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Sonntag, 28. Oktober 2018, 17:13

Lautsprecher-Gruselkabinett

Hallo,

in einer Facebook-Verkaufsgruppe wird gerade ein Paar dieser Boxen Marke der "Rodec" angeboten:

http://forum.cxem.net/uploads/monthly_06…77459_thumb.jpg

(Da das Facebook-Bild nicht öffentlich ist, habe ich mal eine andere Bild-Fundstelle der Lautsprecher verlinkt,)

Keine Sorge, ich habe keine Kaufabsichten (zumal der Anbieter den m.E. absurden Preis von 160 € pro Paar ausgerufen hat), aber irgendwie beschäftigen mich diese Dinger.

Unter dem Namen "Rodec" werden heute, wie eine kurze Google-Suche ergab, hochwertige Mischpulte vertrieben. Ich weiß nicht, ob diese Boxen aus den Anfangstagen der gleichen Firma stammen, oder ob es sich um eine zufällige Namensgleichheit handelt. Bei den Boxen dürfte es sich jedenfalls um billige Kaufhaus- oder Supermarkt-Ware aus den 1980er Jahren handelt, die sich vom Design an die Power-Serie von Jamo anlehnt.

Aber diese ungewöhnliche Konstruktion mit vier relativ kleinen Tieftönern - kann das klanglich Sinn ergeben, oder wurde hier einfach irgendwas zusammengebaut, was gerade billig zu haben war?

(Für letztes spräche der Umstand, daß es neben den hie zu sehenden "RC 300" von der gleichen Marke auch noch eine RC 200 und eine RC 100 mit den offenbar gleichen Chassis, aber unterschiedlicher Zahl von Tieftönern (4/2/1) gab.)

Und wie schaltet man sinnvoll vier Tieftöner in einer Box? Alle vier parallel? Da dürfte ein Impedanzwert herauskommen, mit denen die meisten Verstärker ein Problem haben. Oder jeweils zwei parallel und die beiden Paare dann in Reihe?

Gruß,
Timo

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »timo« (28. Oktober 2018, 17:39)


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2

Sonntag, 28. Oktober 2018, 18:06

Die Verteilung des Bass auf 4 kleinere Chassis hat allenfalls zwei Vorteile aber meist unangenehmere Nachteile.
Die Vorteile im Vergleich mit einem 12" oder 15" Bass:
1. Die kleineren Membranen brechen erst bei höheren Frequenzen in Partialschwingungen auf, sind deshalb bis zu höheren Frequenzen im Mitteltonbereich einsetzbar
2. Wegen sicherlich kleinerer Einbautiefe kann man flachere Boxen damit bauen, falls gewünscht.
Die Nachteile:
1. Kleinere Chassis haben meist schlechtere Dämpfungswerte.
2. Da die 4 Chassis sicher nicht parallel geschaltet sind (dann müßten es 16 Ohm Systeme sein, um auf 4 Ohm zu kommen), ist zu vermuten, daß je zwei in Serie parallel geschaltet sind. Das ergäbe nominell wieder den gleichen Widerstand, also 4 Ohm bei 4 Ohm-Systemen. Die Lautsprecher werden dann jedoch nicht mehr durch den sehr kleinen Ausgangswiderstand eines Transistorverstärkers mit ihrem eigenen Ohmschen Widerstand bedämpft, sondern dazu in Serie liegt jeweils ein anderer der 4 Lautsprecher, der bei der gemeinsamen Resonanz natürlich hochohmiger erscheint. Damit wird die Resonanzdäpfung weiter verschlechtert.

Einige Sites mit Infos zu den Rodec Lautsprecher benutzen kyrillische Schrift.
Ich vermute den Hersteller deshalb eher in der Ukraine oder Rußland.
Der Mischpult-Hersteller ist wohl in Belgien beheimatet.

MfG Kai

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3

Sonntag, 28. Oktober 2018, 19:50


2. Da die 4 Chassis sicher nicht parallel geschaltet sind (dann müßten es 16 Ohm Systeme sein, um auf 4 Ohm zu kommen), ist zu vermuten, daß je zwei in Serie parallel geschaltet sind. (...) Damit wird die Resonanzdäpfung weiter verschlechtert.


Genau, die Frage nach der Schaltung der vier Lautsprecher hatte ich in meiner Frage ja noch ergänzt, meine Vermutung war die gleiche. Mir wurde der Nachteil einer Reihenschaltung von Lautsprechern mal stark vereinfacht so erklärt. daß durch die parallel liegenden Spulen ähnliche Verluste entstehen wie bei einem sehr langen Lautsprecherkabel.

Ich frag' mal so: Hat so eine kleine Membranfläche nicht auch Nachteile beim Frequenzbereich? Geht so ein kleiner Basslautsprecher genau so tief herunter wie ein größerer, und können vier davon Bässe ähnlich druckvoll wiedergeben wie ein oder zwei größere?

