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  • »andreas42« ist der Autor dieses Themas

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Samstag, 4. März 2017, 21:15

Spitzenspannungsmesser in Software?

Hallo,

ich suche nicht nach einem Programm, sondern will verstehen, wie es funktioniert: Wie berechnet man für digitale Audiosignale den Anzeigewert eines Quasi-Spitzenwertanzeigers?

Dahinter stecken mehrere Absichten:
  1. Bei meinen Messungen von Bandeigenschaften habe ich das Rauschen bisher nicht bewertet; neben der gängigen A-Bewertung mit Effektivwertmessung möchte ich auch die Messung nach ITU-R 468 mit eben jenem Quasi-Spitzenwertanzeiger versuchen. Die Norm fordert ein bestimmtes Ansprech- und Abklingverhalten.
  2. Prinzipiell würde mich das Projekt interessieren, mit einem modernen Mikrocontroller und einem geeigneten Display (z.B. aus einem defekten Cassettendeck) einen normgerechten Aussteuerungsmesser für den Tonband-Betrieb zu bauen. Da braucht es natürlich auch genau diese Signalverarbeitung.
  3. Allgemeines Verständnis: Durch die Diskussion zum Pre-Emphasis nebenan angeregt möchte ich gerne ein wenig mehr von der digitalen Signalverarbeitung und den gängigen Filter-Mechanismen verstehen.

Mir geht es nicht darum, die Aussteuerung digitaler Signale damit zu kontrollieren; dafür wäre die Integrationszeit ja dann doch wieder zu lang.

Analoge Vorbilder:

Leider liegen mir die Normen nicht im Urtext vor. Ein guter Startpunkt ist - neben den vielen kundigen Beiträgen hier im Foren-Archiv - der Wikipedia-Artikel zum Aussteuerungsmesser. Das gewünschte Anzeigeverhalten des nach DIN wird darin so beschrieben:

Ihre Integrationszeit (Ansprechzeit) beträgt 10 ms, d. h. ein einzelner Impuls von 0 dB und 10 ms Dauer ruft eine Anzeige von −1 dB (90 %) hervor, eine Spitze von 0 dB und 3 ms Dauer eine Anzeige von −4 dB.



Die Rücklaufzeit muss für sicheres Ablesen hinreichend groß sein; die Norm sieht einen Wert von 1,5 s für einen Abfall von 0 auf −20 dB vor.


In den Datenblättern von Display-Treiber-ICs, z.B. LM3916 bei reichelt, ist die passende analoge Spitzenwert-Gleichrichterschaltung in den Anwendungshinweisen abgedruckt. Dort finden sich auch weitere Hinweise auf das dynamische Verhalten:

Zitat von »LM3916 Datasheet«


DIN 45406 calls for a response of 1 dB down from steady-state for a 10 ms tone burst and 4 dB down for a 3ms tone burst. These requirements are consistent with the other frequently encountered spec of 2 dB down for a 5 ms burst and are met by an attack time constant of 1.7 ms.
The specified return time of 1.5 s to −20 dB requires a 650 ms decay time constant.


Für die Messung nach ITU-R 468 sind die Eigenschaften im oben verlinkten Artikel zumindest tabellarisch angegeben - nicht identisch zum DIN-PPM, aber prinzipiell ähnlich.

Digitales Beispiel:

Wie schon anderswo hier im Forum beschrieben benutze ich gerne das Linux-Programm Jnoisemeter als digitales Pegelmessgerät. Da es eigentlich zur Rauschmessung gedacht ist, hat es auch den Detektor mit dem passenden Ansprechverhalten (und die nötigen Bewertungsfilter) an Bord.

