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Friday, November 6th 2015, 12:26am

DSP, Klangregelung oder "linear" in den Klangsumpf?

Moin, moin,

vor einigen Monaten hatte ich mich auf einer HiFi-Messe herumgetrieben und kam dabei in den mehr oder weniger Genuss, mir Lautsprecher anzuhören, zumindest auch immer mit anzuhören.
Kaum ein Verkäufer, der nicht über die Akustik der Vorführ-Räume meckerte. Kaum ein Propagandist, der nicht immer wieder an seinem DSP fummelte. Einer zeigte mir, was er so alles eingestellt hatte und wies darauf hin, welche Schwächen in der Akustik sich nicht ausmerzen ließen ... Trotz DSP
Was tut DSP also eigentlich? Tut es wirklich etwas? Oder tut es nur so, als wenn es etwas täte?

Im Folgenden formuliere ich ein paar eigene und fremde Gedanken zu dem Thema und möchte jene, die sich auskennen! auffordern, zu antworten. Vielleicht könnt Ihr uns ja erhellen.


Was ist das eigentlich, DSP?
Unter Heim-Kino-Freunden ist die Antwort einfach: "Das ist in meinem AV-Receiver drin". Manche wissen zu erzählen, das verbessere den Klang, das wäre in der Lage, sämtliche akustischen Probleme eines Raumes auszuschalten. Hallelujah!

Tatsächlich bedeutet "DSP" zunächst nichts anderes als "Digital Signal Processor", hat nichts mit "Audio" zu tun und meint einen auf die zeitkritische Verarbeitung von definierten Signalen optimierten Rechner. Die Verarbeitung erfolgt nach vorgegebenen Methoden, wobei zeitkritisch in diesem Fall meint, das die Synchronizität der ausgegebenen Daten jener der Eingabe entspricht.
Ein DSP kann in der Messwert-Verarbeitung ebenso zu Einsatz kommen, wie in der Grafik-Verarbeitung. Wer heute MPEG-Player benutzt, der benutzt ein DSP.

Im Audio-Bereich meint DSP die Verarbeitung von Audio-Signalen ebenfalls nach vorgegebenen Methoden und in synchroner Weise. Es wäre ja auch ärgerlich, käme der letzte Takt eines Orchester-Werkes vor dem ersten aus dem Ohrhörer des MP3-Players.

Letztlich ist der Chip einer Soundkarte nichts anderes als ein DSP. Letztlich ist ein Video-Chip einer Grafikkarte nichts anderes als ein DSP. Und inzwischen gibt es solche DSP auch als Erweiterung herkömmlicher CISC- oder RISC-Prozessoren. So wie die "DX" einstmals "mathematische Co-Prozessoren" eingebaut bekommen hatten.

Übrigens sind die Methoden der digitalen Klangverarbeitung schon etwas länger bekannt. In früheren Zeiten wurden diese Methoden mit Hilfe ganzer Batterien von Chips angewandt, so dass man eine Verarbeitung erst einmal hatte fertig stellen müssen, bevor das Ergebnis abgespielt hatte werden können.
Heute sind die DSP's kleiner und schneller geworden. Es ist aber keinesfalls so, dass ein aktueller DSP grundsätzlich mehr oder gar bessere Methoden kennen würde, als ein zehn Jahre alter Chip.
Gesteigert hat sich bestenfalls der Standard der Verarbeitungsgeschwindigkeit, nicht irgendeine "Qualität". Wenn heute mehr Qualität im Stream möglich ist, dann liegt das weniger an neuen Methoden, sondern eher daran, dass die schnelleren Chips die höhere Auflösung schneller berechnen, also einen höher aufgelösten Stream produzieren können.


Was heute unter DSP verstanden wird, ist im Audio-Bereich ein Prozessor, dessen Konstruktion auf die Verarbeitung von Audio-Signalen optimiert ist. Er benötigt keine umfangreiche Software, damit er lernt, was er tun soll, wie das bei einem Hauptprozessor eines Computers der Fall ist. Er ist ein Rechenbüttel, bei dem man oben etwas hinein schmeißt, und unten kommt etwas Verarbeitetes heraus. Die Zahl der Methoden, die er kennt, ist - im Vergleich zu einem "Hauptprozessor" - gering; dafür kann er das wenige, was er kann, schneller als eine CPU.
Und er stellt die von ihm verarbeiteten Daten immer in dem zeitlichen Zusammenhang am Ausgang bereit, in dem man die Roh-Daten in seinen Eingang geschickt hatte. Und wenn er überlastet ist, dann ruckelt das Bild plötzlich, wird der Film langsamer. Aber Musik und Bild werden zumindest gleichermaßen langsamer ...

Ein DSP-Soundchip ist in der Lage, auf eine digitale Datenbasis bestimmte Filter anzuwenden. Er kann Frequenzbereiche verstärken und abschwächen. Die Flankensteilheit bei der Anwendung des Filters kann nahezu beliebig definiert werden. Er kann dies mehr oder weniger Phasen-neutral tun oder "bewußt" in die Phasenlage eingreifen. Ein DSP kann aber beispielsweise auch definierte Signale aus einem Stream heraus rechnen.
Im Prinzip kann ein Digitaler Signalprozessor mit der digitalen Datenbasis eines zum Beispiel Musik-Signals alles mögliche tun; schließlich sind es nur noch Zahlen beziehungsweise Schaltungs-Zustände, mit denen er rechnet. Was "Musik" ist, weiß er nicht: Er wendet Algorithmen an. Er kann im Prinzip bekannte Fehler der Wiedergabe-Anlage ausmerzen und er kann im Prinzip auch bekannte Fehler eines Wiedergabe-Raumes ausmerzen.
Was er nicht kann ist feststellen, was zu tun ist. Was er nicht kann, ist kontrollieren, ob er - nach irgendjemandes Ideal - das richtige getan hat. Dieses vermeintliche Ideal berechnet er mit der gleichen Inbrunst, wie völliges Chaos.


Und hier sind wir wieder bei dem AV-Receiver, von dem manche Heim-Kino-Begeisterte berichten: Bei dem sei nämlich ein Mikrofon beigegeben. Das schließt man an, lässt ihn ein paar Minuten allein, wärend er die angeschlossenen Boxen zum Piepen und Rauschen anregt, und dann darf man den optimalen Sound genießen. Darf man?

