegt hat. Aussteuerung war entweder Automatik oder Glückssache.

Wirklich hochwertige und sinnvoll genutzte Technik war immer eine Nische.

92

Dienstag, 22. Mai 2018, 17:37

Wenn wir schon auf dem Nebengleis sind...

Die Cassette im Jahre 1981 :-)

Die BASF LH extra I kam 1982 und war mit ihren Parametern wie Empfindlichkeit und Frequenzgang auf das 1981 neu verabschiedete IEC-I-Referenzleerband R 723 DG angepaßt. Die ebenfalls ab 1982 erhältliche LH super I war bereits unter dem Vorgänger-Namen ferro super LH I mit dem IEC-I-Referenzband kompatibel.

Die älteren Agfa- und BASF-Cassetten waren noch auf das vorherige DIN-Referenzleerband T 308 S angepaßt und hatten damit eine deutlich geringere Empfindlichkeit als die ferro super LH I und alle nach 1981 erschienenen IEC-I-kompatiblen Bänder. Deshalb klingen die 70er-Jahre-Cassetten auf moderneren Geräten, die schon nach IEC eingemessen sind, gefühlt zu leise und etwas dumpf. Mit entsprechender Einmessung läßt sich das aber anpassen, und auch die alten Bänder klingen gut (naja, zumindest unverzerrt und nicht zu dumpf; Werte nach HiFi-Norm durfte man von den LH-Typen noch nicht erwarten).

Bei Agfa fand der Wechsel ebenfalls um 1982 statt. Diese Ferrocolor haben in den allermeisten Fällen noch das Band nach der alten Norm:
http://agfabasf.com/images/content/img7817.jpg
http://agfabasf.com/images/content/img7629.jpg

Und ab dieser Serie ist immer das IEC-I-kompatible Standardband von Agfa eingespult:
http://agfabasf.com/images/content/img9710.jpg

Letzteres war das direkte Konkurrenzprodukt zur BASF LH extra I, und in manchen EIgenschaften sogar ein Tick besser, so daß ab der Gründung der BASF Magnetics 1991 größtenteils das Agfa-Band für die BASF Ferro Extra I verwendet wurde.

Dann gab es noch die Agfa Superferro HDX. Deren schwarzes Magnetit-Band wich deutlich von der IEC-I-Norm ab, klingt nach Einmessung aber hervorragend und war zu ihrer Zeit eine der besten Normalband-Cassetten überhaupt. Leider soll es damit Probleme mit der Langzeitstabilität geben wie Höhenverlust durch mechanische Beanspruchung bei häufigem Abspielen, was mir aber bisher noch nicht aufgefallen ist.

Viele Grüße,
Martin


Ich habe gestern Abend mal einen kurzen Pegeltest, "quick and dirty", der BASF LH Casetten gemacht, ohne vorher auf eine bestimmte Bandsorte einzumessen. Die Pegeldifferenzen sind also nur relativ, bestätigen aber deine Anmerkungen zu den Cassetten.

Tapedeck: Technics RS-B 655
Quelle: 400Hz Testsignal von CD
Dolby: Aus

Input:

R: 351mV

L: 364mV


Output:

BASF LH 90 1976

R: 260 mV

L:

BASF LH 90 1977 - 1979

R: 260 mV

L:

BASF LH 60 / 90 1980 fehlt mir leider

R:

L:

BASF LH Extra I 90 1981 (orange / rot)

R: 311 mV

L:


BASF LH Extra I 60 1985 - 1987

R: 320 mV

L:

BASF Ferro Extra I 90 1993 - 1994

R: 326 mV

L:


BASF LH-D 60

R: 326 mV

L:

Viele Grüße,
Michael

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93

Mittwoch, 23. Mai 2018, 07:30

Vielen Dank für den langen Beitrag, Tobi. Dem kann ich fast vollständig zustimmen, aber:
Ich denke aber auch, dass das Image der Cassette ein Anderes ist.

Es geht halt immer um das Rauschen, Leiern, dumpf Klingen... diese „Bleistift - Cassette“ Geschichte. Die Leute romantisieren das total und tun so, als hätten die Kids in den 80ern und 90ern Nichts anderes getan als Cassetten mit Stiften bewegt um Batterien im Walkman zu sparen und Bänder aufgewickelt, weil es ständig Bandsalat gab.

