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31

Mittwoch, 13. Juli 2016, 14:32

Hallo,

über die RRG-Aufnahmen wurde hier im Forum schon einiges publiziert. U.a. hier.

Von dem dort erwähnten Klavierkonzert habe ich eine Drittkopie vom Original. In Stereo. Und in originaler RRG-Entzerrung. Das ist höchst beeindruckend.

Gruß
Michael

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32

Mittwoch, 13. Juli 2016, 14:52

Von dem dort erwähnten Klavierkonzert habe ich eine Drittkopie vom Original. In Stereo. Und in originaler RRG-Entzerrung. Das ist höchst beeindruckend.

Du hast auch die CD, die die AES 1993 herausgab?
Dort finden sich außerdem drei Brahms-Serenadensätze und der 4. Satz aus Bruckners Achter. Alles so nah am "Original", wie es 50 Jahre später möglich war.
Vor allem der Bruckner ist für mich heute noch jedes Mal ein Erlebnis.

Grüße, Peter

33

Mittwoch, 13. Juli 2016, 16:52

Der Bruckner ist ein echtes Erlebnis ...

Ich hab auch die CD. Damals von Hans-Joachim bekommen. Die CD wurde seinerzeit mal bei einem Revox Fan Treffen in Willisau vorgeführt. Alle Anwesenden waren begeistert und ergriffen zugleich. Viele vermuteten eine digitale Nachbearbeitung. Was aber nicht war.

Wobei beim Beethoven ab Minute 14 (oder 17? Jedenfalls in dem Dreh) ein breitbandiges hochfrequentes Störspektrum zwischen 14 und 17 kHz auf der CD zu sehen ist. Hans-Joachim vermutet einen Defekt im DAT Recorder des Kollegen, der das seinerzeit aufgenommen hat. Ich wollte schon ewig mal das Band digitalisieren und nachsehen, ob es da auch schon zu sehen ist.

Gruß
Michael

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34

Mittwoch, 13. Juli 2016, 18:35

Viele vermuteten eine digitale Nachbearbeitung. Was aber nicht war.

In den letzten 20 Jahren habe ich das Ausgangsmaterial der CD mehrmals nachbearbeitet (zuletzt vor etwa etwa einem Jahr), mit den zur jeweiligen Zeit vorhandenen technischen Möglichkeiten. Vor allem der Bruckner kann dadurch enorm gewinnen.


Wobei beim Beethoven ab Minute 14 (oder 17? Jedenfalls in dem Dreh) ein breitbandiges hochfrequentes Störspektrum zwischen 14 und 17 kHz auf der CD zu sehen ist.

Das Störspektrum ist tatsächlich über die gesamte Länge von Beethoven und Bruckner nachweisbar (Track 1-3 & 7), nicht aber während Track 4-6 (Brahms).
Bei Wiedergabe mit 1/8 Geschwindigkeit erinnert es entfernt an zirpende Grillen, liegt aber selbst gegen Ende von Track 3 klar unterhalb des Bandrauschens. Am schwächsten ist es während Track 7 und zu Beginn von Track 1 (dort liegt es zwischen 16-18 kHz), am stärksten wird es gegen Ende von Track 3 (zwischen 17-19 kHz), wie in dieser FFT-Darstellung zu sehen:



Die Maximalpegel der diskreten Störkomponenten liegen bei -74 dBFS, ihre Hörbarkeit wäre also allenfalls für Fledermäuse gegeben.

Nicht selten wird dieser Pegel auf Magnetbandaufzeichnungen oder sogar kommerziellen Tonträgern von UKW-Pilottonresten, Fernsehzeilenfrequenzen, vagabundierenden Störungen aus Lichtsteuerungen etc. um ein Mehrfaches überboten. Zudem enthält die Nutzaufzeichnung laut FFT spätestens ab 12 kHz keine verwertbaren Anteile mehr, so dass im Zweifelsfalle eine schmalbandige Filterung der Störfrequenzen dem Gesamtklang kein Leid antun würde.

Grüße, Peter

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Peter Ruhrberg« (13. Juli 2016, 20:04)


35

Mittwoch, 13. Juli 2016, 19:45

Interessanter Fall. Vielleicht gut zu wissen:

Die Beethoven- wie die Bruckner-Aufnahme wurden in den 1960er Jahren (... so in etwa ...) von den RRG-Originalbändern auf 38,1 cm/s kopiert und, Schande, die Originalbänder danach entsorgt. Anders als im Fall Brahms-Serenade und Wagner handelt es sich hier also nicht um ein Digitalisat unmittelbar vom Originalband.

