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  • »Tonband-Ilja« ist der Autor dieses Themas

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1

Donnerstag, 25. Januar 2018, 22:13

Preisentwicklung - Gebrauchtgeräte aus dem Bereich Audio, Hifi, Studio

Hallo,

vielleicht täusche ich mich, aber es kommt mir so vor, daß es zur Zeit eine doch sehr extreme Preisentwicklung auf dem Gebrauchtgerätemarkt für Audio-Geräte gibt.
Ich habe den Eindruck, daß Preiszuwächse von mehreren hundert Prozent über die letzten 5 Jahre fast schon normal geworden sind, und das in fast allen Bereichen der Audiotechnik.

In der professionellen Studiotechnik ist das zwar schon länger zu beobachten, aber auch nicht in diesem extremen Maß wie momentan.
Wenn man unser liebstes Spielzeug, das Tonbandgerät, zur Zeit im Profi-Bereich sucht, dann findet man auf einmal Geräte, die preislich mit einem 2-3 Jahre alten gebrauchten Kleinwagen vergleichbar sind.
Geräte mit Willi Studers Namen sind inzwischen nur noch im mittleren 4-stelligem Preisbereich zu finden, und selbst die semiprofessionellen Revox-Ableger sind nicht mehr unter tausend Euro zu finden.
Und selbst für Geräte auf Ersatzteilträgerniveau, frisch aus dem Entsorgungscontainer gefischt, werden nun Preise aufgerufen, die vor 3 oder 4 Jahren nur den bestgepflegtesten Geräten vorbehalten waren.

Nun dachte ich immer, das ist ein Phänomen der 'Studioklasse', aber durch intensiveres Suchen nach verschiedenen gebrauchten Hifi Geräten in der letzten Zeit ist mir aufgefallen, daß sich ähnliches auch im Heimaudio-Bereich abspielt.
Alles was irgendwie einen gewissen Ruf oder Namen hat wird mit Silber und teils auch schon mit Gold aufgewogen.
Es gibt ja immer wieder erheiternde Beispiele hier im Forum über kuriose Fundstücke im Bezug auf Preisvorstellungen. Ich dachte, das seien die Ausnahmen. Wenn man sich aber den Markt anschaut, dann erkennt man das Gegenteil.
Gefühlt würde ich von einem Durchnittsfaktor '5' sprechen: Geräte die vor einigen Jahren noch für 50 Euro zu haben waren, werden heute mindestens für 250 Euro angeboten. Auch in der höheren Klasse gilt das selbe: Klassische 300 Euro Tonbandgeräte, wie die B77, werden heute oft im 1500 Euro Bereich gehandelt.
Auch wenn es sich nur um Zubehör wie Adapter, Hauben oder Fernbedienungen handelt, so denkt man oft, daß bei diesen Preisen doch eigentlich auch das Hauptgerät dabei sein müsste.
Und selbst wenn es dann nur noch der letzte Schrott vom Sperrmüll ist, werden auch dafür Preise mit ein paar Nullen zuviel am Ende aufgerufen.
Und nicht nur aufgerufen, sondern auch gezahlt. Nicht nur 'online', sondern auch auf realen Märkten.

Bei dieser ganzen Beobachtung kommen mir dann Fragen auf:
Warum ist das so? Liegt es an der 'Sehnsucht nach Qualität', die ja oft mir den alten Geräten asoziiert wird? Ist es die Suche nach dem Besonderen?
Ist der Markt wirklich schon so klein geworden, daß selbst einfache alte Hifi-Geräte als Raritäten gesehen werden?
Ist es die maximale Gewinnsucht der Verkäufer, die auf den 'dummen, der jeden Morgen aufsteht', hoffen?
Und scheinbar muss es den ja geben - es wird ja verkauft.
Ist das eine ähnliche Entwicklung wie vor ein paar Jahren in der Auto-Oldtimerszene, wo heute Preis und tatsächlicher Wert schon lange in keinem Verhältnis mehr stehen?
Wer hat diese 'Kaufkraft'? Die älteren unter uns, die solche Geräte noch aus der 'Neuzeit' kennen? Sind die wirklich bereit, mehr als den Neupreis für ein altes Gerät zu zahlen?
Oder die 'mittelalten' mit frischer Familie, finanziertem Eigenheim und jede Menge Lebenskosten? Haben die soviel Geld übrig?
Sind es doch etwa junge dynamische Teens und Twens, die plötzlich merken, daß es noch andere Geräte außer Smartphones gibt und ihr ganzes Taschengeld nun für 'old style Hifi' ausgeben?
Oder liegt es wie auch wieder in der Oldtimerszene an den unbekannten 0.5%, die superreichen Sammler, die jeden Preis für ein Gerät zahlen, nur um es zu besitzen?
Was denkt Ihr darüber? Sehe ich das zu drastisch?