Eine dumpfe Kassette mit Rauschen, Leiern und dumpfem Klang ist für mich vieles, aber auf keinen Fall romantisch. Eher eine Katastrophe.

94

Mittwoch, 23. Mai 2018, 15:18

Vielen Dank für den langen Beitrag, Tobi. Dem kann ich fast vollständig zustimmen, aber:
Ich denke aber auch, dass das Image der Cassette ein Anderes ist.

Es geht halt immer um das Rauschen, Leiern, dumpf Klingen... diese „Bleistift - Cassette“ Geschichte. Die Leute romantisieren das total und tun so, als hätten die Kids in den 80ern und 90ern Nichts anderes getan als Cassetten mit Stiften bewegt um Batterien im Walkman zu sparen und Bänder aufgewickelt, weil es ständig Bandsalat gab.

Eine dumpfe Kassette mit Rauschen, Leiern und dumpfem Klang ist für mich vieles, aber auf keinen Fall romantisch. Eher eine Katastrophe.
Für dich, und das ist sowohl nachvollziehbar als auch dein gutes Recht. Aber das ist die Einstellung die man in den Medien dauernd liest seit überhaupt wieder von der CC die Rede ist.

Und ich muss ehrlich zugeben, dass ich als Kind in den 90ern bewusst mit ranzigen Laufwerken (damals ca. 30 Jahre alt und ungewartet) und den daraus resultierenden Gleichlaufschwankungen im unteren einstelligen Prozentbereich experimentiert habe. War schon lustig... genau wie manchmal einen Ariola-Sampler auf einen tragbaren Plattenspieler von ca. 1970 zu legen und mit dessen Billiglautsprechern abzuspielen. Aber allgemein ziehe ich zum Musikhören auch eher Qualität vor und nenne daher seit 2013 ein Pioneer-Deck mit Auto-BLE mein eigen, auf dem jedes Band vor der Aufnahme eingemessen wird, dann penibel ausgesteuert. Gebrauchtbänder werden zumindest auf der ersten Minute auf Aussetzer und sonstige Schäden getestet bevor sie für Aufnahmen verwendet werden.

Für gar nicht so wenige Leute damals war die CC ein Gebrauchsobjekt und die Geräte wurden verwendet (ohne jede Pflege und Zuwendung) bis sie Bänder zerstört haben, dann entweder entsorgt oder zur Reparatur gebracht. Und als die CD versprach "Nicht mehr Spulen und nie wieder Bandsalat!" (Zitat aus einem Artikel über die ersten CD-Brenner für ambitionierte Privatanwender Ende der 90er) war es mit der CC schnell vorbei.

95

Freitag, 22. Juni 2018, 09:51

RTM neue Ferro Cassetten

Laut Théo GARDIN, dem Verkaufsmanager von RTM sollen die neuen Ferro Cassetten im vierten Quartal weltweit verfügbar sein. Type II Cassetten scheinen ein Thema zu sein, jedoch sind nicht mehr für dieses Jahr im Fokus.

96

Montag, 2. Juli 2018, 17:36

Artikel zu den neuen Ferro Cassetten (FOX C-60) von RTM

Habe gerade diesen Artikel gefunden:

Recording the Masters FOX C-60: The New Audio Cassette Standard

Technics123

97

Montag, 2. Juli 2018, 21:06

Wenn ich den Artikel nicht gar zu oberflächlich gelesen haben, steht darin, dass C 60 Bänder produziert würden, da es keine Folien mehr für 90er gäbe. Aber von maxell gibt es doch ausschließlich 90er zu kaufen?
niels
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98

Dienstag, 3. Juli 2018, 09:24

Vielleicht ist es so gemeint, dass RTM (derzeit) keine Folien für C90 herstellen kann?

Interessant auch, dass diese FOX C-60 wohl ähnlich wie das LPR90 auf dem SM900 basiert.


Gruß
Robert

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99

Dienstag, 3. Juli 2018, 13:05

Die Trägerfolien sind ein typisches Zulieferer-Produkt, die wird Mulann, zumal bei den geringen Mengen, kaum selbst herstellen. Die Frage ist eher, ob der eigene Lieferant gerade welche im Programm hat. Wie Niels völlig richtig schreibt, muß Panggung ja auch irgendwo die Trägerfolie für die Maxell UR 90 bekommen. Auch für Video- und Computerbänder muß es noch Hersteller von Trägerfolien in verschiedenen Stärken geben.