Als ich mir kürzlich ein Computer-gestütztes Meß-System gekauft habe, war dem ein Meß-Mikrofon beigegeben. Danke Herr Lieferant. Und auf der Verpackung dieses Mikrofons fand sich eine Kurve, die vom Lieferanten des Sets hergestellt worden war, die die Charakteristik des Mikrofons, bezogen auf die Empfindlichkeit im relevanten Frequenzbereich (20 Hz - 20 kHz), zeigt.
Außerdem liegt dem Meß-System eine Anleitung vor, was man tun muss, würde man, anstatt des mitgelieferten, ein anderes Mikrofon zu Meßzwecken einsetzen wollen. Das System will geeicht werden!
Übrigens kostet ein professionelles Meß-Mikrofon immer noch mehrere tausend Euro und will unter definierten klimatischen Bedingungen aufbewahrt und benutzt werden. Nutzt man ein anderes, und betreibt das nicht unter den optimalen Bedingungen, dann muß dessen (entstehende) Charakteristik von dem DSP aus den ermittelten Werten herausgerechnet werden! Und dafür müsste man ihm das Mikrofon bekannt machen, damit er weiß, was er raus rechnen soll.

Die erste Frage, die ich mir stelle, lautet also, ob das Mikrofon, das einem AV-Receiver beigegeben war, einzeln vermessen und dem Reeceiver individuell bekannt gemacht worden war; so wie mein Meß-Mikrofon. Oder ob der Hersteller hofft, dass die von ihm beigegebenen Mikrofone sich innerhalb bestimter Toleranzen verhalten. Und wenn dem so sein sollte, dann frage ich mich, wo finde ich eigentlich geschrieben, welche Toleranzen der Lieferant des AV-Receivers akzeptiert und was bedeutet das für das Ergebnis der Einstellung des Receivers?

In der Realität scheint es mir, ist den meisten AV-Receivern zwar ein Mikrofon beigegeben, jedoch kein Mikrofon-Stativ. Auf diese Weise wird die Messung eher nicht auf Ohrhöhe, über der Sitzfläche der Couch, sondern eher unmittelbar über dem Couch-Tisch vorgenommen werden.
Die bestmögliche Abhör-Position ist dann also die mit abgenommenem und auf dem Tisch abgelegten Kopf. Wer einen ausziehbaren Tisch hat, hat Glück: Der setzt sich "unter" den Tisch und steckt den Kopf zwischen die auseinander gezogenen Platten hindurch. Allerdings sind dann die Reflexionsverhältnisse möglicherweise schon wieder andere, als bei zusammengeschobenen Platten, und die Einstellung des Receiver funktioniert nicht wirklich.

"Ich brauche die Automatik nicht, ich stelle nach Ohr ein", wird mancher antworten. Das man irgendetwas "nach Ohr" einstellt, will ich nicht bezeifeln. So erklärte mir vor einigen Jahren ein betagter RF-Techniker-Meister, er würde die Einmessung von Bandgeräten "nach Ohr" vornehmen. Danke.
Das Problem ist, das Belohnungszentrum unseres Gehirns hängt nicht unmittelbar an den Ohren. Dazwischen sind andere Teile des Gehirns, die gelernt haben, das Angebotene zu interpretieren und so aufzubereiten, dass auch die Bereiche des Ego etwas damit anfangen können, die nicht nur des Genusses wegen Lautsprecherboxen oder Tonbandgeräte betreiben.
So ist die Wahrnehmung der Positionierung der Phantomschallquelle einer Stereo-Wiedergabe nicht in erster Linie von den Ohr-Signalen abhängig. Denn Ohren sind, zumindest indirekt, beweglich! So wendet der Zuhörer schon einmal den Kopf um die Laufzeit-Differenzen von zwei Signalen zu seinen meist unterchiedlichen und unterschiedlich gelegenen Ohren auszugleichen, und somit die Phantomschallquelle in seiner Wahrnehmung in der Mitte zu positionieren. So orientiert sich der Mensch nicht nur an dem Gehörten, sondern meist auch an einem zeitgleichen visuellen Eindruck, der nicht notwendig etwas mit dem Gehörten zu tun haben muss. Wenn er also exakt an der Spitze eines Stereo-Dreiecks sitzt, die gehörte Phantomschallquelle tatsächlich in der Mitte ist, aber der Fernseher zwischen den Boxen - oder der Kamin, oder die Striptease tanzende Frau des Nachbarn - etwas dezentral steht beziehungsweise tanzt, dann scheint ihm die Phantomschallquelle plötzlich nicht mehr in der Mitte.

Versuche an der Fachhochschule Würzburg haben ergeben, dass zwei ursprünglich gleiche Signale - eines unbearbeitet, das andere bearbeitet - unterschiedlich oder eben nicht unterschiedlich wahrgenommen werden können, je nachdem, ob beim Umschalten zwischen den Signalen eine Pause entsteht. Ohne Pause haben viele Probanden keinen Klangunterschied mehr wahrgenommen.
Sind wir also wirklich in der Lage, einen DSP "nach Ohr" einzupegeln?


Bei der Verwendung eines DSP zur Anpassung einer Übertragungsanlage auf den Hörraum gibt es zwei Anforderungen. Die erste besteht aus der Entscheidung über die angewandte(n) Methode(n), die zweite aus der Messung der Situation und aus der meßtechnischen Überprüfung des Erfolgs. Es gibt allerdings noch eine Dritte Problemstellung: Und die heißt, wie sieht eigentlich das zu erreichende Ideal aus?

Wenn man einen "idealen" Studiomonitor im Freifeld oder im schalltoten Raum misst, dann wird der eine möglicherweise glatte Frequenzgang-Kurve zeigen. Stellt man den selben Lautsprecher in einem wie auch immer gearteten (anderen) Raum auf, wird sich die gemessene Frequenzgang-Kurve extrem verändert zeigen. Und das, ohne dass am Lautpsrecher oder an der vorgeschalteten Anlage irgendetwas geändert worden wäre.

Ein menschlicher Operateur hätte nun die Möglichkeit ein DSP so immer wieder neu einzustellen, dass am Ende ein bedarfsgerechtes Ergebnis herauskommt, das seinen (!) Vorstellungen entspricht. Dieses Ergebnis lässt sich nicht nur meßtechnisch, sondern auch mit den schon angesprochenen Ohren überprüfen. Denn wer hört zuhause schon die Musik nur mit einem Mikrofon?
Die Automatik eines modernen AV-Receivers kennt vorgegebene Zielwerte, kennt vorgegebene Methoden, entscheidet aufgrund der vorgegebenen Programmierung, welche Methoden bei welchem Zustand zu verwenden sind. Nicht zu vergessen, benutzt die Automatik auch vorgegebene Signale als Referenz, um die Einstellung zu optimieren.

