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1

Friday, April 2nd 2010, 9:34pm

Hallo,

ganz allerliebst, diese alte Reklame:

http://www.youtube.com/watch?v=Lqvvu9ZZfmY

Gruß
Peter S.

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2

Friday, April 2nd 2010, 9:51pm

In der Tat, sehr liebevoll gemacht und unterhaltsam. :-)

Aber: Ist denn da was dran? Muss man Röhren wirklich regelmäßig tauschen, um ein Nachlassen der Klangqualität zu vermeiden? Die meisten Röhrengeräte aus den 1950er und 1960er Jahren, die heute noch in Betrieb sind, haben doch noch die Erstausstattung. Könnten die klanglich eigentlich viel mehr?

Matze

Unregistered

3

Saturday, April 3rd 2010, 8:21am

Röhren sind Verschleissteile.
Du hast eine Kathode die eine Elektronenemission hat. Diese wird über die Jahre schwächer.
Warum das so ist, wissen die Röhren Experten. Es hat was damit zu tun, das sich in der Röhre ja Elektronen bewegen. Dadurch bewegst du quasi Materialspuren durch die Röhre, wodurch Ablagerungen entstehen, die den Elektronenfluss behindern.

Man sieht in dem Werbespot, das man für Jazz schwarze Röhren braucht. Hat sich ein Highend Hersteller dessen schon angenommen?

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4

Saturday, April 3rd 2010, 9:17am

Quoted

Matze postete
...
Man sieht in dem Werbespot, das man für Jazz schwarze Röhren braucht. Hat sich ein Highend Hersteller dessen schon angenommen?...
Nein, das wäre auch eher ein Fall für den Anti- Rassismus-Beauftragten. Oder die Macher des Filmchens wollten auf die meist schwarzen Stahlröhren hinweisen.

Mir hat man erzählt, dass eben durch die Emission die oberste Schicht der Kathode verarmt und dadurch Emission und Leistung geringer werden. Bei Bildröhren sieht man das sogar, das Bild wird flau. Da gab (gibt?) es Regenerationsgeräte, die bei Bildröhren die Kathode quasi freiblasen, damit für einige Zeit die Funktion wieder gegeben ist.

Bei Bildröhren gab es sogar systemerneuerte Röhren, bei denen nur das System im Hals erneuert und der Glaskolben samt Bildschirm weiter verwendet wurden.

Das war echtes Recycling, nur wußte das damals niemand.
Frank


Wer aus dem Rahmen fällt, muß vorher nicht unbedingt im Bilde gewesen sein.

Matze

Unregistered

5

Saturday, April 3rd 2010, 9:31am

Ich wusste schon das es Regenerationsgeräte und systemerneuerte Bildröhren gab.
Diese Regeneration ist wohl ein Spiel mit dem Feuer. Es musste ja "verkehrtrum" ein verhältnismässig hoher Strom durch die Elektroden getrieben werden und das ging wohl nicht immer gut. Systemerneuerte Röhren wurden wohl hauptsächlich als Ersatzteil verwendet.

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6

Saturday, April 3rd 2010, 10:30am

´
Ja, das konnte auch schiefgehen - und es gab noch die Top oder Flop Methode: Dicken Elko aufladen und an die entsprechenden Kontaktpins halten. Da war die Mortalitätsrate aber sehr hoch. Manche bauten auch einen Klingeltrafo ein und heizten mit 9V statt 6,3 V. Eine Zeit lang war das Bild auch wieder gut.
Frank


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7

Saturday, April 3rd 2010, 11:18am

Vor fast genau einem Jahr habe ich auch schonmal darauf hingewiesen:

http://forum2.magnetofon.de/f2/showtopic.php?threadid=9249

niels
Ich halte die analoge Aufzeichnung einer qualitativ gut erzeugten digitalen Aufzeichnung für unterlegen.
Aber jene macht mir mehr Freude.

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8

Saturday, April 3rd 2010, 5:18pm

In der Tat sehr schön gemacht.

Aber zwei Ungereimtheiten haben sich eingeschlichen.

Die alten, heiseren Röhren sind als Quetschfusstypen dargestellt, wie sie in den dreissiger Jahren üblich waren. Die neuen Röhren sind als moderne Rimlock- oder Novalröhren dargestellt, die Ende der vierziger, Anfang der fünfziger Jahre in Europa auf den Markt kamen. Ohne grösseren Umbau des Geräts wird dieser Austausch nicht klappen.

Überdies hat die Dame, die da an ihrem Telefunkenempfänger die Skala absucht, die Mittelwellentaste gedrückt, obwohl das Gerät bereits UKW empfangen kann.
Auf der Mittelwelle wird sich der Röhrentausch klanglich wohl kaum bemerkbar machen.

