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  • "PeZett" started this thread

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Date of registration: Mar 23rd 2006

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1

Wednesday, July 26th 2006, 8:20pm

Über die Dauerbelastbarkeit einer Zweierbeziehung nach DIN45500


Heute sitze ich zwischen Bergen von technischem Gerät, vornehmlich
der Unterhaltungselektronik angehörend und denke, mittlerweile völlig
vereinsamt, darüber nach, wie eigentlich alles anfing…
…damals…
…als die Welt noch zu zweit genossen wurde…
…eine Familie gegründet wurde…
…Musik über eine langweilige 0815-Stereoanlage gehört wurde…

Es muss an einem dieser langen verregneten Herbstabende passiert sein,
als ich beim Aufräumen einen HiFi-Katalog aus den 70er Jahren in die
Finger bekam. Erinnerungen wurden wach an die frühpubertären Wünsche,
damals geweckt durch Tonbandgeräte vom Typ einer A77 oder einer
Sony TCweisnichtwas, Verstärkern von Marantz und Scott, Cassettendecks
von AKAI, Eumig und …
„Ach, sind die schön“ dachte ich mir und an eben diesem Herbstabend werfe
ich einen Blick in WW-Web, durchstöbere Marktplätze, Foren und Auktionen.
Da sind sie alle vertreten – die Idole der Jugend. An Jahren gereift, nicht ganz
ohne Mucken und Macken aber zum Greifen nahe.
Und schon brüllt tief in mir eine Stimme: „kauf doch mal so’n Ding!“.

Ein paar Tage später dann steht ein riesiges Tonbandgerät mit 25 kg „Trocken-
Gewicht“ vor mir. Nun müssen Bänder her. Nach Kauf eines Vorrates, der für
die nächsten 10 Jahre reicht (man weis ja nie…) stelle ich fest, dass ein Regal hermuss.
Die Tonbandspulen und das Gerät selbst sind so schwer und gross, dass sie in
dem Schrank, in dem die 0815-Stereoanlage steht unmöglich Platz findet.

Eine erste Diskussion mit meiner Frau beginnt („Muss das denn sein?“ JA es MUSS!).
OK – Regal gekauft und fertig. Bald darauf wurde mein Gemüt vom Zweifel geplagt,
ob denn die Bandmaschine überhaupt stilgerecht über die 0815-Anlage spielen darf.
Die Antwort lautete eindeutig: NEIN. Und wenn schon, dann eine vernünftige
Vor- und Endstufenkombi mit Doppel-Mono-Aufbau.

Nach erschöpfender Suche wurde ich auf dem Gebrauchtmarkt fündig. Der Haken:
Der Verkäufer hatte auch noch ein Tonbandgerät in der Ecke stehen. („Hätten Sie da
evtl. auch noch Interesse dran?“) Schnell ist ein „Gesamtpaket“ geschnürt und preislich
verhandelt.
Zuhause dann die Ernüchterung: Volumen und vor allem das Gewicht der Neuzugänge
lassen das Regal ganz schön „durchhängen“. Es muss ein stabileres Regal her. Sowas
muss man sich bauen – das gibt es nicht von der Stange, dachte ich mir. Meine Frau
dachte anders:“Unsere Stereoanlage braucht doch auch keine Stahlgerüste? Warum das
alles…?“ „Die alte Anlage taugt doch nix – glaube mir mein Schatz, nur wo richtig
Material drin ist, kommt auch guter Sound raus.“ Gesagt – getan.

Dann stellte sich die Boxenfrage. Natürlich waren die Kompaktboxen der 0815-Anlage
völlig untauglich, denn nur wo richtig Material drin ist… .
Die daraufhin angeschafften Standboxen brauchten noch ein paar
Spikes, die von meiner Frau sehr argwönisch betrachtet wurden: „Was sagt unser
Laminatboden dazu?“.
Die Suche nach dem passenden Lautsprecher-Monster-Kabel lenkten
meinen Blick auf einen HiFi-Marktplatz auf dem diverse „Vintage“-HiFi-
Geräte feil geboten wurden. Wieder war es ein Tonbandgerät („Platz haben wir
ja noch im Regal …“) dass mir aus meiner Jugend bekannt war. Dieses Teil
erforderte allerdings ein anderes Spulenmass – also Vorrat (für die nächsten 10
Jahre) anlegen!