"Beethoven" wie "Bruckner" sind dem Vernehmen nach einem unbekannten RRG-Mitarbeiter zu verdanken, der die Bänder von Kosten (Auslagerungsort des RRG-Labors ab ca. 1943) im Privatgepäck mitgenommen und später dem SFB übergeben hat.

Ich gebe das mal mit aller Vorsicht weiter, beweisen wird man es nicht mehr können, die Zeitzeugen der älteren Überspielung sind nicht mehr auskunftsfähig.

F.E.

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36

Mittwoch, 13. Juli 2016, 20:01

"Beethoven" wie "Bruckner" sind dem Vernehmen nach einem unbekannten RRG-Mitarbeiter zu verdanken, der die Bänder von Kosten (Auslagerungsort des RRG-Labors ab ca. 1943) im Privatgepäck mitgenommen und später dem SFB übergeben hat.

War das nicht Helmut Krüger selbst gewesen, unter dessen Leitung auch die Stereo-Aufnahmen stattgefunden hatten?
Ich meine mich noch an eine entsprechende Passage aus der Aufzeichnung eines längeren Gesprächs mit ihm zu erinnern ...

Grüße, Peter

37

Donnerstag, 14. Juli 2016, 10:14

Peter,

das wäre durchaus möglich, mir nebelte auch so eine Erinnerung durch den Kopf.

Eine andere Frage: könnte das Störspektrum vielleicht dadurch entstanden sein, dass die 6,5 mm breiten RRG-Bänder in der 6,3 mm-Bandführung von anno 196x geklemmt und dadurch so etwas wie höherfrequentes Modulationsrauschen erzeugt hätten? Auch raue Bandkanten kämen in Frage. Reine Spekulation, niemand kann sagen, ob damals die Abspielmaschine entsprechend hergerichtet war (auch in puncto Entzerrung ... jetzt wird's schwierig ...).

Und, mehr oder weniger OT, zwecks allgemeiner Verunsicherung: wenn sich auf einer Bandaufnahme, deren Frequenzbereich nach technischem Stand zum Aufnahmezeitpunkt maximal bis 10 kHz reicht, noch höhere Frequenzen finden, dann sind das mit einiger Sicherheit Klirrprodukte, die das Band produziert - das fällt beim Digitalisieren natürlich einmal auf.

F.E.

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38

Donnerstag, 14. Juli 2016, 13:19

Hallo Friedrich,

könnte das Störspektrum vielleicht dadurch entstanden sein, dass die 6,5 mm breiten RRG-Bänder in der 6,3 mm-Bandführung von anno 196x geklemmt und dadurch so etwas wie höherfrequentes Modulationsrauschen erzeugt hätten? Auch raue Bandkanten kämen in Frage. Reine Spekulation, niemand kann sagen, ob damals die Abspielmaschine entsprechend hergerichtet war (auch in puncto Entzerrung ... jetzt wird's schwierig ...).

Ja, durch die bedauerliche „Beweismittelvernichtung“ nach erfolgtem 38er Umschnitt ist es kein Leichtes, mögliche Ursache(n) klar und eindeutig zuzuordnen.

Zunächst kann ich sagen, dass das Störspektrum zwar in beiden Kanälen etwa gleich stark vorhanden ist, jedoch nicht mit Korrelationsgrad 1. Es verhält sich also nicht wie ein auf Pan-Pot-Mitte zugemischtes Monosignal, wie es z.B. für UKW-Pilotton oder FS-Zeilenfrequenz typisch wäre. (Bei einem Azimutfehler als evtl. Ursache würde ich ein weniger stabiles Störsignal erwarten.)

Dass es sich hier um Bandlängsschwingungen und dadurch verursachtes Modulationsrauschen beim wiedergegebenen Band handeln könnte, scheint mir eher unwahrscheinlich, hauptsächlich aus zwei Gründen:

1) Bandmaterial aus Kriegs- und Vorkriegszeiten habe ich schon häufiger auf dem Teller gehabt, doch bei Standardbändern - gleich welchen Alters - habe ich mechanische Eigenschwingungen mit so hoher Frequenz, so schmalbandig und in dieser Gleichmäßigkeit bislang noch nicht erlebt.

