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Thursday, May 18th 2006, 11:02am

Viele deutsche Geräte der 60er und 70er Jahre waren ausgesprochen wertig verarbeitet, kamen mit Holz- oder sogar Metallgehäuse daher - und hatten dennoch 'nur' Kunststoffregler/-schalter etc.

Wer so klotzt und scheinbar an nichts spart, sollte einen trifftigen Grund dafür haben, KS einzusetzen. Ich tippe mal darauf, dass die übervorsichtigen Ingenieure durch die Verwendung von KS-Schaltern die Gefahr eines Stromschlags verringern wollten...

Was meint ihr dazu?

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Thursday, May 18th 2006, 12:07pm

´
Meinst Du da die Bedienelemente, die vorne herausstehen, oder die Ausführung der eigentlichen Einsteller im Geräteinneren?

Bei Letzteren wird man sich neben dem Preis danach gerichtet haben, was leicht und als Normteil zu bekommen war.

Die sehr solide wirkenden Schiebeeinsteller im Metallgehäuse wurden früher grade von asiatischen (Billig)Herstellern verbaut. Sooo teuer können die auch nicht gewesen sein.
Frank


Wer aus dem Rahmen fällt, muß vorher nicht unbedingt im Bilde gewesen sein.

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3

Thursday, May 18th 2006, 12:36pm

Als Nicht-Elektriker interessiert mich mehr das Äußere der Geräte...

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Thursday, May 18th 2006, 1:50pm

In der Anfangszeit der Rundfunk- und Fernsehindustrie baute man "Allstromgeräte" ohne galvanische Netztrennung, bei ihnen lag Spannung am Chassis und somit an den Schalter- und Potentiometerachsen.
Kunststoff ist hierfür ein idealer Isolator und außerdem läßt er sich mittels Spritzform in jede belibige Form bringen. Man kann ihn einfärben oder lackieren, sogar galvanisch verchromen oder anderweitig veredeln.

Ich denke es war und ist für diesen Zweck eine der idealsten Erfindungen.

Metallknöpfe sind elektrisch leitend, was nicht unbedingt positive Auswirkungen haben muß, sie fühlen sich kalt an und müssen spanabhebend hergestellt werden, was den Kostenfaktor unnütz erhöht.
Äußerlich kann man heutzutage einen Plastikknopf nicht mehr von einem Ganzmetallknopf unterscheiden.

Bernd

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Friday, May 19th 2006, 1:03pm

Moin, moin,

die Antwort auf Andreas' Frage sehe ich viel profaner, als in technischen Erfordernissen:

Zu Beginn der Kunststoff-Verarbeitung war es eine Image-Frage. Der Weerkstoff war neu und modern. Also hat man ihn verwendet. Also hat man versucht, sich durch seine Verwendung von der Konkurrenz abzuheben.

Dazu kam, daß man das Argument der Gewichtsersparnis mit dem Kunststoff verbinden konnte.
Natürlich ist das im Verbindung mit einem Holz- oder Metallgehäuse eher eine Stilblüte. Aber ich rede ja auch nicht von der Realtität, sondern von Werbung.

Schließlich ging es spätestens ab den Siebziger Jahren um den Preiskampf zwischen Europa und Asien. Es war einfach schneller und billiger möglich, Kunststoff-Fertigteile herzustellen, als Metall-Teile, für die im Zweifel auch mehr kostenintensive Handarbeit erforderlich war.
Die deutschen Hersteller waren (und sind) stolz auf ihre Fähigkeit, Kunststoffe zu verarbeiten und haben diese Fähigkeit genutzt, eine Vielzahl von individuellen Teilen herzustellen. Die runden Formen der Spät-70er-Jahre Philips oder Grundig wären in Metall einfach kaum möglich gewesen.
Ich habe in einem anderen Thread darauf aufmerksam gemacht, wie sich die Kunststoff-Teile der Sojuz 111 von denen einer Grundig TS-925 unterscheiden. Genau hier lag der Stolz der deutschen Hersteller begründet. Man hat Formen Realisiert, die die Japaner nicht boten.

Schließlich und endlich ist die Wertung, die wir mit der Materialfrage verbinden sehr subjektiv.
Es klingt gerne an, der "billige" Kunststoff sei weniger wertig. Für die masse der Käufer des Millionenartikels Tonbandgerät war das aber kein Thema.
Zudem war die Lebenserwartung einer Bandmaschine ja auch nicht auf Jahrzehnte angesetzt, sondern auf wenige Jahre. Dann sollte der Kunde gefälligst neu kaufen. Und das Instrument ihn davon zu überzeugen war die "Modernität", die "Neuerung" und das "neue Design". Vor allem letzteres war halt in Kunststoff leichter immer wieder neu umzusetzen.