Auf jeden Fall ist mir irgendwie die Lust am Kaufen vergangen.
Früher hab' ich mir öfters mal ein altes schönes Hifi- oder Studiogerät für's Hobby gegönnt und Spaß damit gehabt.
Aber heute ist der Spaß schon vorher vorbei, weil das Verhältnis Preis-Wert nicht mehr stimmt.

Naja, was soll's ... persönlich hab' ich ja auch eigentlich genug Geräte :-)
Aber trotzdem finde ich diese Entwicklung schon 'bemerkenswert' - in jeder Hinsicht.


Viele Grüße,

Silvio

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2

Freitag, 26. Januar 2018, 03:10

Hallo Silvio,
teilweise gebe ich Dir in der Preisentwicklung recht, nicht immer in der Preissteigerungsrate.
Leider bist Du in deinen Ausführungen zu pauschal, eine Revox B77 ist m.E. kein klassisches 300 Euro Gerät und wo fängt für Dich einfach HiFi an?

Die Preisentwicklung ist aber relativ einfach zu erklären:
Damals, bis in die 90er Jahre, hatten wir in den Kleinanzeigen der Zeitungen und in speziellen Zeitungen (Zweite Hand / Annoncen Avis in NDS bzw HH) die Möglichkeit Geräte zu kaufen. Die Preisbildung war nicht grade transparent. Wenn die Anzeige über Wochen drin stand wusste man das er zu hoch war.
1990 kam der Mauerfall und dieser Fall hat sich ja nicht nur innerdeutsch, sondern bis zum Ural und darüber hinaus vollzogen.

Dann kamen die Verkaufsplattformen via Internet, die Preise wurden innerhalb Deutschlands, West-Europas, Ost-Europas und im fernen Osten transparent.
Ein halber Kontinent, Europa, und ein ganzer, Asien, hat Nachholbedarf.

Diese vermeintlich asiatischen Horden vergewatltigen nicht die Deutschen Frauen im Sinne der AFD, sondern sie profitieren davon das durch die "Geiz ist Geil" Mentalität immer mehr Aufträge nach China gehen.

Jetzt nehme ich mal Deine 0,5 Prozent aus Deiner Ausführung, das wären 5 Millionen Superreiche aus China und 1,25 Millionen der ehemaligen UdSSR.
Und da wunderst Du Dich das die Preise nach oben gehen?

Viele Grüße
Volkmar

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3

Freitag, 26. Januar 2018, 08:23

Hallo Silvio!

Ist das eine ähnliche Entwicklung wie vor ein paar Jahren in der Auto-Oldtimerszene, wo heute Preis und tatsächlicher Wert schon lange in keinem Verhältnis mehr stehen?

Ich würde sagen: ja. Ich stehe auch der Preisentwicklung in der Old-/Youngtimerszene kritisch entgegen. Manche freut das, mich nicht.

Ich sehe dabei die gleichen Ursachen: Es steht momentan wirtschaftlich recht gut und es gibt praktisch keine Zinsen. Da suchen sich die Leute andere Investitionsmöglichkeiten. Der HiFi-Bereich spielt da sicherlich eine kleinere Rolle, kann davon aber schon betroffen sein.
Und Preissteigerungen beobachte auch ich. Für meine B77 habe ich vor 12 Jahren ca. 200 EUR bezahlt (hier im Forum), für meine Halbspur-A77 vor ca. 10 Jahren 140 EUR (eBay Sofort-Kauf!).
Grüße