2) Bei Modulationsrauschen - egal ob bei Aufnahme oder Wiedergabe entstanden - würde ich aus Erfahrung erwarten, dass das Störspektrum mit steigendem Pegel der Nutzmodulation ebenfalls stärker (und meist auch breiter) wird. Dies ist hier jedoch nicht der Fall: Es verhält sich wie ein zusätzlich aufgezeichetes, mehr oder weniger konstantes Signal.

Anmerkung: Wenn Bänder in um 0,2 mm zu schmalen Bandführungen klemmen, würde sich dies - je nach Art der Bandführung - in einer merklichen mechanischen Mehrbelastung äußern, die nur bei größter Schlamperei unbemerkt geblieben wäre. Zum Beispiel würde ich gegen Ende des Bandwickels erhebliche Tonhöheschwankungen erwarten, die beim Beethoven-Klavierkonzert (v.a. in den lang gehaltenen freiliegenden Akkorden am Ende des 3. Satzes) jedoch ausbleiben.

Ich könnte mir eher vorstellen, dass das Störspektrum auf elektrischem Wege in den Aufnahmekanal geraten ist, entweder während des 38er Umschnitts, oder - wie dem Vernehmen nach Hans-Joachim schon vermutete - bei der Digitalisierung.

Zur Wiedergabeeentzerrung des Originals: Hat man sich eine klangliche Vorstellung der bei diesen Stereoversuchen verwendeten M1a Kapseln erworben und weiß um die ungefähre Aufstellungsentfernung und die natürlichen Klangfarben der beteiligten Instrumente (vor allem hohe Streicher und Blechblasinstrumente), so braucht man sich aus meiner Sicht um die 4 dB Pegeldifferenz, die zwischen 17,5 und 35µs bei 10 kHz besteht, eigentlich keine allzu umfangreichen Gedanken zu machen:

Erstens ist nicht verlässlich zu ermitteln, welche Sorgfalt bei der Anfertigung der ursprünglichen 76er Kopien angewendet wurde - nach meiner Erinnerung berichtet Krüger, dass auch seine Kostener Exemplare lediglich Kopien der Originale waren (was mir sofort einleuchtet) -, zweitens ist die Alterung und ein evtl. damit verbundener Höhenverlust vor allem der 76er Kopien völlig unbestimmt (und wegen ihrer „Entsorgung“ auch unbestimmbar geworden), und drittens lag - soweit ich informiert bin - die RRG Entzerrung irgendwo in der Mitte zwischen den besagten 17,5 und 35 µs. Die Abweichung von jeder der beiden Entzerrungskurven wäre demnach mit etwa 2 dB bei 10 kHz anzunehmen. Nicht eben viel, wenn man beispielsweise berücksichtigt, wie stark bereits die Frequenzgänge von Mikrofonkapseln desselben Typs zur damaligen Zeit voneinander abweichen konnten (speziell zu den Höhen hin, sobald man die Größe der Kapsel berücksichtigt …).

Es ist zwar durchaus möglich, dass bei der 38er Kopie das 76er „Original“ mit 35 µs wiedergegeben wurde, doch könnte dies der notorischen Neigung zu Höhenverlusten bei historischen Aufzeichnungen durchaus erwünscht entgegenwirken.

Verglichen mit der mir vertrauten Klangsignatur der CMV3 / M1a - die natürlich meistenteils restaurierte Exemplare sind, so viel „Originalklang“ geht nach so langer Zeit nun wirklich nicht - wirkt die Bruckner-Stereoaufnahme auf mich im Bereich um 4-7 kHz deutlich überhöht und überdies ab 100 Hz abwärts etwas „schwachbrüstig“. Dies bringt mich zu einer weiteren Besonderheit gerade dieser Aufnahmen (man ahnt schon, alles hängt mit allem zusammen, was das Navigieren durch die zahlreichen denkbaren Möglichkeiten und Stolperfallen nicht unbedingt erleichtert …):

Insgesamt würde ich der Bruckner- und Beethoven-Aufnahme (wie gesagt: im Verhältnis zu den klanglichen Besonderheiten der M1a Kapseln) einen tendenziell blechernen, topfigen Eindruck mit deutlich hervortretenden Resonanzen in den Celli, Kontrabässen und nicht zuletzt bei den Pauken bescheinigen. Zudem liegt auf der Kopie ein - für mein Dafürhalten - unnötig langer Hall, der mit großer Wahrscheinlichkeit erst bei der 38er Überspielung hinzugefügt wurde, vermutlich aus einem Hallraum und ohne die notwendige (und inzwischen wesentlich leichter machbare) Signalverzögerung.

