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Monday, May 2nd 2016, 10:48am

Grüß Euch!

Einen Klecks Senf auch von mir dazu, der ich mich mit DAB+ theoretisch immer noch befasse. Dass Radio zu 90% im Auto gehört wird, kommt mir etwas hoch gegriffen vor. Interessant wäre allerdings, auf welchem Wege die stationären Hörer den Hörfunk empfangen. In Städten dürfte der Anteil der Verkabelten hoch sein; für die kommt DAB+ also höchstens per Zweitempfänger in Frage, und nicht sehr viele davon dürften bereit sein, für die teils zusätzlichen Programme Geld auszugeben.

Dass die 14- bis 49-Jährigen die werberelevante Zielgruppe sind, müsste man mir belegen. Erst wenn die Kinder aus dem Haus sind, ist doch oft das Geld für Anschaffungen da, die man sich früher verkneifen musste.

Was mich persönlich betrifft, wäre ich durchaus bereit, einen größeren Betrag für ein neues Autoradio mit DAB+ und möglichst integriertem Navi auszugeben, aber ich habe a) das passende Gerät trotz intensiverer Suche noch nicht gefunden, und b) möchte ich keine störende "Verzierung" durch eine zweite Antenne. Hinzu kommt, dass das Ding für mich im fortgeschrittenen Alter noch unproblematisch zu bedienen sein müsste. Drucktasten sind kein Problem, bei Touch könnte ich mir Schwierigkeiten vorstellen. So höre ich beim Autofahren halt immer noch Sender, die mir in meiner Altersgruppe kaum gefallen. Bei DAB+ gibt's mehrere Programme, die mir mehr zusagen, aber ich kann sie halt immer noch nicht empfangen.

Immerhin gibt es bei digitalradio.de eine beträchtliche Auswahl an Geräten. Und die ARD lobt den Zuwachs an DAB+-Empfängern auf 10 % von 7,5 % im Vorjahr.

Womit ich die ganzen Argumente, wie man es hätte besser machen können, nicht entkräften will. Ich vermute nur, dass ich wegen der technischen Hürden nicht der Einzige bin, der noch nicht zugeschlagen hat.

Gruß, Anselm

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362

Monday, May 2nd 2016, 11:27am

Jetzt ohne in blindwütiges "digital bashing" verfallen zu wollen: haben wir das nicht schon lange geahnt?

... der Artikel in der FAZ sagt eigentlich etwas ganz anderes:
Das Internet wäre für den Hörfunk heute ein viel bedeutenderes Verbreitungs- und Kommunikationsfeld, wenn die Entwicklungskosten von DAB in Internet-adäquate Verbreitungsformen gelenkt worden wären.

... und das sagte ich bereits vor sechs Jahren:
Unabhängig davon ist DAB natürlich tot. Dank des mobilen Internet, dessen Leistung immer mehr ausgebaut wird und die auch für den PKW nutzbar gemacht werden sollen, kann ich meine beliebten Sender sogar per Livestream empfangen.

Für diese Aussage erntete ich damals einigen technisch begründeten Widerspruch, aber mobiles Internetradio war und ist kein Problem. Klappt mit 3G vollkommen problemlos, mit 2G mit Unterbrechungen ebenfalls (und das überall in der von mir bereisten Welt). Aussetzer hatte ich mit DAB in Schottland auch. Da war UKW eindeutig besser ...
Olaf, der eher passiv seit Jahren hier mitliest und sich an den fachlichen Beiträgen über Tonbandgeräte erfreut

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363

Monday, May 2nd 2016, 1:58pm

Vor ca. 3 Jahren stand bei uns die Anschaffung eines neuen Fahrzeuges an und der Aufpreis für das DAB+ Modul lag bei EUR 230,-. Das ist im Vergleich zu den Kosten für das Fahrzeug selbst kein nennenswerter Betrag. Wenn also jemand das Modul nicht mitbestellt, liegt das vermutlich nicht an den Kosten, sondern an dem fehlenden Wissen um DAB+, oder auch an den Verkäufern, die uns z.B. 3 mal versucht haben DAB+ auszureden.

Ob DAB+ noch ein Erfolg wird oder ob wir bei UKW bleiben müssen, sehe ich mittlerweile emotionslos. Ich höre nur noch selten Radio (hauptsächlich beim Fahren im Auto) und dann nur HR2, BR4, DLF und DLRK. Was mich jedoch stört sind die vielen falschen oder undifferenzierenden Aussagen über DAB+. Deshalb mal hier meine Eindrücke.

Zuerst die Minuspunkte:
  • Die Reichweite ist kleiner als die der UWK-Grundnetzsender. Der Grund hierfür ist die noch kleinere Sendeleistung im Vergleich zu UKW und die höhere Frequenz (ca. 175 Mhz bis ca. 240 Mhz).
  • Auch gibt es immer noch Gebiete ohne Versorgung mit DAB+. Das war aber zu Beginn von UKW auch so, der Netzausbau braucht Zeit.
  • Viele private Anbieter senden mit viel zu niedrigen Datenraten, so daß zu dem Soundprocessing auch noch Artefakte hinzu kommen. HiFi ist das nicht, jedoch ist der Klang der privaten im Bundesmux (72 kBit/s AAC) für die Datenrate erstaunlich gut. Das Soundprocessing (u.a. Dynamikkompression) stört mich da mehr.

Die Pluspunkte:
  • Was DAB+ kann, erlebt man in Hessen entlang der Autobahnen A5 und A7 und im gesamten Rhein-Main-Gebiet. Hier gibt es HR2 mit 144 kBit/s AAC und es ist einfach toll, bei einer Fahrt z.B. von Kassel nach Weinheim, eine Konzertübertragung in sehr guter Tonqualität, ohne Rauscheinbrüche, ohne veränderte Stereo-Kanaltrennung, ohne Verzerrungen durch Mehrwegempfang und frei von Aussetzern hören zu können.
  • Auch die Programme aus Bayern sind zu hören. Ich glaube es war Alsfeld, bis wohin ich auf der letzten Fahrt Bayern4-Klassik über DAB+ hören konnte. Danach ging es noch etwas weiter auf UKW, jedoch ein Genuß war das nicht mehr (Mono, Rauscheinbrüche, Nachbarkanalstörungen usw.).
  • Beim BR sind die Datenraten deutlich kleiner als beim HR, aber besonders in Bayern ist DAB+ im Vergleich zu UKW eine Erlösung. Die Berge und UKW-Stereo sind keine besonders guten Freunde.

