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  • »Peter Ruhrberg« ist der Autor dieses Themas

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1

Mittwoch, 8. Juni 2016, 19:39

Ein funktionierendes Tonstudio aus den 1950er Jahren

Hallo,

ein kurzer Beitrag des BR über "Moonshine Records", ein Münchner Vintage-Studio:

http://www.br.de/mediathek/video/sendung…o-50er-100.html

Wird auch in der Ausgabe 04/2016 von "Sound & Recording" vorgestellt.

Grüße, Peter

2

Mittwoch, 8. Juni 2016, 20:32

Dann wünschen wir ihnen, dass ihnen die NOS-Ware nie ausgehen möge.

niels
Ich halte die analoge Aufzeichnung einer qualitativ gut erzeugten digitalen Aufzeichnung für unterlegen.
Aber jene macht mir mehr Freude.

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3

Mittwoch, 8. Juni 2016, 23:07

die Technik in dem Studio ist für einen Nostalgiker natürlich grandios. Was mich an diesen Berichten immer nervt, ist dieses pseudophilosophische Gelaber, mit denen begründet wird, wieso Technik von vorvorgestern besser ist als der ganze moderne Kram.

Das ist so ein typisch deutsches Ding. In England bauen die Leute ihre Oldtimer auf und haben dann Spaß daran ohne wenn und aber, in Deutschland geht sofort das Geschwurbel los über Kulturgut und dass nur ein Vorkriegsroadster ohne Wetterschutz und Motorleistung die wahre Erleuchtung beim Autofahren bringt.

Und ehrlich gesagt, warte ich schon eine ganze Zeit lang auf den Moment, wo jemandem das Vinyl nicht mehr umständlich genug ist, um wahrhaft zu sein, und er Stereo verneint, und sich der Schellack-Ära zuwendet. Über 100 Jahre haben sich die Techniker abgemüht, die Tonkonserve hochwertig, portabel und verfügbar zu machen, mit dem Ergebnis, dass hochwertige portable und verfügbare Technologien nicht mehr gewollt werden. Der Mensch ist schon ein komisches Tier. Was kommt als nächstes ? Kriegen wir wieder das vollmechanische Grammofon, weil elektrischer Strom ein mieses Karma macht ?

Gruß Frank

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4

Donnerstag, 9. Juni 2016, 23:48

Hallo Peter,

das ist ja großartig! Ich mag den Sound aus dem Ende der 1940er bis zum Anfang der 1970er.
Danke für den Link. :)

VG, Jan
Viele Grüße, Jan

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5

Freitag, 10. Juni 2016, 08:42

Und schwups! Da haben wirs schon! :-)

Martin
Leute, bleibt schön glatt gewickelt!

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6

Freitag, 10. Juni 2016, 09:00

Zu schnell für mich waren die Infos bzgl. Schallplattenschnitt. Was meinte der Interviewte mit den "originalen Tonträger" aus dem Jahr 1943?
Das Drumherum:
Liebe(r) ...
(Beitragstext s.o.)
LG, Jochen

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7

Freitag, 10. Juni 2016, 09:42

Ich fürchte, mit den "Original-Tonträgern" waren Acetat-Lack-Aufnahmeplatten gemeint (wie sie bei uns als "Decelith" verbreitet waren). Das ist reine Nostalgie und hat nichts, aber auch gar nichts mit Tonqualität oder gar Hifi zu tun. Überhaupt weiß ich nicht so recht, was bei diesem Moonshine-Studio rauskommen soll. Mehr als Nostalgie doch wohl nicht. Nur ein Beispiel: Habt ihr gesehen, welches Bandmaterial zur Aufnahme verwendet wird? Ampex 2400/7 auf der Einlochspule aus den 70ern, also Shamrock Doppelspielband hellbraun. Das gibt schon auf Heimgeräten wenig Nutz- und viel Rauschpegel. Und das auf einem US-Gerät von damals? Für ne Rolle PER 528 oder so hat's nicht gereicht? Was soll dabei rauskommen? Neenee, sieht für mich alles eher nach Spaß und Show aus.

Und was der Musiker erzählt. "Unsere Ohren hören ja mono." Habt ihr das gewusst?