Da es freie Software ist, kann man ja "einfach" im Quelltext schauen, wie die Implementierung funktioniert. In Web-freundlicher Version ist die betreffende Stelle hier: http://roth-schmidt.net/~andreas/jnoisem…8cc_source.html

In Pseudo-Python-Code umgeschrieben:

Quellcode

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fs = 48000 # Sampling-Rate
a1 = 670.0 / fs
b1 = 3.50 / fs
a2 = 6.60 / fs
b2 = 0.65 / fs

# zwei letzte Samples
z1 = 0.
z2 = 0.

# Schleife über die Samples
for x in samples:
    z1 -= z1 * b1
    if x > z1:
        z1 += a1 * (x - z1)

    z2 -= z2 * b2
    if z1 > z2:
        z2 += a2 * (z1 - z2)


Es werden also von Sample zu Sample die Werte heruntergewichtet (mit b1 und b2), was wohl den geforderten langsamen Rücklauf herstellt. Und wenn das Signal gerade aufwärts geht (also x > z1, oder z1 > z2), wird auch etwas hinzugezählt - mit den Konstanten a1 und a2. Der Anzeigewert steht zu jeder Zeit in z1, wie man in der Klassendefinition sehen kann.

Das ganze sieht ja jetzt einem digitalen IIR-Filter ziemlich ähnlich - bis auf die hässlichen IF-Bedingungen. Beim Herumgooglen bin ich auf den Begriff "leaky integrator" gestoßen, also quasi ein Tiefpassfilter mit negativer Zeitkonstante?

Und hier hört mein Vortrag auf, und die Fragen fangen an:
  1. Kann man das gewünschte Verhalten mit zwei verschiedenen Zeitkonstanten für Ansprech- und Abklingzeit auf als echten IIR-Filter schreiben, als ohne die IF-Bedingungen?
  2. Die Konstanten (a1 bis b2) fallen für mich vom Himmel - wie könnte ich mir die sinnvoll plausibilisieren/herleiten/ausrechnen?
  3. Wenn ich den abgebildeten Code modifizieren wollte, um das DIN-Verhalten zu bekommen, wie komme ich dann zu den passenden Konstanten? Bräuchte es dann auch noch einen Filter zweiter Ordnung, oder würde der Blick zurück auf ein Sample ausreichen?
  4. Habt Ihr Hinweise auf die richtigen Begriffe, die hierfür in der DSP-Welt verwendet werden? Meine Suche im Netz ist bisher nicht sehr ergiebig.
  5. Gibt es vielleicht sowas wie eine "amtliche" Implementierung, so wie in den Normen oft die analoge Schaltung als Spezifikation eines Bewertungsfilters abgelegt ist?

Vielleicht bin ich damit hier auch im falschen Forum - aber aber einen Versuch ist es wert. Ich freue mich über jeden Hinweis :)

Viele Grüße
Andreas

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2

Sonntag, 5. März 2017, 00:09

Ich könnte im Moment nur die DIN 45506 (1966) beisteuern, sofern das eine Hilfe ist.

Grüße, Peter

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Sonntag, 5. März 2017, 00:59

Hallo Andreas,

ein "leaky integrator" ist zB ein Strom-gespeister Kondensator mit Parallelwiderstand, also mit normaler positiver Zeitkonstante, oder abstrakter formuliert, ein Integrations-Reservoir, in das nicht nur etwas reinfließt, sondern das auch ein Leck hat, also ständig ein bischen verliert.
Die "if"-Bedingungen entsprechen in einer realen Elektronik idealen Ventilen='Dioden ohne Schwellspannung'.
Da es also ein nicht-linearer Algorithmus ist, kann er nicht durch ein IIR-Filter (linearer Filter-Algorithmus) allein nachgebildet werden.
Die Konstanten ergeben sich aus a*Fs bzw b*Fs = 1/T, der gewünschten Zeitkonstante T.
Das folgt aus dem gewünschten exponentiellen Abfall. Mit dem Ansatz z = z0 exp(-t/T) folgt dz/dt = -1/T * z bzw. delta_z ~ -delta_t/T z. Wenn du delta_t = 1/Fs einsetzt, folgt dann b *Fs=1/T.
Aus dem gezeigten Code-Segment ergibt sich nicht, wozu z2 überhaupt berechnet wird. Da fehlt noch was.
Im elektronischen Analogon handelt es sich jedenfalls um zwei hintereinander geschaltete Gleichrichterstufen mit Speichern und Leck.
Die DIN kenne ich nicht, deshalb auch nicht die Zielsetzung.
Für eine Aussteuerungsanzeige würde hier noch die Implementierung einer Haltezeit fehlen, also eines Zeitintervalls, während dessen der letzte Spitzenwert unverändert angezeigt wird.
Für den Einsatz in einer AGC-Loop wäre ein zusätzlicher Tiefpass (mindestens 1.Ordnung) danach nützlich, um Ansprechverzerrungen unauffälliger zu machen.