Meine Wunschliste für DAB+:
  • Bundesweiter Ausbau.
  • Mindestens 120 kBit/s je Programm.
  • Aufschaltung der ARD-Programme der Nachbarbundesländer.
  • Abschaltung der Dynamikkompression auf Seite der Sender und Verlagerung dieser Option in die Endgeräte, da im Vergleich zu UKW keine Reichweitenverluste entstehen.

Grüße

96k

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364

Tuesday, May 3rd 2016, 10:18am

Hallo Olaf,
mobiles Internetradio war und ist kein Problem. Klappt mit 3G vollkommen problemlos, mit 2G mit Unterbrechungen ebenfalls (und das überall in der von mir bereisten Welt).

Danach habe ich mich überhaupt noch nicht umgetan. Volle Flatrate dürfte unabdingbar sein. Außenantenne? Die Suche nach "Autoradio Internet" bei Amazon bringt so viele Treffer, dass es fast unheimlich ist. Warum erfahre ich davon erst durchs Bandmaschinenforum? (Was Du vermutlich nicht beantworten kannst. :))

Gruß, Anselm

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365

Tuesday, May 3rd 2016, 12:18pm

Hallo Anselm,

mir ging es nur um die Verbreitung von öffentlich-rechtlichem Radio via Internet. Das ist dann ja auch Internet-Radio. Irgendwie. Alle diese Radiosender haben eine eigene Website, so wie die TV-Stationen auch. Dort gibt es immer auch einen Livestream, man hört also via Internet das aktuelle Radioprogramm.

Außerdem bieten der RBB und der WDR die Möglichkeit des "Nachhörens". Es gibt alos so etwas wie eine Mediathek: Beim RBB stehen die von mir gehörten Sendungen (Moderierte Musiksendungen auf Radio1 ab 18:00 Uhr) nach Ausstrahlung für eine Woche abrufbar auf der Website, so daß ich anhand des Programmschemas jede Sendung (beliebig oft) nachhören kann.


Ähnlich sieht es beim WDR aus, allerdings mit Einschränkungen, die auch Vorteil sein können. Hier kann man tatsächlich alle Sendungen, allerdings nur bei Ausstrahlung und entsprechender Programmierung direkt mittels des WDR Radiorekorders (das ist die Software von radio.fx) selbst anhand des Sendeschemas aufzeichnen und sie auf seinem Rechner speichern.


So kann ich also weltweit meine Sendungen hören oder sogar aufzeichnen. Unabhängig von meinem Standort und von der Zeit (wie bei UKW oder DAB). Und das ist die Zukunft des Radios, wenn es denn noch eine hat! Natürlich geben die Websites der Sender noch mehr her. Weitere Informationen wie Fotos, Interviews, Videos etc. Wir reden hier also vom Internet und sind nun da, wo der Autor des zitierten FAZ-Artikels die Möglichkeiten des Radios sieht. Das hat also weniger mit Internetradio zu tun. Voraussetzung ist ein Computer (Laptop oder Smartphone) mit Anbindung ans Internet und eine Verbindung zu einem Verstärker. Mit dem Smartphone bin ich natürlich auch mobil: Im Auto, im Zug, auf dem Rad und zu Fuß. Mittels Bluetooth oder anderer Verbindungen werden die Radiosendungen nun sogar im Auto hörbar.

Das klappt zuhause alles wunderbar. Die Datenrate ist in der Regel 128 kbit/s. Da werden einige hier stöhnen, aber im Vergleich mit UKW kann ich nicht klagen. Mobil gibt es die üblichen Einschränkungen. Dann kann es das übliche "Funkloch" geben und die Übertragung kann aussetzen. Also wollen wir mal nicht zu euphorisch werden. Aber einfach mal ausprobieren. Man ist überrascht, wie gut das geht. Bei einer Radtour an der Mosel war allerdings die Bundesliga-Konferenzschaltung nur mit gewaltigen Unterbrechungen hörbar. Das war 2010 und in den "Bergen" ... Es kann nur besser werden. Und das geht ziemlich schnell. Von daher macht DAB auch keinen wirklichen Sinn. Es bietet zu wenige Möglichkeiten. Der Hörer ist passiv ...

Olaf
Olaf, der eher passiv seit Jahren hier mitliest und sich an den fachlichen Beiträgen über Tonbandgeräte erfreut

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Tuesday, May 3rd 2016, 12:48pm

Dass Radio zu 90% im Auto gehört wird, kommt mir etwas hoch gegriffen vor. Interessant wäre allerdings, auf welchem Wege die stationären Hörer den Hörfunk empfangen.

Das habe ich mal in einem Artikel über Radioprogramme aufgeschnappt, weiß nicht in wie fern das wirklich zutrifft.



Dass die 14- bis 49-Jährigen die werberelevante Zielgruppe sind, müsste man mir belegen. Erst wenn die Kinder aus dem Haus sind, ist doch oft das Geld für Anschaffungen da, die man sich früher verkneifen musste.

Dieser Altersabschnitt wurde angeblich mal willkürlich bestimmt, hat also keinen wissenschaftlichen Hintergrund. Trotzdem stellt er heutzutage das Maß der Quoten bei Runfunk aller Art dar. Es gibt aber immer wieder Vorstöße die Altersgrenzen zu ändern.

Trotzdem finde ich es verwerflich, dass sich ÖR Sendeanstalten an solchen Statistiken aufhängen. Denn gerade die können sich wegen ihrer Finanzierung durch Rundfunkgebühren (wenn auch heute Werbefinanzierung ebenfalls eine große Rolle spielt) ihre Zielgruppe eben nicht aussuchen. In der grauen Theorie müssten sie für jeden etwas bieten, was aber kaum der Fall ist. Das hat aber mit DAB nichts zu tun. Nur habe ich den Eindruck, dass zumindest beim BR die UKW-Programme verjüngt werden sollen, während Randgruppen auf DAB verschoben werden. So entsteht der Eindruck, dass sie selbst von DAB als massentaugliches Medium nicht überzeugt sind. Auch BR4 soll ja dieses Jahr noch auf UKW beendet werden.


b) möchte ich keine störende "Verzierung" durch eine zweite Antenne.

Das ist auch mein größtes Problem. Die einfachen Lösungen haben eine Antenne zum in die Scheibe kleben, für mich keine Lösung.

Quoted from "96k"

Vor ca. 3 Jahren stand bei uns die Anschaffung eines neuen Fahrzeuges an und der Aufpreis für das DAB+ Modul lag bei EUR 230,-. Das ist im Vergleich zu den Kosten für das Fahrzeug selbst kein nennenswerter Betrag.