Ich kann mir auch vorstellen, daß man erstmal mit dem leichter zu handhabenden 18-µm-Band die Produktion aufbauen will. Man kann jedenfalls gespannt sein, was von RTM noch so alles kommt. Aus dem Absatz über Chromdioxid meine ich, zwischen den Zeilen zu lesen, daß zumindest ein FeCo-Band für Typ II nicht ganz ausgeschlossen ist: "The Koreans are our current source for a type of (chrome) pigment, but it is not a reliable source as they are not sure to keep providing it."

Wenn sie mit dem FOX-Band auch nur die Qualität der letzten Emtec FE I erreichen, dann wäre das schon ein großer Fortschritt im Vergleich zu den indonesischen UR.

Viele Grüße,
Martin

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100

Mittwoch, 4. Juli 2018, 10:36

Ja, eine neue "Ferro Extra" damit wäre ich schon zufrieden.
Gruß
André

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101

Mittwoch, 4. Juli 2018, 13:09

Ja genau, so wie die grüne LH extra I...die ist sensationell......

Kaum Klirr und aussteurbar bis zum ko_____n
Gruß
Manfred

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102

Mittwoch, 4. Juli 2018, 18:35

Ähm, eine grüne BASF LH Extra I ? Hilf mir mal auf Sprünge, Manfred ;(

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103

Mittwoch, 4. Juli 2018, 18:57

Da ist wohl die LH Super I gemeint... aber das hast du dir bestimmt auch schon gedacht...

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104

Mittwoch, 4. Juli 2018, 19:25

Und ja, die Ferro Extra fast egal ob die letzte "AGFA" Version oder der reine BASF Vorgänger sind schon Hausnummern, an denen die beiden Neuankömmlinge sich messen lassen müssen.
Ehrlich gesagt traue ich der FOX da mehr zu, als den etwas großspurigen Ankündigungen von NAC. Deren Typ I Band ja angeblich besser sein wird als übliche TypII Bänder.

Zitat NAC: °coated with the finest magnetic recording oxide ever discovered"


Oli

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »2245« (4. Juli 2018, 20:59)


105

Mittwoch, 4. Juli 2018, 19:37

Ich frage mich, was dieses "basiert" bedeutet. SM 900 ist ein Material, was auf 38 cm/s, bzw. 19 cm/s im Longplay-Betrieb hin optimiert sein wird. Ob sich dies, so wie es vorliegt, ohne weiteres als optimales Pigment für 4,76 cm/s eignet? Oder haben sie aus SM900-Rohstoffen ein PIgment mit kürzeren Nadeln gefertigt?
niels
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106

Mittwoch, 4. Juli 2018, 22:12

Ähm, eine grüne BASF LH Extra I ? Hilf mir mal auf Sprünge, Manfred ;(


Sorry Jungs. Ja natürlich ist es die LH Super I. Bei mir heißt sie professionel weil sie aus den Staaten kommt.
Gruß
Manfred

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107

Mittwoch, 4. Juli 2018, 23:19

SM 900 ist ein Material, was auf 38 cm/s, bzw. 19 cm/s im Longplay-Betrieb hin optimiert sein wird. Ob sich dies, so wie es vorliegt, ohne weiteres als optimales Pigment für 4,76 cm/s eignet?


Schau mal hier, da hatte jemand die gleiche Frage: http://www.tapeheads.net/showpost.php?p=783128&postcount=28

108

Donnerstag, 5. Juli 2018, 08:58

Danke.
Da bin ich mal gespannt, was uns geboten wird.
niels
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Donnerstag, 5. Juli 2018, 11:24