Wayne

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4

Freitag, 26. Januar 2018, 08:34

Es liegt sicher auch daran , das es Heutzutage kein ordentliches HiFi mehr, zu bezahlbaren Preisen, neu zu kaufen gibt. In Zeiten wo eine Minianlage mit 2000Watt PMPO, oder noch mehr angeboten wird, ist der Käufer Dieser dann wohl irgendwann nach der Testphase so enttäuscht, daß er sich nach bezahlbaren , gebrauchten Alternativen umsieht. (Derer kenne ich mehrere im Bekanntenkreis, da die Geräte dann tw. bei mir zur Überholung landen).
Aber die Menge der Gebrauchtgeräte ist ja begrenzt, u. auch einige der PMPO Käufergeneration werden nach dem ersten Fehlkauf schlauer u. behalten ihr vorhandenes Geraffel.

Gruss
Rainer

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5

Freitag, 26. Januar 2018, 11:53

Ich glaube, die Beziehung der Besitzer zu den Geräten spielt auch eine nicht unerhebliche Rolle bei der Preisentwicklung. Vor 25+ Jahren waren Bandmaschinen in den Augen vieler Leute durch die aufkommende Digitaltechnik nicht mehr zeitgemäß, und so mancher wollte das olle Geraffel (nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Befürchtung, irgendwann könne es keiner mehr haben wollen) einfach nur schnell und ohne großen Aufwand loswerden. Da konnte man dann schon mal eine topgepflegte B77 oder GX-635 aus Erstbesitz für 500 DM oder noch weniger bekommen.

Heute haben sich die Verknappung des Angebots und die Wertschätzung gegenüber den Geräten gegenseitig hochgeschaukelt. Wer noch eine begehrte Maschine in gutem Zustand besitzt, wird sie nur noch selten hergeben, weil sie bei Bedarf nur noch schwer wiederzubeschaffen wäre. Das schlägt sich natürlich auch in den Preisen nieder.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »timo« (26. Januar 2018, 21:27) aus folgendem Grund: Tippfehler berichtigt.


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6

Freitag, 26. Januar 2018, 12:05

Es liegt sicher auch daran , das es Heutzutage kein ordentliches HiFi mehr, zu bezahlbaren Preisen, neu zu kaufen gibt.


Das sehe ich nur in einigen Bereichen so, vor allem bei Plattenspielern. Bei den meisten anderen HiFi-Geräten bin ich eigentlich der Meinung, daß sich die Preise in den letzten 30+ Jahren nicht wesentlich verändert haben. Beispiel Verstärker: Ein Yamaha AX-500 kostete laut HiFi-Wiki 1986 um die 700 DM, was inflationsbereinigt laut Inflationsrechner heute rund 600 € entspricht. Dafür bekommt man locker einen A-S701 mit vergleichbaren technischen Daten.

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7

Freitag, 26. Januar 2018, 12:37

Ok, Timo stimmt tw. Allerdings wird es dem " nichtumbedingt HiFi Fan" sehr schwer gemacht solche Geräte zu kaufen. Ich selbst wüsste(Internet ausgenommen) keine Einkaufsquelle aus dem stehgreif, wo ich mir solche Gerätschaften ansehen, anhören könnte.
Früher gab es sowas bei Hertie , oder bei R+F. Technikgeschäft vor Ort.

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8

Freitag, 26. Januar 2018, 15:37

Viele wollen sich einfach nur einen Jugendtraum erfüllen, und nun, da meistens die Kinder aus dem Haus sind, ist halt Platz und Geld fürs Hobby da.
Das haben reichtzeitig diverse Händler erkannt und treiben so den Preis nach oben. Außerdem hat das Internet garantiert auch Schuld an einem Preisanstieg
Viele Grüße,