Das ist vom Einzellfall und Hersteller abhängig. Bei manchen ist DAB+ nur beim Top-Radio-Modell verfügbar, dass wiederum an ein Austattungspaket gekoppelt sein kann. So kann schell ein vierstelliger Betrag enstehen.
Außerdem kommt noch hinzu, dass nur ein Bruchteil der Autoverkäufe auf Privatkunden geht. Für Firmenwagen wird kaum DAB geordert, da dort jeder Euro weniger zählt. Später landen diese Fahrzeuge dann auf dem Gebrauchtmarkt und somit ist auch hier das Angebot mit DAB-Radios gering.


Es entsteht vielleicht hier der Eindruck, dass ich ein DAB-Gegner bin. Das stimmt jedoch nicht, ich nutze DAB+ täglich, vorallem wegen der größeren Senderauswahl. Trotzdem bin ich der Meinung, dass das was bisher passiert ist, jetzt passiert und noch passieren wird, DAB keinen Erfolg bereitet. Es wäre mal ein Vergleich interessant, wieviele DAB-Geräte Mobiltelefonen mit Breitband-Internet entgegenstehen. Denn die Gefahr ist nicht klein, dass Streamingdienste wie Spotify und Co dem Rundfunk allgemein den Rang ablaufen.
Grüße,
Wayne

Weil immer wieder nachgefragt wird: Link zur Bändertauglichkeitsliste (Erfassung von Haltbarkeit und Altersstabilität von Tonbändern). Einträge dazu bitte im zugehörigen Thread posten.

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367

Tuesday, May 3rd 2016, 1:02pm

Hallo Olaf,

im Auto Radio zu hören, bedeutet für mich natürlich, während der Fahrt eine Taste zu betätigen und den gewünschten Sender zu hören. Stationär klappt das bei mir auch; von der Bedienung her gibt es keinen Unterschied, ob ich einen UKW-Sender (via Kabel) oder einen Internetsender einstelle. (Ich glaube, man kann die Favoriten sogar mischen, was ich aber noch nicht ausprobiert habe.) Für Stream oder Podcast kenne ich keine Möglichkeit, sie mit vergleichbar geringem Aufwand im Auto zu hören, deshalb kommt das für mich nicht in Frage.

Computer im Auto als Empfänger kann ich mir natürlich gut vorstellen (ich denke an meine Datenfernübertragungen per Akustikkoppler bei 300 Baud in der Telefonzelle, das war sicher noch etwas umständlicher), aber es dürfte keine Lösung für Otto Normalhörer sein.

Ich frage mich nur, was Amazon bei der Suche nach "Autoradio Internet" präsentiert. Ich habe vielleicht nicht intensiv genug nachgesehen, habe wenig Zeit. Sind das denn Geräte, die in den ein oder zwei DIN-Schächten im Auto das tun, was bei Dir Laptop oder Smartphone übernehmen? Wenn ich die Wahl habe zwischen DAB+ und Internetradio (bei bezahlbarem Internetzugang), wähle ich natürlich Letzteres.

Gruß, Anselm

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368

Tuesday, May 3rd 2016, 1:53pm

Hallo Anselm,

... eigentlich ist es im Auto genauso einfach, wie das Autoradio einschalten und den gewünschten Sender einstellen. Also:
Ins Auto steigen. Bluetooth beim Smartphone einschalten (bei den meisten Menschen ist diese Schnittstelle ständig an). Autoradio einschalten. Dieses erkennt automatisch mein Smartphone (steige ja nicht zum ersten Mal in die Kiste) und verbindet sich mit ihm.

Auf dem Smartphone sind natürlich die Apps der Sender installiert, hier bei mir WDR und Radioeins vom RBB. (Nur so am Rande: Die App "Tuner" beinhaltet "klassisches" Internetradio, was ich überhaupt nicht benutze. Zu eindimensional.)



Dann drücke ich noch die App. Hier in meinem Beispiel "Radioeins". Das ist also meine Programmtaste. Die App öffnet sich. Noch den Play-Button unten links drücken. Die gespielte Musik des Senders ertönt im Auto. Bei der WDR-App plärrt es ohne Playtaste sofort los. Das war es.



Nun kannst Du noch in der unteren Menuleiste den "Programm"-Button betätigen. Dann erscheint die Liste mit der aktuellen und den kommenden Sendungen.



Es läßt sich schon erahnen: Die untere Menüleiste bietet natürlich noch mehr. Hinter "Media" versteckt sich die Mediathek mit Videos, Audios, Podcasts etc; "Playlist" offenbart die aktuelle Liste der gespielten Songs usw .

Mir erscheint das nicht wirklich kompliziert. Es ist bei mir der gleiche Vorgang wie beim Starten meines iTunes, um meine Musik zu hören.

Und auch das noch: Ein separates Internet-Radio-Gerät fürs Auto erübrigt sich meiner Meinung nach. Das geht mit dem Smartphone doch alles besser und wesentlich konfortabler. Der Computer ersetzt doch alles. Da brauchts nur noch ein Paar Aktivboxen und einen guten Screen. Fertig.

Olaf
Olaf, der eher passiv seit Jahren hier mitliest und sich an den fachlichen Beiträgen über Tonbandgeräte erfreut

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369

Wednesday, May 4th 2016, 4:17pm

Hallo Wayne,

Nur habe ich den Eindruck, dass zumindest beim BR die UKW-Programme verjüngt werden sollen, während Randgruppen auf DAB verschoben werden. So entsteht der Eindruck, dass sie selbst von DAB als massentaugliches Medium nicht überzeugt sind. Auch BR4 soll ja dieses Jahr noch auf UKW beendet werden.

Oder sie schieben so lange auf DAB+, bis die UKW-Programme kein Interesse mehr finden. Glaube ich aber selbst nicht ganz. Ansonsten danke für die Infos.

Gruß, Anselm

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370

Wednesday, May 4th 2016, 4:25pm

Hallo Olaf,

vielen Dank für Deine ausführliche Beschreibung. Vieles davon war mir bekannt. Die Hauptprobleme bleiben für mich: 1. Meine Flatrate beinhaltet 100 MB, danach wird kräftig gebremst. 2. Mein Autoradio (im Paket des Audi A3 Bj. 2011) kannn zwar mit dem Smartphone freisprechen, aber keine Musik davon empfangen. :( Ach und 3. Das Handy meiner Frau, die auch ganz gern DAB+ im Auto hören würde, hat kein Internet, und selbst die relativ einfache Bedienung wäre ihr vermutlich zu umständlich. O mei.