Aber über den unvergleichlichen Klang fabulieren.

Eine Fahrt in einem restaurierten Oldtimer aus den Fünfzigern macht Spaß, zweifellos. Aber kein Oldtimerfan würde behaupten, dass ein, sagen wir, Mercedes von 1954 schneller/besser/komfortabler fährt als ein heutiger. In der Audioszene ist das aber so. Merkwürdig.

Gruß
Stefan


Gruß
Stefan

8

Freitag, 10. Juni 2016, 12:20

Ich kenne sogar Leutz, die meinen, eine SW-Glotze aus den 60ern hat ein viel besseres Bild als ein moderner Flachbild-TV!
Oder auch einige, die nur auf Mono-Sound aus einer Röhren-Musiktruhe aus den spät-50ern schwören.
Ich sags so: "... net amoi ignorieren" . Jeder wie er mag!
Bei den nächsten Wahlen wähle ich die NSA, denn die sind die einzigen die sich um mich kümmern.

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9

Freitag, 10. Juni 2016, 13:27

Ich empfehle, die Äußerungen im Beitrag nicht allzu hoch zu hängen. Die sind ja übriggeblieben von dem vermutlich mehrstündigen Aufenthalt des TV-Teams. Soll heißen: Wir hören vermutlich das, was hinreichend die Klischees des TVs bedient bzw. das wiedergibt , von dem das TV meint, dass es die Zuschauer hören wollen. Was bei "Kompression" an Differenzierungen unter den Tisch fällt, kennen wir ja zur Genüge. ;)
Das Drumherum:
Liebe(r) ...
(Beitragstext s.o.)
LG, Jochen

10

Freitag, 10. Juni 2016, 16:32

Es wurde doch deulich gesagt: Das moderne Bandmaterial ermöglicht zu viel Dynamik. 70er Jahre-Material ist eigentlich schon zu modern. (Bitte achten Sie bei der Auswahl des Bandmaterials, dass kubisches Pigment verarbeitet wurde....)

niels
Ich halte die analoge Aufzeichnung einer qualitativ gut erzeugten digitalen Aufzeichnung für unterlegen.
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11

Sonntag, 12. Juni 2016, 10:47

Ich fürchte, mit den "Original-Tonträgern" waren Acetat-Lack-Aufnahmeplatten gemeint (wie sie bei uns als "Decelith" verbreitet waren).

Gut möglich.
Einige Hörbeispiele damals verwendeter Schallaufzeichnungsverfahren liefert ein Bericht der Jahrestagung 2009 (nach unten scrollen) der deutsch-schweizerischen Gruppe der IASA (International Association of Sound and Audiovisual Archives).

Grüße, Peter

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Peter Ruhrberg« (12. Juni 2016, 11:39)


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12

Sonntag, 12. Juni 2016, 11:48

Oder auch einige, die nur auf Mono-Sound aus einer Röhren-Musiktruhe aus den spät-50ern schwören.


Na ja, "drauf schwören" ist etwas anderes als "für besser halten", oder? Objektiv ist die Studiotechnik ja eigentlich immer besser geworden, aber ob man die mit moderner Technik hergestellten Produktionen subjektiv lieber mag als die älteren, steht für mich auf einem anderen Blatt. Für mich klingen viele Alben aus den 2000er und 2010er Jahren auch künstlich und steril, da ziehe ich von der Produktionstechnik meist etwas aus den 1960er bis 1980er Jahren vor.

13

Sonntag, 12. Juni 2016, 15:39

zunächst:

"Und was der Musiker erzählt. "Unsere Ohren hören ja mono." Habt ihr das gewusst?"

Unser Ohr bzw. der nachgeschaltete Rechner kann bei einfachen Schallereignissen in etwa die Richtung bestimmen, aus der dieses Ereignis kommt. Aber bereits hier kann die Wahrnehmung durch Reflexionen gestört sein. Bei komplexen Schallereignissen wie Musik, die von mehr als ein oder zwei Quellen stammt, wird das zunehmend schwierig.