So, genug gelästert. Es macht trotzdem Spass, das Filmchen anzuschauen.

Gruss
TSF

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9

Saturday, April 3rd 2010, 5:53pm

´

Und was lernen wir daraus: Auch früher haben sich Marketingleute nicht unbedingt um Tatsachen gekümmert.

Womöglich wurde der Zeichentrickfilm vor dem Krieg begonnen und wegen Mangelwirtschaft -Röhren waren durchaus "kriegswichtig"- nicht vollendet. Und im Wirtschaftswunder haben die Telefunkenwerber den Griffel auf dem Stand der aktuellen Technik wieder neu gespitzt.

Dazu paßt auch, dass die in den 1950er- Jahren beliebte, aber in den tausend Jahren von 1933 bis 1945 verpönte "Negermusik" am Ende des Films zu hören ist, während am Anfang in der NS- Zeit akzeptierte Musik ertönt.
Frank


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10

Friday, April 9th 2010, 8:37pm

Moin leute,

schöner spot....:)

Zu der röhrenalterung weis ich durch viel suchen, lesen alter funkschau ausgaben (bei uns in der FH waren die alle hübsch gebunden vorhanden, seit der erstausgabe - ich hab da hinten stunden ja tage verbracht die zu lesen:) )
dies:

Röhrenalterung betrifft in erster linie die kathode bzw. heizung, dort werden die elektronen emitiert...ne anders sonst wirds zu komplitziert...

Bei Direkt geheizten röhren (alte Trioden und ein paar alte Penthoden) war der heizwendel auch gleich die kathode, und wenn die elektronen emission schwächer wurde (bzw. durch "vergiftung") ging auch sogleich die leistung der röhre in die knie.

Denn ist in gewissen grenzen ausgleichbar durch höheren heizleisung, kann aber passieren das der heizfaden dann durchbrennt.

Die 845 beispielsweise hat (wie viele leisungstrioden aus den 1930ern) thoriertes wolfram (keine ahnung ob das jetzt richtig geschrieben ist - heißt so in den datenblättern: thoriated tungsten)
und ist gegen überheizung sehr empfindlich.

Da gibt´s einen schönen artikel dazu:

http://www.antiqueradios.com/chrs/journal/rejuvenation.html

Beim jogi gibt´s da was dazu (in deutsch):

http://www.jogis-roehrenbude.de/Regenerierer.htm


Da gabs auch noch eine quelle mit einer sehr viel sanfteren metode,
die ich hier immer mal wieder mit meinen sehr modifizierten philips EL6415 bzw. 6425 anwende.

Bei abgeschalteter hochspannung werden die röhren mit 9V heizspannung geheizt, aber vorher sollten die schon warm sein, sonst kann es passieren das der faden durchbrennt- oder langsam hochfahren) Die dort verwendeten EL36 röhren glühen dann schon recht hell, aber anscheinend vertragen die das gut, denn ich mach das hier jetzt schon seit ich den ersten dieser amps aufgetan habe. Die endröhren gaben damals nämlich fast gar nichts mehr her. und ich stand vor der wahl, einen neuen satz (4 stk bei dem 6425) reinstecken, oder mit den alten rumprobieren.

Konnte also nichts passieren ausser, das die das nicht mitmachen und ich dann sowieso neue einsetzen muss.

Dann hab ich, wie da in der anleitung stand dei heizspannung langsam um die hälfte erhöht um die kathode "freizubrennen" denn da lagern sich bei den indirekt geheizten röhren sauerstoff atome an und vergiften das barium oder thorium.

Wie auch immer, es wird davon ausgegangen, das im kathodenmaterial noch genügend barium oder thorium vorhanden ist, es muss nur an die oberfläche, also muss der niederschlag weg. Der kann "abgesaugt" werden, oder einfach in die "luft" geblasen werden. das getter nimmt sich dann schon derer an, es muss nur heiß genug sein, damit es arbeiten kann und es braucht zeit um alles "einzusammeln"

Das geht mit ordentlich leistung auf der röhre (funktioniert nur leider nicht bei schwachen typen - und ist auch der primäre grund für das röhrenende - ein teufelskreis) oder durch überheizung und damit genügend hitze um das getter arbeiten zu lassen.