MfG Kai
Nachtrag: Die bs entsprechen Leck-Widerständen, die as entsprechen (näherungsweise) Serienwiderständen vor den Integrations-Kondensatoren (hier die zs).

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Sonntag, 5. März 2017, 13:26

Hallo Kai,

Die "if"-Bedingungen entsprechen in einer realen Elektronik idealen Ventilen='Dioden ohne Schwellspannung'. Da es also ein nicht-linearer Algorithmus ist, kann er nicht durch ein IIR-Filter (linearer Filter-Algorithmus) allein nachgebildet werden.


danke, macht Sinn - dann wäre das also schonmal geklärt.

Aus dem gezeigten Code-Segment ergibt sich nicht, wozu z2 überhaupt berechnet wird. Da fehlt noch was.


Ja, und ich habe nicht genau hingeschaut: Als Wert für die Anzeige wird z2 zurückgegeben, wie man hinter obigem Link leicht sehen kann. Im Pseudo-Code oben ist noch ein Fehler: Statt dem Sample x wird dessen Betrag genommen. Unterschlagen habe ich auch, dass in jedem Schritt 1e-30 dazugezählt wird - vermutlich wegen begrenzter Auflösung.

Wenn man dann den Code auf einen 1kHz-Sinus-Ton mit Amplitude 1 und Dauer 0.2 Sekunden loslässt (grauer Bereich), verhalten sich z1 und z2 über der Zeit folgendermaßen:



Jetzt kann ich über den Sinn von z2 nur mutmaßen, dass damit die Anzeige beruhigt werden soll. Das Verhalten von z1 sieht eher wie gefordert aus. Das kann ich ja mal noch an den geforderten Punkten aus obigem Wikipedia-Artikel überprüfen.

Für eine Aussteuerungsanzeige würde hier noch die Implementierung einer Haltezeit fehlen, also eines Zeitintervalls, während dessen der letzte Spitzenwert unverändert angezeigt wird.


Hm, dafür soll doch eigentlich die relative langsame Abfall-Konstante sorgen? Die DIN (Danke, Peter!) sagt dazu: "Eine lange Rücklaufzeit erleichtert das Ablesen der Spitzenwerte.". Oder meinst Du einen Peak-Hold wie in neueren Consumer-Geräten, der den höchsten Wert wie einen Schleppzeiger nach oben schiebt, und nur alle paar Sekunden löscht?

Wo wir gerade an dieser Stelle sind: Jetzt wundere ich mich etwas, dass die Abfall-Konstante auf jedes Sample angewendet wird, die Anstiegs-Addition aber nur für Veränderungen nach oben passiert. Müsste es nicht eher so aussehen?

Quellcode

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        if x > z1:
            z1 += a1 * (x - z1)
        else:
            z1 -= z1 * b1


Der Unterschied im Plot, vergrößert:



Wie erwartet ist das erreichte Niveau höher, aber sonst ziemlich ähnlich. Hm. Kommt das vielleicht daher, dass in einer analogen Schaltung das Leck ständig aktiv ist, während vor der Auflandung die Diode (das "if") sitzt?

Die Konstanten ergeben sich aus a*Fs bzw b*Fs = 1/T, der gewünschten Zeitkonstante T. Das folgt aus dem gewünschten exponentiellen Abfall. Mit dem Ansatz z = z0 exp(-t/T) folgt dz/dt = -1/T * z bzw. delta_z ~ -delta_t/T z. Wenn du delta_t = 1/Fs einsetzt, folgt dann b *Fs=1/T.