Hierfür sprechen mindestens drei Indizien:

1) Der Hall ist für den Aufnahmeraum (Saal 1 im „Haus des Rundfunks“) im damaligen Bauzustand vollkommen untypisch.
2) Von Bruckners Satz 2 und 3 existiert mit gleicher Besetzung und im selben Aufnahmeraum eine Monoaufnahme. Diese enthält den Hall aus Satz 4 nicht.
3) Die Brahms-Mitschnitte der AES-CD zeigen ebenfalls ein deutlich trockeneres Klangbild, dessen Raumeindruck hauptsächlich geprägt ist von der Akustik des Bühnenbereichs (vor allem den ersten Reflektionen von Vorder- und Seitenwänden).

Die Stereoaufnahmen von „Beethoven“ und „Bruckner“ hinterlassen demgegenüber einen Eindruck merklicher Zweiräumigkeit, das heißt, die im Aufnahmeraum vorhandene Räumlichkeit und die des „Nachhallschwanzes“ verschmelzen nicht wirklich miteinander. Nach Hörerfahrung mit vergleichbaren Aufnahmesituationen und Tonträgern drängt sich der Eindruck auf, als ob hier an ein relativ klar und trocken klingendes kleineres Bühnenhaus eine größere, relativ unstrukturiert wabernde Kathedrale angeschlossen worden wäre. (Meine Reaktion auf solche Misch-Akustiken - in natura oder als Reproduktion – lautet spontan meist: „Wer hat denn da die Tür aufgelassen?!“)


wenn sich auf einer Bandaufnahme, deren Frequenzbereich nach technischem Stand zum Aufnahmezeitpunkt maximal bis 10 kHz reicht, noch höhere Frequenzen finden, dann sind das mit einiger Sicherheit Klirrprodukte, die das Band produziert - das fällt beim Digitalisieren natürlich einmal auf.

So ist es. Klassische Studienobjekte hierfür finden sich zum Beispiel bei den für Bruckner charakteristischen massiven Trompeten- und Posaunensätzen (in dieser Aufnahme bei 6:44, 13:05, 17:33, 19:16, 23:11, und natürlich gegen Schluss ab 26:54). Hier hört man nachgerade, wie bei der Magnetisierung „der Deckel zugeht“, also die mehr oder weniger starke Kompression der Höhenanteile ab spätestens 3 kHz und die streckenweise quälenden Differenzton- und Intermodulationseffekte, die den Klang in Richtung "rotzig" verändern.

in diesen Passagen - quasi im gleichen Atemzug - steigt in der FFT-Analyse der Anteil der Partialtöne oberhalb 10 kHz überproportional an, was ziemlich sicher auf Klirrprodukte schließen lässt. Diese mögen ein definitiv brillanteres Klangbild bewirken, nur ist dies gewissermaßen „erschummelt“, denn das verstärkte Vorkommen ausschließlich ungeradzahliger Harmonischer (k3, k5 …) entspricht nicht der natürlichen Veränderung des Klangspektrums der meisten Musikinstrumente.

Soviel vorerst von meiner Seite dazu.

Grüße, Peter

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Peter Ruhrberg« (15. Juli 2016, 00:23)


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Donnerstag, 14. Juli 2016, 15:37

Vielen Dank für die vielen interessanten Infos!
Leider verliere ich gerade den Überblick der genannten Aufnahmen ?(
Hier ist nicht mehr die Rede von der im ersten Posting genannten Bruckner Aufnahme (Testament SBT 1466)?
Ich bin auch leider nicht so firm was klassische Musik anbelangt

Viele Grüße
Jörg
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hatte ich mal: Teac X-2000R / Sony TC-765 / Revox A77 / Philips N4416, N4418, N4510, N4420, N4506, N7150 / Grundig TS-945 / Akai GX-4000D

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Donnerstag, 14. Juli 2016, 16:06

Leider verliere ich gerade den Überblick der genannten Aufnahmen ?(

Verständlich.


Hier ist nicht mehr die Rede von der im ersten Posting genannten Bruckner Aufnahme (Testament SBT 1466)?