"stereo" ist in vielen Fällen ein Lüge. Zu der komplexen Problematik der stereofonen Aufnahme mag vielleicht Peter etwas beitragen. Früher hat diesen Part Hans-Joachim übernommen.
Wenn ich in der 5. Reihe/Parkett in der Liederhalle/Beethovensaal in Stuttgart ein Konzert höre, kann ich z.B. die Celli nicht lokalisieren, wenn ich sie nicht sehe.
Bei kleinen Jazz-Ensembles in kleineren Clubs ist es genauso. Wenn ich die Augen schließe, kann ich höchsten noch die Bläser lokalisieren. Und das, obwohl meine Ohren noch nicht geschädigt sind (sagt jedenfalls mein HNO-Arzt).
Anders sieht es nur bei Konzerten mit großem PA-System aus, bei denen die Technik bzw. der Knecht am Mischpult den Raum aufbläst.

Und dann noch Dolby 7.1: das ist vielleicht etwas für den Burli mit den 3 Uhrli auf beiden Seiten des Kopfes:
https://www.youtube.com/watch?v=_fgYiCD93QY

Wer die Seite der Firma Dolby besucht oder eine der Hifi-Messen wird bombardiert mit den Begriffen "Sound" oder "Klang". Die Quelle scheint eher unwichtig.

Wenn man in Richtung einer Wand läuft, macht es Sinn, stehenzubleiben oder vielleicht auch einen Schritt zurück zu machen. Insofern finde ich die "Moonshine Records" sympathisch.
Man muß sich halt entscheiden, was man haben will: Aufnahme (musikalischer) Wirklichkeit, oder Effekthascherei.
Und das ist durchaus unabhängig von der verwendeten Technik, beides geht mittels analoger Signalverarbeitung (hier etwas schwerer) und mittels digitaler. Das hängt allein vom Produzenten ab.

Mir drängt sich immer ein Vergleich mit der Malerei des 19.Jahrhunderts auf: nach der idealisierenden und moralisierenden Genremalerei kam der soziale Realismus. Ich warte auf den Realismus in der Aufnahmetechnik.

Frank

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14

Sonntag, 12. Juni 2016, 16:08

Realismus in der Aufnahmetechnik

Hm, was könnte das denn sein? Ein (Stereo-)Mikro in den Aufnahmeraum halten und warten, was passiert? Das mag doch keiner hören.
Das Drumherum:
Liebe(r) ...
(Beitragstext s.o.)
LG, Jochen

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Sonntag, 12. Juni 2016, 16:47

"stereo" ist in vielen Fällen ein Lüge. Zu der komplexen Problematik der stereofonen Aufnahme mag vielleicht Peter etwas beitragen. Früher hat diesen Part Hans-Joachim übernommen.

Für eingehende Diskussionen über diese Themen - auf jedem denkbaren Niveau und in fast jeder gewünschten Detailliertheit - gibt es sogar ein ganzes Forum (da bin ich unter dem Nick "alex" unterwegs).

Offen gestanden: Das Arbeitspensum, das ich in meine dortigen Beiträge während der vergangenen sechs Jahre gesteckt habe, möchte ich hier ungerne wiederholen. Auf spezifische Fragen gehe ich natürlich gerne nach wie vor ein. Zur Problematik stereofoner Übertragung allgemein gibt es inzwischen meterweise Fachliteratur kundiger Autoren.

Leider hat sich mit dem Tod meines Kollegen und Freundes Eberhard Sengpiel („ebs“) im August 2014 auch mein Input im "tonthemen"-Forum merklich verringert. Wer sich über Themen im Bereich der Aufnahmetechnik und Studiotechnik umfassend und genau informieren möchte: Eberhards Webseite steht nach wie vor online.

Grüße, Peter

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16

Sonntag, 12. Juni 2016, 17:19

Nur zur Begriffsklärung: Wir hören weder mono noch stereo, sondern binaural.
Viele Grüße
Lukas

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17

Sonntag, 12. Juni 2016, 17:36

So ist es.
In der Anfangszeit hieß es schlicht "räumliches Hören".
Mono / stereo / quadro / WFS ... sind Bezeichnungen für Übertragungsarten.

Grüße, Peter