Ah. Ok, darauf hätte ich auch kommen können, Danke!

Dann kann ich ja mal die oben genannten 1.7 ms und 650 ms einsetzen und ausprobieren.

Viele Grüße
Andreas

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Sonntag, 5. März 2017, 14:24

Hallo Andreas,

in einem vohergehenden Beitrag hattest du geschrieben, daß z1 angezeigt wird. Wenn stattdessen z2 angezeigt wird, bekommt man ja nie die ursprünglichen Spitzen zu sehen, oder werden z1 und z2 per max-Operator kombiniert oder wird z2 hochskaliert ?
Ich hab dunkle Erinnerungen an Texte, in denen von 2 Zeitkonstanten während der Abklingphase die Rede war, abhängig vom Pegelbereich. Etwas derartiges würde man mit Max(z1,z2) bekommen.
Das Aufaddieren von 10^-30 kann auch ganz prosaische Gründe haben, wie das Vermeiden von log(0) bei der abschließenden Umwandlung in dB.
Wenn es "nur" um die Messung nach ITU-R-468 geht, fehlt keine Haltezeit. Bei einem Spitzenpegel-Aussteuerungsmesser ist ein Extra-Indikator mit Haltezeit im Sekundenbereich (Peak-Hold) aber sehr nützlich. Man kombiniert dann eine Balkenanzeige mit exponentiellem Ein/Ausschwingverhalten mit einem "sticky" Strich-Symbol, das beim letzten Spitzenwert einige Sekunden "kleben" bleibt. Man bekommt dadurch eine Chance, auch wenn man nicht ständig aufs Display schaut, nach einer lauten Passage den Spitzenwert noch ablesen zu können.
Der Code bildet sicher eine ursprüngliche Hardware-Implementation nach. Da ist in der Regel der Parallel/Leck-Widerstand des Speicherkondensators ständig wirksam, während der Aufladepfad von der vorgeschalteten Diode nur geschlossen wird, wenn die Eingangsspannung größer ist.
Ob während der Aufladezeit gleichzeitig weiter entladen wird, ist letztlich Definitions/Geschmacksache.
Die Betragsbildung bei x ist eigentlich überflüssig, weil die "if"-Bedingung sowieso nur positive Werte > z1 reinläßt.

MfG Kai

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Sonntag, 5. März 2017, 15:12

Hallo Kai,


in einem vohergehenden Beitrag hattest du geschrieben, daß z1 angezeigt wird. Wenn stattdessen z2 angezeigt wird, bekommt man ja nie die ursprünglichen Spitzen zu sehen, oder werden z1 und z2 per max-Operator kombiniert oder wird z2 hochskaliert ?
Ich hab dunkle Erinnerungen an Texte, in denen von 2 Zeitkonstanten während der Abklingphase die Rede war, abhängig vom Pegelbereich. Etwas derartiges würde man mit Max(z1,z2) bekommen.


da hatte ich mich vertan, es wird einfach nur z2 hochskaliert. Die entsprechende, oben verlinkte Zeile heißt:

Quellcode

1
return 1.1453f * _z2;

Die Sache mit den zwei Zeitkonstanten könnte nochmal interessant werden, wenn das geforderte Ablingverhalten sonst nicht zu erreichen ist, das muss ich mir dann nochmal genauer anschauen. Bis dahin bin ich mit dem Verhalten von z1 und der Annahme, der Rest dient der Anzeigeberuhigung, völlig zufrieden :)

Wenn es "nur" um die Messung nach ITU-R-468 geht, fehlt keine Haltezeit. Bei einem Spitzenpegel-Aussteuerungsmesser ist ein Extra-Indikator mit Haltezeit im Sekundenbereich (Peak-Hold) aber sehr nützlich. Man kombiniert dann eine Balkenanzeige mit exponentiellem Ein/Ausschwingverhalten mit einem "sticky" Strich-Symbol, das beim letzten Spitzenwert einige Sekunden "kleben" bleibt. Man bekommt dadurch eine Chance, auch wenn man nicht ständig aufs Display schaut, nach einer lauten Passage den Spitzenwert noch ablesen zu können.