Gruß, Anselm

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371

Wednesday, May 4th 2016, 6:17pm

Ich möchte bei UKW bleiben. Zu Hause habe ich Kabel und höre
in zwei Zimmern intensiv WDR5, DLF und D Kultur. In der Küche habe ich ein
Sonos Gerät das per W LAN arbeitet weil
ich dort keinen Empfang habe. Warum soll ich meine alten aber doch sehr guten Geräte
verschrotten, zB. meine B760? Auf dauer wird wohl das Internett immer mehr die
erste Wahl werden. DAB plus ist eigentlich schon veraltet.

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372

Tuesday, May 10th 2016, 12:33pm

Hallo Olaf,

im Auto Radio zu hören, bedeutet für mich natürlich, während der Fahrt eine Taste zu betätigen und den gewünschten Sender zu hören. Stationär klappt das bei mir auch; von der Bedienung her gibt es keinen Unterschied, ob ich einen UKW-Sender (via Kabel) oder einen Internetsender einstelle. (Ich glaube, man kann die Favoriten sogar mischen, was ich aber noch nicht ausprobiert habe.) Für Stream oder Podcast kenne ich keine Möglichkeit, sie mit vergleichbar geringem Aufwand im Auto zu hören, deshalb kommt das für mich nicht in Frage.

Computer im Auto als Empfänger kann ich mir natürlich gut vorstellen (ich denke an meine Datenfernübertragungen per Akustikkoppler bei 300 Baud in der Telefonzelle, das war sicher noch etwas umständlicher), aber es dürfte keine Lösung für Otto Normalhörer sein.

Ich frage mich nur, was Amazon bei der Suche nach "Autoradio Internet" präsentiert. Ich habe vielleicht nicht intensiv genug nachgesehen, habe wenig Zeit. Sind das denn Geräte, die in den ein oder zwei DIN-Schächten im Auto das tun, was bei Dir Laptop oder Smartphone übernehmen? Wenn ich die Wahl habe zwischen DAB+ und Internetradio (bei bezahlbarem Internetzugang), wähle ich natürlich Letzteres.

Gruß, Anselm

hallo Anselm,

das Problem beim Internetradio ist, dass es keine "Broadcast" Technologie gibt, wo ein Sender über einen Kanal eine große Zahl Empfänger versorgt. Jeder Hörer baut eine exklusive Verbindung zum Sender auf - dass das zu temporärer Überlastung führen kann, merkt man schon jetzt, wenn man z.B. auf WDR2 am Samstag "Liga live" hören will. Wenn ein attraktives Spiel läuft, kommt es oft zu ständgen Verbindungsabbrüchen oder man kommt gar nicht erst rein. Wenn alle UKW und DAB+ Hörer von jetzt auf gleich zum Internet wechseln würden, gäbe es einen Totalzusammenbruch.

Das zweite Problem ist, dass die Mobilfunkbetreiber nur dadurch eine so hohe Geschwindigkeit hinbekommen, dass sie für den Benutzer mehrere Kanäle bündeln. Beim klassischen Internet ist das kein Problem, weil die Verbindung immer nur kurz aufgebaut wird. Beim Internetradio schaltet aber jeder Hörer eine Dauerverbindung, was auch sehr schnell zu Überlastungsproblemen führen würde, wenn es alle machen würden.

Das ganze Desaster ist wieder einmal dadurch entstanden, dass sich die Anbieter über Jahrzehnte auf keine gemeinsame Richtung einigen konnten, und dadurch einer Technologie Raum gegeben haben, die eigentlich gar nicht für Radio gemacht war.

Im Auto setzen sich langsam aber sicher folgende Standards durch:

https://de.wikipedia.org/wiki/Android_Auto

https://de.wikipedia.org/wiki/CarPlay

Diese benutzen die Internetfunktionen des Smartphones, also auch Internetradio. Zum Nachrüsten gibt es auch schon länger Geräte mit Android als Benutzeroberfläche, entweder mit eingebautem Mobilfunkteil oder mit WLAN, um Verbindung zum Smartphone aufzubauen. Geb mal bei Ebay "Android Auto" ein, da kommen hunderte Modelle. Die Autohersteller haben leider den DIN-Schacht weitestgehend aufgegeben, oder es zumindest technisch sehr kompliziert gemacht, ein Nachrüstgerät einzubauen. Hinzu kommt, dass man für regelmäßige Nutzung des Internet Radio ein höheres Datenvolumen braucht, was entsprechende laufende Kosten produziert.

Ich persönlich glaube, dass UKW noch sehr lange Standard bleiben wird, Internetradio die Zukunft ist und DAB+ die hoffentlich letzte Episode des Trauerspiels Digitalradio.

Gruß Frank

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373

Tuesday, May 10th 2016, 1:18pm

Hallo Frank,

danke für Deine Informationen. Einiges davon, wie beispielsweise die exklusiven Verbindungen beim Internetradio, hätte mir eigentlich präsent sein sollen. Mit etwas Nachhilfe klappt's wieder.

Ich vermute, dass DAB+ doch noch eine begrenzte Zukunft hat. Man hat ja auch Bildschirmtext mit immensem Aufwand und viel zu wenig Werbung hochgepäppelt, bis das Internet in die Hufe kam und Btx binnen kurzer Zeit den Garaus gemacht hat.

Daran, dass das Internet DAB+ vertreiben wird, glaube ich auch. Aber mit einer genügend langen Zwischenzeit zu Neukauf und Verschrottung einer erklecklichen Zahl von DAB+-Empfängern.

Gruß, Anselm

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374

Tuesday, May 10th 2016, 3:32pm

DAB ist tot!

In der vergangenen Woche machte ich einen Versuch des Radiohörens via mobilem Internet im Auto. Christi Himmelfahrt. 11.15 Uhr bis 16:05 Uhr. 470 km. Von Berlin nach Cuxhaven über Hannover und Bremen. Viel Verkehr. Einige Staus. Viele potentielle Radiohörer. Scheinbar nicht via Internet. Radioeins vom RBB begleitete mich auf der ganzen Fahrt vollkommen störungs- bzw. unterbrechungsfrei. Natürlich auch durch das Sendegebiet des NDR. Über alle Grenzen. Gehört wurde über Kopfhörer. Fantastische Qualität. Im Hintergrund lief das Navi und ich habe Zeitungen online gelesen (ich saß nicht am Steuer). Keine Spur von Überlastungen.

Die Rückfahrt fand am Wochenende statt. Keine Staus. Wenig Verkehr. Via Smartphone nahm ich mittels WDR Radiorekorder auf meinem MacBook Air eine dreistündige Sendung auf. Läuft gerade über meine Revox-Anlage. Ohne Unterbrechung. Während also im Auto "aufgenommen" wurde, schaute meine Freundin "let's Dance" aus der RTL-Mediathek. Auch sie nahm keine Störungen war.