Letzteres hab ich hier schon zig mal angewandt, immer wenn der hörbar an leistung verloren hat, heiz ich den mit 9V über ein paar stunden (nur heizen!!)
Und dann sind die EL36 wieder auf der höhe.
Um mal einen vergleich zu haben, hab ich mir mal einen neuen satz zugelegt. Und siehe da, diese alten dinger (die original-bestückung, wie ich vom vor(und erst)besitzer weis, kommen auf immerhin 80% der leistung die der amp eigendlich so können müsste, und im vergleich, ist dann der andere kanal zwar lauter, aber klingt nicht anders. (die 64x5 sind mono ich hab 4stück)

Das spart unheimlich und ich hätte anfangs nie gedacht das es so gut funktioniert - aber es klappt.
Ich hab die jetzt schon bestimmt 5 jahre hier laufen (täglich) und es sind immernoch die röhren drinne, die schon drinn saßen als ich die bekam....

@TSF:

Quote: Ohne grösseren Umbau des Geräts wird dieser Austausch nicht
klappen.
/Quote

Naja es gab in der hochzeit der röhren, umsockelgeschichten, für austauschtypen mit anderen pinouts (neudeutsch für anderen sockel)

So konnten für EF41 (glaub ich war das, erschlag mich jetzt nicht falls das doch ne andere rimlock F-type war) ne EF86 eingesetzt werden, verausgesetzt der platz nach oben war vorhanden, ich hab son dingens mal in nem alten radio gesehen und mich erst gewundert was das ist.

Da steckt in der rimlock fassung des chassis ein stecker(der sockel) dann kommt ein kurzer zylinder (mit der verdrahtung drinn und ggf. anpassungswiderstände) dann eine novalfassung - darin steckt dann z.b. eine EF86.

Betreff schwarze röhren:

Es gibt NOS 6V6GT typen von reflector, die sind wirklich so komplett bis zum sockel schwarz, sieht fast wie geschwärztes glas aus,
Ich meine sogar das meine hammond M3 jetzt jazziger klingt ;)

Beste grüße,
AmImaX

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11

Friday, April 9th 2010, 9:58pm

Hallo AmImax,

Du hast natürlich recht mit Deinem Hinweis auf die Möglichkeit der Verwendung von Sockeladaptern wie von Dir beschrieben. Das klappt zum Beispiel besonders gut, wenn man mit einer EF86 eine EF40 ersetzen will (40, nicht 41 ;) ; aber keine Angst, ich bin ein friedlicher Mensch ;) ). Diese beiden Röhren sind elektrisch identisch, der Hauptunterschied liegt tatsächlich in den verwendeten Sockeln.
Ein anderes Beispiel ist der Ersatz der manchmal horrend teuer angebotenen ELL80 durch zwei EL95 mittels eines "Zwei-in-einen"-Sockeladapter. Auch das klappt gut, weil die ELL80 einfach zwei EL95 in einem Glaskolben enthält.

Was Telefunken da vormacht, sieht schon schwieriger aus, weil die Quetschfuss- und Rimlock- bzw. Novaltypen unterschiedliche Kennlinien haben dürften. Bei einem deutschen Gerät mit Quetschfussröhren kommt noch hinzu, dass die mit 4 V beheizt wurden, die modernen Typen mit 6,3 V. Da muss schon etwas mehr gelötet werden.

Als Bastlerprodukt bzw. Einzelanfertigung von Reparaturwerkstätten sind mir solche Sockeladapter bekannt. Sie dienten in der Regel nicht der Klangverbesserung, sondern dem Ersatz einer nicht mehr zu beschaffenden Type durch eine andere. Dass sie auch industriell gefertigt wurden, um mit wenig Aufwand den kompletten Röhrensatz eines Empfängers von alten auf neue Typen umzurüsten wäre mir neu.

Aber vielleicht weiss da jemand mehr drüber?

Gruss
TSF

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Saturday, April 10th 2010, 1:53pm

Hallo,
ich meine einen allem Anschein nach industriell gefertigten Umsockler gehabt zu haben, vielleicht gab es die für kommerzielle/militärische Geräte.

Der Zeichner des Werbefilmchens könnte Hans Fischerkoesen gewesen sein, bei diesem Benzinwerbespot hat er den Gerätschaften ebenfalls Gesichter verpasst, die den auf den Röhren ziemlich ähnlich sind: http://www.youtube.com/watch?v=W2qxHEAnQ2Y

Gruß
Peter S.

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13

Sunday, April 15th 2018, 3:36pm

Kein Werbefilm, sondern ein Film, der den aufwendigen Herstellungsprozeß einer Röhre zeigt, am Beispiel der in den fünfziger Jahren in Radios und vor allem Fernsehempfängern weitverbreiteten Type EF80 (in englisch):
https://www.youtube.com/watch?v=dErsA6wFmlM

Wer alles in Ruhe nachlesen (ebenfalls in englisch) und auf Photos anschauen will, findet einen Artikel darüber hier:
http://www.r-type.org/articles/art-019.htm

Gruß
TSF