Die rote LH Super war eine Cassette mit feineren Partikeln. Das gleichnamige Tonband LH Super soll jedoch einen andere Formulierung haben (so ich hier mal lesen durfte). Die Farben unterscheiden sich auch etwas. Die grüne LH Super I erschien etwas später mit der zunehmenden Verbreitung von Japan-Decks, die den geringen BIAS der LH Super rot nicht einstellen konnten. Ab 1981 wurde die Ferro Super LH I dann IEC-konform. Welche Formulierung die dann daraus entstandene LH Extra bekam, ist mir unbekannt, da sie auch die einfache "LH" beerbte.
Ich denke auch, hier kann man nicht einfach mal was vom SM900 passend schneiden, sondern man braucht die dünneren Trägerfolien und eine angepaßte Formulierung für 4,75cm/s. Wird also ein eigenes Produkt werden müssen, sollte es den Anspruch an die alte Ferro extra / Ferro Super LH I erfüllen.
Patente haben eine maximale Laufzeit von 18 Jahren, ergo sollte auch die Möglichkeit zur Kobaltdotierung gegeben sein... :whistling:
Gruß
André

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Donnerstag, 5. Juli 2018, 11:56

Die LH extra I enthielt das 1982 neu entwickelte Band namens LH-D, welches auch eines der meistverwendeten Bänder für vorbespielte Cassetten wurde. Es entsprach der neuen IEC-I-Norm. Die alte LH nach DIN-Standard tauchte zwar seit 1982 nicht mehr in den Katalogen auf, sie wurde aber noch ein paar Jährchen weiter produziert, zuletzt im blauen Design. Wobei die blauen teilweise auch schon LH-D-band eingespult hatten... das übliche Durcheinander eben :-)

Die "grünen" waren kobaltdotierte Eisenoxidbänder und hatten einen etwas größeren Dynamikumfang als das LH-D-Band, und sie entsprachen auch der IEC-I-Norm. Und zwar trotz der Tatsache, daß die erste ferro super LH I bereits 1978 auf den Markt kam, also noch vor der IEC-Normung. Der Trick liegt darin, daß als IEC-I-Referenzleerband eine Charge eben dieses Bandes ausgewählt wurde, ich meine von 1979 (habe das dicke Buch gerade nicht greifbar...). Diesen Bandtyp gab es unter folgenden Bezeichnungen:

ferro super LH I (1978-82)
LH super I (1982-84)
Professional I (USA ca 1980-82)
pro I super (USA ca 1982-84)
SLH I (Japan 1978-82)
PRO I (Japan 1982-84)

Über die Jahre wurden die magnetischen Eigenschaften mindestens einmal verbessert, d.h. das Grundrauschen gesenkt und der MOL erhöht, aber die Kompatibilität blieb erhalten.

Aber ich schweife ab, herrje, diese Bänder sind ja 40 Jahre älter als die Überschrift eigentlich gebietet...

Viele Grüße,
Martin

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111

Donnerstag, 5. Juli 2018, 19:30

Falls jemand eine Maschine zur Konfektionierung von Kassetten "rumstehen" hat, kann er hier vielleicht ein Schnäppchen machen:

https://www.ebay-kleinanzeigen.de/s-anze…302067-172-3222

Wobei die irgendwie nicht "verpackt" aussehen. Könnte von der Farbe her aber Chrome sein, oder?

Gruß
Robert

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112

Donnerstag, 5. Juli 2018, 21:05

Ich würde bei Interesse erst mal nachfragen wie breit das Band wirklich ist. Wenn er die angegebenen 6mm gemessen hat, wird es wohl 1/4 Zoll Band seinund kein Cassettenband sein.

Aber von der Farbe sieht das nach FeCo Band aus.

113

Freitag, 6. Juli 2018, 19:49

Könnte man sich so eine “Handkurbel“ nicht selber bauen? Ich denke ist zwar ein wenig Hienschmalz notwendig, aber das größte Prolem wäre die Errechnung der Bandlänge, da bräuchte man halt eine Zählrolle die eine Umlenkrolle mit bekantem Umfang hochzählt. Zum Rechnen nimmt man halt seinen alten Taschenrechner um es ganz retro zu machen :D

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Samstag, 7. Juli 2018, 00:23

@Martin
Danke für die Zusammenfassung, ich hatte mir auch schon gedacht, das die grüne LH I sozusagen der "Prototyp" für das IEC Typ I Band war. BASF hatte hier wohl mehr Kompetenz, zumindest in meiner Wahrnehmung konzentrierten sich die Japaner eher auf Typ II und IV. Typ I hatten sie eher der Vollständigkeit halber mit im Programm und orientierten sich vielleicht heimlich sogar an den BASF Eisenoxydbändern.
Gruß
André