Tschüß, Matthias
Stapelbüttel von einem ganzen Haufen Quatsch

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Friday, May 19th 2006, 9:54pm

Soviel ich weiß, hat sich der Kunststoffknopf seit dem ersten Tag der Radioindustrie etabliert. Mir sind bis heute nur wenige Hersteller bekannt, die reine Metallknöpfe einsetzen, wobei mir der Grund dafür nicht so recht einleuchtet. Welchen Vorteil sollte ein Ganzmetallknopf haben? Verkörperung von Wertigkeit?

Bernd

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Saturday, May 20th 2006, 10:41am

Das mit der Wertigkeit ist so eine Sache. Obwohl HiFi-Geräte für mich eigentlich nie genug Metall haben können, gebe ich gut gemachten Kunststoffreglern gelegentlich den Vorzug.

Bestes Beispiel: Die TEAC A-2300 und A-3300.

In der alten S-Ausführung hatten sie noch Metallreglerknöpfe, deren Wertigkeit wohl außer Frage steht. Die Reglergarnitur ist so schwer wie bei Philips eine ganze Bandmaschine. :-)



Allerdings kann ich nicht behaupten, daß diese Regler besonders anfassfreundlich sind. Und die Optik? Geschmackssache.

Ob bei der Umstellung zu Kunststoffreglern bei den Nachfolgemodellen, also der -SX-Ausführung solche Überlegungen eine Rolle gespielt haben oder ob Kosten entscheidend waren, weiß ich nicht, aber diese Reglerknöpfe halte ich für die besten, die an Bandmaschinen je verbaut wurden.





Sie sind griffig, sehen gut aus und wirken (ganz im Gegensatz zu den Reglern vieler Akai-Modelle - leider!) überhaupt nicht billig.

Nicht optimal dagegen finde ich die konzentrische Anordnung der Regler für den linken und rechten Kanal, aber das ist ein anderes Thema.

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Saturday, May 20th 2006, 4:47pm

Metallknöpfe sind doch auch oft nicht komplett aus Metall. In vielen Fällen ist nur das Sichtbare aus Metall, die Befestigung ist meist aus Kunststoff, da es einfacher ist die Lamellen gleich mit dem Plastik zu gießen, als innen in einen Metallknopf zu fräßen.
Grüße,
Wayne

Weil immer wieder nachgefragt wird: Link zur Bändertauglichkeitsliste (Erfassung von Haltbarkeit und Altersstabilität von Tonbändern). Einträge dazu bitte im zugehörigen Thread posten.

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Sunday, May 21st 2006, 4:03pm

Quoted

capstan postete
Äußerlich kann man heutzutage einen Plastikknopf nicht mehr von einem Ganzmetallknopf unterscheiden.

Bernd
Hallo,

das finde ich nicht. Aus der Entfernung kann man das vielleicht nicht mehr
unterscheiden, aber wenn man die Dinger anfasst! Ich persönlich mag die
klassischen Knöpfe lieber. Voll-Alu ist ja bekanntlich sehr selten, die meisten
haben, wie schon hier bemerkt, Kunsstoffkerne. Da ist die Innenverzahnung
einfacher herzustellen. Aber je dicker der Alu-Mantel, desto kälter fühlt sich
der Knopf an. Ausserdem hatten die "alten" schweren Knöpfe meines
Erachtens den Vorteil, dass die Poti-Achsen meist präziser geführt wurden.
Da wurden nämlich oftmals die Führungshülsen der Poti-Achsen auf der
Gehäusefront verschraubt - so etwas entfällt heute bei den meisten
Geräten.

Ein, wie ich finde, aktuelles Negativbeispiel durfte ich unlängst an einem
neuzeitlichen TEAC-Amp sehen. Wie gesagt - aus 2 Metern Distanz betrachtet
`ne tolle Optik aber beim Betätigen des Vol.-Potis "schwankt" der Knopf,
da keine Führung vorhanden ist und `ne Kunsstoffachse im Inneren des
Gerätes verschwindet. So was nenne ich "pofelig"!

Letztendlich kommt es natürlich auch auf die Qualität des Potis selbst an und
da waren die "Klassiker" nicht unbedingt immer besser.
Time flies like an arrow. Fruit flies like a banana. (...soll Groucho Marx gesagt haben, aber so ganz sicher ist das nicht...)