Das Problem beginnt bei der Tatsache, dass Musik aus einem Schallwellen-Gemisch besteht, Meßtöne aber in der Regel aus einzelnen Sinus-Tönen oder mehr oder weniger gewichtetem Rauschen. Wissen wir überhaupt, was unser System einsetzt?
Bekannt ist das Phänomen von Interferenzen von Wellen, von der Anregung von Schwingungen durch Schwingungen anderer Frequenz und die sogenannten spektralen Verdeckungseffekte. Interferierende Wellen beeinflussen einander, lassen möglicherweise sogar neue Frequenzen entstehen. Dies wird am Ohr notwendig anders geschehen, als an einem selbst Kunstkopf-Mikrofon, weil die Form des Korpus und des Ohres, an denen ja Beugungen der Schallwellen auftreten, andere sind, als die des Mikrofons. Und an die Konsequenzen der eigenen Körperform sind wir als Norm gewöhnt. Haben wir uns also scannen und unsere biometrischen Daten in den AV-Receiver eingeben lassen oder stellt der nach Referenzwerten fremder Personen ein? Oder eben nur nach der Körperform eines langen, schlanken Mikrofons?
Spektrale Abschattungen haben zur Folge, dass bestimmte vorhandene Frequenzbereiche von anderen überdeckt werden. Sie werden nicht oder nur geringer wahrgenommen, solange die abschattenden Frequenzen im Gemisch auftreten. Auch hier ist der Effekt an unserem Ohr zumindest auch von der individuellen Körperform abhängig. Wenn wir jedoch einen Sinuston oder ein Frequenzgemisch anderen Mischungsverhältnisses für die Einmessung einsetzen, entstehen dann die Abschattung, die wir in der Musik wahrnehmen? Ist der DSP in der Lage, mit seinen Meß-Tönen bedarfsgerecht einzustellen?

Was ist überhaupt ein richtiger Zielwert? Während der schon erwähnte Studio-Monitor im Freifeld einen nahezu linearen Frequenzgang produziert hatte, wurde beispielsweise bei Versuchen der FHH Würzburg im IRT-Testraum festgestellt, viele Probanden würden bei einer solchen Abstimmung die Höhen als überbetont wahrnehmen. In Tests wurde daraufhin ermittelt, eine nach den hohen Frequenzen abfallende Schalldruck-Kurve würde akzeptablere Ergebnisse erzielen.
Die Frage ist nun, ist "akzeptabel" auch "ideal"? Und nach welchem Ideal stimmt die Automatik des AV-Receivers ab?
Haben Japaner das gleiche Ideal, wie Amerikaner? Früher leistete sich Sony mit Klaus Dotter ein "deutsches Ohr" für die Abstimmung der Lautsprecherboxen der eigenen Marke, die in Deutschland hatten verkauft werden sollen. Gibt es inzwischen ein allgemeines, "interkulturelles" Ideal? Und gibt es das wirklich oder ist das nur beschlossen worden?

Die Produktion von Live- und von Studio-Musik erfolgt üblicherweise unterschiedlich. So werden tiefe Frequenzen bei Studio-Aufnahmen oft nur monofon abgemischt, stehen also an beiden Kanälen einer Stereo-Wiedergabe phasengleich, bestenfalls in unterschiedlicher Lautstärke zur Verfügung. Diese Wellen kommen, schon wegen der größeren Wellenlänge, in Wohnräumen oft kohärent an den beiden schon erwähnten Ohren an, addieren sich also in der Wahrnehmung in der Lautstärke.
Anders sieht das bei kurzwelligen Signalen aus. Hier entstehen oft schon nach kurzer Laufzeit keine kohärenten Wellen mehr, so dass die Ohren, oder etwas dazwischen, die Emanation des linken und rechten Kanals selbst phasengleich abgestrahlter Signale nicht Lautstärke-mäßig addieren können.
Das hat zur Folge, würde man versuchen, einen linearen Frequenzgang per DSP zu erzeugen, dass die Ohren, beziehungsweise das Ego dazwischen, die tiefen Töne als überbetont wahrnehmen würde. Auch hier ergibt sich ein Bedarf, eben keinen linearen Frequenzgang zu erzeugen, sondern die Bereiche unter hundert Hertz abzuschwächen.
Kann die Programmierung des DSP das? Und entspricht das, was das DSP tut, den Vorstellungen des Musik-Produzenten?

Das Problem ist, die oben genannte Erfahrung gilt so nicht bei allen Musik-Produktionen. Wurde eine Live-Aufnahme mit mehreren Stützmikrofonen aufgezeichnet, dann gilt der Erfahrungswert (ca. 1,5 dB) für die Baßabschwächung nicht mehr, weil die Phasengleichheit im Tieftonbereich nicht mehr gewährleistet ist.
Erkennt also ein DSP den Musikgeschmack seines Herrchens? Und selbst, wenn der AV-Receiver die Musiksammlung selbst verwaltet: Gibt die "Plattenfirma" solche Daten an, so dass das DSP sie auswerten könnte? Ist das Meß-System in dem angewandten Verfahren in der Lage, solche Phasen-bedingten Eigenarten wahrzunehmen und darauf korrekt zu reagieren?

Wenn für einen bestimmten Raum und für eine bestimmte Frequenz eine Raummode entsteht, gibt es an definierbaren Stellen immer die gleiche Verstärkung bzw. Abschwächung dieser Frequenz. Das kann so weit gehen, dass an einer Stelle eben diese Frequenz gar nicht mehr hörbar wird.
Wie geht ein DSP damit um, welche Methode wählt es?
Nehmen wir an, die Auslöschung an einer relevanten Stelle läge nicht bei 100%, sondern nur bei 90%. Würde man jetzt den betroffenen Frequenzbereich einfach lauter abspielen, wäre erreichbar, dass auch an der betreffenden Stelle dieser Frequenzbereich wieder in normaler Lautstärke wahrnehmbar würde. Man darf dann allerdings den Kopf nie auch nur um ein paar Zentimeter bewegen und sollte an die Tür ein "Bitte nicht stören"-Schild hängen, weil an jeder anderen Stelle des Raumes der betreffende Frequenzbereich plötzlich lästig überbetont erschallen würde. Da wo die Summe aus verschiedenen kohärenten Wellen einander sowieso verstärken, würde die DSP-verstärkte Welle nun extrem höher addiert.
Hilft solch Verfahren wirklich?
Alternativ hat es sich inzwischen als praktikabel herausgestellt, den "gestörten" Frequenzbereich einfach ganz weg zu filtern, um eben die ungewollte Verstärkung zu vermeiden. Ist das der wahre Musik-Genuss?
Was tut das DSP? Nach welchen meßtechnisch ermittelten Kriterien tut es was?