Ja, dieses Verhalten schätze ich in der Praxis auch sehr - und würde es im Falle einer konkreten Implementierung als "Sichtgerät" (egal, ob mit Hardware-Anzeige oder nur auf dem Monitor) auch so einbauen.

Die Betragsbildung bei x ist eigentlich überflüssig, weil die "if"-Bedingung sowieso nur positive Werte > z1 reinläßt.


Schon - aber dann hätten wir nur einen Halbwellen-Gleichrichter. Wenn die Amplitude im negativen Bereich aber größer als die positive wäre, dann würde er zu wenig anzeigen. Wie relevant das in der Praxis ist, weiß ich auch nicht. In der DIN 45 406 steht jedenfalls: "Er ist ein Quasi-Spitzenspannungsmesser mit Zweiweggleichrichtung." - und der Betrag kostet ja nix.

Stichwort DIN - dort wird gefordert:

  • -1 dB ± 0,5 dB nach 10 ms
  • -4 dB ± 1 dB nach 3 ms
  • -20 dB nach Rücklaufzeit von 1,5 ± 0,2 s


Das oben erwähnte Datenblatt behauptet, dies sei mit Zeitkonstanten von 1.7 ms und 650 ms zu schaffen. Wenn ich diese (als Kehrwerte) ins Programm einsetze, komme ich zu folgendem Verhalten:



Direkt in Gnuplot abgelesen ergibt sich:
  • -1.22 dB nach 10 ms
  • -4.76 dB nach 3 ms
  • -20 dB nach 1.48 s

Damit wären die DIN-Vorgaben innerhalb der geforderten Toleranz erfüllt.

Das Plateu liegt bei -0.23 dB, und damit auch innerhalb der Normvorgabe von ± 1dB um den Bezugspegel. Oh, ich glaube mich zu erinnern, dass die Normierung den Effektivwert des Sinus auf Bezugspegel legt - also müsste da noch ein Faktor ran. Gut, den kann man ja leicht bestimmen. Ah, und die abgelesenen Werte beziehen sich auf 1, nicht auf das erreichte Plateau. Gut, aber das sind Kleinigkeiten, Prinzip klar.

Dann bliebe noch der Check, was ITU-R 468 alles fordert, und ob das mit den originalen Zeitkonstanten nun erreicht wird. Anschließend kann ich mich an die Bewertungsfilter und die korrekte Messung des Rauschens in den Datenblättern machen.

Viele Grüße
Andreas

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Sonntag, 5. März 2017, 15:54

Hallo Andreas,

an den Aspekt der Vollwellengleichrichtung hab ich beim vorigen Beitrag leider nicht gedacht.
Das ist doch wichtig, weil viele akustischen Ereignisse recht aymmetrischen Amplituden- und Zeitverlauf inerhalb einer Periode haben. Der Mittelwert ist zwar im eingeschwungenen Zustand durch die immer vorhandene Hochpaßfilterung Null, aber die positiven und negativen Spitzenwerte können tatsächlich recht verschieden sein. Das gilt insbesondere für singuläre Ereignisse, wie den ersten singulären Kick in die Bassdrum bei Rockmusik.
Betragsbildung schadet also nicht nur nicht, sondern schützt überdies vorm Verpassen des echten Spitzenwertes !

MfG Kai

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Mittwoch, 8. März 2017, 13:13


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Mittwoch, 8. März 2017, 16:32

Hallo Andreas,

hier noch ein informativer Link ins Haus rtw :
https://www.rtw.com/de/produkte/audio-monitor/tm3-smart.html

Daran kannst du sehen, daß du mit ein paar Tagen Freizeit-Programmierung glatt 1654 € verdienen/sparen kannst.
Wenn man bedenkt, daß man für so viel Geld auch 3 - 4 Philips N4520 bekommen kann mit mehr als 75 kg Masse ...
würde ich mich selbst nach einem großen Lottogewinn wohl für eines der Schwergewichte entscheiden.