Also aktuell gibt es nach meinen Erfahrungen keine Probleme mit "Radio" im mobilen Internet. Theoretisch sind hier vorgetragenen Einwände (temporäre Überlastungen) berechtigt. Aber: Von heute auf morgen werden ja auch nicht alle umsteigen :)

Welche Probleme hätte ich mit UKW-Radio gehabt?
Welche Probleme wären mit DAB entstanden?
Zumindest hätte ich den RBB nicht im Bereich des NDR hören können ...

Und nun kann man noch einmal die Verbindung zum faz-Artikel ziehen: Würden die Mittel, die für DAB ausgegeben werden, zielführend in die interaktiven Möglichkeiten des Internet gesteckt, wäre das fürs Radio der größere Gewinn. DAB bietet keinerlei Vorteile. Es ist altmodisches Radio (was ich privat sehr schätze). Die Vielfalt der Möglichkeiten des Internet sind die Vorteile, die DAB wirklich altmodisch aussehen lassen ...

Olaf
Olaf, der eher passiv seit Jahren hier mitliest und sich an den fachlichen Beiträgen über Tonbandgeräte erfreut

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375

Wednesday, May 11th 2016, 12:40pm

Hallo Olaf,

DAB ist tot!

Totgesagte leben länger. Du beschreist den Tod von DAB(+) noch so lange, bis es ewig lebt. ^^ Offiziell liest sich das in Bayern anders.

Gruß, Anselm

P. S. Deinen "Reisebericht" habe ich natürlich beeindruckt gelesen.

376

Wednesday, May 11th 2016, 6:50pm

Hallo Olaf,

Und, wieviel Datenmengen wurden in dein versuch Verbraucht ? Nicht jeder kann es sich leisten eine Datenflat die wie wer weiss was hoch genug ist um einen ganzen Monat das Mobike hoervergnuegen ab zudecken fuer die Leute die taeglich und beruflich unterwegens sind.
Bei den meisten benutzern ist bei 1Gb schluss mit lustig und das internettradio verstummt und mann ist froh alternativen zu haben wie UKW und DAB+.
Ich putze hier nur...

377

Wednesday, May 11th 2016, 8:09pm

Das mit dem „Internetradio“ hat ja neben den technischen Beschränkungen den Hacken, das ein zusätzlicher Zugang zu einem „Netz“ vorhanden sein muss.
Dem Ursprung nach sollte der Empfang des Radios bzw. des Rundfunks der Allgemeinheit ohne diesen zusätzlichen (kostenpflichtigen) Zugang möglich sein.
Ohne freies Internet für Alle (und ohne individuelle Anmeldung) ist das so nun mal nicht möglich.

Ein weiterer Hacken ist die Kommunikation in zwei Richtungen, es ist halt jederzeit möglich Hörgewohnheiten (und Anderes) festzuhalten.

Gruß Ulrich

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378

Friday, May 13th 2016, 11:55am

Hallo @ all

Ich habe mir auch mal ein DAB+ Radio mit einem Optischen ausgang gekauft um es an meinem Set zu betreiben.

Habe auch schon 3 Jahre ein Sony fürs Auto aber höre doch mehr aus der Konserve.

Ich finde das Senderangebot hier in NRW echt schwach, wenn ich dagegen auf der DAB+ Internet Seite sehe was es in Bayern alles gibt.

Hier sind es nur 22 Sender die sich nach vorlieben dann noch mehr reduzieren, dann bleibt für mich eigentlich nur noch BOB und Relax über.

So wie ich das sehe tut sich da auch nichts mehr, das vielleicht noch welche dazu kommen, da lobe ich mir die Bayern mit glaube ich 69 Sendern

das ist echt ein Angebot, aber hier in NRW kann man damit wohl keinen hinterm Ofen hervor locken. ^^

Grüße Klaus

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379

Friday, May 13th 2016, 12:55pm

In der vergangenen Woche machte ich einen Versuch des Radiohörens via mobilem Internet im Auto. Christi Himmelfahrt. 11.15 Uhr bis 16:05 Uhr. 470 km. Von Berlin nach Cuxhaven über Hannover und Bremen. Viel Verkehr. Einige Staus. Viele potentielle Radiohörer. Scheinbar nicht via Internet. Radioeins vom RBB begleitete mich auf der ganzen Fahrt vollkommen störungs- bzw. unterbrechungsfrei. Natürlich auch durch das Sendegebiet des NDR. Über alle Grenzen. Gehört wurde über Kopfhörer. Fantastische Qualität. Im Hintergrund lief das Navi und ich habe Zeitungen online gelesen (ich saß nicht am Steuer). Keine Spur von Überlastungen.

Die Rückfahrt fand am Wochenende statt. Keine Staus. Wenig Verkehr. Via Smartphone nahm ich mittels WDR Radiorekorder auf meinem MacBook Air eine dreistündige Sendung auf. Läuft gerade über meine Revox-Anlage. Ohne Unterbrechung. Während also im Auto "aufgenommen" wurde, schaute meine Freundin "let's Dance" aus der RTL-Mediathek. Auch sie nahm keine Störungen war.

Also aktuell gibt es nach meinen Erfahrungen keine Probleme mit "Radio" im mobilen Internet. Theoretisch sind hier vorgetragenen Einwände (temporäre Überlastungen) berechtigt. Aber: Von heute auf morgen werden ja auch nicht alle umsteigen :)

Welche Probleme hätte ich mit UKW-Radio gehabt?
Welche Probleme wären mit DAB entstanden?
Zumindest hätte ich den RBB nicht im Bereich des NDR hören können ...

Und nun kann man noch einmal die Verbindung zum faz-Artikel ziehen: Würden die Mittel, die für DAB ausgegeben werden, zielführend in die interaktiven Möglichkeiten des Internet gesteckt, wäre das fürs Radio der größere Gewinn. DAB bietet keinerlei Vorteile. Es ist altmodisches Radio (was ich privat sehr schätze). Die Vielfalt der Möglichkeiten des Internet sind die Vorteile, die DAB wirklich altmodisch aussehen lassen ...

Olaf

dass es funktioniert, das habe ich auch schon mehrfach ausprobiert - und das es ( momentan ) toll ist, da gebe ich Dir recht.

Das Problem ist aber, dass momentan nur ein homöopathischer Teil der Radiohörer unterwegs das Internet nutzt. Die momentan noch fehlende Massentauglichkeit des mobilen Internetradios und des mobilen Internets im Allgemeinen ist nicht temporär, sondern wäre ein reales Problem, das sofort zuschlagen würde, wenn Internetradio zum Massenphänomen werden würde.