„Hör doch Musik über Kopfhörer – dann brauchen wir keine Riesenlautsprecher“
sagte meine Frau. Auf meine mittlerweile ebenfalls erworbenen Elektrostaten verzichten ?
Niemals !!! Was sollte ich auch dann an meinen ebenfalls mittlerweile gekauften
Röhrenverstärker dranhängen. Andererseits – gute Idee, gab es doch diese HighEnd-
Kopfhörer mit separatem Kopfhörerverstärker.
So ein Teil wurde dann für den Musikgenuss während der Nachtstunden angeschafft
(…mit zunehmendem Alter braucht man ohnehin nicht mehr so viel Schlaf…).

Leider offenbarte dieser unbestechliche Kopfhörer eine von mir bis dahin kaum
bemerkte Schwäche in meinem Geräteportfolio: mein Vinyl-Plattenspieler war
nicht gut – besser gesagt nicht audiophil genug. „Transrotor“ hiess die Zauberformel.
Einen guten Plattenspieler kann man natürlich nicht in ein Regal stellen – da schwingt
alles viel zu stark. Nicht auszudenken, wenn eine sündhaft teure Nadel über meine
Vinyl-Schätzchen hüpft. Also wurde eine Wandkonsole mit riesegen Schrauben
im Wohnzimmer angebracht um den Transrotor unterzubringen. Das gefiel
meiner Familie zwar nicht, war aber nicht weiter schlimm, da sich mittlerweile ausser mir ohnehin niemand
mehr im Zimmer aufhalten konnte. Unserer kleinen Tochter hatte ich schon nach dem Erwerb
der Plasma-Hochtöner den Zutritt untersagt – da war mir das Risiko einfach zu gross.

Dann die erste Krise: Beim Versuch meine neue Class-A-Endstufe anzuwerfen fliegt
wegen des hohen Einschaltstromes die Sicherung. Dummerweise genau in dem Moment,
in dem meine Frau einen Spielfilm mit R.Redford aufnehmen will. Die Aufnahme ist
dahin, der Film kann auch nicht in einer Videothek ausgeliehen werden – kurzum: es
ist Ärger im Anmarsch.

Wochen später: Zwischenzeitlich hatte meine Tochter wohl einen kleinen Hund
geschenkt bekommen (…wann und von wem musste mir entgangen sein…mein
Boxenselbstbau-Projekt hatte wohl doch zu viel Zeit gefordert…). Dieser kleine
Köter hatte sich dann unglücklicherweise seine Schnauze an einem pottheissen
Kühlkörper verbrannt. „Warum steht dieses schwarze Monster auch auf dem
Boden?“ herrschte mich meine Frau an. Nun ja – das Monster von dem sie
sprach war die Class-A-Endstufe und 65 Kg Gewicht packt das Regal nun mal
nicht. Denn nur wo richtig Material drin ist … .

Natürlich liess die nächste Katastrophe nicht auf sich warten:
Der Besuch der Schwiegereltern war ein einziges Desaster. Nur die
wichtigsten Details dieses Horrortages im Zeitraffer erzählt:

* Begrüssungszeremonie verpasst, weil der Einmess-Vorgang meines
Tonbandgerätes No. 8 so knifflig ist – da kann man nicht mal eben zum
Händeschütteln unterbrechen.

* Anstossen mit Sekt ist nicht. Ich muss noch mal zum HiFi-Laden
fahren, einen Adapter kaufen.
Hatte wohl etwas länger gedauert im HiFi-Laden (…die neue
Cabasse-Box die mir der Händler kurz vorführte, war aber auch
erste Sahne…). Die Gäste und die Familie hatten zwischenzeitlich
schon mal angefangen zu essen.

* Mein Schwiegervater erdreistet sich, sein Weinglas auf
der Abdeckhaube meines Revox-Tangentialläufers abzustellen.
Irgendwann ist auch meine Toleranzschwelle überschritten…
Der daraufhin entbrennende Streit kann nur mit Mühe geschlichtet
werden.

* Die Hotelzimmerbuchung für meine Schwiegereltern muss ich wohl
vergessen haben, rauszufaxen. Zufällig finde ich sie zwischen zwei
Bedienungsanleitungen. Da wir auf dem Dorf wohnen, ist es schwer,
noch spontan ein Hotelzimmer zu bekommen. Ist aber dann doch
noch was geworden – und so schlimm sind 34 km Taxifahrt doch
nun wirklich nicht.