Der vorher genannte Studio-Monitor wird vom Hersteller mit Meßwerten angegeben, die, auch wenn sie nicht im rechnerischen Nahfeld ermittelt worden sind, doch die Reflexionen eines wie auch immer gearteten "natürlichen" Raumes nicht berücksichtigen werden. Insofern ist auch die sogenannte "Directivity", das Richtverhalten der Abstrahlung der einzelnen Chassis und Chassisgruppen nur selten Thema. Bei Heim-Boxen sowieso nicht.
Ist das Richtverhalten unterschiedlich, bedeutet das, dass am selben Hörplatz die Verteilung von Direktschall und frühen Reflexionen, die lautstärkemäßig addierend wahrgenommen werden, für verschiedene Frequenzbänder unterschiedlich ist. Wenn dann auch noch die Reflexionseigenschaften des Raumes nicht frequenzlinear sind, wenn dann auch noch die Reflexionen der Äußerungen der linken und der rechten Box, bezogen auf das Frequenzgemisch, nicht übereinstimmen, wird die Situation noch schwieriger.
Ein DSP kann zwar, für einen bestimmen Frequenzbereich am Hörplatz, den Pegel reduzieren. Dies geschieht damit aber immer auch zu Lasten des Anteils an Direktschall, der für diesen Frequenzbereich das Ohr des Zuhörers erreicht. Das ist insofern ein Problem, als dass reflektierter Schall ja zeitversetzt eintrifft, somit die Zeitrichtigkeit, im Verhältnis zu anderen Frequenzbereichen, also zu anderen Tönen oder gar zu anderen Frequenzen des gleichen Tons, leidet. Es leidet auch die Impulstreue einer Wiedergabe. Auch nimmt das Ohr Änderungen bei hohen Frequenzen schon im Millisekunden-Bereich wahr, so dass eine Änderung der zeitlichen Zusammensetzung eines Schallfeldes zu einer Änderung der räumlichen Ortung für diesen Frequenzbereich führt. Die unterschiedlichen Frequenzen ein und des selben Klanges kommen plötzlich aus verschiedenen Richtungen.
Eine Reduzierung des Anteils an Direktschall zugunsten des Energie-ärmeren indirekten Schalls bedeutet auch, dass diese Anteile an dem Frequenzgemisch, das sich "Musik" nennt, leichter von anderen verändert werden können; vor allem, wenn diese Energie-reicher, mit höherem Anteil von Direktschall ausgestattet sind. Es kommt zum Beispiel leichter zu spektralen Abschattungen.


An dieser Stelle will ich vermeiden, dass der Eindruck entstünde, ich hätte etwas gegen DSP. Die Frage ist, ist ein in ein Konsumgerät "eingebautes" DSP überhaupt eine Verbesserung? Nicht in der Theorie, sondern in der Realität. Bekommt der Käufer oder Besitzer eines solchen Gerätes die notwendigen Informationen an die Hand zu entscheiden, ob dieses für ihn Sinn macht, ob er nicht lieber ein "anderes" DSP kaufen oder verwenden sollte? Oder gar keines.

Das Kaufverhalten für beispielsweise HiFi-Anlagen sah in Japan früherer Zeiten so aus, dass der Käufer selbstverständlich kaufte, was der Hersteller anbot. Schließlich war es die Aufgabe des Herstellers, das Richtige anzubieten. Erst Sony errichtete in den siebziger Jahren in Japan den ersten Vorführraum für HiFi-Systeme; ob dort auch Technics-Komponenten vorgeführt worden waren?
In den USA sollte der "HiFi-Standard" des IHFM beziehungsweise des IHF dazu dienen, dem Kunden vergleichbare technische Daten an die Hand zu geben, damit dieser - ohne hören zu müssen - entscheiden könne, welche Anlage für ihn die Richtige sei. Zu den geplanten Standards für Plattenspieler, Tonbandgeräte oder Lautsprecher ist es nie gekommen und selbst der Tuner-Standard blieb für immer auf dem Stand der späten fünfziger Jahre stehen. Was es gegeben hatte, war ein Verstärker-Standard gewesen. Verstärker reichen.
In Deutschland hatten die Gründer des DHFI die Idee gehabt, so etwas wie eine Mindestanforderng für eine Qualität vorzuschreiben. Dieser wurde zunächst einmal immer weiter abgesenkt, damit auch alle Hersteller und Importeure bereit waren, mitzumachen.

So etwas wie den "Klang" einer Anlage konnte der Käufer "analoger HiFi", egal, ob er im Versand, aus dem Regal des japanischen HiFi-Fachgeschäftes, aus dem Regal des deutschen Fernsehgeräte-Händlers oder aus der "Vorführung" des westlichen Kistenschiebers kaufte, in der Regel nicht erfahren, bevor er "seine" Anlage zuhause hatte.
Und wer gibt die teuer erkaufte Anlage schon zurück, nur weil sie nicht so klingt, wie im Konzertsaal. Zudem man sich schnell daran gewöhnt, wie sie klingt. Vor allem, wenn das gute Stück etwas Besonderes ist: teuer, exotisch, bunt, was auch immer. Vor allem, wenn man nicht wirklich eine Referenz hat. Vor allem, wenn man nicht weiss, dass es besser geht.

Insofern wäre es vermessen zu behaupten, die breite Einführung von DSP und einer Einmeß-Automatik in modernen AV-Receivern hätte einen Nachteil, zumindest bedeute im Vergleich zu einer analogen HiFi-Anlage, in der Realität beim Käufer, einen Nachteil.
Meine Frage ist, bedeutet sie tatsächlich einen Vorteil? Kann der "Vorteil", den sie bedeuten könnte, tatsächlich erreicht werden? Oder hat man in der Praxis nicht einfach nur einen dezenten Equalizer, um dessen Einstellung man sich nicht kümmern braucht - oder soll -, mit dem sich aber auch nicht protzen lässt? Hat man vielleicht sogar einen Equalizer, den man nicht versteht, weil man selber zu wenig Ahnung hat, ebenso wie der Verfasser der Anleitung und der Gestalter des Benutzer-Interfaces.