Wenn ich mir den Klang dieser Boxen vorstelle, dann ist er eher dünn und bassarm. Was insofern verwundert, als daß die Zielgruppe dieser Kisten (nach der Krawall-Optik zu urteilen) vermutlich Leute sind, in deren Wahrnehmung vor allem starke Basswiedergabe einen guten Lautsprecher ausmacht.

Zitat

Einige Sites mit Infos zu den Rodec Lautsprecher benutzen kyrillische Schrift.
Ich vermute den Hersteller deshalb eher in der Ukraine oder Rußland.


Habe ich auch schon überlegt, aber muss nicht unbedingt so sein. Wenn man nach ehemaligen Low-Cost-Produkten aus dem HiFi-Bereich googelt, bekommt man meiner Erfahrung nach immer auffallend viele Treffer aus ehemaligen Sowjetstaaten. Vielleicht wurden einfach viele Ladenhüter, die im Westen keine Käufer mehr fanden, nach dort abverkauft, keine Ahnung. Die verbauten Lautsprecher dürften meiner Ansicht nach eher aus Taiwan oder Hong Kong stammen. Solche Chassis mit weißen oder teilweise auch blauen Membranen wurde in den 1980er Jahren bei vielen Elektronik-Versendern wie Völkner und Westfalia für den Boxen-Selbstbau angeboten.

4

Sonntag, 28. Oktober 2018, 20:05

Allgemein ist es kein Problem Lautsprecherchassis in Reihe zu schalten, sie verhalten sich bezüglich des Dämpfungsfaktors wie ein gemeinsamer Lautsprecher (Toleranzen der Lautsprecher vernachlässigt).
Kleine Lautsprecher, bei vergleichbaren Aufbau zu einem Größeren, haben in der Regel eine kleinere Güte, was die Dämpfung sogar erhöht und nicht verringert.
Das größere Problem bei mehreren kleinen Lautsprechern ist die Schallabstrahlung und so entstehende Interferenzen.

Gruß Ulrich

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Sonntag, 28. Oktober 2018, 20:51

Ich bleibe bei meiner Darstellung in Beitrag #2, gebe allerdings zu, daß bei der Darstellung der schlechteren Dämpfung nicht die Kopplung durch das eingeschlossene Luftvolumen berücksichtigt ist. Die mag die Wirkung etwas reduzieren.
Ulrichs drittem Punkt kann ich auch kaum zustimmen: Es gibt eine Strahlungskopplung zwischen eng benachbarten Lautsprechern, die bewirkt, daß sich das gemeinsame Verhalten dem einer gleichgroßen Gesamtmembran annähert (aber nicht erreicht). "Interferenzen" hat man genauso von den Teilen einer nur gedanklich in 4 Teile zerlegten großen Gesamtmembran.
Kleine Chassis haben meist nicht nur eine schlechtere Bedämpfung = höhere Güte (Güte > 0.7 ist hier was schlechtes) sondern auch eine höhere Resonanzfrequenz als ein 12" oder 15" Chassis. Ersteres liegt an den idR schwächeren Magneten, das zweite an der geringeren Masse. Erhöht man die Masse künstlich, um die Resonanzfrequenz zu senken, wird der Wirkungsgrad schlecht(er).
Die "höhere Güte" hat zur Folge, daß der Frequenzgang in der Nähe der Resonanz nicht "zivilisiert" abfällt, sondern erstmal eine(n) "bumsigen" Buckel(Spitze) nach oben macht, bevor er schließlich abfällt. Das mag unter glücklichen Umständen mal eine stärkere Basswiedergabe vortäuschen, führt im Allgemeinen aber zu einer unnatürlichen und eben bumsigen unpräzisen Bass-Wiedergabe.

MfG Kai

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Sonntag, 28. Oktober 2018, 21:15

Moin,

der Einsatz von mehreren Bass-Chassis in einer Box ist ja nun wirklich keine neue Idee und auch nicht selten. Über lange Zeit hinweg war die Verwendung von zwei Bass-Treibern ja fast Standard. Entweder wurden Sie außen am Gehäuse oder als Compound verwendet. Extreme sind die Thorens Soundwall, die Grundig Monolith 120 oder 190 oder die Phonogen Transfer (und Nachfolger).

Solch Konstruktion hat Eigenschaften. Jede andere auch.
Ich habe ein Problem, diese Eigenschaften theoretisch zu thematisieren und die eine oder andere lediglich aufgrund solcher theoretischer Erwägung abzulehnen. Denn das lässt außer Acht, dass jede andere Konstruktion auch Eigenschaften hat. Denn das lässt außer Acht, dass ein Konstrukteur mit den "Eigenschaften" vielleicht mit Hilfe anderer Werkzeuge "umgegangen" sein könnte.