So ist es. Die Testament-CD enthält Bruckners 5. Sinfonie B-dur mit Wilhelm Furtwängler und den Berliner Philharmonikern als Mono-Konzertmitschnitt vom Oktober 1942 aus der alten Philharmonie Berlin (eine übrigens sehr gelungene und auch für den damaligen Stand der Magnetbandtechnik repräsentative Aufnahme).

Die Bruckner-Aufnahme, die ich in #38 erwähne, enthält Satz 2-4 seiner 8. Sinfonie c-moll (Satz 2 & 3 = Mono, 4 = Stereo), gespielt von der "Preußischen Staatskapelle" (aka "Staatskapelle Berlin" oder "Orchester der Berliner Staatsoper") unter dem damals 36jährigen Herbert v. Karajan, aufgezeichnet ohne Publikum im Juni/September 1944 im Saal 1 des „Haus des Rundfunks“ (heute rbb) Berlin.
Diese Aufnahme ist ein absolutes Unikat, demonstriert sie doch eindrücklich den bei Stereoaufnahmen tatsächlich erreichten Stand der Technik kurz vor Kriegsende. (Demgegenüber halte ich es für leicht zu verschmerzen, dass das Orchester, vor allem in den Violinen, streckenweise etwas "ersatzgeschwächt" herüberkommt, wie mein früherer Mentor Klaus Matthes das vermutlich ausgedrückt hätte...)

Friedrichs Beitrag erwähnt Bruckners 5. Sinfonie eher ergänzend. Bei der erstmaligen öffentlichen Vorführung des HF-Magnetophons am 10.6.1941 wurde auch nicht diese Sinfonie wiedergegeben, sondern der vierte Satz von Brahms' 1. Sinfonie, deren Aufzeichnung bis jetzt hartnäckig unauffindbar geblieben ist.

Grüße, Peter

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41

Donnerstag, 14. Juli 2016, 16:24

Die Testament-CD enthält Bruckners 5. Sinfonie B-dur mit Wilhelm Furtwängler und den Berliner Philharmonikern als Mono-Konzertmitschnitt vom Oktober 1942 aus der alten Philharmonie Berlin (eine übrigens sehr gelungene und auch für den damaligen Stand der Magnetbandtechnik repräsentative Aufnahme).

Dann hatte ich zumindest das richtig verstanden und bin schon gespannt auf dieses Werk, welches ich vor ein paar Tagen bestellt habe
Mal sehen - vielleicht komme ich ja auf den Geschmack
Viele Grüße
Jörg

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Donnerstag, 14. Juli 2016, 16:28

Mal sehen - vielleicht komme ich ja auf den Geschmack

Falls du auch auf die Stereoaufnahme Appetit bekommen solltest, kann ich die gerne zur Verfügung stellen - auf Wunsch original und/oder bearbeitet.

Grüße, Peter

43

Donnerstag, 14. Juli 2016, 18:30

... ich kann's mal wieder nicht lassen ...

Die Entzerrung des RRG-Wiedergabeverstärkers V 5 ist ein heikles Kapitel, denn diese war nicht etwa durch eine Zeitkonstante charakterisiert, sondern einstellbar - siehe Bild. Ich habe mir vor Jahren mal erlaubt, aus dem Verlauf der dort gezeigten (Beispiels-) Frequenzgänge auf die entsprechende Zeitkonstante zu schließen, und siehe da: die geringste Anhebung (Stellung 0) entspricht 16,5 µs, die mittlere ziemlich genau 35 µs und die stärkste 56 µs (Interessenten erhalten die Excel-Tabelle per PN). Große Frage: nach welchen Kriterien wurde welcher Frequenzgang eingestellt? Ich habe bisher dazu nichts Konkretes gefunden. Da die technischen Akten der RRG weitgehend verschollen sind, wird man da auch keine Antwort mehr erwarten dürfen.



Die Wiedergabe-Verstärker der M 20 hist., mit der anno 1991 die "heimgekehrten" RRG-Bänder überspielt wurden, standen jedenfalls auf "Stellung 10" - ich weiß nicht, ob das beim SFB geändert wurde.

Nur zwecks Klarstellung: dies betrifft nicht die Beethoven- und Bruckner-Stereo-Aufnahmen, wohl aber die Bruckner-Mono-Aufnahmen, die Peter erwähnt hat.

Im Übrigen: so ein Gehör + "Auswerte" sollte man haben ...

F.E.