Das ist ein wenig wie beim Elektroauto - momentan reicht es noch aus, vier Räder an einen großen Haufen Computerakkus zu hängen, um als der große futuristische Meister gefeiert zu werden. Und so lange nur ein paar zigtausend Autofahrer weltweit mit sowas rumfahren, ist es auch ganz toll. Wenn das Elektroauto aber zum Massenphänomen werden würde, kämen sofort einige Killer-Probleme zum Tragen, für die bis heute keine Lösung in Sicht ist.

DAB+ hat halt das Problem, das es wieder nur ein einfaches von oben gesteuertes Einheitsradio ist. Es wäre wirklich gut, wenn sich die Macher endlich darum kümmern würden, das Internetradio massentauglich zu machen, statt weiterhin Millionen in ein System zu versenken, das schon tot war, bevor es geboren wurde.

Aber irgendwie ist es momentan in ganz vielen Bereichen so - vom Prinzip her funktioniert es, bei der Umsetzung für de Massenmarkt herrscht aber Stillstand.

Gruß Frank

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380

Friday, May 13th 2016, 1:53pm

Dem Ursprung nach sollte der Empfang des Radios bzw. des Rundfunks der Allgemeinheit ohne diesen zusätzlichen (kostenpflichtigen) Zugang möglich sein.

In manchen Ländern war und ist der Hörfunk tatsächlich kostenlos. Nicht so in Deutschland. Hier mußte (und muß?) ein Empfänger erst angemeldet und eine Gebühr entrichtet werden, damit man legalen Zugang zu diesem « Netz » bekam. So ist der Hörer an den Kosten der Programmerstellung und der Infrastruktur beteiligt.

Das Internet bietet neben den Hörfunkprogrammen ja noch zahlreiche weitere Dienste, wie z. B. die Telephonie, die auch bisher schon kostenpflichtig waren. Man bezahlt also für ein ganzes Paket, in dem auch Hörfunk enthalten ist. Würde freies Internet für alle auch kostenloses Telephonieren für alle bedeuten?

Ein völlig freies Internet kann ich mir nicht recht vorstellen. Die Infrastruktur kostet ja schließlich Geld. Das könnte man zwar aus Steuern aufbringen, aber in anderen Bereichen der Grundversorgung, wie z. B. bei Strom oder Wasser, wird auch der Nutzer über eine pauschale Grundgebühr an diesen Kosten beteiligt.

Was DAB+ anbelangt, so leuchtet mir nicht recht ein, weshalb viel Geld in den Aufbau eines digitalen Verbreitungsweges für Hörfunk gesteckt wird, während sich gleichzeitig mit dem Internet eine digitale Alternative entwickelt. Mit zunehmender Zahl freier Hotspots wird das Netz auch zunehmend für mobile Endgeräte erreichbar und es bietet eben sehr viel mehr als « nur » Hörfunk. Als Alternative zum Internet genügte doch eigentlich auch der analoge UKW-Rundfunk, für den die gesamte Technik bereits allgemein verbreitet ist.

Am meisten stört mich an der Debatte um digitales Hörfunk, daß die Politik sich Gedanken über einen Termin macht, an dem der analoge Hörfunk abgeschaltet werden soll. Was hat die Politik da mitzureden? Ist das nicht eine Angelegenheit, die Radiosender und -hörer unter sich ausmachen können?

Gruß
TSF

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381

Friday, May 13th 2016, 2:02pm

Nicht nur, es geht um die rechtlich vorgegebene Grundversorgung mit Informationen.
Das Drumherum:
Liebe(r) ...
(Beitragstext s.o.)
LG, Jochen

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382

Friday, May 13th 2016, 2:48pm

Das ist natürlich ein Argument für eine Mitsprache der Politik.

Aber bei der Frage analog/digital geht es ja vor allem um das "Wie" und nicht um das "Ob".
Mit einem vorgegebenen Abschalttermin fiele ein bestehender Vertriebskanal weg. Wären dann noch nicht alle Hörer auf digtale Geräte umgestiegen, brächte man gerade diese Grundversorgung in Gefahr.

Die Frage lautet also: Mit welchem Recht will die Politik uns zwingen, von einem bereits bestehenden Verbreitungsweg auf einen anderen umzusteigen? Sollte das nicht zu einem Zeitpunkt geschehen, den Stationen und Hörer bestimmen und nicht die Politik?

Gruß
TSF

383

Friday, May 13th 2016, 4:27pm

In manchen Ländern war und ist der Hörfunk tatsächlich kostenlos. Nicht so in Deutschland. Hier mußte (und muß?) ein Empfänger erst angemeldet und eine Gebühr entrichtet werden, damit man legalen Zugang zu diesem « Netz » bekam. So ist der Hörer an den Kosten der Programmerstellung und der Infrastruktur beteiligt.


Du kannst und konntest auch früher dein UKW oder auch DAB Radio auf den Tisch stellen und im entsprechenden Empfangsgebiet Radio hören, also die Information empfangen. Die Rundfunkgebühr hat da ja erst mal nichts mit zu tun, sie stelt keine technische Hürde dar.

Gruß Ulrich

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384

Friday, May 13th 2016, 6:29pm

Du kannst und konntest auch früher dein UKW oder auch DAB Radio auf den Tisch stellen...

Können schon, aber nicht dürfen, zumindest nicht in Deutschland. Es gibt keine technische Hürde, das stimmt schon, aber es gibt eine juristische. In dem Augenblick, in dem Du in den Besitz eines betriebsbereiten Empfängers kommst, mußt Du eine Gebühr bezahlen. Die Nutzung der elektromagnetischen Wellen, die da durch den Äther schwirren, ist in Deutschland nicht kostenlos, auch wenn man sie ohne die Hilfe Dritter (also z. B. eines Internet-Providers) nutzen könnte. Auch die Ausrede « Ich höre aber nie deutsche Sender, sondern nur auf der Kurzwelle eine Station in den peruanischen Anden, die von mir kein Geld eintreiben kann » befreit nicht von der Gebührenpflicht.
Man ist als Hörer also zwangsweise an den Kosten beteiligt, und zwar nicht nur an den Kosten der Programmerstellung, sondern auch an den Kostan der Ausstrahlung. Die Gebühr hat damit also sehr wohl etwas zu tun. Wer Rundfunk über Kabel empfängt, zahlt zusätzlich auch die Kabelgebühr, ist also an den Kosten auch dieses Verbreitungsweges beteiligt. Das ist natürlich ungerecht gegenüber jenen, die zwar Kabel, aber nicht die terrestrische Ausstrahlung nutzen. Die müßten eigentlich die Rundfunkgebühr ermäßigt bekommen. Allerdings ist das schwer zu kontrollieren, also zahlt man zwangsweise für die Ausstrahlung mit.