Hier geht es um eine konkrete Umsetzung. Und bei dieser Umsetzung würde ich mich fragen, ob die im Ergebnis etwas taugt oder nicht. Ich befürchte, alles andere führt zu nichts.

Tschüß, Matthias
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Sonntag, 28. Oktober 2018, 22:00

der Einsatz von mehreren Bass-Chassis in einer Box ist ja nun wirklich keine neue Idee und auch nicht selten. Über lange Zeit hinweg war die Verwendung von zwei Bass-Treibern ja fast Standard. Entweder wurden Sie außen am Gehäuse oder als Compound verwendet. Extreme sind die Thorens Soundwall, die Grundig Monolith 120 oder 190 oder die Phonogen Transfer (und Nachfolger).


Zwei sind auch heute noch Standard. Und natürlich gab es bei sehr großen und teuren Boxen immer schon Modelle mit vier oder noch mehr Tieftönern. In einigen Fällen mag es ja auch Sinn machen, zu den Probleme großer Membranflächen wurde hier ja letztens erst etwas geschrieben. Bei den Rodecs verwundert mich allerdings, daß es sich um relativ kompakte Boxen mit eher kleinen Basschassis (dem Bild nach tippe ich mal auf 13 cm) handelt. Will sagen: Beim Durchmesser der TT hätte man locker noch zwei Schritte nach oben gehen können, ohne in problematische Bereiche zu kommen. Und zwei mal 20 cm klingen für mich allein wegen den Problemen der Schaltung (s.o.) erst mal sinniger als vier mit 13 - vor allem im Low-Cost-Bereich, wo vermutlich nicht viel Aufwand investiert wurde, um die ungewöhnliche Bestückung sauber abzustimmen.

Bei den großen Monolithen von Grundig waren den Tieftönern doch m.W. sogar unterschiedliche Frequenzbereiche zugeordnet, oder? Ich meine, in den alten Prospekten wurde zwischen "Tieftönern" und "Mittel-Tieftönern" unterschieden.

8

Sonntag, 28. Oktober 2018, 22:09

Bei den großen Monolithen von Grundig waren den Tieftönern doch m.W. sogar unterschiedliche Frequenzbereiche zugeordnet, oder?


Ja, aber es wurden dort trotzdem immer vier Chassis in einer Mischung aus Parallel- und Reihenschaltung zusammengefasst.

Bei der Revox BX350 wurden hingegen vier 16Ohm Chassis parallel geschaltet.

Es gibt halt viele Beispiele. Das Hauptproblem war halt das Zusammenspiel der Abstrahlung der Einzelchassis, einige Hersteller haben es durch eine besondere Form der Schallwand versucht.

Gruß Ulrich

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Sonntag, 28. Oktober 2018, 22:27

Zwei sind auch heute noch Standard.

Das hat aber andere Hintergründe: Bass-Schalldruck braucht zur Erzeugung viel Membranfläche. Andererseits möchte man schmale und dafür eher hohe Boxen bauen. Als Kompromiß setzt man dann zwei kleinere Chassis übereinander. Die müssen recht starke Magneten haben, damit die Anordnung insgesamt ausreichend bedämpft ist (niedrige (nicht zu niedrige) Güte hat); oder man schaltet zwei 8 Öhmer parallel, dann ist man bezüglich potentieller Verschlechterung der Bedämpfung "aus dem Schneider".
Bei mittleren Frequenzen bekommt man dann in der Vertikalen etwas gern gesehene Bündelung, während in der Horizontalen die Abstrahlung breiter bleibt, wie es sein sollte.

MfG Kai

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Montag, 29. Oktober 2018, 21:51

Moin,

die Rodec RC300 Power Generation tauchen wohl immer mal wieder in polnischen und russischen Foren auf.

Da kann man lesen

Abmessungen: 700х420х245 mm (andere Quelle: 700x420x280mm)
geschlossene Box, 19mm Spanplatte, foliert
Prinzip: 3-Wege
die vier 6,5" TT wären zu zweit in Reihe und die Paare parallel geschaltet. Impedanz des TT-Zweiges beträgt 6,5 Ohm (andere Quelle: 4x 160mm)
1x 5" MT von 8 Ohm (andere Quelle: 100mm)
1x 2,5" HT von 8 Ohm mit Streulinse
alle Chassis mit Papier-Membran

Ob die nun in den Regionen beheimatet oder ob sie da gelandet sind, weil sie billig zu haben gewesen waren, ist mir nicht klar.
In einem DIY-Forum behauptet ein Teilnehmer allerdings, die Boxen stammen aus Sarapul, was in Udmurtien in Russland liegt.

Im von Dir verlinkten Thread in HiFi-Forum lässt sich lesen, das "Rodec"-Logo auf den bekannten Mischpulten wäre anders als das der Boxen. Das spricht dafür, dass Boxen und Mischpulte nicht aus dem selben Hause kommen.

Tschüß, Matthias
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