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115

Samstag, 7. Juli 2018, 03:05

Typ I hatten sie eher der Vollständigkeit halber mit im Programm


Das war sicher nicht der Fall. Deutschland und mit Abstrichen die Schweiz waren weltweit die einzigen Märkte in denen TypII Cassetten marktbeherrschend waren. In praktisch allen anderen Ländern hatten Typ I die Nase vorn.
Somit haben besonders die Japaner erheblich mehr Typ I Cassetten als Typ II Cassetten verkauft.
Den Stellenwert der Typ I Bänder für die Japaner sieht man auch gut an den angebotenen Modellen. Die großen Japaner hatten schon recht früh zumeist mindestens drei verschiedene Qualitätsstufen im Program.
Maxell, Sony und TDK später auch in einigen Jahrgängen sogar 4 bis 5 verschiedene Typ I Bänder.
TypIV Bänder spielten Umsatzmässig keine große Rolle. In Europa lag der Anteil an der Gesamtmenge der verkauften Leercassetten Ende der 80er/Anfang 90er bei etwa 2% . Das dürfte weltweit nicht großartig anders gewesen sein.

Oli

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116

Samstag, 7. Juli 2018, 08:53

Das kann ich für Schweden so bestätigen: Typ-II-Modelle bis Ende der 80er Jahre findet man fast überhaupt nicht, abgesehen von BASF Chromdioxid II, die um 1981-82 herum mal stark beworben wurden. Selbst die einheimisch produzierten Track 2 muß man suchen wie die Nadel im Heuhaufen.

Bei Typ I dagegen ist die ganze Palette vorhanden, wobei gefühlt sogar mehr der höherwertigen Versionen als von den Einstiegsmodellen verkauft wurden. Also mehr Maxell UD/UD I als LN/UL/UR, mehr TDK AD als D, mehr Sony HF-ES als HF (die HF-S gab es zwar, taucht aber seltener auf), mehr Philips UF-I als FE-I, mehr "rote" und "grüne" BASF LH als "gelbe" (die verschiedenen Modelle mit den sperrigen Namen wurden hier in der Werbung geschickterweise mit ihren Farben bezeichnet, was sogar in Testberichten so übernommen wurde), mehr Fuji ER/FR als DR, mehr Agfa Superferro als Ferrocolor. Den alten Preisschildern nach zu urteilen waren die Superferro-Bänder auch vergleichsweise günstig, sie kosteten kaum mehr als die Einstiegsmodelle. Und das finde ich schon bemerkenswert - in anderen Typ-I-Märkten waren doch eher die Basismodelle dominierend, teilweise sogar die Sub-Basis-Versionen wie Sony FN/EF, TDK A und ähnliche. Die kommen hier so gut wie gar nicht vor.

Eine weitere begeisterte Typ-II-Nation waren die USA, allerdings etwas später als Deutschland. Etwa Anfang-Mitte der 80er Jahre lieferten sich vor allem TDK und Maxell, die beide auch vor Ort produzierten, einen harten Wettbewerb zwischen SA und XL II. Das strahlte auch auf die anderen Hersteller ab, und beim allgemeinen Cassettennutzer-Volk hatte sich herumgesprochen: "Typ II = besser".

Ich denke, genau aus diesen Gründen kommen die meisten Nachfragen an NAC und RTM, ob sie denn nicht auch ein Typ-II-band produzieren wollen, just aus den USA und aus Deutschland. Der Rest wäre schon zufrieden mit einem guten Eisenoxid.

Viele Grüße,
Martin

117

Samstag, 7. Juli 2018, 10:03

Gegenüber Echtem Chromdioxid hat Typ I ja auch gerade im mobilen Betrieb einige Vorteile:

Erstmal kann Ihnen Witterung kaum was an haben, hinzu kommt, dass man die besseren Typen teilweise pervers laut aussteuern kann und selbst wenn die Pegelanzeige schon kompressorartiges Verhalten vermuten lässt fällt es bei Popmusik meistens nicht auf. Im mobilen Betrieb ist das ein großer Vorteil, da Autoradios, Walkmans oder Ghettoblaster lautstärketechnisch meist eingeschränkt sind, mit Chromdioxid verschenkt man da oft Einiges an maximal erreichbarer Lautsärke.