Dieses auf Treu und Glauben (und gelegentliche Kontrollen) beruhende Gebührensystem verdanken wir wohl der Tatsache, daß zu Beginn der Rundfunkära in den Zwanzigern technische Hürden schwer zu realisieren waren. Aus der Tradition heraus blieb uns dieses Gebührensystem erhalten. Heute könnte man es anders machen und tut dies auch. Einige Privatanbieter machen es vor, und dies auch schon zu Zeiten analoger Ausstrahlung. Man strahlt das Programm verschlüsselt aus und zwingt den Kunden zur Anmietung eines Dekoders.

Gruß
TSF

Edit: Man sollte bei der Gebührenfrage nicht aus den Augen verlieren, daß unsere ARD-Sendeanstalten, also die Gebührenempfänger, nicht nur Programmersteller, sondern auch Eigentümer und Betreiber der Sendeanlagen sind (also des "Netzes"), während bei der Verbreitung über das Internet oder das Kabel eben ein Dritter mit ins Spiel kommt, der Leistungen erbringt und dafür die Hand aufhält.

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385

Friday, May 13th 2016, 8:18pm

Du kannst und konntest auch früher dein UKW oder auch DAB Radio auf den Tisch stellen...

Können schon, aber nicht dürfen, zumindest nicht in Deutschland. Es gibt keine technische Hürde, das stimmt schon, aber es gibt eine juristische. In dem Augenblick, in dem Du in den Besitz eines betriebsbereiten Empfängers kommst, mußt Du eine Gebühr bezahlen.

Vielleicht solltest Du Deine Informationen aktualisieren. ;-) Bei der sog. "Haushaltsabgabe" ist es völlig egal, ob ein empfangsbereiter Empfänger vorhanden ist oder nicht.



Man ist als Hörer also zwangsweise an den Kosten beteiligt, und zwar nicht nur an den Kosten der Programmerstellung, sondern auch an den Kostan der Ausstrahlung. Die Gebühr hat damit also sehr wohl etwas zu tun. Wer Rundfunk über Kabel empfängt, zahlt zusätzlich auch die Kabelgebühr, ist also an den Kosten auch dieses Verbreitungsweges beteiligt. Das ist natürlich ungerecht gegenüber jenen, die zwar Kabel, aber nicht die terrestrische Ausstrahlung nutzen. Die müßten eigentlich die Rundfunkgebühr ermäßigt bekommen.

Wieso? Wenn sich jemand keine Antennen für SAT oder DVB-T anschaffen möchte (oder je nach Hausbesitzer nicht darf) und einen Dienstleister dafür bezahlt, die TV- und Radioprogramme zu empfangen und per Kabel zu ihm zu transportieren, ist das sein Privatvergnügen. Das hat mit der Rundfunkgebühr überhaupt nichts zu tun.



Dieses auf Treu und Glauben (und gelegentliche Kontrollen) beruhende Gebührensystem verdanken wir wohl der Tatsache, daß zu Beginn der Rundfunkära in den Zwanzigern technische Hürden schwer zu realisieren waren. Aus der Tradition heraus blieb uns dieses Gebührensystem erhalten. Heute könnte man es anders machen und tut dies auch. Einige Privatanbieter machen es vor, und dies auch schon zu Zeiten analoger Ausstrahlung. Man strahlt das Programm verschlüsselt aus und zwingt den Kunden zur Anmietung eines Dekoders.

Die BBC hatte zur Reduzierung von Lizenzgebühren ein paar Jahre (zumindest) die SAT-Ausstrahlung verschlüsselt. Das Ergebnis war, daß die Verwaltung der "Kunden" und die Lizenzkosten für das Verschlüsselungssystem teurer waren als die eingesparten Lizenzkosten für die Programminhalte.



Edit: Man sollte bei der Gebührenfrage nicht aus den Augen verlieren, daß unsere ARD-Sendeanstalten, also die Gebührenempfänger, nicht nur Programmersteller, sondern auch Eigentümer und Betreiber der Sendeanlagen sind (also des "Netzes"), während bei der Verbreitung über das Internet oder das Kabel eben ein Dritter mit ins Spiel kommt, der Leistungen erbringt und dafür die Hand aufhält.

Nur die ARD hatte eigene Sender für Hörfunk und das erste TV-Programm, die Sender für das ZDF und die dritten Programme wurden damals von der Bundespost, danach von der Telekom betrieben.
Die Sender für DAB+ (um die es in diesem Thread geht) werden nach meinen Informationen von Media Broadcast (Telekom) betrieben. Das kostet auch Geld wie die Anbindung der Streamingserver für Internetradio an das Internet durch einen ISP.


Grüße

96k

386

Friday, May 13th 2016, 8:40pm

Ich weiß nicht warum hier einen Zusammenhang herstellt wo keiner ist.

Rundfunk ist von der Definition eine an die Allgemeinheit gerichtete Information, eine einseitige Kommunikation. Das kann Analog oder Digital sein.
Neben den Rundfunkgesetzen kann man aus der Rundfunkgebühr höchstens die Pflicht ableiten, das diese an die Allgemeinheit gerichtete Information erhalten bleibt.

Internetradio ist immer Zweiseitig, die Information muss in einem geschlossenem (kostenpflichtigem) Netz (egal wie groß dieses Netz nun ist) erst angefordert werden und wird dann individuell zugestellt.

Nach dem derzeitigen Rundfunkgesetz (Ländersache) ist Internetradio kein Rundfunk (aber durch die Möglichkeit ÖR zu hören Rundfunkgebührenpflichtig).
Gesetze kann man natürlich ändern, die Frage ist aber ob es hier erstrebenswert ist.

PS: Auch ich zahle die Rundfunkgebühr nicht gerne, aber sie hat mit dafür gesorgt, das unser Rundfunk so ist wie er ist. Ich halte ihn nicht für den Schlechtesten auf der Welt.

Gruß Ulrich

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387

Tuesday, May 17th 2016, 4:31pm

das ist momentan noch richtig, es gibt aber starke politische Bestrebungen, die Versorgung mit Breitband Internet als Bürgerrecht zu verankern und auf die selbe Stufe wie die mediale Grundversorgung zu stellen.