Danach folgten weitere Krisen, die ich nicht näher aufführen möchte.
Streng proportional zur wachsenden Anzahl meiner Sammelobjekte vergrösserte
sich die Distanz zu meiner Familie. Schon allein räumlich – verbrachte ich doch
mittlerweile den grössten Teil meiner Freizeit in einem SkiLine-ähnlichen
Tower-Gewimmel von 19-Zoll-Racks, Bandmaschinen-Rollwagen und
mannshohen Lautsprechern.

Letzten Monat dann der GAU:
„Ich habe genug …“ schrie mir meine Frau zu. Ihre Koffer hatte sie wohl
verdeckt durch etliche HiFi-Racks sozusagen im Verborgenen bereits gepackt.
Im Hinausgehen winkte mir unsere Tochter über die Oberkante einer Transmissionline-
Box zu. Wie gross das Mädel doch mittlerweile war – mir schien es als ob es gestern
war, als sie noch nicht über die Teile drüber gucken konnte.
Mein hinterher gerufenes „Ich hab’ Euch lieb“ ging allerdings in einem gerade einsetzenden
Schlagzeug-Solo von Ginger Baker unter.

Nun bin ich allein. Auch einen Nachbarn zum Klönen habe ich nicht mehr – er hielt
die Beschallung wohl nicht mehr aus.
Während ich so da sitze und darüber nachsinne, wie alles so hat kommen können,
bleibt mein Blick auf dem Titelblatt einer HiFi-Zeitung hängen.
„Irgendwie heiss, diese Boxen…“ denke ich mir. Jetzt, wo das Kinderzimmer
quasi frei ist, könnte man doch…




Anm. des Autors: Ähnlichkeiten zu lebenden oder bereits verschollenen
HiFi-Liebhabern sind rein zufällig.:)
Time flies like an arrow. Fruit flies like a banana. (...soll Groucho Marx gesagt haben, aber so ganz sicher ist das nicht...)

Ralf B

Unregistered

2

Sunday, November 11th 2012, 11:50pm

Welche Wahrheit steckt
in dieser Geschichte !
Ich schiebe sie mal hoch, falls sie jemand von den Neueren bisher entgangen ist (so wie mir...), das wäre nicht vertretbar.

Und das Schlimme dabei ist: Alles wiederholt sich immer wieder!



Auch ich habe jetzt ein Schwerlastregal im Wohnzimmer stehen wegen der Vierkanal-Teacs und so.....

Mit herzlichen Grüßen Ralf

Posts: 318

Date of registration: Oct 8th 2018

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3

Tuesday, February 5th 2019, 2:30pm

Lieber -PeZett-,
auch wenn dein Beitrag von 2006 ist, so muss ich einfach darauf antworten.
Dein wunderschöner, sensibler Beitrag hat mich berührt.
Vielen Dank für diese Offenheit.
Ich erinnere mich wie ich eines Tages meine wunderbare jetzige Frau kennenlernte. Sie ist etwas älter als ich und hatte noch die Zeit gekannt als Cassettenrecorder normal waren, es noch keine CD gab in ihrer Teenagerzeit. Zwar kannte ich diese Geräte auch noch, jedoch war die CD bereits auf dem Markt als ich ein Teenager war und ich wuchs eben auf mit Computer und CDs.

Als ich eines Tages mit ihr zusammen abends vor dem Fernseher saßen und wir wieder einmal in der Tube nach alten, schönen Dokumentationen suchten, danach spontan in der Bucht uns historische Aufnahmegeräte ansahen, entdeckten wir zunächst ein Gerät dass unsere Herzen höher schlagen ließen. Ein Assmann Magnettonplattenaufnahmegerät, aus dem Jahre 1949.

Die Faszination überkam uns und wir kauften es. Mühselig zu erklären dass es natürlich defekt war. Aber - ich setzte mich die folgenden Tage daran und konnte es reparieren. NOS Röhren gab es auch noch und die einzigen Engstellen waren die Magnettonplatten sowie die Kopfspitzen. Beides notwendig um Aufnahmen zu tätigen.
Doch Fortuna war uns hold und wir fanden nach und nach immer mehr Magnettonplatten (mittlerweile 124 gekauft) sowie in einer anderen Auktion 68 Kopfspitzen. Das sollte reichen. Meine liebe Frau machte sich gleich daran und tätigte ihre verschiedenen Audioprojekte. (Bis heute ist dieses Gerät im Einsatz).