Anselm Goertz empfielt, ein DSP kann nur dann sinnvoll eingesetzt werden, wenn man es nicht auf einen dezidierten Hörplatz mit einer festgelegten Position des Zuhörers hin optimiert, sondern wenn man einen Hörbereich definiert und einen Kompromiss für die Einstellung des DSP durch die Mittelung der Mess-Werte erzielt.
Da bedeutet automatisch, dass es am Hörplatz selten den optimal erreichbaren Klang gibt. So ist das auch mit der "normalen" HiFi-Anlage. Anders herum bedeutet die optimale Einmessung eines DSP immer, die optimale Einmessung auf eine konkrete Hörposition. Auf den Zentimeter genau. Sie bedeutet also die Unterordnung der Wohn-Gestaltung unter die Anforderungen des Hobby Musik-Hören. So ist das auch mit der "normalen" HiFi-Anlage.

Solange mein DSP, das meine biometrischen Daten selbstverständlich gespeichert hat, nicht verfolgt, wo ich mich grade aufhalte, und entsprechend die eigene Einstellung dynamisch anpasst, frage ich mich, ob es überhaupt einen Sinn macht, DSP zu benutzen. Jedenfalls, wenn man Musik hören und nicht nur dudeln lassen will.
Auf der anderen Seite möchte ich eigentlich überhaupt nicht, dass mein DSP meine biometrischen Daten speichert und mich beobachtet ... verfolgt ... mir vielleicht sogar, als Gegenleistuing für die kostenlose Musik-Cloud, nicht nur stimmungsgerechte Musik auswählt, sondern auch gleich die passende Werbung dazu aussucht ... und die natürlich jedesmal etwas lauter regelt, damit ich sie nicht überhöre, und meine Reaktion an den Cloud-Betreiber übermittelt. Oder an den Provider, von dem ich das Smart-Phone habe, dessen App das DSP steuert ... Oder tut sie das etwa schon?

Tschüß, Matthias



Lesestoff:
Anselm Goertz, Michael Makarski - Interaktion von Lautsprechern und Raum im Tonstudio, 25. Tonmeistertagung, VDT International Convention, November 2008
Anselm Goertz, Dieter Leckschat - digitale Lautsprecherentzerrung, Referat im Rahmen des Neuheitenforums an der RWTH Aachen
Anselm Goertz, Markus Wolf - Neue Methode zur Anpassung von Studiomonitoren an die Raumakustik mit Hilfe digitalere Filterkonzepte, Teil 1+2, DAGA 2002
Johannes Kampert - Der Einfluss einer digitalen Lautsprecherentzerrung auf die Abhörbedingungen im Studio, Diplomarbeit vom 27.04.2005, FHH Würzburg-Schweifurt, IRT
Stapelbüttel von einem ganzen Haufen Quatsch

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Friday, November 6th 2015, 3:07pm

Hallo,

ich gehe nicht im Detail auf den umfangreichen Beitrag ein, nur einige Anmerkungen:

1. ein weites Feld...
2. @home sehe man zu, dass man seinen Raum nach Möglichkeit optimiere[1], bevor man mit DSP-Nachilfe rangehe.
3. Wenn nicht anders möglich, gehe man professionell ran, nehme Geld in die Hand und nutze Equipment und Erfahrung der Profis. Billiglösungen bringen m.E. nicht dauerhafte Zufriedenheit. Man braucht dann IMHO auch eine Lösung, die den Hörer nicht auf einen exakten Hörplatz "festnagelt".
4. Zu Messen gehe ich schon länger nicht mehr. Der Musikgenuss ist begrenzt, einen richtigen Eindruck von den Qualitäten der Anlagen bekommt man unter den dortigen Umständen eher selten. Und da nützen auch DSPs nicht, schon gar nicht bei Anlagen, die eigentlich ohne digitale Helferlein spielen sollten.

[1] Und die erste Optimierung ist m.E. die Aufstellung der Lautsprecher. Man hoffe dabei, dass die häusliche OHL nichts einzuwenden hat.
Das Drumherum:
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LG, Jochen

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Friday, November 6th 2015, 6:45pm

Und das ist das Allheilmittel?
Das Drumherum:
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LG, Jochen

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Friday, November 6th 2015, 6:58pm

So ganz kann ich den Sinn der Frage und auch des langen Textes nicht verstehen.
Ich hoffe es läuft nicht auf Digitalbashing (oder AV Receiver Bashing) hinaus.

Ein DSP ist kein Teufelswerk.
Ein DSP ist ein Stück Technik, wie jede Andere auch.
Richtig angewendet kann ein DSP Dinge kann die ohne nicht gehen.
Falsch angewendet können hingegen Fehler entstehen die ohne DSP nicht möglich wären.

Das so manche Anwendung eher in Richtung Falsch geht kann nicht der Technik angelastet werden.
(Das gilt auch wenn der Anwender die falschen auf seinem AV Receiver Knöpfe drückt.)

Gerade im (Aktiv) Lautsprecherbau wurde so einiges erst durch einen DSP möglich.

Gruß Ulrich

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Friday, November 6th 2015, 9:20pm

es ist bestimmt nicht das Allheilmittel aber es kann die Musik Wiedergabe in einem akustisch bescheidenen Raum verbessern.
Gruß Ulf

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Friday, November 6th 2015, 9:53pm

Stimmt - es kann. Ich kenne das Teil aus einem Setup, in dem es gezielt den Bassbereich von per Bi-Amping angsteuerten Boxen kontrolliert, der ansonsten Raummoden unangenehm anregt. Wenn man hingegen das Gerät auf den gesamten Frequenzbereich in dem Setup loslässt, ist das Ergebnis enttäuschend. Und damit tut das Gerät das, wofür es konzipiert wurde. Wenn aber der Bassbereich nicht das Problem ist, nützt es nüscht. Soll's ja auch nicht.

Womit wir wieder dabei wären, dass es wie immer drauf ankömmt und vor der Verabreichung der Medizin die Diagnose stehen sollte.
Das Drumherum:
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LG, Jochen

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Friday, November 6th 2015, 10:04pm

Wer übrigens die Möglichkeit hat, Musik vom Computer an die Anlage zu übergeben, kann sich einen Player mit DSP schnappen und damit testen, ob ein DSP bei ihm segensreich auf die Wiedergabe wirken kann.
Das Drumherum:
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LG, Jochen

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Friday, November 6th 2015, 10:05pm

Man sollte sich darüber im klaren sein, das ein DSP keine Wunder vollbringen kann.
In einem realem Raum (mit direktem und indirektem Schall) kann nicht in jedem Punkt des Raumes eine ideale Korrektur erfolgen. Was nicht geht geht nun mal ganz einfach nicht.
Wobei die Raumkorrektur nur eines von vielen anderen Einsatzgebieten von DSPs ist.