Heute nutze ich ausschließlich Spitzenmodelle, meinen Sharp GF 9000 traue ich mich auch im Freien nicht voll aufzudrehen, da kommt man auch mit Chromdioxid zurecht, aber damals hätte ich mir das nicht leisten können, mit 16 hatte ich einen kleineren Hitachi von meiner Tante übernommen und später einen Sharp GF 8787 bei eBay gekauft, da war sie Lautstärke sehr begrenzt und damit auch Höhe Pegel auf der Cassette sehr wichtig. Ich bin ja 86 geboren und in den 90ern aufgewachsen. Da hat Panasonic die besten und größten Ghettoblaster gebaut, aber 1200 Mark für so einen RX DT 75 oder Ähnliches hätte ich Niemals zusammen bekommen, abgesehen davon dass die Dinger potthässlich waren - aber gut waren sie. Naja da gabs das Pegelproblem ja schon nicht mehr, weil sich Chromsubstitut längst durchgesetzt hatte.

Ansonsten kann ich mir das eigentlich nur dadurch erklären, dass die Typ I Bänder eben günstiger waren. In USA gabs ja dann die Memorex HB II, da habe ich leider nur wenige von, aber ich finde, das ist ein hervorragendes Band, sehr rauscharm, lässt Höhe Pegel zu und die Gehäuse sind sehr steif und robust, die waren glaube ich sehr günstig, da kommt kein Typ I Band ran, nur der Andruckfilz ist ein Bisschen doof, wenn die altern. Und die SA und XL II waren ja irgendwann mal auch sehr günstig zu haben. Eigentlich braucht man dann Typ I nur noch bei billigen Recordern, man hört’s halt immer in der Brillianz.

LG Tobi

118

Montag, 9. Juli 2018, 12:05

Leisten konnten wir uns damals eher die untere Preisklasse... ich hab mir ca. 1996 einen Ghettoblaster für 1500 Schilling (in heutiger Kaufkraft ca. 150 Euro) im Supermarkt gekauft und das war schon pervers teuer für mich. Im Vergleich zu den Schuhschachteln die ich vorher hatte ein ziemlicher Qualitätssprung, immerhin schon ein echter Löschkopf und Wechselstrom-Vormagnetisierung) aber von gut kilometerweit entfernt. Aber was will man sich mit 10 leisten? Die Schuhschachteln waren wenigstens billig, eher ein Zehntel des Preises. EInmal hab ich auch eine teurere Grundig-Schuhschachtel probiert, sehr enttäuschend! Vor allem mechanisch sehr wenig stabil und das für wenn ich mich richtig erinnere um die 600 Flocken. Das war ein Grundig CR-105 bilde ich mir ein. Beim ersten ist nach wenigen Wochen(!) die Starttaste davongeflogen, beim zweiten (Garantie) nach einigen Monaten ebenfalls. Und nach einem Transport im Rucksack war die Kassettenfachklappe ein Haufen Splitter. Dass ich von den Aufnahmen teils nicht so begeistert war war allerdings wohl auch stark der Tatsache geschuldet, dass Geräte mit DIN nicht unbedingt die geeignete Quelle waren.

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Freitag, 27. Juli 2018, 20:52

De Bandjesfabriek hat nun ein Video hochgeladen, wo sie die RTM FOX C-60 mit anderen Bändern vergleichen:


https://www.youtube.com/watch?v=a5-mWgz12sg

Eine kleine Übersicht über die Ergebnisse wird bei ca. 6:00 eingeblendet. Ob das jetzt so aussagekräftig ist, ist die andere Frage...

Gruß
Robert

120

Samstag, 28. Juli 2018, 20:18

Auf Youtube bin ich über diesen Beitrag für das aktuelle Tascam Tapedeck 202 Mk VII gestolpert:

https://www.youtube.com/watch?v=eep1kLdaURA

Hier der Link zur Tascam-Seite:

http://tascam.com/product/202mkvii/

Ich musste ja fast weinen, als ich gesehen habe, was heute als Tapedeck angeboten wird. Für nur 499 US-$!

Mit technischen Daten, für die sich ein Deck für 350 DM 1990 geschämt hätte.

niels
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