Mittlweile erhaschte mich die Faszination an historischen Audiogeräten und ich verfiel in eine Art Restorationsrausch. Neue (alte) Geräte kamen ins Haus, und die Restoration genügte mir nicht mehr, ich wollte nun diese Geräte ebenso nutzen, besser gesagt die später folgenden Radiogeräte und Tonbandmaschinen. Während für meine Frau die ganz alten Geräte (40er und Anfang 50er Jahre) eine ausserordentliche Faszination ausüben, obwohl diese weit vor ihrer Geburt liegen, packte mich das Medium Tonband. Nun habe ich auch so meine kleine Sammlung und nehme aktiv auf und nutze die Maschine regelmäßig. Meine Liebe zu gewissen Tonbandmaschinen ist ungebrochen und ich werde wohl keine CDs mehr hören auch sonst keine digitalen Medien. Musik wird von mir ausschliesslich auf Band gespeichert und wiedergegeben.

Der Klang.....
Meine Frau entdeckte nun auch ihre Liebe zu 5 Tonbandgeräten, dem Grundig TK47. (Eines davon im Esszimmer und eines im kleinen Tonstudio meiner Frau), dem TK830 und dem TK6L für mobile Einsätze sowie dem TK700 in ihrer Musiktruhe.
Andere Tonbandgeräte benötigt sie nicht und sie nutzt diese ebenso häufig. Ich bin sehr dankbar, dass ich mein Hobby mit ihr teilen kann und sie absolut dahintersteht, ja sogar aktiv mitmacht.

Eine stattliche Anzahl an verschiedensten Tonaufzeichnungs aber auch Wiedergabegeräten stehen nun sauber und restauriert in unserer Wohnung verteilt, sie findet immer einen schönen, unaufdringlichen aber nutzbaren Platz für unsere Geräte und wir beschäftigen uns mit den Geräten. Welchen Nutzen sollte auch die viele Arbeit und..... das investierte Geld auch haben, wenn man die Maschinen verstauben lässt? Nein, ein solches Sammelhobby macht nur Sinn wenn man diese tönenden Zeitzeugen restauriert und auch benutzt. Abgesehen ist für uns der Klang wunderbar. Weich, warm, detailreich und nicht so "artificial" und kühl wie bei den digitalen Geräten.

Ich habe nun meine Tonbandgeräte gefunden und sie spenden mir jeden Tag Freude, beim Anblick und bei der Wiedergabe der Musik die ich eben liebe. In unserer Wohnung ist immer Leben , Musik tönt aus irgendeinem Zimmer - je nachdem wer sich wo aufhält- ohne den anderern natürlich schalltechnisch in die Quere zu kommen. :D

Ich wollte unsere kleine Geschichte mit Dir teilen, weil uns deine Geschichte sehr berührte.
liebe und herzliche Grüsse
Alex
Ein Teil unserer Geräte: 2 x Grundig TK47, Grundig TK 830, Grundig TM 700, UHER 5000 Universalgerät, Telefunken Magnetophon M300, AKAI X-201D, 2 x Dimafon Universa inkl. Platten von 1952 und 1959, TK830, Arabella Musiktruhe 55 mit TM700 integriert, Magnetophon 300 und 302TS, Tefifon M540 und Tefifon M541, TK6L, Tannhäuser 55 & 56, Othello 55, Dual Plattenspieler 1004, 1004S und 1002, Sonolor Röhrenradio, Tefifon B52, Dual Party 295 und noch einige mehr......

Posts: 62

Date of registration: Mar 24th 2019

Location: Düsseldorf

Occupation: Kunstlehrer

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4

Friday, April 12th 2019, 11:02pm

Welche Wahrheit steckt
in dieser Geschichte !
Ich schiebe sie mal hoch, falls sie jemand von den Neueren bisher entgangen ist (so wie mir...), das wäre nicht vertretbar.

Und das Schlimme dabei ist: Alles wiederholt sich immer wieder!



Auch ich habe jetzt ein Schwerlastregal im Wohnzimmer stehen wegen der Vierkanal-Teacs und so.....

Mit herzlichen Grüßen Ralf
Die Quittung alleine hat mich schon zum Lachen gebracht. Ohne Worte sozusagen. Ich reich dann die Quittung vom Umzugsunternehmer nach...