Ein DSP (und die dahinterstehende Mathematik) ist ein Werkzeug, das wie jedes andere Werkzeug korrekt angewendet werden will.

Gruß Ulrich

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Saturday, November 7th 2015, 4:23am

Hallo Ulrich,

letztlich habe ich keine Frage gestellt und wollte auch keine stellen. Mein Posting ist eher so etwas wie eine Aufforderung zur freien Diskussion.

Vor einiger Zeit hatte ich ein spezifisches Problem und war auf die Idee gekommen, dies könnte man mit Hilfe eines DSP eingrenzen, vielleicht sogar lösen. Ich habe angefangen, mich mit dem Thema DSP zu beschäftigen und "erkannt", ich kaufe ja keinen Chip, sondern ein Gerät - wie es z.B. Ulf vorgeschlagen hat - bei dem ein Hersteller den wahrscheinlich millionenfach produzierten Prozessor in ein Korsett gesteckt hat. Und dieses Korsett charkterisiert die Nutzbarkeit und vor allem die Benutzerschnittstelle, mit der ich auf Funktionalität zugreifen kann. Es stellt mir Funktionen zur Verfügung, schränkt meine Möglichkeiten mit dem DSP zu arbeiten gleichzeitig ein.

Zu meiner zunächst Überraschung habe ich für mein "Problem" keine Lösung gefunden. Das ist nicht weiter wichtig.
Gleichzeitig stelle ich fest, immer mehr Hersteller präsentieren in immer mehr Geräten und Geräteklassen ein DSP. Und immer mehr solcher Produkte weisen Lastenhefte und Bedienungsanleitungen auf, bei denen ich mich frage, soll mit denen eigentlich eine Anforderung bewältigt werden und wenn ja, welche? Nahezu alle Lösungen haben z.B. gemein, dass ihr Lieferant verschweigt, welche Maßstäbe, Methoden etc. angewendet werden.
Wenn Du Dir die von Ulf verlinkte Seite anschaust und dabei denkst, wirst Du Dir die Haare raufen müssen. Denn sie sagt absolut garnichts über die Nutzbarkeit des Gerätes aus. Dass das nicht ungewöhnlich ist, macht die Sache ja nicht besser.

Von einer Bohrmaschine erwarte ich, sie hat einen Schalter, mit dem ich eindeutig festlegen kann, ob sie links oder rechts rum dreht, sie hat einen Hebel, mit dem ich die Geschwindigkeit einstellen kann. Diese Anforderung habe ich für eine Super-Duper-Highend-Bohrmaschine genauso, wie für eine aus dem Baumarkt. Ich will keine Bohrmaschine, die einen Hauptschalter hat und die, wenn ich den betätige, mal links rum, mal rechts rum, mal schnell, mal langsam dreht.
So aber agieren die DSP-Lösungen, die ich bisher gefunden habe. Hinzu kommt allerdings, ich erfahre nicht einmal, wie sie "drehen", ich sehe am Ende nur das Loch. Oder eben nicht. Und im Prospekt steht: "So muss es sein." Selbst wenn der Dübel wackelt.

DSP ist eigentlich eine Geräteklasse, die eine etwas komplexere Arbeit für den Anwender zu leisten in der Lage ist bzw. sein sollte, als eine normale Klangregelung, als eine normale HiFi-Komponente. Das spiegelt sich allerdings in nahezu garnichts wieder, was ich bisher an DSP-Lösungen gefunden habe.

Auf dem Wege zu "Schrotto" bin ich vorhin an einem RF-Händler vorbei gekommen, der in seinem Schaufenster eine sogenannte "Soundbar" stehen hat. Dieses Teil gibt vor, die Klangqualität der Tonwiedergabe eines modernen Fernsehgerätes zu verbessern. Dabei erreicht dieses Teil eines vermeintlichen Markenherstellers jedoch nicht die Qualität, die mein zwanzig Jahre alter Mittelklasse Röhrenfernseher ohne externe Lautsprecherbox erzeugt. Darum bin ich nicht böse. Denn letztlich sieht und hört jeder Gorilla (nichts gegen Gorillas!), das auch dieses Teil nur quäkt. Seine Leistungsfähigkeit ist jedoch für Mensch und Gorilla zumindest unmittelbar erfahrbar.

Ein DSP hat das Potential und wird in der Regel beworben, ein Instrument für eine grandiose Verbesserung zu sein. Und tatsächlich ist in nahezu allen verfügbaren DSP-Geräten das notwendige Werkzeug dafür eingebaut. Der Gorilla und ich, wir fragen uns nur, wie kommen wir da ran?
Die genannte Soundbar kennt nur eine Äußerung: Einschalten, quäken. Die angebotenen DSP sind mystische Gebilde, die, mit hinreichend Anbetung, immer wieder neue Variationen von - ja von was eigentlich - erzeugen können. Will ich Kunst?

Mir ist klar, die Teile sollen verkauft werden. Und wem es reicht, dass er weiss, er hat ein DSP, der soll von mir aus damit glücklich werden. Ich will nichts und niemanden "bashen".
Was mich interessiert: gibt es außerhalb der Glaubensgemeinschaft und außerhalb der Produkte für den selber-Programmierer, Lösungen, die einen konstruktiven Ansatz verfolgen? Wie sehen die aus und welchen verfolgen sie?

Tschüß, Matthias
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Saturday, November 7th 2015, 8:58am

Nun ja, es fragt sich immer, was man mit dem DSP anfangen möchte. Möchte ich ein kostengünstig zusammengestricktes Gerät auf Linie = halbwegs anständigen Frequenzgang bringen, ohne z.B. viel in Weichen zu investieren? Möchte ich dem User eine Möglichkeit geben, ein wenig zu spielen und den Klang nach seinem Geschmack zu tunen? Oder möchte ich die Nachteiles eines Raumes ausgleichen? Letzteres ist IMHO die Königsdisziplin, kostet Erfahrung und Geld, siehe meinen ersten Beitrag. Und solange man nicht umziehen kann, dürfte das ein probates Mittel zum Zweck sein.

So gesehen ist ein DSP ein Werkzeug für zu Hause ein Werkzeug zur Wiedergabe, wie andere analoge oder digitale Geräte meinetwegen im Studio zu Klanggestaltung der Aufnahme genutzt werden. Und hier wie dort kann es Gutes wie Übles anrichten, je nach Anwender.
Das Drumherum:
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LG, Jochen

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Saturday, November 7th 2015, 1:53pm

Was mich interessiert: gibt es außerhalb der Glaubensgemeinschaft und außerhalb der Produkte für den selber-Programmierer, Lösungen, die einen konstruktiven Ansatz verfolgen? Wie sehen die aus und welchen verfolgen sie?