Das Recht auf mediale Grundversorgung, wie es heute festgeschrieben ist, ist eigentlich eine total überholte Angelegenheit. Es stammt aus der Zeit, wo es noch keine Alternativen gab, wo also das Medium für mediale Grundversorgung das einzig verfügbare war. Mit dem Kabelfernsehen in den achtzigern und der Satellitentechnik in den neunzigern begann sich die Einheitlichkeit aufzulösen, und irgendwann musste man dann beim Fernsehen feststellen, dass das Medium für mediale Grundversorgung eigentlich gar nicht mehr genutzt wurde. Seitdem gibt es parallel zu dem, was das Volk nutzt, immer auch ein Medium, das nur dafür gut ist, das Grundrecht zu erfüllen. DVB-T war z.B. so ein Medium, man konnte es dem Volk als Fortschritt verkaufen, und gleichzeitig viele Sender einsparen. DAB+ geht in die selbe Richtung - man versucht, UKW durch eine weniger aufwändige Lösung zu ersetzen, und gibt ihr ein paar Zusatzgimmicks mit, um Fortschritt zu dokumentieren - tatsächlich geht es aber darum, den Rundfunk in Deutschland mit weniger Sendern abwickeln zu können. Dabei wäre es am schlauesten, diesen Blödsinn einfach sein zu lassen, und lieber die Voraussetzungen zu schaffen, dass das genutzte Medium auch wieder das Medium für die Grundversorgung wird - nach heutigem Stand wäre dies das Internet.

Dass das Internet ein bidirektionales Medium ist, würde ich eher als Bereicherung sehen als als Hindernis. Rundfunk als Service Provider, der pro Woche einen bestimmten Pool an Sendungen bereitstellt, und der Hörer ruft diese Sendungen ab, wenn er sie hören kann / will. Habt Ihr Euch noch nie darüber geärgert, eine Sendung nicht zuende hören zu können, weil man am Arbeitsplatz angekommen ist oder das Sendegebiet verlässt ? DAB+ bietet hier nur wenig, was UKW nicht bietet.

Gruß Frank

388

Wednesday, May 18th 2016, 1:29am

Und ist wieder mit zusaetzliech laufenden kosten verbunden die zu den Rundfunkabgaben hinzu kommen, somit mann wieder zwangsweise das mobile Internet braucht. und dank bidirektionale Verbindung ist auch wieder anderen gefahren ausgesetzt.
Ich putze hier nur...

389

Wednesday, May 18th 2016, 8:35am

Solange es bei mobilen Verbindungen keine echte kostengünstige Flat gibt, wird Internet-Radio ein Nischenprodukt für daheim bleiben.
Hab hier nur ein Volumen von 1GB mobil pro Monat was mit Internet-Radio im nu aufgebraucht wäre.
Zudem gibt's hier (wie im Großteil des Wienerwaldgebietes) bei mir weit und breit kein 3G (bzw. 4G nur mit aufwändiger Dachantenne). Mit 2G/Edge ist Internet-Radio nicht empfangen.
DAB+ läuft im Raum Wien als Probebetrieb und ist eine echte Bereicherung zu den ÖR-Radios. Zudem kann ich hier DAB+ ohne Störungen (wie bei UKW z. B. Rauschen bei schwachen Sendern) genießen.
UKW ist eine Krücke nur für den Nahbereich. Nur die ÖR-Sender senden auch mit entsprechender Leistung um nicht nur im Nahbereich von Wien empfangen zu werden. Die meisten privaten Radios sind außerhalb der Wiener Stadtgrenze faktisch tot und bei mir, trotz UKW-Dachantenne, im hügeligen Umland nur mehr gestört bzw. verrauscht in Stereo zu empfangen..
DAB+ kann hier punkten. Mit DAB+ hab ich 100% störungsfreien Empfang trotz kleinerer Sendeleistung und ohne direkter Sichtverbindung zum Turm.
Bei den nächsten Wahlen wähle ich die NSA, denn die sind die einzigen die sich um mich kümmern.

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390

Wednesday, May 18th 2016, 3:27pm

was Du hier beschreibst, ist eine kleine Momentaufnahme - ich kann Dir auch genügend Regionen in Deutschland zeigen, wo UKW und Internet hervorragend funktionieren, und DAB+ nicht. Und das mit der Volumensbegrenzung ist dem noch nicht ausreichenden Netzausbau geschuldet - wie übrigens auch die ganzen weissen Flecken bei der DAB+-Versorgung.

Was ich so schwachsinnig finde, ist, seine Ressourcen nicht zu bündeln, sondern auf alle möglichen Baustellen zu verteilen. Der Internetausbau muss sowieso gemacht werden, das Radio ist da nur ein kleiner Nebenschauplatz. Statt aber den Vorteil zu nutzen, das Radio in Zukunft kostengünstig in einem Universalnetz mit unterbringen zu können, kämpft man für politische Rundfunklösungen, die zwar digital sind, aber vom Konzept her keinen Fortschritt darstellen. Auch mit DAB+ gibt es eine stark begrenzte Senderzahl, auch DAB+ ist ein Berieselungsfunk nach dem friss oder stirb Prinzip, auch bei DAB+ gibt es keine Angebote wie Audio on Demand, und selbst der bundesweite Empfang aller öffentlich rechtlichen Sender, mit dem am Anfang geworben wurde, ist mittlerweile vom Tisch - wenn man in den letzten Jahren öfter mal auf der Seite www.digitalradio.de vorbeigeschaut hat, stellt man fest, dass in den letzten drei bis vier Jahren quasi nichts mehr passiert ist bei DAB+. Trotzdem werden weiterhin Millionen in den Ausbau gestopft, frei nach dem Motto "wenn Du merkst, dass Du ein totes Pferd reitest, mach einen schöneren Sattel drauf und häng ihm einen Hafersack um".

Wenn nur ein Teil des Geldes, das in den letzten 20 Jahren in sinnlose Digitalradioexperimente versenkt wurde, dem Internetausbau zugute käme, hätten wir heute wahrscheinlich schon eine mobile Flatrate für alle, ohne zusätzliche Kosten. Ähnlich sieht es übrigens beim Fernsehen aus - auch hier könnte man für unterwegs ausreichendes Fernsehen per IP übertragen, wie man z.B. an YouTube gut erkennen kann - statt aber hier zu investieren, stopft man das Geld lieber in den Nachfolger des Rohrkrepierers DVB-T - vielleicht sollte man sich mal hierüber aufregen, wenn man über Geldverschwendung redet. Irgendwie erinnert mich das momentane Gebaren der Sendeanstalten ein wenig an das Öllampenkartell, das damals mit allen Mitteln die edisonschen Glühlampen verhindern wollte.

Gruß Frank