Nachtrag (15.07.): ich habe zwei Mal erlebt, dass eine M5 6,5 mm breite Bänder abspielen konnte, die im ersten Fall eine M 10 nach wenigen Metern "ausbremsten". Ich halte es für möglich, dass auch eine T 9 dazu fähig war, da die Kopfträger identisch waren (-?-) oder sich nicht wesentlich unterschieden.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Friedrich Engel« (15. Juli 2016, 07:41)


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Freitag, 15. Juli 2016, 09:14

Hallo Peter,

eine Zwischenfrage: Du hast in Post 29 einen Link gebracht zu drei Beispielen auf der Seite von rbb Kulturradio. Was meinst du, sind die klanglich authentisch oder zur Wiedergabe auf der Website fies komprimiert? Der rbb hat neulich eine Sendung mit solchen Aufnahmen gebracht (ich habe leider nur die zweite Hälfte gehört und aufgenommen, da zu spät entdeckt), ich hatte aber den Eindruck, dass (anderen) Aufnahmen in dieser Radiosendung besser klangen. Kann mich aber auch täuschen.

Gruß
Stefan

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Freitag, 15. Juli 2016, 09:32

sind die klanglich authentisch oder zur Wiedergabe auf der Website fies komprimiert?

Meinst du "komprimiert" im Sinne von Dynamikeinschränkung oder im Sinne von Datenreduktion?

Die Audiobeispiele auf der rbb Webseite sind mp3 Dateien mit 128kbps CBR codiert. Das sollte für einkanalige Signale mit ca. 10 kHz oberer Grenzfrequenz allemal ausreichen.

Dynamikeinschränkungen wären bei solch historischem Programmmaterial weder notwendig noch sinnvoll.

Die drei genannten Beispiele habe ich auch als CD-Kopien.
Diese habe ich mit den Audiodateien auf der Webseite verglichen, zunächst im AB-Vergleich, dann durch den sog. "Nulltest".
Ergebnis: keine hörbaren Abweichungen.

Grüße, Peter

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Peter Ruhrberg« (15. Juli 2016, 16:02)


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Freitag, 15. Juli 2016, 16:12

Nachtrag (15.07.): ich habe zwei Mal erlebt, dass eine M5 6,5 mm breite Bänder abspielen konnte, die im ersten Fall eine M 10 nach wenigen Metern "ausbremsten". Ich halte es für möglich, dass auch eine T 9 dazu fähig war, da die Kopfträger identisch waren (-?-) oder sich nicht wesentlich unterschieden.

Genau diese drei Maschinen hatte ich jahrelang in Betrieb.

Wie bei dir mochte meine M10 überbreite Bänder überhaupt nicht.

Auf der M5 und T9u liefen die Bänder - je nach Konstruktion der Führungsstifte im Kopfträger (es gab da verschiedene, wie später auch bei der M15(A) - mehr oder weniger hart einseitig an Umlenkollen und Führungsstiften auf, mit entsprechend verräterischer Geräuschkulisse. Manche Bänder blieben auch mehr oder weniger hängen. Falls sie ohne Murren durchliefen, wollte die Phasenlage bei Wiedergabe auf der T9u mit Halbspur-Stereoköpfen trotz der hohen Bandgeschwindigkeit keine rechte Freude machen.

Ich konnte dem soweit abhelfen, indem ich die Bandführungen im T9u-Kopfträger entsprechend verbreiterte. Die Abstände bei der Zählwerksrolle (rechts) waren bereits groß genug, die linke Umlenkrolle mit dem zu schmalen Einstich ersetzte ich durch eine geeigetere.

Grüße, Peter

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Peter Ruhrberg« (15. Juli 2016, 18:50)


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Samstag, 16. Juli 2016, 12:23

Hallo Peter,

Danke! Ich meinte Datenreduktion. Aber wenn du im Vergleich keinen Unterschied hörst, ist ja alles gut.

Beste Grüße
Stefan

48

Sonntag, 24. Juli 2016, 17:36

Der Autor bittet um Entschuldigung, wenn er erstens mit Verspärtung, zweitens selbst auf die Veröffentlichung seiner Arbeit verweist:

https://www.fktg.org/historie-magnetband…hf-magnetophons

Mit dem Abdruck in FUNKGESCHICHTE (GFGF) ist das die zweite Veröffentlichung dieses Textes.

F.E.

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Sonntag, 24. Juli 2016, 17:41

Mit dem Abdruck in FUNKGESCHICHTE (GFGF) ist das die zweite Veröffentlichung dieses Textes.

Glückwunsch! :thumbup:

Grüße, Peter