Ja, gibt es.

Weil: wenn sich wer ein handelsübliches Stereosignal unter Zuhilfenahme der dafür erforderlichen Gerätschaften sich seinen persönlichen Ohrwascherln höchstbeglücksam verfügbar machen möchte, besorgt er sich dazu zwei geeignete Boxen und das Gewölle (Verstärker und so) drumherum.

Dann geht da was, und man muss nicht ellenlange Aufsätze schreiben, die sich sowieso niemand durchliest.

Gruß Achim.

13

Saturday, November 7th 2015, 3:06pm

Es gibt zu dem noch Anwendungen denen DSPs im Hintergrund werkeln ohne dem Anwender eine Zugriffsmöglichkeit zu bieten.
Der Konstrukteur hat dort durch den DSP einfach nur mehr Freiheitsgrade die er dem Anwender nicht oder nur stark beschränkt zur Verfügung stellen muss.

Gruß Ulrich

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14

Saturday, November 7th 2015, 3:06pm

Hallo Achim,

muss man nicht, kann man aber. Allerdings bist Du weder gezwungen zu lesen, noch zu antworten.

Wenn ich Deiner Antwort einen konstruktiven Ansatz unterstelle, dann meinst Du also, DSP sei sowieso überflüssig. Gewölle reicht.



Nun ja, es fragt sich immer, was man mit dem DSP anfangen möchte...


In dem so überflüssigen Aufsatz habe ich eine Reihe von Thesen hinsichtlich unterschiedlicher Anforderungen an DSP geäußert. Bisher leider ohne Kommentar.
Ich hatte das Thema Frequenzweichen-Prototyping bisher ebensowenig thematisiert, wie die Korrektur der Wiedergabe-Kette vor den Boxen oder die Abstimmung von Elektronik und Boxen aufeinander, sondern mich ausschließlich auf das Thema Raum-Akustik beschränkt.

Das eigentliche DSP kann ja alles. Unterschiede beim DSP stellen sich bestenfalls in der Verarbeitungsgeschwindigkeit dar. Die Verwendbarkeit hängt am Frontend.
Bisher habe ich den Eindruck, über dessen Möglichkeiten sagt Dir der Hersteller, vor dem Kauf, in der Regel wenig bis garnichts. Oder sehe ich das falsch? Gibt es also nur Spielzeug oder gibt es auch Lösungen, mit denen man etwas "anfangen möchte"?

In der Nacht telefonierte ich mit einem Mitleser, der mir von seinen Erfahrungen mit größeren JBL- und aktiven Technics-Boxen in einem optimierten Hörraum berichtete. Die JBL strahlen gerichtet, die Technics teilweise ungerichtet ab. Die Bühne, die die JBL erzeugen, sei begrenzt in Breite und Höhe. Die Technics bildet eine weitere Bühne ab, die selbst dann nicht zerfällt, wenn man sich im Raum bewegt.

Würde ich die eine oder die andere Box tonal oder in ihrer Stereo-Darstellung im Raum korrigieren wollen - beides hängt natürlich zusammen -, brauche ich dafür möglichweise unterschiedliche Wege. Oder nicht?
Oben hatte ich die Summen-Pegel thematisiert. Ist das für die Arbeit des DSP relevant? Und wenn ja, gibt es Lösungen an fertigen Geräten?

Erzielt die automatische Vermessung und Filter-Auswahl akzeptable Ergebnisse und tut sie das mit allen Boxen-Konzepten? Erfahre ich, wie das Gerät zu den Ergebnissen gekommen ist, um überhaupt sinnvoll eingreifen zu können?

Tschüß, Matthias
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Saturday, November 7th 2015, 4:22pm

... einen konstruktiven Ansatz unterstelle, dann meinst Du also, DSP sei sowieso überflüssig. Gewölle reicht.






Hm... ich meine tatsächlich, dass das ganze DSP-Gelumpe für Home-HiFi eher für Probleme sorgt, als vermeintliche Probleme zu lösen... Und iwi bist du - wenn auch nur indirekt - das Paradebeispiel dafür: schreibst ellenlange wenig gut lesbare Aufsätze über einen Kram, den kein Mensch innerhalb der eigenen vier Wände so ganz wirklich braucht, fühlst dich aber ans Bein gepinkelt, wenn Gegenwind kommt.

DSP ist sinnvoll, wenn Profis eine Menschenmasse mittels PA beschallen, und das möglichst schnell, gut und unkompliziert. Für zu Hause ist dieser ganze DSP-Quark so sinnvoll, wie sich einen Möbelwagen zu kaufen, um sich morgens zwei Brötchen vom Bäcker zu holen. Weil wenn man diesen Möbelwagen endlich aus- und eingeparkt hat, sind die Brötchen vom Vortag, und der Appetit auf diese Brötchen ist längst vergangen.

Gruß Achim.

16

Saturday, November 7th 2015, 4:42pm

So weit würde ich gar nicht gehen. Auch im Heimbereich können DSPs sinnvoll eingesetzt werden, auch dort kann er zum Beispiel seine Arbeit in digitalen Frequenzweichen aktiver Lautsprecher relativ unauffällig erledigen.
Seine Arbeit muss ja nicht bis zur Raumkorrektur gehen.
Man sollte halt DSPs nicht auf die bunten Kirmesgeräte mit den vielen blinkenden Lichtern reduzieren.

Gruß Ulrich

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Saturday, November 7th 2015, 10:35pm

...Und iwi bist du - wenn auch nur indirekt - das Paradebeispiel dafür: schreibst ellenlange wenig gut lesbare Aufsätze über einen Kram, den kein Mensch innerhalb der eigenen vier Wände so ganz wirklich braucht, fühlst dich aber ans Bein gepinkelt, wenn Gegenwind kommt. ...


Schreibe ich wirklich so unklar?!

Ich bin kein DSP-Fan. Da hilft es auch nicht, dass Du mir das Gegenteil unterstellst. Du bläst mir keinen "Gegenwind" irgendwo hin. Und ob Du "pinkeln" willst, interessiert nicht.

Wir haben alle mal in der Schule gelernt, ein Ergebnis ohne Herleitung hat keinen Wert. Wenn Du meine Herleitung für nicht lesbar hälst, dann frage und ich versuche zu verdeutlichen, was ich meine. Dauernde Abwertungen bringen uns nicht weiter.