Matthias

9

Dienstag, 30. Januar 2018, 15:08

Selbst Schrottgeräte sind teuer

Hallo zusammen,

ich teile die Meinung, dass durch natürliche Verknappung und eine gewachsene Zahl an Interessenten sowie dem Wunsch vieler Leute, Jugendträume nach einer damals unerreichbaren Bandmaschine nachträglich zu erfüllen, die Preise hochgetrieben haben. 2009 war es bei mir soweit. Damals war es aber noch locker möglich, zwei baugleiche Geräte zu kaufen und das Schlechtere für den Ersatzteilbedarf an die Seite zu stellen. Erwischte man mal für 30 Euro eine Schlachtmaschine, bei der der Verkäufer schlimme Gehäuseschrammen unter einer Leerspule versteckt hatte, war das bei dem Preis locker zu verschmerzen.
Doch mittlerweile haben manche Verkäufer längst kein Problem mehr damit, Machinen die entweder völlig dumpf klingen/aufnehmen oder sonstige Mängel haben, dreist als sofort einsatzfähig oder komplett funktionstüchtig zu beschreiben. Und wenn dann noch der Satz fällt: „Sofern ich das als Laie beurteilen kann, funktioniert alles bestens“, sollten die Alarmglocken schrillen. Denn: Und jetzt bin ich wieder beim Thema, auch solche abgeranzten Geräte, und wir reden da von Kleinspulern aus Kellern und Garagen, gehen inzwischen locker für 150 bis 250 Euro in der Bucht über die Theke.
Dort tummeln sich dann auch in letzter Zeit einige Strategen, die Auktionspreise bei Tonbandgeräten gezielt nach oben treiben. Und das nicht bei einer speziellen Maschine ihres Kumpels, sondern bei den unterschiedlichsten Geräten, denen man den Kellerfund schon auf den unscharfen Handyfotos ansieht. Geht die Auktion zu Ende, tauchen sie aber als Bieter nicht mehr auf. Wer da ahnungslos zuschlägt, wird seinem Geld hinterherweinen.
Am besten sind die Preise noch im Bereich der Kleininserate. Kauft man in der Nähe, kann man das Gerät anschauen und je nach Zustand über den Preis verhandeln. Aber auch dort spürt man natürlich die Preisentwicklung. Geräte zu fairen Preisen sind schon lange nicht mehr wochenlang im Angebot. Neulich hat jemand in der Nähe eine Akai 265 d und eine 285 d für je 150 Euro angeboten. Beide Geräte waren innerhalb von zwei Stunden verkauft...

Beste Grüße

Matthias

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Matthias1960« (30. Januar 2018, 23:05)


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10

Dienstag, 30. Januar 2018, 22:50

Die Preistendenz deutlich nach oben erkenne ich auch. Allerdings waren vor ca. 5 Jahren die Angebote bei Ebay deutlich vielfältiger und günstiger. Viele sind von Ebay vergrault worden, die Bedingungen für Käufer und Privatverkäufer immer weiter verschlechtert worden, während gewerblichen Geschäftemachern und Spekulanten der rote Teppich ausgerollt wurde. Das macht Ebay auch für mich zunehmend unattraktiv, auch wenn ich kürzlich noch einige Teile für mein "B99-Projekt" erstehen konnte.
Doch kürzlich wechselte eine A-807 aus Wien den Besitzer und dieser ist ein Geschäftemacher. Benutzt sogar die gleichen Bilder des Privatanbieters, nur das die Kiste über Nacht für 2000€ mehr angeboten wird, ohne das auch nur ein Handschlag dran gemacht wurde. Das ist für mich so ein typisches Beispiel von Geschäftemachereien, wo es nicht mehr um einen ehrlichen Handel geht, sondern nur noch ums schnelle Geld.

Daher schaue ich verstärkt ausserhalb nach Angeboten. Ebay selbst ist ja auch in den Kleinanzeigenmarkt eingestiegen und da findet man teils noch attraktive Angebote. A77 in brauchbaren Zustand ab 150€ - 350€, dann aber noch mit Spulen und Bändern dazu. B77 auch noch bezahlbar, auch wenn es natürlich manche Spinner gibt, die erwarten, das man ihnen dafür eine Schubkarre voll Bargeld ins Wohnzimmer schiebt.

Ich decke mich daher mit Teilen und Geräten ein, solange ich sie noch preiswert bekomme.
Gruß
André

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11

Dienstag, 30. Januar 2018, 23:24

Ich habe mich gottlob rechtzeitig mit allem, was ich brauche, eingedeckt und kann über die aufgerufenen Preise nur das Haupt schütteln.

Thomas
Manche Tonträger werden mit jedem Ton träger.

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12

Mittwoch, 31. Januar 2018, 01:01

da habs halt ich wieder gut. :D