MfG Kai

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Donnerstag, 9. März 2017, 10:59

Falls das jetzt nicht zu weit vom Thema wegführt: die Aussteuerungsanzeige in der aktuellen Version von Audacity enthält neben anderen Charakteristiken auch ein Peak Meter (mit Peak Hold), das vermutlich die Anforderungen an einen Spitzenspannungsmesser erfüllt.

F.E.

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Donnerstag, 9. März 2017, 11:40

Andreas' Intentionen zielen zwar auf Verständnis und Programmierung der Messung nach ITU-R 468 ab, aber weil das in der Überschrift nicht so rüberkommt und deshalb auch andere hier interessiert reinschauen, nochmal mein Hinweis auf Software Peakmeter von darkwood :

http://www.darkwooddesigns.co.uk/pc2/meters.html

Ich habe früher das "Digital PPM" benutzt, in letzter Zeit vorwiegend das "Digital Level Meter". Beide sind kostenlos und können unter den 'neueren' Windows (ab XP) auch parallel zu anderen Programmen wie zB WaveRec benutzt werden ohne ein "virtual Audio cable".
( Friedrich: ich gebe zu, daß das von Audacity noch etwas hübscher ist )

MfG Kai

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Donnerstag, 9. März 2017, 16:03


Mehr Infos brauch ich nicht!

Gruß Bernd


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Donnerstag, 9. März 2017, 16:16

Das ist ja ein starkes Stück !

Handelt es sich um eine Dauer-Demo oder um die 30 Tage Trial-Version ?

MfG Kai
Nachtrag:
So gedrängelt geht es manchmal (aber nicht immer) auf meinem Netbook zu:

Hinten rechts ein alter schlanker WinAmp, davor (hier nur zur Schau) das "Digital Level Meter" von darkwood, das gerade den Line-Input monitort. Oben Mitte ein einfaches Vektor-Display, darunter ein WinAmp-PlugIn mit FFT, PeakLevel (max(L,R)), und je einem Low- und High-Shelf 2.Ordnung und einem Mid-Shelf 1.Ordnung (hier allerdings alle gerade alle auf "flat" gestellt). Links ein VST-PlugIn, das auch in WinAmp eingeklinkt ist. Eigentlich ein Kompressor, hier aber als Leveller zum Lautstärke-Ausgleich beim Nebenbei-Hören mit niedriger Lautstarke benutzt.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »kaimex« (9. März 2017, 18:08)


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Donnerstag, 9. März 2017, 19:16

Hallo Kai,

es handelt es sich um eine Dauer-Demo und läuft noch unter Windows 7 Professional 64 Bit. Aufnahme und abspeichern funktioniert natürlich nicht.

Hierzu dient mir WaveLab Elements 7 schon einige Jahre (EK < 100 €).


Gruß Bernd


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Donnerstag, 9. März 2017, 20:12

Hallo Bernd,

läßt sich diese Demo noch irgendwo finden ?
Bei Steinberg sehe ich nur 30 Tage-Trial-Versionen.
Schluckt das Teil viel Speicher und Rechenleistung ?
(Win 7 ist bei mir das neueste)

MfG Kai

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Freitag, 10. März 2017, 00:17

Hallo zusammen,

Kai hat recht - mir ging's wirklich vor allem ums Verständnis und die Möglichkeit, es zur Messung von Rauschen in eigenem Code zu verwenden.

Die RTW-Geräte und Programme sind mir für den Hobby-Gebrauch zwar zu teuer - sie zielen aber vermutlich auf Profis, die damit ihr Geld verdienen. Wenn ein Arbeitsergebnis davon abhängt, relativiert sich natürlich auch der Preis. Man kann natürlich bei ihnen genauso wenig die Implementierung ansehen wie bei den verlinkten Darkwood-Windows-Programmen. Wäre ich vor allem am täglichen Nutzen interessiert (und hätte ich ein Windows in Betrieb), wären letztere sicher die passende Lösung - vielleicht sucht ja jemand sowas ;)

Friedrich, vielen Dank für den Hinweis auf Audacity - das Programm benutze ich zwar häufig, habe mich aber noch nie wirklich mit den Eigenschaften des Level-Meters auseinandergesetzt. Da der Code ja offenliegt, kann ich ja mal etwas tiefer hineinschauen, und ggf. berichten, falls ich mich zurechtfinde.

Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, passende Testsignale für die Forderungen aus ITU-R 468 zu generieren und zu messen, wie präzise die oben gezeigte jnoisemeter-Implementierung ist, und wie groß der Unterschied zur DIN 45406 am Ende ist. Ich könnte mir vorstellen, dass in der zeitgenössischen Praxis für die betreffenden Messungen durchaus einfach das Zeigegerät eingesetzt wurde, was sowieso vorhanden war - also wohl meist eines nach DIN.

Viele Grüße
Andreas

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Freitag, 10. März 2017, 07:09

Hallo,
läßt sich diese Demo noch irgendwo finden ?

WL5D

!!! Benutzung auf eigene Gefahr !!!

Gruß Bernd


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Freitag, 10. März 2017, 10:06

@Bernd:
Danke für den Tip.
Besteht Sucht- oder Viren-Gafahr... ?
Gegen letzteres hab ich danach noch folgende Quelle gefunden, angeblich Viren-frei:
WaveLab5_demo_setup.exe
https://wavelab.en.softonic.com/download#downloading
Da ist auch noch von "free full demo" WaveLab 6 und 7 die Rede. Mir wurde aber nicht klar, ob das nur repetierte Anfragen oder Angebote waren.
Bei Steinberg findet man auch noch ein Angebot für eine freie 8er Version. Die ist aber mehr als 10 mal so groß (19X,x MB) wie die 5er (18,6 MB) und schien irgendeine Qualifizierung oder Registrierung zu erfordern.

@Andreas:
Dient dein Interesse an ITU-R468 nur der Band-Charakterisierung oder auch der Angabe von Geräuschspannungsabständen von Bandgeräten ?
Für letzteres hatte ich bisher nur wahrgenommen, daß es da kurz vor Mitte der 70er Jahre einen "Paradigmen"-Wechsel von Rauschmessungen mit Peak-detektor nach DIN (und A-Bewertung) zur Messung mit rms-Detektor gegeben hatte (die Prospektwerte wurde dadurch von einem Jahr zum nächsten ca. 9 dB besser).
Uher SNR Daten von RdL, SG560 & SG561 ?
Es wäre doch recht merkwürdig, wenn Geräuschspannungsabstände von Bändern einerseits und Bandgeräten andererseits unterschiedliche Messverfahren für das Rauschen verwenden würden.
Bin ich da nur ungenügend informiert oder ist/war das so ?

MfG Kai

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Freitag, 10. März 2017, 13:03

Hallo Kai,

die von mir vorgeschlagene Version ist eine "Dauer-Free-Version" und wird OHNE "Werbe-Belästigung" herunter geladen. Ein Download dieser Datei hat keine Warnung auf meinem Rechner ausgelöst. Bei den meisten neueren Versionen braucht's einen kostenpflichtigen Dongle, der "fast" so viel kostet wie WL Elements.

Gruß Bernd

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »besoe« (10. März 2017, 16:05)


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Freitag, 10. März 2017, 14:46

Hallo Andreas,

einige Zeit später ist mir aufgegangen, daß meine Frage in #18 teilweise Unfug ist, weil die Prospektdaten von Bandgerâten sich immer auf den Betrieb mit einem (oft nicht dabei genannten) Band beziehen. Es sind also keine "reinen" Gerätedaten. Wenn man ein Band charakterisieren will, sollte das Gerät so gut sein, daß es in vernachlâssigbarer Höhe in die Messung eingeht. Das wird bei Konsumergerâten nicht immer erfüllt sein. Um so grotesker wâre es, wenn man Band und die Kombination von Band und Gerât mit unterschiedlichen Verfahren beziffern würde.

MfG Kai