Ich habe mein Urteil über die DSP-Lösungen zur Raumakustik-Korrektur, die mir vorgestellt worden sind, beschrieben. Und das ist nicht weit von Deinem entfernt. Ich bringe nur meine Verwunderung zum Ausdruck, dass die Chance, die DSP bieten könnte, so wenig und - nach meiner Meinung - so schlecht genutzt wird.

Und ich versuche von qualifizierten Mitlesern zu erfahren, ob in meiner Herleitung und damit in meiner Schlußfolgerung ein Fehler steckt. Das interessiert Dich nicht? Aha.



...Seine Arbeit muss ja nicht bis zur Raumkorrektur gehen.. ...




Hallo Ulrich,

Du hast natürlich Recht. Es gibt einige praktikable DSP-Lösungen im Bereich der Lautsprecher-Entwicklungen. Ich habe selbst so ein Teil in Betrieb und es erspart viel Löterei. Auch als "digitale Frequenzweiche" an einer Aktiv-Box ist DSP nach meiner Ansicht absolut sinnvoll. Bei Passiv-Boxen gefällt mir der zusätzliche Strombedarf nicht, aber es lässt sich ein Gewinn erzielen; zumindest ist es problemlos möglich, eine klassische Frequenzweiche durch eine aktive Weiche mit DSP zu ersetzen, ohne dass das Ergebnis sich verschlechtert. Gut geeignet ist ein DSP auch, wenn es um die Überprüfung einzelner Lautsprecher-Chassis allein oder im Umfeld geht: Es hilft, schnell bestimmte Charakteristika, so Eigenresonanzen, aufzuspühren.
Dies sind Anforderungen mit einem klaren Profil, wo der Einsatz von DSP Sinn macht und bereits praktikabel implementiert ist.

Selbst im Bereich der "Entzerrung" einer Anlage, der Optimierung der Abstimmung von Verstärker und Box, sehe ich den Einsatz von DSP, im Rahmen eines klaren Anforderungs-Profils, als möglich. Wenn auch die Kriterien für einen "guten Klang" in der Elektronik immer noch unterdefiniert sind und es somit nicht einfach ist, zu einem Ergebnis zu kommen. Zumindst lässt sich aber ein Ergebnis im Rahmen der Verfahren erzielen, für die bisher analoge Technologien zum Einsatz gekommen sind. DSP erlaubt dann zum Beispiel Phasenfehler zu vermeiden.


Anfangs habe ich versucht den Begriff "DSP" zu definieren um klar zu machen, dass ich kein Problem mit Digital-Technik habe. Mir geht es in diesem Thread tatsächlich um die Raumakustik-Korrektur.
So wie es früher Receiver gab, bei denen die Loudness nicht abschaltbar gewesen war, sind inzwischen Geräte im Anmarsch, und im Kompaktgeräte-Bereich bereits verbreitet, bei denen DSP, abseits der Anforderungen für eine "normale Frequenzweiche", bereits immer dabei ist.
Wenn früher der Entwickler einer geregelten Aktiv-Box die Auslieferung und Einmessung selber übernommen hatte - hoffentlich mit Fachkompetenz - ist die digitale Raumkorrektur bei einer steigenden Zahl aktiver Lösungen inzwischen Standard und - ich unterstelle! - ungefragt eingeschaltet. Inzwischen gibt es einen deutschen Hersteller von geregelten Aktiv-Boxen, der es für nötig hält darauf hinzuweisen, dass er ohne DSP, also transparent regelt!
Also ist DSP natürlich schon ein Thema und wird es immer mehr werden.

Ob jemand DSP für "Quark" hält, ist sein Ding. Ich habe DSP für die Raumakustik-Korrektur bisher im Kontext der in meiner Herleitung definierten Themen bewertet. und wenn hier schon niemand diskutieren oder von ernsthaften Erfahrungen berichten will, dann würde ich mich freuen, wenn ich erführe, ob meine konzeptionellen Bedenken richtig sind oder ob es dort bereits Lösungen gibt. Schlimm?

Tschüß, Matthias
Stapelbüttel von einem ganzen Haufen Quatsch

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Saturday, November 7th 2015, 11:20pm

Matthias,

sorry - ich bin ein wenig schwer von Begriff. Mir ist nicht klar, worum es dir letztlich geht. Um Raumkorrektur = Anpassung der Wiedergabe an Besonderheiten des Raumes oder um Frequenzgangkorrektur des LS = Anpassung des Lautsprechers mit Blick auf einen möglichst glatten Frequenzgang? Letzteres passiert halt im LS selbst und nimmt im Prinzip keine Rücksicht auf die Gegebenheiten des Raums. Erstere findet in einem Gerät vor den LS statt, z.B. mit einem Programm im PC oder im (digital arbeitenden) Verstärker oder einem speziellen "Raumkorrekturgerät". Hier wird dann der LS eingemessen = der Frequenzgang angepasst auf Besonderheiten des Raums, in dem die Wiedergabe stattfindet.
Das Drumherum:
Liebe(r) ...
(Beitragstext s.o.)
LG, Jochen

19

Monday, November 9th 2015, 1:16am

Es läuft also auf das bereits vermutete hinaus.
Ein DSP ist kein Allheilmittel. Die naive Vorstellung ein Mikrofon an ein 0815 oder auch XYZ Gerät anzustöpsteln und ein perfektes Ergebnis für was auch Immer zu erzielen ist Unsinn.

Die digitale Technik und somit den DSP zu verteufeln ist ebenso Unsinn.
Die Optimierung des Hörraums steht vorne an, eine nachholende Korrektor der „Restfehler“ mittels digitaler Technik (hier DSP) kann dann das Tüpfelchen auf dem „I“ sein.

Mit einem Schraubendreher schraubt man Schrauben, mit einem Hammer....
Ein Werkzeug sollte nun mal entsprechend eingesetzt werden.

Anders herum, mit einem Hammer kann ich großen Schaden verursachen, aber mit seiner Hilfe auch große Kunstwerke Herstellen.
Der DSP kann ein Hammer sein, aber ebenso ein extrem filigranes Werkzeug.

Gruß Ulrich

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20

Monday, November 9th 2015, 11:24am

Schreibe ich wirklich so unklar?!




Nein! Du schreibst absolut klar! Jedenfalls so klar, wie es unsere Fensterscheiben mit Blick von innen nach außen nunzeitlig zulassen. Und wenn dann im nächsten Jahr der Frühling kommt, werden wir die Fensterscheiben putzen, und zwar von außen nach innen. Ohne Hammer.

Gruß Achim.